Einzelbild herunterladen
 

Seite 2 Ne. 100

Wiesbadener Tagblatt

Freitag Samstag, 30. Avril 1. Mai 1943

Unterseeboote versenkten 53000 BRT.

Zehn Schisse aus stark gesicherten Geleitzügen versenkt Weitere fünf Schisse torpediert Sowjetangriss cm Kuban-Brückenkopf blutig abgewiesen 87 Sowjetflugzeuge über dem südlichen Frontabschnitt abgeschosien 3m Mittelmeerraum verlor bvr <,cind zwölf Flugzeuge Küstensicherungsstreitkröste versenkten zwei britische Schnellboote

unserer unter dem Befehl von Fliegerhauvtmann Bruno V-litt aus Mailand operierende Jagdverbänd«. Zwei weitere feindliche Flugzeuge wurden beim Start von einem unserer Jäger vernichtet.

5m Verlaus eines feindlichen Angriffs gegen einen Geleit»», stürzten zwei feindliche Flugzeuge, von der Bodenabwehr der Schiffe getroffen, ins Meer. s-

Bier unserer Flugzeuge kehrten von ihrem ^cindeiniatz der beiden vergangenen Tage nicht zu ihren Stützpunkten zurück.

der Arbeit heute weit über die nationale Bedeutung hinaus. Sind doch an dem großen Schicksalskamvte des deutschen Volkes alle Nationen der neuerstandenen europäischen Gemeinschaft beteiligt. In ein­mütigem Kampfe zum Schutze der höchsten Güter der Mensch­heit haben sich die Völker Europas zusammen- geichlossen. um Lebensraum. Kultur und Zukunft gegen die Bedrohung durch das bolschewistische Untermenschentum zu verteidigen. Sie kämpfen Schulter an Schulter und sie a r b e i t e n g e m e i n s a m für den Sieg. Millionen europäischer Arbeiter, die zur Zeit in den groben Be­festigungsanlagen im Westen und Süden, beim Neuaufbau des Ostens und in den deutschen Fabriken tätig sind, bleiben durch ihre tägliche Arbeit auch innerlich miteinander ver­bunden. Die Solidarität aller Schaffenden Europas ist damit Wirklichkeit geworden und bringt aller Welt überzeugend zum Ausdruck, dab der neue europäische Sozialismus ein Leistungssozia- l i s m u s ist.

Wenn wir uns am 1. Mai. dessen symbolhafte Bedeu­tung für das nationale Leben im Bewuhtsein des deutschen Volkes fest verankert ist. daran erinnern, dab unsere Arbeit völlig in den Dienst dieses gewaltigen Kampfes um Sein oder Nichtsein gestellt ist. so haben wir doch auch gleichzeitig die Eewibheit, dab mit der Mobilisierung aller Kräfte Ein­satz und Schaffensfreudigkeit, Leidenfchaft und wundervolle Eingabe in dieser entscheidenden Auseinandersetzung das Fundament unseres zukünftigen Lebens und die Voraus­setzung riir bett Sieg bilden, aus den wir nach der Leistung, die mir zu vollbringen verpflichtet sind, ein stolzes Recht und einen unerschütterlichen Anspruch haben.

Neue Ritterkreuzträger

Berlin, 29. Avril. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Major Wilhelm Eggemann, Bataillons­kommandeur in einem Grenadier-Regiment. Hauptmann Wilhelm d S a l i f ch. Bataillonskommandeur in einem Jäger-Regiment, Feldwebel Wilhelm Sieger, Zugführer in einem Panzer- Erenadier-Rcgiment.

Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an 4<-Sturinbannführcr Jakob Ficks, Bataillonskommandcur in dem 44-Regiment Langcmarck in der tj-Panzcr-Ercnadier-Division Das Reich".

Der, Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Eöring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant Edwin Thiel, Staffelführer in einem Jagdgeschwader.

