Lamstao Sonntag. 10./11. Avril 1943
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 85 Seite 8
Das Wl^en vom Sieg
Don Helmut Siiniermann
Es liegen Monate hinter uns, in denen die Blicke des ganzen Boltes sich fast ausschließlich auf die unmittelbare Gegenwart mch ihre dringendsten Forderungen richteten. Ms die Sowjethotden in Bewegung waren und die deutsche Front zu erschüttern suchten, war keine Zeit und keine Stimmung, weiter zu denken als an die Bedürfnisse des Tages oder sich umständlicheren Gedanken hinzugeben als der einfachen Entschlossenheit, dem Sowjetansturm durch den Einsatz aller Kräfte von Front und Heimat Halt zu gebieten.
Der Winter ist nun vorbei, und was viele nur hoffen konnten, ist reale Wirklichkeit geworden: die Kraft des bolschewistischen Ansturms ist weit im Osten gebraten worden, manches wurde verloren, aber vieles, unendlich vieles ist gehalten oder bereits wiedergewonnen. Das deutsche Volk aber hat eine B e - Währungsprobe bestanden und eine Krisenfestigkeit an den Tag gelegt, die denen zu denken geben wird, die immer noch so töricht sind, ihre Hoffnungen auf den Wunschtraum einer inneren Zermürbung des Reiches aufzubauen.
Die vergangenen Monate haben uns nicht nur bewiesen, wie elementar und lebenswichtig der Kampf ist. den wir fichren, sondern daß es auch einen festen und sicheren Weg zu unserem Siege gibt, den Europa braucht, wenn es als Basis menschlicher Kultur weiterbestehen will. Daß dieser Weg nicht geglättet und bequem, sondern hart uird gefahrvoll ist, und daß er über manche Brücke fuhrt, die nur durch die Anspannung aller Kräfte errichtet werden kann: das ist die sichere Lehre dieses Winters.
Dieser Erunderkenirtnis steht manche wichtige Einzelfeststellung gegenüber: Es scheint, daß die Sowjets fast alles, was sie im Laufe des vergangenen Sommers an Reserven aufzubieten hatten, in den Kampf geworfen haben, von dem sie sich die Entscheidung erhofften. Ihr Fiasko macht den Traum unserer Feinde von der llnüberwindlichkeit der sowjetischen Macht zunichte, so sehr die Wucht ihres Ansturms auch die Gröhe der Gefahr gezeigt hat. Die bolschewistische Pest ist nicht unausrottbar! Sie kann ausgcräuchert werden, und sie wird es!
Die Suben von der anderen Couleur aber haben sich nun auch versammelt und die Truppen ihrer plutokratischen Vasallenstaaten aufmarschieren lasien, um ihren bolschewistischen Bundesgenossen vom Süden oder Westen her zu Hilfe zn eilen. Die grohe Entscheidung werden sie freilich ebensowenig zu ändern vermögen, wie sie Aussicht haben, selbst ihren Fuß auf den Boden der Achsenmächte und ihrer Verbündeten zu setzen. Wer die massierte Angriffsmacht des Bolschewismus aufgehalten und gebrochen hat, wird auch die Mittel und die Kraft besitzen, abenteuernden britisch-amerikanischen Divisionen eine blutige Lektion zu erteilen, falls sie von ihren jüdischen Antreibern den Festungswerken Europas entgegengehetzt werden. Der Bolschewismus aber wird auch von seinen britisch-a-nerikanischen Trabanten nicht gerettet werden. Und ihr gemeinsamer Wunschtraum, Europa in ein blutiges Chaos zu verwandeln. wird in Tunesien und an den Küsten des Kontinents leine andere Antwort erfahren, als es im Osten geschehen ist.
Dies find nicht Worte ohne Hintergrund: Deutschland und Europa haben in diesem Winter nicht nur erfahren, was ihnen droht, sondern auch was sie an Kraf.t zu entfalten vermögen. wenn sie zum Auhersten entschlossen sind. Zu dieser Entschlossenheit haben nicht nur die Erinnerung an die Welt von 1918, nicht nur die nüchterne Einschätzung des Bolschewismus, sondern auch die freimütigen Erklärungen Leigetragen, mit denen unsere Feinde nicht zurückgehalten haben, als sie — berauscht von den Sowjeterfolgen — glaubten, diesen Krieg schon gewonnen zu haben.
