Einzelbild herunterladen
 
  

weite 4 Nr. 48

Wiesbadener Tagblatr

Freitag. 26. Februar 1943

Sretteg Verdnnkelung von 18.59K.54 Uhr

Munterkeit man diese unglaublich anfvannende Leistung von vorhin nicht vermutet. Wie eine Tänzerin auf dem Eis. mkt vollendeter graziöser Körverbeherrschuug. so hat sie sich in rasen­dem Tempo durch die Luft gedreht, als einzigen Sali nur das Verbindungsglied in ihrem Mund, das Ilse in kraftvollem Schwung in kreisende Bewegung fetzt. Daß bei dem hohen Luft­druck manchmal kleine Äderchen in Gesicht und Augen vlatzeu iit etne Tatsache, die mit tapferer Zuversichtlichkeit hingenommen wrrd.Eigentlich wollte ich Sportlehrerin werden" plaudert Melitta in ihrer ungezwungenen Art.Bon früh auf habe ich viel Sport getrieben und mir Bei einigen Wettspielen auch Preise geholt; Ballettunterricht hab' ich ebenfalls genommen, etne trreundrn brachte mich dazu, und bei Wohltätigkeitsfesten bin ich dann auch vor dem Publikuni aufgetreten. Als ich 15 Jahre alt die Arbeit mit Ilse zusammen begann, hatte ich nur diese Vor brldung. keinerlei artistische Erfahrung, aber trotzdem bin ich von 80 Bewerberinnen die einzige gewesen, die sich für diese Nummer geeignet hat."

Ja", fragen wir die beiden Frauen,wie sieht denn nun. wenn der Vorhang gefallen ist, ihr tägliches Leben aus?" Die zwei seufzen ein bißchen:Tia. was dann kommt ist weniger schon. Dann miisien wir halt wieder mit beiden Beinen im Alltag mit allen seinen ständig aufs Neue auftauchenden Schwierigkeiten, drinsiehen: Sie können sich denken, bei uns Artisten find die nicht gerade klein. Allein der unaufhörliche Ortswechsel alle vierzehn Tage stellt uns ja immer wieder erneut vor Probleme, die manch- mal recht schwierig zu lösen sind. Da müsien die polizeiliche An- Meldung besorgt und die Lebensmittelkarten auf dem Wirtschafts­amt abgeholt werden. Hat man dann nach vielem Suchen eine, meist private. Wohnung gesunden, so muß doch auch der kleine Saushalt erst mal wiedr auf die Seine gestellt werden, denn wir kochen vielfach selbst. Aber auch die Einkäufe wollen gemacht sein. d»s ist nicht so leicht in einer gänzlich fremden Stadt, zumal wir

su all diesen Dingen nur so nebenher etwas Zeit haben. Be- rufs- und Alltagsleben stehen sich oft mit unvereinbaren Schwie- rigkelten gegenüber, besonders wenn wir am Tag in zwei bis drei Vorstellungen aufzutreten haben. Wir müfietr uns ja auch danach richten, wann die Geschäfte geöffnet sind, wie leicht kann- uns heute geschehen, daß wir vor verschlofienen Türen stehn es ist halt ein Kampf ums tägliche Brot im buchstäblichen Sinn des Wortes.Eine Leistung >ür sich, die Sie da im Alltag, neben der artistischen auf der Bühne. noch zu vollbringen haben'" meinen wir Die Mädchen lächeln:Ja, vielleicht - aber auch wir Artisten stehen ia tm totalen Krieg und wir tragen und helfen gern un,er Teil im großen Kampfe mit." E. M. Saemann

Wiesbadener Nachrichten

Das großeL" im Glockenturm

. P£; ®ie schweren Kampfwochen hat das Lehrregiment hinter ! [ wr Stunde ist der Eezechtslärm noch nicht verstummt,

nimmt sogar fortwährend an Stärke zu. Das taktische Zeichen «reses Regiments, ein großesL in einem Glocken türm, ist längst zum Begriff geworden. Wo es auf tiefoerfchneiten Marschstratzen -nvischen den niedrigen Häusern zerstörter Dörfer und Städte an Fahrzeugen und Geschützen sichtbar wird, da heißt esDas ist das Lehrregiment. Wo es zum Einsatz kommt, da brennt's!"

