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Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 28. Avril 1943

drückt der

Die Blicks hängen wie gebannt an der Kimm, wo

man kaum

Bootsmaat steht gedankenverloren

«inen dunklen Punkt ausmachen kann. Wird das Boot antworten oder nicht. Da. am Horizont blitzt es auf. Kurz, kurz lang . . .

Ein eigenes Boot. Die Spannung löst sich und macht einer allgemeinen Freude über diese Begegnung Platz. Mehr und mehr wächst das U-Boot aus dem Wasser heraus und hat sich uns nach ■ kurzer Zeit auf „FlüstertLtenwsite" genähert. Drüben ist die Brücke voll von Kameraden, die sich genau so wie wir den Augen­blick einer Begegnung auf hoher See nicht entgehen lasten wollen. Sn kurzen Abständen hintereinander taucht in unserem Turinluk ein Kovf auf:

Unser Kommandant hat heute Verständnis für den Wunsch seiner Männer und schließlich staut sich fast die gesamte Freiwache auf der Brücke. Die beiden Kommandanten begrüßen sich durch die „Flüstertüte", dann bieten wir unsere Hilfe an. Hundert Frisch­brote, noch warm aus unserer Bordbäckerei, eine Kiste mit tausend Eiern, viele Zigaretten und eine Anzahl von Konservenbüchsen nehmen ihren Weg nach drüben, wo sie mit großer Freude aus­genommen werden. So ein Tankerboot ist doch eine großartige Sache! Liber Tausende von Seemeilen vom Stützpunkt weg bringt es ihnen all diese schönen Dinge, die eine willkommene Bereiche­rung des lnapp gewordenen Speisezettels bedeuten.

Seilbahnstütze Mr.4

Ein Roman aes den Bergen von Alexander v. Thayer Nachdr. verb.

Nr. 98 Seite 3

Panzerverbände von drei Divisionen in Tunis vernichtet

Deutsche und italienische verbände in erbittertem Abwehrkampf gegen feindliche Übermacht

Berlin, 27. Avril. An der tunesischen Westfront ist am 26. Avril der am Karfreitag begonnene, um jeden Preis eine Ent­scheidung suchende Angriff der Briten und Nordamerikaner ge­scheitert. Nach dem Mißlingen seiner ersten, vom 20. bis 22. Avril gegen die Eebirgsbarriere der Südfront geführten Offen­sive hatte der Feind von diesem Abschnitt starke Verbände abge­zogen und in den Raum Medje, el Bob und südlich davon gebracht. Zusammen mit den dort eingesetzten Kräften standen schließlich etwa vier britische und zwei nordamerikanische Divisionen zum An­griff bereit, der am 24. Avril nach sehr schwerem Artilleriefcuer und mit Unterstützung starker Fliegerkräfte ins Rollen kam.

Die Absicht des Feindes war, auf den nach Nordosten in Rich­tung an die Stadt Tunis führenden Straßen vorzustoßen, die Ab­wehrfront zu durchbrechen und dadurch die deutsch-ikalienischen Trup­pen in zwei voneinander getrennte Kampfgruppen aufzusvalten. Die in den Gebirgstälern massiert vordringenden feindlichen Pan­zer trafen aber überall aus die zum härte st en Wider st and entschlostenen deutschen und italienischen Verbände.

Schon am Abend des ersten Angrisfstages erkannte die gegne­rische Führung, daß der erhoffte Durchbruch infolge der sehr schweren Verluste, vor allÄn an Panzern, nicht zu er­reichen war. Während sich darauf Teile der feindlichen Sioß- ■ dioisionen eingruben, um den immer heftiger werdenden Gegen­angriffen der Achsentrupven zu begegnen, versuchten andere Teile durch die Schwenkung nach Südosten Boden zu gewinnen. Doch auch dort wurde der von unserer Luftaufklärung rechtzeitig gemel­dete Angriff abgestoppt.

