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Wiesbadener Tagblatt
Dienstag. 5. Januar 1948
für giö&te Schiffe befahrbar Dort befinden sich auch starke Be- festigunssanlagen. Vifertä bildet also einen strategischen Stützpunkt, dessen Besitz in der Sand der Achse den Wert der Häsen von Algier und Bougie übertrifft, gar nicht zu sprechen von den Häfen Philivveoille und Bone, die zur Zeit als Ausladevunkte der Nordamerikaner benutzt werden sollen, die aber unter den Angriffen der Achsenluftwaffe liegen. Auch diese Möglichkeit des erhöhten Fliegereinsatzes ist ein Vorteil, der in solchem Umfange erst die Besetzung der Sardinien und Sizilien gegenüberliegenden Afrikaküste ermöglicht hat; ein Umstand, der sich ganz besonders dadurch bemerkbar macht, daß nun auch die Jäger hier ihre Absprunghäfen in den besetzten französischen Flughäsen Tunesiens haben. In Anbetracht aller dieser Tatsachen mehren sich schon jetzt Stimmen in Amerika und England, die einen Kardinalfehler darin sehen, daß General Eisenhower es unterließ, sofort an die Straße von Sizilien heranzukommen der in der Zukunft mit schwerwiegenden Verluste» zu bezahlen wäre.
Jedenfalls ist die freie Durchfahrt durch das Mittelmeer nicht erreicht. Dies aber war bestimmt der Hauptgrund für Churchill, dem Eeneralstab der USA.-Einheiten der britischen Kriegsflotte und vor allem Transportschiffe in sehr großer Zahl zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe des Raubüberfalles Roosevelts hoffte er auf eine große Ersparnis an Tonnageraum für die Versorgung Ägyptens und des Vorderen Orients, die nun weiterhin auf dem weiten Wege um das Kav der Guten Hoffnung beliefert werden müffen, weil der enge Durchgang vom westlichen zum östlichen Mittelmeer zwischen Sizilien und Tunis von der Achse gesperrt ist. Die wichtige Aufgabe, diese Sperrung aufrechtzuerhalten, liegt in der Hand der italienischen Flotre und deutschen Seestreitkräfte, wobei sie von den Flugplätzen Siziliens und Rordasrikas die erwünschte Nnterstützung erhalten.
- Die Führung der Achse hat sich nun aber keineswegs darauf beschränkt, die nordafrikanische Küste Tunesiens in Besitz zu nehmen und damit das Mittelmeer für den Feind zu sperren — sie wußte, daß ein Wettrennen um den Besitz Tunesiens sofort beginnen mußte. Vorläufig läßt sich noch kein klares Bild gewinnen, weder die Kräftegruvvierungen noch die strategischen Grundlagen der kommenden militärischen Entscheidungen lasten sich erkennen. nur soviel steht fest, daß der gesamte Krieg in Afrika ein vollkommen neues Gesicht bekommen hat. Dies gilt nicht nur von den kommenden Er- eignisten in Tunesien, sondern auch für die Lage bei den östlichen britischen Armeen, die Rommel erdrücken sollten, denn ein Grundgedanke der britischen und nordamerikanischen Operation in Afrika bestand ja darin, den Riegel, den das Asrikakorvs in der Mar- marika oder Cyrcnaika bildete, auszuhcben, weil man nur dann den ganzen Mittelmeerraum zu einer englisch-amerikanischen Machtsvhäre zum Einbruch in Europa machen koniite.
Wenn man das Entscheidende der heutigen Lage zusammenfasten will, so ist es dies; „Im Ost-Mittelmeer bildet die Insel Kreta als Flugzeugmutterschiff größten Ausmaßes die Deckung der europäischen Küste, im Westen bilden die deutsch-italienischen Streitkräfte heute in Tunesien einen Riegel, wie Rommel' ihn gegen die 8. britische Armee im Osten bildet. Mit der Meerengenlinie Tunis—Sizilien im Rücken haben beide Achsengruvpen einen Nachschub- und Verbindungsweg nach Eurckoa erhalten, wie er in gleicher Kürze (150 Kilometer) bisher nicht zur^Vcrfügung gestanden hat. Das grobe seestrategische Dreieck Sardinien— Sizilien—Tunesien, die Zentraloosttion des Mittelmeercs. ist Besitz der Achsenmächte. Diese beiden ineinanderverzahnten Positionen zu Lande und zu See uneingeschränkt nach eigenem Ermessen in Angriff und Abwehr zur vollen Auswirkung bringen zu können, ergeben erst das volle Gewicht der Lage „im Brennpunkt Mittelmeer".
