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Wiesbadener Tagblatt

Donnerstag, 6. Mai 1943

Kampsraum Kubanbrückenkops (Weltbild Eliese.)

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten

Durch das Beziehen der neuen Linie, die dem Feind zunächst ver­borgen blieb, ergibt sich als Vorteil für die kommenden Kämpfe, daß sich die Stellungen besser als bisher auf die Versorgungsbasen stützen können und vor allem, daß dem Gegner die zum Angriff notwendige räumliche Breite genommen ist, während unsere Truppen über einen tiefgestaffelten Verteidignngsrauni verfügen.

Der erste Erfolg dieser geglückten Bewegungen hat sich bereits ergeben. Der angreifende Feind stieß zunächst ins Leere und mußte sich dann durch das verminte Kampfgelände mit aller Vorsicht und, ohne in dem stark zerrissenen Bergland seine schweren Waffen sofort nachsühren zu können, an die neuen Stellungen herantasten, so daß seine langwierigen Angriffsvorbereitungen nutzlos wurden und ein neuer zeitraubender Aufmarsch für ihn notwendig wird.

Man muß ihn so fassen! Ihn, den Sroan, und auch seine Panzer, Wir packen ihn mit Minen! Vier llhr. Zwischen Nacht und Morgen Dämmerung! Wenig später schlürft man den Kaffee. Die Selbst­gedrehte erlaubte noch ein Spiel mit blauen Ringelchen.

Dann wurde Sevvs Warnung mit derLauskugel" wieder bittere Wahrheit. Das Stahlbad von Krymskaia nahm seinen Anfang. Mit allen Kalibern wuchtete die Artillerie. Und dann rollten die Feind­panzer heran. Wie schäumende Brandung folgte die Infanterie, ab- gefessen und zu Fuß. in Massen. Unsere Stukas pfeifen zur Erde. Die eigenen Artillerieschüsse lagen gut. Die rote Leuchtsvur der Pack surrte hinüber. " Dazwischen zahllose Gurts der MGs. Das Erdbeben der MP.. Gewehrschüsse. Handgranaten. Und überall steigende, fallende Eidfontänen. Wir spüren das Stahlbad von Krymskaia, wohl» aber noch um einige Grade heißer brannte es die Bolschewisten.

Kriegsberichter Georg L imd i nge r.

Bis zur vöiligen Vernichtung der Feinde

Tokio, 6. Mai (Funkmeldung). Zu Ehren des unerwartet tn Manila eingetroffenen javanischen Ministerpräsidenten T o j o sand am Donnerstagmorgen im dortigen Luneta-Park eine Massenkund­gebung statt, an der über 400 000 Personen Zeitnahmen. Es dürste dies die- größte Veranstaltung gewesen sein, die Manila jemals er­lebte. Als Premier Tojo auf der Rednertribüne erschien, wurde er durch minutenlange Ovationen herzlich willkommen geheißen. Unter völliger Verkennung und Mißachtung des nationalen Eigenleben der Filipinos habe, so erklärte T o i o u. a., Amerika nichts anderes im Auge gehabt, als Beherrschung des übrigen Ostasien. Die dringende Forderung der Filipinos nach Unabhängigkeit habe man mit schön­klingenden, aber leeren Versprechungen abgetan. Tojo erinnerte daran, daß Japan und die Philippinen vor Jahrhunderten bereits aus wirtschaftlichem Gebiet eng zusammenarbeiteten. Beide Völker gehörten der grobostasiatischen Familie an. Japan habe im Verlaufe - dieses Krieges große Erfolge erzielt und sei bereit, den Feind bis zur Vern.ichtnng .tu schlagen. Immer enger gestalte sich die Zusammenarbeit zwischen den Völkern Ostasiens einerseits nnd zwischen Japan und seinen Verbündeten in Europa andererseits. Javon sei. wie Tojo mit Nachdruck betonte, entschlossen, ein für alle­mal durch diesen Krieg den teuflischen Einfluß der Amerikaner und Engländer in Ostasien zu beseitigen und zum Wohle der Völker dieses Gebietes einen dauernden Frieden zu begründen. In diesem Sinne OpneUictc er an alle Filipinos zur Zusammenarbeit mit Japan, damit auf diese Weise sobald als möglich auch ihrem Lande die völlige Unabhängigkeit gegeben werden könne. Japan seinerseits sei bereit, den Filipinos hierbei jede Unterstützung zukommen zu lassen.

