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Montag, 22. Februar 1943

Wiesbadener Tagblatt

Nr. 44 Seite 3

1300 tote Bolschewisten tn einer einzigen Ortschaft

BovLenvolltrener bringen sowjetische Panzerootstöße ins Stocken

Berlin, 21. Sebr. Die bolschewistische Angrisistätigkeit an der Ostfront war im Verlaus des 20. Februar infolge der erlittenen schweren Verluste und infolge des zur Zeit vor­herrschenden Tauwetters etwas schwächer als am Vortage. So führten die Bolschewisten im Gebiet des Kuhanbrücken- iopses. wo Nachschubbewegungen durch grundlos ver­schlammte Straßen zur Zeit sehr erschwert sind, nur örtliche Vorstöße durch. Verbände der Luftwaffe fügten den Sowjets in dieseni Raum in zahlreichen Einsätzen wieder emviind- liche Verluste an Truvven und Nachschubmaterial aller Art zu. Sie griffen bei bewaffneter Aufklärung erkannte sowjetische Kolonnen im Raum nördlich Krasnodar mit be- ioirderen Erfolg an. Durch Bombenvolltreffer tn Transvort- zügen und Babnhofsanlagen wurden in dem für den sowjeti­schen Nachschub besonders wichtigen Eiienbabitnetz des mitt­leren Kaukasus erhebliche Zerstörungen hervorgeruien. Schwere Bomben deutscher Sturzkamvfslugzuge schlugen in Truvvenausladungen. die von den Sowjets auf dem schmalen Strandstreisen bet Noworossijsk durchgefübrt wurden, um ihren Landekovf zu verstärken.

An den Fronten zwischen dem Asowschen Meer und dem Raum südlich Orel schlugen unsere tavseren Truvven zahl­reiche feindliche Angriffe zurück und schossen 61 Sowietvanzer ab. An mehreren Frontabschnitten gingen deutsche Ver­bände zu Gegenangriffen über, die zu örtlichen Erfolgen

führten. Bet einem erfolgreichen (5egenangtnt emps deut­schen Dibiüonsverbandes wurden allein im Bereich einer vom Feind hartnäckig verteidigten Ortschaft 1300 tote Bolschewisten jestgestellt An einer anderen Stelle ging die Stoßgruvve einer deutschen Panzerdivision nach Abwehr mehrerer feindlicher Angriffe überraschend zum Gegenstotz gegen einen feindlichen Panzerverband vor. der zum Angriff auf einen benachbarten Frontabschnitt angeletzt war. In barten Kämmen verlor der Feind 800 .tote und 7 Panzerwagen.

Die Truvven des Heeres wurden bei ihren Abwehr­kümo fen und Gegenstößen wirksam durch heftige Luit- anariffe deutscher Kamoffliegerkräfte unterstützt. Infolge rollender Einsätze deutscher Sturzkamvsflugzeuge und -im Tiefflug angreifender Zerstörer und Schlachtflleger gerieten sowjetiiche Panzervorstötze ins Stocken. Acht bolichewlstucke Panzer wurden dabei verilichtet. zahlreiche von j.rattoren gezogene Geschütze blieben bewegungslos liegen, und tn Fahrzeugkolonnen des Feindes wurden über 100 motorisierte und beinannte Fahrzeuge durch Bombenvolltreffer zerstört.

Im Verlauf des 20. Februar gelang es Grenadieren eines Regiments, das int Frontabschnitt südlich Drei einge­setzt ist, kur, hintereinander zwei im Tiesslug die Stellung anqreifende bolschewistische Schlachtflieger mit ihren leichten Infanteriewaffen zur Strecke zu bringen.

