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Leite 2 Nr. 121

Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 26. Mai 1943

Erfolgreiche SlohlrupptStigteil Suftwaffe bekämv'te weiter jowietifche Bcrkehz-sverbinbunsciii — 24 Briten bomber bei Terrorangrisf abseschoffen — J« ^i'-tt-Imeec iiii an der AtlantMüste weitere 15 Feindllugzeuga verutchtei - «W deutscher Kampfflugzeuge <ni, Btetghto»

Aus dem Führerhauptguartier, 26. Mai. (Suntmclbung). Das Oberkommando der Wehrmacht sitt bekannt:

«Sg„ Der Ostfront wird ersotureiche eigene stontruvvtatiaien ormefha worein,elte örtliche Angriffe der Towiets scheiterten.

Die Luftwaffe setzte die Bekämpfung der sowjetischen Berkchrs- »«rbindung-n fort und bombardierte außerdem Flugstutzpunkte und ^"""n"der'Nacht zum 28. Mai griffen britische Flugzeuge «°tt - ■ deutiches Gebiet an Es entstanden Berluste unter der Be­völkerung und Gebüudeschaden. 24 der angreifenden B-mber wurden abgcsthoii^n., tte(mtcttaum ^ud au der Antlautikküste vernichtete die Luftwaffe gestern 15 feindliche Flugzeuge. Der Safe» von Bi­se r t a wurde bombardiert. ~

Schnelle deutsch« Kampfflugzeuge bekammten am «stwgen T^e Industrieanlagen und Bersorgungsbetriebe des Sagens Brrghton mit Bomben schweren Kalibers. Zwei «zlugzeuge kehrten nicht zurua.

Harte Zeit erfordert Harles Volk

1 Der Gauleiter bei der Einfiihrnng des Landrates Hinterwälder

Gelnhausen einsetzen werde.

40 britische Bomber gegen ein deutsches Geleit

Trud und Verlag: L. Schcllenberghche Buchdruckerri, Wiesbadener Tagblatt, Wiesbaden. Sesamtleitunglrr. Phil, habll. Sustao Schelienberg und Otto Kaiser. Saunt, schriftleiier: Fritz SSnther, iämfl. in Wiesbaden. Zur Zell ist Preisliste Nr. 11 gSNiz

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten

Landrat Hinteiwälder zählt zu den alten Kammern der Bewegung. Er ist Träger des Goldenen Ehrenzeichens der N«DAP. Seit 1928 steht Land rar Hinrerwälder im politischen Einsatz. In den Jahren 1928 bis 1934 war er als Politischer Leiter. Ortsgruppen- und Ortsgruppenvcrbandslerter und als nationalsozialistischer Stadt­verordneter im Kreis St. Goarshausen tätig. 1931 bis 1934 führte er als Kreisleiter die Kreise St. Goarshausen und llnterwsstcrwald. Im März 1934 wurde er zum Vürgerineister der Stadt Montabaur berufen.

die Haupttrupvs mit versteckten Waffen bis dicht an unsere Linien folgten. Sie hofften, durch plötzliche Überfälle auf kurze Entfernung die Umklammerung auffvrengen zu können. Alle Ausbruchsversuche scheiterlen aber an der Wachsamkeit'und Härte der von uns ausge­botenen Kräfte. „ , _ „

Die Kämpfe endeten mit der Z e r st o r u n g v o n 1 o B a n d e li ­la g e r n und der Vernichtung von etwa 700 Banditen im Äamcf. Mehrere hundert Bolschewisten gerieten in Gefangenschaft., Die An­führer wurden ohne Ausnahme im Kampf getötet oder gefangen ge­

Die tatsächlichen Verluste des Feindes sind icdoch noch erheblich höher, da die Bolschewisten viele Tote und deren Waffen in die Sümpfe warfen, um die Spuren ihres Rückzuges zu vcrwiichen.

Außerdem wurden über 1700 bandeilverdächtige Bolschewisten fest- gestellt und den militärischen Untersuchungsbehörden zugeführt.

Die bisher eingebrachte Bente umfaßt ■ 32 Maschinengewehre, Granatwerfer und Panzerbüchsen, 120 Gewehre und Maschinen­pistolen, ferner 292 Rinder, 45 Pferde und 160 Zentner Getreide.

Durch die Vernichtung dieser bolschewistischen Horde ist wieder ein Gebiet befriedet worden, das lange Zeit hindurch von den Ban­diten in brutalster Weis« terroristert wurde.