Das alles war nützlich, um das geistige und materielle
Potential des Kontinents so zu entfalten und weiterzueiirwickeln, Last es nicht nur ausreichen wird, uns sicher und ziolbewutzr zu verteidigen, sondern auch jene innere Haltung und äugere Starke vorzubereiten, die im Zeitpunkt der großen Entscheidung den Ausschlag des Sieges geben wird.
Große Entscheidungen werden bestimmend beeinflußt durch große Ideen, die die gewaltige Antriebskraft aller charaüerlichen und leistungsmäßigen Energien der Völker sind. Diese Ideen stehen auf unserer Seite und erfüllen uns alle. Die gewaltige Wiedererhebung der großen Rationen des Kontinents steht auf unserer Fahne, das Recht zum Leben für tüchtigste Völker der Menschheit ist der Sinn unseres Kampfes; eine große Zukunft tut sich vor unseren Augen auf, während auf der Gegenseite die bolschewistische Doktrin der Vernichtung der Tüchtigen und die jüdische Lehre der materiellen Versklavung aller Sollet den Pesthauch des Todes auch durch die Schwulst ihrer Phrasen nicht zu vertreiben vermögen.
Der Sprung nach dem Norden
Von Oberleutnant MA. Haus Giese
DNB....... 9. April. (PK.) Drei Jahre sind seit dem ge
schichtlich gewordenen 9. April 1940 ins Land gezogen. Damals wagten die Kriegsmarine, die Luftwaffe und das Heer in setundengenauer Zusammenarbeit den Sprung nach dem Norden. Mit einem Satz Überwanden sie das Länder und Völker trennende Meer, um dem iwrwegischen Volke die Bitternis einer britischen Besetzung zu ersparen und um damit gleichzeitig zu verhindern, daß dieses Norwegen zu einem Kriegsschauplatz der Alliierten wurde.
10 Stunden, 10 lächerliche Stunden entschieden hier nicht nut das norwegische Schicksal, sondern das Schicksal Europas überhaupt, denn um 10 Stunden tarn Deutschland dem lang vorbereiteten britischen Plan zuvor.
„Die kühnste Tat, die je von einem Volk dieser Erde vollbracht wurde", so ist dieses Norwegeii-llnteriiehmen bezeichnet worden, llnd wahrhaftig, es. war eine Tat, wie sie nie zuvor in der Weltgeschichte aufgezeichnet worden ist, und wie sie auch im Lause der nächsten Jahrhunderte wohl kaum eine Nachahmung finden wird. Wie war es doch damals — was geschah am 9. April 1940?
Deutsche Schiffe ziehen über das Meer. Kreuzer, Zerstörer, Torpedoboote, Schnellboote, Räumboote, Minensucher und Transporter durchfurchen die aufgewühlte See. Im Belt, im Skagerrak rauschen sie mit hohen Bugwellen dahin, an bet Westküste Norwegens brausen sie tm Sturm und donnernden Wogenprall immer weiter nach Norden.
