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Seite 2 Nr. 97

Wiesbadener Tagblatt

Dienstag, 27. Avril 1943

Feindliche Grohangriffe in Tunis gescheitert

D-m 20. bis 26. Sforil 193 feindliche ganzer vernichtet »der bewegungsnnsähi« geschossen — Späh- und Stohtruvvtätigleit an der Ostfront — «echzehn feindliche Flugzeuge bei Terrorangriss aus westdeutsche Städte abgeschossen

Aus dem Führerhauptquartier, 27. April. (Funkmeldung.) Das

Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Bon der O st f r a n t wird beiderseitige Späh- und Stoßtrupp- tätigkeit gemeldet.

Auch der zweite Abschnitt des britisch-amerikani­schen Großangriffs gegen die tunesische Front ist an dem Abwehrwillen der deutsch-italienischen Truppen ge­scheitert.^ Am gestrigen Tage führte der Feind vereinzelte heftige Borstöße und Angriffe. Sie wurden zum Teil im Eegen- stoß abgewiesen.

In der Zeit vom 20. bis 26. April wurden 193 feindlich« Panzer durch Verbände des Heeres und der Luftwaffe ver­nichtet oder bewegungsunfähig geschossen. Di« blutigen Ver­lust« des Frindes sind schwer.

Bei den schweren Abwehrkämpsen haben sich die italienische Division Bistoia und Triste besonders bewährt. 3n treuer Waffen­brüderschaft mit den dort eingesetzten deutschen Verbänden wiesen ft« zahlreich« mit großer Übermacht geführte feindliche Angriffe blutig ab.

Britische Bomber griffen in der vergangenen Nacht einige Orte in Westdeutschland an, darunter die Städte Duisburg, Ober­hausen und Mülheim. Wohnviertel, Krankenhäuser und andere öffentlichen Gebäude wurden getroffen. Die Bevölkerung hatte Verluste. Mindestens 16 der feindlichen Flugzeuge wurden ob- geschossen.

Oer OKW.-Bericht vom Sonntag

Aus dem Führerhauvtauartier, 25. Avril. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

An der Ostfront fanden dis auf erfolglose Angrisfe der Sowjets südlich Roworosstjsk keine Kampfhandlungen von Bedeu­tung statt.

Der Feind verlor am 24. Avril 43 Flugzeuge, hiervon sechs in Lustkämpsen mit slowakischen Jägern. Zwei eigene Flugzeuge werden vermint.

Nachdem die feindlichen Durchbruchsangrisse im Süden der tunesischen Front blutig abgewiesen worden find, versucht der Feind jetzt mit überlegenen Kräften an der Westfront eine Ent­scheidung zu erzwingen. In wechselvollen, für beide Seiten ver­lustreichen Kämpfen verteidigen Infanterie und Vanzertruppen er­bittert ihre Stellungen. Die Panzerverluste des Feindes am vor­gestrigen Tage Haden fich allein in diesem Kampfraum aus 81 erhöht.

Starke N ahkamvfflicgcrverbände der Luft­waffe fügten dem Feinde bei Tiefangriffen erhebliche Verluste zu.

Zwei leichte britische Bombenflugzeuge drangen in den gestrigen Abendstunden unter dem Schutz tiefer Wolken nach Nord­westdeutschland ein und warfen einige Bomben, die unerhebliche Gebäudeschäden verursachten.

und Panzern an dem erbitterten Widerstand der italienischen und deutschen Truppen zusammen, die an mehreren Stellen »um Gegen­angriff übergingen.

Die Luftwaffe der Achsenmächte griff wiederholt zur Unter­stützung der Bodeneinheiten in den Kamps ein, indem sie Kraft­wagen- Und Panzeransammlungen bombardierte, wobei zahlreiche Panzer vernichtet und beschädigt wurden.

Gestern Nachmittag bombardierten viermotorige Liberator- Flugzeuge die Stadt Erosieto und belegten fie mit MG-Feuer. An Zioilgebäuden, darunter dem Rot-Kreuz-Hosvital und dem Kindergarten, wurden beträchtliche Schäden verursacht. Zwei Flugzeuge wurden von der Bodenabwehr abgeschofien.

