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Wiesbadener Tagblatt

Mmltas. 1- März 1941

Tag der Luftwaffe

Vom ersten Ta» des Krieges an hat sich die deutsche Luftwaffe einen unvergänglichen Ruhm erworben. Sie steht in ununterbrochenem Einsatz. Das Starizeichen. das beim Beginn unseres nationalen Eckickialskainpfes die Zer­schlagungen der volnischen Stellungen auslöste, fand seine millionenfache Fortsetzung bei der Niederwerfung der eng­lischen Väsallenftaatcu im Norden. Westen und Südosten unseres Kontinents bei opservollen Schlachten im weiten sowfetischen Raum.

Hermann Görings Wort: „Das deutsche Volk mutz ein Volk von Fiegern werden" knüpfte an die proben Traditio­nen des Weltkriges an. Die unvergleichlichen Taten der jüngsten Waffe sollten immer lebendig bleiben und unsere Jugend anspornen. dem Geiste Jmmelmanns. Voelckes und Richtdofens würdig zu sein. Tausende von lungen Menschen gingen durch die fliegerische Schule. Die Geschwader reihten sich in schneller Folge aneinander. Gleichsam aus dem Nichts entstand etwas ganz Neues. Es war-wiederum nickt ohne sinnbildliche Vedeutunm dah dann im Jabre 1938 die„Luft- waffe als machtvolles Instrument in der Hand des Führers mitten in die neue Zeit bineingitellt wurde. Der 1. März ist seitdem der Tag der Luftwaffe: sie war allen tech­nischen Vergleichen mit der Vergangenheit weit entrückt: sie war-zu einem selbständigen modernen Organismus emvorgewachsen. der sich einzig und allein nach den Gesetzen der Zukunft entwickelte. Am 1. Lustwasfentag 1938 hat Hermann Göring allen seinen Mitarbeitern, den Flieger- generalen. den Piloten und Forschern zur Pflicht gemacht, stets darauf zu achten, dab die Luftwaffe nicht eine For­mation für sich ist. sondern dab sie mit den beiden anderen Schwekterwaffeir eine Einheit bildet. Er hat zum Ausdruck gebracht, dab sie wie jede andere Waffe nur ein Teil des groben Ganzen ist. und dah sie ihre Aufgaben tm Rahmen der geschlossen geführten Wehrmacht zu erfüllen hat.

Die Luftwaffe hat den Nachweis dafür erbracht, dah Hermann Görings Grundauffassung richtig war. Es gibt kaum einen Wehrmachtbericht, in dem nicht besonders her- vorgehoben wird, in welch starkem Mabe die Luftwaffe tn die Erdkämvfe eingegriffen hat. Bei lebem Vormarsch stieben die Bombengeschwader in den gegnerischen Luftraum vor. zerschlugen die Rückzugswege und die Anmarschltrahen für den feindlichen Nachschub. Die Jäger schirmten den eige­nen Luftraum ab uiid bekämvften die gegen unsere Erd- truvven eingesetzten feindlichen Luftstreltkrafte. Der Krieg im Osten sah unsere Sturzkampfflugzeuge oft als Retter in gröbter Not. Weit vorgeschobene. K.ainvfgruvven wurden durch Bombenwurf und Bordwasfeneinsatz aus der bolsche­wistischen Umklammerung gelöst. Eingeschlossene Verbände haben wochenlang nur deshalb den Kampf, fortletzen und grobe gegnerische Truvvenmassen binden können, weil die Transvortgeschwader ohne Rücksicht am Verluste tn den Kesseln landeten und Munition und Verpflegung ab­lieferten.

Der Arm der deutschen Luftwaffe reicht weit. Bis weit in den Atlantik hinaus ziehen die Beobachtungsflugzeuge und die Fernkampfbomber, denen so manches gegnerische Schiff zum Opfer gefallen ist. Erst in, den letzten Tagen lasen wir. dah die am Nordkap. stationiei;ten Eeichwader in einem kühnen Angriff gegen einen Geleitzug vorgingen und ihre Bobiben trotz aller Abwehr ins Ziel warten. Als General Eifenbower seine billigen Triumphe tn Nord­afrika entfettete, verlor er im Mittelmeer durch den rollen­den Einsatz deutscher Bomberverbände gewaltige Mengen Schiffsraum. Truvven und Material, und es steht heute schon fest, dab die Gesamtplanung der Amerikaner gerade durch die vernichtenden deutschen Bombenangriffe schon zu einem und auch die Transporter, die sich water tn den nordafrt- erbeblicken Teil mihlungen war. ehe Jte sich entfalten konnte konischen Häfen einfanden, waren einem ständigen Angriff der deutschen Flieger ausgesetzt. Wer nicht nur . aus der Lust wird zugeschlagen: die auf der Erde stationierten Teile der Luftwaffe sieben Schulter an Sch ultet mit den Grenadieren und Panzermannern. tm Kamps. Die Flak bat sich nicht nur bet der Bekämpfung gegnerischer Luftangriffe bewahrt. londern sie hat tn unge- zäblten Fällen ihre Rohre geradeaus gerichtet und sich ge­

