Verlag Langgasse 21
„Tagblatl-Ha»s".
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„Tagblatt.Haus" Nr. ««50-53.
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Mittwoch, 19. Kugust 1914.
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Morgen'ktusgabe.
Nr. 383. ♦ 62. Jahrgang.
^e volksstimmung in London und Paris.
\itnr Entnehmen dem römischen halbamtlichen „Giornale folgende Äußerungen seiner Londoner und pE Berichterstatter vom 6. August:
^Dieser Krieg", so schreibt man dem Blatt London, „ist nicht populär. Die feinsinni- ^ Argumentationen der Diplomaten, das Spiel von >U Pflichten und von den internationalen Wmachun- vermögen nicht in den Kopf des Publikums zu ffP* Kein einziger ist überzeugt, daß man auf der tz?Ee das Leben desgrößten Reiches der Welt muß für den Revolverschuß von Sera- c? Bene 300 Kriegsschiffe, die vor Portsmouth und ÄiOead schwarze Wolken rauchen, tragen in ihren L r et tt aus Stahl den Ruhm und das Glück von Wer aber kann sagen, welches ihr Schicksal sSchlacht von morgen sein wird? Die Furcht 'l/onsichtlich sowohl beim armen „Cockney" wie beim 5 der Regierung. Sie alle befinden sich in der ,z,?dn seelischen Verfassung. Denn die Seeschlacht ist >,„!vie eine Landschlacht. Die Elemente des U n- i«h ? Ex ge s eh e n e n, des Zufalls sind derart und großer Bedeutung, daß sic jede materielle und Gewißheit im vorhinein unmöglich machen. iih weiß, daß es mit seiner Flotte auch ; , n eigenes Leben aufs Spiel setzt. Welches ü?n <rber das nicht zu unterdrückende — diesem Opfer treiben
>Ȁse, das das Reich zu ~ ri ~ : --.
! t ... Ein einziges, das aber bisher noch nicht in
! ^Überzeugung der Allgemeinheit sich
^ ^vrrzeugung oer Angemernyeir ircy festsetzen ,^E> nämlich das Interesse, was England alles :/Mem Triumph Deütschlauds zu furchst Mite. Aber ist dies auch wirklich wahr? H vielleicht nicht sicher, daß Deutschland in dem Aschen Kampf die Folgen des ungeheuren V. 0e§ am stärksten fühlen wivd? Und rnanch einer E sich, ob England, wenn es in den: Konflikt Zu- geblieben 'wäre, um dieses einen Faktums willen >ine Macht konsolidiert hätte. England seine positive Verpflichtung zur Teilnahme an st Konflikt. Noch in diesen Tagen bemerkte man nt s>ih°!^^Ellen Kreisen wiederholt, daß der Vertrag der diente keine offensive Tragweite für England Erst vor drei Monaten drückte sich Edward s, ^ in diesem Sinne im Unterhaus sehr klar ans. i-zflN lebten Tagen sind die Fol lg e n der Krrogs- verheerend gewesen. Zum erstenmal C der Stock-Exchange, die Börse, schließen, cm 'İ«^EN, das im Bankleben Englands noch memaU st»^ENlmen ist. Einige staatlich subventionierte ^»l^danken, wie die Pennybank, haben seit fünf ihre Schalter unter enormen Alarm schließen :'C- Ja, selbst die Bank von EngIa n d, sk y ^eichtum an Goldvorräten legendär ist, mutzte Höhlungen in Gold cinstellen und zum größten Banknoten zahlen. Der hsutige Tag hat eme 'E B a n kerotts und Debacles auf sman- § Und Handolsgöbiet hervorgsbracht."
!t^er Anb lick von Parissst heißt
- «... „ _ _„„ es in dem
des Pariser Vertreters, „ist heute t r o st I o s.