Mehrmotorige feindliche Flugzeuge griffen San Antioeo, Eaglrari, Augusta, Bari und Trani an. Die Bodenabwehr brachte drei Bomber zum Absturz: einen in San Antioeo, einen in Augusta und den dritten über dem Wohnviertel #en Bari.

Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet

Berlin, 24. April. Der Führer verlieh bas Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Eencralleutnant Heinz Ziegler, Führer einer Kampfgruve: Major Heinz Huffman n, Kommandeur einer Sturmgeschütz-Abteilung: Oberleutnant b. R. Gerhard Boldt, Schwadronsführer in einer Aufklärungsabteilung: Ober­leutnant d. R. Harro Brenner, Führer einer Erenadier-Kom- vanie: Leutnant d. R. Walter Eggemann, Ordonnanz-Offizier in einem Grenadier-Regiment: Unteroffizier Otto Hühn- mördcr, Geschützführer in der Panzerjäger-Kompanie eines Grenadier-Regiments.

. Führer verlieh aus Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes "an Oberleutnant Fischer, Batterieführer in einem Flak­regiment: Feldwebel Ebener, Flugzeugführer in einem Jagd­geschwader.

Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an den U-Boot-Kommandanten Kavitänleutnant Hermann B ü ch t i n g.

Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant Holle, Staffelführer in einem Kampf­geschwader: Hauptmann Knabe, Kettenführer in einer Fernauf- klärungsstaffel.

Kurze Um|ct)m

Am Ostermontag bringt die ges-mte schwedische Prefie die oo« T. T. wiedergegebene Mitteilung des schwedischen Marmeftabes. daß die Versuche, die Besatzung des U - B o o t e s „U 11> en“ »n retten, mit dem Ostersonntag abgeschlofien wurden, da kein« Hoff­nung mehr besteht, das, noch irgendwelche Mitglieder der Besatzung am Leben sein können.

Wie aus B e l s a st gemeldet wird, ist in Nordirland eine Ministerkrise ausgedrochen. Der stellvertretende Premier. Minister, der Kronanwalt und vier Parlamentssekretäre traten al» Kabinettsmitglieder zurück. Dieser Vorfall wurde durch Fragen de« Rekrutierung in Nordirland heroorgerufen.

Angefichts der täglich steigenden Kriegsausgaben fieht fich die britische Regierung in immer stärkerem Matze gezwungen, die finanzielle Hilfe seiner Dominien und Kolonien in Anspruch zu nehmen. So meldet der englische Nachrichtendienst am Montag, daß Gibraltar der britischen Regierung 600 000 Pfund zinsfrei geliehen habe.

Einem Kommunique des USA.-Kriegsinformationramts zu­folge wurde Generalleutnant Leissey Mac 91 eil, der Ober­kommandierende der USA.-Landtruppen in Nordafrika, am Frei­tag an der tunefischtn Kampffront verwundet.

Nach einer Meldung des britischen Nachrichtendienstes find 90 v. H. des Menschenmaterials der 1. britischen Armee und 56 v. H. der 8. aus den Dominions und den Kolonien zusammengestellt.

Wie Reuter meldet, erklärte der Sonderbotschafter Roosevelts in Indien, William Philips, am Sonntag vor feiner Abreise aus Indien nach den Bereinigten Staaten, er habe gebeten, Gandhi sehen zu dürfen. Die Behörden hätten ihm dies jedoch verweigert.

Aus Schanghai wird gemeldet: Die 180 Kilometer lange Eisenbahnlinie in der westchinefischen Provinz Tschekiang wurde noch ihrer völligen Wiederherstellung am 25. April dem Verkehr übergeben. Die Eisenbahnlinie war seinerzeit von den Tschungking» Truppen zerstört worden.

Der augenblicklich in Tokio weilende Außenminister der chinesischen Rationalregierung begab fich Montagvormittag in Be­gleitung des Botschafters der chinefischen Nationalregierung nach dem Kaiserpalaft, wo er im Auftrage des Präfidenten Wangtsching- wei dem Tenno die höchste Auszeichnung Rational» ch i n a s überreichte. •

Wie Reuter meldet, ist General Montgomery in Kairo eingetroffen.

Wie dem Feind der 14. Flugzeugträger verloren ging

Der letzte friedensmätzig aurgewiesene Flugzeugträger der USA. vernichtet

Oer OKW.-Bericht vom Montag

Aus dem Führerhauvtauartier, 26. Avril. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Von der O st f r o n t «erden keine Kampfhandlungen von Be­deutung gemeldet.

