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Wiesbadener Tagblatt

Freitag, 22. Januar 1SK

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Die heutige Ausgabe nmfatzt 6 Seiten

omziere und Mannschaften mit Koben und böchsten Auszeich­nungen bedacht. Die Heimat aber kann diese Männer von «talingrao am beiten dadurch ehren, datz sie mit Herz und Hirn bei ihnen ist. an sie denkt und für sie arbeitet.

Die deutsche Wehrmacht bat in diesem Kriege schon Un­erhörtes geleistet. Sie hat sich gerade in den gefahrvollsten Situationen am besten bewährt. Wir denken an Narvik, wir denken an Cholm, an Rschew, über allein aber leuchtet der Name Stalingrad, denn hier ist die Stätte der härtesten Kampfe. die es in diesem Kriege je gegeben bat.

Auf dem Weg nach Afrika den Tod gefunden

Madrid, 22. Jan. (Funkmeldung.) Der Beauftragte Washingtons für die Ernäbrungsvrobleme in Marokko und Algerien, William Johnson, bat. wie ..Efe" aus New Bork meldet, auf dem Flug nach Afrika in Paramaribo (Solländisch-Guayana) den Tod gefunden.

USA.°Trausportslugz«ug stürzte ins Meer

Stockholm. 21 Jan Wie das Kriegsdevartemeni der USA. am Donnerstag bekanntgab, wurden beim Absturz eines vier­motorigen Transportslngzenges vor der Küste von Holländisch» Guinea die 26 Passagiere und die nenn Besatzungs- Mitglieder getötet. Die Insassen waren hauptsächlich ameri» konisches Armeepersonal. Das Flugzeug befand sich ans lern Wege nach Südafrika.

terten. Bei Welikije L u k i wurden 18 Pamerkamvswagen adgeschossen. Südlich des Ladoga-Sees brachen heftige Angriffe der Sowjets an der entschlossenen Abwehr unserer Truppen zu­sammen. Der Feind verlor hier vierzehn Panzerkampswagen.

In Nordasrika wurden M i s u r a t a und Homs nach Zerstörung der kriegswichtigen Anlagen geräumt. Nachhuten schlugen in hartnäckigen Kämpfen die Angriffe nachdrängender feindlicher Kräfte ab.

In Tunesien wurden die erfolgreichen eigenen Angriffs­unternehmen fortgesetzt, zahlreiche feindliche Stützpunkte genommen und feindliche Krästegruvven aufgerieben. Deutsche Jagdflieger griffen Eisenbahnziele mit Erfolg an und schossen drei britische Jagdflugzeuge ab.

Die Bekämpfung des feindlichen Erohgeleits vor der nord- afrikanischen Küste brachte weitere Erfolge. Die deutsch-italienische Luftwaffe versenkte fünf Frachtschiffe mit zusammen 36 000 B R T. und beschädigte zwölf Transporter zum Teil so schwer, dah mit dem Berlust von fünf dieser Schiffen zu rechnen ist.

Schwache Kräfte der britischen Luftwaffe bombardierten in den gestrigen Abendstunden planlos we ft deutsches Gebiet, die Bevölkerung hatte Berluste. In Wohnvierteln entstanden Eebäudeschäden. Durch Jagd- und Flakabwehr verlor der Feind neun Flugzeuge.

Der Führer beglückwünscht Wilhelm Schäfer

Der Führer übersandte dem Dichter Wilhelm Schär er »u seinem 75. Geburtstag ein in herzlichen Worten gehaltenes Glück­wunschtelegramm und gedachte seines stets vom deutschen Geiste getragenen schriftstellerischen Schaffens.

Ritterkreuzträger Peitsmeyer gefallen

Berlin, 21. Jan. 3m Mittelmeerraum fiel Hauptmann Wolf- Dieter Peitsmeyer, Staffelkapitän in einem Schlachtge­schwader, dem der Führer am 21. Juli 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verlieh.

