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Wiesbadener Tagblatt
Eamstag Sonntag. 8. 9. Mai 1943
Wiesbaüener Nachrichten
Meister Gebhardt
Immer zweimal nach jeder Frage fähig Meister Gebhardts §am= mcr auf Len Leisten, dann fäauten seine alten Augen über den Nickelrand der Brille, und wenn die richtige Antwort kam, nickte der Meister und hämmerte weiter bis zur nächsten Frage. So hatte der kleine ^.udwig Kramer das Einmaleins geübt, bis es iah wie Meister Gebhardts Ledersohlen. Im Takt des Hammerfälagcs hatte der Junge, der im Lehrcrhausc als das Nesthäkchen auswuchs, voll rastlosen Ehrgeizes sein Schulwissen gelernt und vieles t>a,;u: denn der Meister war weise geworden am Leben, und er liebte den kleinen Ludwig auf seine stille Weise, und es war gar nicht ander? zu denken, als daß der wringe am Nachmittag eine Stunde bei ihm saß. von der Schule erzählte, sein neues Wissen überprüfen ließ und aus den hingestreuten Lehren des Alten die Wachsamkeit leinte, mit der man den sufällig- kettcn des Lebens zu begegnen halte.
Ludwig Kramers Dasein ward so dem Meister zum Inhalt seiner -rage: doch ward ihm das kaum bewußt. Lange Jahre hindurch war nu^ die Einsamkeit bei ihm gewesen, .nachdem der Fluß ihm beide Sohne und der Gram die Frau genommen hatte. Nun aber war wie- "f-t Leben da, das Tag um Tag fröhlich und voll Eifer über seine Schwelle spaziert kam. Der Lehrer Kramer, vielbeschäftigt und der Sorgen nie ledig, sah seinen Jungen gern beim Meister Gebhardt: denn er ehrte die Klugheit des Alten und wußte seinen Jüngsten den einzigen Sohn, in guter Hut. Danach kam große Unrast über den Mann auf dem blanken Dreifuß: Ludwig ward ob seines Hellen Geistes auf die hohe Schule geschickt, die eine lange Bahnfahrt entfernt in der Hauptstadt lag, und danach vermochte cs der Lehrer sogar, seinen Sohn studieren zu lassen: denn die älteren Töchter waren inzwischen dem Vaterhaus entwachsen. Meister Gebhardts Tage wurden leer, aber weil cs nicht zu denken war. daß die Zwiesprache zwischen ihm und den Jungen schweigen könnte, lernte die'schwielige alte Hand cs zum andern Mal, mühsam die Feder zu führen. Nicht minder eifrig gab Ludwig Bericht von allem, was ihm in der Fremde begegnete. Und immer, wenn solch ein Brief kam, war ein Feiertag für den Alten.
Dann aber ward Krieg, und Ludwig trug den grauen Rock. Dcs Meisters Lippen waren schmal seit.jenen gewittrigen Tagen, und die Hand des Siebzigjährigen ließ den Hammer härter niedcrfahrcn. Schuhe und Stiefel aber, neue und alte, standen auf den Brettern, als feien sie mit der Meßfchnur ausgerichtet, und die Kunden hörten aus des Meisters Munde manches Wort, das in der Erinnerung kramte und von den Tagen erzählte, da er selbst einst die Waffe getragen.
Spärlicher kamen jetzt Ludwigs Briefe. Meister Gebhardt wußte, am Wege der Kämpfenden stand nun das Schicksal mit kühlem, rätscl- vollmn Lächeln und hielt die Waage zwischen Tag und Tod. Aber der Meister trug dies Wissen seltsam aufrechten Ganges. In seinen Augen war der Stolz zu lesen: denn Ludwig hatte sich bewährt und trug das Eisenkreuz nun schon zweimal aus der jungen Brust.
