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Seife 2 Nr. 119

Wiesbadener Tagblatt

Montag, 24. Mai 1943

treu der britischen Tradition derbalancc os Power", sowie des divido et imvera" und es gibt keinen Politiker, der in dieser Be­ziehung britischer wäre als Roosevelt ist die Politik des Präsiden­ten aus ein Ziel gerichtet: Verhinderung eines starken, geschlossenen, einheitlichen Eurovas. Roosevelt möchte wie Churchill den Zu­stand des uneinigen, zerrissenen, ohnmächtigen Europas, das ein be- auemer Svielball angelsächsischer Politik, und ein leicht zu beherrschen­des Feld für angelsächsische Finanz- und Wirtschaftsbetätigung war, wiederherstellen und verewigen. Mit einer Frivolität sondergleichen, hat sich Roosevelt in die europäischen Dinge eingemischt. Er hat diesen Krieg entfesselt. Was liegt ihm daran, wenn Europa Schlachtfeld ist? Was liest ihm daran, wenn die europäische Kultur Schaden leidet und ernstlich bedroht wird? Was versteht Roosevelt von der Seele Europas? Was ahnt dieser Mann von unseren Menschen, von unseren Männern, Frauen und Kindern? Was sagen ihm unsere Städte und Dörfer, was bedeuten ihm unsere Bauten, unsere Kunst, unsere Musik? Sand in Sand mit dem Bolschewismus versucht der Amerikanismus Roosevelts Europa in die Knie zu zwingen. Für uns gibt es nur eine Antwort: Hände weg von Europa!

Wie steht es am Kuban-Brückenkopf?

Von Kriegsberichter Dr. Meske

DNB......22. Mai. (KP.) Einer der ersahrensten und er­

folgreichsten Bataillonskommandeure im Kuban-Brückenkops, ein be­kannter Marne, Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, erklärte uns dieser Tage, datz die Kämpfe um Krymskaja. seit langem Schwerpunkt der feindlichen Angrisse, das härteste gewesen seien, was er tm ganzen Ostseldzug mitgemacht habe. Seitdem ist an diesem abgeson­derten Abschnitt der Ostfront mit seinen schwierigen Kampf- und Ver­sorgungsbedingungen weiterhin Tag sür Tag erbittert gerungen worden. Mitten in den Bereitstellungen starker sowjetischer Angrisfs- kräjte hineinstoßend, haben unsere Truppen soeben ein eigenes An- grisfsunternehmen zu Ende geführt, das dem Feind südwestlich Krymskaja seine Divisionen zerschlug.

Während über der ganzen übrigen Ostfront nur das verhaltene Brodeln kommender Ereignisse zittert, hat es für die Truppen des Kuban-Brückenkopfes nie eine Kampfpause gegeben und

U-Boote versenkten zehn Schisse mit 55000 BRT.

Sm Osten nur Kampshandlungen von örtlicher Bedeutung Mittelmeerraum: Bomben aus Schisfsziele und militärische Anlagen des Hafens Djidjelli 3,3 meist viermotorige Bomber bei dem Terrorangriss aus Dortmund abgeschossen Tagestiesangrisse auf die Hafenstädte Bournemouth und Hastings Schisssbauplah Sunderland nachts mit starken Kräften angegriffen

Aus dem Führerhauptauartier, 24. Mai. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der O st f r o n t fanden nut Kampfhandlungen von örtlicher Bedeutung statt.

3m Mittelmeerraum griffen deutsche Kampfflugzeuge in der vergangenen Nacht Schiffrziele und militärische Anlagen des Hafens Djidjelli an.

Unterseeboote versenkten in schweren Kämpfen aus stark gesicherten Geleitzügen im Rordatlantik und bei Einzeljagd zehn Schiffe mit 55 000 BRT. Bier weitere Schiffe wurden torpediert. 3hr Sinken konnte wegen der starken Abwehr nicht mehr beobachtet werden. Ein Kampsflugzeuge beschädigte ein feindliches Handels­schiff im Atlantik durch Bombentreffer schwer. Ein Unterseeboot schob Über der Biskaya einen feindlichen Bomber ab.