Hauptmann Peitsmeyer wurde am IG. Avril 1914 als Sohn eines Studienrats in Stargard in Pommern geboren und er­langte auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt 1934 das Reife­zeugnis. Dann trat er bei der Polizeischule Burg ein. Im fol­genden Jahr in die Luftwaffe übernommen,'wurde er am 1. Juni 1939 Oberleutnant Als Staffelkapitän einer Schlachtgruvve zeich­nete er sich im Westfeldzug hervorragend aus. In unerhört schneidigem Einsatz führte er seine Staffel zu großen vielfach kampsentscheidenden Erfolgen.

Plutokraten wärmen sich am Krieg

Genf, 21. Jan. Amerikanische Rüstungsbetriebe machten zum Teil riesige Kriegsgewinne, berichtetDaily Mail" in ihrer Ausgabe vom 16. Januar aus New Bork. Das habe sich erstmals bei Rundfragen des USA.-Amtes für Preisüberwachung herausgestellt In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hätten so General Motor einen Reingewinn von 2 0%, Bethlehem Steal von 3 6%, Elenn-Martin-Airerafi von 33 6% und United Airerast von 169% über ihre durchschnitt­lichen Normaieinnahmen in den Jahren 1936 bis 1939 hinaus zu verzeichnen gehabt.

DNB..... 21 Jan. (PK.) Bor Wochen begannen die

,Bolschewisten im Don-Wolga-Eebiet und gleichzeitig im groben Donbogen* ihre Winter-Offensive. Wohlgemerkt, eine Offensive! Das heißt: Sie griffen nicht im kleinen Rahmen an, etwa mit einem Regiment und ein paar Panzern, wie das im Ostfeldzug etwas alltägliches ist, sondern sie eröffneten eine grobange­legte Operation, wie sie der Feind bisher kaum gewagt bat. Mit sechs oder sieben Armeen und Hunderten von Panzern brandeten sie in der raumlosen Weite des öden Stevven- landes auf Hunderten von Kilometer Breite gegen die deutschen Stellungen an.

Gegenüber stand ihnen eine Armee, die den weiten Weg eines Schlachtensommers vom Donez bis zur Wolga marschiert war, erst in rastloser Verfolgung zum Don. und dann in ver­bissenen Kämpfen, in denen dem Feind jeder Kilometer abge- rungen werden mutzte, durch den groben Donbogen und über die Landbrücke zwischen Don und Wolga. Eine Armee also, die in ihrer Stärke zwangsläufig nicht mehr so beschaffen sein konnte, wie sie Ende Juni im Raum ostwärts Charkow angetreten war.

Diese Armee nahm den Kampf auf gegen die von allen Sei-

Dnukund Serlag: « Sch-IIrnberg'fch« Duchdruckrr-i.WiesbadenerTagdlatl.WieLLade« «efaimleimng: Dr.phiI.babiI.<Siistav Schellenberg unb Otto Kaiser. Haupt. Ichristleiter: Friztbünlher, fSmti. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste 9tr. 10 gültig

Eine Armee in der Abwehrschlacht

Die sowjetische Winteroffensive im Don- und Wolga-Gebiet

* Die Wiesbadenerin Martha Brühl batte im Erenzland- theater Zittau als Tosca und als. Amelia in VerdisEin Masken­ball" bei Publikum und Prelle einen durchschlagenden Erkals.

* StaatsiLaus»ieler_Hermaun Sveelmanns, bekannt aus vielen Filmrollen, gastiert ab i-onntas im Residenz-Tbeater mit Berliner Ensemble m Viola-Schachts StuckSaume l". Das Soiel hat Ernst Legal inszeniert. Lon Seitz verabilbiedet fitfi am Dienstag mit der letzten Aufführung von SteguweitsJunger Wein in alten Schläuchen".

Ans dem Führerhauvtauartier, 22. Jan. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im SLdabfchnitt wehrten dir deutschen Truppen den an gesamter Front zum Durchbruch ansetzenden Feind unter hohen Verlusten für die Sowjets ab und warfen den Gegner an vielen Stellen, zum Gegenangriff antretend, zurück. Eine Panzerdivision zerschlug hierbei im entschlossenen Vorstotz einen starken feindlichen Jnfanterieoerband. Im Ostkaukasus setzten sich die deutschen Truppen im Rahmen der beweglichen Kampsführung planmäßig vom Feind ab.