Volk hart bleiben, dann werden wir die Zeit auch meistern. Der Be­amte und Behördenleitei habe auch hier stets Vorbild zu sein.

Rach einer ausführlichen Behandlung von Luftschutzfragen „totes der Gauleiter auf die besonderen Aufgaben hin, die Partei, und Staat in' diesem Kriege zu erfüllen habem Wenn jeder den festen Willen hat, innerhalb der Bolksgcmeinfchaft seine gcknze Arbeitskraft etn- zusetzcn und d.afür Sorge trägt, daß die Einheit erhalten bleibt, dann wird auch der Sieg unser sein.

Landrat Hinterwälder dankte dem Gauleiter für das ihm er­wiesene Vertrauen und gab die Versicherung ab, daß er seine ganze Kraft zum Wohle der Bevölkerung des ihm anvertrauten Kreises

5 Minuten sieben Flugzeuge ab

Jägern zurück. Von diesen vier Flugzeugen wird wohl keines mehr seinen heimatlichen Flugplatz erreicht haben.

Eine geringe Anzahl Schwer- und Leichtverwundeter war aus den deutschen Booten ausgefallen, aber trotz Bordwaffenbeschusses und zahlreicher abgeworsener Bomben und Torpedos war keines, der Schiffe, weder ein Frachter noch ein Sicherungsfahrzeug, beschädigt worden. Befehlsgemäß konnte der Flotlillenchef das ihm anvertraute Geleit in voller Ordnung in seinen Bestimmungshafen entlaßen.

bcaucmcn Fragen auswich, was die Araber natürlich erst recht miß­trauisch machte.

Aber der Emir Abdullah muß sich seines Auftrages entledigen, und so hat er jetzt erneut in einem Aufruf an das „Volk von El Schern" Reklame für die arabische Union gemacht. El Schem — das ist die Zusammenfassung von Syrien, Libanon, Palästina und Transjor­danien, also gerade das was die Briten erstreben, nicht um ihre nie gehaltenen Versprechungen gegenüber den Arabern cinzulösen, sondern um die internationalen Gegensätze in Diesem Gebiet, entstanden durch das Vordringen der Yankees, durch die Hartnäckigkeit des Generals Eatrour und die Ansprüche des Zionismus, nach den „Grundsätzen internationaler Gerechtigkeit" zu bereinigen. Der Emir schwang sich sn der lächerlichen Behauptung auf, daß er die Jnrereffen „Siidsniiens" — damit meint et Palästina! — „auf diplomatischem Wege" vertei­digen werde, woraus allein die ganze Verlogenheit dieser Agitation hervorgeht, denn die Inden werden auf diesem Wege nie­mals etwas anerkennen oder hergeben, was der arabischen Sache

Sichcrungssahrzeuge schossen in

Berlin, 25. Mai. Um die Mittagszeit des 24. Mai wurde ein deutscher Geleitzug, wie der Wehrmachtbericht vom 25. Mai meldete, vor der niederländischen Küste durch einen starken Verband britischer Kampfflugzeuge angegriffen. Ein Teil der Besatzungen der Sicherungsstreitkräste saß gerade beim Mittagessen, als auf allen Booten fast gleichzeitig die Kommandanten auf die Alarmknövfe drückten. Flugzeuge von Backbord wurden gemeldet, in, kaum 500 Meter Höhe mit Kurs auf d«s Geleit. Die Männer auf den Vor­posten- und Minensuchbooten sahen sie herantomnten. Über 40 zweimotorige B r i st o 1-- B e a u f i g h t e r, geleitet von vielen Jägern. Jeder der feindlichen Bomber war wohl ebenso groß wie die kleinen Vorvostenboolc. Bis antf 3000 Meter kamen die Briten heran, da gerieten sie in das Sverriieuer der deukichen Boote. Dieses Feuer la« so gut, daß der Feind -feine Angriffsordnung nicht einhalten konnte, sondern sich auseinandenziehen mußte, um den weißen Svreng- wolken der Granaten ausznwvichen. In breiter Fächerform kamen die Briten jetzt auf das Geleit: zu, oben die Jäger, in der Mitte die Bomber und unten die Torpedoträger

Die deutschen Boote eröffneten ein heftiges Abwehrfeuer mit ihren leichten Maschinenwaffen. Die Männer an den Geschützen und Maschinengewehren wußten bald nicht mehr, wohin sie zielen iollten, so viele Flugzeuge waren es, die sich auf sie stürzten. So nahm jeder den zunächst anfliegenden unter Feuer und schon nach den ersten Feuerstößen zeigte sich die Wirkum».