Zahlen, die nicht fortgelogen werden können

Einzelheiten zur Versenkung de« britischen Truppentransporters „Ceramic“

Berlin, 20. Febr Am 6. Dezember 1942 versenkte westlich bet Azoren, wie die Deutsche Sondermeldung vom 9. Dezember mit­teilte, ein deutsches Unterseeboot unter Führung des Kavitanleut- nants Werner Senke den 18 713 BRT. groben britischen Irans« votier „L e r a m i c". Es ist jetzt erst möglich, Einzelheiten von diesem bedeutenden Ersolg des deutschen Unterseebootes bekannt­zugeben. Von den Soldaten, die unter dem Schutz der britischen Marine über Meere und Ozeane transportiert wur­den, so behauptete Churchill im Unterhaus, feien nur 1348 getötet worden oder ertrunken. Wenige Tage vor der Ver­senkung der „Ceramic" muhte aber das USA.-Marineministerium bereits zugeden, dah im Zusammenhang mit den Landungen in Französisch-Nord- uno Westasrika, wie seinerzeit auch von uns ge­meldet, fünf große Truppentransporter mit zusammen 53 000 BRT. untergingen. Es handelt sich um die ehemaligen jetzt umgetauften USA.-Passagierdampfer „Präsident Cleoelanb". 12 568 BRT.. „Präsident Pierce', 12 579 BRT.. „Exeter", 9360 BRT., „Exali- bor“. 9359 BRT und „Santalucia". 9135 BRT.

Da auch diese amerikanischen Transporter unter britischem Geleit fuhren, erscheint die z a h > e n m ä h i g e A mg a b e Chur­chills ohne weiteres als unglaubwürdig. Der britische Premierminister wird nun durch die Schilderung des Unterfee, bootskommandanten Kapitänleutnant Werner Henket gründlich widerlegt.

Als Henke den großen Transporter angriff, 'mußte er wegen des schlechten Wetters und der schweren See den Torpedodoppel­schuß aus nächste.' Entfernung abfeuetn. Dem U-Bootkominan- danten war cs klar, daß das Schiff bei dem von Minute zu Minute zunehmenden Sturm tn kurzer Zeit auseinanderbrechen

würde. Die See war so schwer, daß das Unierseeboot die schwer rollende und stampsende, völlig abgedunkelte „Ceramic" nur mit äußerster Kraft verfolgt und erreicht hatte. Sofort nach den lotpebotreffern verlor die „Ceramic" ihre Fahrt.

Die Rettungsmanöver am Oberdeck der „Ceramic" machten zunächst einen geordneten Eindruck. Doch immer mehr Männer auollen aus dem Schiffsinneren hervor, und bald herrschte a n D eck ein völliges Chaos. Offenbar war ein großer Teil der britischen Soldaten schwer seekrank, so daß sich ordnungsgemäße Rettungsmanöver nicht durchführen ließen. Die zu Wasser ge­brachten Rettungsboote wurden von den anlaufenden Seen erfaßt, gegen die Bordwand geschleudert und leck geschlagen. Auch die herabgeworfenen, Flöße erlitten Beschädigungen so daß sie bald unterfingen. Erst im Alorgengrauen des nächsten Tages — die Windstärke steigerte sich bis zum Orkan — konnte Henke nochmals in das Trümmerfeld fahren. Der Sturm hatte die zerschlagenen Flöße und Boote weit auseinanbergetrieben. Zwischen den Trüm­mern schwammen Hunderte in ihren Schwimmwesten hängende tote Soldaten. Das Unterseeboot konnte nur einen Überlebenden retten, den Pionier Eric Munday, Dienstnummer 21 48 745. Nach dessen Aussage waren 2000—3000 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften britischer Pionirregimenter, Matrosen der „Roval 'Hantr und Besatzungsmitglieder ay Bord. Ähnliche Szenen wie auf der „Ceramic" spielten sich bei der Versenkung anderer Trup­pentransporter ab. Insgesamt betrugen im Dezember die bri­tischen und nordamerikanischen Verluste an Soldaten, die auf dem Wege nach Rordasrika und England waren, über 15 000 Mann.

Das sind Zahlen, die Churchill nicht zu widerlegen vermag.

Der Gesundheitszustand Gandhis weiter verschlechtert

Churchill sucht die Verantwortung für das

Eens, 21 Febr. Rach Mitteilung des Londoner Nachrichten­dienstes am Sonntagvormittag hat sich der Z u st a n d Gandhis sehr verschlechtert.