Feindliche Bomberverbände warfen in der vergangenen Nacht zahlreiche Svreng- und Brandbomben aus Dortmund. Es ent­standen Verluste unter der Bevölkerung und erhebliche Sachschäden. Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden 33 der angreifenden Flugzeuge, hauptsächlich viermotorige Bomber, abgeschosfen.

Schnelle deutsche Kampfflugzeuge führten gestern eilten über­raschenden Tagesangriff gegen die südenglischen Hafenstädte Bournemouth und Hastings. 5n der Nacht zum 24. Mai «riss die Luftwaffe wieder den Schiffsbauplatz Sunderland mit starken Kräften an. 3m Stadt- und Hafengebiet entstanden nach Bombentreffern schwere Brände.

Oer OKw.-Bericht vom Sonntag

Ans dem Führerhauptquartier, 23. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront keine wesentlichen Kampfhandlungen.

Die Luftwaffe vernichtete mehrere sowjetische Nachschub­schiffe vor der Kaukasus st e und führte schwere Bombenangriffe gegen Eisenbahntransporte und wichtige Anslade- bahnhöfe der Sowjets. Leichte deutsche Kampfflugzeuge versenkten in den Gewässern des hohen Norden ein feindliches Handelsschiff von 3000 BRT.

5m Mittelmeerraum wurden durch deutsche Säger und Flakartillerie der Luftwaffe am 22. Mai 20 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Biserta und Djidjelli bombardiert

Rom, 24. Mai. Der italienische Wehrmachtbericht vom Montag hat folgenden Wortlaut:

Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Häfen von Biserta und Djidjelli wurden von der Luftwaffe der Achsenmächte mit guter Wirkung angegriffen.

Feindliche Lustverbände führten wiederholte Bombardierungs­aktionen aus die Snseln P a n t e l l e r i a und Lampedusa, so­wie aus die Stadt Messina durch. 3m Zentrum der Stadt wurden beträchtliche Schäden verursacht. Die Zahl der Opfer unter der Zivil­bevölkerung wird zur Zeit sestgestellt.

Die Bodenabwehr der beiden 3nseln vernichtete sechs Flugzeuge. Ferner wurden von deutschen Sägern zwei Spitfire über Malta und ein zweimotoriges Flugzeug südlich Sardinien abgeschossen. Born Feindeinsatz der lebten Tage kehrten vier unserer Flugzeuge nicht zu ihrem Stützpunkt zurück.

Schwere Schläge gegen Feindschissahrt

Rom, 23. Mai. Der italienische Wehrmachtbericht vom Sonntag hat folgenden Wortlaut:

Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt:

Unsere Luftwaffe hat der feindlichen Schiffahrt an der algerisch­tunesischen Küste neue schwere Schläge erteilt. Ein 8000 BRT- D am p ? e r wurde von Torpedos getroffen und sank; ein Tanker von gleichfalls 8000 BRT explodierte und ver­sank. Ferner wurden ein 7000 BRT-Dampfer und ein Torpedo- jäger im zentralen Mittelmeer getroffen.

Feindliche Einflüge auf Zentren in Sizilien verursachten eine be­grenzte Zahl von Opfern und Schäden von geringem Umfange. Sm Luftraum über der Snfel wurden insgesamt 26 feindliche Flug­zeuge abgeschossen: davon 16 von den deutsch-italienischen Sägern, zehn von der Flak.

Die in dem heutigen Wehrmachtbericht gemeldeten Luftangriffe verursachten unter der Zivilbevölkerung folgende Opfer: 3n der Pro­vinz von Agrigent 17 Tote und 43 Verwundete, in der Provinz von Traponi acht Tote und 30 Verwundete.

Der italienische Wehrmachtbericht vom Samstag meldete die Ver­senkung eines 5000 BRT großen Feind-Tankers und eines Dampfers.

Begabtenförderung auch im Kriege

Hamburg, 23. Mai. Reichsorganifa^onsleiter Dr. L c y und .eichsjugendsührer Axmann besichtigten im Rahmen ihrers Dienst­besuches in Hamburg in Begleitung des Bauleiters, Reichsstatthalter Kaufmann, verschiedene > Einrichtungen der Begabtenförderung.

Im Mittelpunkt des Besuches stand ein erstmalig durchgesiihrtes Reichsausleselager für Kriegsversehrte, das nach einer kürzlich getroffenen Vereinbarung mit dem OK geeigneten ver­sehrten Soldaten die Hilfeleistung der Partei beim beruflichen Aus­stieg und Arbeitseinsatz sichert.