•; £ das Postviertel in dem Herzen der Hauptstadt, ^e^clrtier der Oper, der Börse und der Märkte hat J sdarakteristische Lebhaftigkeit verloren. Wenn die iW Evards, in denen man die Terrassenanlagen .'stachen hat und in denen die R i es en schaust her großen Kaufläden mit allerlei Holz- kjs: sägen verrammelt worden sind, weil der k ^ e § Aufruhrs und der Plünderungen noch >! ^.llwgeht, ein klein wenig von ihrer Beweglich- tzv^ahrt haben, so ist doch besonders die Rue st w^,der Opernplatz, das Börsenviertel von der Iktz . Septembre bis zum Boulevard Montmatre mrt sti^Jen Seitenstraßen und Gassen von einer ent- f«!ip den Traurigkeit. Alle Kaufgeschäfte sind ge- : (]| en lvegen der Abfahrt der Angestellten. (Es wird ) Ma*rt, ob diese zum Kriege eingerückt sind oder sch? Sicherheit bringen wollten. D. Red.) iV? die kleinen Läden, die Cafäs, fast möchte vMiben, wir hätten immer die charakteristischen H^snachnrittagei in denen alles totenstill ist. Das 5 ifj d?t einen vollständigen Halt gemacht. 'i> :Ine vollkommene Lähmung jeder kommerziellen sts,sdustriMen Tätigkeit einaetreten. Das Gest? des Elends E n z u wandeln.
eingetreten. Das G e scheint durch die Und wenn wir aus den
^"'-n zu w a n o e i n. uno wenn wir aus oe» unseres Bureaus auf die Straße hinabblicken, stden Eindruck, als fühlten wir uns in eins
N?inen P r opi n z ne st e r versetzt, die jedem stst" ans dem natürlichen Bedürfnis nach Riihe !>^st;!?sEhsEdenheit abhold sind. Gegen Mittag ein dumpfes Geräusch die bedrückende °Er Pariser Straßen, die immer mehr ent
K
völkert, immer trostloser und immer trauriger werden. Es sind die Stimmen der Zeitungsver- käuser, die ihre Extrablätter ausschreien. „Niederlage von zwei (preußischen) Ul a n e n r e g i m e n t e r n." Mit einem Male stürzt aus allen Toren viel Volk heraus. Die geschlossenen Läden öffnen sich. Auf der Schwelle strecken sich ungöduldige Häude nach den Blättern aus. Kleine Gruppen bilden sich. Man liest vor und verschließt sich von neuem."
von der Ostgrenze.
NNawa in deutscher ksand.
W. T.-B. Berlin, 18. Aug. Mlawa ist von deutschen Truppen besetzt worden. (Mlawa ist eine Kreisstadt im russisch-polnischen Gouvernement Plozk an der Mlaum, Knotenpunkt der Eiseubahnen Marien- burg-Mlawa und Kawel-Mlawa. Es hat über 12 000 Einwohner.
Auch im Süden weiteres Vordringen der Deutschen
□ Warschau, 18. Aug. (Eig. Drahtbericht) Dem „Kurycr Lwowski" Zufolge haben die deutschen Truppen Pectrikan an der Bahnlinie C z e n st o ch a u- Warschau, etwa 30 Kilometer südlich von Lodz, eingenommen.
Vielsagende Nachrichten aus Petersburg.
8. Berlin, 18. Aug. (Eig. Drahtbericht) Das „B. T." entnimmt dem „Sydonska Dagbladct" folgende Meldung aus Petersburg: Das? die Russen eine Invasion in Petersburg erwarten, ist ganz deutlich. Gelder der Reich sb ank und alle Kostbarkeiten ans der Eremitage sind aus Petersburg nach Moskau transportiert worden. Rings um die Stadt wird der Wall n i e d e r g e g r ab e n und sechs Meter tiefe Laufgräben werden hergestellt. Längs der finnische n Küste von Petersburg bis Wiborg haben alle Bewohner Order bekommen, ihre Wohnungen zu verlassen und alle Häuser und Villen werden n i e d c r g c r i s s e n.
Oie vierte Verlustliste.
8 . Berlin, 18. Aug. (Eig. Drcvhilbericht) Die heute im „Reichsanzeiger" veröffentlichte BerluMiste Nr. 4 bestätigt u. a. den Tod des Generalmajors v. Bükow von der ersten Kavalleriedivision, des Obersten Prinzen von Lippe Venn Infanterie-Regiment Nr. 74 und des Rittmeisters der Reserve Ludwig B a s s e r m a n n - Jordan aus Deidesheim von der 28. Diviision. Ferner verzeichnet die Lifte:
Grenadier-Regiment Nr. 1 (Königsberg i. Pr.): 1 Toter.
