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Sette 4 Rr. 6

Wiesbadener Tagblatt

Freitag, 8. Januar 1SW

Wiesbadener Nachrichten '

Dom Sinn des Opfers

Zu« erften Opferfountog im neuen Jahr

Ov f er. Mir manchen Satten ein unbeauemes Wort, denn kein Sinn heißt verzichten. Mag er sich auch im Innern über Ethik und Aufgabe des Ovfers nicht im klare» sein, so empfindet er doch dessen Forderung, die seine selbstzufriedene Sattheit be- drohen könnte. Er gibt also nur und opfert nicht, schon des Wortes willen, das ihm mißfällt. Wir sollten uns dieses Wort jedoch einmal genauer ansehen, das Opfer mit dem grauen Mantel Verzicht. Denn wenn wir es aufzusvüren suchen, im täglichen Leben, wird es uns überall die Hand reichen. Welches Leben wäre nicht eine Kette von kleinen und größeren Opfern? Wer aber nun glaubt, dies sei hart gesagt unb' ohne Freude, der irrt. Gerade an diesen Opfern, diesen täglichen Verzichten erst, können wir wachsen und werden. Nicht satt und selbstzufrieden, sondern ausgeschlossen und den Bindungen des Lebens zugeneist. Es bröckelt etwas ab von unserem Lebensbau mit diesen Opfer,?, doch was wir verlieren, es ist nur Zierrat, überflüsiig oder sogar behindernd. Man sage nicht, ein klarer und einfacher Lebensbau sei karg, es liegt gerade tn dieser verzichtenden Erobflächigkeit eine echte Schönheit.

Um dieses Opfer aber geht es uns hier nicht einmal. Es geht uns um ein in seiner Auswirkung für den einzelnen weit gering­fügigeres. im groben gesehen jedoch viel tieferes und weiter ge­spanntes Opfer, um die persönliche Mitarbeit an einem sozialen Hilfswerk der Gemeinschaft. Ein Volk ist wie ein Wald, ein lebendiger Zusammenschluß, gespeist aus dem Boden, auf dem es wächst. Und was wir auch opfern, es geht nie verloren, was wir entbehren, es kommt dem Boden »u gute und somit letzten Endes auch wieder uns. Um es auf reale Weise zu sagen, so kann ohne den Einsatz eines jeden ein Volk nicht leben, nicht arbeiten, sich nicht Hochrecken und auch nicht fortkommen. Der Ausbau eines Staates folgt groben Linien, die sich aber bis zum Kleinsten ver­ästeln in die Vielfalt des Lebens. Es hängt dies alles verwurzelt zusammen. Vom Kleinen aus baut sich das Grobe auf. Das Große ist die schöpferische Tat, geboren aus einem weitsichtigen Geist, das Kleine des Groben Unterbau, ohne den auch das Grobe u.cht bestehen könnte. Ein soziales Fürsorgewerk für das Volk muß aus dem Volk kommen, ein jeder gebärt ihm an, also auch du. Gewiß, du hast dich nie ausgeschlossen, hast immer gegeben, aber hast du auch gewußt um den Sinn der Gäbe oder des Ovfers und für was du gibst. Du sollst nicht einfach geben, weil jeder gibt, du sollst nachdenken und sollst von dir aus auf deine Weise zu begreifen suchen, welche einmalige Aufgabe hier aus vorbildliche Art gelöst wird. Und du sollst dieser Ausgabe gerecht werden durch ein be­dachtes Opfer. Es bietet der Alltag so mannigfach Möglichkeit hierzu. Du gehst ein Glas Bier trinken, ohne eigentliche Lust, du könntest! ohne dir weh zu tun, es missen. Es wären dies 35 Pfennig, die du bei deinem Opfer mehr geben könntest. Für dich eine kleine Summe, für den Gedanken des Hilfswerkes, dem auch das Wenige viel ist, ein wichtiger Beitrag. Oder du suchst aus Langeweile ein Kino auf. du setzt dich, weil du nichts Besseres zu tun weißt, in ein Eafö, lauter Pfennige gibst du dabei aus, Pfennige, die, wenn ein jeder bedächte, sie dem Winteihilsswerk zuzuführen, zusammen-

slöben zu einem groben Strom der Mark, der rasch entstünde, wenn ein jeder ein klein wenig nachdenken möchte vor dem Geben und ein klein wenig sein eigenes Ich vergäbe vor dem Wir.

