Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener Tagblatt

S*nfl itttb ÄerlM: S. SdieUeitbetii'Mie Sndibruitetei. Kammeiie 21 «fiand! ' Sßdientlidi in 6’Mndaaben Erjcheinimaszeit werttäalich nachmittags

srjcheinmrgszelt werktäglich nachmittag»

Druck und Verlag: 8. Scheltenberg'iche «uchdruckerez, Langgasje Sir. 21 (Dagblatt-Hans)

Wöchentlich in 6 Ausgabe»

91. Jahrgang

Nr. 10

Mittwoch, 13. Januar 1943

23 Britenflugzeuge in Libyen vernichtet

Berlin, 12. Jan. Über der libyschen Wüste, im Gebiet der Groben Sorte, errangen am 11 Januar deutsche und italienische Jagdflieger einen großen Erfolg gegen britische

Eichenlaub für drei Kampfflieger

Berlin, 12. San. Der Führer hat drei bewähricp Fliegern das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und zwar:

als 172 Soldaten der deutschen Wehrmacht dem Oberleutnant Hein, Frank. Staffelkapitän in einem Schlachtgeschwader.

als 173. Soldaten der deutschen Wehrmacht dem Major Dr. Ernst Kupfer, Eruppenkommandeur in einem Sturrkamof- geichwader,

als 174. Soldaten der deutschen Wehrmacht dem Hauptmann Bruno Dillen Kommandeur in einem Sturzkarnpfgeschwader.

Den mit der hohen Tapferkeitsauszeichnung beliehenen Offi­zieren wurde folgendes Schreiben des Führers übersandt:

„Sn dankbarer Würdigung Shr«, heldenhaften Einsatzes im Kampf um die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

gez. Adolf Hitler."

Ein Schieber Statthalter Roosevelts in Australien (Eigener Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung). *

Überfall auf ein japanisches Lazarettschiff

Sckouan, 12. San, Di« javanischen Behörden gaben be­kannt. daß das javanische Lazarettschiff ..Arabia Maru". das den Bestimmungen entsprechend an den Bordwänden das Rots Kreuz trug, am 4. Januar von drei amerikanischen ..Consolidated-Bombern" im Hasen von Rangun mit Bom­ben belegt wurde. Alle vom Feind abgeworfenen Bomben fielen innerhalb von zehn Meter von dem Lazarettschiff nieder — ein deutliches Anzeichen dafür, daß die feindlichen Flugzeuge das Schiff absichtlich angriffen. Am 10. Januar hat weiterhin ein amerikanisches U-Boot das javanische Lazarettschiff..Harbin Maru" in der südchinesischen See an­gegriffen und versenkt.

gerann. Sammei-'Jir. 59631 Drahtanschrift: TagMatt, Wiesbaden Postscheckkonto: Sranthin a. TO. 7405 Bezugspreise: Für zwei Wochen RM 0.94, für einen Mona: RM 2.— einschliesslich des Trägerlohnes Durch die Poft bezogen für einen Monai RM 2.35. zuzüglich RM 0.36 Bestellgeld • Einzelnummern RM0.I0 Bei Behinderung der Lieferung infolge höherer Gewalt lein Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises

Zuspitzung der Tanker-Krise

Alle Kriegspläne der Anglo-Amerikaner durch unsere Unterseeboote stark behindert

Oberleutnant Heinz Frank hat sich als Staffel­kapitän in einem Schlachtgeschwader durch heldenmütigen Einsatz und umsichtige Führung seiner Staffel besonders bei Tiefangriffen hervorgetan Im November 1942 konnte der bewährte Flugzeug­führer, der im Kampf um die Halbinsel Kertsch und bei Charkow mit seiner Staffel entscheidend in die Erdkämvfe eingriff, schon auf 700 Feindslüge zurückblieben. Im November 1942 wurde dem tapferen Schlachtflieger das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Oberleutnant Frank ist Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und anderer Auszeichnungen. Sm Laufe seiner zahlreichen Einsätze gelang ihm auch der Abschuß mehrerer feind- licher Flugzeuge.