Der Erfolg der Frontverlegung in Nordtunesien

Der Gegner zu einem neuen, zeitraubenden Aufmarsch gezwungen

£)artc Abwehrkämpfe am Kuban

Schwere Panzerverluste des Feindes In Tunesien von 24 an- sreisenden Panzern dreizehn adgeschossen Erfolgreicher Einsatz unserer Küstensicherungsstreitkräfte

Aus dem Führerhauptanartier, (>. Mai. jFunkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront des Kuban.Brücke nkopfes griff der Feind gestern den ganzen Tag über mit starken Kräften a». Alke Angriffe wurden abgeschlagen und dabei zahlreiche Panzer vernichtei.

Bon der übrigen Ostfront bis auf die Abwehr örtlicher Angriffe des Feindes südlich des Ilmensees keine Kampfhandlungen gemeldet.

5n Tunesien wurden mehrere feindliche Angriffe gegen den nördlichen und- mittleren Frontabschnitt abgewiesen. Dabei wurden östlich M a t c u r non 24 engreisenden Panzern dreizehn adgeschossen.

Deutsche und italienische Fliegerverbände vernichteten bei Tief­angriffen eine größere Zahl von Kraftfahrzeugen und mehrere Panzer. Schwere Kampfflugzeuge griffen in der vergangenen Nacht Safen- anlagcn en der algerischen Küste an.

In den Morgenstunden des 8. Mai versenkten deutsche Kiisten- sicherungskräste vor der bretonischen Küste ohne eigene Bexlyste ein britisches Schnellboot und beschädigten drei weitere schwer.

Uber Krymskaja wütet ein stählernes Gewitter

Bom Kampf unserer Pioniere im Ostabjchnitt des Kuban-Brückenkopfes

Berlin, 5. Mai. Die gegenwärtige Kampfpause in Tunesien, die am Montag nur von einem erfolgreichen deutschen Angriff zur Front- begfubigung im Südwesten unterbrochen wurde, nutzten unsere Trup­pen zur Umgruppierung i für er Kräfte aus.

Nachdem der große britisch.nordamerikanische Angriff im Süden und Westen des tunesischen Brückenkopfes in den Tagen vom 20. bis 28. April unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert war, mußte mit neuen Vorstößen im Nordabschnitt gerechnet werden, da der Feind hier beträchtliche sri che Kräfte bereitgestellt hatte. Um dem Gegner den Erfolg von vornherein aus der Hand zu schlagen und seine Angriffsvorbereitungen gegenstandslos zu machen, entschloß sich die deutsche Führung zu einer Verlegung der Kampfstel­lungen. Die deutch-italienischen Verbände hatten in diesem Ab­schnitt zuvor eine an sich nicht ungünstige Linie besetzt, die jedoch den Nachteil hatte, daß sie dem Gegner durch ihren Verlauf, quer zii stark zerklüfteten Bergrücken, viele Angriffsflächen bot. Es wurden neue Stellungen ausfindig gemacht, die durch Ausnutzung der gro­ßen Seen nördlich Mateur wesentlich kürzer und leichter zu ver­teidigen sind als die frühere. Die jetzigen Stellungen verlaufen dicht östlich Mateur. Dieses Städtchen wurde dem Feind kampflos über­lasten, doch wurde der Ort zuvor durch gründliche Sprengung aller kriegswichtigen Anlagen für den Gegner wertlos gemacht.