Am kommenden Sonntag ist der erste Opfersonntag des neuen Jahres 1?!3. Wir wollen uns vornehmen, uns von jetzt ab anzu­gewöhnen, immer ehe wir spenden daran zu denken, warum wir spenden, damit wir nicht nur geben, sondern opfern. A. Mr.

Etwas zum Nachdenken

Vor einigen Tagen wurde von einem Frontabschnitt gemeldet, dab jeder einzelne Soldat einer Kompanie den Sold von zwei Monaten für das Kriegs-WSW. geopfert hat.

Ergriffen stehen wir vor dem Ovferwillen und der Ovfer- bereitschaft der kämpfenden Truvve. Neben-den Blutovfern bringt sie auch das überwältigende finanzielle Ovfer für die Mütter und Kinder in der Heimat. Viele Vollsgenosien mögen sich fragen, was unsere Soldaten zu einem solchen Opfer veranlagt. Ein Fronturlauber hat den Grund mit folgenden einfachen Worten genannt: „Wir sehen täglich das Elend der Bevölkerung in So- wjet-Rubland. Was liegt näher, als dabei an die sozialen Ver- hältnisie in der Heimat zu denken, an die segensreiche Arbeit der Hilfsstelle „Mutter und Kind", an die Müttererholungsheime, an die Kinderheime und Kindertagesstätten. Wir erkennen im tiefsten Herzen, dab wir uns um diese Einrichtungen früher viel zu wenig gekümmert, viel zu wenig zu ihrer Entstehung und zu ihrer Erhaltung beigetragen haben. Wir spenden heute einen Teil unseres Soldes dem Kriegs-WHW.. weil wir in der Arbeit der NSV. mit die Sicherung des kommenden Wasfensieges sehen."

Sollten hier nicht alle an diese Worte eines Frontsoldaten denken, wenn am Ovfers onntag der NSV.-Blockwalter bei uns vorspricht?

NataaMi zur erhöhten Pflicht

Aufruf zum 5, Opfer sonn tag 1943 am 10. Januar

Volksgenossen und Volksgenossinnen

„Mit dem ganzen Fanatismus dessen wir fähig sind führen wir den uns aufgezwuugenen Krieg, wir werden diesen siegreich beenden, dank unserer eigenen Kraft, dem Mut unserer Truppen, der Treue und der Arbeit unserer Heimat", so sprach zu uns der Führer in seinem N,e u - jahrsaufruf.

Durch Kampf, Arbeit und Opfer zum Sieg! Der 5. Opfersonntag ist Mahnung zur erhöhten Pflicht. Unser Spendenbeitrag soll zum Ausdruck bringen, daß sich der Führer auf uns verlassen kann.

Wiesbaden, 8. Januar 1943.

Der Kreisleiter:

i. V. W a g n e r

im Vorfeld von Lenin

— Der Nundsuuk am Samstag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsprogramm: 15 Uhr „Älinsenbes Märchenbuch". 16 Uhr Froher Samstagnachmittag, Uhr Poli- lische Hürszene von Rudolf Stäche, 18.30 Uhr Zeiffvregel, 19.-0 Uhr Frontberichte. 19.45 Uhr Sans Fritsche spricht, 20.15 Uhr Bunte Unterhaltung. 21 Uhr „Die luftige Stunde am Wochenende. 2130 Uhr Das deutsche Tanz- und Unterhalrungsorchester. 3m Deutschlandsender: 17.10 Uhr Kleine sinfonische Sätze und Solistenrnustk. 20.15 Uhr „Musikalische Drehbühne": Over. Konzert. Unterhaltung. m ~ . , „ „ .