Im Laufe des 24. Avril führten die Briten neue Kräfte heran, um aus den Tälern, in denen sich die Panzerformationen nicht ent­falten konnten, vorstaßend die umliegenden Höhenzüge zu ge­winnen. Während unsere Artillerie, Pak- und Flakgeschütze ge­meinsam mit Kampf-, Schlacht- und Jagdflugzeugen die vor- diingenden Panzertcile »usammenschlugen, entspannen sich in den Bergstellungen erbitterte Nahlämvse um jeden Fußbreit Boden. Mit Handgranaten und Bajonetten gingen unsere Soldaten dem Gegner zu Leibe und warfen ihn schließlich von den unter sehr

schweren Verlusten erklommenen Feldterrasten wieder herunter. Gegen Abend des zweiten Angriffstages hatte der Feind nicht nut den größten Teil seines im ersten Anlauf gewonnenen Geländes wieder verloren, sondern seine Ausfälle an Menschen und Panzern hatten sich gegenüber denen des Vortages noch verdovvelt.

3 m Brennpunkt der Kämpfe dieses Tages bewährten sich u. a. d i e 10. Panzerdivision, die in schwungvollem Gegenstoß vorgevrellte feindliche Kräfte zurückschlug, die Division „Hermann Göring", die an diesem Tage allein 32 meist schwere Panzer vernichtete, und das Erenadierregiment 7 5 4, das seine Stellungen mit verbissener Zähigkeit und unerschütterlichem Kampfeswillen gegen die Angriffe weit überlegener Infanterie- und Panzerkräfte des Feindes behauptete. Schulter an Schulter mit den deutschen Verbänden kämpften auch italienische Truppen, bis der britisch-nordamerikanische Durchbruchsversuch gescheitert war.

Die schweren Verluste der Angreifer wirkten sich am 26. Avril in wachsendem Maße aus. Der Feind führte nur noch vereinzelte Vorstöße, die aber nicht mehr verhindern konnten, daß die Gegenangriffe der Achsentrupven ihre Ziele erreichten. Die Luftwaffe griff auch in diese Kämpfe nochmals wirksam ein und zersprengte mehrere feindliche Infanteri,- und Panzeransamm­lungen mit Bomben und Bordwaffen. In der Nacht zum 27. April setzten unsere Kampfflugzeuge ihre Luftangriffe fort und er­zielten ■ zahlreiche Volltreffer zwischen abgestellten Panzern und Kraftfahrzeugen, sowie in Artilleriestellungen, deren feuernde Ge­schütze das Absetzen der geschlagenen Angriffsoerbände decken sollten.

In dem siebentägigen Ringen an der Süd- und Westfront des tunesischen Brückenkopfes erlitten die Briten und Nordamerikaner äußerst schwere Verluste, wie sich bereits aus der gemeldeten Zahl von 193 abgeschopenen Panzern ergibt. Wenn man in Betracht zieht, daß eine vollausgerüstete feindliche Panzerdivision über etwa 150 Panzer verfügt, aber noch den vorausgegangenen schweren Ge­fechten die Zahl der einsatziähigen Panzer auf etwa 60 bis 70 je Division zurückgegangen war, so bedeutet der Abschuß von 193 Panzern, daß etwa drei feindliche Panzerdivisionen ihre Panzer verloren" haben.

Was war das? Rief da nicht jemand um Hilfe, wenn das Rollen des Donners ansetzte und sich das Echo verlaufen hatte?

Das kann nur im Königskar sein, dachte Andreas. Es klang ganz aus der Nähe. Zwischen dem Königskar und dem Höllenkar führte der Weg auf die Weitz-Svitze.

Andreas begann wieder zur Höhe zu steigen. Immer höhere Felsblöcke stiegen aus dem Grunde des Waldes auf, steil ging der Berg hinan. Allmählich hörten die Fichten und Tannen auf, um niedrigem Kiefernholz Platz zu machen.

„Ist dort jemand?" rief Andreas Walchei in das Dunkel hinauf.

3m gleichen Moment zuckte ein Blitz und der Donner folgte fast unmittelbar. Die Wolken standen oben in den Wänden und ließen den Blick in das Kar frei.

Wieder zuckte ein Blitz hinab, gerade über dem Teufelsgrat. Es war wie eine feurige Peitschenfchnur. die vorn Erat in das Kar reichte. Und es krachte nur kurz. Nun begann ein aufblendendes Leuchten von allen Seiten. Nach der Finsternis schien eine unauf­hörliche schwefelgelbe Helle zu folgen.