Wie der Allinüische Rundfunk meldet, wurde die von den Äon» greßmitgliedern in Bengalen gefaßte Entschließung aus sofortige Frei^affung Mahatma Gandhis a n Churchill und Amern gekabelt. Eine Abschrift der Ent­schließung wurde Roosevelts persönlichen Vertreter, in Indien, Philips, übermittelt.

Der Sekretär des britischen Vizdkönigs hat daraufhin an Sapru, eine führende politische Persönlichkeit in Indien, einen Brief geschickt, in dem es l> ißt, daß Gandhi ganz allein die Ver­antwortung für fein Fasten trage. Auch könne nur er allein ihm ein Ende setzen.

Dieser Brief ist die Antwort Churchills auf die Entschließung in der die bedingungslose Freilassung Gandhis gefordert wurde.

In ganz Indien wurde am Sonntag ein Tag des Ge­betes für Gandhi abgehalten, meldet Reuter aus Bombay. In den Tempeln, Moscheen, christlichen Kirchen und an anderen Gebetsstätten wurden Gebete für Gandhi gesprochen. Mehr als fünfhundert Studenten versammelten sich am Samstagabend im Garten der Universität von Bombay zum Gebet. In Neu-Delhi forderte der Führer der Sikhs, Tara Singh, alle Sikhs auf, im Gebet Gandhis zu gedenken.

as. Die Sage in Indien macht den Engländern recht erhebliche Sorgen, da.die neuesten Meldungen von einer weiteren Ver­schlechterung im Befinden Gandhis sprechen. Der Londoner Nach- richtendienst sah sich bereits zu der Mitteilung veranlaßt, daß Gandhis Leben wahrscheinlich nicht gerettet werden könne, wenn er nicht fein Fasten einstelle. Der „Manchester Guardian" sieht die Gefahr und er ist sich offenbar vollkommen klar darüber, daß Gandhis Tod auf das Schuldkonto Englands kommen würde und

Leben des Mahatma van sich abzuwälzen

schreibt bereits: „Müssen mir nicht alles tun, um zu verhindern, daß Gandhis Fasten die letzte schwache Hoffnung auf Herstellung der Ruhe in Indien zerstört, denn was würde geschehen, wenn Gandhi stirbt?" Von verschiedenen indischen Seiten wird denn auch erneut an die Regierung appelliert, Gandhi aus der Hast zu entlassen. Der ViZekanig hat alle derartigen Gesuche a b - lehnend beantwortet. Man darf auch nicht übersehen, daß es für Gandhi nicht um seine Haftentlassung, sondern um den Frei­heitskampf des indischen Volkes geht, den er durch Einsatz seiner Persönlichkeit vorwärts zu treiben beabsichtigt. So wurde schon gemeldet, Gandhi würde auch na cheiner etwaigen Haftentlassung sein Fasten fortsetzen, da London zu Zugeständnissen an die Indier nicht bereit sei. Ja, es gibt konservative Kreise, die durchaus das Ableben Gandhis begrüßen würden in der Hoffnung, daß bann der indischen Freiheitsbewegung einer ihrer größten Führer ge- nommen würde. Immerhin habe man es doch für nötig gehalten, über die Lage in Indien auch mit den Amerikanern zu sprechen. Der englische Botschafter in Washington, Lord Hali­fax, hat dieses Thema mit dem Außenminister Hüll erörtert Hüll und den Amerikanern ist natürlich das Schicksal des indischen Volkes höchst gleichgültig. Sie werden lediglich versuchen, ihren Einfluß in Indien meitftt zu stärken.

Ansteigen der Geburtenziffer in Japan

Tokio, 21. Febr. Japans Bevölkerungszahl hat trotz der Kriegszeiten in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Zunahme erfahren, stellt die Wirifchaftszeitung „Tokio Kaize" fest. Den statistischen Aufzeichnungen zufolge betrug die Zunahme der Be­völkerung im Jahre 1937 970 000. 1938 670 000, 1939 630 000. 1940 920 000 und 1941 1070 000. Vor Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges wurden im Durchschnitt jährlich 2 110000 Geburten und 1 200 000 Todesfälle gezählt.