Die vom Gegner eng umschlossene und dem starken feindlichen Druck hartnäckigen Widerstand bietende deutsche Krästegruvve in Stalingrad hatte auch gestern schwere Kämpfe gegen die mit weit überlegenen Kräften anrennenden Sowjets zu bestehen. Trotz heldenmütiger Abwehr konnten die Verteidiger von Stalingrad einen Einbruch von Westen her nicht verhindern, was 311 einer Zurücknahme der eigenen Stellungen um einige Kilometer zwang. Im Nahkampf wurde eine größere Zahl von Panzerkampswagen der Sowjets vernichtet.

Im großen Donbogen und am mittleren Donlaus halten die schweren wechselvollen Kämpfe an.

örtliche Unternehnkungen des Feindes im mittleren Frontabschnitt und südöstlich des Jlmen-Sees fchei-

, So fragen die Livven: aber sie können die Antwort ntckt geben, weil ein Lächelnüber sie kommt, schmerzlich mild, daß Gott, nicht in Worten wobni und nickt in Menschensedanken. datz er gänzlich annet den Sinnen in der Ewigkeit ist, wo das Leben ferne Lust, leinen Sinn wie seine Sückte versitzt.

Tter unbekannte ^ouque

Zum 100. Todestag des Dichters am 23. Januar 1043

de la Motte FouauSs Märchen vorn irdischen Liebeskckicklal derUndine , bas selbst Goethe in einem Briei an Eikermann alsallerliebst" bezeichnete, bat kein übriges Sckaffen käst völlig in den Sckatten zu stellen vermocht. Es war in der Tat, lo !ebr wir uns heute Über die Schwächen dieses Märchens wn klaren sind, mehr als die Wiedererweckung eines alten Baracelius -toffes: datz es zu einem für die damalige Zeit erstaunlichen Welterfolg wurde, da« es schon vier Jabre nach feinem Erscheinen in der von Fouane begründeten Vierteljahresschrift für rornnnliiche Dich­tungenJahreszeiten zu einer llberietzun» ins Italienische kam und später auch zu Übertragungen ins Englische und Französische, datz sich E. A Hoffmann von ihm ergriffen fühlte wie von keiner anderen Dichtung jener Zeit und datz 1845 Lortzings Over das Märchen Fouaues unsterblich machte, beweist nur den Rei» und die Neuartigkeit tiefer liebenswürdigen romantn&en Schöpfung.

Ein weickes Herz im Buken, / Ein kriegrisch gliibnder Sinn. / Manch halber Wink der Musen. / Das ward mir zum Gewinn. In der ..Lebensgeschickte des Baron Friedrich de la Motte Fouauö". auigezeicknet dnrck ibn selbst, die wenige Jabre vor seinem Tode in Valle erschien, sieben diele Neffe gleickfam als Grundakkord seiner seelischen Haltung. Es ist aber bezeicknend. datz in dieser aufschlußreichen Lebensneickickte über das vielbewunderte und viel- gekckmäbte Glanzstück seiner Mu>e. dieUndine", nur wenig ge­sagt ist. datz aber derkrtegrifck glühende Sinn" 'fast aut i»der Seite des Buches seinen Widerhall findet. Es wi;d überliefert, datz Gneilenau den jungen Dichter» der eilt Patenkind Friedrichs des Großen wat. während des Freiheitskrieges nach dem Waffen­stillstand in Poiichwitz (am 4. Juni 1813) dem greifen Blücher als denKriegslänger unteres Heeres" vorsiellte Auf dem Marsche ins Feld.erklang zuerst Fouaues volkstümlichste LiedFrisch auf zum fröhlichen Jagen , aber fckan 179.4- als es gegen die Franzosen ging, hatte er.einer der Alleffroblicksten. in mnendlicher Ent­flammtbeit gelungen: ,

In den Sattel flink! Nun ist es Marschierens Zeit.

Die Schwadron ist gereiht

Zu Maffck und Gefecht.