In dieser Helle sah Andreas zwei Menschen, dicht an die Wand gedrückt. Sie konnten nicht vor und nicht zurück. Ein Mädchen mit hellem, fast weißem Saar war dabei.

„Hoioo!" brüllte er mit ganzer Kraft seiner starken Lunge hin­über, als sich das Grollen des Donners gelegt hatte.

..Hoioo! Wartet! Ich hole Hilfe!"

Andreas starrte mit weit geöffneten Augen in das Schauspiel, das die entfeffeiten Elemente vor seinen Augen entzündete. Der Sturm sauste, er pfiff, er dröhnte er kam jetzt in Stößen über den Teufelsgrat gefahren.

Nun begann Andreas zu laufen. Die Felsblöcke waren int Walde mit dichtem nasiem Moos überzogen und gerieten in schau­kelnde Bewegung, sobald sie Andreas betrat. Seine ganzen Kräfte zusammennehmend. sprang er von Block zu Block.

Wohin sein Auge blickte, begegnete er stürzenden Wassermassen. und das Dröhnen und Krachen des Donners war so heftig, daß er sein Gehör zu verlieren fürchtete. Er fühlte sich vom Sturm wie von unsichtbaren Händen erfaßt, der Atem verging ihm. ein Wind­stoß schleuderte ihn gegen einen Felsen, wo et mit blutendem Kopse liegen blieb. 3m gleichen Augenblick sauste eine riesige Tanne an derselben Stelle nieder und bedeckte ihn mit ihren Asten, ohne ihn zu verletzen.

Andreas raffte sich auf und lief weiter.

Endlich kam er beim Jagdhaus an. Aber sein Klopsen wurde von dem Grollen des Donners verschluckt. Als er die Tur auf riß, flackerte das Licht in der Petroleumlampe.

„Bist doch nachkommen? Bei dem Wetter kannst freilich nicht über das Rotjoch." keifte Philomena. „Schau, daß du ins Heu kommst. Hier ist keine Herberge für nasse Wanderer...“

„Oben, in der Wand, zwei Menschen." keuchte Andreas. „Ich

habe sie Beim Blitzen gesehen. Sie können nicht vor und nicht zurück. Eine junge. hellblonde! 3ch kenne sie von Weißenbach!"

In diesem Augenblick fühlte sich Andreas von einer festen Hand gepackt.

„Wo sollen sie sein?" Tobias Wundt stand vor ihm und schüt­telte den Burschen.

„3m Höllenkar. Sie müssen den Abstieg von der Weibsvitze verfehlt haben. Sind gut zweihundert Meter unterm Weg. wo er die Kehre zum Lärchegg macht."

„Und eine Frau, sagst du?" Tobias Wundt stieß einen Pfiff aus. der wie der heisere Schrei eines Nachtvogels klang.

„Man müßte ein Seil haben, nur vom ©rat kann man zu ihnen." erklärte Andreas, noch keuchend vorn langen Lauf. Dann wischte er sich das Blut von der Schläfe, die arg zerkratzt und zer­schunden war.

Da trat Philomena auf die beiden zu. Sie hielt die Petro­leumlampe hoch, ihr Haar war noch vom Regen naß, ihre Kleider strömten einen nassen, widerlichen Geruch aus.

„Recht so, recht so!" kreischte sie auf. „Sie sollen nur in der Wand bleiben, wie Fliegen im Leim. Recht so, nur heran, immer nur heran! Die Wand hat für mehr Platz."

„Schweig!" fuhr sie Tobias Wundt an. Seine Gedanken waren ganz wo anders. „Am Weg von der Weißsvitze. sagtest du?"

„Ganz bestimmt. Herr." antwortete Andreas. „Sie riefen und schrien."

Das köiiittc das Mädchen von der Brücke fein, dachte Tobias. Sein Gesicht wurde jetzt hart und energisch.

„Richte das Seil her. Philomena!" rief er der Alten zu. ..Das Dierzig-Meter-Seil. Statz soll das kleinere Seil nehmen. Richte eine Flasche Schnaps. Brot und Sveck. Mach' rasch . . ."