2m Wehrmachtbericht vom 4. Mai und in den ergänzenden Meldungen das OKW. vom 4. und 5. Mai werden insbeson­dere die harten Abwehrkämpfe im Ostabschnitt des Kuban- Bruckenkopses gemeldet. Der nachstehende Bericht schildert die ntr Zeit nach andauernden schweren und für die Bolschewisten verlustreichen Kämpfe von Krymskaja.

DNB. Sm Osten, Anfang Mai. (PK.) Das übliche Gesicht einer jowjeirussischen Kleinstadt. Es ist mehr Dors als Kleinstadt nach europäischen Begriffen. Die Häuser betörten nicht weniger als in anderen Städten die Armut der Bewohner. Und in diesen Tagen rollte das, Kampfgeschehen seine Sollten in die Lehmkaten, und auch die wenigen Zivilisten, die sich von ihren kärglichen Besitztümern nicht trennen wollen, spüren Sos Ringen um Krymskaja. Über Krymskaja wütet ein stählernes Gewitter.

Seit Tagen rennen die Sowjets die Stellungen unserer Grena­diere und Pioniere an. seit Tagen mit der ungestümen Kraft einer teuflisch gedrillten Masse, die mehr als einmal unsere Widerstands­kraft zu brechen droht. Mit mehreren Gruppen haben die Bolsche­wisten versucht, von Osten her in unseren Stellungsbereich zu ge­langen, aber die kleinen Flüsse, die von den Höhen des Mestkaukasus nach Norden ihren Lauf nehmen, sind für sie ein kaum zu überwinden­des Hindernis geworden. Die feindliche Artillerie trommelt mit allen Kalibern zu uns herüber. Das Vorbringen der Mittagskost wird zu einer artistischen Spitzenleistung unserer Jäger und Pioniere. Ein verflucht scharfes Auge kann uns in das Kochgeschirr sehen) drüben hocken versteckt und hinterhältig die Scharfschützen.

Eine Nacht ist so schlaflos wie die andere. So sind unsere Nächte am Äubanbrürfentopf. Schon mit den ersten Sonnenstrahlen jaulen die heißen Eisen zu uns herüber, und Sepps Warnruf:Die Lans- tügel einzuziehen", gilt im, besonderen Neulingen. Sevv kam erst vor wenigen Stunden mit ihnen zurück. Sein nächtlicher Auftrag, vor unseren Löchern einigePionierdelilnkessen" einzubauen, war nicht leicht. Zunächst einmal die Neulinge. Sero hatte bisher immer feineRandis" ebensolche, wie er einer ist. Aber der Ches der Pionierkompanie kannte seinen Sepp, und mehr als einmal schon führte Sepp seine Gruppe. Die Neuen können so etwas brauchen.

Nach 12 Uhr zogen sie los, er und 5 Mann. Dazu die Üblichen Artikel": Draht, Minen, Sprengkörper, Zündschnur, Sprengkapseln, Zünder, die unentbehrliche Werkzeugtasche und die anderen Kleinig­keiten, Das Mondlicht war ganz schwach. Wie beim Jndianerspielen. so arbeiteten sie sich über das Gelände. Der Boden war trocken. Seif Wochen brannte die Sonne darauf. Sonst würde es hier schlecht aus- sehen. > Das Steppengras raschelte". Steppengras hat ni<n einmal sein Für und Wider. Aber war etwa das Schilf am Kuban willkom­men? Nein! Mitnichten! Wir haben es niedergebrannt.

Sechs Mann huschen schemenhasl Meter um Meier in Fcindrich- tims.. Eigene Leuchtkugeln für Sekunden Tageslicht dann Dämmerlicht, wieder dunkel. Nur noch das fahle Mondlicht! Ent sol Die 5 scharten sich um Sepp: wie die Kücken um die Henne. Die Horchposten blieben schon fast vierhundert Meter im Rücken. Iwan hatte sich noch nicht gemeldet. Weiter! Kein Wort brach die Stille. Schlimm für die Neuen. Niemandsland ein Wirklichkeit gewor­dener Ausdruck für sie. Seppbereiste" es schon öfter. Er, der Ober« Befreite, dem dieser Frontabschnitt so vertraut ist wie seine Minen und Zünder, die er dem Feind vor die Nase schiebt.