Wahrlich, das waren Einsätze, brennend und eilig, Sie gleich rn den ersten Tagen an der kalten und doch so heißen Abwehr- front des Ostens von sich reden machten. Was die Heimat von diesen Lehrtruvven erwartete, für deren beispielhafte Ausbildung auch etne besondere Auslese bewährter Führr wirkt, das haben Schuler und Lehrer allein schon in den erfolgreichen Kämpfen um mehrere strategisch wichtige Brückenköpfe bewiesen. Ob es im Augenblick die Sturmgeschütze sind, die aus ihren Stellungen kaum noch einmal herauskommende 7. Kompanie der Panzer- Grenadiere oder die ruhelose Arbeit in dem Eesechtsstand des -negiments. bleibt sich gleich, überall ist es ein Einsatz taktischer Höchstleistungen, deren vorbildliche Planmäßigkeit in einem wohl­tuenden Gegensatz steht zu dem immer wieder versuchten wilden Ansturm des Gegners.

Auch im Augenblick wieder versetzt das Lehrregiment durch die erfolgreiche Taktik feiner beweglichen Verteidigung den sowjetischen Kräften schwere Schläge. Dicht vor den gegnerischen Stellungen stehen die deutschen Bataillone, sichern zu jeder Minute, mit dem Auge am Feind, nicht nur ihre Abschnitte, son­dern holen zu jeder Stunde auch zu vernichtendem Schlag aus. Eben wieder haben Panzer-Grenadiere unter schweren Verlusten des Gegners zwei feindliche Kompanien aus der Ortschaft ver­jagt. während aus einer anderen Stellung dem Negimentskom- mandeur die Vernichtung mehrerer schwerer Sowjetpanzer gemel- dent wird, die die stattliche Reihe der bereits zur Strecke gebrach­ten täglich größer macht.

Da steht eben vor dem Kommandeur der Gefreite Müller, ein richtiger Grenadier, der dem Obersten meldet, daß er endlich, je­doch auf Umwegen, die beinahe an die Irrfahrten des Odysseus erinnern, sein altes Lehr-Regiment gefunden habe. Als letzter, der noch zu dem Lufttransport nach dem Osten gehörte, war er unterwegs infolge einer Maschinenvanne an einem Flugplatz zu­rückgeblieben DieZackigkeit" dieses Achtzehnjährigen bestach «ine Einheit der Luftwaffe derart, daß sie ihn am liebsten als einen willkommenen Ausbilder für sich vereinnahmt hätte. Doch der Gefreite Müller kannte nur ein Lehr-Regiment, und dazu nur ine Sehnsucht, sich bald bei besten Kommandeur melden zu können. Tagelang war er aus Lastkraftwagen. Krafträdern und allen Fahrzeugen, die ihm gerade in den Weg kamen, unterwegs. Wo eine Kolonne auftauschte, hängte er sich hinein. Wollte man ihn aber aus völlig unverdientem Verdacht, daß er etwa aus einer krummen Tour" reife, schnappen, dannbaute" er nach feinen unverfälschten Landserworteneine Mücke", er war auf und davon. Mit seinen ehrlichen Augen stand er jetzt seinem Obersten gegenüber. Der Kommandeur schlug ihm herzlich aus die Schulter und ließ ihn wissen, wie stolz er auch auf diesen seiner Männer fei. der ihn übrigens nach eiltet schweren Verwundung im Mittel- abschnitt vorigen Jahres verbunden hat.