radezu zur Spezialistin bei der Vernichtung der gegneri­schen Stahlkolosie entwickelt.

Wenn einst die Geschichte dieses Krieges geschrieben wird, dann wird man die Leistungen der deutschen Luft­waffe. ihre ständige Einsatzbereitschaft, ihre immerwährende Kamvsesfreude und ihre straffe soldatische Pflichterfüllung nicht vergesien. Unter den Trägern des Ritterkreuzes nt die Zahl der Kampfflieger besonders grob. Sie ragen. Mit der Summe ihrer Kampferfolge weit über ihre Vorbilder aus dem Weltkrieg heraus und haben doch nur den gleichen Ge- daiiken. der auch die Helden von damals immer wieder tn den Kampf trieb: alles für den Sieg einzusesen. Es ist ent Wetteifern um eine grobe Sache. Der Krieg wird durch den totalen Einsatz der Wehrmacht und des arbeitenden Volkes gewonnen, und in dem edlen Wetteifer um _ bie größte Leistung wollen die deutschen Flieger das Hockstmah an Einsatzwillen zeigen.

Auch in diesem Jabre begehen wir den Jahrestag der Deutschen Luftwaffe ohne Feierlichkeiten und Paraden. Wir haben keine Zeit dazu. Die Männer der Luftwaffe stehen im höchsten Einsatz, und auch jede Stunde tm Leben der Heimat muh dem Krieg gewidmet sein. Wtr grüßen an diesem Ehrentag den Reichsmarschall, der. unsere.stolze Luftwaffe schuf, und seine Flieger, die sich mtt fanattschem Willen um den Endsieg mühen.

Der Redneremsatz der Parier

Eine Tagung i» Frankfurt am Main

ASG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger sprach am Samstaguachmittag im Adolf-Hitler-Haus zu Frankfurt am Main auf einer Rednertagung der Eauvrovagandaleitung über die Aufgaben der Rednex der Partei.

Zu Beginn seiner Rede ging der Gauleiter auf die Härte des Schicksalskampfes des deutschen Dolkes und der mit ihm verbLn-

„Der Sieq wird unser sein!"

Tagesbefehl des Reichsmarschalls rum „Tag der Luftwaffe*

Berlin, 1. März. Der Reichsmarschall des Grobdeuffchen Reiches und Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Hermann Göring, hat zum „lag der Luftwaffe" am 1. März folgenden Tagesbefehl erlasien:

»Soldaten der Luftwaffe:

Am Tage unserer jungen kühnen Waffe sind meine Gedanken mehr denn je bei Euch. Ick weih um Euer Heldenmut an allen Fronten und Eure eisern« Pflichterfüllung auf jedem Posten. Die Luftwaffe war Wegbereiterin g e w a l t i g e r S i e g e. Sie ist gehärtet in schwersten Winterschlachten. Was uns aber ntcht um­geworfen hat, macht uns noch stärker. So werden wir zurr i ch t t- gen Stunde mit neuen Kräften zuschlagen und den Feind vernichten, wo wir ihn treffen. .

Meine Kameraden, der Sieg muh und werd unser sein.

Erfüllt von dieser Zuversicht grüben wir stolz und ergriffen die toten Kampfgefährten. Sie gaben ihr Leben für Deutschland und die Freiheit unseres Volkes. Ihr Ovfergeift macht uns unuber. windlick.

Seil dem Führer. Heil mein- Luftwaffe.

Hermann Göring»

Reichsmarschall des Grobdeutschen Reiche» und Oberbefehlshaber der Luftwaffe."

Weiter schwere Abwehrkämpfe im Osten Fortschreitender deutscher Segen-ngrisf im Raum von Jsjum. — Schwere Verluste der S-wjet- au Menschen und M-tttiai - Wertvoller Geländegewinn an der nordtunesischen Front. — Schneidiger Schnellbootangriff vor der englischen Küste. — Unterseeboote versenkten 19 000 BRT und einen Zerstörer

Der Sonntagsbericht des OKW.