Die Margret vom Einödhot

Roman O6n R r 1 e t (g r 11 e t • 20. Fortsetzung

„Ich will kein Schmiergeld!" Hans sah den Grabner scharf an. „Redest ja gut zum Vorteil von dem zukünftigen Schwiegervater des Vitus!" fetzte er hohngetränkt hinzu. „Schließlich braucht doch der Bauer nichts für sich, alles gehört der Margret, und wenn sie der SituS heiratet, was ja wahrscheinlich nicht mehr' lange dauern .wird, dann gehört doch wieder alles dir!"

„Mir?" Der Graßner lachte ein grelles, unschönes Lachen. „Mir gehört nur das, was ich mir bis setzt selber verdient hab'!" brummte er gallig. „Was dem Vitus gehört, mein lieber Hans, das gehört noch lang' nicht mir. Jedenfalls tut er sich viel leichter am Anfang, wie ich mir getan hab', wenn auch meine Frau Geld mitgebrachl hat. Der bekommt von mir ein schönes Vermögen und fetzt sich gleich hinein in einen Hof."

„Von dem er nichts versteht!" entfuhr es zornig dem Hans. Die buschigen Augenbrauen des Graßner zogen sich in die Hohe. .Hättest dich wohl selber gern hineingesetzt in den Hof^ den du so gut verstehst!" höhnte.er. „Aber da bleibt dir der Schnabel sauber Man soll seine Ansprüche nicht so hoch schrauben, nicht so hoch hinauffteigen, Hans, damit man nicht zu tief hinunterfallt", vollendete er anzüglich. Dann sah er gebannt in die Augen des Burschen Mit welch' sonderbarem Blia ihn der Hans auf einmal ansah. Er ahnte freilich nicht, der alte Geldjäaer, daß Hans jetzt an ein süßes blondes Mädel dachte, dem er die letzte Zeit so wenig Zärtlichkeiten geschenkt hatte, ja ab und zu hatte et sogar den Ruf nes Kuckuck geflissentlich überhört Wenn Hans das Lenerl hätte lieben können, es wäre ihm eine Freude gewesen, dem Alten eine ganz ausgiebige Lektion zu erteilen. Das Lenerl wußte trotz ihrer Jugend, was sie wollte, und wenn Hans sie zum Weibe hätte nehmen wollen, sie hätte ihrem Pater gezeigt, daß ihr der Holz- knecht nicht zu wenig war. Mehr denn je loderte der Haß gegen den Graßner in Hans auf. Wie eingebildet er war, der alte Leuteschinder. Für ihn war der Reiche gut und der Arme schlecht, für ihn war der Besitzende der Herr und der Nichtbesitzende der Knecht Wie sich ein Besitz aufgebaur hatte, das war ja vollkommen gleichgültig. Keiner mußte sich seines Reichtums mehr schämen, als der Graßner, der sich fo hoch dünkte. Und bann dachte er an d-n Sohn dieses Mannes. In wenigen Wochen würde der Vitus vielleicht schon die Fran heiraten, die Hans liebte, würde Herr

fein auf einem Hof, der für Hans nur harte Arbeit und die Hölle einer liebeleeren Jugend bedeutet hatte, würde die Margret als Weib, und neben ihr die Evi als Geliebte haben, und Hans mußte gehen von einem Besitz, von dem er erst wußte, wie er mit ihm verwurzelt war, feit die Zeit immer näher rückte, zu der er diesen Besitz verlassen mußte.

„Fährst du mit mir nach Eisenstein?" fragte der Graßner, der lauernd bas verschlossene Gesicht des Hans betrachtete.

„Rein" entgegnete Hans finster, „ich warte hier auf den Herrn Professor, wir wollen noch hinüber nach bem Hollbach- fpteng!"

„Ah, gelehrte Stubicrereien machen", lachte der Graßner breit. „Bist schon halb gescheiter wie bet Herr Professor. So schön macht ich es auch einmal haben, wie der Hungerleider", setzte er bissig hinzu. „Muß viel Geld cinbringen und eine haue Arbeit sein, wenn man Käfer zusammentragt und Steiner mit nach Haus' schleppt!"

