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Wiesbadener Tagblati

Dienstag, 1. Juni 1943

Das Wort

Cs lebt im Blute mir ein Wort, Tos wurzelt tief und zweigt sich fort. ®s. geht mir nach in Traum und Schlaf, Jett mich fein Helles. Rufen traf. Ich fpiir es in des Bruders Hand, 2n feinen Blicken unverwandt, an Schwertz und Arbeit, Kampf und Müh'n «eh ich cs sommerlich crbliih'n.

Ss herbstet nie und wird nicht alt; Das Wort, das orgeltönig hallt Durchs diefe Zeit, durch diesen Tag, Im Sensenklang, im Hammerschlag. Im Sturm der Herzen und im schritt Der Marschkolonnen dröhnt cs mit Und tönt fernher vorn Totenfeld Und über Ströme, Wald und Welt; Das Wort, das dich und mich bezwingt, Das aus dem Blut des Volkes singt, Das war und ist und immer währt, Solang das Licht herniederfährt. Solang ein Mund cs heitz bekennt, Solang ein Herz zu ihm entbrennt: Deutschland!

Walter Franke,

Sut den Nachwuchs zur See!

Wilhelm-Bauer- und Admiral-Lütgens-Preis der deutschen Schulen.

Um die Seefahrt und Scegeltung und den hierfür notwendigen Nachwuchs zu fördern, Hal der Reichserziehungsminister im Einver­nehmen mit dem Oberkommando der Kriegsmarine zum "Skagerrak- Tage 1943 zwei Preise gestiftet, die in jedem Jahr an diesem Tage verteilt werden sollen.

Der Wilhelm-Bauer-Preis tn Höhe von 5000 RM. soll denjenigen Abiturienten einer höheren Schule die materiellen Voraussetzungen für das Studium eines Faches der See­fahrt bzw.^Schiffahrtstcchnik und -Wissenschaft geben, der der Würdigste ist, diese Förderung zu erhalten. Der Preis erinnert an den Rainen des Erfinders, der durch feine unbeugsame' Energie erstmalig »das Unterseeboot entwickelte, das im gegenwärtigen Kriege dazu berufen ist, die wichtigste Entscheidung zur See herbeizuführen.

Der Admiral-Lütgens-Preis in Höhe von 3000 RM. soll die Erinnerung an den Flottenchef des gegenwärtigen Krieges wachhalten, der bei einem kühnen Unternehmen im heldenhaften Kampf gegen einen überlegenen .Gegner auf seinem Flaggschiff unter- ging. Als Beispiel für den Geist, aus dem allein gerne Gemeinschafts- leiftungen erzielt werden, soll der Preis bcricnigcn höheren deut­schen Schule zuerteilt werden, die die beste Jahresleistung aus einem Gebiet der Naturwissenschaft in Anwendung auf das Schiss bzw. die Schisfahrt in Verbindung mit dem Schiffsmodellbau nachweist. Der Preis kann auch in Teilbeträgen an eine oder mehtere deutsche Schulen gegeben werden.

Der Rundfunk am Mittwoch bringt an bemerkenswerten Sen­dungen im Reich svrogramm: 12.45: ,Schlotzkonzert aus Han­nover: 14.15: Das Deutsche Tanz! und Unterhaltungsorchester: 14.45: Wilfried Krüger svielt aus; 15.30: Von I. Ehr. Bach bis Schumann (Lied- und Kammermusik); 10.00: Otto Dobrindt dirigiert: 17.50: Das Buch der Zeit; 19.00: Vizeadmiral Lützow:Seekrieg und Seemacht"; 20.15: Musikalische Träumereien; 21.00: Eine Bunte Stunde. Deutschlandsender: 11.30: Über Land und Meer: 17.15: Donsich, Svohr. Folkerts sSinfonische Musik): 20.15:Klingendes (Erbe": W. A. Mozart; 21.00: Auslese schöner Schallvlatten.

Sternschan vom 1. bis 10. Juni. Der abends bis eine Stunde vor Mitternacht im M strahlende hellste Stern des Himmels ist der Wandelstern Venus als Abendstein an der Grenze der Sternbilder Zwillinge und Krebs in 130 Millionen Kilometer Entfernung. Der daneben stehende etwas schwächere Helle Stern ist der Riesenvlanet Jupite r in den Zwillingen, 895 Millionen Kilometer von uns weg. Der zwei Stunden vor Sonnenausgang in den Fischen im O. sich erhebende Helle rötliche Siern ist Wandelstern Mars in 210 Milli­onen Kilometer Abstand.