Der Reichsorganisationsleiter und der Reichsjugendfllhrer, die außerdem der Abschlußkonferenz eines Ausleselagers für bewährte Nachwuchskräfte aus der Rüstungsindustrie beiwohnten, unterstrichen, .daß der nationalsozialistische Grundsatz der Begabtenförderung, wie im militärischen und politischen Leben, so auch im Berus unter den Verhältnissen des Krieges ungeschmälert zur Verwirklichung gelangt.

Briten versenkten französischen Postdampfer

Vichy, 23. Mai. Der französische PostdamoferGeneral Bona­parte". der den Dienst zwischen Nizza und Korsika versah, ist am Mittwochmitlag von einem englischen Unterseeboot versenkt worden. Dieses schon vier Torpedos ab, von denen zwei trafen. Das französische Schiff sank binnen weniger Minuten. Zwei deutsche

Kriegsfahrzeuge, die sofort zu Hilfe eilten, konnten 145 von den an Bord befindlichen,249 Personen darunter waren zahlreiche Kinder einer Ferienkolonie retten.

Die französische Agentur OFJ. veröffentlicht eine amtliche Aus­lassung über die Torpedierung, in der es heißt, der Vorfall habe im ganzen Lande lebhafte Bewegung und Empörung ausgelöst. Der Angriff der englischen U-Boote sei um so weniger gerechtfertigt, da das Schiss gemäst seinen Anweisungen amTaaefuhrundsomit jeder Irrtum ausgeschlossen war. Der Angriss passe aber gut in die Reihe anderer Piratenstücke, die im Lause der letzten Monate gegen andere sranzösische Schiffe begangen worden find. Die Torpedierung habe ein Fahrzeug getroffen, das nichts anderes ge­macht habe, als am Hellen Tage den Verkehr zwischen sranzöstschen Gebieten aufrechtzuerhalten. Jeder habe- erkennen können, dah das Schiss ausschließlich sriedlichen Zwecken gedient habe. Das zeige ein­mal mehr die Gleichgültigkeit der Engländer gegenüber der franzö­sischen Bevölkerung. Trotzdem unterliehen sie keine Gelegenheit, diesem Volke gegenüber von einer bevorstehenden Befreiung zu sprechen.

Bolivien hält seinen Hafenanspruch aufrecht

Buenos Aires, 24. Mai. (Funkmeldung.) Der bolivianische Staatspräsident Penaranda traf in der mexikanischen Hauptstadt zu einem Staatsbesuch ein. Bei einem Presseempfang nahm Pena­randa erneut Gelegenheit, Boliviens Ansprüche aus einen Pazifik­hafen zu betonen.

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten

Druck und Verlag: L. Schellenbrrg'sche Buchdruckerel, Wiesbadener Tagbla», Wiesbaden. Gefamtkitung: Dr. phil. habil. Eustao Schellenberg und Otto Ägifer. Haupt- ichristleiter: Fritz Giinther, fämtl. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Rr. 11 gültig

jeder Soldat ist sich darüber klar, dah hier noch weitere Kraftproben bevoE^Nusdruck Brückenkopf", der sich als Bezeichnung dieses Front- ablchnittes herausgebildet hat, kann leich.t die Vorstelluiig einer gC fahrvollen Beengtheit der Kamvfoerhaltnme auf deinem -fiaum ent [teilen lassen Tatsächlich aber ist das gesamte grohe Mundungsgevrer des Kubanstromes samt dem westlichsten Teil des Kaukasus mit den Schwarzmeerhäfen A n a v a und Nowor 0 s,, I f t in öeuWi Sand. Es handelt sich nut insofern um einen Brückenkopf als die rückwärtigen Verbindungen der hier kämpfenden Truppen Wafier, nämlich über bas Schwarze Meer und die Strahe von Kertgtz verlaufen. Der Kampfraum selbst aber ist von beachtlicher Grohe und einer geradezu einzigartigen landschaftichen Vielseitigkeit.