In nachtschwarzer Finsternis, stampfend, schlingernd, schaukelnd, daß die Mastspitzen schier in den Wellenbergen verschwinden, jagen sie nordwärts. Kein Blick nach rechts und links, keine Hand für den Mann, bet von tonnenschweren Brechern mit allem, was nicht niet- unb nagelfest an Deck steht, über Bord gefegt wird. Einsam sterben hier deutsche Seeleute den Heldentod. Sie sehen ihr Schiff unb die andere» ihres Verbandes wie gespenstische Schatten in der dunklen Nacht verschwinden. Sie wiffen, daß es für sie, überhaupt für den einzelnen, keine Rettung geben kami. wenn nicht die große Aufgabe, das große Ziel mißlingen soll. Darum gehen sie still und einsam den anderen voraus, die nachher noch in der See oder bei den Kämpfen an Land den Heldentod sanden. Die Kriegsmarine bestand hier auf dieser Fahrt ihre h L ch st e Be - währungspro b e. Nacht um Nacht, Tag um Tag hatten die Männer schon fast ein halbes Jahr, zuletzt in Schnee und Eis auf Posten gestanden. Nun waren sie wieder in vorberster Front. Vom Admiral bis zum jüngsten Matrosen herab gab es kein Nachgeben, kein Schwanken, kein Müde- ober Weichwerden. Auf den sturm-
Unsere Grenadiere bis zum Knie in Wasser und Schlamm
Die (Stäben am Mius in der Zeit der Schneeschmelze
NdZ....... 9. April. (PK.) Unwert einer während der
letzten Tage heiß umkämpften Riegelstellung am Mius liegen die Grenadiere des Bataillons, bas vor kurzem aus Schlesien eingetroffen war in ihren Stäben unb Bunkern. Die im Nachbar- abschnitt geführte Schlacht, bei bet sich bie Geschosse aller Kaliber von Freund unb Feind Tag unb Nacht, sowie bie Bomben unserer Stukas zu einem infernalischen Konzert vereinten, erlebten sie daher nur am Rande, gewissermaßen als Zuschauer mit. Bis auf vereinzelte Granatwerfereinschläge und Gewehrschüsie, die auch in diesem Abschnitt an den Ernst bet Lage erinnern, ist es in den unserem Bataillon zur Verteibigung zugewiesenen Stellungen noch ruhig. Wie lange noch, bas wissen wir nicht.. Schon haben sich bie Sowjets auf 400 bis 600 Meter an unsere Gräben mit Horch- unb Beobachtungsposten herangeschoben. Wir wissen uns in den alten, erprobten Stellungen des Vorjahres, die wieder bezogen worben sind, »ziemlich sicher. Trotzbem ist bas Gefühl bet Sicherheit kein Grund, sich auszuruhen, denn bei Feind ist unberechenbar. Wach fein ist das Gebot bet Stunde. Drei bis vier Stunden Schlaf müssen meist genügen. ' .
Eine bet schwierigsten Aufgaben sind Bunkerneubauten, bi« sichere Unterkunft bieten. Zwar sind alte Bunker aus bem vorigen Jahre noch vorhanden„aber sie sinb dunkel unb eng. Wo sich fünf Mann ausstrecken könnten, müssen 12 bis 15 Grenabiere Platz finden. Das geht auf die Dauer nicht. ' Nur des nachts kann an den Bunkern gearbeitet werden. Und eine weitete Schwierigkeit kommt noch hinzu: die baumlose Steppe bietet wenig
Material. Doch die größte Sorge haben die Männer mit dem Wasser, von dem zur Säuberung zu wenig und zum Leben zuviel da ist. Wasch- und Trinkwasser muß von weit her herangeschafft weiden. Das erfrischende Stag, das bei Dunkelheit zusammen mit bet Verpflegung von ben Feldküchen in wenigen Kanistern in die Stellungen gebracht werden kann, reicht lange nicht hm, um den Kampf mit dem Dreck erfolgreich zu bestehen. Trotzdem lieferte die Natur in ben letzten Wochen zum Leben zuviel Wasser. 93er« schwenderisch rauschte es von den Hängen herab, rann und tropfte aus der lehmigen Erde und sammelte sich bei der Schneeschmelze kniehoch in den Gräben, die der augenblickliche Lebensraum der Soldaten sinb. Der Kampf gegen biete Naturgewalt, die. uns mit einer braunschwarzen Brühe eine zeitlang das Leben vergällte, war so ziemlich aussichtslos, obwohl Sickergräben gezogen worben sind und bie Schöpftätigkeit nie abriß. Der einzige wirkliche Schutz waren bie langschäftigen Gummistiefel, bie zur Schlammperiode rechtzeitig angekommen unb von ben Landsern mit Freude unb Dankbarkeit begrüßt worben sind. Auch die Wintertarnkleibung lieferte noch ihren Beitrag im Kampf gegen Schlamm unb Dreck. Diese einzigartige Erfindung, die nach Beendigung des Winters hier in den Stäben noch einmal eine Auferstehung erlebt, ist bei dem Schmier eine geradezu ideales Bekleidungsstück und halt den Dreck von der Normal- untform und vom Körper fern. So ist der Tarn- und Wärmeanzug des Winters noch zu einem Schutzkleid geworden, das, wenn es demnächst abgegeben werden kann, mannigfaltige und prächtige Dienste geleistet hat. Kriegsberichter Rudolf K r a t s ch.