„Ihr wollt sie holen, Herr?" Philomena starrte Tobias Wundt aus angstvoll aufgerissenen Augen an. „Nein, laßt sie oben, Herr!" schrie sie in höchster Angst. „Glaubt mir. es kommt nichts Gutes ins Haus. Nur Unglück über uns alle. Wer die Feinde ins Haus nimmt, dem zünden sie das Dach über dem Koos an! Nehmt Euch in Acht. Herr!"

..Mach' daß du an deine Arbeit kommst." fuhr sie Tobias Wundt an. „Lege ein paar Decken auf den Kamin, daß sie ange­wärmt werden. Und richte die Stube unter dem Dach. Kann fein, daß die beiden verletzt find. Stell' den Ke fiel mit Wasser an das Feuer."

Jetzt trat Statz in die Stube. Er hatte bereits den Wetter­mantel umgeworfen, feine Füße staken in schweren Stiefeln.

„Zwei Leute in der Wand. Statz." rief ihm Tobias Wundt zu.

„Und die sollen wir herunterholen?" murmelte der Statz.

„Die schon, Statz!" sagte Ipbias Wundt versonnen. „Wenn es die richtigen sind." setzte er leise hinzu.

Eine halbe Stunde später war Tobias Wundt mit Stad und Andreas oben am Aufstieg zum Teufelsgrat. kFortfetzung folgt)

Südafrika und der ASA-Jmpenalismus

Stockholm. 28 Avril. (Funkmeldung.) Die Nachricht, daß der südafrikanische Premierminister Smuts im Oktober dieses Jah­res nach den Vereinigten Staaten reifen werde, um mit Roosevelt über zukünftige „A u f b a u p l ä n e" zu sprechen, wird in unterrichteten Kreisen als ein weiteres Zeichen für den von den USA. immer stärker forcierten Zerfall des britischen Empire be­trachtet. Man weist darauf hin, daß Smuts bisher keine Zeit ge­funden habe, mit der britischen Regierung in London über solche ..Wiederaufbaupläne zu sprechen, obwohl doch London für die süd­afrikanische Union eigentlich der zuständige Platz märe.

Während wir so unsere Beobachtungen machen, stößt unser Bootsmaat N. auf einmal einen überraschungstus aus und deutet mit der Hand nach drüben:

„Menschenskinder. ist denn so was möglich? Da drüben steht mein Freund Willi, mit dem ich zwei Jahre vor dem Krieg ge­dient habe. Wir haben uns feit Kriegsbeginn nicht mehr gesehen!" Noch einmal überzeugt sich unser Bootsmaat mit einem Blick durch Glas, daß er- sich nicht getäuscht hat, bann erklärt er bestimmt.

„Es gibt keinen Zweifel, et ist cs! Na, das gibt ia eine Über­raschung!"

Anstatt sich aber nun sofort seinem Freund durch Zuruf zu erkennen zu geben, geht er zu unserem Kommandanten hin und scheint ihn etwas zu bitten. Unser „Alter" ergreift nach einigen Minuten die „Flüstertüte" und ruft hinüber:

„Haben Sie einen Maschinenmaat B an Bord?"

„Aye, den haben wir!"

„Schicken Sie ihn doch mal herüber!"

Einen Augenblick scheint der Kommandant von drüben ver­blüfft zu fein, bann sehen wir. wie er seinem Maschinenmaat befiehlt, der Aufforderung Folge zu leisten. Der Unteroffizier steigt ins Proviantschlauchboot und» entert wenige Minuten später bei uns an Deck:

..Maschinenmaat B. meldet sich an Bord!"

Unser Kommandant empfängt den braungebrannten Unter­offizier. dessen Gesicht von einem dichten Vollbart umrahmt ist. mit einem Händedruck, dann meint er leicht schmunzelnd:

„Jetzt möchten Sie sicher wissen, was mir von Ihnen wollen? Na, drehen Sie sich doch mal um!“

Der Maschinenmaat, dem man veutlich bie Neugier auf bem Gesicht ablesen kann, läßt sich das nicht zweimal sagen, dreht sich um und blickt unserem Bootsmaat direkt in die Augen. Für einen Moment verschlägt es ihm die Rede, dann sprudelt es über seine Lippen:

„Mensch Hannes, bis bu's oder nicht? Wie kommst du denn ausgerechnet hierher?"

