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91. Jahrgang
Freitag, 8. Januar 1943
Nr. 6
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Glückwünsche des Führers an Königin Elena
Aus dem Füdrerhauptuuartier. 7. Sott. Der Führer bat Ihrer Majestät der Königin und Kaiserin Elena in Rom zum 70. Geburtstag am 8. Januar mit einem in herzlichen Worten gehaltenen Telegramm seine Glückwünsche übermittelt.
Wöchentlich i* « «»»gaben 'V Erschetmmgsze« werktäglich nachmittag» Geschäftszeit durchgehend von 8—18 Uhr anher Sonn- and Feiertags • Berliner 'Büro Serlin^Ulmerebotf Hin3eia enpreife: «in Millimeter HSHe der 22 Millimeter breiten Sparte im fünjeigent«! RM O.OT^ öet « Millimeter breiten Sparte hn leitteil RM 0.60, im übrigen ist Preisliste Nr. 10 maBgebenb ■ NachlLfle nach Preisliste Nr. u> • Schluß der Anreigen-Annahme 9 Uhr vormittags, gröbere Anzeigen am Bortage
Schwimmende Nachschubbasis unserer U-Boot«
Das Taul«r-U-Bo»t ermöglicht« erst di« global« Srelriegsührung
Der Australier Easey soll in Washington verhandeln «Eigener DrabtberiLt unserer Berliner Zchriitleitung).
as. Berlin. 8. Jan. (Eig. Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Die U-Bootgefahr macht den Anglo- Amerikanern derartige Sorgen daß Re gleich zwe i K o n - ferenzen diesem Für sie unlösbaren Problem widmeten. So hielt in den USA. Roosevel.t persönlich einen Kriegsrat ab. der über die Möglichkeiten neuer Luftver- kehrswege zur Entlastung der Schiffahrt beriet. Gleichzeitig kommt eine Meldung, dab in Datar unter Anwesenheit des Generals Eitaud amerikanische und britische Offiziere sich aus einer Konferenz ebenfalls in der Hauptsache mit der ll-Bootgefahr befassen werden. Dieses Problem ist ja auch zweifellos für.das ganze afrttantj6e Unternehmen der Anglo-Amerikaner von größter Bedeutung,. bedeuten doch die U-Boote, worauf wir gestern an Hand einer amerikanischen Stimme hinwieiem die schwerste Gefahr für den amerikanischen Nachschub. Selbst der Sprecher des Kriegsinformationsbüros in Washington erklärte, die A-Bootgefahr bleibt eines der ernstesten Probleme, Zu einem Teil spüren die US-Amerikaner das auch am eigenen Leibe. Wenn nämlich jetzt Nachrichten kommen, daß :n einzelnen amerikanischen Städten die, Fleischversorgung. oder auch die Fettversorgung Schwierigkeiten macht, wenn weiter berichtet wird, daß in Boston wegen Mangel an Heizmaterial Sonderferien für die Schulkinder eingelegt werden mußten und wenn man in New Bork amtlich erklärt, daß mit einer Schließung der 6d) ulen, Theater und
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Giraud befürchtet neue Attentate
Stockholm, 7. Jan. In Kreisen, die General Giraud nahe» stehen, befürchtet man neue Attentate, so heißt es in einer Meldung von „Dagsposten" aus Tanger. Die französische Verwaltung in Westafrila habe umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um Giraud während seines dortigen Aufenthaltes zu schützen. Nach Angaben des Rundfunks von Algier habe Giraud bereits umfangreiche Verhaftungen vornehmen lassen, besonders unter den Anhängern de Eaulles, Der gaullistische Rundfunksender von Brazzaville veröffentlichte am Mittwoch eine „Liste französischer Verräter", unter denen auch die Generale N o g u e s und 3 u i n sowie Boissou zu finden waren. Alle diese Verräter „müßten verschwinden wie Darlan“.