Entsprechend der auheioidentlichen Verschiedenheit des ®e.Ia''b.C5 in dem Seelüste, Gebirge, Lagunen und tsfutzniederungen aneinander grenzen, haben sich die deutschen und rumänischen _rupoen mit feil verschiedenartigen Lebens- und Kampsbedingungen auseinanderzu- setzen gehabt. 3m Gebirge wird anders sekamvsi als aus der See. Die enge Zusammenarbeit zwischen Heer, Marine und «.Uftwaffe ilt eine der ausfallendsten Besonderheiten dieses Frontabschnittes gewor­den. Frühlingssonne und Maiengrün, die das Gebirge und die Küstenlandschast jetzt in voller Schönheit zeigen, können nicht darüber Hinwegtäuschen, dah hier der Krieg in härtesten normen tobt. Stabte unb Dörfer bes Kampfgebietes liegen in Trümmer, -"u Gebrüll der Detonationen ist bie Frühlingsveriobe biefes von der Natur w be­gnadeten Landes restlos untergegangen. Der Grogkaiiivf tm Kuban- Brückenkopf nimmt alle Gedanken und Sinne völlig in Anspruch. Was hier an Abwehr- und Angrisfsersolgen in einer fortlaufenden Sette schwerster Gefechte erreicht wurde, vetdaiikk. Deutschland einer Truppe von schlechthin begeisternder kämpferischer Haltung, aher auch einer Führung, bie ben besonberen im Brückenkovfcharakter des Kampfge­bietes liegenben Schwierigkeiten hetvottagenb zu, begegnen weih. 3m Zusammenwirken von Heer unb Marine unb Luftwaffe aber hat sich eine Versorgung des Brückenkopfes eingespielt, die nirgends irgendwelche Mangelerfcheinungen auffomincn läßt. Die Verpflegung . im Brückenkopf ist reichlich und sie wird von der Truppe selbst durch grohe Fischzüge in Seen und Flüssen noch abwechslungsreicher ge­staltet. .....

Die deutsche Luftüberlegenheit, die tm übrigen^ben Kampf ber Heerestrupven fühlbar erleichtert, hat bie feinbliche Luft­waffe von unseren Nachschublinien weitgehenb absebranat, so bah die Iwane" sich im allgemeinen nur noch im Schutz bet Dunkelheit übet unsere Front wagen können. Der Nachthimmel allerdings ist regel- mähig erhellt von Leucht- und Sprengbomben, von Scheinwetfer- hündeln und bunten Leuchtspurketten zahlreicher Flakbatterien. Über­all im Kampfgebiet und im Hinterland liegen bie Trümmer bet hier zu Hunberten abgeschofienen sowjetischen Flugzeuge.

Der Ablauf bes Nachschubvetkehrs bietet ein imponierendes Bilb weilblickenber Führung unb organisierter Zusammenarbeit. Für die Betreuung und Weiterleitung von Verwundeten und Urlaubern ist in ben verschiebenen Häfen bis ins einzelne votgesotgi. Für bas Heran­rollen ber Benzinfässer unb bet llmlabung bet Heuballen für bie Pferde steht an den llmschlagstellen überall rechtzeitig die nötige Zahl von Hilfsquellen zur Verfügung. Die ganze Zusammenarbeit ist ein Mustetftück unserer so oft und niemals genug gepriesenen Nachichub- organifation, die sich beständig mit immer neuen Hilfsmitteln bet je­weiligen Lage anvaht.

Dem Colbaten im Brückenkopf kommt diese Organisation tm all­gemeinen erst dann zum Bewußtfein, wenn er seine Urlaubsfahrt, von Auffang- und Verladestellen geleitet, mit einer kleinen Seereise beginnt. Bis er im Verladebafen seine MarschiKrpfleguiig empfängt, hat et freilich im Brückenkopf selbst schon «ine erhebliche Anfahrt'binter sich und war erstaunt, hier im Rücken der kämpfenden Division schon eifrig Landwirtschaftskommandos mit einheimischen Hilfsfteiwilligen bei der Feldbestellung und Weinbergpflege zu finden. Ain Verkehrs­netz innerhalb des Brückenkopfes wird eifrig gearbeitet. Denn nicht immer wird hier das heutige trockene Wetter herrschen, bei dem selbst staubige Feldwege gut befahrbar sind. Auch die Feldbahnen als Hilfsmittel des Nachschubs hewären sich im Brückenkopf wieder aus­gezeichnet. Der Frontttuvve wird im übrigen ihr Nachschub an Munition, Verpflegung, Feldpost, Marketenderware usm. in üblicher Weise durch die Nachschubkolonnen zugeführt, ohne baß die besonderen Schwierigkeiten der rückwärtigen Verbindungen auch zeitlich irgend­wie spürbar werden. Auch die Feldpost funktioniert ausgezeichnet.