Diese Erkenntnis des großen Sinnes unseres Kampfes ist der stärkste Motor unseres Handelns, und unsere Entschlossenbeit, in dieser gewaltigen Entscheidung voll unseren Mann zu stellen, gibt- uns die Gewähr, daß wir es schaffen werden unb uneben Eintritt in ein glücklicheres Leben, durch dessen Tor wir schon einen Blick zu werfen vermochten, erzwingen werden! »
Das Ek. für eine ORK.-Schwester
Berlin, 9. Avril. Der DRK.-Schwester Magda D a r- ch i n g e r, DRK.-Schwesternschaft München, wurde als fünfte deutsche Frau des Eiserne Kreuz IT. Klasse vor, liehen. Sie hat sich bei der Bergung von Verwundeten eure'' Lazarettes im Operationsgebiet während eines feindlichen Luftangriffes durch besonders tapferes Verhalten ausgezeichnet und wurde hierbei selbst verwundet.
unb gischtumpeitschten Brücken und Decks und an beit donnernden Maschinen standen sie unb in bie vom Wind unb Salzwasser zerrissen ober von Ll beschmierten harten, verbissenen Gesichtern war nut bet eiserne Wille gezeichnet, den vom Führer gegebenen Befehl auszuführen. /
Und mit ihnen, mit diesen Männern, denen bie Seefahrt eine Selbstverständlichkeit ist, fuhren die anderen, deren Fuß zum Teil noch nie die Planken eines Schiffes betreten hatte, die vorher nur bie unendlichen Weiten bet deutschen Landschaft oder die hohen, schweigenden Berge gesehen unb erlebt hatten. Die Infanteristen, Gebirgsjäger, Artilleristen und wie all bie Formationen des Heeres heißen mögen, die dort zum Einsatz kommen sollten — sie saßen jetzt dicht zusammengedrängt in ben Seibern der unaufhaltsam vorwärtsstürmenden Schiffe. Die Seekrankheit schüttelte sie durch und durch, der wilde Wogentanz und das Heulen des Sturmes schien manchem den Weltuntergang zu bedeuten, aber st« hielten durch, sie, die eben noch von dem Meeresgoit unerbittlich bis ins Mark gefoltert waren, standen kampfbereit unb stark zur Stelle, als der Rus an sie erging.
Zur gleichen Stunde, da diese Schisse unb Männer irgendwo an bet zerrissenen Küste Norwegens in Oslo, Ehristiansand, Stavanger, Bergen, Drontheim, Narvik an Land gesetzt wurden, zur gleichen Stunde, als der schwere Kreuzer „Blücher" nach heldenmütigem Kamps todwund geschossen mit vielen Kameraden in die, Tiefe des Oslo-Fjords sank, als die ersten" Takte des ewig klingenden Heldenliedes vom Kampf der deutschen Zerstörer bei Narvik ertönten, da brummten bereits die 'Maschinen der deutschen Luftwaffe heran. Flieger, Flieger, die Tausende von Kilometer dahintasteit, um den Einsatz der anderen zu schützen oder um neue Verstärkungen zu bringen. Fallschirmjäger schwebten zur Erde nieder, auf Flugplätzen und auf kleinen verschneiten Flächen des gebirgigen Landes landeten die Flugzeuge, luden ihre lebenden Frachten ab, schafften Munition, Lebensmittel und sonstiges notwendiges Material heran unb starteten sofort wieb.er zum Rückflug, um neue Menschen, neue Dinge zu holen. Brave In 52 — wie mancher denkt heute noch dankbar an dich
zurück.
Drei Wehrmachtteile waren es, aber ein einziger Kopf, ein einziger Wille ließ sie zu einer großartigen Einheit, zu einem unüberwindlichen Block zusammenschmelzen. Unvergleichlich kühn war die Tat. unvergleichlich kühn aber waren schon vorher Entschluß und Vorbereitung. In wenigen Stunden mußte dieses gewaltig' Unternehmen bet Kriegsgeschichte beschlossen, vorbereitet unb durchgeführt werden.