Aus dem Führerhauptqartier, 30. April. (Funkmeldung.) Dos Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Sowjets traten gestern erneut mit starken Kräften zum Angriff gegen die Ostfront de» Kuban-Brückenkopfes an. Trotz heftiger Artillerievorbereitung sowie starker Panzer- und Fliegerunterftützung vermochte der Feind an keiner Stelle Boden zu gewinnen. In schweren, von der Luftwaffe wirkungsvoll unter­stützten Abwehrkämpfen wurden die Sowjets unter Abschuh zahl­reicher Panzer blutig abgewiesen. In Lustkämpfcn schosien deutsche Jäger über dem südlichen Frontabschnitt 67 Sowjetflugzeuge ab.

An der tunesischen Wo st front wurden mehrere ört­liche Borstöste abgewiesen.

Die Luftwaffe schoh im Mittelmeerraum bei fünf eigenen Verlusten 12 feindliche Flugzeuge ab.

In den Morgenstunden des 29. und 30. Avril o « rse, Iten deutsche Küstensicherungsstreitkräfte vor der niederländischen Küste zwei britisch» Schnellboot«, beschädigten «in weiteres schwer und schosien ein vierte» in Brand.

Unterseeboot« versenkten im Rordatlantik und im Mittelmeerraum aus stark gesicherten Eeleitzügen zehn Schiff« mit 53 000 BRT. Weitere fünf Schisse, darunter ein» vom TqvWinchester Castle" .mit 20 000 BRT., wurden torpediert. Ein Unterseeboot schob einen schweren feindlichen Bomber ab.

Oer italienische Wehrmachtbericht

Rom, 30. Avril. (Funkmeldung.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:

Das Hauvtauartier der Wehrmacht gibt bekannt:

In Tunesien stieben die wiederholten feindlichen Ver­such«, unsere Linien zu durchbrechen, auch am gestrigen Tage aus den erbitterten Widerstand der italienisch-deutschen Truppen.

Besonders lebhafte Tätigkeit der Luftwaffe der Achsenmächte, die feindliche Trupvenansammlungen angriffen und zahlreiche Kraftwagen in Brand schossen und zerstörten. 17 englisch-ameri­kanische Flugzeuge wurden im Lustkamvs abgcschosien, zehn von deutschen Jägern und sieben im Verlauf heftiger Kämpfe gegen einen Verband von etwa sechzig englischen Flugzeugen von einem

*30 britische Bomber innerhalb 24 Stunden abgeschossen.

Berlin, 29. April. Die deutsche Luf.twasfe hat sich in der Nacht zum 29. April, bei der Abwehr britischer Bomben­angriffe wiederum glänzend bewährt. Die Zahl der abgeschosienen britischen Flugzeuge in der Nacht zum 29. April, hat sich inzwischen von 18 aus 23 erhöht. Zusammen mit den vier am Tage über dem Kanal vernichteten feindlichen Maschinen, verloren die Briten innerhalb 24 Stunden insgesamt 30 Bomber.

Schwere Verluste der Sowjet-Luftwaffe

Fast 100 Flugzeuge gingen in zwei Tagen verloren.

Berlin, 29. April. An der Ostfront haben Verbände der deut­schen Luftwaffe erneut große Erfolge errungen. Nachdem bereits am 28 .April, ohne eigene Verluste 44 Sowjetflugzeuge zum Absturz gebracht wurden, gelang es den deutschen Jägern am 29 April, ini Raum des Kuban-Brückenkopfes und des östlichen Asowschen Meeres, sowjetische Flugzeuge zum Kampf zu stellen und in Luftkämpfen 5 3 feindliche Flugzeuge abzu- schießcn.

Diesen hoben Verlust von fast 100 Flugzeugen innerhalb zweie» Tage erlitt die Sowjetluftwafie bei dem Versuch, die deutschen Stükaangrisfe aus Nachschubbewegung und Bereitstellungen zu verhindern. Da an anderen Abschnitten der Ostfront am 29. April weitere sechs feindliche Flugzeuge abgeschoffen wurden, erhöht sich die sowjetische Verlustbilanz eines einzigen Tages nach bisher vorliegenden Meldungen auf 59 Flugzeuge.