Das alles ändert freilich nichts an der Härte bes Kampfes unb an ber Beschwerlichkeit des Lebens in den vordersten Etdlöchern, wo bie Aufmerksamkeit ohnehin nicht nach hinten, sonbern ausschliehlich auf die von vorn heranheulenden Granaten und Panzermotore gerichtet ist. In ständiger Kainvfanspannung, in Abwehr und Eegenstotz, im Ertragen stärksten feindlichen Artilleriefeuers und unter Verzicht auf bie primitivsten Annehmlichkeiten bes Daseins, tun unsere Jäger unb Gtenabiete hier seit Monaten ihre schwere Pflicht. Die wenigsten haben Gelegenheit, einmal in einer Stabt wie Noworossijsk zu kommen, wo män immerhin einen Friseur unb ein Svldatenkino auf­suchen kann, wenn auch von sonstigen zivilisatorischen Errungenschaften in biesei frontnahen unb stänbig beschossenen Stabt wenig zu spüren ist. Stets aber blieb Stabt unb Hafen Noworossijsk fest in beuischeik Hanb. Die in ihrem Lanbekovs auf engem Raum umklammerten sowjetischen SBerbänbe finb nie in bie wichtige Stabt hineingekommen.

Ungeheuer viel Blutovser hat ber Feinb bei seinen vergeblichen Anstürmen gegen bie starche beutsche Brückenkopsstellung an der Kuban­mündung schon gebracht und sich neuerdings wieder von der unge­brochenen Angriffskraft der deutjchen Truppen überzeugen können. Es ist ein harter, aber mit überlegener Tapferkeit unb ganz bejonberem Korpsgeist geführter Kampf, bet hier ausgetragen wirb. Im Kuban- Brückenkopf gefochten zu haben wirb für ben beutschen Solbaten für alle Zeiten Ruhm unb Ehre bedeuten.

Seilbahnstütze Är.4

Ein Roman aus den Bergen von Alexander v.Thayer Nachdr. verb.

31. Fortsetzung

Was fürchtest du?" fragte Sans Wundt. *

Datz der Hatz zwischen den Brüdern Wundt noch lange nicht be­graben ist."

Darin kannst du recht haben, Inge." Hans Wundt sah sie ernst an.Du hast dich aber an den Falschen gewandt, Inge, Ihm mutztest bu bas sagen . . .!

Warum hast bu bich nicht mit Tobias ausgesprochen? Damals?" fragte sie.Wieviel Leid wäre uns alieft erspart geblieben?

Du weißt ja nicht, was damals geschehen ist," sagte Sans.Wenn ein Mann seinen Beruf aufgibt, sein Seim verläßt, sich in ein Jagd­haus zurückzieht, in einem finsteren Wald lebt, dann hätte es wohl auch nichts genutzt, sich mit ihm auszusprechen. Wie hätte ich auch über dich sprechen können? Ich wußte ja nichts über euch. Glaube mir, Inge, es mutz immer alles so kommen, wie es eben kommt. Wir Men­schen können nichts dazu tun, nichts dagegen. Die Macht des Schick­sals ist stärker."

Aber jetzt, Sans! begehrte Ingeborg auf.Jetzt steht ja wieder etwas zwischen euch, etwas Drohendes, eine Gefahr. Wenn ich Ilse wäre, würde ich offen vor ihn hintreten . . ."

-Das wird Ilse nicht tun," fuhr er auf.Sie hat schon mehr ge­tan, als mir und ihr lieb sein kann. Ich will nicht mein Werk einer Frau verdanken.

Auch nicht einer Frau, die du liebst?" fragte Ingeborg.

Auch nicht einer Frau, die ich liebe. Männer müssen ihre Sache allein auskämpfen. Wie immer es auch sei , .

Männer find dazu oft nicht imstande," sagte Ingeborg nachdenk­lich.Es wäre manchmal gut, wenn eine gütige sanfte Hand in bie Dinge otbnenb eingriffx ..."