Komme Jeder zureckt'

Jeder in Ebren zurecht'

Heldenhafte Abwehr in Stalingrad

Erbitterte Kämpfe auch im Südabschnitt und im Dongebiet Anhaltend schwere Panzerverluste des Feindes Rachhutkämpfe in Nordafrika Erfolgreiche Angriffsuniernehmungen in Tunesien Weitere Erfolge bet der Bekämpfung des Srotzgeleits vor Algier 36 000 BAT versenkt 12 Transporter schwer beschädigt

ten auf sie anrennende feindliche Übermacht, gegen diese Arme« brandet der Ansturm der bolschewistischen Panzerbrigaden und Schützendivisionen an. Das bedeutet für die Grenadiere unerschrocken in den Panzerdeckungslöchern aushalten, die feindlichen Kampfwagen herankommeit oder auch über sich Hinwegrollen lassen aber unten bleiben und sich nicht rühren, und wenn die Nerven dabei zerreißen wollen. Emd die Panzer vorbei, dann Garbe auf Garbe zwischen die dichtauf folgenden sowjetischen Schützen! Das bedeutet für die vanzer- brechenden Waffen, die Pak und 8,8-Zentimeter-Flak-Bedienungen vorn in der Hauptkampflinie: ungeachtet der feindlichen Granat- einschläge am Geschütz bleiben, fast ohne Deckung, und dann immer wieder das Rohr auf die schwer gepanzerten Angreifer richten laden, feuern, wieder richten, wieder laden, wieder feuern! Das bedeutet für die schweren Waffen, die Artillerie, Infanterie­geschütze und Werfer: Granate auf Granate aus den Rohren, nack Möglichkeit schon die feindliche Bereitstellung zerschlagen ober aber Sperrfeuer in das Annäherungsgelände des Gegners und die Grenadiere und Panzerjäger in ihrem erbitterten Abwehrkamps unterstützen! Und es bedeutet für unsere Kampfwagen: dem Feind entgegen, den sowjetischen Kolossen aus günstiger Schutz vofition einen Hagel von Granaten hinüber schicken und im nervenaufveitschenden Kampf Panzer gegen Panzer die Ober­hand behalten!

Das alles wiederholt sich Tag für Tag längs der gesamten Front hundert- und tausendfach. Der Gegner konzen­triert seine Durchbruchsversuche auf einzelne Punkte unserer Ab­wehrstellung, auf beherrschende Höhen zum Beispiel, oder auf Stellen, an denen er mit geringem Widerstand rechnet.

Der schonungslose Masse neinsatz von Material, besonders von Panzern zum weitaus grötzten Teil vom Typ T 34 ist das hervorstechenste Merkmal dieser sowetischen Winter- offensive int Don-Wolga-Eebiet. Lag schon während des ver- gangenen Sommers der Schwerpunkt der feindlichen Kriegführung in wesentlich höherem Matze als 1941 bei der Panzerwaffe, so übertrifft der gegenwärtige Einsatz von Kampfwagen noch bet weitem die Massenaufgebote an Panzern, die während bet Sommerwochen den' deutschen Vormarsch vergeblich aufzuhalten versuchten.

Als die Bolschewisten ihre Winter-Offensive begannen, wat es noch Herbst, Spätherbst mit grauen, nebligen Tagen, die das uns in glühend heißen Sommertagen verhaßt gewordene Steppen- land noch eintöniger und trostloser erscheinen Hetzen als in den Monaten zuvor. Im Verlaufe dieser Wochen nun ist es Winter geworden hier bei uns zwischen Don und Wolga. Winter mit sternklaren bitterkalten Nächten und wirbelnden Schueestürmen. die von Osten und Nordosten aus den Steppen Kasakstans über die nahe Wolga herüberbrausen. Zum zweitenmal in diesem Krieg hat derOstwinter sein weißes Kleid über das kamvfdurch- tobte weite Land gebreitet Es ist jene Zeit gekommen, auf btr sich unsere Truppen diesmal seit Wochen bis ins kleinste vorbereitet hatten. Überall lagen sie in ihren gut ausge­bauten Winterstellungen, waren in den leeren Stevvenräumen in denen nur weltverloren ganz vereinzelt einige Dörfer liegen, unter die Erde gegangen und hatten in der Herrichtung und Aus­gestaltung von Wohnbunkern bewundernswertes Geschick entöltet.