Sie hielten an. Diese Stelle mußte es sein. Der Zugführer hatte ihn am Tage mit Karte und Fernglas eingewiesen. - Eine verfluchte Kante. Mit dem MG. oder mit dem Granatwerfer tlappte es nicht sanä. Also etwasBodenkultur". Sepp versteht sich auf solche Ar­beiten. Und jeden Handgriff der Neuen prüfte er. Und er spielte nicht den Schulmeister, sondern blieb Pionier. Aus dem Kasernenhof gibt cs kein Steppengras.

Aber die Handgriffe waren sicher. Das muß bei Pionieren so sein! Die Ruhe kommt mit den Tagen. Sepp wußte Bescheid. An der Aisne es sind fast drei Jahre her. 'hantierte er mit seinen Mtnenkästen, und drüben lag der Poilu. Gestern der Poilu, heute der Iwan. Gestern an der Aisne, heute in der Nähe von Krymskaja.

Vor drei Uhr kehrten sie zurück. Das ist hier kurz vor Sonnen­aufgang. Nur noch die Werkzeugtasche brachten sie mit außer ihren Handwaffen. Die anderen Sachen werden nach der Detonation durch die Luftwirbeln. Teuflisch und hinterhältig wird der Iwan gefaßt.

Aktiv im Glauben an den Führer!

Semesterbegin» an den Hoch- und Fachschulen des Gaues

NSG Nur diejenigen sollen ein Studium fortführen können, die neben überdurchschnittlichen Leistungen auch eine, vorbildliche Einiatz- bereitschaft über das Studium hinaus bekunden. Die anderen werden durch das Arbeitsamt einer zweckmäßigeren Arbeit zu geführt . -o hieß die Parole, die vor einiger Zeit Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger in einer Besprechung mit den Rektoren der Hochschulen unseres Gaues und dem Präsidenten des Landesarbeitsamtes fest- ltStSas neue Semester, das unter diesem Gesetz steht, hat nunmehr be­gonnen. und mit ihm der praktische Einsatz, der erstmalig in neuar­tiger Form abzuleisten ist. Eaustudentensnhrer B a 1 o n hat an die Studenten und Studentinnen des Gaues Hessen-Rosian klare und eindeutige Richtlinien ergehen lassen, deren Befolgung und Etnillung eine Ehrenpflicht darstellt.Jeder Studientag sei ein Dank jur die unermeßlichen Opfer der kämpfenden Front", betonte er in seiner Auf­forderung und mies gleichzeitig aus die traiitianelle Verpflichtung der Hochschulen hin, tn 'der Zeit des totalen Krieges sich als- Wafsen- schm ieden des Geistes zu' bewähren. Gerade die Hochschulen sind es ja. die ei» wesentliches Kontingent des künftigen Führernachwuchses stellen werden, und aus dieser Verpflichtung heraus ist der Student von heute kein einseitiger Fachwisjenschaftler mehr, sondern ein Ler­nender, der lebensnah und bewußt politisch im Volke steht.

Der Gaustudentenfiihrer wies ferner auf die kriegsversehrten Studenten hin, die ein besonders verpflichtendes Vorbild für Studen­ten und Studentinnen seien, im praktischen Semester- und Ferienein­satz alles zu tpn, um die Kriegsaufgaben der Heimat meistern zu helfen. Der studentische Sommer-Semestereinfatz des Gaues Hessen- Nassau , sieht planmäßig die verschiedensten Arbeitsgebiete für Stu­denten und Studentinnen vor. Er erstreckt sich auf praktische Arbeit in Hoch- und Fachschulinstitukon, in Forjchungsstätten und Riistungs- betrieben. Er umschließt Aufgaben bei der Reichs- und Feldpost, der Reichs- und Straßenbahn, bei der NSV. beim Deutschen Roten Kreuz und in der kriegswichtigen Wirtschaft. All diese Aufgaben sind nach bestimmten Stundenzahlen gewissenhaft abzuleisten. Selbstverständlich werden Studierende mit weniger fester Gesundheit entsprechend be­rücksichtigt, was ouch für Examenssemester gilt.