Aus dem Führerhauptquartier, 28. Febr. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Der Feind versuchte gestern vergeblich di« Rordfront der Kuban-Brückelikopfes einzudrücken.

Der deutsche Gegenangriff im Raum von Jsjum ist in gutem Fortfchreiteu. Kramatorskaja und L o s o w a j a wurden erstürmt, wobei der Feind, der verzweifelt Widerstand leistete, besonders hohe Verlust« an Menschen und Material hatte, Rest- der zur vergeblichen Umfassung anaesetzteu nnd nunmehr selbst «iugeschlossenen feindlichen Arme« suchen hinter der" deutschen Front nach einem Ausweg und werden nach und nach vernichtet.

B-m 20. bis 26. Februar wurden nach den bisher vorliegen­den noch unvollständigen Meldungen mehr«»« taufend Gefangene «ingebracht, 4 64 Panzer und Panzerspäh­wagen, 60 6 Geschütz«, ISS Eramatwrrsrr und zahl­reich« ander« lricht« und schw«r« Wafs«a sowi« 739 Kraft­fahrzeuge vernichtet oder erbeutet. Auf dem Schlachtfeld« wurden über 14 0 0 0 Tote gezählt.

Im Raum südwestlich Kursk wurde der Feind bei der Fortsetzung seiner heftigen Angriffe blutig abgewicsen. Auch im Kampfabschnitt von Orel erzielten di« Sowjets bei immer wieder­holten starken Panzer- und Infanterie-Angriffen keinen Erfolg.

Südlich des I l m e u f e c s schlugen di« deutsch«» Truppen er­neute, von Panzern und Scklachtfliegern unterstützte Angriffe der boljchewistischen Truppen in blutigen Kämpfen zurück. Der Feind Halle auch hier schwer« Menschen- und Materialverluft«.

Die Lnftwasse unterstützte an vielen Stelle» der Front die Truppen des Heeres durch Angriffe auf Stellungen, Marsch­kolonnen «ad Trnppenquartiere des Feindes.

Bei der Fischer-Halbinfrl vernichteten Kampsslug, zeug« rin feindlich«« Unterseeboot, ein grohes Frachtschiff wurde in der Kolabncht durch Bombenlleffer beschädigt.

Ein Angriff deutscher und italienischer Truppe» a» der tunesische» Front brachte wertvolle» GelSodegiwinn und fügte dem Gegner insbesondere durch die gute Wirkung der Luft­waffe hohe Verlust« au Menschen. Waffen nnd Fahrzeagen zu. 3» Lusllämpsen und durch Flakabwehr wurden im Mittelmeer, raum 12 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Lei Tagesanflugen der britischen Luftwaffe gegen die Küste der besetzten West,«biete nnd bei nächtliche« Störslügcn mit vereinzelten Bombenwürfen ans einige westdeutsch« Orte verlor der Feind sechs Flugzeuge.

Sin Berbnnd deutscher Schnellboot« griff ta der Nacht znm 27. Februar einen stark gesicherten feindlichen Geleit­zug in unmittelbarer Nähe der englischen Küste an nnd versenkt» aus ihm zwei Dampfer und eine» Tanker mit zusammen 6500 BRT. sowie zwei Bewacher. Im Berlanf des Gefechtes ward- ferner das bewaffnet« brllisch« Bersorgungeschiff „T 381" torpe­diert. Da das Schifs nicht sofort sank, wurde es von der »e- satznng eines Schnellboote» geentert, wobei elf Gefangene gemacht wurde», „T 381“ wurde danach durch Fangschuß versenkt. Der deutsche Schnellbootverband lies ohne Beschädigungen »der Aus­fälle in seine» Stützpunkt ein.

In den Morgenstunden des 28. 2. griffen britische Schnellboote vor der niederländische» Küste ein deutsch«! Geleit an. Hi«rb«i wurden drei feindlich« Schnellboote versenkt und die anderen Boote durch Artillerieseuer der Sicherttttgsftrett- kräste verjagt. Das Geleit lies vollzählig und ohne Schade« ht seine» Bestimmungshafen ein.