Eine Million Rettungsschwimmer in 30 Jahren ausgebildet. Anlätzlich ihres nOjährigen Bestehens hatte die Deutsche Lebens-Rett- tungs-Eemeinschast ihre leitenden Männer zu einer DLRE.-Führer-' schulung nach Stuttgart berufen, wo am 5. Juni 1913 der erste Ausruf zur Gründung der DLRE. veröffentlicht worden ist. Höhepunkt der von fachlichen Vorträgen ausgefüllten Tagung war am Sonntag eine grobe öffentliche Kundgebung in Anwesenheit führender Männer des ösfent- ltchen Lebens. Der Führer der Deutschen Lebens-Rettungs-Eemein- fchaft. ft-Eruppenführer und Generalleutnant der Waffcn-ft Breit- Haupt, gab eine Rückschau auf die Entwicklung der Lebcns-Reitungs- Eemeinschaft und ihre in 30 Jahren geleistete vorbildliche Arbeit. Den Anstotz zur Gründung hatte seinerzeit das grobe Unglück in Binz aus Rügen gegeben, wo ein Seesteg unter der Menschenlast zusammenbrach und viele Männer. Frauen und Kinder den nasien Tod erleiden mutzten, weil der grötzle Teil von ihnen und auch der Zeugen jenes Unglücks des Schwimmens nicht kundig war. Seither haben rund eine Million Rettungsschwimmer ihre Prüfungen abgelegt, und allein 1942 wurden mehr als 15 000 Urkunden über bestandene Rettungs­schwimmer-Prüfungen ausgehändigt. Dann oertündete der DLRE- Führer die Gründung einer DLRE.-Führerichulc in Stuttgart und gab die Zusammenfassung der aktiven Rcttungsichwimmcr imFreiwilligen Rettungsschwirnmer-Korvs der DLRE." bekannt.

lachte der Beamte.Schön einer nach dem anderen. Wie auf dAn Berggrat. Ordnung mutz fein . . .

Endlich fatzen sic alle im Wagen. Arbeiter aus der Stadt, Kinder, alte Mütterchen, junge -Bergwandercr mit Rucksack und Seil, die dann von der Bergstation noch weiter wollten.

Eine Klingel ertönte. Schrill und gellend.

Der Schaffner hob den Hörer des Svrechavvarates ab. der in dem aluminiumgleitzenden Seilbahnwagen angebracht war.

Alles im Wagen!" rief er in den Avvarat hinein.Fertig!"

Noch einmal erklang die Glocke. Vielen schien sie besonders ein­dringlich und mahnend. Der Maschinist, der über seinen Maschinen und Motoren stand, gab ein Zeichen. Lautlos setzte sich der Wagen in Bewegung. Flog dahin Über die Mfvfel der Bäume, die Station versank und wurde immer kleiner.

Slumps! Die Insassen des Wagens wurden ein wenig durchein­andergerüttelt. Der Wagen war über die erste Turmftütze geglitten, federte weich ab, schwang einige Male nach vor- und rückwärts, bis seine Druckbremse ihn wieder zum ruhigen Schweben brachte.

Die riesige Königswand tauchte über dem Wald auf. Ein Ge- mimmcl kleiner, milchfarbener Wolkenballen weidete wie eine Lämmerherde über dem blaudunklcn Wald.

Das if9 der Dundo-Wald," erklärte der Seilbahnschaffner den Fahrgästen.

Die Leute in dem Wagen sahen nach dem Wald in der Tiefe und dem Hellen Glanz der Höhen Grate wurden sichtbar, Wände von Riffen und Ftftchcn durchzogen, grobe grüne Kare und bunte Alm­wiesen.

Gs ist zu schön, zu schön . . . stammelte immer wieder bet»alte Mann, der es früher so eilig gehabt hatte.

Ich habe fast vierzig Jahre am Webstuhl gearbeitet," sagte er »um Schaffner, wie zur Entschuldigung.

Jetzt hing dos Seil über einem mächtigen Kar. Grobe Vögel Umflatterten den Wagen und blickten neugierig auf die Menschen.