— Lor 75 Jahren wurde rin .,W. T.' folgende Polizeiver­ordnung veröffentlicht' „Zur Erhaltung der Reinlichkeit auf den öffentlichen Stroben. Wegen und Plätzen finden wir uns veran­laßt auf Grund des § 11 der Verordnung über die Polizeiver- waltung in den neu erworbenen Landestheilen vorn 21 September d I für den Umfang unseres Verwaltungsbezirks die folgende Vorschrift su erlösten: § 1. Vom 1. October l. 3. an ist es ver­boten. Mistjauche und andere unreine oder übelriechend Flüssig­keiten jeder Art auf öffentliche Straßen. Wege und Plätze fließen zu lasten oder auszu'chütten § 2 Übertretungen dieses Verbots werden nach Maßgabe des § 344 des Strafgesetzbuches geahndet Wiesbaden, den 8. Januar 1868. Königliche Regierung. Abtheilung des Innern ge». v. M e u b e l."

— Went «ehrbezirkseinteilung für Schornsteinfeger. Zur Steigerung der Feuerficherheit im Regierungsbezirk Wiesbaden und des sozialen Ausgleichs für die einzelnen tn Betracht kom­menden Betrieb« hat der Regierungspräsident für den Stadt­kreis Wiesbaden und die Landkreise seines Bezirks nach Anhörung der Handwerkskammer, des Eesellenwarts der Schorn­steinfeger-Innung und des Eaufachschaftswalters der Reichs­betriebsgemeinschaft „Sas deutsche Handwerk" eine neue, ab L Januar 1943 gültige Kehrbezirkseinteilung festgesetzt.

Versorgung

Neben diesen Aufnahmen stehen wieder Bilder von der harten Abwehrschlacht an der Ostfront. Im Raume von To- r o p e z schließt sich der um mehrere bolschewistische Divisionen ge­zogene Kestel immer enger. Unter Einsatz stärkster Kräfte versuchen die Bolschewisten durchzubrechen. Im schweren Feuer unserer Waf­fen brechen alle diese Versuche zusammen. Die Vernichtung der ein­geschlossenen Feindkräfte wird planmäßig fortgesetzt. Mit allen Mitteln wird der Widerstand gebrochen. Bei grimmiger Kälte muß der Feind in zähem Kampf niedcrgekungen werden Die Zahl von 4200 Gefangenen gegenüber 1400 gefallenen Bolschewisten beweist die ungeheuere Härte dieser Kesselschlacht bei Toropez und die Überlegenheit des deutschen Soldaten und seiner Waffen in diesen schweren Winterkämpfen.

Im Norden der Ostfront sehen rott die deutschen Stellungen im Vorfeld von Leningrad. Ständig wird am Aufbau und an der Instandsetzung der Gräben und Unterstände gearbeitet. Die Einschließungsfront reicht hier an einigen Stellen bis zu den Endhaltepunkten der Straßenbahnen heran. Weiter zeigt uns die neue Deutsche Wochenschau noch Bilder vom islamischen Opfers eft Id un Adha in Tunis und Aufnahmen aus der Heimat. IPS.