Für Freiheit, Ehre und Kultur gegen Jlldengier und Bolsche­wistenterror sind uns Studenten und Studentinnen kein Einsatz und keine Arbeit zuviel", betonte der Eaustudentemiihrer und wies noch­mals darauf hin, daß ein Studium geistige Fiihrerschulnng bedeute, führen aber heiße, vor allem in ernste» Zeiten Vorbild zu sein.

Druck und Setlag: L.Schellenberg'sche Buchdruckerei, Wiesbadener TagbtaN, Wiesbaden. Gesamtleitung: Dr. phil. habil. Gustav schellenberg und Otto Kaiser. Hauvt« schriftleiter: Fritz ©üntber 'ämtl. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 11 gültig

Ioniern ein Zeichen der Schwäche unserer Gegner. Man versucht sich Wege, auf dem Lande zu sichern oder zu schassen, weil man der See­wege nicht mehr sicher ist. Um diese Tatsache *u tarnen, spricht man öann vonglobalen Straßen" und tut io. als ob man auf ihnen dem Sieg entgegenmarfchieren könnte.

Für uns liegen die Dinge sehr wesentlich anders. Wir sind gewiß tut Straßenbau nicht weniger eifrig als unsere Gegner. Wir haben dafür eine vorbildliche Organisation geschaffen und das, was bisher schon itt diesem Kriege geleistet tvurde, kann sich beftimmt sehen lassen. Wenn einmal die Kilometer zusammengerechnet werden, die von uns erbaut wurden, kommt eine sehr stattliche Zahl heraus. Dennoch brauchen wir keineglobalen Straßen". Wir haben auch in dieser Hinsicht den Vorteil decinneren Linie". Im Anschluß an bas a(s Kernstück dienende Autobahn- und Reichsstraßennetz unterhält Deutschland ein dichtes Netz von Nachschubstraßen nach allen Fronten und Grenzen Europas hin, an denen seine Soldaten kämpfen und wachen.Die deutschen Kriegsstraßen verbinden", wie Waldemar Wucher mit Recht in dem oben zitierten ausgezeichneten Werk schreibt, aufs engste nach allen Fronten hi» die kämpfende Truppe mit der nur lisch für den Kriegs arbeitenden Heinirtt. Sie sind damit im besten Wortsinn Straßen des totalen Krieges, auf denen das deutsche Volk, unter Aufbietung aller seiner Kräfte, dem Führer nach endlich doch zum Siege marschiert!"

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* Gastdirigent im Kurhaus. Das gestrige Abendkonzert im Kur­haus leitete Musikdirektor Günther Schmidt-Jescher, der seit Beginn des Krieges in vorderster Front steht und zuletzt Musik­direktor in Badenweiler war Sein musikalisches Rüstzeug nament­lich als Dirigent hat er sich in München bei Hausegger und Tutein erworben. Er stand ursprünglich unter den engeren Bewerbern um ine Nachfolge von August Vogt, seine Kandidatur wurde aber durch bte vorläufige Besetzung der Stelle hinfällig. Herr Schmidt-Jescher Anfang der Dreißiger erwies sich als kraftgespannte Persönlich­keit, die bestimmt und klar ihre Zeichen gibt und durch die absolute Beherrschung der Materie gleich den richtigen Kontakt zwischen sich und dem Orchester herzustellen weiß. Überall spürt man auch die warm nachgestaltende Musikernatur heraus, die allen namentlichen Werten nachgeht und sie den Spielern durch seine energischen Direk­tiven zu vermittel» versteht. Das Programm brachte eingangs eine farbenprächtige, wirksam gesteigerte Wiedergabe der klangfreudige» Ouvertüre z» Kleist'sKäthchen von Heilbronn" von Pfitner, und namentlich die acht blühenden Variationen mit kunstvoller Fuge über ein Thema von Mozart, von Reger wurde ein dynamisch reich be­dachte. lichte und plastische Ausführung zuteil. Auch in Werken aus dem ständigen Revertoir des Orchesters, wie Battettmufik zu Rosa­munde' von Schubert,Les Praludes". symphonische Dichtung vonl Lijzt und Ouvertüre zur OverTannhäuser" von Richard Wagner, konnte er seine persönlichen Anregungen , bewußt zum Ausdruck bringen. Das Sinfonie - und Kur-Orchester der ^tadt Wiesbaden folgte mit liebevoller Bereitschaft den Winken des Gastdirigenten und entfaltete alle seine Klangmöglichkeiten in be- zwinglicher Wyise.x Die Zuhörer bereiteten Herrn Schmidt- Jescher eine sehr ehrenvolle Aufnahme. Fritz Zech.