Infanterie-Regiment Nr. 17 (Mörchingen): 2 Verwun
dete.
Infanterie-Regiment Nr. 18 (Osterode): 4 Perwundcte und 3 Vermißte.
Infanterie-Regiment Nr. 26 (Wittenberg): 2 Tote, 13
Verwundete und 2 Vermißte.
Fnsilicr-Negiment Nr. 35 (Brandenburg): 4 Tote, 8 Verwundete und 14 Vermißte.
Füfilier-Ncgimcnt Nr. 40 (Rastatt): 3 Tote, 2 Verwundete und 12 Vermißte.
Infanterie-Regiment Nr. 41 (Tilsit): 2 Tote und 4 Verwundete.
Infanterie-Regiment Nr. 59 (Deutsch-Ehlau): 1 Ver
wundeter und 4 Vermißte.
Infanterie-Regiment Nr. 76 (Hamburg): 6 Verwundete,
1 Vermißter.
Infanterie-Regiment Nr. 142 (Mürhauscn i. E.): 5 Tote und 10 Verwundete.
Infanterie-Regiment Nr. 148 (Broimbevg): 2 Tote und
2 Vermißte.
Infanterie-Regiment Nr. 152 (Marienburg): 8 Ver
wundete und 2 Vermißte.
Jntantcrie-Regrment Nr. 171 (Kolmar): 8 Vermißte.
Dragoner-Regiment Nr. 1» (Allensstein): 1 Verwundeter.
Dragoner-Regiment Nr. 22 (Mülhausen): 6 Tote
(darunter 1 Offizier), 15 Verwundete (darunter 3 Offiziere) und 5 Vermißte.
Husarcn-Rcgiment Nr. 5 (Stolp i. P.): 3 Tote und 9 Vevivundete (darunter 2 Offiziere).
Jägerregiment zu Pferd Nr. 11 (Tarnowih): 1 Toter.
Feldartillcrie-Regimcnt Nr. 80 (Kolmar): 4 Tote, 4 Verwundete und 1 Vermißter.
Pionierbataillon Nr. 3 (Spandau): 2 Tote, 5 Verwundete und 2 Vermiyte.
Pionierbataillon Nr. 14 (Kehl): 1 Toter, 8 Verwundete und 7 Bermiyte.
Von der Fliegertruppe ist Oberleutnant Koch infolge Msturzes geitorben. J 1 ue
Die Deutschenverfolgunqen in Belqien.
Ei« Aufruf des stellvertretenden Reichskanzlers.
W. T.-B. Berlin, 18. Aug. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Dr. Delbrück, erläßt folgenden Aufruf: Durch die deutsche Presse gehen zahlreiche Nachrichten über Gewalttätigkeiten, denen unsere Landsleute an Leben, Leib und Gut in den ersten Tagen des August in Belgien ausgesetzt waren. Das öffentliche Interesse erfordert es, daß amt
lich festgestellt wird, inwieweit diese Nachrichten auf Wahrheit beruhen. Es geht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgijchen Bevölkerung oder der Behörden gegen deutsche Re:chsangehörige oder Angriffe auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung, ihre Wahrnehmungen bei der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsorts zu Protokoll zu geben. Die Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehörden mit der Entgegennahme von Bekundungen zu beauftragen und die Protokolle an das Neichsamt des Innern gelangen zu lassen. Von der patriotischen Gesinnung und der Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mitteilungen aus eigener Wahrnehmung zu machen oder zuverlässige Nachrichten erhalten haben, der Aufforderung bereitwilligst folgen.
Björn Björnson über die Begeisterung in Deutschland.