Und nun ist doch manches anders gekommen als erwartet Biele Divisionen haben neue Abschnitte bezogen und ihre Winterstellungen verlassen müssen, die sie sich in wochenlanger mühseliger Arbeit errichtet hatten. Dott. wo sie in den ersten Tagen die bolschewistische Offensive zum Stehen brach­ten, sanden sie nichts vor als eine kahle Höhle, einen Damm oder eine Schluckt kein Deckungsloch, keinen Graben, keinen Unter- stand, nichts. Sie verbrachten die ersten Nächte unter freiem Himmel und zum erstenmal bewährte sich ihre Winterausrüstung die schweren Ubermäntel, die warmen Wolldecken, die Filzstiefel und vor allem die dicken Tarnanzüge. innen weih und außen grau, je nach dem Wetter von beiden Seiten zu tragen haben unsere Soldaten in diesen Tagen schätzen gelernt.

Dann aber, gleich in der ersten Kampfpause, fuhr die Spitz­hacke in die schon gefrorene Erde. Schützenlöcher entstanden, bann Laufgräben an ben vom Feind leicht eingesehenen Stellen, schließ­lich der erste Unterstand und heute leben sie genau wieder so unter der Erde wie vor Wochen in ihren alten Abschnitten, Genau wieder so? Auf dieser Erde, in deren Frostkruste sie sich einge­wühlt. eingebaut haben, ist seither Tag für Tag und Nacht für Nacht die Wucht der Materialschlacht herniedergegangen, ein stählernes Unwetter des zur Raserei gesteigerten Hasses, der Masse gegen Mensch und entfesielten Vernichtungswillen gegen ein Übermatz heldischen Ausharrens setzt.

Kriegsberichter Herbert Rauchh^npt.

lernen. Mit dieser peinlichen Hörigkeit seiner Politik und den daraus entstehenden, sicher äußerst bedenklichen Schwierigkeiten hat sich jedoch das chilenische Volk allein abzufinden. Den Achsen­mächten genügt die Tatsache, daß der politische Selbstmord Chiles für sie keine Überraschung bedeutet oder gar neue militärische Probleme aufwirft. Sie können vielmehr feststellen, daß dadurch ein Schwebezustand beseitigt wird, der ausschließlich für Chile, aber nicht für ihren -eigenen Kampf gegen den feindlichen Trans­port- und Nachschubverkehr von Vorteil war. Der U-Boot-Krieg der Achsenmächte ist in Zukunft nicht mehr behindert. Damit ist eine klare Entscheidung gefallen, für die die chilenische Regie­rung in vollem Matz die Verantwortung trifft. Roosevelt aber mag zusehen, ob er mit seinen Ervressermethoden die Herzen des chilenischen Volkes gewinnt. Wir glauben nicht an hieses Wun­der. Den Wahnwitz der jetzigen chilenischen Politik wird die Zu­kunft zur Genüge erweisen.