Zarte Hänbe scheinen bei einem Tobias Wundt nicht viel zu erreichen, sagte Sans Wunbt bitter.Er sieht mir nicht banach aus!"

Das käme wohl auf ben Versuch an, sagte Ingeborg.

Du willst selbst zu ihm gehen?"

Ich will es tun.

Sans Wunbt sah, wie sie vor Nervosität ihren kleinen, weißen Hanbschuh mit ben Fingern zerrieb.

Ich fürchte, batz bu unverrichteter Dinge aus bem Dunbo-Walb ntriickkommen wirst." meinte er.Immerhin danke ich dir aber für den guten Willen. Du warst immer tapfer und hilfsbereit. Wenn dein Versuch auch nichts nützt, so kann er doch nichts schaden. Gib aber acht: bas Betreten bes Walbes ist verboten. Unb gefährlich."

Er macht aber wohl Ausnahmen?" sagte Ingeborg bedeutsam.

,.3a, erwiderte Sans Wundt und biß jetzt die Lippen zusammen.

Er macht Ausnahmen." . _

Ich will, datz du glücklich wirst, Hans," sagte Ingeborg und stand auf.Ich wünsche es dir von ganzem Herzen. Dir unb ihr. Glaube mir, auch sie oerbient es."

Sans Wunbt sah bas warme Aufleuchten in ihren dunklen Augen.' Er nahm ihre Hand und hielt sie in der seinen.

Ich danke dir für deine guten Wünsche, Inge." Er führte sie bis zur Tür.Aber ich glaube nicht, daß sie in Erfüllung gehen werden. Jlse-hätte nie zu Tobias gehen sollen . . . Mit einer Handbewegung deutete er an, daß er darüber nicht mehr sprechen wollte.Bist du wenigstens glücklich geworden?" fragte er.

Ich habe meinen Beruf, Sans, der ersetzt viel. Muß es ersetzen. Und Glück? Weitz man denn selbst, was Gliiit' ist? Manchmal glaube ich, ganz glücklich zu sein. Und manchmal überkommt einen die Sehn­sucht. Nach Frieden und Ruhe. Nach einem Menschen . .

Ingeborg wandte bas Gesicht ab, als Sans Wunbt ihre Hand küßte. Er sollte boch nicht die Tränen in ihren Augen sehen . . .

15. Kapitel

In ben Abenbstunben desselben Tages zogen wie ein Geschwader feindlicher Schiffe unheimliche schwarze Wolkenmassen heraus.

Rosel floh vor ihnen wie ein gehetztes Wild durch den nächtlichen Wald. Sie wollte hinüber zum Esohlsattel, um Egger von dem grau­sigen zu berichten, was sie vom Solzschlag aus erforscht hatte. Aber als sie an ihrer Alm vorbeikam, da brach ein Unwetter los, daß jeder Weiterweg unmöglich wurde. Die Böen des Sturmes prallten an die kleinen Almhütten, daß bereit Gebälk krachte unb zu bersten brohte.

Erschrocken eilten bie Senner zu ben Ställen unb wälzten schwere Steine aus bie morschen Schinbeln. Die kleinen Hütten zitterten bis in ihren lehmgestampften Boben. einzelne Bretter flogen in ber Lust umher, würben wie Papier bahingetrieben: im Walbe dröhnte und krachte es von dem Sturze sturmgefällter Bäume. Das Wüten des Herbstunwetters dauerte bis zum Morgengrauen, bann erst würbe bet Sturm nach unb nach flügelmatt.

Rosel hatte biejc Schreckensnacht in ihrer Slimbütte verbracht, ohne ein Auge zu schließen. Denn anberen Sennern mochte sie von bem Gehörten nichts erzählen, mützke sie doch damit ihre eigene Mutter beschuldigen.

Erst am Morgen konnte Rosel die Hütte verlaßen. Sie band sich ihr wollenes Tuch fest um den Leib, dann schlich sie sich über ben Almboben ungesehen von ben anberen Sennern, bie schon bas Vieh zusammenfrieben zur Fahrt ins Tal. Allnächtlich konnte jetzt schon Schnee kommen, es war kalt geworben in ben Bergen und die Stürme kündete» nichts Gutes.