Kreuzerkrieg im Südatlantik

®ie neue Filmwochenschau

Von einem Heldenlied unserer deutschen Seeleute weiß die neue Deutsche Wochenschau zu berichten. Der deutsche Hilfskreuzer „Atlantis" wurde nach zweijähriger erfolgreicher Kriegsfahrt im Südatlantik von einem Schweren englische» «teuer gestellt und nach ungleichem Kamps versenkt. Längere Zeit hat ein grö­ßerer Teil der Besatzung in kleinen Kuttern und engen Schlauch­booten auf offener See getrieben. Die Bilder zeigen die Über­nahme der Besatzung auf deutsche U-Boote. Aus den Gesichtern der Gereiteten lesen wir noch die Svuren der überstandenen An- strengungen aber auch die Freude über ihre. Rettung. _ Au? den seetüchtigen Booten wird ein Schlevvsug gebildet, aus den ein Teil der „Atlantis"-Besatzung verteilt wird. Auch italienische U-Boote find inzwischen herangekommen und haben die übrigen Besatzungsmitglieder übernommen. Nach wochenlanger Fahrt er­reichen die U-Boote mit ihren Schützlingen einen Stützpunkt an der Atlantikküste. In der Heimat meldet der Kommandant, Kapitänleutnant zur See Rogge, dem Großadmiral R a e d e r die heimgekehrte Besatzung der „Atlantis". Sie ist 655 Tage in ! See geblieben ohne einen Hafen anzulaufen und hat damit eine in der Geschichte der Seefahrt bisher unerreichte Leistung voll­bracht. Im Anschluß daran sehen wir Schmalfilmaufnahmen von der kühnen Kreuzerfahrt der „Atlantis". Die Bilder wurden von der Besatzung selbst mitgebracht und zeigen Höhepunkte dieses Kampfes gegen die feindliche Versorgungsschiffahrt. Wir erleben die Vernichtung eines feindlichen Transporters und den Kampf gegen einen hritischen Tanker. Gewaltig steigt die Stichflamme des getroffenen vollbeladenen Schiffes empor, dicke schwere Wol­ken brennenden Ols wälzen fich weithin über die See. So oacken unsere Hilfskreuzer, auf fernen Meeren ganz auf sich selbst ge­stellt. den Feind und bedrohen ständig die Lebenslinien seiner

Sondermarke zum „Tag der Briefmarke"

WUMDM

Auch die Deutsche Reichspost gibt, wie bereits gemeldet, in diesem Jahre wieder eine Sondermarke zum „Tag der Briefmarke" heraus, die einen Nennwert von 6 -4- 24 Rpf hat Der Zuschlag kommt zum größten Teil dem Kulturfond des Führers zugute. Die ungewöhnlich schöne Marke wird bei allen Sammlern be­geisterte Aufnahme finden und eine besondere Zierde ihrer Samm­lungen darstellen.

Auch die Postverwaltung des Protektorats Böhmen uns Mähren würdigt in diesem Jahre zum ersten Male den Tag der Briefmarke mit einem Sonderwertzeichen. Eine Marke zu 60 Heller zeigt einen alten Postreiter auf einem Schimmel. Die Die Gemeinschaft Deutscher Sammler wird nach Möglichkeit dafür sorgen, daß auch diese Marke von den Veranstaltern auf den Ausstellungen am 40. Januar 1943 vertrieben wird.

— Das „SB. T." gratuliert. Am Samstag wird Frau Karl Koerner Ww., Feldstraße 27. 2., 80 Jahre alt. — Die Herren­schneiderei Bester. Saalgasie 8. konnte am 1. Januar auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken .. Am 1 Januar 1893 wurde die Schneiderei von dem Schneidermeister Christian B e s i e r ge­gründet. Der derzeitige Inhaber ist der Obermeister der Herren­schneider-Innung Wiesbaden-Untertaunus. Pg. Paul Friedrich B e | i e t. Kreishandroerksmeister Stoll überreichte im Auftrage der Handwerkskammer Ehrenurkunde mit Plakette und über­mittelte zugleich die Glückwünsche des gesamten Wiesbadener Handwerks.