, Zuerst waren die Jäger benan und nahmen die Boote unter Borbwaffenbeschuß. Die Garben der Maschinengewehre prasselten über die Decks, Verwundete sackten an ihren Waffen zusammen, aber schon stand der nächste Mann an ihrer Stelle so daß auch nicht die geringste Feuervamsc eintrat. Der erste feindliche Bomber sauste mit einer rotlendjtenbcn Stichflamme in die See.

Kaum waren die Jäger über das Geleit hinweg, da erschienen die Bomber. Aber auch ihnen erging es nicht beper. Zu schwer war das Abwehrfeuer der deutschen Boote und zu gut lagen die Granaten und Maschinengewehrganben im Ziel, als daß die Briten zu einem plan­mäßigen Bombenabwurf gekommen wären. Ihre Bomben schlugen krachend ins Wasser und richteten an den deutschen Schiffen keinen Schaden an.

Und dann famett die Torpedoflugzeuge, in Fächern zu zweien, vieren und noch inehv liefen die Blasenbahn eit der Torpedos auf die Schiffe zu und es bedurfte der ganzen seemännischen Kunst des Kommandanten, um dpn Torpedos ausruweichen. Ständig mußten die Boote den Kurs wechsieln, einmal ging es hart nach Steuerbord, dann wieder hart nach Backbord, und in nur wenigen Meter Entfernung gingen die Torpedos an den Booten vorbei.

Rur diesen einen Angriff konnten die Briten fliegen und das ganze schwere Gefecht dauerte nur vier oder fünf Minuten. Aber fictien der Bomber und Torpedoflugzeuge lagen verbrannt und zersplittert im Wasser und weitere vier blieben mit langen Rauch­fahnen hinter den sich jchnell entfernenden anderen Bombern und

nützen könnte. Zudem ist im ganzen Vorderen Orient bekannt, daß der Emir Abdullah nichts anderes als ein bezahlter Agent_dcr Sitten ist, und zwar der schäbigsten und verlogensten eineri Seine Ver- lprechungen und Aufrufe zielen also bei den Arabern 'ns Leere, umso­mehr als diese sehr wohl wissen, daß England gleichzetttg^etne besten Arabienkenncr ausgeschickt bat, um auch in Teheran durch Str Ronald Store und durch Bertram Thomas am Hofe Jbw sauds die von den Vereinigten Staaten errungenen imperialistischen Stellungen zu neu­tralisieren. Da die Yankees sich mit aller Unbefangenheit der tptrö= schaftlichen und verkehrstechnischen Positionen bemächtigen, vernicht England durch Agitation der arabischen Föderation und durch Vers Handlungen, die auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine Annäherung der arabischen Staaten unter Englands Obhut einleiten sollen sozu­sagen in letzter Minute zu retten, was zu retten ist. Auch ctr Lasest in Kairo ist ja sehr tätig, aber die Yankees lassen sich nicht einschuch- tem und die Araber wipen. was sie von britischen Versprechungen zu halten haben.

NSG Am Dienstagnachmittag wurde Kreisleiter c. h. Hinter­wälder in sein Aufgabengebiet als Landrat des Kreises Geln­hausen eingeführt. In Vertretung des Regierungspräsidente.n nahm Regierungs'direktor Lagureze die amtliche Einführung vor. Nach einer Würdigung der Verdienste des auf dem Felde der Ehre ge­fallenen Kreisleiters und Landrates Kausemann sprach der Gau­leiter zu den an der Einführung teilnehmenden Ortsgruppen­leitern und Bürgermeistern des Kreises Gelnhausen.

Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, in Landrat Hinterwälder einen alten Kampfgenossen begrüßen zu können, der durch seine langjährige politische Arbeit im Gau die Verhältnisse genau kenne und io die Gewähr dafür gebe, daß er den nun ihm an- vertrauten Posten eines Landrates zur Zufriedenheit seiner vor­gesetzten Dienststellen und der Bevölkerung versehen werde. Der Gau­leiter wies dann auf die verantwortungsvolle Aufgabe hin, die der Landrat auch in politischer Hinsicht zu erfüllen habe. Das Einverneh­men mit den Hoheitsträgern der Partei sei eine dringende Not­wendigkeit, die sich von selbst aus der gegenseitigen Zusammenarbeit ergebe. Ganz besonders gelte es, die Bevölkerung mit der Härte des Krieges vertraut zu machen, und die Pflicht der Bereitschaft, aus allen Gebieten mitzttarbeiten, zu steigern.