Engländer mit Sorge erfüllen, jammert doch bereits der „Satin Serald": „Es ist unmöglich stch vorzuftellen, welche Folgen es für England und für die übrigen Empfänger derartiger Lieferungen haben könnte, wenn die Republikaner mit ihrer Ovvosttion Erfolg haben sollten “ Ja gerüchtweise verlautet schon, daß E d e n höchstpersönlich stch nach Washington begeben werde, um dorr über die Frage wie überhaupt über die amerikanisch-englischen Differenzen zu verhandeln. Eine Bestätigung für dieses Gerücht liegt allerdings noch nicht vor.
Außer Herrn C a se n ist nun noch ein weiterer britischer East in Washingwn eingetroffen, nämlich der britische Botschafter in Moskau. Clark Sen. der sich nach der amtlichen Lesart auf einer Urlaubsreife befindet. Ganz zweifellos aber dürfte es zu den Aufgaben dieses Mannes gehören, nicht nur seine eigene Regierung sondern ebenso auch Washington von der Notwendigkeit weiterer umfangreicher Lieferungen für dieiEowjets zu überzeugen. Es liegen auch schon englische Stimmen vor, die in vorsichtiger Form onbeuten, daß die Sowjets bei ihren gegenwärtigen Angriffen derartige Materialverluste erleiden. daß sie sür ihren Widerstand über die Wintermonate hinaus bedeutende Rüstungsunterstützungen von außen her erhalten müßten. Auch die Amerikaner beschäftigt dieses Problem. Ei« möchten stch wohl ein klares Bild der tatsächlichen, Lage machen. Jedenfalls wird berichtet, daß stch als Vertreter der USA. General Hurley in der Sowjetunion befand, der jetzt auf dem Rückweg in Kairo eintraf, stch aber weigerte. Mitteilungen über feine Reife in die Sowjetunion zu machen. Die Lage ist aber auch in dieser Hinsicht nicht einfach denn die Amerikaner und Engländer brauchen ihr Rüstungsmaterial, selbst für ihre nord- afrikanische Expedition. Darüber hinaus machen die deutschen ll-Boote ehren dicken Strich durch ihre Hilfspläne für die Sowjets.
„Sieg oder Bolschewismus-
Appelius im „Povolo d'Jtalia"
In einem „Lieg oder Bolschewismus" überschriebenen Artikel zeigt Appelius im „Hopolo d'Jtalia" nochmals die zwingende Notwendigkeit auf. alle Kräfte bis aufs äußerste anzusvannen. um nicht nur Europa, sondern die ganze Welt vor dem Bolschewismus zu retten.
Die beiden gigantischen Koalitonen, in die die Welt gespalten ist, sind nunmehr, schreibt Appelius, vor dem großen frontalen Zusammenstoß angel an g.t. Die Jahre 1939 bis 1942 sind trotz der Großartigkeit der in ihnen zu registrierenden Ereignisse mehr als alles andere Jahre der geistigen, strategischen und versorgungsmäßigen Vorbereitungen auf den großen Zusammenprall gewesen. Die Achsenmächte und Japan haben in diesen Jahren die strategischen Voraussetzungen für den Sieg vorbereitet. England und die Vereinigten Staaten haben in diesen Jahren die notwendigen Heere und Waffen vorbereitet, um ihre militärische Kraft auszuivielen. Während dieses Zeitabschnitts haben Frankreich und der Bolschewismus die Hauptlast des Kampfes tragen müllen. Die Sowjetunion hat furchtbare Schläge erlitten. Dennoch hält sie stch noch aufrecht und kämpft verzweifelt weiter, um zu überleben, be- seffen von der teuflischen Vorstellung, am Ende der einzige Sieger unter allen Verlierern zu sein und die Sowjetfahne auf den Trümmern aller Hauptstädte Hillen zu können! Aus- all diesen Gründen kündigen sich die kommenden Monate als erste furchtbare Zusammenstöße an. Jedes Volk ist an dem Punkt angekommen, wo es um alles gebt. Es konnte nicht mehr warten, da sich .das kommende.Frühjahr für Moskau allzu tragisch ankündigte. Wir müllen daher auf eine wahnwitzige Anstrengung der Sowjets gefaßt sein und uns darauf vorbereiten, einen mörderischen Kampf durchzusteben.