„Dasselbe könnte ich dich auch fragen," lacht unser Bootsmaat. Dan» schütteltn sich beide minutenlang die Hände Zu wnnderba- kommt ihnen dieses Zusammentreffen mitten auf dem Atlantik vor. Die beiden Freunde haben sich eine Menge zu erzählen und bald haben sie die Umwelt vergesien. Erinnerungen gemeinsam verbrachter Tage tauchen auf. Erlebnisse aus- der Heimat, in der sie miteinander gebient haben und die jetzt Tausende von See­meilen entfernt ist. Zu schnell vergeht die Zeit beim Plaudern und eine „schüchterne" Anfrage von drüben, ob es- denn dem Maschinenmaat B. so gut auf dem Tanker gefalle, daß er gar nicht mehr zurückkommen wolle, ruft die beiden Kameraden in die Wirklichkeit zurück. So vieles hätten sie sich doch noch zu erzählen, aber es geht nicht. Mit einem letzten Händedruck steigt Maat B. ins Schlauchboot, um zu seinem Boot zuriickzukehren.

10. Fortsetzung

In ihrer Todesangst sind sie auf den ©rat geklettert, den Teu­felsgrat. Graf Wolf ist ihnen nachgeklettert. Dort oben haben sie mit­einander gekämpft. Muß ein roilbes Ringen gewesen fein. Das Fräulein hat in ihrer Todesangst geschrien unb sich auf die Knie geworfen. Fast hatte schon der Wolf seinen Bruder in den Abgrund gestürzt. Da zuckte ein Blitz vom Himmel. Am Erat find die Steine unb Felsblöcke nach allen Seiten gespritzt. Es hat sie beibe hmab- geftürst in bie Tiefe.

Unten fand man sie. verbrannt unb verkohlt, neben der Wet­tertanne. Von dem Mäbchen war leine Sput zu sehen. Wer stieg damals schon auf den Teufelsgrat? Man sagt, baß et nicht geheuer ist. Es gehen mancherlei Geister um auf dieser Welt, die Macht über uns haben. Das sind Hexen, die uns Menschen jagen können wie Füchse das wunde und kranke Wild. Erst einige Iahte spater kletterte einmal ein verwegener Hirte auf diesen ©rat, um Aus­schau nach einem verstiegenen Schaf zu halten. Da fand er bie Gebeine bes jungen Schloßfräuleins. Don der Sonne gedörrt. Wollte sie in fein Tuch sammeln. Sie zerfielen aber wie Pulver, sobald er sie nur anrührte. So geht cs allen, die vermessen sind!'

Die Stimme Philomenas klang drohend, daß der Andreas sich im stillen vornahm, die Alte jetzt allein ihres Weges gehen zu laßen.

Als Philomena merkte, daß der Bursche nicht mehr an ihrer Seite ging, blieb sie stehen unb drehte sich um

„Der Welcher unb die Rosei!" lachte sie noch einmal höhnisch ins Rauschen des Waldes hinein.

Der Regen durchtränkte ihre Kleider und klebte sie an den mageren, eckigen Körper, ihre Haare hingen ins Gesicht und ließen hie große, gebogene Nase frei. So verschwand sie im Dundo- SBalb,

riitbreas blieb immer weiter zurück. Manchmal war es ihm. als tarne aus dem Walde noch immer ein hartes, boshaftes Lachen.

Über ihm. in bem Nadelmeer des Dundo-Waldes. sauste der Wind, aus der liefe des Tales kam das unheimliche Rauschen des Wassers. Auch das Brausen des Eewittersturmes wurde jetzt immer lauter: er schüttelte die alten Raumtiefen, daß sie ächzten. Immer häufiger durchzuckten die grellen Blitze den in Dunkelheit gehüllten Wald und die schweren Donnetschläge hallten und riefen in den Felswänden ein schauriges Echo nach.