Hans gab keine Antwort. Seine Blicke hingen an einer hohen Männergestalt, die eben um die Ecke gekommen war und ihm jetzt zuwinkte. „Da ist er ja, der spinnende Tropf, da werd' ich mich gleich empfehlen", brummte bet Graßner. Flüchtig druckte er Hormann, der inzwischen herangekommen war, die Hand, und strebte mit großen Schritten fort vom Marktplatz, der Bahn­station zu.

Hormann sah forschend in das finstere Gesicht von Hans. „Wollen wir gehen, Hans?" fragte er ihn. Ich habe es bem Bauer und bet Margret gesagt, daß mit ein paar Tage ausbleiben unb im Zwiesel« Waidhaus übernachten werden!"

Das Gesicht von Hans erhellte sich etwas. „Hast du Proviant bei dir, Herr Professor?"

„Da brauchst du doch gar nicht zu fragen, Hans", entgegnete Hormann freundlich.

Heiß brannte die Sonne auf dem Weg, den sie jetzt ein« schlugen, bann aber tönte leises Flüstern und Rauschen an bas Ohr der beiden Wanderet. Der Hochwald sandte seinen ersten Gruß. Ab und zu begegneten ihnen Kinder ober Frauen, die nach Beeren suchten und ihre duftende Last in blechenen Kübeln" am Arm trugen, ober es1 kamen ihnen junge, halbwüchsige Burschen entgegen die ein großes geknotetes Tuch über den Arm gehängt hatten, aus bem Pilze verführerisch lugten. • Allmählich wurde es immer stiller um die beiden, bis Hormann aufatmend feinen Rucksack in das kurze Lerggras warf und zu Hans sagte: ./So, Hans, nun sind wir wieder herinnen in unserem dunkelgrünen

Schweizer Adwehrmatznahmen gegen die Kommunisten

Von unserem Berichterstatter

(Dr. 8.) Zürich, im Februar 1943. '

In den letzten Monaten standen wiederholt Kommunisten vor Schweizer Gerichten, wobei sich die Anklage durchweg auf die Bundesratsbeschlüsse vom 6. August 1940 (Verbot jeder kommu­nistischen und anarchistischen Tätigkeit) und vom 26. November 1940 (Auslösung der kommunistischen Organisationen) stützte. Di» Prozesse, die meist mit der Verurteilung der Angeklagten zu Ge- säntgnisstrasen endigten, .ließen eindeutig erkennen, daß b i e bolschewistische Agitation in der Schweiz in illegalen Formen und getarnt weiter geht. Wie Bundesanwalt Stämofli kürzlich in einem Strasverfahren gegen den berüchtig­ten Genfer Sowjetagenten Leon Ricole und vier Mitangeklagte vor dem Bundesstrafgertcht erklärte, „ist die der Dritten Inter­nationale und Sowjetrußland verpflichtete kommunistische Partei, die den Umsturz und die Diktatur des Proletariats auf ihre Fah­nen geschrieben hat. in der heutigen Zeit nicht nur eine äußere, sondern auch eine innere Eejahr füt die Schweiz. Die Partei hat in der Schweiz nicht abgerüftet, sie glaubt vielmehr, ihre Zeit sei jetzt gekommen Unsere Neutralität gestattet nicht, daß wir der Herd der revolutionären Bewegung werden . . . Kommunistische Umtriebe bilden wegen ihrer zersetzenden Wirkung eine Gefahr für den Staat, selbst wenn sie das Endziel, dem Umsturz, nicht unmittelbar bezwecken, sondern erst vorbereiten." Die Verurtei­lung der fünf Kommunisten erfolgte wegen^Herstellung unb Ver­breitung bolschewistischer Druckschriften.