Die Erpressung Chiles

Rach dem schweren politischen Trommelfeuer der letzten Wochen und Monate, das während der Rio-Konferenz begann und in der Droh-Rede von Surnner Welles in Boston am 8. Oktober 1942 einen Höhepunkt erreichte, ist jetzt auch die chilenische Regie­rung umgefallen. Sie hat der Roosevelt-Presston nachgegeben und die diplomatischen Beziehungen »u den Achsenmächten abge­brochen. Wer an der Sand der Meldungen aus Washington und Santiago de Chile das politische Tauziehen der Hauvtverant- wortlichen an dieser Entwicklung verfolgte, hegte über den Aus­gang dieses ränkevollen Hin und Her schon seit längerer Zeit keinen Zweifel mehr. Zu dem politischen und mili­tärischen Druck Washingtons und zu den Drohungen einer völlig verantwortungslosen und vom Weitzen Sause gut bezahlten Agitation trat der wirtschaftliche Druck hinzu. Washington legte zuletzt Chile auf dem Gebiet der Treibstoffver- sorgung fast völlig trocken. Die Souveränität und Freiheit des Landes lieb sich unter solchen Umständen nur mit einem Stolz, einer Selbstsicherheit und kraftvollen llnnachgiebigkeit verteidigen, die vielleicht bei dem chilenischen Volk, aber nicht bei seiner Regierung zu finden waren. Unter diesen Umständen kam es, wie es kommen mußte. Die roosevelthörigen Politiker des Landes, an der Spitze der von Washington in den Vordergrund lancierte Innenminister Morales, verzichteten auf die alten Sym­pathien. die seit der Bismarckzeit zwischen dem deutschen und dem chilenischen Volk bestehen und bereit traditionelle Wärme in der letzten großzügigen deutschen Medikamentenhilfe für Chile während des Erdbebens von 1939 in Erscheinung trat. Sie propa­gierten den Kurs einer völligen Unterwerfung unter die USA., die Chile nichts bieten, sondern nur die lebenswichtigen Serbin- bungsfäben des Landes auf wirtschaftlichem und kulturellem Ge­biet mit den europäischen Absatzmärkten ruinieren können. Aus dem Abbruch der Beziehungen bürften bald weitere Folgerungen hervorwachsen. Wie bet den übrigen mittel» und südamerikanischen Staaten wird Chile bald dieSegnungen des Einmarsches von USA.-Truvven und die Unterhöhlung seines eigen- staatlichen Lebens durch den USA.-Jmverialismus kennen

In den Jahren von 1812 bis 1818 galt Friedrich de la Motte Souaue als der Dichter herotithet Haltung, dem Waffenbrüder­schaft und vaterländffcke Ehre höchste Begriffe waren. Nicki nur in leinen frischen Reiterliedern, sondern vor allem auck in feinen Briefen ersteht die Gestalt des tapferen Krieasmannes. der tm Auf und Ab der Ereignille nie fein mutiges Herz verliert und sich stolz fühlt, in einer großen Zeit »u leben.Ist es dock. wie ent steter Fest-Ritt, so ein Reiterzug ins Feld. Ick meine nickt nur den ersten, für welcken denn freilick die Feier doppelt und dreifach gelten mag. Ich meine es überhaupt aus ganzem.Herzen so." Und als ibn feine Krankheit zwang, dem Kampfe fern üu bleiben, verzehrt ihn fast die Sehnsucht, teilzuhaben an dem großen Geschehen. Als Napoleon Elba verlassen hatte und wieder in Frankreich gelandet war. schreibt er:Kommt der Feind irgend mit Macht übet den Rhein, lo reite ick zum wete. krank ober, nickt, und reite und helfe mitrinnen, bis der Feind rmedermn hinübergedrängt ist. oder die Unmacht mich vorn Rolle wirft

Aber noch einer anderen Seite feines poetischen Schaffens muß gedacht werden, um das Bild des Romantikers ,rouau6. de? Märchendichters und Kriegsfängers. zu runden. Er hatte feine dichterische Laufbahn bereits mit einer Bearbeitung bet Siegfried fase begonnen, um 1803 in SchlegelsEuropa eine dramatische SzeneDer gehörnte Siegfried in der Schmiede" zu vetoffentttcken ffienig später erschienen drei weitere Heldenlviele unter dem Titel Der Held des Nordens". Auf diele fast liebbaberisch nieder- gelckriebenen Werke stieß Richard Wanner, als er im Iahte 1842 von Paris wieder nach Deutschland zurückkehrte. Bei Jemen Studien der nordischen Bane hat er FouauSs Heldenlieder wofür alle Anzeichen sprechen stark benützt. So ist Fouanö auch »um Anreger unteres größten Mullkdramailkers geworden.

Es lohnt sich, den Sauten jenes Fouauö nachzugehen, der neben bet lieblichenUndine" bet nationalen Dichtung bei Deutschen manches wertvolle Stück getoenft hat unb an bem bas Bleibende und Wesentliche die eckt romantische Verschmelzung von völkischer Selbstbesinnung, Phantasie unb Wahrheitsbrang wat.