In. dem Regimentsgefechtsstand des Kommandeurs sind in­zwischen neue Gestalten, vermummt und mit kälteerstarrten Ge­sichtern eingetreten. Sie alle gehören zu jenen, die mit Stolz ans das große .J/ in einem angedeuteten Elockenturm schauen und unter seinem Zeichen Stunden der härtesten Bewährung erlebten. Sie bestehen alle Proben, die ihnen das Schicksal hier aufzwingt. Immer wieder ist es derselbe feste Händedruck, mit dem ihnen ihr Moinmanbeut die Größe ihrer Verpflichtung bestätigt: sie liegt in dem stillen, unausgesprocheiien Bekenntnis zu einem stolzen Regi­ment. über dessen Bataillonen und Kompanien ein großes L> leuchtet. Kriegsberichter Dr. Johannes Neumann.

Strategen der Verpflegung"

Den Bahnhofswirtschaften grober Bahnhöfe fällt in der gegen­wärtigen Zeit mit ihren kriegsbedingten Einschränkungen und Erschwernissen eine wichtige ernährungswirtschaftliche Ausgabe zu. Mit Ankunft der Züge gilt es. Massen <yt Reisenden mit Speise und Trank abzufertigen. Daneben sind noch manche Sonderaus­gaben zu lösen, wie z. B. Verpflegung von Transporten aller Art, zugleich müsien sich diese großen Verpflegungsstatten sorgfältig an die jahreszeitlich jeweils anfallenden Lebensmittelkarten hal­ten, die Nahrungs- und Eenubmittel rechtzeitig heranschaffen, schnell und vorteilhaft verarbeiten und ansprechend und schmackhaft subereiten. Betriebsführer und Eefolgschafter sind daher wahre Strategen der Verpflegung." Die Bahnhofsgaststätte einer süd­deutschen Großstadt verabreicht beispielsweise wie dasArbeiter- tum" in seiner neuesten Folge schreibt, täglich über 1000 Mittag­essen und ist imstande, jeden Tag bis zu 6000 Menschen zu ver­sorgen. Die eigene Bäckerei liefert Tag um Tag rund 6000 Bröt­chen und 2000. Brotleibe. Darüber hinaus sind die Räume dieser Gaststätte anheimelnd hergerichtet, so daß sich der Reisende darin wirklich als East fühlt. Ein gut ausgestatteter Sanitätsraum, dem eine ausgebildete Schwester vorsteht, steht den Reisenden zur Verfügung. Außerdem hat diese Gaststätte aber auch ihre betrieb­lichen Einrichtungen und Arbeitsräume nach modernsten Grund­sätzen gestaltet, wodurch der Ablauf der umfangreichen und viel­seitigen Tätigkeit im Dienste der Reisenden wesentlich erleichtert und beschleunigt wird.

Groh-Konzert des Musikkorps der Leibstandarte f# Adolf Hitler

Die NSE.Kraft durch Freude" veranstaltete in Verbindung mti der Kurverwaltung am gestrigen Donnerstag im groben Saale ein Eroßkonzert, für dessen Ausführung das Mufikkorvs der Leibstandarte ffAdolf Hitler" herangezogen war. Das unter der Leitung von Leibstandarten-Obermusikmeister Hermann Müller-John stehende, 86 Mann starke Blasorchester erwies sich als Klangkörper von bezwinglicher Zucht, rhythmischer Exaktheit und sorgfältig bedachten dynamischen Schattierungen. In drei Abteilungen wickelte sich das reichhaltige Programm ab. DerFestmarsch" von Richard Straub bildete den klangprächtigen Auftakt. Nach ihm kam dieTannhäuser"-Ouvertüre von Wagner, "eAufforderung zum Tanz" von Weber und die sinfonische DichtungLes Prsludes" von Liszt zum wirkungsvollen Klingen, die alle ihres starken Eindrucks auch in der Bearbeitung für Blech­musik nicht verfehlten. Zum Schluß erfreute das Mufikkorvs der Leibstandarte noch durch die schwungvolle Wiedergabe der Ouver- tüur zur OverWilhelm Tell" von Rosiini und betrat zuletzt mit dem großen chronologischen PotpourriHistorische Märsche", bear­beitet von Kaiser-Hachenberger, fein eigentliches Wirkungsgebiet, mit dem dem Abend ein glänzender Abschluß gegeben wurde. Hermann Müller- h n gab in allen Darbietungen mit sicherer, anregender Hand feine Zeichen und zwang [eine Musiker­schar zur bereitwilligen Gefolgschaft. Reben den instrumentalen Vortragen boten die Musiker dem Programm durch klangschöne, reichfchattierte Chorvorträge unter Leitung von ff-llnterfcharführer Wilhelm Roos willkommene Abwechslung. U. a. hörte man ein ttef empfundenes altdeutsches LiebesliedHeut' hab' ich die Wacht" im Satz des Dirigenten, sowie das gefühlssinnigeLied im Volks­ton und das in der Stimmung gut getroffeneRegiment List" aus dessen gewandter Feder und das seines unmittelbaren Ein­drucks stets sichereKamerad, komm" von Klughardt. Die zahl­reiche Zuhörerschaft war von den Darbietungen sehr angeregt und zeichnete sie durch herzliche Beifallskundgebungen aus. Fritz Zech