Die Ausrichtung des deutschen Volkes habe der Erhaltung der Kampfkraft zu dienen. Die Zeit ist hart, 'darum muß auch das

Sowjet-Bandenlager bei WelMje Luki vernichtet

Die lanbcseigeuen freiwilligen Berbände bewahren sich

Berlin, 25. Mai. Im mittleren AS f ch n ist i der Ostfront brachten unsere Lruvven. wie der OMW.-Betzicht vom 22. Mai meldete, ein Säuberungsunternehmen gegen bolschewistische Banden rum Ab­schluß. Die etwa 2090 Mann starken Bandengruvveu hatten sich in den Sumps- und Waldgebieten südwestlich von Welikije Luki festgesetzt. Durch Ervresiung der bäuerlichen Zivilbevölkerung hatten sich die Banditen Vieh, Getreide und sonstige Bedarfsgüter ver­schafft und'durch Riederbrennen der Dörfer, durch Tenor und Mord versuchten sie, die ftiedlichen Bauern zur Teilnahme an ihren An­schlägen zu zwingen. Mit ihren Moskauer Auftraggebern standen sie in Verbindung und erhielten von dort durch Luftversorgung bei Rocht Waisen und Munition, Spreng-Mittel und sonstiges Kriegsgerät. Ungünstige Miterungs- und Geländeverhältnisie er­schwerten die Säuberungsaktton, an deren Durchführung neben Ein­heiten des Heeres auch landesetgene Verbände beteiligt waren. Die Freiwilligen unterstützten unsere Soldaten durch Führer- dienfte und zeigten bei den Kämpfen Ausdauer und Härte. Eine Kosakenabteilung nahm unter anderem eine durch schwere Waffen sturmreif geschossene Stellung. Rach mehrtägigem Kesseltreiben gelang es, die Banditen auf engem Raum zusammenzugrängen, sie versuchten nunmehr in kleinen Trupps auf Schi über die Moraste 3u entkom­men. Andere suchten sich in Strohmieten, auf Bäumen und unter Düngerhaufen dem Zugriff zu entziehen. Sie hatten damit aber ebenso wenig Erfolg wie andere Banditen, die durch Anwendung hinterhältiger Kampfmethoden auszubrechen versuchten.

Sie schickten z. B. Überläufer mit weißen Tüchern vor, denen

Brttenmord cm portugiesischen Seeleuten

Lissabon, 25. Mai. Der einzige überlebende des portugiesischen Dampfers „Santa Irene". t*r vor kurzem in der Nähe der tta- lienisch'cn Küste auf der Reise von Genua nach Civitavecchta von einem englischen Unterseeboot versenkt wurde, traf jetzt in Lnsabon ein.

Wie der Matrose berichtet, fuhr sein kleiner Frachter nachts hell erleuchtet mit seiner in Genua an Bord genommenen und für P o r- . tu gal bestimmte n Fracht, als plötzlich dicht vor dem portu- aiestscken Schiff ein Unterseeboot auftauchte und ohne irgend eilte Untersuchung sofort mit dem Bordgeschütz auf den Frachter das yeuer eröffnete der bereits von den ersten ©rannten getroffen wurde Der Kapitän konnte gerade noch den Befehl zum Stoppen und zur KiaZ inachung der Rettungsboote geben, als auch der Frachter schon zu sinken begann. Dessen ungeachtet feuerte das Boot ununterbrochen weiter, offenbar in der unmenschlichen Absicht, die Rettung der acht- zehnköpfiqen Besatzung unmöglich zu machen. Kaum war ein Rettungs­boot zu Wasser gelassen, so wurde es von dem Unterseeboot aus be­schossen 17 Mitglieder der Besatzung kamen ums Leben, obwohl ge­nügend Rettungsboote vorhanden und die Küste leicht zu erreichen ge- roeien märe. Der gerettete Matrose verdankt sein Leben nur dem Um­stand daß er von einigen Granatsplittern getroffen, sogleich ins . Wasier siel und nicht erst ein Rettungsboot bestieg. Er entdeckte sodann ein herrenlos treibendes Boot; im Dunkel der Rocht bestieg er es schnell und legte sich flach auf den Boden, damit er von dem U-Boot nicht gesehen werden konnte. Anderenfalls, so versicherte er. wäre auch fein Rettungsboot noch versenkt worden.