Major D r. Ernst Kupfer wurde bereits am 23. Avril 1941 als Staffelkapitän in einem Sturzkamvfgeschwader mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz für hervorragendes Kämvfertum und entschlossenen persönlichen Einsatz ausgezeichnet. Als Führer einer Sturzkamvfgrupve hat Major Kupfer in kühnen An- griffen gegen Stalingrad feine Staffel geführt und wesent­lich zur Zermürbung des Gegners in den Fabrikvierteln der Stadt beigelraoen Am 30. Oktober 1942 führte Major Kursier den 500 Ferndflug durch. Er gehört zu den bewährtesten SturzkamvffNegern der im Osten eingesetzten Verbände der Luft­waffe. Für mehrfache Verwundungen trägt er das goldene Ver­wundetenabzeichen.

Hauptmann Bruno Sille» ist als Soldat und Flug­zeugführer vorbildlich durch Einfatzfreudigkeit und zähen Kampfes­willen. Sn über 200 Feindflügen zeichnete er sich schon in Polen. Norwegen und im Westfeldzug. int Kampf gegen England, im Mittelmeerraum, in Afrika und auf dem Balkan aus. Hauvtmann Dilleq ist als Verbandsführer feiner Stuizkamvfflieger an den großen Erfolgen im Osten hervorragend beteiligt Am 4. Juni 1942 wurde der auf allen Kriegsschauplätzen erfolgreiche Flieger mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Haupt­mann Dille» hat bereits über 600 Feindflüge durchgeführt.

Unter den gestern als versenkt gemeldeten Schiffen be­fand sich, wie das OKW. mitteilt, auch als besondere Beute unserer Unterseeboote ein Geleitzug-Vegleitschiff. das außerordentlich stark für die U-Boot-Abwehr eingerich­tet war. Dieses Hilfskriegsschiff war u. a. mit vier Kanonen auf dem Vorschiff bewaffnet und verfügte über Wasser­bomben. Nebelgeräte, ein Wasserflugzeug und ein großes Motorboot für direkte U-Boot-Bekämpfung. Von der letzten Eeleitzugschlacht bei den Azoren im Dezember vorigen Jahres hatte dieses Geleitschiff, wie sich nach der Torpedie­rung herausstellte, eine große Anzahl Schiffbrüchiger an Bord. Nach wiederholten Angriffen versank das Schiff, das sich durch die verschiedensten Kursänderungen den U-Boot­angriffen entziehen wollte, so schnell, daß nicht einmal die Rettungsboote zu Wasser gelassen werden konnten. An der Untergangsftelle trieben, nach den Angaben des U-Voots- kommandanten, auf dem Wasser schwimmend oder auf den wenigen, völlig überfüllten Flößen, auf denen die Schiff­brüchigen nur stehend Platz finden konnten, drei- b i s vierhundert Menschen.

Insgesamt haben unsere U-Boote in den letzten beiden Tagen 29 Schiffsversenkungne mit zusammen 21 3 0 0 0 B RT. als stolzes Ergebnis ihres zähen und unermüdlichen Einsatzes melden können.

Der Anteil der italienischen U-Boote

Rom, 12. Jan. Die italienische U-Boot-Waffe ver­senkte leit Kriegsbeginu 30 feindliche Kriegsschiffe mit zusammen 140000 Tonnen und 154 Handelsschiffe mit rund 1200 000 BTR. Außerdem schossen italienische U-Boote 12 feindliche Flugzeuge ab. '

Bei diesen 184 Schiffseinheiten handelt es sich nur um mit Sicherheit festg-stellte Versenkungen. Richt inbegriffen sind die vielen torpedierten und schwer beschädigten Ein­heiten, so daß die italienische U-Boot-Waffe tatsächlich dem Feind noch weit höhere als die eben genannten Verluste zu­gefügt hat. Unter den erfolgreichsten Ü-Boot-Kommandanten steht an erster Stelle der Korvettenkapitän Fecia di Cessato, der 17 Handelsdampser und einen Kreuzer versenkte, sowie ein viermotoriges Flugzeug abschoß. Insgesamt vernichtete er 103 581 BRT. feindlichen Handelsschiffsraum. Die zweite Stelle hält Fregattenkapitän Enzo (Swift mit 97 873 BRT. und die dritte Fregattenkapitän Longaneso Cattani mit rund 80 000 BRT.