Unterseeboote versenkten im Atlantik und im Mittel» meer drei Schifs« mit zusammen 19 000 BRT. und einen Zerstörer. Ei» weiteres Schiff werbe torpediert.

beten Stationen ein. Aufgabe der Redner lei es, den letzten Volksgenossen darüber aufzuklären, dah es in diesem Kamvfe um den Bestand des deutschen Volkes und darüber hinaus um die Sicherung des gesamten europäischen Lebensraumes gehe. Di- Redner der Partei werden kraft ihrer eigenen Überzeugung und aus dem Herze» heraus ihre Zuhörer zu überzeugen misten, sie aus die von ihnen in Zukunft zu erwartenden Aufgaben in aller Offenheit Hinweisen und so einen entscheidenden Beitrag zum Sieg« leisten.

Der Leiter des Gauvropagandaamies, Oberbereichsletter S t ö h r , unter desten Leitung die Tagung stand, gab den Rednern weitere Anweisungen über ihren zukünftigen Einsatz

Die deutsche Frau reiht sich ein

(Fortsetzung von Seite 1)

halb trete ich fanatisch für die Verwirklichung einet echten und wahren deutschen Volksgemeinschaft ein.' Und gerade deshalb fühle ich mich verpflichtet, jeden Störenfried bwier aSolISä gerneinschafl in der deutschen Kriegswirtschaft unnachsichtlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Weil ich den Schicksalskampf unseres Volkes um Freiheit und Brot aus ureigenstem Erleben kenne, deshalb bekenne »ch mtch als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz als geschworener Feind sowohl jeglicher Reaktion als auch von .Rotfront, wenn deren allerdings verschwindend kleine Anzahl böswilliger Sub­jekte es jemals wagen sollte, den Frieden der deutschen Betriebe zu stören. e „ r .

So wird nnd muh die Zahl der sich zur Arbeit meldenden

Männer und Frauen sich mm von Tag z>t Tag gewaltig steigern und damit auch die Gesamtleistung der schaffenden Ration so ge­waltig emvorwachsen, dah auch auf dem Kamvffeld der Arbeit unser aller Todferd, der jüdische Moloch mit seinen vlutokratischen und bolschewistischen Trabanten, uns niemals besiegen kann.

Alle guten, positiven und edlen Kräfte unseres Volkes, alle deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen der Stirn und der Faust, die Mütter und Hausfrauen aus allen Schichten unseres Volkes in der Heimat sind In grenzenlosem Vertrauen, Liebe und Treue znm Führer vereint, um das gröhte Werk der Weltgeschichte zu vollenden und die gewaltigste Tat, vereint mit unseren Soldaten, zu vollbringen: nämlich durch Kampf und Arbeit eine schlechte und feindlich- West zu überwinden, unserem eigenen Volk Frei­heit. Ehre und Leben für alle Zukunft zu sichern und auf dieser Erde unter' den Völkern eine neue und bessere Ordnung der Ee- rechtigkell und der gegenseitigen Achtung zu errichten.

Ritterkreuzträger aus unserem Gau

Berlin, 28. Febr. Der Führer verlieh ans Borschlag des • Oberbefehlshaber» bet Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, das Ritterkreuz des Eisernen Krenzes an: Oberleutnant Glaser. Staffelkapitän in einem Stnrzkampfgeschwader.

Oberleutnant Alexander E l S s e t y am 4. 1. 1914 in Bü­dingen (Hessen) geboren, hat sich auf 500 Feindflügen als hervorragender Sturzkampfslieger bewährt. In rücksichtslosem Ein­satz erzielte er an der Spitze seiner Staffel kampsentscheidende Er­folge. Sieben seinen Einzelerfolgen stehen die Erfolge seiner Staf­fel, an denen ihm dank seiner vorbildlichen Führung ein «roher Teil gebührt. Alexander Gläser ist der Sohn eines 1915 gefallenen Kaufmannes und von Beruf Maler. 3m Mai 1942 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen.