Sowohl bie Feststellungen des Bundesanwalts als auch früher» bundesgertchtliche Urteile in Kommunistenprozessen gehen davon aus, daß der Sowjetstaat als solcher und die Dritte Internationale bzw. deren Organisationen in den einzelnen Ländern vonein­ander nicht zu trennen find. Gerade im Hinblick auf diese enge Verbundenheit stellt der Bolschewismus eine äußere und innere Gefahr für die Schweiz dar. Über die wahren Absichten der Moskauer Machthaber, nämlich die Bolschewrsierung Europas, kann kein Zweifel bestehen. Um so unverständlicher ist die Tatsache, daß gewiße Kreise immer wieder auf das Geschwätz vom „Nationalen Krieg der Rusten" und die sogenannte „objek- tive" Berichterstattung über sowietrussische Vorgänge hereinfallen. Diese „objektive" Berichterstattung, u. a. in der Presse, in soge­nannten „Aufklärungsvorträgen", trägt nur zur Verwirrung des Volkes bet unb unterstützt inbirekt die kommunistische Agitation im fianbesinnern. Alle Versuche von linksburgerlicher und marxistischer Seite, bic Bedeutung der bolschewistischen Gefahr zu verkleinern, um „besseres Verständnis" für bas Sowjetregime zu werben, haben die schweizerischen Kommunisten nut dazu ermun­tert, ihre staatsfeindlichen Umtriebe mit »och größerer Dreistigkeit fortzusetzen Die Dentonftrationen in Genf bei bet Abreise Nicoles zu den Verhandlungen vor dem Bundesstrafgericht in Lausanne und bei feiner Rückkehr, in deren Verlaus einige Genfer Polizisten ver­letzt wurden, zeigen anschaulich, daß sich die Kommunisten mit bet getarnten unb unterirdischen Wühlarbeit nicht begnügen, sondern zum offenen Widerstand gegen behördliche Anordnungen unb zur Störung ber öffentlichen Ordnung übergehen.

Neben ber Forderung nach schärferen Maßnahmen gegen kom­munistische Agenten, „deren Führerschaft behaglich lebt, meist keinen Beruf ausübt und sehr komfortabel wohnt", wie eine Zei­tung vor einigen Wochen feftftelltc, hört man hier und dort Stim­men ber Kritik an der kantonalen Strafjustiz. Da die meisten Kommunistenprozesie vor den Kontonsgerichten (25 Kantone bzw. Halbkantone!) ftattfinben, kann von einer Einheitlichkeit in ber Beurteilung der Straffälle nicht gesprochen werben. „Wegen illegaler Tätigkeit", schrieb ein St. Ealler Blatt, „find gegen eine große Anzahl Kommunisten durch kantonale Gerichte Urteile gefällt worden, welche als Aufmunterungsprämien wirken müssen (Strafaufschub) unb bei ben für bie Sicherheit bes Lanbes ver­antwortlichen Stellen nicht verstauben werben." 915et auch bie Rechtsprechung innerhalb eines Kantons zeigt auffallenbe Unter­schiede in den Gerichtsentscheidungen. So wurden mehrere Emigranten, die sich wegen Vergehens gegen die antikom­munistischen Bunbesraisbeschlüste zu verantworten hatten, von einem Bezirksgericht freigesprochen, während das Obergericht des gleichen Kantons sie zu Gefängnisstrafen verurteilte. Nachdem die Verurteilten, bie in Lagern untergebracht,stnb. bie Nichtig, keitsbefchwerbe beim Bunbesgerichtlichen Kassationshof eingereicht hatten, würbe biefe u a. mit der Begründung gutgeheißen, daß nur auf ben gewaltsamen Umsturz gerichtete Tätigkeit unb Wer­bung der Kommunisten strafbar sei. nicht aber „bie Propagierung von Jbealen. bie zwar von ber Kommunistischen Partei erstrebt werden, die aber nicht Grund ihrer Auflösung sind." Bei einem der Emigranten wurden zwei Exemplare einer Rede Stalins und ein von dem Angeklagten verfaßter Auszug aus einem Bericht über bie Tätigkeit der kommunistischen Partei in ben Arbeitslagern für Emigranten (!) im Jahre 1941 beschlagnahmt, ein anberet erhielt Bücher von einet Moskauer Zentrale (!) Das Strafverfahren ist vor allem beshalb bemerkenswert, weil bie Unterfuchungsergeb- nisie eindeutig auf bte zerfetzenbe Tätigkeit von Emi­granten Hinweisen, bie ihr Eastrecht für bolschewistische Agi­tation mißbrauchen.