Japaner vernichteten 1734 Flugzeuge über den

Salomonen

Erfolgreicher Gegenangriff in Tunesien

Sn die deutschen Stellungen eingebrochener Panzerverband nach sehr harten Kämpsen rurückgeschlagen

günstige Schußposition zu ei nete sofort das Feuer. Es kc

Philips durfte nicht zu Gandhi

Senf, 29. Avril. Philips, der seit 5 Monaten in Roose­velt» Auftrag zur Prüfung der Lage in Indien weilt, kehrt jetzt, wie die LondonerTimes" aus Neu-Delhi berichtet, nach USA. zurück, um Roosevelt ausführlich Bericht zu »erstatten. Er werd« dann in Bälde nach Indien zurückkehren. Philivs habe sich rest­los über die Lage der Engländer imindischen volitischen Bühnen­bild" unterrichten können. Dabei habe er zweifellos teftstellen müssen, daß sie weit schwieriger sei, als das einige USA.-Blätter feststellten.

In militärischer Hinsicht, so heißt es in demTimes"Bericht weiter, lasie die britisch-amerikanische Zusammenarbeit in Indien ebenfalls noch viel zu wünschen übrig. In Indien Aufsehen er­regt habe die Mitteilung Philivs, daß ihm der englische Vize­könig eine Rücksprache mit Gandhi nicht gestattet habe.

Feindlicher Enterversuch glatt zerschlagen

Da» Seegefecht im Kanal Sicherungsstreitkräste zerschlugen britischen Angriff auf deutsches Seleit

ncuten Bereitstellungen suchten sie deshalb durch Flakbatterien zu sichern. Die angreifenden Kampfflugzeuge bombardierten jedoch zunächst die feindlichen Flakstellungen und brachten schon im ersten Anflug alle Geschütze einer der Flakbatterien zum Schwei­gen. In immer neuen Tiefangriffen stürzten sich die Kampf­flieger auf die feindlichen Panzer, vernichteten drei von -hnen und nahmen dann die in Deckung gehenden Truppen mit Bomben und Bordwaffen wirksam unter Feuer. Feindliche Jäger, die zur Sicherung der britischen Bereitstellungen erschienen, wurden ab­gedrängt und dabei eine Svitfire nach kurzem Luftkamof brennend zum Absturz gebracht. Roch in der Nacht zum 29. Avril letzten unsere Kampfflugzeuge die erfolgreiche Bombardierung der Flak- Rettungen int Raum von Medjez el Bab fort.

Deutsche Jagdflugzeuge, die zur Sicherung in ten tunesischen Kamvfgewässern eingesetzt waren, griffen in der Nähe von Kav Bone drei britische Schnellboote an, die unseren Nachschubverkehr zu stören versuchten. Eines der Schnellboote geriet nach Beschuß mit Bordwaffen in Brand. Die Besatzung svrang ins Wasser und wurde von den beiden anderen Booten ausgenommen. Das vcr- lasiene britische Boot brannte aus und versank.