Zwischen zwei Wegen haft du die Wahl?

Du haft keine Wahl!

Der härtere ist der deine!

Die Frau im Strabeubahudienst. Unter den im Stiaßen- bahndienst beschäftigten Frauen haben sich die Ehefrauen von Mitgliedern des Fahrversonals als besonders tüchtig erwiesen. Insgesamt beträgt der Anteil verheirateter Frauen an der weib­lichen Gefolgschaft der deutschen Straßenbahnen 75'/«. Ein großer -teil wurde aus der Textilindustrie übernommen.

Gruppe aus 6cm Zauberbuch von Erzeruni

Liescl Schanz als Prinzessin, Helmut Vetter als Feldherr, Hedi Döhler als Inderin, Sophie D ä h l e r als Vogel.

(Photo:Tagblatl", R.)

Großer Lebensmittelkariendiebstahl

5000 RM Belohnung für die Ermittlung der Diebe

In der Nacht zum 23. Februar wurden mittels Einbruchs in die Bezirksstelle Köln-Mülheim, Pestalozzistroße, 750 voll­ständige Sätze Lebensmittelkarten für Kinder bis zu 3 Jahren, 500 Sätze für Kinder von 3 bis 6 Jahren, 950 Sätze für Kinder von 6 bis 10 Jahren, 950 Sätze für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. 1000 Reichseierkarten und 10 000 Fleischsonderkarten zum Bezüge von je 200 Gramm Fleisch gestohlen. Vor einem Ge­brauch sowie vor Ankauf der entwendeten Karten wird dringend gewarnt. Wo sind Lebensmittelkarten angeboten worden? Für die Aufklärung des Diebstahls ist eine Belohnung in Höhe von 5000 RM ausgesetzt worden. Keinen Anspruch auf die Belohnung haben Beamte und Angestellte, zu deren Aufgabengebiet die Aufklärung strafbarer Handlungen gehört. Mitteilungen, die aus Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Der Rundfunk am Samstag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsvrogramm: 12 Uhr Militärmufik aus Kassel. 16 Uhr Bunter Nachmittag, 2015 Uhr Musikalische Charakterstücke, 21 Uhr Dreißig beschwingte Minuten. 21.30 Uhr Zur Unterhaltung. Im Deutschlandsender: 11.30 Uhr Über Land und Meer (Musiksendung). 17.10 Uhr Sinfonische Musik (Leftung Sans Rosband). 20.15 Uhr 200 Jahre Berliner Staats« ooer (Wiederholung).

Die Frontkämpserzulage für Weltkriessteilnehmer. Es ist die im Jahre 1934 für die beschädigten Frontkämpfer des Welt­krieges geschaffene Frontzulage vom 1. Avril 1943 ob für die Schwerkriegsbeschädigten von 5 RM aus 10 RM monatlich.erhöht worden.