Die Außenpolitik der eibgenössischen Regierung lehnt feit zwanzig Jahren bie Wiederausnahme ber diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion ab, unb ber innenpolitische Abwehrkampf gegen ben Kommunismus ist auf Gedeih unb Verderb mit ber europäischen Front gegen ben Bolschewismus verbunden. Denn ihr Sieg über die Barbarei beseitigt bie Eeiahrenauelle. aus ber bte kommu­nistische Agitation in ber Schweiz jahrzehntelang bie Befehle unb materielle Unterstützung erhalten hat.

Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwen­den; es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.

Goethe.

Palast. Run werben wir Rast machen unb auf bas Mittags- konzeri bes Walbes lauschen.

Hans sah mit warmem Blick auf ben Mann vor ihm „Was wäre aus mit geworben, Herr Professor, wenn du mir nicht alles was so ein armer verlassener Wurm braucht ersetzt hättest, sagte er schwer. „Pater, Mutter und Geschwister, alles was andere Menschen haben, und was mir immer gefehlt hat hast du mit gegeben, während sich der Hauserbauer unb bte Seinen groß auf­gespielt haben, über bie Wohltat, bie sie mir haben angebeihen lasten, mir, bem lebigen Buben. Siehst bu, Herr Professor baß mich meine Mutter so arm, so herzlos hat zurücklasten können, das verstehe ich nicht, bas kann ich ihr nie verzeihen. Wenn sie heute «Heber auftauchen würde, ich könnte ihr nicht in bie Nähe gehen, könnte ihr nie vergessen, was sie mir angetan hat!"

Hans hatte sich gefetzt, unb bie schweren genagelten Schuhe von ben Füßen gezogen. Jetzt legte er sich, bie Arme unter bem Kopf ver,chränkt, in bas schwellende Moos, während Hormann noch immer vor ihm stand, unb ernst vor sich hinstarrte.

„Rede unb benke nicht so häßlich über deine Mutter, Han,", sagte er jetzt verweisend und legte sich neben Hans in bas Moos. „Ich habe sie gut gekannt, bie schöne Dirn, ber bu ähnlich liehst, wie nur ein Kind seiner Mutter ähnlich sein kann. Nie habe ich geglaubt, baß sie angeblich ben Vater ihres Kindes nicht gekannt haben soll. Hier muß ein Geheimnis vorliegen. Vielleicht wird es noch einmal gelüftet Der Mund ber Toten schweigt ja stets nur fo lange, bte er sich durch ben Mund bet Lebenden Gehör erzwingt Vielleicht wirb auch für bich noch einmal durch ben Mund ber Lebenden das Geheimnis enthüllt, das sich Wer das Berschwinden deiner Mutter breitet. Vielleicht lebt deine Mutter arm unb verlosten in fremdem Land, vielleichi ist sie aber auch tot. Was misten mir? Jedenfalls kann sie sich nicht verteidigen und deshalb bürfen wir sie auch nicht verurteilen! Ich habe ben heutigen Tag sehr gewünscht, Hans, ich wollte bich für mich allein haben, um in Ruhe mit bir su sprechen. (Es hat sich so vieles ge­ändert auf bem Hofe. Der Bauer kommt mit mübt und zer­schlagen vor, bie Kathl ist mürrischer und verbissener denn je und bte Margret---!" ber Professor stockte.

• „Unb bie Margret, Herr Professor?" fuhr Hans hock, Har- mann sah mit prüfenden Augen Hans in das Gesicht, in d -ll- mäblich eine beiße Röte stieg, Dann kock'e c- leise, verfchmtn vor sich hin, und wurde plötzlich tiefernst. = :e hat ein sehr »er. ändertet Benehmen, die Margret", nrm a tastend.

v (Fortsetzung folgt.)