Berlin, 29. Avril. In den erbitterten Abwehr» kämpfen zwischen dem 20. und 26. Avril an der tunesischen Front, die zu einem eindrucksvollen Erfolg der deutsch-italienischen Verbände führten, lag der S ch w e r v u n k t der feindlichen An­griffe im W e st a b s ch N i t t dicht östlich Medjez el Bab und süd­lich davon. Nachdem am zähen Widerstand der Achsentruvveii und durch energische Gegenaktionen die Offensive der Briten und Nord- nmerikaner zusammengebrochen war und der Feind an fast allen Kampfabschnitten infolge seiner schweren Verluste die anfänglichen Bodengewinne wieder ausgegeben Haie, flauten die Angriffe bis auf örtliche Gefechte ab. Nur nördlich Medjez el Bab, an der Straße nach Tebourda, blieb es weiterhin unruhig. Dort hatten die Briten am 24. Avril einige Hügelkuvven gewinnen können und führten an dieser Stelle immer wieder frische Kräfte ins Ge­fecht, um ihr Ziel, die Aussvaltung der westlichen Verteidigungs­front, zu erzwingen. Durch ihre Überlegenheit an Panzern und schweren Waffen gelang es den Briten schließlich, mit etwa 60 bis 70 Panzern in die Stellungen der Achsentruvven einzubrechen. Entscheidend war jedoch, daß die Front rechts und links der Ein- bruchsstelle hielt und der Feind deshalb nur in einer schmalen Zone vorzustotzen vermochte.

Der britische Panzerverband gewann zunächst in nordöstlicher Richtung rasch an Boden, doch konnte et seinen Erfolg nicht aus» nutzen, da ihm am 28. Avril, dicht an der Einbruchsstelle won Südosten her der Gegenstoß in Tunesien bereits vielfach be­währter deutscher Panzerkräfte traf. Dieser riß die tiefe Flanke der vorgevreschten gegnerischen Kräfte auf und zwang sie zur Umkehr. Dadurch kam es nordöstlich Medjez el Bab mit dem zu- rückgehenden feindlichen Panzerverband zu sehr harten Kämpfen, die zur Vernichtung der eingebrochenen Briten führten. Nur Teilkräfte des Feindes konnten sich durch die schmale Frontlücke in Sicherheit bringen Die deutschen Truppen Begnügten sich jedoch nicht mit der Zerschlagung der feindlichen Kampfgruppe, sondern stießen den weichenden Briten weiter nach. Im scharfen Nach- brängen gelang es ihnen, den Feind über seine Ausgangs­stellungen hinaus zurückzuwerfen und sich der bei bei Beginn des Großangriffs verlorenen Bergkuvven von neuem zu bemächtigen. Durch den erfolgreichen Gegenangriff haben damit unsere Truppen nun auch an diesem Abschnitt ihre vor dem 24. Avril innegehabten Stellungen wieder gewonnen.

Neben diesem Hauvtereignis kam es am 28. Avril an den übrigen Abschnitten der tunesischen Front nur zu örtlichen, für die Achsentruppen günstig verlaufenden Gefechten. Im Norden und Südwesten schlugen deutsch-italienische Einheiten Dorstöße schwächerer gegnerischer Kräfte ab und verbesserten unmittelbar an der tunesischen Ostküste durch Zurücktreiben feindlicher Kräfte ihre Stellungen.

Die Luftwaffe setzte ihre Angriffe gegen die Bereit­stellungen starker motorisierter Kräfte des Feindes, hauptsächlich im Raum Medjez el Bab fort. Schon am Vortage waren dort die Briten in den felsigen Schluchten und waldreichen Tälern des Djebel Rihane von unseren schnellen'Kampfflugzeugen mit Bom­ben und Bordwaffen erfaßt und zersprengt worden. Ihre er»

eigenen Stützpunkt erreichen.

Nach erfolgreich bestandenem Seegefecht mit dem feindlichen Verband wurde bas beutsche Geleit am Morgen von einem tief- fliegenden gemischten Verband feindlicher Jäger und Bomber an­gegriffen. Auch dieser Angriff wurde abgeschlagen, wobei der feind­liche Verband drei Flugzeuge verlor, die von unseren Besatzungen abgeschossen wurden.

