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Wiesbadener Tagblatt

Sreltas, 28. Mai 1943

Neues aus allen Welt

Mus Gau und. Provinz

FAMILIENANZEIGEN

KIRCHLICHE NACHRICHTEN

GESCHÄFTSANZEIGEN

Evangelische Kirche. Erläuterung: W -

Wochenschlußgottesdienst; HG = Haupt­gottesdienst ; GF = Gottesfeier; KdG =

Die

Wilde,

Wiesb.-Schierstein:

VERSICHERUNGEN

HEIRATEN

11 KdG:

BAUSPARKASSEN

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UNTERRICHT

GESCHÄFTL.EMPFEHLUNGEN

VERLOREN-GEFUNDEN

Leiden

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Di? Einäscherung findet am Montag, 31. Mai, um 12 Uhr auf dem Süd­friedhof statt.

ä Engers, 27. Mai. Der elfjährige Schüler Ernst Nahlbach, der trotz Verbotes im Rhein badete, fand dabei den Tod. Obwohl er nicht schwimmen konnte, giyg er beim Sviel immer tiefer in dos Wasser, um einen Stein zu holen. Plötzlich versank er in den Fluten und ertrank, ehe Hilfe möglich war.

= Retzbach 27 Mai. Der Schäfer Christian Krämer begeht heute, am 27. Mai. seinen 8 0. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters geht er noch in voller Frische seinem Beruf nach und hütet die Herden.

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Am 26. Mai entschlief nach kurzem schwerem Leiden meine litbe, treu­besorgte Frau, unsere herzensgute, unvergeßliche Mutter und Oma, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau

Ihre Vermählung geben bekannt: Karl Taube, Scharführer der Waffen-ff, Liselotte Taube, geb. Zinn. Wies-! baden, den 29. Mai 1943, Rauenthalerl Straße 11.

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Er versprach 100 Prozent Zinsen!

= Frankfurt a. M., 27. Mai. Vor dem Amtsgericht Frankfurt batre sich wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betrugs der 68jährige Ludwig 3. aus Hamburg zu verantworten, der schon mit 19 Jahren straffällig geworden ist. Vis 1938 standen 14 Vorstrafen in seinen Ak­ten, dann gab es eine Pause. Er hatte eine Stellung gefunden und sich eine zeitlang gut geführt, dann aber ging es wieder abwärts mit ihm. Wer seine Bekanntschaft machte, hatte zunächst den Eindruck, einen Biedermann vor sich zu haben; 3. verstand es durch sein gewandtes Auftreten, die Leute hereinzulegen. Einem Vermieter stahl er Bücher im Werte von 500 RM. eine Packerin und einen Rentenemvsänger be­trog er um insgesamt 850 RM. wobei er den Leuten erklärte,ein Ge­schäft grob aufziehcn zu wollen, und ihnen 100 Prozent Zinsen ver­sprach. Der Angeklagte, der auberdem einkassierte Gelder unterschlagen hatte, wurde zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt.

- Mainz, 27. Mai. In einem Hause der Josefsstrabe wurde eine Frau durch verdächtige Geräusche im Keller aufmerksam und begab sich, nach Alarmierung des Hauses, in denKeller. Hier wurde ein 16= jähriger Bursche überrascht, der sich bereits drei Stunden int Keller aushielt und sich nach Aufbrechung der Kellerverschläge an den dort ausbcwahrten Lebensmitteln gütlich getan hatte. Bon der Polizei wurde der jugendliche Einbrecher, der schon einen Anzug und sonstiges Diebesgut zum Abtransport bereitgestellt hatte, verhaftet. Es handelt sich um einen aus der 'Erziehungsanstalt in Mühlheim am Main Ausgebrochenen, der sich in drei Tagen zu Futz bis nach Mainz, woher er stammü durchschlug.

XDier, 27. Mai. Ein Radfahrer, der die steil» Schlotzbergstratz« herunterfuhr, stürzte und zog sich sehr schwere Verletzungen zu. Der Verunglückte wurde dem Krankenhause zugeführt.

X Vom Westerwald, 27. Mai. Altbürgermeister Aus.

Rotes Mäppchen mit sämtlichen Lebens­mittelkarten. einer Raucherkarte, zwei Kleiderkarten, alles auf den Namen Schiink lautend, am Mittwoch, den 26. d. M., verloren gegangen. Der ehr­liche Finder wird gebeten, dieselben gegen Belohnung abzugeben entweder auf dem Fundbüro oder bei Schiink, Wiesbaden, Feld­straße 13.

Kindergottesdienst.