Eines Morgens aber brach der Lehrer ihm ins Haus bleich im Eeslcht, aber mit brennenden Augen, daß der Alte sogleich erkannte: hier schwieg das Lachen der Freude nur, weil der Ernst des Stolzes noch starker war. Und er erfuhr: Ludwig trug, nun zum dritten Male ausgezeichnet, das Kreuz, das die Kühnsten unter den Tapferen ehrt. Als Meister Gebhardt wieder allein war, legte er still den Hammer aus der Hand und setzte sich in den hohen Stuhl, der nahe am Fenster stand und darin -eine Frau einst so gern von ihren Mühen ausgcruht Die Hände lagen ihm im Schoß, und die Gedanken wanderten rückwärts durch die Jahre. Da ward ihm. als habe dieser Tag erfüllt, was seines Lebens Sinn gewesen war. Er nickte leise vor sich hin. Manch klarer Becher, so sann cr, hab ich in dies Gefäß schütten dürfen, das da Menfä werden wollte und zum Manne wuchs. Der Ruhni der den Jungen heut schmückt, ist gewiß ein wenig auch mir zur Ehre." So steht denn am Ende meiner Tage nach all den großen Nöten und kleinen Freuden doch eine Ernte, reif und stolz, und indes meine Hände das harte Leder schlugen, haben sie helfen dürfen, eine Mcnfäcnscclc zu formen, die stark war in dcr Bewährung. Um solchen Segen zu empfangen, hab ich also gelebt. Meister Gebhardt schloß lächelnd die Augen, tief innen crhelt und ganz cingehüllt vom Glück dieser Erkenntnis. Walter Schaefer
— Der Rundfunk am Sonntag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsprogramm: 9.00: Unser Schatzkästlein: 14.25: Dio Bremer Stadtmusikanten (Märchensviel): 15.00: Tonfilmmusik: -Der unendliche Weg": 15.30: Sans Bund spielt auf: 18.00: Koctsier. Brahms (Leitung: Eugen Jochum): 19.00: Eine Stunde Zeitgeschehen: 20.20' Operette und Tanz. Im Deutschlandsender: 8.00' Orgelwerke von Reger: 8.30: Kleine Charakterstücke: 10.10: Vom großen Vaterland: Frühling im deutschen Herzen: 14.15: Musikalische Kurzweil: 15.30: Bach, Zumsteeg; 18.00: Bunte Unterhaltung: 20.15: Solistenmusik von Brahms: 21.00: Dvoraks „Dcr Jakobiner" Am Montag im Reichsprogramm:,15.00: Lied- und Kammermusik dcs 19. Jahrhunderts: 16.00: Sinfonische Unterhaltungsmusik: 17.15: Tänzerische Musik dcr Gegenwart: dazwischen: 18.00: Und wieder eine neue Woche: 19.45: Politischer Kommentar von Dr. Karl Scharping: 20.20: „Für jeden etwas". Im Deutschlandsendcr' 17.15: Cornelius, Liszt. Smetana u. a.: 20.15: Kammermusik von Mozart bis Lanner; 21.00: Dvorak, Brahms (Leitung: Joseph Keil- bertü).
’ — Ossizierslausbahnen der Wehrmacht und Waffen-^4. Das Oberkommando der Wehrmacht veröffentlicht im amtlichen Teil dieses Blattes eine Bekanntmachung über die Offizierlaufbahnen aller Wehrmachtteile einfchl. Waffen-U, auf die besonders hin- gewiefen wird.
— Die S-nnenfleckentätiakeit im April. Nach den Beobachtungen der Wiesbadener Privat-Sternwarte an 22 Tagen im April hat sich die Fleckentätigkeit der Sonnenoberflächc gegenüber dem Vormonat nur wenig erhöht. Die Maßzahl betrug 24 gegenüber 22 im März. Die größte Fleckenzahl trat am 18. auf, wo in 2 Gruppen 24 Einzelflecke gezählt werden konnten. Kein Tag konnte als fleckenlos festgestellt werden. Für den Maiverlauf muß danach ebenfalls mit Weiterdauer der schwachen Tätigkeit gerechnet werden.