Andreas verkroch sich unter einem früher vom Sturm gefällten Baume und lauschte dem Dröhnen und Krachen des GemUters, während durch die Wivfel des Waldes Regensttöme niederrauschten. die nach und nach in Hagel übergingen.

Zwei Jahre deutsche Truppen in Athen

(Von unserem ständigen Berich ter st atter)

(C. K.) Athen, im Avril 1913

Am 27. April jährte sich zum zweiten Male der historische Tag, an dem die deutschen Truppen in Athen einzogen und aus der Akropolis von Athen das Hakenkreuzbaiiner hißten, das scrrher neben bet blauweißen griechischen Nationalflagge, zu bet sich später noch bie italienische gesellte, im griechischen Himmel flattert. Damit waren bie Engländer, mit Ausnahme der wenigen eng­lischen Truppen, die sich im Peloponnes befanden und die kur» dar­auf bas gleiche Schicksal ereilte, aus bem letzten Winkel Europas vertrieben, in ben eine unvernünftige Politik sie gelockt hatte.

Von einer gewissenlosen unb egoistisch denkenden Regierung geleitet, wurde Griechenland in diesen Krieg gestoßen, den bas Volk selbst innerlich ablehnte. Trotzdem hat der griechische Soldat sein Vaterland tapfer unb nach ben international anet- kannten Kriegsgesetzen ehrenhaft verteidigt. Seine Haltung, ab­gesehen von der Tatsache, daß der englandhörige König Georg II. mit seiner Regierung die Verantwortung für diesen Kampf trug, brachte es mit sich, daß das Ringen zwar hart und verbisien aber ohne gegenseitigen Saß ausgesochten wurde.

Zwei lange Jahre sind seitdem vergangen und schwere Zeiten, besonders der tragische Winter 1941/42, überwunden. Noch hat der Grieche keine Gewißheit über feine nationale Zukunft, doch rechnet er darauf, daß auch sein Vaterland im neuen Europa den ihm »ustehenden Platz einnehmen wird. Das Bündnis Englands mit den Bolschewisten und die Erklärungen englischer Staats­männer und britischer Zeitungen über bas kommende Schicksal kleiner Völker bei einem Siege Englands haben ihn über bie wahren Ziele Londons unb seiner Nachkriegsvolitik aufgeklärt. Der Grieche bei für den Atheismus des Bolschewismus, für btc Zerstörung bet Familie unb bie sonstigen „Segnungen“ Moskaus nichts übrig hat. mußte bie Feststellung machen, baß ihn England und das übrige Europa dem Bolschewismus ausliefern will. Griechenland, das sich (bereits im Jahre 1917) — auf Englands Geheiß — offiziell an einer antibolschewistifchen Expedition durch die Entsendung zweier Divisionen nach den UdSSR, beteiligte, sah sich plötzlich durch bie heimtückische englische Diplomatie als Kämpfer für den Bolschewismus geopfert Abgesehen von dem unüberbrückbaren Abgrund zwischen griechischer Lebensauffasiung und bolschewistischer Anschauung gehört der von den UdSSR ge­forderte Panslawismus »um größten Feinde Griechenlands.