Es gelang. Die Briten, die sich schon seit Tagen aut bem Matsch nach Norwegen befanden, drehten zum TeU schon wieder auf offener See ab unb setzten erst später an einsamen Stellen Truppen an Land. Aber als im Westen die verratenen Belgier. Holländer unb Franzosen übermannt wurden, kämpfte doch noch hier oben tm Norden ein kleiner Teil des norwegischen Volkes einen verzweifelten Kampf. Sie wußten aber nicht, daß ihr eigener Koni§ und ihre eigene Regierung längst unter Mitnahme beachtlicher Staatsgelder fluchtartig das Land verlassen und ihr Volk feige im Stich gelassen hatten. Sie glaubten bis zuletzt an die großartigen, so oft gegebenen Versprechungen der britischen Plutokraten. Jedoch eines Tages brach ihnen auch diese schöne Traumwelt zusammen. Fassungslos standen sie an den Ufern ihres Landes und sahen die „Verbündeten" auf der weiten See entschwinden. Sie standen allein, umgeben von Trümmern und weggeworfeneu Waffen, bie diese „famosen Briten" und deren französische, polnische und sonstigen Söldlinge, Freibeuter aus aller Welt nutsals Ballast auf ihrer eigenen Flucht empfunden hatten. Sie kannten es nicht fassen, daß England nur andere Völker für sich bluten lassen will. Langsam, ganz allmählich setzte sich dann auch bei ihnen bie Ansicht durch, daß bet deutsche Soldat lein Raub- und Mordbrenner ist, sondern daß dle Deutschen helfen unb schützen, fördern uyd aufbauen wollen. Heute wiffen sie es, unb sie empfinden es vielleicht dankbar, daß von Nord nach Süd eine einzige Waffen st artende Front steht. Gleich einer zum Schlage bereiten, gepanzerten Faust steht heute bie Abwehr an Norwegens Küste.
Die Männer aber, bie an jenem 9. April 1940 und in ben späteren Tagen auf norwegischer Erde oder auf dem Wege dorthin gefallen sind, starben für ein großes Ziel, für die Freiheit Eroß- oeutschlands. Überall vom Nordkap bis zur Südspitze Norwegens stehen bie schlichten Holzkreuze. An den Ufern der Fiorde, auf den hohen, von ewigem Schnee bedeckten Bergen und in den lieblichen, zauberhaft schönen Tälern schlummern die deutschen Kämpfet fein der Heimat den letzten Schlaf. Jahrhundertelang werden Sommer und Winter über ihre Gräber hinweggehen — aber ihre Namen werden unvergeffen Meißen.
Sinfonie-Konzert
in Deutschen Theater Wiesbaden
Die Sinfonie-Konzerte bet Kapelle des Dentschen Theaters nahmen mit bem gestern stattgefun- benen IV Srnfonir-Konzert ihr Ende. Sie brachten unter Leitung von Dr. Ernst Cremer neben muftetgülhgen Aufführungen von Standardwerken auch interessante Neurrschei- nungen. Solisten von Ruf unb Rana waren stets zur Mitwirkung herangezogen. So war bem ousoerfauften Haus immer ein ungetrübter Genuß geboten. Das letzte Konzert am Freitag hatte ben hier schon bekannten jungen Pianisten Richard Langs soliftisch gewonnen Er spielte bas k-moll-Konzertftück von Weher und die Burleske von Richard Strauß, beibes Stücke, die einen in allen Sätteln gerechten Pianisten zur Ausführung verlangen. Perlende Geläufigkeit tm Passagenwerk, unfehlbare Sicherheit in akkordischen Sprüngen unb vor allen Dingen einen seelenvollen modulationsfähigen Ton in der Kantilene entwickelte Herr Langs in gänzender Weise. Neben dieser überlegenen Beherrschung bet Technik bekundete er auch eine wann gestaltende Musilernatut, bie mit - temperamentvollem nachschöpferischem Willen allen Episoden im Werk liebevoll nachgeht unb sie unmittelbar