Am Lautsprecher gehört
Der Deutschland-Sender brachte am Freitagabend in Erstaufführung die vom Komponisten Carl O r f f selbst ge- rrostene Rundsunkbearbeitung seiner Over „Die Klug e". Lediglich auf das Hören eingestellt, unbeeinflußt von einer das Geschehen «unterstreichenden Darstellung, war der Eindruck ein reizvoller und starker. Carl Orff geht ja tn seinem Opernschaffen einen neuen, durchaus persönlichen Weg. Seine sehr modern wirkende Instrumentation und Auffassung ist lebendige Gegenwart, die etwas auszui sagen hat und darum künstlerisch-wertvoll ist, — wenn auch die Neuartigkeit der Ausdrucksmittel diesem oder jenem Geschmack befremdend, und nicht sogleich ansprechend fein mag. Eine moderne Märchen- erzählung — eine bunte Geschichte in Musik, könnte man diese Kette vieler, kurz skizzierter „Begebenheiten" nennen, die um das Bild der .„'lugen Frau" herumsvielen, die eines Bauern Tochter ist. (der gefangen gesetzt wurde) des Königs aufgegebene Rätsel löst, seine Gattin wird und alles zum Guten lenkt. In volkstümlichen Tyven, z. L. den köstlichen Strolchen und den Eseltreibern, die ihren Rechtsstreit vor den König tragen, kommt in einer orginellen Natürlichkeit ursprünglicher Sinn, der Lebensweisheiten und -crkenntnisic aussagt, lebhaft zum Ausdruck. Der König, der sich irgendwie der schlichten Klugheit seiner Frau nicht gewachsen fühlt, wirft sie zum Schlüsse heraus. .Woran ihr Herz hängt, das darf sie in einer Truhe mitnehmen". Sie tut dem König Schlafmohn in den Wein, packt ihn in eine Truhe — und er erwacht dann auf einer sonnigen Wiese, von „der Klugen" betreut.
Draftik, Komik, Humor beseelen Worte und Musik und wechseln mit Zartheit und stiller Schönheit. Die Instrumentierung ist sparsam und eigenartig: es wird teilweise nur gesprochen oder nur gesungen, hämmernde, sich ständig wiederholende Takte und Motive werden zuweilen von zauberhaft melodischen Klangbildern abgelöst; rhythmisch scharfe Cäsaren charakterisieren den Sinn des Geschehens. Die Töne, Akkorde wollen eindeutig ausdrllcken und untermalen, leiten nur begleiten. Die musikalischen Einfälle sind zahlreich und nnnt: es bleiben die Reize vieler silbernklingender liedartigcr Kom- Doitttonen im Ohr. wie z. B. verschiedene Trios dcr Strolche, u. a. das bübschc „Als die Treue ward geboren, kroch sie in ein Jagerhorn . . ." A. Pl.
Ein Frontbrlef für das ganze Volk
Die neue Wochenschau
Das Wolchowgcbict am Nordabschnitt dcr Ostfront steht im Zeichen der Frühjahrsüberschwemmungen. Die neue Deutsche Wochenschau bringt einmalige Bilder aus diesen Sumpiniederungcn, die, durch die Schneeschmelzc in eint wahre Wasscrwüstc verwandelt sind. Die Bunker der Hauptkampflinie tagen wie Inseln daraus hervor. Auf dem Flußlauf einer ehemaligen Straße bringen Transportkähne den Nachschub heran. Halb im Sumpf versunkene Panzer und Geschütze zeugen noch von der schweren Wintcrschlacht. die hier tobte. Seit Beginn des Tauwetters sind die vordersten Stützpunkte von ihren Landoerbindungen abgeschnitten. In Floßsäckcn wird die Verpflegung hcrnngcbracht. Tag und Nacht stehen unsere Soldaten in ihren Unterständen an den Pumpen: unablässig müssen die Bunker ausgeschöpst werden das Wasser bringt durch alle Ritzen und Fugen. Aus schmalen Bebelfsstegen gehen Patrouillen zwischen den einzelnen Kampf- ständen. Rechts und links droht der Sumpf. Die Kamera schwenkt zum Mittelabichnitt. Jede erkannte Feindbewegung wird sofort unter Fcucr genommen. Spannende Aufnahmen gelangen unseren Kriegsberichtern von einem nächtlichen Angriff bolschewistischer Bomber. Schuh auf Schuß jagd aus den Rohren ber Flack. Ringsum flammt die Leuchtspurmunition. Brandbomben haben ein Dors getroffen. Unsere Soldaten helfen bei den Löscharbeiten.