*Frühjahrsausstelluug im Nassauischen Kunstverein".Frauen­bildnisse und Blumenstilleben" in zwangloser Folge aneinanderge- rerht, füllen dieses Mal die Räume der Mai-Schau. Bekannte Namen, wie Graf Luckner. Berlin', Prof. Dobrowsky, Wien, Prof. Kempin, Frankfurt, Hans Happ, Frankfurt, u. a. m., dazu unsere Wiesbadener Künstler, wie unser Altmeister Hans Icker und Ernst Zoberbier, werden vertreten sein." Die Schau wird am 9. Mai eröffnet und bis zum 31. Mai zu sehen sein.

* Die neue Ausstellung im Freiburger Kunstverein ist m erster Linie Dr. Daniel Greiner (aus Jugenheim an der Bergstraße) zum 70. Geburtstag gewidmet: sie wird ausgezeichnet erweitert durch Ar­beiten von Klans jßragt (Eutin-Fisjaubrück) der ebenso wie Greiner durch seine Buch-Illustrationen bekannt ist. Buch-Illustrationen, ins­besondere Holzschnitte, geben denn auch der neuen Schau das charak­teristische Gepräge.

< * Münchner Kunstsommer. Mit der Eröffnung her großen Kunst­ausstellung der Münchner Künstlerschaft in den schönen Räumen deS Maximilianeums hebt traditionsgemäß jene Veranstaltungsreihe an, die Gelegenheit gibt, München als die bedeutende Malerstadt vor­zustellen. Schon seit Jahren fällt diese Veranstaltung (sie wird jetzt betreut von der Kameradschaft der Künstler Münchens) durch eine Frische von beinahe sezessionistischer Art auf, denn es treten auch in München immer deutlicher unter den jüngeren Künstlern Persönlich­keiten in den Vordergrund, die der Kunst fraglos erfreuliche neue Jmvulse zuführen werden. Die neue Ausstellung hält an Niveau, was auch das vergangene Jahr halten konnte. Die Atzsstellung ist vom Mai bis Oktober geöffnet

* Frühjahrsausstellung Mecklenburgischer Künstler. Die Friihiahrs- ausftellungMecklenburgischer Künstler 1943 im Schweriner Landes­museum. in der 52 Künstler und Künstlerinnen mit 228 Arbeiten ver­treten sind, zeigt einen sehr beachtliche» Durchschnitt, der weit über Mecklenburg hinaus Interesse verdient, über Ölgemälde und" Aauarelle der mecklenburgischen Landschaft, ihre traulichen Landstädte und lebens­frohe Seestädte hinaus zeigt sich in der Ausstellung besonders die Pflege des Porträts. Richt zuletzt hat auch der Kries in der Motiv­wahl feinen Niederschlag gesunden.

*Soldat und Künstler." Im Leipziger Kunstverein wurde eine Ausstellung von Kriegsbildern sächsischer Künstler unter dem Titel Soldat und Künstler" eröffnet, die in mitreißender Weise zeigt, wie das soldatische Zeitgeschehen erbitterten Kampfes oder opferbereiten Einsatzes von innen her den Künstler befruchtet.