Die Wei» der Frau

Gespräch mit uns selbst

Es sei gepriesen, dab wir Menschen so verschiedenartig find! Wohl gleich in einer gemeinsamen Gesamtart. im Wesentlichen und Grundsätzlichen des Menschseins, und doch in allen feinen Verästelungen und Ausstrahlungen so verschieden und eigenartig wie kein Sandkorn des Meeres dem anderen gleich ist und kein Augenvaar dem anderen In der Einmaligkeit liegt Wert und Verpflichtung, liegt das Persönliche und Entscheidende. Die W'rkung kommt hieraus, und diese wiederum ist tausendförmig und vielgestaltig im Seienden. Die Tat regiert die Stunde, und vor der Tat steht Gedanke und Entschluß, — aus Worten geboren, die kommen und gehen, die laut ober leise find. Das Gespräch mit dir selbst blüht nun auf. Du weißt nicht, woher es kommt und wohin es will. Du ertappst dich bei so einer kleinen Predigt, die du dir selber hälft, und manchmal bist du erschrocken, wie da alles aus dir herausgärt, zuweilen staunst du. wie kühn und mutig deine Gedanken fliegen und oftmals weißt du nicht, wie dir ge- gekchieht in dieser Zwiesprache, so zwingend und gewaltig ist ihr Rhythmus.

Ost macht ein mühsam getragenes äußeres Alleinlein fich Luft im leisen Wort in diese scheinbare Leere hinein: oft ist es eine Angewohnheit, mit der man unliebsamen Ernst abbiegen möchte, oder man will eine Brücke finden in das Reich von Wunsch und Sehnsucht. Wir glauben hier und da. daß es eine gewiße Ge­dankenlosigkeit sei. mit der man zu einem unsichtbaren Partner spricht, eine kleine Betäubung, die Forderungen des Augenblicks »uzudecken. — aber im Grunde ist es weit mehr als alles dies und doch auch wieder nicht, denn wir beleuchten ganz einfach uns selbst, indem wir uns enthüllen. Wir blicken in das Spiegelbild unseres Wesens' Wir rufen auf, was in uns schlummert, und alle kranken Stellen werden dabei ange- riihri und aUe starken Saiten angeschlagen. Das gibt Widerspruch und guten Klang, alles zusammen: in jedem Fall aber eine Blöße, wie wir sie nie sonst zeigen würden. Denn in jedem von

Schule und Kriegseinsatz

3uge::b mit frischer Kraft an die Arbeit

Am gestrigen Donnerstag sahen wir wieder unsere Jungen und Mädels mit Ranzen oder Mappen auf dem Weg zur täglichen Schularbeit. Die Weihnachtsferien haben es in sich: obwohl es Kriegszeit ist, hat unsere Jugend auch in diesem Jahre auf Spiel­zeug nicht zu verzichten brauchen. Es wurde tüchtig gebastelt und mit all den schönen Dingen eifrig in der Ferienzeit geipielt. Nun fordert die ernste Arbeit wieder ihr Recht. Man ist wieder mit Kameraden und Kameradinnen zusammen und es gab daher in den Pausen des ersten Schultages vielerlei zu erzählen. Wer seine Schulaufgaben ordentlich macht, hat ja auch „immer noch etwas Zeit Übrig, um spielen zu können oder ein schönes Buch zu lesen. Aber erst kommt die Arbeit. Dazu gehören die mancherlei Aus­gaben, die der Jugend im Kriegsdienst gestellt find Dre Eltern werden hierfür Verständnis haben, wisien fie doch, daß der Einsatz der Jugend auch mit dazu beiträgt, die Aufgaben zu erfüllen, die der Heimatfront gestellt sind. p-

Aus dem Katalog zur 4. Reichskleiderkarte Die Punktpflicht für HJ.-Kleidung — Zufatzkleiderkarten für werdende Mütter