An der tunesischen Front haben die Verbände der dcutsch-ita- licnifäen Panzerarmee neue Stellungen bezogen. Wir sehen, wie die Briten und Amerikaner mit immer neuem "Einsatz stärkster Kräfte diese Abivchrfront aufzuspalten suchen. Von beherrschenden Höhen aus schlägt ihnen das vernichtende Feuer unserer Abwehrwasfen entgegen. Stuka greifen in den Kampf ein. Wieder ist ein Durchbruchsversuch des Feindes zurückgefchlagen!
Im Atlantik führen unsere U-Boote gegen den Nachschub der Briten und Amerikaner unablässig schwerste Schläge. Nach beendeter Geleitzugschlacht muß eins der beteiligten.Boote neu versorgt werden. Ein Versorgungsschisf erspart ihm die zeitraubende Rückfahrt zum Stützpunkt. Der Bordarzt betreut inzwischen die Besatzung . Nach beendeter Versorgung geht cs mit hohcr Fahrt einem neuen Eclcitzug nach. In dcr Dämmerung meldet dcr Ausguck einen feindlichen Frachter. Das Boot taucht.' Im Sehrohr erblickt der Kommandant den Briten. Kurze Befehle. Die Torpedos, laufen gegen den Feind. Detonation! Ein Schuß hat gesessen! Wir sehen den sinkenden Frachter. Das brennende Treiböl seiner Faßladung leuchtet weit über bas Meer. Das U-Boot steuert neuem Kampf entgegen. An der Kaital- küsie, wo auch die Männer dcs Reichsarbetisdienstcs beim Bau von Feldbefestigungen eingesetzt sind, hat die Kamera unseres Kriegsberichters eilten Lustkampf eingefangen. Britische Bomber jagen in geschlossenem Verband heran. Flakartillerie nimmt sofort den Kampf auf. Jäger startcn und stellen den Feind in riesiger Höhe. An den Kondensstreifen kann man deutlich den Weg dcr einzelnen Maschinen
Der Brief von daheim
Während der Svähtruvv draußen am Feind lag. traf in der eigenen Stellung die Feldvoft ein. Da ist nun alle Aufregung und Spannung vergeßen, ja, man hat nicht einmal Zeit, bas Gewehr wegzulegen ober den Stahlhelm abzunehmen: dcr Brief von zu Hause ist wichtiger.
(PK.-Ausnahmc: Kriegsberichter Laßberg, Wb.)
verfolgen. Einer ber Briten stürzt brennend in die Tiefe.
Dre einleitenden Bilder der neuen Deutschen Wochenschau lasten uns die feierliche Tagung ber Reichsarbeitskammer zum Nationalen Feiertag im Mofaikfaal ber Neuen Reichskanzlei miterlcben. Dcr westfälifäc Bergmann Konrab Grebe mürbe als neunter Deutscher zum Pionier der Arbeit ernannt.
EHREN iftTAFEL
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Das Deutsche Kreuz in Gold
Für seine vor dem Feinde bewiesene besondere Tapferkeit wurde Obermachtmcistcr Ernst E tz aus W.-Sonnenbcrg, Platter Straße 2, mit bem Deutschen Kreuz f n Gold ausgezeichnet. Ober- wachtmeistcr En. ber insgesamt 26 Feindvanzer abschoß, fand mit dieser hohen Auszeichnung verdiente Anerkennung für seinen Einsatz und seine jederzeit vorbildliche soldatische Haltung.