Samstag, 29. Mai. Bergkirche: 18 W, Fries. Sonntag, 30. Mai. Marktkirche: 10 HG. Landesb. Lic. Dr. Dietrich: 11.15 KdG; Mi. 16, Dotzheimer Str. 4, Dr. Borngfcsser. — Bergkirche: 10 GF, Keller; 11.15 KdG. — Ringkirche: 10 MissG. Weller; 11.15 KdG, Geis­linger; 11 Klarenthaler Str. 2 KdG, Muiot. — Lutherkirche: 10 HG, Bars;

11.30 KdG; Di. 20, Lic. Hoffmann. — Kreuzkirche: 10 HG, Dr. Borngässer; 11.15 KdG. — Paullnenstift: 10 GF, Ekhhoff. — W.-Biebrich: Hauptkirche: 10 HG, Albert; 11.15 KdG; Oranier- kirche: 10 HG, Maisch: Waldstraße:j 10 HG, Conradi. — Wiesb.-Dotzheim: 10 HG, Dahlmann; 11 KdG; Mi. 20 G.

Die Spinnstoff- und Schuhfammlnug 1943 eröffnet

In einer Sammelstelle am Eröffnungstag. Schuhe, Stiesel und ganze Bündel Spinnstoffe werden abgegeben.

Frankfurter Börse vom 28. Mai. Am Aktienmarkt ergaben sich nur kleine Umsätze, wobei VDM mit 161*/» ohne Zuteilung, Mainzer Aktien-Brauerei ohne Zuteilungsanspruch gehandelt wurden. Reichs­altbesitz wieder */<•/• höher 174’ -. Fest lagen Dekosama I mit 182*/,. Jndustrieobligationen weiterhin gesucht. Von Freiverkehrsaktien Elsatz-Badische Wolle 149'/,. Sonst war dieser Markt sehr still. Tagesgeld !*/»•/•.

W.-Bierstadt: 10 HG, Zimmermann:

11 KdG. — W.-Sonnenberg: 10 HG, Lic. Dr. Grün; 11 KdG; Do. 20 Wart­burg, Lic. Dr. Grün. — W.-Rambadr. • * fällt aus. — W.-Igstadt: 9.30 GF, Wick. Katholische Kirche. St. Bonifatiuskirdie:

M.: So. 6, 7, 8, 9, 10, 11.30 u. 19 Ühr; Werkt. 6, 7.15, 9: Do. 6. 7.15, 8, 9 u. 20 Uhr. — Beicht: Mi. 17—19.30 u. nach 20.15, Sa. 16—19.30 u. n. 2015. — Dreifaltigkeitskirche: M. So. 7, 8. 9. 10 Uhr. Wo. 6.30 u. 8; Mi. u. Fr. 7 (statt 6.30); Do. 20 Uhr. And.: So. 14.30 u. 20: Fr. 20 Uhr. Sa. 18 Uhr. Beichtgel.: So. ab 6.30, Mi. 18—19, Sa. 16—19 Uhr und nach 20 Uhr. — Maria-Hilf-Kirche: M.: So. 6.30, 8, 9, 10 Uhr; And. 20; Werkt. M. 6.30, 7.30, 8.30; Di. u. Fr. 6.15, 7, 8.30. Mo., Mi. u. Fr. 20 Uhr Maiandacht. Beichtgel.: Sa. 16—19 u. nach 20, So. ab 6.30. — St. Elisabethkirche: M.: So. 6.30, 7.30, 8.45, 10 u. 11.30 (nach nächtl. Flieger­alarm: 10, 11, 12 u. 20); Andacht: So. u. Di. 20; Werkt. M. 6.15, 7.15 u. 8 (Mi. 7.15 fällt aus); Beichtgel.: Sa. 16 bis 19 und nach 20 Uhr, So. u. Di. bis 8 und Fr. 17—19 Uhr.

Alt-kath. Kirche, Schwalbacher Str.: 10 Uhr. Freikirchen: Christi. Gemeinde: So. u. Mi.

20 Uhr. — Ev.-Iuth. Dreieinigkeitsgem., Kiedricher Str. 8: So. 10 G. — £v.-luth. Gemeinde, Dotzheimer Str. 4, 1: So.

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hört hatte und annehmen muhte, dah er mSglichcrweise abgeschossen worden war, kommt aus Iägerkreisen die Mitteilung, datz in der Ge­gend von Kreuznach ein Steinadler beobachtet worden sei. Es ist an- zunehmen, dah es sich um den vielgenannten Heidelberger Steinadler handelt.

X Bad Ems, 27. Mai. Das Deutsche Kreuz in Gold wurde dem Feldwebel Hans Annen, Divlom-Handelslehrer in Bad Ems, verliehen.