Italienische Baudenkmäler zerstört

Siam, 26. Mai. (Funkmeldung.) Die von feindlichen Fliegern aus die Kathedrale von Reggio Calabria abgeworsenen Soreng- und Brandbomben haben die heilige Sakiamentskapelle zer­stört die zum nationalen Baudenkmal erklärt worden war. Das Seminar des Erzbistums wurde ebenfalls zerstört. Die Kirchen der Heiligen Lucie des Heiligen Augustin und des Heiligen Paul wurden schwer beschädigt. Die feindlichen Flieger griffen ebenfalls den Friedhof, von Villa San Giovanni an und zerstörten ihn.

Nanking ehrt Yamainoto

Tokio, 25. Mai. Die chinesische Rationalregierung verlieh dem gefallenen Großadmiral Yamamoto den Tungkuang-Ordcn.

In drei Wochen 243 Feind-Flugzeuge vernichtet

Rom, 25. Mat. Im Laufe der letzten drei Wochen der feindlichen Luftoffensive gegen Siidiialien verloren die Feindmächte 243 Flug­zeuge. Davon wurden 137 von Jägern und 108 von der Flak ver­nichtet.

SHcrgfa ö«rr Curie

Zu Olaf Gulbransions 79. Geburtstag

Vor gut vierzig Jahren, 1902, kam Olaf Gulbranffon aus seiner norwegischen Heimat nach Deutschland. Der Weg ging über Berlin nach München. Als Eeväck brachte der Zeichner, der In Norwegen schon einen Namen hatte, nur eine Zahnbürste mit, denn er glaubte, man würde ihn bald wieder heimschicken. Man hat ihn nicht heim- geschickt. er ist seßhaft geworden in Bayern, haust seit langen Jahren als ein rechter Bauer auf dem Schererhof bei Tegernsee und arbeitet noch heute wie damals regelmäßig für den „Simvlizisfimus". Wenn er was Wichtiges vor hat — seine Wiese mähen ober im Gras lie­gen und halboffenen Auges vor sich hinträumen — arbeitet et nicht. Dann halten feine klaren blauen Augen und der Zeichenstift Feier­stunden und der Philosoph Gulbranffon lächelt über diese amüsant unvollkommene Welt, die für ihn in Wirklichkeit vollkommen und harmonisch ist, weil sie ihm unaufhörlich Gelegenheit gibt, seinen sprühenden (Seist, seinen pfiffigen Witz und seine bäuerliche «Einfalt an ihr zu entzünden. „ , . . _ ,

Olaf Gulbranffon. der Mann aus Roidland. muß em Wunder­kind gewesen fein, früh kritisch imb weltweise wie ein Alter, aufge­legt zu allerlei barockem Unsinn, wie ihn auch die Philosophen zu­weilen treiben, nur mit dem Unterschied, daß sie ihre Erkenntnisse oft mit glitzerndem Wortvrunk behängen, während Gulbranffon seine Wahrheiten in ihrer splitternackten Natürlichkeit präsentiert. Sein Zeichenstift ist so schamlos, daß selbst ein vollkommen angezogener Mensch durch ihn entkleidet, und aller Kulturtünche bar, vor dem Be­schauer steht. Wenn Karikatur nicht nur Zersetzung, Analyse, sondern auch Synthese ist und sein soll, so erfüllt Gulbranffon mit feiner Kunst diese Forderung in einer ganz eigenen selbständigen und selbst­bewußten Art. Er gibt keine bloße Steigerung, kein Übertreiben der Norm, das wäre Gebrauch herkömmlicher Mittel der Karikatur: er negiert auch nicht, verunglimpft nicht, reißt nicht Heiliges in.ben Kot, siebt nicht das Heroische nut „von unten", er ist nicht boshaft, denn Bosheit verbaut den Weg zum Verstehen: et sieht das Wesen und er bringt es in die bündigste Form, umreißt es mit bet reinen Linie, die unter feiner begnadeten Hand zur Zauberlinie wird. Daß er ironisch zur Welt eingestellt ist, sie mit gutmütig listigen Augen be­trachtet. ist seine Philosophie, die keine Spur von Pessimismus, von Weltekel aufkommen läßt, denn dazu ist Eulbrannffon viel zu sehr Lebenskünstler. Lebensbejaher in jeder Form: nicht hochnäsiger Be­wohner des Patnaffes, sondern guter, derber Erdenbürger, der am Animalischen seine Freude hat und glücklich ist. wenn ihm ein Kerl über den Weg läuft, um den es der Mühe lohnt, den Zeichenstift in Bewegung zu setzen. Und cs sind ihm im Lauf der Jahrzehnte so viele übet den Weg gelaufen. Gelehrte. Künstler. Politiker, Berühmte und Unberühmte, ganze Kerle und halbe Selben, Spießer, satte Bür­ger und Hungetleiber. Philister, veilchenblaue Träumer und blut­rote Lebenstaffer, Heilige unb Scheinheilige, dickschädlige Bauern, knospende Jungfrauen, engelreine unb lausbübige Kinder brutale und psanzenzarte Geschöpfe, kurz: die Spezies Mensch in ihrer ganzen