Vor der K a u k a s u s k L stc versenkten leichte deutsche See­streitkräfte ein feindliches Torpedo-Schnellboot, beschädigten mehrere andere und schofien einen Dampfer in Brand.

Die Abwehrschlacht an der tunesischen We ft front hält mit unverminderter Härte an. Trotz grober zahlenmätziger Über­legenheit blieb dem Feinde auch gestern jeder Durchbruchserfolg versagt. Einbrüche zusammengefatzter Panzerkräste wurden aufge- fangen und der Feind nach erbitterten Kämpfen unter schweren Banzerverlusten zurückgeworsen.

Am Tage upd während der Nacht waren starke Verbände der Luftwaffe über dem Ftzind und griffen Panzer-Bereitstellungen, Batterien und Truppenkolonnen mit Bomben und Bordwaffen an. In Lustkämpsen und durch Flakartillerie wurden 12 feindliche Flugzeug« vernichtet. Zwei eigene Jagdflugzeuge werden vermitzt.

Am Brennpunkt der Kämpfe eingesetzt, haben fich in den letzten Tagen die 10. Panzer-Division, die Division ^Her­mann E öri n g“ und das Erenadierregiment 754 durch vorbildlichen Kampfgeist und unerschrockene Tapferkeit besonders ausgezeichnet und di« Hoffnung des Feindes auf einen Durchbruch zunichte gemacht.

Wie durch Sondermeldung bekanntgegeben, versenkte «in Unterseeboot unter Führung des Kapitänleutnants von B ü j o w in der Mitte des Nordatlantiks den zur Überwachung der atlantischen Eeleitwege eingesetzten amerikanischen Flug­zeugträger .Range t“. Der Führer hat Kavitänleutnant von Bülow als 234. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichen­laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Oer italienische Wehrmachtbericht

Die Kämpse im westlichen Abschnitt der tunesischen Front

Rom, 27. Avril (Funkmeldung.) Der italienische Wehrmacht­bericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut:

Das Hauvtauartier der Wehrmacht gibt bekannt:

Der Feind setzte feint Offensive im westlichen Abschnitt der tunesischen Front mit stärkeren Infanterie- und Paazerkrästen fort. Alle seine Angriff« brachrn untre schweren Verlusten an Menschen

Berlin, 26. Avril. Mit sieben Flugzeugträgern van ' insgesamt 155 000 Tonnen trat die Flotte der USA. in den Krieg ein. Ein grober Teil von diesen Schiffen war erst nach 1933 in Dienst gestellt worden und stellte einen Typ von Kriegsschiffen dar, der den Erfahrungen des modernen Seekrieges weitgehend Rech­nung trug. So hatte die „Hörnet", die erst im Dezember 1940 vom Stapel lief, eine Tragkavazität von 83 Flugzeugen, die „Lexingion" und „Saratoga" sogar eine solche von je 90 Flugzeugen. Die Ge­schwindigkeit der neuesten dieser Schiffe, darunter auch' der „Hör­net", der „Entervrise" und „Porktown" war auf 34 Seemeilen in der Stunde herausgesetzt worden. Sie zählten damit, neben den Zerstörern, zu den schnellsten Schiffen der noidamerikanischen Kriegsmarine.

Alle sieben Flugzeugträger, welche die USA. bei Kriegseintritt besaßen, liegen jetzt aus dem Meeres­grund.

Der Tyv der Flugzeugträger hat in erster Linie die Aufgabe, das flugtechnisch bessere Landflugzeug auch für den Seekrieg nutzbar zu machen, und zwar vorwiegend in solchen Gebieten, die für Flug­zeuge, die von der Küste aus starten, schwer oder überhaupt nicht erreichbar sind. Infolge des groben Start- und Landedecks und der unter diesem liegenden groben Flugzeughallen ist der Flugzeug­träger aber auch der komplizierteste und verwundbarste Kriegs- schisftyv, dessen Kamofwert in erster Linie auf den mitgeführten Flugzeugen beruht. Sein Panzerschutz ist gering, seine Mittel- und Flakartillerie ermöglicht cs ihm lediglich, den Angriff kleiner Kreuzer, Zerstörer und Flugzeuge abzuwehren. Durch seine hohe Geschwindigkeit soll er sich dem Angriff überlegener Streitkräfte entziehen und den Aufenthalt, der beim Starten und Landen der Flugzeuge entsteht, wieder einholen können. Seine Hauvtaufgabe hat er weniger in engbegrenzten Meeren, wie in der Nord- oder Ostsee oder im Flottenkampf, als vielmehr in der ozeanischen Kriegführung, und weit abgesetzt von den Stützvunkten der feind­lichen Angriffe spielt der Flugzeugträger eine große Rolle.