Der Weg war fast ungangbar. Mächtige Äste und Stämme lagen euer über den Pfad. Aber die Angst trieb Rosel vorwärts, daß sie ber Hinbemiffe kaum achtete.

Hinter ihr tauchten aus dem Grau des Nebels bie roten von oben bis unten zerspaltenen Felsenmauern bet Höllenwanb auf, bie sich nach lints fortsetzten in bem gewaltigen, von weißen Bänbern burch- furchien Massiv ber Köniqxwand. nur vom Teufelsgrat getrennt.

Sein- Arbeiter war heute mehr in bet Sßanb ober tm Kar, die Stütze am Erat glänzte grau unb silbern, frisch gestrichen in ben Morgen hinein.

Wie Rosel zu Tal eilte, klang mit einem Male ein Laut aus

dem Kar, dumpf wie ein Schrei, der einem nut im Traum in bie Ohren klingt. , , ,,,

Rosel lauschte in bie Höhe. Die Sonne brach jetzt zwilchen den schwarzen, finsteren Wolken durch, ihr Schein umspielte das Saar des Mädchens, und auf den hellbraunen Härchen am Halse glänzte es wie flüssiger Tau.

Heio! Heio!"

Da kam die Gestalt des Statz schon heran. -

.Deio! Heio! Rosel! Wohin? Seit wann suchst dein Vieh aut dem Kar?" '

Will nicht ins Kar, Statz," gab bie Rosel zur Antwort.Will rüber »um Lärchegg.

Statz runzelte mißtrauisch bie Stirn.

Zum Lätchegg? Was suchst bu bei ben Arbeiterhütten? Ist nie- manb heroben heut ! Die feiern wohl unten bas Fest. Den Wagen haben sie schon mit Tannenreisig bekränzt unb die Musik spielt. Oder suchst du vielleicht ben Aufseher?"

Nein, nein, widersprach sie rasch, muß nut schauen wegen bet Milch, weißt! Der alte Zimmerer legt mir alleweil ben Zettel unter ben Türbalken. Da schreibt et mir barauf, was ich ihm bringen soll. Morgen treihen wir bas Vieh schon ins Tal unb da mutz ich schaun, daß die Kannen voll sind..."

Die breite niedrige Stirn unb bie schmalen Augen bes Statz neigten sich dem Gesicht des Mädchens zu. Sein Mund roch nach Schnaps, sein Körper schien zu wanken.

Ist recht, Rosel", knurrte er zufrieden.Mach' nur deine Sach', wie es in ber Orbnung ist. Morgen ist's bann, ohnehin zu End'. Unb am Sonntag sprech' ich mit bem Pfarrer. Deine Mutter hat bie Ein­willigung gegeben. Da bestell' ich gleich Aufgebot unb Trauung, bas geht alles in einem. Unb bas Golb gibt sie mit auch . . .

Welches Golb?" Rosel emvfanb einen würgenben Druck in bet Kehle.Ich weiß von keinem Golb, Statz.

Elaub's schon, glaub's schon, baß bu nichts bavon weißt", lachte er auf. Sein Mund ftanb in ungeheurer Spannung offen.

Die Mutter hat's mit verraten, Rosel! Liegt alles in bet Holzer- hütten. Dort liegt es an gutem Fleck. Ist keine Not um bas Golb. Sollst ein Häusel in Weißenbach haben, Rosel. Das schönste Häusel im Ort."

Ein Ausbruck von Gram unb Erbitterung kam in das Gesicht bes Mäbchens.

Die Mutter hat aber auch von bir was wollen, Statz." Sie brachte bie Worte nur mit Mühe aus bei Kehle.

. Der Jäger sah sie mit böse lauernden Augen an.

So, so, weißt cs auch? Oder weißt nichts? forschte er.Wenn bie Mutter was verlangt hat, bann wird die Mutter cs auch be­kommen. Geht nur uns zwei an. die Mutter unb mich." Er lachte geringschätzig.Glaubst du, daß der Statz vielleicht so dumm ist und sich aushvrchen läßt." Seine Züge verzerrten sich zur Drohung, er ließ die Muskeln an seinem Arme anschwelleii.Bin ja stätler als mancher andere, prahlte er.

(Fortsetzung folgt.)