* Tage der Kunst in Kiel. Oberbürgermeister Behrens eröffnete di?Tage der Kunst in Kiel", die auf alle Kreise der Bevölkerung, be­sonders die Angehörigen der Wehrmacht und der Rüstungsbetriebe ab­gestellt find, mit der Frühjahrsschau Kieler Künstler in der Kunsthalle in Anwesenheit von Vertretern der Partei, des Staates, der Wehr­macht, der Kunst und Wisienschast.

* Große erfolge Giesekings in Lissabon. Walter Eieseking, der in Portugal kein Unbekannter mehr ist, begeistert mit seinem Gast­spiel im Nationaltheater Sao Carlos von Lissabon seine Zuhörer ebenso wie die Kritik, die ihm uneingeschränktes Lob zollt. Im Diorio de Noticias", nennt ihn der bekannte Musikdirektor Ruy Coelho den Meister der Meister und stellt fest, daß Eieseking sich von allen anderen Künstlern unterscheidet und daß er aus dem Instrument und dem Notentext Töne heroorzaubert, die den wirkliche» inneren Wert der Musik "wiedergeben. Eiesking habe einen leichten nnd zarten Anschlag und er behandelte das Instrument auch beim Fortissimo nicht brutal. Er sei in jeder Hinsicht ein würdiger Inter­pret sowohl gegenüber dem Werk als auch gegenüber dem Instrument und dem Publikum. Er gebe de» Texten eine ideale Verwirklichung. Der ..Scculo" nennt Eieseking eine der größt«'» Persönlichkeiten aus dem Gebiete der musikalischen Darbietung.

Dis &mfal

Von Ernst Bacmeister

Amsel in der liefe meines Gartens, frühe Brecherin des Tagerwartens: Wenn dein Heller Morgensang erwacht, scheucht er auch in mir die dunkle Nacht.

Du allein Doch endlich folgen alle deinem ersten hochgemuten Schalle, bis die stille Erde rings ertönt, von der jungen Sonne neu verschönt.

Und ich horche auf das tapfre Klingen, und es wachsen meines Herzens Schwingen. Siegend fingst du dich im Garten aus, und ich trete freudig vor mein Saus.

* Geschichten oon Johannes Brahms. Johannes Brahms, dessen 110. Geburtstag auf den 7. Mai fällt, ist Junggeselle geblieben, nicht etwa, weil ihn weibliche Schönheit nie tiefer berührt hätte, sondern weil er glaubte, sein ganzes Wesen uneingeschränkt seiner Kunst widmen zu müsien. Er hielt jedoch viel aus ein behagliches Heim und war unglücklich, wenn er nicht eine zuverlässige Hausdame hatte, die seiner Wirtschaft Vorstand. Er hatte weibliche Sorgfalt freilich sehr nötig; denn er war recht unordentlich und achtete gar nicht auf seine Kleidung. Aus seiner Hamburger, Jugendzeit erzählt er selbst,, er wäre einmal in eine Gesellschaft gegangen, und alle hätten ihn erstaunt gemustert; als er dann nach Hause tarn und fragte:Mutter, was ist denn mit meinem Anzug los? Die Leute haben mich so sonderbar angesehen", rief diese ganz erschrocken:Aber Johannes, du hast ja den"alten Rock angezogen, oon dem ich alle Knöpfe" abgetrennt habe." Brahms liebte ein gutes Glas Wein und auch einen Krug Pilsener Bier, aber es war reiner Klatsch, daß er übermäßig getrunken hätte. Einmal saß er mit dem Klavier­spieler Behm im WienerRoten Igel" zusammen, und das Gespräch kam auf dieTrunksucht", die man ihm nachsagte. Behm erzählte, selbst der sonst so feinfühlige Karl Reinecke habe ihm gesagt. Brahms schaffe meist im halbtrunkenen Zustand, da sei es eigentlich keine Kunst, etwas Gutes zu machen Da zog über das Antlitz von Brahms eine leuchtende Fröhlichkeit, er schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte lachend:Schade, daß der Reinecke nicht öfter betrun­ken war."