Die Reichsstelle für Kleidung hat jetzt eine ausführliche An- orünung über die Verbrauchsregelung für Svinnstoffwaren her­ausgegeben, in der die bisherigen Bestimmungen zusammengefaßt und insbesondere die Einzelheiten für die 4. Reichskleiderkarte mitgeteilt werden. Dabei ergeben sich auf verschiedenen Gebieten noch Neuerungen von allgemeiner Bedeutung. Eine solche Neue­rung ist die Zusatzkleiderkarte für werdende Mütter, die bisher nur Bezugsscheine erhielten. Die neue Zu­satzkleiderkarte wird auf Antrag vom sechsten Monat der Schwangerschaft ab ausgegeben. Sie enthält 50 Bezugsabschnitte und gilt für ein Jahr. Bei den Regenmänteln tritt bei der 4. Reichskleiderkarte eine Herabsetzung der Punktzahl em. Sie kosten statt früher 25 nur noch 20 Punkte. Aus dem Katalog ergibt sich ferner, daß eine Reihe bisher frei verkäuflicher Artikel in die Punktvflicht einbezogen worden ist, um eine gerechte Verteilung dieser SBaren ficherzustellen. So sind beispielsweise jetzt Kopf­bedeckungen aller Art vunktpflichtig. auä)_ Hüte und Mützen, die nicht aus Spinnstoffen hergestellt sind. Ferner sind Schirme punktvflichtig geworden. Sie kosten sechs Punkte. A n - nähsohlen und Füßlinge werden mit einem Punkt be- wertet. Hosenträger kosten zwei Punkte, Sockenhalter einen Punkt. Damenkragen und D a in e n m a n s ch e t i e n werden mit einem Punkt berechnet. Punktpflichtig sind auch Kopfschützer. Brust schütze r. Kniewärmer und Pulswärmer, ebenso die verschiedensten Spitzen st offe und T Ü l l. Ferner sind zahlreiche Kurzwaren und Band­artikel im Interesse der gerechteren Verteilung in den Katalog übernommen worden. Die neue Reichskleiderkarte ent­hält für solche Einkäufe die halben Punkte. Für einen halben Punkt gibi es beispielsweise zwei paar Schnürriemen, Gummi­litze, Schwe siblatter, verschiedene Vandsorten, Wäscheträger. Auch Ansteckblumen und Ansteckschleifen kosten einen halben Punkt. Ferner ist die Punktbewertung von Reparaturen neu geregelt worden. Schließlich ist von allgemeiner Bedeutung die Einführung der Punktvflicht für HI. -Kleidung. Sie kostei etwa nur die Hälfte der für Zivilkleidung vorgesehenen Punkte. Roch dem Katalog kosten die Winterblusen zehn Punkte, die Überfallhose sieben Punkte, das Braunhemd neun Punkte, die Sommerdiensthose fünf Punkte, für die Mädels die Jacke 17 Punkte, die Weste acht Punkte, der Rock sechs Punkte, die Bluse fünf Punkte. Das Halstuch wird mit einem Punkt, Strümpfe werden mit vier Punkten, Söckchen mit zwei Punkten berechnet. Sport­hose und Sporthemd kosten vier bzw. drei Punkte. Die Einführung der Punktpflicht für HJ.-Kleidung wird durch Anordnung des Reichsjugendführers bedeutend erleichtert, wonachk die HJ.- Kleidung allgemein auch im zivilen Leben getragen werden darj.

Ahndung von Punkt- und Kartensünden

Das „abgekürzte Ordnungsstrafverfahren"

Punkt- und Kariensünder schädigen die Schlagkraft des deut­schen Volkes upb sind mehr ober minder große Volksschädlinge. Neben den Kapitalverbrechern gibt es aber gerade auf dem Ge­biete der Verbrauchsregelung auch kleinere Übeltäter und Ge­setzesbrecher. Die Strafe bemißt sich nach dem Grade des Ver­brechens ober Vergehens. Wie es sich mit bet Ahnbung verhält, legt Maoiftratsrat Dr. Brombach in bet Zeitschrift „Deutsche Justiz" in einem Artikel bat, bem wir folgenbes entnehmen:

Bekanntlich können Verstöße gegen die Verbtauchswirischaft Nach der Verbrauchstegelungs-Sttafvetfahrensordnung entweder mit einer gerichtlichen Strafe (Gefängnisstrafe, Hast, Geldstrafe) ober einer Drbnungsftrafe gesühnt werden. Das ordentliche Straf­verfahren greift nur Platz, soweit ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt, andernfalls wird gegen den Be» schuldigten eine Ordnungsstrafe von der Verwaltungsbehörde ver­hängt ober bei leichten Verstößen eine unanfechtbare, gebühren- pflichtige Verwarnung ausgesprochen. Gegen ben Strasbescheib, der die Ordnungsstrafe ausspricht, steht dem Beschuldigten bas Recht zu, binnen einer Woche nach Zustellung Antrag auf gericht­liche Entscheidung zu stellen. Das Amtsgericht entscheidet end­gültig Erst mit der Rechtskraft des Otdnungsstrafbescheides ist die Vollstreckbarkeit gegeben, eine vorläufige Vollstreckbarkeit ist bei der Ordnungsstrafe nicht vorgesehen.

In der Praxis wird ein großer Teil aller Verstöße gegen die Verbrauchswirtschaft im sogenannten Unterwerfungsveriahren er­ledigt. „Räumt der Beschuldigte die Zuwiderhandlung ein, so kann er sich in einer die wesentlichen Tatumstände und verletzten Vorschriften enthaltenden Niederschrift einer zugleich sestzusetzen- den Ordnungsstrafe unterwerfen Die Unterwerfung steht der rechtskräftigen Festsetzung einer Ordnungsstrafe gleich." Das Unterwerfungsverfahren ist ein abgekürztes Strafverfahren Es ermöglicht eine einfache, und schnelle, zugleich aber endgültige Er­ledigung des Verstoßes. Diese Vorzüge liegen besonders heute im

uns steckt ein Gefühl von seelischer Schamhaftigkeit, das es nur fetten einmal zuläßt, uns zu zeigen, wie roir_ gewachsen sind. Überkommene Hemmungen oder erworbene hängen schamhaft ein Mäntelchen vor unsere Schwächen, und mit tausend Entschul­digungen vor uns selbst bedecken wir die Nacktheit, die wir störend empfinden.

Vielleicht gehst du einmal einen schönen, stillen Waldweg in' sonniger Morgenfrühe: vielleicht stehst du hilflos und einsam nach bem Abschieb von einem geliebten Menschen: vielleicht rührte ein Hauch aus ber Ewigkeit bich an in einem Kunstwerk, bas zu bir svrach: vielleicht geschah im schlichten Alltag deines Lebens ein Wunder, das dich in die Knie zwang, — wer weiß' denn über­haupt. was geschieht und warum, wenn die Ergriffenheit uns anvack« mit glühenden Händen —? Wir möchten schreien vor Wonne und Web, doch unser Mund bleibt stumm. In uns ober regt sich bann ein Flüstern. Seufzen und Reben. Fragen und Zweifel lauchen auf, Ausrufe bes Entzückens. Worte ber Anklage und ber Not werben lebendig und wollen Antwort und Zuspruch erhalten Aus uns felbft durch uns selbst versucht Ringendes und Gärendes sich »u einer Ruhe zu löten, die helfend und wohl­tuend ist:

Mögen wir sagen, daß der Verstand die Vernuntt oder "as reine Gefühl die richtige Entspannung geben, mögen wir es den Geist ober bas Ilntaßbare nennen das uns nn'roortct.- - 'N diesen Gesprächen mit uns selbst ob sie um kleine oder große Dinge kreisen, ist der Zwiespalt aller Men'chlichkeit bloßgelegt wie eine schwärende Wunde Hell und Dunkel stehen gegeneinander. Gu-es und Böses. Simmel und Hölle. Es ist to: — wir reden viel Ge­danken und viele Warte, die in ein „Warum" aurklingen. und wenn es aus uns ein „Deshalb" spricht, dann müsien wir immer -noch fragen, zweifeln, drängen, — so sind wir.

Heilsam und fruchtbar sind diese'Zwiegespräche, die wir mit unserem anderen Selbst führen, das uns als Versucher oder Freund die Abgründe und Schönheiten des Lebens zeigt, um uns stark und mutig zu machen, froh und demütig. Adele Plüschke

Freitag Verdunkelung von 17.32—8.07 Uhr