Hinweis des Arbeitsamtes. Es liegt Veranlasiung vor. alle Betriebsführer darauf hinzuweisen, daß ausländische Arbeits­kräfte. gleich welcher Nationalität, nur eingestellt und beschäftigt werden dürfen, wenn die vorherige Genehmigung des Ar­beitsamtes vorliegt. Betriebsführer, die ausländische Arbeits­kräfte ohne vorherige Genehmigung des Arbeitsamtes beschäftigen oder einftellen. werden nach Maßgabe der Verordnung über aus­ländische Arbeitnehmer vom 23. Jan. 1933 in Verbindung mit S 2o8 AVALE, oder der Derordung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels vom 1. Sevt. 1939 §411 bestraft.

DasW. T." gratuliert. Fräulein Margarethe L u d w i g, Adclhcidstraße 61. begeht nm 27. Februar in geistiger Frische ihren 75. Geburtstag.

Wie der Himmel hinter denKulissen aus schaut

Alltag des Artisten

Richt der richtige Himmel natürlich! Der strahlend-flimmernde Variete-Himmel ist gemeint, an dem allabendlich die Sterne arti- tischer Spitzenleistung ihren ganzen Glanz entfalten. Den Glanz, der seine Leuchtkraft nur, von dem auf das stärkste konzentrierten menschlichen Einsatz empfängt, der Hinter diesen Darbietungen von so berückender Leichtigkeit steht. Mit hineingerisien werden sollen die alltagsmüden Zuschauer in den Wirbel der Schwere­losigkeit, in das schwebende Eviel . . .

Dafür setzt er ihnen, den Artisten, umso hartnäckiger zu, der Alltag er läßt sich nicht um seinen Preis betrügen. Wer von all' den vielen Beifall Klatschenden denkt daran, wenn er die in der ganzen Welt einmaligen Darbietungen der beiden, gegen­wärtig in Wiesbaden gastierenden Luftakrobatinnen Ilse und Melitta sieht, was in Wahrheit hinter einer derartigen Vorführung steht: wieviel kühne und eiserne Energie in diesen jungen Geschöpfen steckt, die mit einer nahezu tänzerischen Anmut ihre kraftraubenden Leistungen zeigen.

Wir sitzen mit den beiden Künstlerinnen zusammen, die mit einer bezaubernd aufrichtigen Schlichtheit von ihrem Alltag plaudern.Ja" meint Ilse,es kommt schon vor. daß wir die Nacht durch im Zug fahren müssen. Sitzplatz gibts auch oft keinen aber am anderen Tag steigt die Vorführung dbch! Und Müdig­keit, Erkältungen jetzt im Winter, oder sonst irgendwelche Krank­heiten. die gibts nicht, bei uns gehts immer weiter. Sechs Jahre führen wir unsere Nummer jetzt vor. Ferien haben wir nur zwischen den einzelnen Engagements. In Thüringen haben wir uns ein Häuschen gekauft, da ziehen wir fväter einmal hin, mein Mann und ich, wir freuen uns schon draus. Wir wollen dann dort eine Pension aufmachen." Wenn man Ilse, die das alles fo unauf­dringlich und einfach erzählt, anfchaut, dann hält mens gar nicht für möglich, daß diese fast zart anmutende junge Frau kurz zuvor in schwindelnder Höhe schwebend, an einer, nur mit den Zähnen gehaltenen Verbindungsstange, die 100 Pfund wiegende, blonde Melitta in tollem Schwung durch die Luft herumgewirdelt hat. Ilses Mann, der ebenfalls bei uns sitzt, hat diese Nummer, die noch niemand bisher nachahmen konnte, ausgedacht. 32 Jahre stand er selbst im Artisten-Berus. hatte eine eigene kleine Truppe, mit der er seine kraftathletischen Künste ausführte: durch einen Unfall bei einet Vorführung mußte et dann diese Art der Berufs­ausübung aufgeben. Ein Jahr lang etwa wurde geübt, bis diese ausgefeilte Leistung, die wir jetzt bewundern, erreicht wat. Ja. und wie haben Sie sich denn als Partnerinnen gefunden, fragen wir die beiden Mädels.Auf eine Anzeige hin" lacht die 21jährige Melitta, ein frisches, temperamentvolles, junges Ding, hinter deren