(Aufn.: Niedenhoff.)
Mit dem Eisernen Kren, 1. Klasse wurde ausgezeichnet: Wachtmeister Adolf Becker, W.-Sonnenberg, Mühlwiese 14
Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet:
44-Rottensührer Alfred Krämer, W.-Biebrich, Weihergaste 22
ffiefr. Paul Götz, W.-Biebrich, Jahnstrabe 4
ffiefr. Walter Stotz, W.-Biebrich, Karlstraße 13
Grenadier Adolf Masfelder, W.-Biebrich, Weihergasse 27
Mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern wurden ausgezeichnet:
Hauptfeldwebel Gottfried M a y c r . Wiesbaden. Wcstcndftraßc 10
Uffz. Franz Broll, Wiesbaden, Mainzer Straße 92
Uffz. Adi I ö r g , Wiesbaden, Gncifenaustraßc 10
Uffz. Wilhelm I uns, Wiesbaden, Jahnstrabe 38
Uff». Karl Lauer, W.-Dotzheim, Huttenftrabe 51
Dbcrgefr. Karl Reisenzahn, Wiesbaden, Wellritzstraße 46
Dbcrgefr. Wilhelm Stern miet, Wiesbaden, Dotzheimer Straße 24
Dbcrgefr. Georg Seines, W -Biebrich, Weihcrgastc 26
Dbcrgefr. Albert Flach, W.-Sonnenbcrg, Am Haicnbcrg 11
Dbcrgefr. Walter Fellhauer, W.-Biebrich, Will).-Kalle-Straße 6
ffiefr. Adolf Ästling, Wiesbaden, Bismarckring 18
ffiefr. Richard Kremer, Wiesbaden, Zietenring 4
ffiefr. Karl Stütz, W.-Dotzheim, Sraucnfteiner Straße 60 n
DT.-Mann Heinrich Faust, Wiesbaden, Schwarzenbergstraße 11
DT.-Mann Wilhelm Eörz, Wiesbaden, An der Ringkirche 5
Rottenführer Kurt Althaus, Wiesbaden, Bleichstraße 27 Magazinmeifter Johann Schmid, Wiesbaden, Saltgartcr Straße 4
Kein Schulgeld für Luftwaffen- und Marinehelfer
Der Rcichscrziehungsminiftcr hat im Einvernehmen mit den übrigen beteiligten Ministerien angeordnet, daß für die als Luftwaffen- und Marinehelfer eingesetzten Schüler der höheren und mittleren Schulen ein Schulgeld nicht erhoben wird. Soweit die Gewährung der Geschwisterermäßigung davon abhängig ist, daß die Kinder nicht ein bestimmtes eigenes Einkommen haben, wird die den Helfern gervährts Entschädigung nicht berücksichtigt.' Die Geschwisterermäßigung entfällt also nicht wegen ber ben Lustroaffcn- unb Marinehelsern gewährten Bezüge.
— Auch Glühlampen sparen! In den Frühjahrs- und Sommer« monaten gibt es keine Glühlampen zu kaufen. Es heißt also nicht nur Strom, sondern auch Glühlampen sparen. Und da liegt denn die Überlegung nahe: Eine normale Glühlampe hält runb 1000 Betriebs- stunden, dann ist cs aus mit ihr. Und eine neue gibt's nicht. Also: Wenn nun auch tausend Stunden als eine lange Zeit erscheinen — so sind sie doch halb herum, umso früher, je mehr Brcnnstunden die Glühlampen aus den Wintermonaten schon hinter sich gebracht haben. So haben wir im eigenen Interesse allen Grund, das kostbare Leben unserer Glühlampen zu schonen. Deshalb: jede unnützige Brennstunde, ja jede Brcnnminutc sparen; es geht nicht allein um den unmittelbar ersparten Strom, sondern zugleich um die Ersparnis der Lampe selbst.