Den Krieg gegen das bolschewistische Moskau zu gewinnen. ist für Europa — fährt Appelius fort — eine Frage auf Leden und Tod. Dieser Weltkrieg, der so verworren erscheint. ist in Wirklichkeit, geschichtlich gesehen, sehr einfach, denn er läßt sich auf die Formel eines tödlichen Kanwfes zwischchi den traditionellen Zivilisationen und dem Bolschewismus bringen. Wenn der Bolschewismus gewinnen sollte, so hätte die ganze Welt, angefangen bei England und den Vereinigten Staaten, ausgespielt. Unter diesem Ee- stchtsvunkt finb Churchill und Roosevelt die Dar- lans der Zivilisation. .
Auch die Lage Englands und der Vereinigten Staaten war am den Grenzen des Tragbaren angelangt und beide mußten alles unternehmen, um weitere strategische Erfolge nd den Zusammenbruch der Sowiets von EI Alamein und nbem und Nordamerikanern der ent- i Biserta nicht geglückt, so dab ste. praktisch ge._.n, an der gleichen Stelle wie vorher stehen und eine äußerst exponierte Stellung einnehmen. Auch die Vereinigten Staaten ihrerseits werden alles daransetzen, die Partie zu gewinnen. Das britische Weltreich, das sich von den Dreiervaktmächten. von den Vereinigten Staaten und vom Bolschewismus bedroht fü6It, steht sich vor die Notwendigkeit gestellt, mit all seinen Energien und all seinen perfiden Möglichkeiten stch zu schlagen, um sich sowohl vor seinen Feinden als auch vor seinen Bundesgenollen zu retten. „ , ™ .
Aus der Überzeugung heraus: daß in diesem Kriege eni- weder die Dreiervaktmäckte ober der Bolschewismus hegt, müllen die europäischen Völker alle geistige und materielle Energie zusammenfallen, um die bevorstehende Periode stegreich durchzustehen. Wir müllen — so zeigt Appelius die Wechselseitigkeit dieses Kampfes auf — den Bolschewismus besiegen. um uns in die Lage zu versetzen, England und die Vereinigten Staaten zu bestegen. und wir müllen die Engländer und die Nordamerikaner schlagen, um nicht in den Klauen der sowjetischen Barbarei zu enden. Sowohl an der sowjetischen als auch an der afrikanischen und mittelmeerländischen Front kämpfen wir in berechtigter Verteidigung gegen die tödliche Bedrohung des Bolschewismus.
Siegen heißt für uns, alle unsere nationalen Ansprüche verwirNlchen unsere wirtschaftlichen und sozialen Probleme lösen, uns einen ehrenhaften langen Frieden sichern und eine gemeinsame und individuelle Existenz schaffen, .die wert ist. gelebt zu werden. Verlieren würde für uns eine jahrhundertelange stürmische Nacht bedeuten. An den britischen wie amerikanischen Bajonetten webt für uns sowohl, rote für ste selbst die Fahne des Bolschewismus. Jede andere Betrachtung dieses Kampfes ist falsch. Nicht alle sehen richtig, und allen die Augen zu öffnen, ist Pflicht eines jeden einzelnen. Das Jabr 1943 ist ein I a fort tt a n >- schen Kampfes mit den Fausten, mit den Nageln, mit den Zähnen mit allen materiellen Möglichkeiten und allen Kräften des Geistes. Dieses Jahr birgt im Schoße seiner
Kimm die Mastspitzs eines Zerstörers auf, droht vom Himmel herunter irgendein feindlicher Flieger, find beide Boote in kürzester Frist von der Oberfläche aus See verschwunden. Kein Gegner, der über die See fährt oder über den Seeraum dahinsliegt, ahnt, daß stch viele Meter unter ihm ein Machtstützpunkt der deutschen See- kriegführung befindet. Auch der zweiten Aufgabe eines jeden Stützpunktes, der schwimmenden Einheit Reparaturhafen zu sein, kann das Tankerboot in gewißem Umfange gerecht werden. Eine größere Werkstatt mit entsprechenden Maschinen ermöglicht Reparaturen, die das Kampsboot selbst nicht immer durchführen kann. Endlich überprüft ein mitgenommener Marinearzt bei allen Männern der Kampfboote die aufgesucht werden, den 6ef» zuftand, sorgt für Beseitigung ttc-inrtr entstandener Ges« schäden und übernimmt Kranke" und Verwundete zum R port in die Heimat auf das Tankerboot. Endlich und letzthin nimmt das Tankerboot die Post der U-Bootfahrer mit in di« Heimat zurück.