Aber diese innere Ruhe ist äußerste, wache Konzentiiellheit, die dem Zuhörer die feste Zuversicht gibt, dab auch das Technische ober Virtuos« selbstverständlich kommt. Anders ausgebrückt, der Ungar spielt mit einer berückenden Anmut und einer elementaren Musikalität, wird in feiner Empfindung niemals billig und be­wahrt in einer unerhört feinen Artikulation sich selbst oor jeder Untreue gegen die formale Struktur des Werkes. Diese formal- Struttur hörte man in der überlegen gespielten Beethoven-Sonate, bet mit Geist und Gemüt gleicherweise vorgetragen war und mit dem männlich gespielten Menuett und in einem unvergleichlichen crescendo eine erlesen« Kostbarkeit war. Di« Erötz« dieses Könnens' zeigte sich dann besonders in der inneren Spannung, mit der di- schwer« Schumanniche Phantasie zusammengehalten war. Die btet Sätze waren einheitlich beseell und richtig eingestuft. Unirdisck schön in seinem Piano und voller leidenschaftlicher Kraft schlug et in den Bann dieses romantischen Werkes. Dab alle Grazien dem Ungar» beist-he», zeigte der Vortrag der Ghovinstücke. Sie glänzten. Eeschrneid- unter seinen Händen, die dunkle, kraftvolle Ballade As»i>ur op. 47, das Nocturna ois-moll. das. wie Mond en- licht Borüberriefelte. und die kraftvoll-rassige Polonäse. Man war gespannt, wie er nun den Mevhistowalzet bringen würde Dab es kein Reibet würde, davon hatte die Svielkulinr die man beobachtet hatte, überzeugt. Die manuelle Beherrschung war erstaunlich, der Geist aber aus dem gespielt wurde, war der des ganzen Morgens. Die Achtung vor dem Werke des Kompo­nisten, und bte Hingabe und die Sorgfalt, als werde das Werk neu und erstmalig gespielt. Das Bravourstück wurde zu einem innerlichen Werke, in dem der Satan unter höllischem Gelächter und mit infernalisch-eigenwilligem Rhythmus zum Tanze anfsvielt.

Man wünscht, dem Künstlet noch oft zu begegnen. Der Jubel für ihn wat sehr stark. Dr. Heinrich Reichert

' S-tmann Äentier erhält den schwäbischen Komvonifteavrets Aulturminister Mergenthal« verlieh den schwäbischen Komvo- niftenvteis des Jahres 1942 nach Anhörung des Preisgerichts dem Komponisten Hermann Reutter ans Stuttgart, Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt a. M. „in Würdi­gung seines gesamten Schaffens, ans dem die Oper „Odysseus", das Ghorwetk „Gesang des Deutschen“ und die „Thorfantafie" nach Worten von Goethe als jüngst entstandene Tonschövfttng hetvor- zuheben sind“.

Truck und Verlag: 2 «chelltnberglcke Buchdruckerel, Wiesbadener Tagblall,Meebaden Selamtleicmg: Dr.phiLhabil.Eullav Schelleubergund Otte Kaiser. Haupi. schristleiter: Fritz Günther, stmtl, in Wiesbaden Zur Zett ist Preisliste Nr. 10 gültig

im Residenz-Theater

' I.

„Pygmalion" mit Gästsn

An dem entzückend gemeinen und enffetzlich schmutzigen, moralisch aber unversehrten Blumenmädchen Elizawill bereis gefleischte Junggeselle und Lauftorschet Higgins em Experiment machen. Bildung ist Dressur. |o denkt er Mit Sh>m>. und macht die Wette, aus dem unappetitlichen Svrob her (Sofie m sechs Wochen eine Herzogin zu machen. Denn — und btes ift etne wertere Shawsche Überspitzung - mit der Sprache wandelt sich auch die Seele des Menschen.

Natürlich gelingt Shaw bas Experiment. Eliza wird vor unseren Augen schrittweise eine Dame. Aber aiich ihre Seele oaf sich verwandelt und nun kommt die menschliche Verwicklung. Ihr aufgewecktes Menschentum llellt Ansprüche, ihr Herz meldet sich. Und auch der Prosesior. selbst ein unmanierliches Rarchbem. kämpft um seine Eigenart und um sein Junggesellentum. Aber am Schlüsse dieses sehr kräftig geführten Zweikampfes wissen rott: übet dem Experiment um die äußere Bildung ist die Liebe über beide gekommen. Eliza wird bei Sissins bleiben. - .,

Die Aufführung war in otelet Beziehung sehr aufschlußreich. Der rührige Direktor Müller, der das kleine Theater zu einem immer angeseheneren Faktor der Bäderstadt gemacht hack trat dieses Mal mit drei Gästen hervor. Als Spielleiter berief er Fritz Saalf elb von den Städtischen Buhnen «rrankfurt a JUL Dies war ein guter Griff. Man merkt« alsbald den einheitlichen Grundgedanken der Inszenierung. Das Stück, das leicht die Grenze der Satire überschreiten und zum schwanke werden kann, hielt er tm Menschlichen. Der Komik und der Burleske We et schöne Grenzen, uiid baute das Stück um den Lautforscher Higgins vom Sprachlichen her auf. Es klang rote ein leiser Unterton immer mit. daß man in einem solchen Hause auch richtig sprechen und den Klang znm Mitspielek machen müsse. Man spielte S«- wistennaben sürdieOhten.