Angriffsmöglichkeiten. Auch die ..Daily Mail" klagt jetzt, daß sich der Krieg ausgeweitet hab« (worauf man früher so stolz war), daß infolgedessen auch längere Nachschuhlinien zu überwachen seien. Man findet jetzt also ein Haar in der anglo-amerikanischen Kriegsauswettungs-Strategie und gibt damit zu, daß Unsere U-Boote alle Kriegsvläne der Anglo-Amerikaner schwer behindern, wenn nicht gar über den Haufen werfen.

Jäger. Bei freier Jagd wurden über dem feindlichen Ge­biet und der vorderen Front nach bisher vorliegenden Mel­dungen 18 britische Flugzeuge abgeschofsen.

Im Verlauf heftiger Einzelkämpfe erzielte Eichenlaub- träger Oberfeldwebel Reinert 5 Abschüsse hintereinander und erhöhte damit die Zahl seiner Luftsiege auf 110.

Eichenlaubträger Hauptmann Hack! schob seinen 122. Gegner ab. Eine Curtiß-Tomabawk wurde zur Rotlandung im Niemandsland vor den eigenen Linien gezwungen. Ein sofort eingesetzter deutscher Stoßtruvv nahm den britischen Piloten gefangen und zerstörte das Flugzeug.

Italienische Jagdbomber schollen im Tiefangriff gegen einen frontnahen britischen Flugplatz in der Wüste vi« r Flugzeuge am Boden in Brand und erzielten Bombenvolltresfer zwischen abgestellten Flugzeugen. Deutsche Flakartillerie schoß ein britisches Flugzeug ab. Damit be­tragen die Gesamtoerluste der britischen Luftwaffe in Libyen am 11. Januar 23Flugzeuge.

m. Berlin, 13. Jan. (Eia. Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Die Feststellung, daß unsere U-Boote allein an Tankerschiffsraum seit Beginn des Krieges rund 5,1 Millionen BRT. versenkten, zeigt erneut, welch schwere Wunden unsere U-Boote den Änglo-Amertkanern schlagen. Man muß sich nämlich einmal vor Augen halten, daß der gesamte Tankerbesitz des Britischen Weltreiches und der USA. zusammen bei Krieg sausbruch 6 Mill. B R T. betrug. Das bedeutet nun natürlich nicht, daß die Anglo-Amerikaner heute nur noch rund eine Million BRT. an Tankerlchiffsraum verfügten. Einmal haben untere U-Boote auch eine ganze Zahl von Tankern versenkt, die nicht den Anglo-Amerikanern gehörten, wohl aber in ihrem Dienst fuhren. Zum anderen haben unsere Gegner natürlich auch versucht, den vernichteten Tankerschiffsraum zu er­setzen. Dem sind aber Grenzen gezogen, denn der Bau derartiger hochwertiger Svezialschisse dauert Seine Zeit und so hat ja auch erst dieser Tage der Admiral Land etnge- stehen müssen, daß im ganzen Jahre 1942 in den USA nur 42 Tanker gebaut werden konnten. Rechnet man eine durchschnittliche Größe von 8000 BRT. für diese Tanker, so würde das bedeuten, daß die USA. im ganzen Jahr 1942 rund 336 000 BRT. an Tankerschiffsraum fertigstellten. Unsere U-Boote aber versenkten, wenn man die deutsche Mitteilung vom 11. Oktober vorigen Jahres zu Grunde legt, nach der bis dahin 4.6 Millionen BRT. Tankerraum ver­nichtet worden waren, in den letzten drei Monaten rund eine halbe Million BRT. dieses überaus wertvollen Scknns- raums. Gerade der Verlust an Tankern wirkt sich für den Feind besonders fühlbar aus. muß er doch reden Tropfen Öl, den er für seine Kriegführung, aber auch tur seine heimische Wirtschaft gebraucht, über Seee heranjubren.