„Oer kleine Grenzverkehr"
Beschwingter Lustspielfilm im Walhalla-Theater
_$er neue Ufa-Film versetzt in jene nicht allzu ferne Zeit, da zwifäen dem Reich und Deutsch-Österreich Zollschranken bestanden, Paßkontrolle und hemmende Devisenbestimmungen, also auch die Mozartstadt Salzburg „Ausland" war. Don Bad Reichenhall aus aber gab es den „kleinen ffirenzverkehr". wobei ein geringckr Geldbetrag freigegeben wurde, und diesen Weg wählt hier ein junger deutscher Gelehrter, der in Salzburg einen Freund besuchen will. Doch weil cr leichtsinnig die spärliche Reisekape für ein landesüblich fesches Fcderhütchcn opfert, den Freund bann verfehlt, ist er wider Willen im Begriff, Zechpreller zu werden. Eine schöne Nachbarin im Kaffeehaus befreit ihn aus ber Klemme, verstrickt ihn dafür aber schnell in ein noch dichter gesponnenes Netz. Der „kleine Erenzverkehr" wird nun zum täglichen Stelldichein zweier Liebenden, ihre Liebe indes treibt noch viel menschlichere Blüten. Die Salzburger Reise wird für den jungen Dr. Rentmeister eine Fülle von Überraschungen, und mit dieser Svielhandlung ist noch eine zweite, die des Schloßherrn, der aus Studiengründcii seinen eigenen Haushofmeister spielt.,launig verschlungen. Drigincll ist ber Vorwurf des Films, bie Durchführung sehr beschwingt und voll sprühender Saune. Mit leichter Hand, wir- kungssichcr und reich an amüsanten Einfällen waltet der Regisseur Hans Devve. Anmutigen Hintergrund gibt dazu das schöne Salzburg und seine reizvolle Umgebung. Von Ludwig Schmidseder stammt die stimmungförderndc Musik. Willy Fritsch gibt dem Dr. Rentmeister mit feurigem Humor gewinnende, liebenswürdige Züge. Mit heilerem Temperament und warmherzigem Gefühl verkörpert Hertha Feiler die hübsche Salzburgerin. Ein Kabinettstück bietet Heinz S a I f n e r als schrulliger Schloßbesitzer. Gut am Platz auch die übrigen, darunter Charlotte Säubert und Hilde Sessak als gftt gesehene Typen. — 3m Beiprogramm läuft ein schöner Kulturfilm von österlicher Schifahrt in den Tiroler Bergen mit prächtigen Landschaftsbildern und geradezu artistischen schneesvortlichen Leistungen; ein weiterer Bildstreifen berichtet fesselnd vom Einmtz der Arbeitsmaiden in westlichen und östlichen Gebieten.
Heinrich Leis.
Samstag: Verdunkelung von 22.04 bis 5.14 Uhr
Sonntag: Verdunkelung von 22.06 bis 5.12 Uhr
„Du gehörst zu mir.. /
Problematik eines Eheschicksals im „Ufa-Palast"
Es ist ein schwerer und langer Weg, den die Ehe des bcrühmt,cn Chirurgen Prof Dr. Burkhardt zu durchmessen hat, ehe beide Menschen zu der Erkenntnis kommen, daß sie, so rote sie sind, und obgleich sie so sind, doch zueinander gehören, — weil sie sich, trotz allem, lieben. Nach dem Drehbuch von Walther von Hollander und Richard Riedel entstand unter bet Spielleitung von Gerharb Lamprecht dieser Film, der ein Ehe-Schicksal aufrollt und darüber hinaus ein fesselndes Bild aus zärtlichen Kreisen zeigt.»