Dort drüben, das ist die Königswand," erklärte der Schaffner. Und jetzt können Sie auch schon die Rotwand sehen mit der Kellcr- loitze. Nur fest stehen, meine Herrschaften. Die Welt ist rund und dreht sich, da braucht man Stabilität. .Aber sicher ist die Bahn . was sage ich . . . vierzigfache Sicherheit das ist Vorschrift. Wir Techniker nennen die Seile überdimensioniert," sagte der Schaffner mit einem Stolze, als hätte er selbst die gewaltige Turmstütze erbaut, dip jetzt dem Wagen entgegen geflogen kam.

Hier unten sehen Sie schon den Teufelsgrat. Achtung, jetzt kommt die Teufelsstütze. Wir gleiten eben sanft hinüber! Sehen Sie dort ganz unten die Wettertanne?"

.Der Schaffner strich sich seinen Schnurrbart.

Auf diesem Erat kämpften einmal schon vor hundert Jahren zwei feindliche Brüder um ein Mädchen. Der Blitz idimetterte sie beide hinab in das Kar. Dort bei der Wcttcrtannc fand man ihre Scheine. Desweilen verschmachtete die schone Eriselda auf dem Teufelsgrat. Ist eben nur eine Sage, meine Herrschaften. Das Leben ist nicht so roman­tisch -!"

, Ende

Juni

Langsam tritt nun der Sommer aus dem Tor der Ferne, wo Himmel und Erde sich zu berühren scheinen, und aus seinem warmen Atein_strömt Segen. W e i te und Licht kommen mit ihm und tragen das Schicksal eines Jahres in seine Vollendung.

Die Fenster der Häuser schauen.mit offenen Augen in den Tag, und bis in die Strotzen schwingt die Sübigfeit vielstimmiger Vogel­lieder Wenn einer zur Arbeit geht, verweilt et wohl ein wenig vor einem blühenden Rosenstock im Park oder Garten und nimmt dies Bild unverlierbar mit an die Maschinen oder in Sie Büros. Das ist so, denft der Brachmond lost leise und heimlich Spannung und Kramvs und lockert alle Enge.

Das ganze Land steht im Düsten und Blühen, und wie ans Ooser- schalen steigt cs in einen überhellen, hohen Himmel ober raunt als Melobie bnrch milbe, sternklare Nächte. D<as Geheimnisder Lebenscrfülluiig rührt alles an, nnb wer es spürt, verhält den Atem. Ob' der Soimnerwuid durch die reifenden Ähren rauscht ober bie Blumen ber Wiese Ium Klingen bringt, ob Gott Donar seinen Hammer schleudert Latz die Erde in Dampf und Schwüle siliert, aus Lieblichkeit qnd Leidenschaft, aus Traum und Wachsein wölbt "sich bie Brücke, darauf Sehnsucht und Erwartung zur Erfüllung schreiten.

Wenn die taufrische Frühe ihre Keuschheit dem werbenden Sonnenlcuchtcn des Tages geschenkt, wenn Mittagswärme und -helle die Kräfte in bie abendliche Stille nnb Sattheit ausgeschwungen, bann schlietzt bas Silberlicht bes Juni-Monbes verborgene Wundcr- reiche auf unb liitzt ben ganzen Lebenssinn unb -zauber im Brennen von Gefühlen und Gedanken offenbar werden, die aus Höhen und Tiefen zusammenströmen. A. PI.

vorübergehend erhöhte E-Milch-Ausgabe

Die günstige Entwicklung der Milchanlieferung macht cs möglich die« Versorgung mit Ll-Milch (Entrahmte Frischmilch! vorübergehend zu verbessern. Es gelangen daher ab 31. Mai 1 9 4 3 im Rahmen der möglichen Zuteilung an die Milchklcinvertciler erhöhte P-Milch- mengen zur Ausgabe.

Es wird ausdrücklich darauf hingeroiefen. datz cs sich hier nur um eine vorübergehende Motznahmc handelt, auf die kein irgendwie ge­arteter Anspruch für eine Dauerregelung erhoben werden

Keine beurkundeten Sendungen mehr

Hb 1. Juni vereinfachte Zustellung amtlicher gerichtlicher Sendungen.