So verstärken denn die neuen Erfolge unserer U-Boote im gegnerischen Lager die ohnehin recht erheblichen Sorgen um die Schiffahrt. Eine ganze Reibe englischer Zettungen widmen sich diesem Thema, so sehr sich auch die amtlichen Londoner Stellen bemühen, die Aufmerksamkeit von diesen Dingen abzulenken. Bald unterstreichen die Blätter, die wachsenden Schwierigkeiten für den Transport des Krtegs- §eräts. bald die Auswirkungen auf die Ernäbrungslage, der nfel. bald die begrenzten Möglichkeiten zur Verschiffung von Truppen. Ähnlich ernst klingen auch die Stimmen aus den USA. Man verweist darauf, daß die Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen, für die Demokratien in erster Ltnt« von der Schiffahrt und der Sicherstellung der Seewege abbangt (Admiral Stark). Überall wird eine energischere Be­kämpfung der U-Boote gefordert, ohne daß man dafür ein Rezept anzugeben in der Lage wäre. Kurzum, man erkennt, was die Erfolge unserer U-Boote bedeuten. Ein Ichwedischer-Korrespondent in London schreibt zu diesem Thema, es sei für die Engländer und Amerikaner eine gigantische Aufgabe, den Nachschub für alle Weltmeere, in die Sowjetunion, nach Indien, Australien. England und jetzt nach Nordafrika zu lenken. Jede Ausweitung, des Krieges bedeute für die U-Boote eine Vergrößerung ihrer

DeichSstszeit durchgehend von 8—18 Uhr nutzer Sonn, uno Feiertags • Beniner Büro Berltn-Wiimersdorr Anzeigenprett«: Ein MtMmeier Höhe der 22 Millimeier breiten Spalte im Anzeigenteil RM 0.07, der 46 Millimeter breiten Spalte tm 2enteil RM 0.60, im adrigen ist Preisliste Nr. 10 maßgebend ■ Nachlaße nach Preisliste Nr. M> • Schluß der Anzeigen-Ann-Hm- 9 Uhr vormittags, größere Anzeigen am Bortage

as. Berlin, 13. San. Roosevelt hat den USA. zu einem neuen Skandal verhalfen. Er hat nämlich als Gesandten für Australien den Eroßschieber FIynn in Vorschlag gebracht. Flynn erfreut sich der besonderen Freundschaft des US.-amerika­nischen Präsidenten hat er doch den Wahlfeldzug Roosevelts 1940 geleitet. Sn der Wahl seiner Mittel scheint Herr Flynn keine Bedenken zu kennen, jedenfalls wirft man ihm vor, daß er Ar­beiter und Material der Stadt New Port zur Verschönerung seines eigenen Gutes benutzte und eine Bezahlung dafür erst ge­leistet hat, nachdem er öffentlich angeprangert worden war. Diese Schiebungen müssen einen recht erheblichen Umfang gehabt haben, denn in den in dieser Hinsicht gewiß nicht überempfind­lichen Vereinigten Staaten ist jetzt eine starke Strömung gegen Flynn festzustellen, die es sogar fraglich erscheinen läßt, ob der Senat seine Zustimmung zu der Ernennung geben wird. Sedenfalls werden einheitlich sowohl im Lager der Republikaner als auch der Demokraten heftige Angriff« gegen Flynn gerichtet. Willkie erklärte beispielsweise, daß diese Ernennung alle an­ständigen Bürger persönlich berühren würde. Der Senator Sty - ley äußerte, daß die Ernennung Flynns eine Beleidigung des ausstralischen Volkes sei und auch die „New Pork Times" brachte zum Ausdruck, daß bas Prestige der USA. im Ausland und die