In den USA. und England hatte man immer wieder darauf gedrängt, an der Überwachung der stark bedrohten atlantischen See­wege auch Flugzeugträger teilnehmen zu lassen. Aber fast im gleichen Augenblick, in dem man sich zur Teilnahme 4>on Flugzeug­trägern am Kampf gegen die U-Boot-Gefahr entschloß, sank der

letzte der auf der Friedensliste verzeichneten USA.-Träger, von vier Torpedos getroffen auf den Grund des Atlantik. Mit der „Ranger" ging dem Feinde der 14. Flugzeugträger verloren.

Die Versenkung der „Ranger" erfolgte trotz starker feindlicher.Sicherung durch Zerstörer und Bordflugzeuge. In der Luft flogen die immer wieder vom Deck der „Ranger" startenden Flugzeuge als U-Boot-Fernsicheruikg. Aber trotz aller Sicherung ttafelt die Torpedos des deutschen ll-Vootes doch ihr Ziel. Unter ungeheuren Detonationen und mit riesigen Stich­flammen versank das große feindliche Schiffe. Von den begleiten­den Zerstörern konnte tein einziger zur Bekämpfung des U-Bootes angesetzt werden, denn sie alle mubten an der Untergangsstelle ver­bleiben, um sich an der Rettungsaktion zu beteiligen.

Die „Ranger" hatte eine Besatzung von 1788 M'an.n an Bord, darunter außer dem seemäitnischen Personal, zahlreiche aualisizierte Spezialisten aus dem technischen Betrieb des Flugzeug­trägers, so bann Bodenpersonal und Piloten.

Die Verluste der britischen Flotte an Flug­zeugträgern find nicht minder schwer als die der USA. Es versanken nacheinander die britischen Träger „Eourageous", „Glorius", „Ark Royal", „Eagle", „Adventurer", der Hilfsflugzeug- träger „Audacity" und Bei Ceylon der Flugzeugträger „Hermes".

Diese starken Verluste des Feindes an diesen wertvollen Spe­zial-Kriegsschiffen sind während der Dauer des Krieges kaum aus­zugleichen. Die Nordamerikaner suchen sich deshalb mit dem Um­bau ehemaliger Fahrgastschiffe in Hilfs-Flugzeugträger zu be­helfen, die jedoch, wie der Seekrieg im Pazifik bewiesen hat, den an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen sind.

Die Versenkung der „Ranger" hat aufs neue bewiesen, daß die Seekriegführung der Achsenmächte auf allen Meeren, im Atlan­tik ebenso wie im Pazifik und im Indischen Ozean, mit der gleichen Zielsetzung und mit dem gleichen Erfolg betrieben wird. Deutsche, italienische und javanische See- und Luststreiikräfte schlagen zu, wo immer sie den Feind sehen, trotz stärkster Abwehr und ausgedehy- tcster Luftsicherung.

Druck und Verlag: L Schellenberg'fche Buchdruckerei, Wiesbadener TaKIati, Wiesbaden reefamtleitung: Dr.phil.habil.<8uftav Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt, schrifüeiter: Fritz Günther, sSmil. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 10 gültig

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten

Seilbahnstütze Mr. 4

Ein Roman aus den Bergen von Alexander v. Thayer Nachdr. verb.