Der Reichsiustizminister gibt in derDeutschen Justiz" Er­läuterungen zu den am 1. Juni in Kraft tretenden Bestimmungen über die vereinfachte Zustellung durch die Post bekannt. Zustellungen durch die Post können danach in der Weise bewirkt werden, datz der Gerichtsvollzieher oder die Behörde das zu übergebende Schriftstück unter der Anschrift des Empfängers zur Post gibt. Einer Beurkun­dung durch den Postbcdiensteten bedarf es nicht mehr. Sendungen mit Zustellungsurkunden werden also nicht mehr aufgegeben. Die Zu­stellung gilt im Ortsbestellverkehr am zweiten, im übrigen am vierten Werktag nach ber Aufgabe zur Post als bewirkt, auch dann, wenn bie Scnbung tatsächlich früher bestellt worben ist. Die Zustellung wird in der Regel durch gewöhnliche Sendung erfolgen. Ein­schreibesendungen sind nur vorgesehen, wenn bie an die Zustellung ge­knüpften Folgen besonders schwerwiegend sind oder wenn der Wert der Sendung cs im Einzclfall erforderlich erscheinen löst. Im Gebiet bet bürgerlichen Rechtspflege wird danach die Ein- s ch r e i b e j-e n b u n g selten nötig sein, insbesondere nicht bei der Zustellung von Klageschriften, Terminlabungen, Verfügungen unb Be­schlüssen, unb zwar auch bann nicht, wenmmn die Zustellung ber Be­ginn einer Frist geknüpft ist. In StrafsaDn ist für bestimmte Fälle bet Einschreibebrief vorgesehen.

Grgänäctjb wirb dazu angeführt, datz diese Regelung manchen, der bisher nur an bie Form und Garantie ber förmlichen Zustellung ge­wöhnt war, vielleicht etwas gewagt vorkommen werde. 'Aocr solche Besorgnisse mützten nicht nur vor den Kricgsetforderniffen zurücktreten, sie seien auch praktisch kaum begründet. Die förmliche Zustellung sei auch in der Vergangenheit schon stark abgebaut worden, und bei den FiNanzbehorbcn beispielsweise sei man von jeher ohne die förmliche Zustellung ausgekommen.

Man möge getrost darauf vertrauen, datz auch -gewöhnliche Post­sendungen ihr Ziel erreichen und datz, wo einmal der Ntchtzugang oder ber verspätete Zugang einer Sendung glaubhaft gemacht sei, bie Möglichkeiten ber Verordnung ober nötigenfalls die Wiebereinsetzung in den vorigen Stand ausreichen, uijt Unzuträglichkeiten und Härten zu vermeiden. Im übrigen aber werde jeder Emvfängcr amlltcfjcr ge­richtlicher Zuschriften gut daran tun. solche Zuschriften zu beachten und sich den Tag der Absendung und des Empfanges zu merken, also eine Sorgfalt zu beobachten, die auf anderen flehens« gebieten längst als selbstverständlich angesehen würde.

Sterbegeld für Eltern von Gefallenen. Zum Bezüge von Sterbe­geld nach der Reichsoersicherungsordnung sind nacheinander Ehegatte, die Kinder, der Vater, die Mutter und die Geschwister berechtigt. Vor­aussetzung ist. datz die genannten Personen mit dem Versicherten zur Zeit seines Todes in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. 3m Hin­blick auf bie Sterbegelbanträge von Angehörigen Gefallener ist im Laufe bes Krieges bereits für eine grotzzügige Auslegung bes Be­griffes ber häuslichen Gemeinschaft gesorgt worben. So erhalten die Witwe und bie Kinber bes Versicherten Sterbegeld auch bann, wenn sie wegen Schwierigkeiten bei ber Beschaffung einer Wohnung ober infolge der Kriegsverhältnisse, z. B. bei Kriegstrauung. Ferntrauung Dienstverpflichtung, mit bem Versicherten nicht in häuslicher Gemein­schaft gelebt haben. Entsprechenbe Anweisungen an bie Träger ber Krankenversicherung unb die Versicherungsbehörden sind schon im Jahre 1940 ergangen. Eine weitere Klarstellung ,st jetzt für bie Eltern gefolgt. Nach einem neuen Erlas? bes Reichsarbeitsministers ist bem Vater ober ber Mutter bes Versicherten bas Sterbegeld zu gewähren, auch wenn sie nicht in häuslicher Gemeinschaft mit dem Versicherten gelebt haben, es sei denn, datz andere Bezugsberechtigte vorhanden sind, bei denen diese Voraussetzung erfüllt-roar. Die Eltern crhdlten also auch dann Sterbegeld;'wenn sic mit dem Versicherten niemals in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben. Es stehl ihnen aber fein An­spruch auf Sterbegeld zu. wenn Geschwister des Versicherten vorhanden sind, die mit ihm zur Zeit des Todes zusammcnlebten. Wenn die El­tern keine häusliche Gemeinschaft mit dem Versicherten hatten und sonstige Bezugsberechtigte nicht vorhanden sind, kann bas Sterbegelb wahlweise auch dem Gros?vater. ber Erotzmuttcr, bem Pflegevater ober ber Pflegemutter bes Versicherten zugebilligt werben wenn bies ben ErforberNissen der Billigkeit entspricht. Der Samenleiter wirb baburch in bie flaue versetzt, in bestimmten befonbers gelagerten Fällen nach der Billigkeit zu" entscheiden. ' ,