Moral in der Heimat durch eine so zynische Aktion verletzt würden, „wie sie der Trick darstellt, die politische Verlegenheit um Flynns weitere Amtsführung als Vorsitzender der Demo­kratischen Pattei dadurch zu umgehen, daß man ihn zum ausstra lischen Gesandten macht." Angesichts dieser oppositionellen Stimmen erwartet man eine ziemlich heftige Auseinandersetzung im Senat über die Ernennung Flynns. Auch in England wird man diese Angelegenheit nicht ohne Sntercsie verfolgen, denn schließlich dürste cs ja auch den Engländern nicht ganz gleichgültig fein, wer zum Statthalter Roosevelts in den britischen Dominions er­nannt wird. Dafür aber, daß der Schieber Flynn nicht nur als Gesandter nach Australien gehen soll, sondern daß seine Vollmachten erheblich weiter reichen, hat Roosevelt gar keinen Zweifel gelassen Er betonte nämlich in einem Schreiben an Flynn, daß er ihn gleichzeitig zu seinem persönlichen Botschafter in Australien und tm südlichen Pazifik ernenne. „Ich wünsche die Freiheit zu haben, mich Deiner Dienste in verschiedenen anderen Tätigkeiten zu ver­sichern, die über Deine Pflichten als Gesandter hinausgehen". So heißt es wörtlich in dem Schreiben Roosevelts an Flynn, d. h. also, daß dieser Eroßschieber Statthalter Roosevelts in Australien werden soll.

Die große Lüge

(Von unserem Berichterstatter)

(—nn) Stockholm, im Januar! 1943

Was immer das vom Rooseveltschen Gehirntrust — also von den Juden Rosenman, Cohen, Frankfurter und Morgenthau — ausgeheckte „Weißbuch" an Lug und Trug und bewußter Ver­drehung der Tatsachen bedeuten mag, vor allem beweist es aber erneut jene geradezu verhängnisvolle und gefährliche Zwie­spältigkeit, die heute in der Praxis der nord amerikanischen Diplomatie zwischen Mythos und Wirklichkeit, zwischen dem „American Dream" und der rücksichtslosen Raubvoliiik klafft. Es gehört seit über 100 Jahren zum Stil des Denkens der USA.- Jmverialisten, von Weltbeglückung zu sprechen, wenn sie koloniale Ausdehnung meinen, von friedlichen Absichten und „Überfall", wenn sie in der infamsten Weise einen Kries herbeiführen, von „guter Nachbarschaft", wenn es darum geht, dem südamefikanischeu Kontinent den „big stick" zu »eigen und ihn mit vorgefaßter Ab­sicht in Sklavenketten wirtschaftlicher Abhängigkeit zu lesen, und schließlich von „Manifest Desriny" — also von „göttlicher Vor­sehung" — wenn wirtschaftliche Interessen bei bei nackten Raub­und Eroberungspolitik im Vordergrund stehen.

Es ist gut, wenn man sich stets dieser Tatsache bewußt bleibt, daß die nordarnerikanische Politik seit ihren ersten Anfängen „Wasser auf beiden Schultern, getragen" hat, und es wäre ein verdienstvolles Werk unserer Historiker, wenn sie die Geschichte der Vereinigten Staaten unter diesem Gesichtspunkt, sozusagen mit dem unbestechlichen Blick eines Nietzsche für den Willen zur Macht, noch einmal schreiben würden. Sie würden bann die durch­aus nicht erstaunliche Entdeckung machen, daß beispielsweise schon das berühmte Pamphlet „Comnion Sense" — am Vorabend der Unabhängigkeitserklärung von Thomas Paine im Januar 1776 verfaßt — den Keim für de» grenzenlosen Imperialismus eines Roosevelt in sich trägt, daß sich der jetzige Präsident zumindest auf den Geist dieses von glühendem Pathos getragenen Flug Mattes beruft. Er lautete: „Oh ihr, die ihr die Menschheit liebt! Auf jedem Fleckchen der Alten Welt herrscht heute die Unter­drückung. Die Freiheit wurde um den Erdball gejagt. Sie wurde längst aus Asien und Afrika vertrieben. Europa sieht in ihr eine Fremde, und England hat ihr längst den Rat gegeben, zu ver­schwinden! Oh erbarmt euch der Flüchtige» und bereitet ihr ein Heim für die Menschheit!"