Loki», 30. April. (Funkmeldung Ostasiendienst.) Nachdem die japanischen Marineflieger am 25. April über dem Salomonen­gebiet acht feindliche Flugzeuge abschießen konnten, beläuft sich die Zahl der seit dem Sommer des vergangenen Jahres im Gebiet des Südpazifik vernichteten feindlichen Flugzeuge auf 1 734.

günstige Schußposition zu einem feindlichen Zerstörer kam, eröff­nete sofort bas Feuer. Es tarn auf mittlere Entfernung zu einem Pasiiergefecht zwischen bem viel größeren englischen und dem klei­nen deutschen Kriegsschiff, bas selbst einige Treffer erhielt, seiner­seits aber wirksame Einschläge in den Vrückenaufbauten und im achteren Geschützstand des feindlichen Zerstörers beobachten konnte. Dieser wechselte daraufhin den Kurs und konnte dank seiner höhe­ren Geschwindigkeit ablaufen.

Im Verlaufe des harten Gefechtes sanken auf deutscher Seite zwei Fahrzeuge. Ein drittes erlitt Beschädigungen, die vorüber­gehend seine Manövrierfähigkeit beeinträchtigten. Der Gegner ver­suchte, das deutsche Boot zu entern. Dieser Versuch mißlang genau so vollständig wie bei einem kürzlichen Gefecht zwischen zwei deut­schen Vorpoltenbooten und britischen Zerstörern und Schnellbooten, das ebenfalls im Kanal stattgesunden hatte. Der britische E n - terversuch wurde glatt abgeschlagen, obwohl bereits vckrher eine Anzahl Besatzungsmitglieber gefallen oder verwundet worden war. Mit Handgranaten, Maschinenpistolen und den noch feuern­den Geschützen wurde der Feind so eingedeckt, daß er sich, ohne sein Ziel erreicht zu haben, zurückzog. Unser Boot konnte später einen

Berlin, 29. April. In den frühen Morgenstunden de» 28. April wurde, wie im Wehrmachtbericht vom 29. April gemeldet, ein deut­sches Geleit, bestehend aus einzelnen Versorgungsschisfen und Sicherungsstreitkräften, am Südausgang des Kanals von einem zahlenmäßig überlegenen feindlichen Kriegsschiffverband ange­griffen. Indem sich entwickelnden Gefecht bewiesen unsere Siche­rungsstreitkräste erneut ihren vorbildlichen Angriffsgeist und ihr hohes Können. Dick Treffsicherheit ihrer Artillerie zeigte sich schon gleich nach Feuereröffnung gegenüber bem aus allen Rohren schießenden Feinb überlegen. Ihr gleich gutliegenbes Feuer fügte bem Gegner trotz feiner Überlegenheit an Kaliber unb Geschwindigkeit empfindliche Verluste zu.

Der volle Einsatz der zum Schutz bet Transportschiffe eingesetz­ten Sicherung s st reitkräfte war erfolgreich. Im Feuer ihrer Artillerie sank nach Volltreffern erst ein feindliches Artillerieschnellboot und bann ein zweites. Zwei aribere Artillerieschnellboote, die die Engländer für den Einsatz im Kanal als wertvollste Einheiten betrachten und eigens zu die­sem Zweck entwickelt haben, erlitten schwere Beschädigungen. Mit ihrem längeren Ausfall ist zu rechnen, falls sie ihren Stützpunkt noch erreicht haben sollten.

Aber auch einer der feindlichen Zerstörer wurde schwer beschä­digt. Nachdem andere Einheiten der Küstenvorfeldsicherung in der auskommenden Dämmerung auf sehr weite Entfernung das Ge- fchützfeuer beobachte^ hatten, begaben sie sich aus den Schauplatz des Gefechtes. Eine "unserer Einheiten, die nach dem Eintreffen in

Wir - unö Lsr Fortschritt Lor Arbeit

Bon Dr. Hans Hartmann.