Keine Eerichtskosten bei Kriegssachschäden. Der Reichsjustiz­minister hat die Amtsgerichte ermächtigt. Eerichtsgebühren unb Aus­lagen zu erlassen, wenn damit zu rechnen ist. datz die Kosten im Kriegs- sachschädenverfahren zu ersetzen sind. Hierzu sind z. B. bie Eerichts­kosten für bie Ersetzung von Ausfertigungen ober Abschriften zu rech­nen. die durch Kriegseinwirkungen'vernichtet worden sind, ferner die Eerichtskosten für ein Aufgebotsverfahren zum Zwecke ber Kraftlos­erklärung einet durch Kriegseinwirkung zerstörten Urkunde.

Wiesbadener Gerichtdurteile, Wegen Diebstahls wurde ein Jugendlicher, der aus einer Wehrmuchtsbaracke Sprengstoff entnehm und auf einem Feld eine kleine Sprengung durchführtc vom Jugend­richter zu zwei Wochen Iugendartelt verurteilt. Erziehungsmatznahmen wurden ungeordnet Eine Hausangestellte, die aus einem ver­schlossenen Schrank ihrer Arbeitgeberin, den sie mit einem Nachschlüssel öffnete. Kleider, Schuhe, Wäsche, Lebensmittel u. ä. stahl, wurde wegen schweren und einfachen Diebstahls vom Amtsrichter zu einer Gefängnisstrafe von neun Mona leit verurteilt. Im Sinne ber §§ 175 und 175USTEB vergingen sich Zwei Einwohner. Die Strafen lauteten auf zwei Jahre sechs Monate Gefängnis im einen und neun Monate Gefängnis im anderen Fall.

Gartenarbeiten im Juni

Gemüsegarten: Mit dem fortschreitenden Wachstum unserer Kulturen hat eine sachgemätze Pflege einzusetzen. Eine der wichtigsten Pflegematznahmen ist unbedingt bas Lockern. Unsere Beete müssen immer gut gelockert sein. Nicht die Erde aufwühlen, sondern nur die Kruste brechen. Neben dem Lockern ist bas E r - b ü n n c r n (Verziehen, Auslichten) sehr wichtig. Da bie Aussaat in bet Regel zu dicht ist, rpuR sie später korrigiert werden. Das ge­schieht eben durch das Erdünncrn, aber rechtzeitig. Eine sehr wich­tige Pflegeatbcit ist zur Zeit auch das Wässern. 3m allgemeinen stellt der Juni die höchsten Ansprüche an die Bodenseuchtigkeit. Immer soll man es sich zur Regel machen, durchdringend zu-wässern. Ferner ist jetzt von graher Wichtigkeit, eine Reihe von Gemüse­pflanzen des öfteren zu jauchen. Besonders alle Kohlgewächse, ferner Salate, Sellerie, aber auch Gurken und Tomaten sind für häufige Jauchegaben sehr dankbar. In erster Linie soll man für das Jauchen organische Dungstoffc verwenden. Rur wenn diese nicht beschafft werden können, nimmt man Düngesalze. Die Pflanzen müssen gut antzewachsen, die Erde darf nie zu trocken sein, bei starkem Sonnenschein darf nicht gejaucht werden. Ferner mutz man bie Gewächse nach bem Jauchen unbedingt gut abbrausen. Auf keinen Fall dürfen Iauchercstc an der Belaubung haften bleiben, da sie in vielen Fällen das Blattwerk verderben. Bei der Tomate treten zu den allgemeinen, schon erwähnten Pflegearbeiten noch fortlaufendes Anbindcn und auch Fortschneiden der Nebcntriebe. Wir ziehen die Tomate durchwegs am Pfahl. Gesät werden im Juni noch: Buschbohnen, Erbsen, Salat, Endivie, gelbe Riiben, Kohl­rabi und Blättcrkohl (Grünkohl). Gepflanzt werden 'im Juni: Sämtliche Äoblarten füj: den Herbst- und Winterbedarf, Rosenkohl, rote Rüben, Salat unb Lauch. Wenn Blumenkohlpflanzen mit bc» Ausbildung ber Blume beginnen, binben wir bie Blätter zusammen, ober knicken sie ein. Die Blume bleibt bann weitz unb geschlossen.