bunten Mannigfaltigkeit, und er wählte nicht, er griff einfach zu. Und jeden, den Gulbranffon packt, den greift et ganz, er wird wehr­los in feinet Hand, wird sein Geschöpf, daß er noch einmal, gleichsam als Bestätigung oder fröhlichen Kommentar der Schöpfung Gottes formt. Jedes seiner Geschöpfe ist einmalig und doch typisch. Er hat das, was Nietzsche von Thukybides sagt: die unbefiangenfte Welt­kenntnis.

So ist Olaf Gulbranffon ein dokumentarischer Kulturkritiker, nicht ein mit Wissen beladener Weiser, sondern ein bauernschlauer, scharf­äugiger Erkenner, vor dem niemand schauspielern kann. Er durch­schaut alle unb alles, das ist feine Stärke, feine Überlegenheit. Ein­mal erzählt er, in Zeichnungen und Worten, fein Leben, besonders feine Jugend: „Es wat einmal.“ Es ist wahrhaftig ein krauses, buntes Märchen, zauberhaft und ergreifend, komisch und tragifch, phantastisch unb wirklichkeitsfroh: bet ganze erdnahe Olaf steckt in dem Buch und alle Gestalten, die seinen Weg kreuzen, find voll prallen Lebens unb doch nut mit der spärlichen, oft hauchzarten Linie erfaßt. Von btefet Linie geht eine Magie aus, die uns unbegreiflich erscheint, der wir uns aber nicht entziehen können. Und ein Ethos ist in dem Buch: bäuerlich-sachliche Einstellung zur Welt, zum Schicksal. 3n den Landschastsbildern dieses Märchens vom robusten Leben wird Gul- branffon zuweilen der reinen Linie untreu, arbeitet mit Schatten unb erreicht in Schwarz-Weiß eine berückende Farbigkeit.

Wenn seine Zaubetlinie sich des Märchens bemächtigt, wenn sie etwa Andersen „illustriert" — das häßliche junge Entlein. Däumel- chen, bas Mädchen mit den Zündhölzern — dann ist sie reinste Poesie. In den gezeichneten „Sprüchen und Wahrheiten" steckt der weit- und lebenserfahrene Gulbranffon, der unerschrockene, realistische Bezwinget der Wirklichkeit und der fast mystische Bewunderer des rätselhaften Daseins. Es gibt in diesem Band ein paar Blätter von einet über- zarten unb doch rücksichtslosen Psychologie, die einen Vergleich mit Nietzsches Entschleierung des Allzumenschlichen nicht »u scheuen braucht. Sugo Kubsch.

(Etna Sack im Rurfiaus

Als nach bet zwölften Nummer des Abends, der Arie bet Rosine aus „Der Barbier von Sevilla" bie Pause begann, häuften sich in den Atmen bet beliebten Sängerin bie Blumen als Zeichen bet An­hänglichkeit und auch der Freude an ihrer Leistung. Und nach den folgenden Nummern, Arie aus „Die Perlenfischer" von Bizet und „Geschichten aus dem Wienerwald" von Johann Strauß, die den Abend beschlossen, erklatschte man Zugabe auf Zugabe.