s. Fortsetzung

Die Seilbahn auf die Kellersvitze wird dem Arbeiter gehören, dem Volk. Sie wird keine Domäne von Großaktionären [ein. So wer­den beide Bahnen zum Nutz und Frommen des schönen Raintales und seiner Bewohner für die Allgemeinheit dienstbar sein. Wir übernehmen ferner jeden Ausfall an Einnahmen aus dem Frem­denverkehr, der durch die mögliche schwächere Benutzung der Ale;- Horn-Bahn den Orten des Oberraintales entsteht. Tausende wer­den in. dem Raintal und auf seinen Bergen Erholung und neue Kraft für ihr arbeitsreiches Leben finden. Die technische Über­prüfung des Projektes können wir getrost den hierfür zuständigen Ingenieuren überlassen. Damit will ich Sie jetzt nicht belasten. Ich Bitte Sie. uns in den Vorarbeiten zu unterstützen und sich am nächsten Sonnabend an dieser Stelle zur konstituierenden General­versammlung einzufinden. Bis dahin jedoch werden wir den Herren von der Alexhorn-Bahn ein endgültiges Angebot vorlegen. Sind Sie damit einverstanden. Herr Felsen?"

Der Ingenieur sprach ein vaar Worte mit den Herren am Fenstertisch. Man sah an der Bewegung unter den Herren der Alex- holnbahn-Eesellschaft, daß Borchenhardts Worte großen Eindruck gemacht hatten.

„Ich bin einverstanden," sagte endlich Ingenieur Felsen. „3m Namen der Alexhornbahn-Gesellschast begrüße ich den soeben ge­machten Vorschlag."'

„Unter diesen Umständen werde ich befürworten, daß wir un­seren Einspruch zurückziehen." meldete sich der Bürgermeister von Oberrain.

„Wünscht noch jemand zu dieser Angelegenheit das Wort?" — Doktor Borchenhardt blickte in die Runde.

Ein Herr erhob fich

„Herr Rechtsanwalt Doktor Leinert wünscht zu sprechen," stellte Borchenhardt vor.

Der Rechtsanwalt stützte sich auf den Tisch. Hinter einer gold- gefaßten Brille blickten zwei kleine, wässerige Augen über die Ver­sammlung. Der Anwalt strich sich mit der Hand durch den grau­melierten Svitzbart.

„Ich bin in technischen Dingen ein Laie," begann er mit seiner dünnen Stimme. „Aus dem Plan, den man uns hier vorgelegt hat. ersehe ich, daß die Seilbahnstütze IV auf dem Teufelsgrat zu stehen kommen soll. Dars ich hier die Anfrage stellen, ob das Projekt auch

durchführbar ist, wenn diese Stütze aus irgend einem Grunde nicht gebaut werden kann?" •<

Doktor Borchenhardt wies mit seiner rechten Hand auf Sans Wundt.

Dies war eine technische Angelegenheit, zu der er selbst Stellung nehmen wollte.

. „Nein, die Bahn wäre in diesem Falle nicht durchführbar," antwortete Sans Wundt. „Mit der Turmstütze am Teufelsgrat steht und fällt ja unser Projekt. Der ©ittertürm wird sechzig Meter hoch werden, seine Verankerung erfolgt noch zehn Meter tief im Fels- grot. Es wird der schwierigste Teil unserer Arbeit. Nur kühne Kletterer können als Arbeiter ausgenommen werden."

„Gut!" antwortete Doktor Leinert. „Das wollte ich nur wissen. Hat das Proponenten-Komitee sich auch bereits versichert, ob der Grund für diese Turmftütze käuflich zu erwerben ist?"

Run ergriff Doktor Borchenhardt an Stesse des Ingenieurs das Wort.

„Es war unsere Absicht, die Vorarbeiten möglichst geheim zu halten. Auch ist ja die Seilbahn-Gesellschaft noch nicht gegründet, so daß njeinand als Käufer auftreten konnte. Die Stützen 6, 5 und 4 stehen durchweg auf wertlosem'Grund, in Karen, auf Wänden, und die Stütze 4 eben am Teufelsgrat. Die Stützen 3, 2 und 1 stehen auf Almwiesen, deren Besitz«, kleine Bergbauetn. sie uns hestimmt gegen eine durchaus annehmbare Bezahlung abtreten werden. Es ist wohl auf keinen Fall anzunehmen, daß man der Gesellschaft den Verkauf eines für den Besitzer völlig wertlosen Grundes in unwegsamen Karen oder auf einem steilen Grate ver­weigern wird?"