Obstgarten: Mit dem Pinzieren bei Zwerg- und Form­obstbäumen wird begonnen. Hierunter versteht man bas Entspitzcn ber jungen Triebe während ihrer Triebperiode. Der Zweck des Entspitzens ist, den Saft auf die unteren Augen des Triebes zuriick- zudrängen, um dort eine bessere Ausbildung der Knospen, sowie ein Kurzhalten Lest Fruchtholzcs zu ermöglichen. Ferner bildet ein richtiges Entspitzcn die Möglichkeit der Herstellung des Gleichge­wichtes in Wuchs und Stärke der verschiedenen Triebe eines Zwei­ges ober Astes. Die Leittriebe bleiben gewöhnlich autzer bem Heften unb einem Herstellen bes Gleichgewichtes untereinander unberührt. Die frisch veredelten Bäume werden nachgesehen, um die Pfropf­köpfe bzw. Edelreiser frei zu stellen. Die. Wasserschosse, welche direkt beim Äopfe stehen, werden ganz entfernt, die übrigen nur eingc- kürzt. Schwachtricbige Obstbäume und Beeercnstfäucher sind nun für eine flüssige Stickstoffdüngung dankbar, ebenso auch die Erd­beeren schätzen eine flüssige, schwache Düngung von Beginn der Blüte an bis vor ber Fruchtreife, was den Ertrag zu steigern vermag. Dies erfordert aber etwas Vorsicht, da bie Früchte sonst "gerne faulen.

Bilder aus Wiesbadens Postgeschichte

4. Das erste Pasthaus in Wiesbaden

Seit dem Jahre 1709 bemühte sich Fürst Georg August von Naffan- Idstein- sowohl durch direkte Verhandlungen mit dem Fürsten von THurn und Taxis, als auch durch Vermittlung des Mainzer Kut- fütsten, datz die Poststratze Frankfurt-Köln ihren Weg über Idstein nehmen sollte, und lieh die Vorteile dieser Route wiederholt ausein­andersetzen, aber et sand immer taube Ohren. Einen kümmerlichen Ersatz bot ber kseffische Bote, bet auf seinem Wege von Rheinfels nach" Frankfurt zweimal wöchentlich im Gasthause zum Rappen in Wiesbaden Halt machte und die nassauischen Briefe mitnahm, die in der Behausung bes Amtsanwalts lllrici gleich am Schlöffe abgegeben werden mutzten. In Frankfurt wat die Sammelstelle bei bem Agenten Vietor im Zimmethof.

Balb aber ging Georg August dazu übet, eine eigene, zweimal wöchentlich verkehrende Post in [einem Länbchen von Idstein über Wiesbaden nach Frankfurt 'einzurichten. Die Öffentlichkeit wurde durch einen gedruckten Anschlag vorn 2, Oktober 1713 und durch Be­kanntmachung in ben Zeitungen barauf hingewicsen. Der Wort­laut der Veröffentlichung in Nr. 41 ber Europäischen Zeitung von 1714 möge auch uns von dem Plan und allen Einzelheiten dieser neuen Anstalt Kenntnis geben:

Demnach Ihre hochfürstliche Durchlaucht zu Raffau-Jdstein ben Publik ergeben lassen, datz zwei reitende Postillone aus der Residenz Itzstein und der Stabt Sßiesbaben nach bes heiligen römischen Reiches Stadt Frankfurt am Main wöchentlich zweimal, als Dienstags und Sonnabends, solcher gestalt abgehen, datz solche auf diese Tage gegen 10 Uhr vormittags zu besagten Frankfurt antommen uitb nachmittags Sommerzeit um 2, Winterzeit aber um 1 Uhr wieder' zurückkehren, wo­durch alle Briefe und Paquettcr nicht nur nacher Frankfurt unb in die vorbenannten Orte, als Itzstein. Wiesbaden, auch sämtliche hoch- fürstlichen Lande, sondern'auch in das Schlangenbad. Langenschwal- bach, Kcemcl, Nastätten, St. Goar. Naffau und. in Ems richtig , und wohl bestellt werden, wovon zu Frankfurt im Zimmerhof auf dem Erotzcn Hirschgraben bei dem Herrn Agenten Vietor, zu Itzstein bei bem dösigen Schulthcitzcn Herrn Preutzcr und zu Wiesbaden bei Herrn Philipp Hentiry, Easthalter zum Güldenen Löwen, bie Auf- unb Abgebung derer Briefe und Paquettcr beschickt, als hat man dieses nochmalen bekannt machen unb die Nachricht qtit anfügen wollen, welcher gestalten hochcrnanntc Ihre hochfürstliche Durchlaucht ferner gnädigst ncrorbnet, bah denen Passagiers unb Kur sich be- bienenben zum Besten ein bedeckter Wagen von Wiesbaden durch obbesagten Herrn Philipp H-nricy nach oft getnelbtem Frankfurt autzer ber Messe einmal, als Mittwochs unb in ber Messe zweimal, als Montags unb Donnerstags, wirklich abgeschickt werbe, welcher zu Frankfurt im Weibenbusch auf bet Bockenheimer Gaffe auf not» stchenbe Tage vormittags ankommt unb bie andern Tage darauf nach­mittags um 1 Uhr wieder nach Wiesbaden zurück geht unb selbigen Abends daselbst anlangt, womit nicht allein Personen, sondern auch Paauetter und Waren um einen billigen Preis sichet bestellt werden und eine Person von der Meile 15 Kreuzer bezahlt, auch dabei das

Dienstag: Verdunkelung von 22,46 dis 4,41 Uhr

Versprechen hat, wenn jemand weiter von Wiesbaden nach dem Schlangenbad, flangenschwalbach zu gehen willens ist, selbigem um einen billigen Preis darin gedient werden solle." e

Aus dieser Anzeige geht hervor, datz das neue, eigenständig nassauische Postwesen, dem leider nur eine gar kurze Lebensdauer betrieben war, nicht mehr ben Charakter eines vom Staate unter­haltenen. für rein amtliche Zwecke bestimmten unb nur gelegent­lich dem Privatmann dienenden Organs zeigt. Georg August hatte sich den Thutn'und Taxisschen Plan zum Vorbild genommen, eine dem allgemeinen Bedürfnis angepatzte Post zu schaffen, wobei bas Wohlwollen und bet Schutz der berührten Länder durch freie Be­förderung des ganzen amtlichen Schriftverkehrs erkauft murtfc. Na­türlich hatte der nassauische Fürst bei der Einrichtung nicht die Er­zielung eines (bei ber geringen Ausdehnung kaum zu erwartenden) Betriebsüberschuffcs int Auge, sondern nur die Hebung Wiesbadens als Kurstadt. Was er sonst für dieselbe, getan hat, kann hier nicht ausgeführt werden. Er gedachte seine Residenz Hierher zu verlegen, mit dem benachbarten Biebrich als Sommeraufenthalt. Z.

Blusen, die im eigenen Haushalt entbehrlich sind, werdet» für Rüstungsarbeiter und -arbeiterinnen gebraucht. Die für den Endsieg eingesetzten Arbeitskräfte erhalten die notwendige Arbeitskleidung und Wäsche aus der

Wäsche, Anzüge, Mäntel, Jacken und Hosen, Hüte. Kleider. Röcke.

SPINNSTOFF. UND SCHUHSAMMLUNG 1943

VOM 23 MAI SIS 12 JUNI

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