So ist es kein Wunder, daß das Tankerboot, das „fliegende Gasthaus", das „schwimmende Postamt", allen Kampf-Ü-Booten in ihrer wochenlangen Einsamkeit herzlichst willkommen ist. Die Kampfboote selbst aber werden nunmehr für viele, viele Monate von jedem Landstützpunkt unabhängig und können stch in ihren Tausende von Seemeilen von der Heimat oder der Atlantikküste entfernten Kampfgebieten Wochen über Wochen aufhalten, so lange, bis auch der letzte Aal sein Ziel erreicht hat. So gesehen, hat stch der Wert unserer U-Boote seit der Einführung des Tanker- ll-Bootes schlagartig vervielfacht.
Kriegsberichter Herbert Sprang.
Die „fürchterlichste Waffe"
Anglo-amerikanische Konferenzen beschäftigen sich mit dem unlösbaren U-Boot-Problem
as. Berlin, 8. Jan. Der britische Minister sür den Mittleren .und Vorderen Osten, der Australier Casey, hat eine seltsame Route für seinen Rückweg von London nach Kairo gewählt. Er ist nämlich, nachdem er Churchill Bericht erstattet hatte, in Washington einaetioffen. Diese Reise Caseys nach Washington steht im Zusammenhang mit den englisch-amerikanischen Differenzen, die ja nicht nur in Rordafrika zutage treten." sondern ebenso sehr auch in den Gebieten, die Casey zu betreuen hat, denn auch in Irak, in Iran, in Syrien, ja selbst in Ägypten versuchen die Amerikaner ihren Einfluß auf Kosten Englands zu verstärken. Churchill betrachtet zweifellos Herrn Casey als guten Unterhändler, der auch in Washington, wo er längere Zeit als Vertreter Australiens tätig war. wie man zu jagen pflegt, eine gute Nummer hatte. Trotzdem muß bezweifelt werden, ob es ihm gelingt, die beiden Konkurrenten auf eine gemeinsame Linie zu bringen, es sei denn, daß ChurchUl in weitem Umfange nachgibt.