Ein Blumenstrauß wat cs auch, was Erna Sack bot. Arien unb lyrische Liebet in deutscher, italienischer unb schwedischer Sprache, alle von seriöser Art und eingängiger Melodik. Es erübrigt sich, auf jene Eigenschaften erneut hinzuweifen, bie Etna Sack zu einer ein­maligen Erscheinung auf bem Konzertpobium machen: ihre ooriteff- lichc Stimmkultur, bie makellose Tonbildung, die Disziplin ihres Singens, die keine Nachläisigkeit sich gestattet, das bravouröse Ge­schick. die Klugheit und Technik im Einsatz der Mittel, das Virtuosen­tum des Kehlkopfes, das kau.u zu flb.rbkUH ist .Kolo^tnren, Triller,

Änx Dortragsfifd): Jakob Sctzafftisr

Jakob Schaffner spricht am morgigen Donnerstag über das Thema „Das Wesen bet deutschen Reichsidee im Kurhaus. „ . .

Ehrliches Bekennen zum Deutschtum unb ehrfürchtige Beichet- bung kennzeichnen bas reiche Romanschaffen dieses Schweizer Dich­ters. Ein schwerer notvokler Lebensweg liegt hinter ihm, deffen Schmerzen in bet nielbänbigen autobiographischen Romanreihe vom Johannes Schattenholb künstlerischen Riedetschlag gefunden haben. Schaffner fänwft gegen Verbürgerlichung unb Kastengeist, gegen jede Unnatur, gegen den egoistischen Geldgeist. Man merkt seinem Werke überall an, daß er einen schweren Kampf in sich hat austragen muffen, daß ihm das Leben nichts ersparte. So ist Schaffer im- Grunde ein suchender, ein sehnsüchtiger Mensch auf dem Wege nach wahrhafter Freiheit, die jedem deutschen Menschen in ehrenhafter Weise das Seine gibt und »verkennt.

Klar, eindeutig, begeistert steht in seinen letzten Büchern das Bekenntnis zum Eroßdeutschen Reich, zur nationalsozialiftifchen Bolks- und Lebensordnung, die aus ihrer Art heraus bie Ideale und For­derungen des Dichters ganz von selbst verwirklichen wird.

Perlenketten von Tönen, Kopftöne von schwindelnder Höhe kominen mit einer Leichtigkeit, bie zu bewundern fast vergessen läßt, bei Auf­fassung eines Liebes nachzuspüren unb bie auch gerne übersieht, daß die Stimme eher flächig und gelegentlich spröde als blutwarm und voluminös ist. Trotzdem: Erna Sack bleibt Phänomen. Die Eigenart ihrer Stimme ist oberstes Eeietz ihres Singens.

Ihre Liedauffassung ist durchweg eine zierliche, liebenswürdige, innige. Einem Stucke wie Max Regers „Des Kindes Gebet", deffen Begleitung wie silberne Glocken läutet, kam die naive Stim­mung besonders zu Gute und das Publikum, zahlreich wie immer, wenn bas ehemalige Mitglied des Deutschen Theaters singt, erzwang feine Wiederholung. Mit Recht mußte auch das schwedische Volks­lied „P Dill int’ du, fa vill fall ja'" zum zweiten Male gesungen werden. Sier war alles ganz auf Vokal, Klang und Wohllaut ab- geftellt und hatte die Stimme einen besonders runden Tun. Ähn­lichen Charakters war das graziöse und leicht beschwingte „O bimba, bimbetta“, deffen italienischen Text man übrigens auf dem Programm­zettel von einigen Fehlern befreien sollte. Es war ein süßes Da- hinverlen weicher unb doch glitzernder Töne. Den volkstümlichen Ton traf sie besonders gut in „Drei Röselein" von A. fib|d». Man hörte noch Hugo Wolfs „Verborgenheit", das eine süße Trauer birgt, unb „3m Schatten meiner Locken", bas eine besonbers schwierige nachdenkliche Unentschlossenheit in sich schließt, während Regers „Waldeinsamkeit" ncäiger Laune voll ist. Man hätte diese Unier- schiede sehr gerne noch deutlicher gehört. Bei den „E'schichten aus dem Wiener Wald" flötete unb zwitscherte die Stimme der „Deut­schen Rachtiga'l' und traf mit angeborenem Geschick den Ton dieser >,»!-- chwer!"', glücklichen Melodien. In den Arien aber schwelgte der Effekt. Dr. Heinrich Reichert.