Denke dran bei jedem Schritt: Deine j Sohlen schützt ,,SoItit“! Soltit gibt > Ledersohlen längere Haltbarkeit, ver­hütet nasse Füße.

Gewohnheitsverbrecher zum^Tode verurteilt

Darmstadt, 28. Mai. Sechzehn Vorstrafen vorwiegend wegen Dieb stahls, aber auch solche wegen Fahnenflucht, Hehlerei. Körverver letzung. Bedrohung und Sachbeschädigung kennzeichnen die EntwiS lung des 50jährigen Gelegenheitsarbeiters Richard Schönemann au Berlin, der infolge dieser vielfachen Straftaten fast die Hälfte seine Lebens hinter Gefängnis- und Zuchthausmauern verbrachte. (Etnet unverbesserlichen Hang zur Auflehnung gegen die Strafordnung fo gend. durchlief er den Weg vom Eelcgenheitsdicb zum Bcrufsve brechcr und schließlich zum gefährlichen Gewohnheitsverbrecher. Er br fand sich zuletzt in Sicherungsverwahrung und entwich unter Aue Nutzung einer nächtlichen Gelegenheit im Februar d. 3. gemeinsan mit dem 38jährigen Zuchthausgefangenen ErNst Schwenke aus Düstel dorf-Eerrersheim aus der Strafanstalt. Beide begingen in der Folge zeit auf der Flucht sofort neue Verbrechen durch die Mitnahme vor Kleidern und Werkzeugen aus dem Zuchthaus, durch Einbruchs-, uni Einfteigediebstählc in einem Schictzstand und einem Jagdhaus sowi durch Fahrrad- und Eefliigeldiebstähle in Leihgestern bei Gieden. Dn weiteren Pläne der Rückfallverbrecher scheiterten schon nach zwe Tagen an der Aufmerksamkeit eines Polizeibeamtcn, der die Aus­brecher in Eieben festzunehmcn vermochte. Das Sondergericht in Darmstadt verurteilte Schönemann, der nicht nur durch seine Ver­brecherlaufbahn, sondern auch durch drei frühere Gesängnisausbrüche sich in hartnäckiger und unverbesserlicher Weise dem Strafzweck zeit­licher Freiheitsstrafen verschloh. nunmehr als gefährlichen Gewohn­heitsverbrecher zum Tode und zum dauernden Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte, den zwar auch vorbestraften, aber durch seine son­stige Lebensführung und die Tatmotive erheblich geringer belasteten Schwenke zu drei Jahren Zuchthaus und dreijährigem Ehrverlust.

Bonn, die gastliche Stadt der Musen, das alte, liebe Köln und das elegante, heiter beschwingte Düsieldorf aus glücklichen Tagen. Kaum eine Stadt in den Landen am Rhein, der der Krieg nicht seine herben Wunden schlug. Umso leidenschaftlicher hängen wir draußen an dieser Heimat, die in ihter Tapferkeit über sich selbst hinauswächst. Umso stolzer sind wir auf sie,, aber umso fanatischer glüht auch unser Hatz, der nicht ruhen wird, bis eine flammende Vergeltung die ver­brecherischen Angriffe heimzahlt.

Den Austausch lebendig flietzender Erinnerungen an unbeschwerte Vergangenheit unterbricht 'wieder der Fernsprecher. „Anleuchten" wird befohlen. Da schwebt irgend etwas im Raum. . . Breit und voll greift der Lichtkegel in die Nacht, tastet und sucht eine kleine Weile und hat den „Fremdkörper" bald gcfatzt. Es ist ein kleiner Störballon, den sie jenseits des Kanals nufgelasien haben, damit tt Fernsprechleitungen zerreitzcn oder sonst kleine Beschädigungen anrichtc. Run hat er sich an einer Kirchturmspitzc offenbar hoffnungslos verheddert. Weitz leuch­tet sein Leib im Strahlenbündel des Scheinwerfers. Da peitscht ein Schutz durch die Nacht, und wie eine Seifenblase zerplatzt das flüch­tige Gebilde.

Plötzlich zereitzt lange nach Mitternacht ein erst fernes, dann sehr schnell näher kommendes vertrautes Geräusch die Stille des wortlosen Schauens und Lauschens. Kein Zweifel, das sind die Heimkehrer vom Vergeltungsflug gegen die britische Insel! Im Tiefflug kommen sie heran und streichen donnernd über die Küste hinweg, wie schwarze Riesenvögel von der schmalen Mondsichel mit mattem Schein beleuchtet.