Aus dem'Schlagwort eines „Heims für die Menschheit" ist heute die passendere Formel „The American Century" geworden aber der Inhalt ist der gleiche geblieben. Unter dieser Formel haben die Vereinigten Staaten es verstanden, rund 180 Jahre lang einen schaurige» Gespenstert»»» aufruführen, habe» fte seit 1783 nicht weniger als 164 militärische Eingriffe, Demonstrationen. Raubzüge und koloniale Eroberungen ausgeführt und haben die Welt mit einer Ideologie geblufft, die in einer fluchtigen Weltcnsckunde die Kraft besaß, durch de» Glauben an die Freiheit und Gleichheit der Menschen die Mißstände des Ancien Regime und die Willkürherrschaft des absoluten Monarchen Ludwig XV. Hinwegzusegen, Für die Entwicklung Nordamerikas bedeutete diese Ideologie aber schon zu Zeiten der von dem Präsidenten Jackson verkündeten „eia of goob feeling“ eine Farce noch später aber, als die USA. ihren eigenen Raum ausgefüllt hatte», als sie vor allem für den koloniale» Eroberung!,- und Ausbeutungsstil rein sachliche Ergiebigkeitsgrenzen ergaben, eine Gefahr, die heute die ganze Welt bedroht.

Alle Einzelheiten imperialistischen Machtwiüens aufruzähleu die sich an Hand dieses roten Fadens ergeben, ist im Rahmen dieser gedrängten Betrachtung unmöglich. Aber es fei hier nur kurz auf einen besonders auffälligen Bluff hingewiesen, mit dem die Welt seit 1823 fortgesetzt genarrt wurde: Wir meinen die Botschaft, die der sonst völlig bedeutungslose Präsident Monroe an den Kongreß richtete und die von allen Botschaften nord­amerikanischer Präsidenten — von der für Deutschland so ver­hängnisvollen Wilsons über hie 14 Punkte vielleicht abgesehen — am meisten Geschichte gemacht hat. Es wird viel von ihr ge­sprochen, was nicht hindert, daß die wenigsten über1 ihre Be­deutung und ihren wahren Charakter Klarheit besitzen. Es fei hier nur so viel gesagt, daß es sich keinesfalls um eine wirkliche „Doktrin" handelte, in der also auf Grund historischer Beob­achtungen allgemeine Erfahrungssätze niedergelegt wurden, so» dern um nichts anderes als um die sehr vorsichtige und unver­bindliche Formulierung nordamerikanischer Interessen, aus bet» Blickpunkt unb bet politischen Konstellation des Jahres 1823 ge­sehen. Und diese Konstellation macht vor allem eine vorsichtige Haltung gegenüber — England notwendig. Es handelte sich also weder um ein „Naturgesetz" der Außenpolitik der UVA. noch um ein Prinzip, sondern um eine für einen bestimmten Zweck erfolgte Erklärung, an die man sich schon wenige Jahre später gegenüber den südamerikanischen Staaten nicht gebunden fühlte, und die man seit den Tagen Monreoes immer so auslegte, wie es Vic Interessen der USA. erforderten! Wilson zog sich seinerzeit so aus der Schlinge, daß er der Botschaft Monroes eine „weltweite Anwendung" empfahl und dafür eintrat, daß die europäischen Nationen die „Doktrin" als „Weltdoktrin" annehmen sollten!

Was hinter dieser Empfehlung steckte, ist zwar den Besiegten, des Weltkrieges schon lange klar, denn sie haben ja Dawes und Poung erlebt, welche diabolische Machtpolitik in ihrem wahren Kern verborgen war. hat aber erst Roosevelt offenbart. Das „verheißungsvolle Vorspiel" bildeten die acht Punkte des Machwerkes, das Churchill und Roosevelt in den Tagen vom 10.—13. August 1941 in einem Winkel des Atlantiks verfaßten, und das sie überheblich „Atlantik-Charta" nannten. Damals dürfte Churchill allerdings noch nicht geahnt haben, was er heute sicherlich weiß: Daß nämlich diese Charta von gewissen nord-