Ganz abgesehen von der Reise Caseys verfolgt man zur Zeit in London die Vorgänge in den USA. mit ganz besonderem Interesse. Man ist stch klar darüber, daß die Verhandlungen des neuen Kongreßes nicht nur für die US-amerikanische Innenpolitik von größter Bedeutung find, sondern auch für das amerikanisch-englische Verhältnis. 3m 3uni läuft, woraus wir schon früher hinwiesen, das Pacht- und Leihgesetz ab. Das neue amerikanische Parlament muß also entscheiden, ob diese Vereinbarungen erneuert weiden sollen ober nicht. Man kann aber nicht verkennen, dab in den USA. eine starke Strömung vorhanden ist. die eine Erneuerung des Pacht- und Leihgesetzes ablehnt mit der Begründung, daß die USA. doch auch später keine Gegenwerte für die auf Grund dieses Gesetzes gelieferten Waren und Kriegsproduktion erhalten werden. Das find Dinge, die di«
Kino gerechnet werben muffe, io. geht auch bas alles auf bas Wirken unserer ll-Boote zurück. . Es handelt sich nicht um eigentliche Mangelerscheinungen, sonbeni um Der- t et lungsschwierig reiten, bte dadurch entstehen, daß bas inneramerikantfche Verkehrsnetz überlastet ist. weil bie Küstenschisfahrt bank der Tätigkeit unserer U-Boote ausfällt „
Auch ben Engländern werden die Auswirkungen des U-Bootkrieges immer wieder vor Augen geführt. So schreibt die Londoner Zeitung ..Star", nack den letzten Auße- rangen des Ernährungsminlsters Lord Woolton stehe man vor der Frage, ob man zugunsten bet mthtantoen Operationen den Transport von Lebensmitteln nach England noch weiterhin einschränken könne, obwohl schon der Krieg in Französisch-Nordafrika zu einer Verschlechterung der Ernährangsiage in Englanb geführt habe. Einzelheiten über die neuen Rationskürzungen erwartet man in London für die nächste Zeit. Dabei ist es für die „soziale Einstellung der englischen Regierung typisch, daß man mit einer Preiserhöhung für Brot rechnet, um io ben Vrot- verbrauch Herahzusetzen. Lorb Woolton empfiehlt seinen Lanbsleuten immer rotebet eine Umstellung in ihrer Ernährungsweise. Sie sollen auch zum Frühstück Kartoffeln statt Brot essen. Die „Daily Mail" aber stellt verzweifelt fest, baß die U-Boote bte fürchterlichste Waffe feien, bte England ben Sieg rauben könnten.
Bei der Kriegsmarine, 7. Jan. (PK.) Seit Monaten, genau genommen seit dem Tage, an dem zum ersten Male der Pauken- schlaa der deutschen Unterseeboote vor den Küsten des amerikanischen Kontinents eine Welt aufhorchen ließ, beschäftigt sich die Weltöffentlichkeit mit der Frage, wie es den deutschen U-Booten überhaupt möglich ist, so wett abgesetzt von ihren eigenen Stutz- punkten den Seekrieg bis in die Gewässer der USA. zu tragen. Die ergötzlich st en Kombinationen wurden, namentlich von der britischen Presse, dem erstaunten Leserpublikum vorgesetzt. Einmal sollten die U-Boote von den Azoren, dann wieder von Kapverden aus operiert haben, oder ste sollten Stützpunkte m Ni- rarogua, ein anderes Mal in Columbien und weiß Gott wo überall besitzen. Nur dem wirklichen Sachverhalt, wie er vom Befehlshaber der U-Boote immer zugegeben und herausgestellt wurde, schenkte man keinen Glauben, der Tatsache, daß die ersten vor Amerika operierenden U-Boote unter Ausnutzung, jeden vorhandenen Raumes, unter Verzicht auf jede Bequemlichkeit fettens der Männer, aus eigener Kraft die gegebenen Grenzen überschritten hatten. Im übrigen ist es von vornherein Plan und Ziel der Führung der deutschen U-Boote gewesen, in ihren Konstruktionen den denkbar größten Aktionsbereich zu gewährleisten.
In gleichem Maße aber, -wie sich die Weltöffentlichkeit mit dem angeblichen Geheimnis der deutschen U-Boote beschäftigte, arbeiteten die verantwortlichen Männer im Stabe des Befehlshabers der U-Boote unentwegt an der Lösung eines Problems, das die ll-Boote in Wahrheit erst reif unb f r e i f u r eine g lob ole weltweite Seekriegführung machen sollte. Und das mit Erfolg! Noch im Laufe des Jahres wurde bereits die britische und amerikanische Öffentlichkeit durch die Anwesenheit deutscher U-Boote vor den Küsten Südamerikas und Mittelafrikas über- rafcht und erschreckt. Als aber eine Sondermeldung von der Tätig- keit deutscher U-Boote auch im Indischen Ozean berichtete, fegte sie wie ein Wirbelwind durch die Amtsstuben der britischen Admiralität. Nun war cs heraus' Hier unten gab es keine Stutzpunne für die deutschen U-Boote, und hierhin konnten sie bet aller Berechnung und aller Zahlenakrobatik, aller Raumausnutzung und Einschränkung einfach nicht soviel Treibstoff mitsührem Diese Tatsache konnte sich die britische Admiralität in ihren fünf Fingern abzählen, hier mußte etwas Besonders, bisher noch Unbekanntes wirksam fein. . . . .