Heinz Rusch

Seile 2~ 9h. 18

Dond, WinL unö Sos

Von Wilhelm Schäfer x

Lus des Dichters BuckKleine Trübe" veröffentlichen wir mit Genehmigung des Verlages Albert Langen/Eeotg Müller in München folgenden Abschnitt.

(Die SLriftleitung)

Der Mond hängt im Raum bet Nackt, mit runbem Rücken über bem See, unb der SBinb wirft bte Wellen nach Osten. Von meinem Fenster aus könnte ick kaum ihren unsteten Drang erkennen, wenn bieles gleißende Lickt nickt wate, das der Mond über das Waller schüttet. Er schultet es gegen muh. und ick weiß wohl, daß es meine, nickt seine Lickibahn ist, die da flimmert: wenn ick am Ufer entlang ginge, sie wurde mir, treulich verbunden

Weil es die Lichtbahn meiner Augen ist, trotzdem er sie sendet, ist mir ihr Wesen geöffnet. In der Tiefe bewirkt der Mondschein nur ein Flimmern und Gleißen: aber vorn, wo die Weiden über dem Schiff stehen, treibt das Eewallei sein dreistes Smel mit dem Licht. Verschnörkelte Figuren leuchten rotlick heraus aus dem Dunkel, umgreifen lick, stoßen mit Flammenzungen gegeneinander, fallen zurück und vergeben: aber sofort sind andere da. basielbe Sviel rastlos zu treiben, libellenralck und rotglühend vor Eifer.

Ob ich weiß, daß es nur gesiegelter Schein auf dem drängen­den Waller ist. was da lein raftloles Soiel treibt: ick muß Welen- heit leben. Wesenheit, die nur schneller als sonst kein wird, ist und vergeht. Und da ich bewußt hm. denke ick lo: Immer nur da. wo die Elemente einander berühren, ist Sehen; amb dreier Schein einer Lebendigkeit ist das Ergebnis ihrer Berührung. Ware fern Wind, ruhte das Waller schwer unb glatt, tn bet Nacht, unb bte Licktbahn bes Mondes läge bargut wie Kerzenlckimmer auf Porzellan: wäre bie Licktbahn nickt, laben, bie Augen in eine schwarz schweigende liefe. Nun aber ber. Winb leinen Drang tn bas Waller wirft, müllen die Wellen einander jagen, unb.bas Monblickt kann leinen Schein aut ben springenden Rucken flackern lallen. , . . __

Aber so mag es mein Kovr »erdenken, bte Augen können, es nickt Sie sehen ben Tau, eines Lebens, bas tausendmal, stirbt und taufenbmai wieder lebendig ist unb bas schwarze Dunkel nickt für&tet. aus bem es ins Lickt bes Lebens geworren wird, stck Seinem zuckenden Glück hinzugeben bis zur raschen (Ermattung, eie sehen nickt Waller. Wind und gespiegeltes Lickt ihr mechanisches Sviel treiben: sie sehen Figuren in der Nacht tanzen, als ob ihr feuriges Wesen eine Geburt bet Nackt wate.

So feben bie Augen unb weihen nickt müde.zu schauen, bis sie bas bebenbe Sviel su verfolgen m bte liefe hinein suchen unb staunen!, erstarren: beim was b.a nuten im Schiff das eigentümlichste Leben ist. vergeht bald tn einem rlackernden Glanz, unb hinter ihm wachst es fick breit aus sum Flimmern unb Gleißen unb ist nur noch ein sieghafter Schein auf bem bunllen See. darüber ber Mond im Raum ber Nackt hängt.

So könnte Gott, sagen bie Lippen, seine in stck selber.ruheitbe Lust am Sviel ber Menschen haben, bas aus dem Dunkel int eine Sekunde ins Lickt geworfen, fein eigenes Dasein zu leben glaubt in ihm nur geschenkten rriguren. weil, der Wind die Wellen, nach Osten wirft und der Mond eine Lichthabn über bte glatte Flache Des Todes sendet, barattf ,sic tanzen