„Es ist gut. ich danke Ihnen auch für diese Aufklärung im Namen meines Mandanten," sagte Di. Leinert und nahm sein« Brille von der Nase, um sie umständlich zu vutzen. „Dann bin ich für meinen Auftraggeber vollständig beruhigt." setzte er mit einem hämischen Lächeln hinzu. „Vollständig . . ."

Die Versammlung wurde geschlossen Längere Zeit standen noch lebhaft debattierende Eruvven ini Sitzungssaale beisammen.

Ilse wartete auf ihren Vater im Trevocnhaus.

„Uff, war das eine saure Arbeit!" seufzte Doktor Borchenhardt, als er endlich mit Sans Wundt unter den letzten aus dem Saale kam. Doktor Borchenhardt wischte sich den Schweiß von seiner Stirn und sah auf seine Uhr.

„Wenn wir Glück haben, können mir noch den Wendzug nach Rainfeld erreichen. Ich habe den Wagen der Bauleitung nach dem Bahnbof von Rainfeld bestellt. Ich habe nach dem Rummel Sehn­sucht, möglichst bald wieder im stiüen Weißenbach zu sein. Wenn morgen schönes Wetter ist, so mache ich mit dir. Ilse, di« längst versprochen« Tour auf di« Weißspitz«."

„Unser liebes Weißenbach." sagte Ilse versonnen-und sah Sans Wundt voller Freude an. „Fahren Sie mit uns?“

„Natürlich," sagte Sans Wundt. „Jetzt geht die Arbeit erst recht los."

„Wir müssen sofort die nötigen Baugründe erwerben," erklärte Doktor Borchenhardt der Ilse. „Wer das ist eine Sache, die Inge­nieur Wundt nichts angeht."

„Gott sei Dank," lachte dieser. „In geschäftlichen Dingen bin ich das reinste Kind . . ."

Nur in geschäftlichen? schienen Ilses Augen zu sagen.

Aber sie schwieg. Dann fuhr der Wagen mit den drei Menschen durch die abenddunklen Eroßstadtstraßen dem Bahnhofe zu.

5. Kapitel

Das war schon das zweite Gewitter in diesem Monat Mai.

Gerade als es losbrach, traf auf einem Waldsteig der junge Andreas Walcher mit Philomena zusammen, die vor dem strömen­den Regen schnell dem Jagdhaus zueilie. Sie war wohl zu einer Besorgung unten in Weißenbach gewesen.

Andreas nahm dies Zusammentreffen als ein gutes Zeichen. Er faßte sich ein Serz und fragte Rosels Mutter, wie sie. von einer Seirat zwischen ihm und Rosel dächte.

Wer da kam er schön an.

„Was du nicht gar willst!" höhnte di« Alte! — „Die Rosel also möchtest haben? Warum nicht gleich die junge Baroneß unten vom Schloß? Der Andreas und die Rosel!"

Die Philomena schüttelte sich vor Lachen. Die dunklen Augen des jungen Sitten blickten furchtsam zu der höhnenden Frau auf.

Sie kamen in das Kar, bas über dem Jagdhaus lag. Am Rande der Wand, die zum Teufelsgrat hinauf führte, stand eine vor langer Zeit vom Blitz gespaltene Wettertanne.

„Sier hat auch einen das Strafgericht getroffen, der vermessen war. Kennst doch die Sage vom Grafen Khuenherg?"

„Die Leute erzählen viel." meine der Andreas. „Ob es aber auch wahr ist?"

„Zwei Brüder waren es. die Khuenberger. Der Woli und der Herbert. Und beide haben sie die Eriselda geliebt, die Tochter von dem Herrn auf Schloß Raintal. Der ältere der Brüder, bet Wolf, war mit dem Schloßfräulein verlobt. Sie aber liebte ben Herbert, bet jung unb schön wat. Hier, auf der Wiese, hat früher die Plötzenalm gestanden. Mit einem kleinen Jagdhaus, bet Plötz- hütte. Im dichten Farn kannst du heute noch behauene Steine sehen. Da sind sie zusammen gekommen, die beiden. In mondlosen Nächten. Sie hat viel gewagt, die schöne Eriselda. Bis Graf Wolf von Kbuenberg einmal gekommen ist. um auf die Jagd zu gehen. Just mitten in der Nacht. Da sind die beiden geflohen. Ging aber kein Weg hinab in den Dundo-Wald als am Jagdhaus vorbei.

(Fortsetzung folgt)