Hotels im Kriegsgewand

Der Leiter der Wirtfchaftsgruppc Beherbergungsgewerbe hat nun auch die Anweisungen für die Umstellung der Beherbergungs- betriebe auf die Erforderniffe der totalen Kriegführung erlasien. Danach kommen Beherbetgungsbettiebe sowie damit verbundene Gaststätten mit Ausnahme der Bars für die Schließung grundsätz­lich nicht in Betracht, da der vorhandene. Bettenraum für den Betufsreiseoetkehr, für Kuren in Heilbädern und für anderen im Krieg berechtigten llntetkunftsbcdarf gebraucht wird und die Be­herbergungsbetriebe für kriegswichtige Aufgaben der Wehrmacht, der Kindetlandverschickung der NS.-Volkswohsahtt usw. zur Ver­fügung stehen müssen. Zuwiderhandluitgcn werden mit Ordnungs­strafen bis zu 10 000 RM belegt. Aus den Richtlinien des Rcichs- wirtfchaftsministers geht erneut hervor, daß Erholungsreisen, fo- fern sie gesundheitlich begründet sind, nach wie vor zu den kriegs­wichtigen Bedürfnissen der schaffenden Volksgenosien gehören. Die Prüfung der Berechtigung ist durch die früher er­gangenen Anweisungen zur Lenkung des Fremdenverkehrs im Kriege hinreichend gesichert. Ähnlich wie in den Restau­rants. sind auch in den Hotels männliche Arbeitskräfte, soweit es sich um Inländer handelt, weitestgehend durch Frauen zu ersetzen. Das gilt vor allem für Fahrstuhlführer, Pagen. Kellner, Köche usw. Arbeitskräfte, die den Gästen besondere Annehmlichkeiten bieten. j._ B. Türsteher, Platzanweiser, Zeitungs- und Tabak­warenverkäufer. dürfen in den Beherbergungsbetrieben nicht mehr verfügbar gehakten werden. Für den Bürodienst sind, soweit möglich, Kriegsversehrte bevorzugt einzustellen. Die Beschäftigung von Musikkapellen in den Vehcrbergungsbetrieben. soweit es sich nicht um dem Betrieb zugehörige ausgesprochene Kaffees handelt, ist einzustellen. Die Bedienung auf dem Zimmer entfällt bis auf bettlägerig Kranke und unabweisbare Sonderfälle. Sonderver- onftaltungen sind nach der Teilnehmerzahl zu beschränken und mit einer Mahlzeit in einfacher Form durchzuführen: die örtliche Polizeistunde ist einzuhalten. Der Bahnhofsdienst der Bc~ Herbergungsbetriebe ist in weitestgehendem Umfange cinzufchrän- fen. Botengänge außerhalb des Hauses sind nur in unabweisbaren Fallen auszuführen. Unzeitgemäße Überbeanspruchung des Etagen Personals, der Zimmermädchen und Hausdiener durch den East hat zu unterbleiben. Schaueinrichtungen für Vorspeisen, z B Vor,peisewagen, dürfen nicht mehr verwandt werden. Die Lei­stungen her Küche find den Äriegserforbetniffcn anzupassen.