Der deutsche U-Boot-Krieg war im Verlauf eines einzigen Jahres wahrhaft global geworden. Es gab keine (Entfernung, bte das deutsche U-Boot nicht Überbrückte, keinen _Seeraum, den es nicht gefährdete, keine Küste, vor der es nicht hätte operieren können! Die Gefahr der U-Boote ließ sich nicht eindämmen, im Gegenteil! Immer neue Seerämne wurden durch das deutsche U-Boot et» schloffen. „ ,
Dann lüftete sich der Schleier etwas, der über dem Geheimnis bet globalen U-Boot-Kriegführung ruhte. Hier und dott stießen kluge Militärfchriftsteller in den britischen Zeitungen vor und machten die Admiralität darauf aufmerksam, daß es sich um U-Boote handeln könnte, die die Versorgung durchfühtten. Lange sträubte sich die britische Admiralität, diesen Dingen Glauben zu schenken, tauchte damit doch zugleich eine für sie neue und von ihr ebenso wenig wirksam zu bekämpfende Gefahr auf, wie hie ll-Boote selbst eine darstellten. Heute, nachdem von gegnerischer Seite gegen diese neue Waffe nichts Grundsätzliches mehr unternommen werben kann, ist es an der Zett, daß die deutsche Seekriegfühtung ihr Geheimnis, das nunmehr keines mehr ist, preisgibt und bet Weltöffentlichkeit zur Diskussion stellt:
Das deutsche Tanker-U-Boot ist da!
Keine Macht der Welt kann das Geschaffene wieder ausmerzen. Revolutionär, d. h. großzügig und beweglich wie die beimche U-Boot-Kriegsührung nun einmal in diesem Kriege ist, Handhabt sie auch diese Waffe. Im unermüdlichen Tag- und Nachtschaffen haben deutsche Werften geradezu miteinander gewetteifert, um den siegreich kämpfenden U-Booten mehr Möglichkeiten als bisher zu erschließen. In immer steigender Zahl finb in biefem Jahr die unförmigen, dickbauchigen und großen Leiber der Tankerboote überall auf dem deutschen Atlantik erschienen So ist das Stützpunktsystem, das den deutschen U-Booten in den Atlantikhäfen geschaffen wurde, ausgeweitet in bte neuen Dimensionen der Weite und liefe bet See Die deutsche Kriegsmarine hat sich in ihren Tankerbooten schwimmende Stutzpunkte in einer Zahl geschaffen wie sie als Landstützpunkte sich keine Seemacht bet Welt je aufbauen kann. Dabei erfüllen bte Ionier« U-Boote bie wichtigsten Aufgaben eines {eben Stützpunktes, nämlich Nachfchubbasis zu jein, im vollsten Umfange. Hier wird ein Kampfboot, das sich an einem Eeleitzug leergejagt hat, wieder aufgefüllt dott wird ein anderes aufgesucht und ihm neuer Proviant zugeführt, da wird ein drittes abgefangen, das aus den Weiten der Weltmeere zurückkommt und dem bis zur Heimat etliche Tonnen Sprit fehlen So fähtt das Tankerboot von Kampfboot zu Kampfboot, von Quadrat zu Quadrat und sucht als „fliegendes Gasthaus" seine „Kunden" auf. . .
Sinnreich ausgedachte Konstruktionen ermöglichen jclbft bet schwerer See eine schnelle Verbindung zwischen Tankerboot und Frontboot. Stundenlang läuft dann das kostbare Naß über Schläuche in bas Kampfboot ein. Taucht aber einmal an der