zu voller Wirkung zu bringen weiß. Der Künstler wurde mit Beifall reich bedacht; er spendete als willkommene Zugabe das Ss-dur-Jmpromptu von Schubrt. Die Kapelle des Deutschen Theaters führte die anspruchsvolle Begleitung tonschön unb anschmiegsam aus unb vervollstänbigte bas Programm durch zwei selbständige Eigengaben. Zu Beginn des Konzertes hörte man als hiesige Erstaufführung „Legende vom Prinzen Eugen" op. 11 von Theodor Berger der einer bet aufstrebenden jüngeren Komponisten ist unb sich durch fortschrittliche Werke — Ballade, Duo (für Violine unb Cello mit Orchester), — bisher bekannt gemacht hat. In seiner tlangfreubigen „Legende" bietet et. Variationen, bie auf staunenswertem Können von ausgearbeiteten motivischen Aus- fpinnen von Themen unb Thementeilen des bekannten Liedes fußen Eine glänzende Otchesttietung ist über bas Werk gebreitet unb verleiht ber phantasiereichen Arbeit leuchtenden äußeren Glanz, Das Werk erreicht seine volle Wirkung zum Schluß in bem klang- schonen instrumentierten Liebe vom „Prinzen Eugen". Das Stück, das höchste Anfotbetungen an bie Ausführenden stellt, fand unter der alles übersehenden, temveramentvollen Leitung von Ernst Cremer eine rhythmisch gesicherte, farbenreiche Wiedergabe, die starken Eindruck au* bie Zuhörer machte. Den Hauptteil bes Abends füllte zum Schluß bie ..erste Symphonie" in c-moll von Brahms aus. Auf dem weit gespannten Bogen, leidenschafllicher Melodie spricht der erste Satz von äußever Seelennot und schneidenden Weh Die gewitterschwangere Durchführung bringt bie gedankenmächtigste Thennmaufschließung seit Beethoven. Das An
dante, im Beethoven'schen Geiste gehalten, atmet Frieden und spendet Trost. Sinnender Ernst, durchsetzt von resignierten Stimmungen, liegt über dem kammermusikalisch feinem Alleoretto. Das Finale führt endlich zur befreienden Tat. nach hatten Kämpfen zu bem kraftvoll unb fteubig bewegten Allegro. Ernst Cremer als Leiter hakte sich ganz in bie Wesensart des Werkes perfentt, dirigierte es auswendig und gab mit suggestiver Kraft allen wichtigen Momenten lebensvolles Eevräge. Die Kapelle des Deut- schenTheaters folgte liebevoll seinen mit bestimmender Hand gegebenen Direktive» und entwickelte alle Klangmöglichkeiten eines repräsentativen Konzert-Orchesters in zwingender Weise. Zum Schluß zollten die Zuhörer ihren Dank für ben bereiteten Genuß durch nicht endenwollenden Beifall. Fritz Zech.
(Ein ^rontmalar „bsrictztst"
Im Auge bes Malers, im Herzen bes Dichters, wie überhaupt jedes Künstlers, ber an bet Front steht, findet bas E t - I e b n i s bes Krieges seinen besonberen Nieberschlag. Ihre Aufnahmefähigkeit und künstlerische Bereitschaft wird durch ihr gesteigertes Ausdrucksvermögen zu einer Klärung, Weitung und Deutung getragen, die allgemeingültige, bleibende Wette zu schaffen vermag
Bei Kunst-Schaefer in der Faillbrunnenstraße sind z. Z. in zwei geschmackvoll hergerichteten Räumen Werke eines Frontmalers ausgestellt, die eine eindringliche Sprache reden, — vorn Erlebnis bes Krieges an sich und von dem sicheren Blick und technischen Können eines Künstlers, ber aufgeschlossen unb mit tiefem Ernst bas Wesentliche unb Besondere zu erfassen unb zu geben weiß. Sein Name ist Karl Hock: nach Verwundung und Krankheit ist er z Z. in Wiesbaden in ein-* Genesenden-Kom- panie. Er stammt aus Neunkirchen (geb. 1902), studierte in München unb hat vor dem