Kit,ne Marktumschau für die Hausfrau. Dem Kalender- stände entsprechend herrscht auf dem Markte durchaus das Sauer« gemufe vor. Sehr erfreulich ist es. daß der fo gesunde Rettich weiterhin reichlich und im Freiverkauf angeboten wird. Er gibt tob einen guten Salat, auch einen kräftigen Brotbelag und gekocht etn den Rüben ähnliches Gemüse. Von den Rüben Rnb die beliebten weißen Rüben, die sich auch ausgezeichnet mit Rettich mychen lasten, des öfteren im Freioerkauf zu haben. Die Erdkohl­raben sind aber nicht weniger wohlschmeckend. Man kann sie nicht nur kochen und in einer gebundenen Soße antichken, man kann sie auch, drewiertelweich gedämpft, in Scheiben schneiden und mit em wenig Fett in der Pfanne backen. Von den Kohlgemüsen werden Rotkohl (Blaukraut) und Weißkohl angeboten, häufig, und »um Teil sogar im Freiverkehr, Winterkohl (Grünkohl), besten gefunbbeitsfprbernbe Eigenschaften nicht vergessen werden dürfen. Letztere kommen auch bann voll zur Auswirkung, wenn man nicht so viel Fett daran tun kann, als man cs im Frieden gewöhnt war Sehr willkommen bleibt allen Hausfrauen das italienische Fenchelgemufe. Auch wer sich zuerst ait dem starken Eigengefchmack etwas stieß, hat sich jetzt daran gewöhnt und ist es sehr gerne Man darf auch nicht versäumen, es gelegentlich fein geraspelt, roh als Salat zu genießen. Überhaupt sind alle Salate, alle Roh­kost. ,etzt beionbers wichtig, um in der gegenwärtigen Jahreszeit leicht eintretende Wintermüdigkeit zu vertreiben. Diese Winter Müdigkeit hat ihre Ursache in einem jahreszeitlich bedingten Vitaminmangel, läßt sich also durch Vitaminzufuhr ausgleicheu Gehackte Eartenkreste auf Brot. Feldsalat, den es jetzt auch wieder gtbt. rohes Sauerkraut, Zitronensaft enthalten viel 0-Vitamin muyen also ausgenutzt werden. Möhren, die wenn auch nur in kleineren Mengen, immer mal wieder verteilt werden, sind al» A- und L-Vitamin-Versorger besonders wichtig. Richt vergesteii darf man aus den gleichen Gründen die rhein-mainifche Speziali­tät, dieErie Soß'" (Grüne Soße).

Das deutsche Originalei. Die Sauptoereinigung der deut­schen Eierwirtschaft hat im Zuge der Verwaltungsvereinfachung und der Freimachung von Kräften für den Kriegseinfatz eine An­ordnung über deutsche Originaleier erlasten, die eine wefentliche Vereinfachung und Arbeitserfparnis bringt. Die Eierwirtfchafts- »erbänbe können anordnen, daß alle von den Erfaffungsstellen auf- gekauften Hühnereier nur als deutsche Originaleier in den Ver- kehr gebracht werden bütfett. Eine Sortierung nach Eewichts- gruppen durch die Kennzeichnungsstellen findet nicht statt. Der (Et» »cuget kann infolgedessen auch Kinder und sonstige Aushilfskräfte mit der Eierablieferung beauftragen. Der Eiersammler spart er­heblich an Zeit, weil bas Wiegen wegfällt und bas gesamte Ab- rechnungsverfahren vereinfacht wirb. Die gleiche Erleichterung tritt für bie Kennzcichnungsstelle ein. Deutsche Originaleier entsprechen in her Qualität den bisherigen SandelsNasteneiern. Sie müssen von her Kennzeichnungsstelle durchleuchtet werden, wobei mhtbete Qualitäten auszuscheiden find. Das Mindestgewicht des einzelnen Eies soll 45 Gramm Betragen. Für den Verbraucher ergibt sich ans der Neuregelung in keiner Weise eine Verteuerung, da er jetzt bie verschiedenen Größen zu einem einheitlichen Preis kaust Der Stückpreis für beutsche Originalerer beträgt nach bet gleichzeitig ergangenen Anorbnung des Reichskommiffars für bie Bretsbtlbuug in bet Zeit vom 1. Februar bis 15. November 12 Pfg. und in bet Zeit vom 16. November bis 31. Januar 14 Pfg. Anssortierte Siet kosten 10,5 bztv. 12,5 Pfg., Kühlhaus- und konservierte (Set 11 Bfg.