Als zweiter East stellte sich nach Jahren der ehemalige jugendlicher Held des Deutschen Theaters Wiesbaden. Walther Reqmer vorn Bolkstbeater Wien vor. Er hat nun das Zeug zum schweren Helden in sich. So ergab sich (neben dem etwas vathetifchen Ton, den wir von früher kannten) em Htggins, rote wir ihn sonst nicht gewohnt sind. Kein Snob uno ingendliches Ranhbein sondern ein schwerer Sonderling, ein reicher und seelisch robuster Mann, der das Getue der Gesellschaft mit echter shaw- icker Billigkeit roegroitft. lind der es auch glaubhaft macht, daß er durch Erfolg. Alter und Reichtum dazu ein Recht hat. Aber bei aller seelischen Robustbeit und zynischen Beauemlichkett bleibt et doch Mensch. Am Schlüsse kommt in schöner Steigerung bet menschliche Widerhall auf (Elisas Forderungen zum Durchbruch. Als weiteren Galt sah man Frau Ottilie Eerhäuser als, die

gütige, großzügige und verständige Mutter des Professors. Der Glanzpunkt des Abends wat Traute Sä 16. Wir haben manche Eliza gesehen, keine übertraf sie. Wenn sie sich als Blumen­mädchen mit hartem Platt von der Waterkant und schriller Stimme einführt, merkt man sofort, hier gibt es «in Besonderes. Und bann kam die Wandlung aus der Goffe zur Dame in glaub­würdigen Stufen und die Entfaltung des Herzens vom fachlichen Expetimentieiweikzeng zur Mitleid erregenden Hilfslosigkeft und zum geistvoll vorgetragenen Anspruch des Herzens. Man denke an die tm ganzen Hause spürbare seelische Erschütterung, als sie zum ersten Male „Fräulein Doolittle" angeredet wurde, oder wenn sie mitten im „modernen Plauderton" in den alten Easten- ton zurückfällt. Was der Spielleiter anstrebte, merkte man lebt deutlich an der Figur des Müllkutfchers Doolittle. des Vaters Elisas, dem Shaw feinen ganzen Haß und Hohn über die Ver­logenheit englischer bürgerliche: Moral mitgegeben hat. Man­ders hiell ihn deutlich von der leichteren Form des Säufers weg. Er nähert ihn dem Diogenes, er macht einen Mann dar­aus, der sich zu einer Mischung von Schuft und Wodlanständiskeit entwickelt und wie ein Philosoph der Mülltonne „die Glückselig­keit der unwürdigen Armut" vorträgt gegen di«^ Moral der Bürgerlichkeit. Man klatschte Manders zu dieser Studie aus offener Szene Beifall wie man auch Dora Tillmann mit Sonderlob bedachte, da man sich die Rolle der umsicht-vorsichtigen Wirtschafterin Frau Pearce kaum bester denken konnte. In sckönei Verhaltenbeit und mit gütig-schalkhaften Zügen stattete Gerhard Frtckhöfser den Oberst Pickering aus. Dazu in kleineren Rollen: Else Wesenberg als Fra» Sill, mft Sonate Ru- land und Kurt Strehlen als ihren Kindern und Ludwig K epp er und Oskar Süsse.

Alles in allem ein genußreicher Abend, de» man sich anfegen sollte. Daß man allgemein dieser Ansicht war. vernahm man an bet Ausdauer und der Kraft des Beifalls. Dr. Heinrich Reichert

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Dar Dianfff Gavrg rr. QasarHalyi

Ein in Wiesbaden noch unbekannter junger Mann betritt im Konzert der Kmtstler und Kunstfreunde das Podium, macht fast schüchtern feine Verbeugung und schon »ach den ersten Takten horcht man auf: hier ist das Können weit "über die Jahre gereift und man wird diesen Kamen nicht meht_ unter den Meistern misten. Man hörte von ihm Beethovens JSonate O-dur op. 10 Rr. 2. Schumanns Phantasie op. 17, drei Stücke von Ehopin und das Wagnis, mit dem Mephisto-Walzer Liszts zu schließen. Ein Eindruck vor allem blieb haften: Vasarhelyi bient dem Werk fast bis zum Vergessen des Publikums, und wer wie der Bericht- fteratter weniger die Hände als das Gesicht beobachten konnte, hatte bas Gefühl einet tiefen, fast inbrünstigen Versenkung.

Die bettHge Ausgabe umfaßt 6 Setten