Hinter uns schläft eine Stadt, schläft das weite Land in beschirm­ter Ruhe^ weil überall der deutsche Soldat die Wache hält und dafür sorgt, datz über dieses in Kämpfen durch viele Jahrhunderte immer wieder schwer geprüfte Land nicht noch einmal die Furien des Krie­ges rasen. Irgendwo, weit in der Ferne, blinken Lichter aus und ver­löschen wieder wie müde funkelnde Raubtieraugen. Dumpf rumpeln vom Westen her einige Male die Abschüsse schwerer Geschütze — alles beziehungsreiche Erscheinungen und Stimmen einer Kriegsnacht, deren Pulsschlag ununterbrochen abgetastet werden mutz. Hier am Meer, wo die Fronten aufs engste zusammenrücken, wo die schmale Wasser­brücke sozusagen das Niemandsland der Kanaljront darstellt, da steht der Krieg iyimcr zu jähem Sprung bereit. Die lauernde Nacht ist seine unromantische und illusionslose Bundesgcnossin. Das weitz der Posten in den Dünen und vor den Bunkern ebenso genau wie der einsame Wächter auf hoher Turmspitze.

Tausende von Augenpaaren wachen drum in den dunklen Nächten, damit Millionen andere sich zu gesichertem Schlaf schlietzen können.

Berichter Otto V o r m st e i n (PK)

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Unsere liebe gute Tante und Schwä­gerin, Fräulein

Natalie Krumm

ist ttv Alter von beinahe 78 Jahren nach kurzer Krankheit verschieden. Binnen fünf Wochen folgte sie ihrem geliebten Bruder Wilhelm nach.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Familie Carl Krumm, Berlin, Familie Wilhelm Krumm, Frank- furt-M., Rosa Krumm, Schwägerin Wiesbaden, Lindenstraße 8.

Die Einäsdierung findet am Samstag, 29. Mal, tun 12.45 Uhr auf dem Süd­friedhof statt.

Heute wurde unsere liebe. Schwester, Schwägerin und Fräulein

Anna Mager von ihrem langen, schweren erlöst.

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Nächte über der Kanalfront

Sohne unseres Gaues auf der Wacht

Allein der slüchtige Vergleich mit einer traumvollen Frühlings- nacht daheim vergeht sehr bald vor den realen Stimmen und Er- schernungen der Kanalnächte, die jeden romantischen Zauber lange verloren haben. Die Nächte an der Wasierfront fordern doppelte Wachsamkeit Die aus der Weite der Küste oder aus der llnendlich- keit des Masters ans Ohr dringenden Geräusche sind — abgesehen von 6ct Monotonie der rauschenden Wellen — voller Beziehung zur Ee- gcnwart, zum Krieg, und keines darf leichtsinnig überhört werden. Der Posten horcht mit wachen Sinnen auf alle Töne, die nicht vom Wirken der Natur geformt sind. Es gehören geschärfte Sinnesorgane und einige Erfahrung dazu, Geräusche und Erscheinungen zu deuten und das Harnilose vom Verdächtigten zu trennen.

Scharfer Wind hat sich ausgemacht und weht vom Meer herüber. Man hüllt sich fest in den Mantel und blickt hinter der Halbkugel des cpchcinwerfers hinaus in die rauschende Weite. Aus nordöstlicher Richtung dröhnt dumpfer Geschützdonner, der durch Fernspruch längst enträtselt ist. An der Mole vorbei huschen plötzlich graue Schattens sechs sieben. Ern ganzes Dutzend und mehr kleiner Boote gleiten wie Gespenster in lautloser Fahrt hinaus zu irgend einer Unternehmung, die die Nacht begünstigt. Fast scheint es durchs Fernglas, als sprängen sie ubers Waffer, so pfeilschnell jagen sie dahin und sind nach ganz kurzer Zeit nurmehr als kleine Spielbälle des Meeres, das ihr Ele­ment ist, sichtbar.

Auf der Scheinwerferbrücke schrillt ungeduldig das Telefon „Nu, «u, »et gleich so uffgeregt", beschwichtigt der Posten in unser- fal s ch t e m rheinischen Dialekt und pretzt den Hörer ans Ohr. „Wird eine muntere Nacht", sagt er darauf. Eine hübsche Zahl von unseren Kampfflugzeugen ist klar zum Start gegen England ge­meldet. Da rauchts gleich drüben! In uns ist eine grimmige Freude, denn in dieser Nacht wird wieder ein kleiner Teil jener Rechnung präsentiert, die wir mit der Seeräubernation jenseits des Kanals noch zu begleichen haben. Wenige Minuten später hören wir sie heran­brausen. Das gleichmätzige Brummen der Motoren weht von Südost herüber und setzt sich in nordwestlicher Richtung fort — dem nicht mehr allzu fernen Ziel entgegen.