Heute ist es in Griechenland kein Geheimnis mehr, daß die jugoslawische Revolte Ende Mär, 1941 und alle' übrigen Intrigen der Engländer und Amerikaner auf dem Balkan und in desien Umgebung keinen anderen Zweck verfolgten, als den Sowjets Zett für ihre weitere Aufrüstung »um überfall auf Europa »u vet- fchajsen. Diese Wendung in der Denkungsart bei den aufrichtig um ihre Heimat besorgten Griechen hat auch »n einer anderen Ein­stellung Deutschland und der Achse gegenüber geführt. Griechen- land, bas heute von fast ausschließlich slawischen Völkern um­geben ist. muß für seine Rasie und sein Griechentum das Schlimmst« befürchten, wenn die Sowjets »um Herrscher auf dem Balkan und tm östlichen Mittelmeer werden sollten. Das Erwachen dieses Ge­dankens greift immer weiter um sich. Das griechische Volk würde heute bereits vollständig klar die sowjetische Gefahr erkannt haben, zwänge nicht die harte Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges gegen England die Achsenmächte, auf rein griechischem Gebiet fremde Besatzungstruvven »u unterhalten, um jede Landung Eng­lands auch auf diesem Gebiete unmöglich zu machen. Der einfache Mann aber sieht ben fremden Soldaten, auf seinem Boden, sozu­sagen in seinem eigenen Sause, während bie sowjetische Gefahr für ihn, allem Anschein nach, jebenfalls noch in weiter Ferne steht. Deshalb hat bie Betonung in dem amtlichen KommuniauS, das am 11. Avril über die Zusammenkunft des Führers und dc, Duce herausgegeben wurde, baß der Sieg der im Dreierpakt »er« bünbeten Nationen Europa einen Frieden sichern soll, der die Sufammenarbeit aller Völker auf der Grundlage ihrer gemeinsamen Interessen gewährleistet, sowie daß die Achsen­mächte in ihren Zielen die Verteidigung der europäischen Zivili­sation und die Rechte der Nationen aus freie Entwicklung ver­folgen, den größten Eindruck gemacht. Darin erblickt der Grieche die Hoffnung, daß die Zukunft auch ihm die Erfüllung seiner Wünsche im Hinblick auf seine vieltausendjährige Vergangenheit, auf historisch zu belegende Gegebenheiten unb auf bie Tatsache, baß er, wenn er auch mit Italien unb Deutschland durch eine falsche Politik seiner nicht vom griechischen Volke eingesetzten Regierung die Waffen kreuzen mußte, diesen Kampf in einer Weile führt, die dein Verhalten seiner antiken Vorfahren nicht nachstand. '

„Scheinwerfer auf die Brücke!"

Hastig wird die Morselamve hochgereicht, dann

Zeigefinger des Brückenmaaten in rascher Folge auf die Taste: Kur», lang . . . lang, lang, kurz . . .

Wiedersehen auf dem Ozean

Von Kriegsberichter Ludwig Sillner

PK. Tag und Nacht hält unsere Brückenwache scharfen Aus­guck nach ben Rauchfahnen feindlicher Schiffe, aber seit Wochen ist ihnen nichts vors Glas gekommen. Der Ozean ist leer. Die grauen Jäger ber Meere, unsere deutschen Unterseeboote, haben ihre Reviere gründlich gesäubert und die Schiffe unserer Gegner wagen den Weg über den Atlantik nur noch in stark gesicherten Eeleitzügen.

Aber schließlich ist es ja auch nicht unsere Aufgabe, feindliche Schiffe aufzustöbern, denn wir sind ein Tankerboot. Unsere Ülbunket enthalten viele Tausende Liter von Brennstoff und in unseren Proviantlasten stauen sich die Lebensmittel, die für unsere am Feind stehenden Kameraden bestimmt sind. Deshalb müßen wir jede Feindberührung meiden, um unsere kostbare Fracht schnell zu unseren „Kunden" zu bringen, die vielleicht heute schon auf den U-Tanker warten. Er ist eben mal bas Schicksal ber Tanker­leute, baß sie am aktiven Kamvfgeschehen auf bem Meere nicht teilnehmen können, von bem sie aus bem Äther die Sieges- Meldungen ihrer Kameraden zu hören bekommen. Diese langen Wochen, die vor der Versorgung liegen, sind wegen der An­spannung aller Kräfte aber nicht minder nervenaufreibend als irgend ein Kampfmoment. Deshalb sehen alle mit Ungeduld dem Tage entgegen, der uns die erste Begegnung mit einem unserer „Abnehmer" bringt.

„U-Boot an Backbord voraus!"

Dieser Rus wirkt auf alle wie ein elektrischer Schlag, als et voii bet Brücke aus durchs Boot eilt. Ist es ein eigenes ober ein feinbliches. bas ist unsere Frage. Minuten der Spannung folgen.

Lange haben wir uns schon von dem Kamvfboot getrennt und längst sind wir wieder allein auf dem Atlantik, aber unser ■ immer noch auf ber achteren Brücke unb blickt _________________ . auf ben vorziont. wo mit seinem Kameraden soeben ein Stück Vergangenheit verschwindet.