Die Begegnung der meisten Menschen, zumal der geistig und künstlerisch gerichteten, mit der Technik ist auch heute noch im Wesentlichen zufälliger Art. Wit sehen eine Kurbelwette oder einen Flugzeugzylinder in Funktion in einem repräsentativen Schaufenster, mir machen uns Gedanken zur Überlastung bet Tele­fonleitungen und erfahren beiläufig, daß man 200 unb mehr Ge­spräche gleichzeitig übet den Draht senden kann, ohne daß sie sich gegenseitig stören, wir nehmen einmal fluchtigen Einblick in das geradezu phantastische Signalsystem, das unseren Eisenbahnfahrten so große Sicherheit verleiht, wir wißen von den modernen Hydrierwerken, in denen die Kohle zu hochwertigem Benzin ver­arbeitet wird, oder wir sehen einer Widerstandsschweißung zu: es werden da zwei Eisenstücke nebeneinandergelegt und gerabezu genäht", indem für den Bruchteil einer Sekunde ein elektrischer Strom durchgegeben wird, der die Nahtstelle auf weit über 1000 Grab erhitzt. Der Vorgang vollzieht sich so rapide, daß die Aus­breitung der entstandenen Wärme ganz langsam vor sich geht unb bas Eisenstück erst nach längerer Zeit zum Ansasien wird. Die Naht ist so fest, daß bei der Probe ein Biege-Jnstrument das Eisenstück nicht etwa an der Naht, sondern an irgend einer anderen Stelle biegt. Ein anderes Mal erfahren wir, daß zum Bau eines Torpe­dos alle Arten der Technik herbeigezogen werden muffen, Mecha­nik, Metallurgie, Elektrotechnik, Kreiseltechnik, Strömungslehre ufw. Und bann kommen wir vielleicht mit der medizinischen Tech­nik zusammen, die es erlaubt, die Innenwand des Magens im Spiegel zu beobachten, stundenlang im Gehirn eines Menschen zu operieren unb sich babei mit ihm zu unterhalten, ober bie gefähr­lichen Röntgen- unb Radiumstrahlen in Diagnose und Therapie zu meistern, fvdaß sie nicht schaden können.

Was ist das für ein. Phänomen, das uns da aus tausend Au­gen anblickt und, wenn wir ihm einmal Aufmerksamkeit zugewen- det haben, uns buchstäblich auf Schritt und Tritt verfolg:? $ßit möchten seinen Sinn verstehen, möchten cs in die große Ordnung alles Seins aufnehmen, die uns umgibt, möchten eine unerschütter­liche klare Haltung zu ihm gewinnen.

Dabei wirbelt uns der Kopf so wie wenn wir vor einem modernen mechanischen Webftuhl stehen oder einer Maschine zu­sehen, die blitzschnell eine Flüßigkeit in Flaschen gießt, diese luft­dicht verschließt und etikettiert. Wir werden so meinen wir, das nie begreifen, und doch gibt es Hunderttausend, bie es begriffen haben, unb es beherrschen, ja sogar an seiner Weiterentwicklung arbeiten.

Verfahren wir nach bet Weisheit Goethes, so müssen wir unterscheiben und verbinden". So unterscheiden wir zwischen dem Techniker oder Ingenieur und der Technik als Phänomen. Vom Techniker, dem mit Verantwortung beladenen Menschen, sei hier nicht näher bie Rede. Wir bewundern ihn, weil er, der ständig geistesgegenwärtig sein muß, unser Leben ständig schützt: er ist stets gclammelt auf den entscheidenden Augenblick, wenn er die Teile eines Flugzeugs zusaminenfügt ober die wesentlichen Stücke an einer Hochspannungsleitung anbringt. Nicht nur der große Arzt oder Kulturforschet muß in unser aller Blickfeld stehen, sondern auch der Techniker.