Unsere Gedanken überspringen in diesem Augenblick den sland- rrichen Raum und beschäftigen sich mit der gemeinsamen r h c i Ni­sche n H e i m a t, deren Haltung so tapfer und heldenmütig ist. Wir wandern int Geiste an den Ufern des Stromes vorbei an den lieben altvertrauten Stätten, deren jede eine fröhliche Jugenderinnerung bedeutet. Das weinfrohe B a ch a r a ch, die Steilfelfen der Lorelei,

Ein Storchennest als Wäscheschrank. In einem Schweizer Bauern­dorf ereigneten sich vor Jahresfrist merkwürdige Diebstähle. Dort wurden meist am hcllichtcn Tag, aus einem umfriedeten Grundstück, zu dem kein Fremder Einlatz hatte, vorwiegend weibliche Kleidungs­stücke. vor allem Schlüpfer, Hemdhofen und Strümpfe, gestohlen. Man konnte den Dieb nie fassen. Erst jetzt kam man hinter das Rätsel der damaligen Vorgänge. Als nämlich ein verfallenes Gesindebaus wieder instandgesetzt wurde, entfernte man bei dieser Gelegenheit auch das aus dem Schornstein befindliche Storchennest, das an anderer Stelle angebracht werden sollte. Zur grötzten Überraschung fand sich darin eine ganze Wäscheausstattung, eben jene, die damals so spurlos von der Leine verschwunden war. Der Storch hatte sich die molligen Höschen seinerzeit zum Nestbau geholt, um seinen Jungen auf einfache Weise ein warmes Lager bereiten zu können.

Gefährliche Tierfreundschast. Die Ljebe zu Tieren ist etwas Schönes, sie darf aber nicht zu Übertreibungen führen. In der rumä­nischen Hauptstadt hatte eine alte Frau eine regelrechte Katzenpension ausgezogen und aus Tierfreundschast etwa wei Dutzend verhungerter Katzen bei sich ausgenommen. Allmählich aber konnte sie das Futter für die zahlreichen Tiere nicht mehr ausbringen, obwohl sie schon von ihren Rationen abgab. Die ausgehungerten Katzen nun gerieten ein­mal beim Fressen so wütend miteinander in Streit, datz die Frau sie trennen mutzte. Dabei wurde sie von einem Tier, in die Hand gebissen. Anfänglich beachtete sie die Wunde garnicht, doch dann trat -Blut­vergiftung ein, der sic nach einer Woche erlag. Ihre falsche Tierliebe hatte ihr den Tod gebracht.

Der Hund mit dem brennenden Schwanz. In dem spanischen Dorf Florablaneu explodierte in dem Hause eines Land­wirts ein Petroleumofen, wobei der Schwanz des Hofhundes in Brand geriet. Das vom Schmerz gepeinigte Tier raste heulend in die Tenne und wälzte sich im Heu. Es erreichte seinen Zweck, denn das Feuer am Schwanz erstickte, gleichzeitig brach aber im Heuschober ein Brand aus, der, da er zu spät bemerkt wurde, auch auf die Stall­gebäude und aus das Wohnhaus Übergriff. Am Ende wurde dar ganze Gehöft in Schutt und Asche gelegt — und alles durch einen brennenden Hundeschwanz.

Nordamerika sollte «ine rusiische Kolonie werden. Dl« Erwähnung der rusiischen Stadt Slaviansk am Torez nach ihrer Wiedererobeiung im deutschen Wehrmachtsbericht gibt einem italienischen Blatte den Anlatz, von einem anderen Slaviansk zu berichten, besten Geschichte bemerkenswert ist. Es war eine Stadt in Nordamerika, der von den Russen eine grotze Rolle zugedacht wgr. Alexander I. von Rutzland hatte unter den Hauptpunkten des rustischen Expansionsprogramms feftgelegt, datz der Pazifik und die südlichen Meere unbedingt unter die Herrschaft Erotzrutzlands kommen sollten. Damals wurde Alaska russisch und wurde als ein Sprungbrett gut Eroberung neuer Länder anaesehen. Auf Befehl des Zaren wurde daher im Jahre 1812 an der Kalifornischen Küste und zwar in der Nähe von San Franzisko ein befestigter russischer Flottenstützpunkt angelegt, von dem aus man zur Eroberung Mexikos aufbrechen wollte, und dieser erhielt den Namen Slaviansk.

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