Um.dir markante Pcrsönltchkeit von Profcsior Burkhardt, einem vorbildlich gewisienhaften A:»k, der seiner Berufung zum Helfer und. Heiler der Leidenden seine persönlichen Wünsche und Lebensansprüche unterorbnet unb sogar seine Frau darüber fast vergißt, tankt sich eine psychologisch gut umtissene Handlung. Es kann nicht ausbleiben, daß Wcta Burkhardt, in der Einsamkeit ihres Frauenlcbcns als Gattin eines bedeutenden Arztes, der sich und sein Leben und sein Hetz nur dem Beruf verschrieben hat, schmerzlich-bitter und herbe wird. Der junge, begabte Assistenzarzt Dr. Groone, ganz Bewunderung und Verehrung für feinen Chef, gerät in schwere, innere Konflikte als er es selbst miterleben muß. wie einsam und entsagend Wera Burkhardt dahinlcbt, denn er liebt diese stille Frau, die ihm zwar herzliche Freundschaft entgegenbringt, mit ihren Lebensrourzeln aber trotz allem in der unausgesprochenen Liebe zu ihrem Mann ruht. Groone entschließt sich datum, wo anders eine neue Stellung anzunehmen, da dieser seelische Zustand für ihn unerträglich wird. Er kündigt dem gänzlich verdutzten Professor, der seine medizinischen und menschlichen Fähigkeiten seht schätzt, ohne sagen zu können, warum er gehen muß. Auch Wera ist bestürzt, als sie cs erfährt und fühlt jetzt erst ganz, wie seht sie diesen einzigen Freund schätzt, Sie wird mit ihm gehen. Als sie dies ihrem Mann offenbart, ist er tief erschüttert unb begreift, daß er eigentlich die Schuld trägt daran. Gerade jetzt ist ein altes Leiden seiner Frau wieder aufgeflackert, datum beschwört er sie. jetzt nicht fortzugehen, da nur eine Operation ihr helfen könne. Er bestimmt auch Dr. Groone mit dem er sich ausgesprochen, ihr dringend zuzuratcjt. Wera fühlt sich jetzt von beiden Freunden enttäuscht und reist fort. In Italien erkrankt sie schwer, liegt im Sterben, doch ihr herbeigerufenct Gatte vermag sie durch seine ärztliche Kunst dem Tod zu. entreißen, und beide Gatten erkennen, durch Prüfung und Läuterung gegangen, baß sie zusammcn- gehören.
Willy Birgel weiß mit seiner ernsten, vornehmen Männlichkeit dem berühmten, vielbeschäftigten Operateur bas Profil eines in seinem Beruf unb seiner Welt vollkommen ausgehenden Arztes zu geben. Die tapfere Frau, bie Jahr um Jahr stiller wirb und sich nach ben kleinsten Beweisen ber Liebe unb des Gedenkens ihres Mannes sehnt, findet durch Lotte Koch eine charakteristische Prägung. Beherrscht und menschlich anständige Gesinnung verkörpernd, spielt Viktor S t a a I den jungen Arzt Dr. Groone, ber später einmal der Nachfolger von Profesior Burkhardt wird an der Klinik. — Ein farbiger Kulturfilm „Märkische Fahrt" läßt die reizvollen landschaftlichen Schönheiten in guten Aufnahmen vorüberziehen.
A. Plüschke.
— An bie Rundfunkhörcr. Die bisher um 29.15 Uhr vorzunehmende Umschaltung der Empfangsgeräte auf den Deutschlandsendcr bzw. die Reichssender Breslau. Wien oder Köln hat ab 8. M a i erst um 22.15 Uhr zu erfolgen. Der Rundfunk wird seine Hörer täglich um 22.15 Uhr auf diese neue Schaltung durch den üblichen Hinweis aufmerksam -machen.
— Das „W T." gratuliert. Am 9. Mai begeht Frau Frieda Ncucndorff, Herrngartenstraßc 15, ihren 88 Geburtstag. — Herr Peter Neuhaus Sedanvlatz, feiert am 9. Mai seinen 82. Geburtstag. — Am 10. Mai begeht Frau Mathilde Wittlich, geborene Thiel, «chachtstraßc 20, ihren 75. Geburtstag.