Vom Techniker gesondert aber gibt es,die" Technik, die unbe­kümmert um Menschenschicksale, um Erfindertragödien, um Rück­schläge unb Vernichtung großer Werte (wie etwa bei ersten Zeppeline) ihren Sicgesweg geht, unaufhaltsam, unerbittlich. Die vielleicht schon als philosophisch zu bezeichnende Frage bewegt uns immer neu, ob gewissefällige" technische Mittel wie Buchdrucker- kunst. mechanischer Webftuhl, Dampfmaschine, Eisenbahn, Rasier­apparat, drahtlose Telegraphie gekommen wären, auch wenn Gutenberg, Marovni unb bie anderen alle als Kinder gestorben wären. Am meisten Wahrscheinlichkeit hat bie Antwort, daß die betreffenden Dinge, wenn vielleicht auch durch andere technische Stufen hindurch, ungefähr zu jenen Zeiten sich aus dem Dunkel des Nicht-Seins herausgelöst und in bie Fülle der reichen Wirk­lichkeit eingegangen wären

Dieser Sinn der Technik kann sich uns entschleiern. Die Lebensverfeinerung, dieDifferenzierung", konnte sich fortschrei­tend nur vollziehen, wenn die technischen Mittel dafür geschaffen wurden. Wenn viele Menschen lesen wollten und nicht nur bie Mönche, bann bedurfte es der Buchdruckerkunst. Wenn man reifen und schauen, Erdteile erkennen, ein Gesamtbild derNatur" ge­

winnen wollte, so brauchte man Dampfschife, Bahnen, Flugzeuge. Physikalisches, chemisches, biologisches, ethnographisches Weltbild können nur mit technischen Hilfsmitteln geschaffen werden.

Der Mißbrauch der Technik bis hin zu ihrer Vergötzung war in diesem, von hoher Warte betrachtet, außerordentlich sinnvollen Prozeß im Verhältnis des Menschen zur Welt vorgesehen. Der Mensch konnte, wenn er wollte, seinen Lautsprecher den ganzen Tag laufen lassen, ohne hinzuhören. Er konnte Mittel und Zweck verwechseln und er macht von dieser Gelegenheit reichlich Ge­brauch. Die Technik soll aber, abgesehen von dem ästhetischen Ge­nuß, den technische Werke bereiten können, abgesehen von dem wertvollen bescheiden-stolzen Hochgefühl des wahren Technikers, wenn er die Materie gemeistert hat, nur Mittel zum Zweck fein. Sie soll uns bas Leben zugleich vereinfachen unb verfeinern, zu­gleich meistern und steigern. Unb fie soll uns, den lebenswilligen Völkern, gestatten, die Mißgunst der Ewig-Gestrigen abzuwehren und uns den Lebensraum zu erkämpfen, den wir brauchen. Dazu muß uns die Technik freilich die besseren Flugzeuge, Panzer, U-Boote, Nachrichtenmittel schaffen.

So gesehen, ordnet sich die Technik in den Kosmos unseres Seins organisch ein. Der Alpdruck des kommenden Maschinen­wesens, dem der alte Goethe in seinemWilhelm Meister" so ergreifend Ausdruck verleiht, kann bann weichen. Die Technik birgt zwar in sich bie ständige Drohung der Entseelung und Veräußer­lichung des Menschen. Gerade darum a6er_ birgt sie die Ausgabe bie Drohung nicht wahr werden zu lassen. So werden wir frei von jeder Vergötterung der Technik, aber auch von ihrer Verachtung. Unb wenn wir etwa telefonisch einen Arzt in höchster Not herbei­riefen, wenn dieser telefonisch die Operation in bet Klinik votbe- reiten ließ, bet Kraftwagen den geliebten Menschen hinfuhr und der Atzt in letzter Minute auf Grund seiner Technik die Herz­operation vornahm bann beginnen wir bie Technik sogar verehtenb zu lieben.

Druck und Verlag: L Schellendergfche Buchdruckerei, Wiesbadener Tagbla«!. Wiesbaden ©cfamtieitung: Dr.phil. habil. Du st an Schellenberg und Otto Kaiser. Saunt» toriftleiter; Friz SLnther, fämft in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Nr. lo'gültig

Die heutige Ausgabe umfaßt 8 Seiten