Kriege bereits in Saarbrücken unb vielen anderen deutschen Städten ausgestellt. Doch ber Krieg, den er bisher als .Infanterie-Soldat an ber Ost- unb Westfront mit» machte, hat befonbete Kräfte in ihm reif werden lassen. Man beliachtet bie vielen Skizzen einer großen Mappe, bie später einmal ein Gesamtwert werden sollen, unb bie nur einen kleinen Teil seiner zeichnerischen Ausbeute enthalten, unb man erlebt aus ben Blättern in trejfenb und prägnant gehämmerten Versen Situationen, Menschen, Landschaften, Zustände, Stimmungen, bas Alltägliche unb Erhabene, bas Grauenvolle unb bas Grandiose, bas ganz Einmalige bes Kriegsgeschehens, wie es sich im Auge bes Malers spiegelt Mit flüchtigen Strichen, in wenigen Minuten ost, auf bem Vormarsch ober wahrend einer Zigarettenlänge, hin- geworfen, liegt in den Zeichnungen ein zwingend-starker Ausdruck von Gegenwärtigkeit. Zerschossene Dörfer, brennende Panzer, Menschen-Typen am Wege, Kircheninnere-, Äamerabenpoiträts, Sturmgeschütze, Vormarschstraßen, colbatengräber, sprungbereite Grenadiere, schleichende Essenträger, krepierende Granate#, bas
Di<r Amfol
Droben sitzt eine Amsel im kahlen Qinbcnbaum sie holt ein vergessenes Sieb aus einem Traum, ste weiß es noch nicht, sie sucht unb findet es kaum
Gestern hockte sie stumm, ein schwarzer Federball, mit geducktem Hals unter dem Flockenfall — und starrte ans geolbenen Ringen ins weiße AU
Wir froren beide, uns tat bas Herz sehr weh Sonnenblumenkerne warf ich zu ihr in ben Schnee, Kressensamen: Sie nahm sie unb rührte nicht Fuß unb Zeh.
Noch'hat bet Baum keine Knospen. Schnee rieselt und taut Aber höre doch, Herz, höre ben süßen Laut: Lindenbaum, Vogelruf, Heimat, warm und vertraut.
Sieh, die gefieberte Brust, wie sie bebt unb springt, höre doch, wie die Amsel, bie Amsel singt:
Frühling —! Ob was der Winter nahm, sein lieblicher
Bruder mir wieberbringt? Hanna Stephan.
unerbittlich wahre Gesicht des Äriegte zeigt sich uns, immer anders, immer heißatmend, sparsam gestaltet und doch gemeistert.
Aus bem sprühenden. eilenden Wortschatz des Zeichenstiftes kristallisierten sich einige Heldengedichte zu großformatigen S l - bildern, die stark packen Da ist „Der Kämpfer von Stalin« grab". Ein Porträtbildnis. das bie Halbsigur bes Soldaten im weißen Tarnanzug in die Unendlichkeit östlicher Ebene stell* 3m Gesicht bie Spuren harter, überstandener Strapazen unb Abspannuno Wut unb Entschlossenheit in ben Augen Ein anderes: „Kameraden". Einen lorg nm mit Tüchern umhüllten verwundeten Kameraden tragen feste Soldatenfäuste unb sichere Schritte behutlam aus der tobenden schlacht. Der nachtschwarze, gesvenfrische Simmel ist von flackernden B'änden erhellt. Dieiem Bild* wurde aeleaentliai eines Wettbewerbs feldgrauer Künstlet der Divisionspreis zu- erlannt. In weiteten, großflächig und großzügig gemalten Bildern wie „Svähtruppführet", „Vormarsch", ,T)er Stoßtrupp" u a ill es immer wieder die unerhörte Lebendigkeit im Ausdruck, die'an - springende Wucht der Gestaltung, die mitreißen.
Von einem jungen Kompanie-Kameraden. dem 22iährigen Wiesbadener Wollgana Werner, ber in München feine Studien begann unb den Sock jetzt hier als „Schüler" gewissermaßen betreut, sehen mit verschiedene reckt beachtliche Talentoroben Ein Llbild „Der Zugführer" ist fesselnd im energievollen Ansdrlick des Gesichts, auch zeichnerische Skizzen deuten viel Begabung an
A. Miischke.