>V. T.-B. Christianra, 18. Aug. Björn Björnson, der Sohn des Dichters, veröffentlicht im „Morgenblatt" erneu Brief, der mit starkem Gerechtigkeitssinn für die deutsche Sa ch e eintritt. Björnson sagt: Wenn man von dem russischen Doppelspiel liest, da begreift man Deutschlands n n e r m eßlichen Zorn über die gebrochenen russischen E h r c n w o r t e und die Friedcnstelegramnre des Zaren. Der Zorn über Rußland, sein tückisches Vorgehen sei u n b e- schr eiblich. Die Deutschen fühlten, daß der Kampf gegen Rußland erir heiliger Krieg sei. Björnson schildert fernerhin in dem Artikel mit Bewunderung das Funktionieren des deutschen Militärapparats. Dieses Rubrikwesen, das so kalt und unpersönlich gewirkt hätte, sei in diesen Tagen genial geworden. Die Ei nmütigkeit des Volkes gibt Björnson mit folgenden Worten wieder: Alle, die in den Krieg müssen, strahlen vor B e g e i st e- r u n g. Ich habe unter T a u s e n d e n keine e i n- zige Ausnahme gesehen. Alle marschieren im Takt fester Disziplin in dem festen Glauben ans Deutschlands gute Sache zu den Grenzen. Ich sprach mit den verschiedensten Menschen, die sind alle zusammen gleich, Arbeiter und Mittelstand, es besteht kein U n t e r s ch i e d mehr und bei jede m neuen Feind, der sich tagtäglich.meldet, werden sie nur n o ch s ich e r e r und fester in der Kampfes- tust. Bei den Zurückbleibenden besteht derselbe Eindruck, es herrscht keine Verzweiflung, sondern imponierende Ruhe. Das ist das große Volk. So geht es in diesen Krieg, einen der größten der Weltgeschichte, den je ein Volk, auf einmal durchzukämpfen hatte. — Björnson schließt mit den Worten: Gesetzt den Fall, Dentschland und Österreich würden verlieren, so wären es England und Frankreich: welche dem Henker seine Opfer geben würden. Mein Herz blutet.
Brief eines Mitkämpfers von Lagärde.
Mein lieber Junge!
Zuvor Heil und Sieg nach unserem ersten Kugelregen. Die Feuertaufe haben wir empfangen, viel schneller als wir dachten. Vor zehn Tagen noch beim Siechen, und heute, heute — na, so höre. Wird der Brief ettoas verwirrt, so schreibe dies meiner Aufregung zu. Bei meinem Regiment bin ich gut gelandet. In Elsaß-Lothringen gute, echt deutsche Aufnahme gefunden. Französische Namen und Schilder sind überall wie vom Winde iveggeblasen. Alles jubelt und schreit: „Nach Paris! Nach Paris!" Mithvochfrüh langte sich an; wir wurden sofort eingekleidet, und fort ging es schon am Donnerstag in aller Herrgottsfrüh. Mit riesiger Begeisterung ging es los. Das Volk schlief nicht, brachte es uns doch morgens noch ein großes Stück vor die Tore der Stadt. Ach, nur zu langsam ging unser Marsch. . „Schnell an den Feind!" war der sehnlichste Wunsch aller, und doch — wie schnell ist er erfüllt worden. Unterwegs hörten wir von Lüttichs Fall, das war eine Freudenbotschaft. „Deutschland, Deutschland, über alles", das war unsere Antwort, die wir gaben. Sonntag kamen wir kurz vor Lagarde an und stießen hier auf unsere Truppen, die wir verstärken sollten. Montag war noch alles ruhig, und keiner dachte, daß in einigen Stunden schon hier ein heftiger Kampf entbrennen würde. Einzelne kleine Geplänkel hatten mit den Grenztruppen schon stattgefunden, jedoch unerheblich. Montag sahen wir auch unseren ersten gefangenen Franzosen. Rote Hosen! Armer Körper! Wie sah der aus, nichts Ganzes am Leibe, geflickt und genäht. Noch waren wir in Besprechungen über ihn vertieft, als schon von den Vorposten einige Meldungen kamen, die uns erwarten ließen, daß es bald zur Schlacht kommt; und richtig, am Nachmittag fing der Rummel an. Junge, das war ein Tanz auf lustiger Aue! Die Feuertaufe. . . . Ran an den Feind! Brav haben wir uns geschlagen, unser General immer an der Spitze, und wir nach. Kugeln und Kartätschen sausten über uns hinweg, manch einen rissen sie hinunter, aber vorwärts, vorwärts war die Parole. Wir wankten und wichen nicht und drängten mit voller Kraft vor. Jede Kugel von uns war wohl ein Treffer; waren doch die r o t b lau en Farben Herr-