Anhaltende schwere Abwehrkämpfe
Sowjetischer Stützpunkt im West-Kaukasus ausgehaben — Sowjets verloren, bei Welikiie Luki wieder 14 Panzer — Feindliche Stütz- , punkte in Tunesien genommen — 8 Flugzeuge ohne eigene Verluste abgeschosten
Aus dem Führerhauptauartier. 5. Jan. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
5m Weftkaukafus wurde in überraschendem Zugriff ein feindlicher Stützpunkt ausgehoben. Kampfflieger griffen die Safenanlagen von Selendfhik an und zersprengten Trans- portlolonnen auf der Kustenstraße. Feindliche Angriffe im Zetel» gebiet wurden abgewiefen.
Die schweren Abwehrkämpse im Dongebiet halten an.
5m mittleren Frontabschnitt verloren die Sowjets bei den Kämpfen um Welikije Luki wieder 14 Panzerkampswagen.
Angriffe feindlicher Infanterie südöstlich des Ilmensees und Ausbruchsversuche schwächerer feindlicher Kräfte, die in den vergangenen Kämpfen eingeschlosten wurden, brachen zusammen. Auch am Wolchow und vor Leningrad wurden vereinzelte feindliche Borstöße abgewiesen.
An der Kandalakscha-Front scheiterten Angriffe der
Sowjets unter hohen blutigen Verlusten. Mehrere feindliche Kampfgruppen, darunter ein Skibataillon, wurden «inaefchlossen und vernichtet, zahlreiche Waffen als Beute eingebracht.
I» Tunesien wurden bei Stoßtruppunternehmungen Stützpunkte des Feindes ausgehoben und englische Gefangene eingebracht. Die Luftwasse setzte ihre Angriffe gegen feindliche Flugstützpunkte sort und erzielte dabei umfangreiche Zerstörungen. Zum Begleitschutz eingesetzte deutsche Jagdflugzeuge schoßen ohne eigene Berluste acht feindliche Flugzeuge ab.
Angriffe britischer Flugzeuge aus westdeutsches Gebiet verursachten Eebäudeschaden und Berluste unter der Bevölkerung. Bier mehrmotorige Flugzeuge wurden abgeschosten.
Schnelle deutsche Kampfflugzeuge griffen bei Tage militärische Anlagen an der britischen Südostküste an. Sicherungsstreitkräfte der Kriegsmarine und Marineflak schosten vor der französischen und niederländischen Küste am 3. und 4. Januar drei Flugzeuge ab.
Gröhe Brände beim Angriff aus Hüll
Berlin, 4. Jan. Der bereits gemeldete Angriff schwerer deutscher Kampfflugzeuge gegen den britischen Hafen Hüll an der Humber-Mündun» in der Nacht zum 4. Januar dauerte eine Stunde. Die deutschen Flugzeuge drangen bis über die Docks dieses zweitgrößten Fischereihafens Englands vor. Sprengbomben schweren Kalibers wurden zusammen mit hunderten von Brandbomben auf die Dockanlagen, das Hafengebiet und die Stadt geworfen. Es brachen große Brände aus, die sich in der Stadtmitte und im Hafengebiet schnell ausdehnten. Beim Abflug beobachteten die deutschen Flieger mehrere Brandherde. Zur gleichen Zeit wurden etn Flugplatz nördlich von Süll und zwei an der Küste gelegene Ortschaften bombardiert.
Die Berluste der slowakischen Wehrmacht
Preßburg, 4. Jan. Verteidigungsminister General C a t l o s beschäftigte sich in einer Weihnachtsbotschaft mit dem Kampf gegen den Bolschewismus, als besten Ziel er die Sicherung '6 e r moralischen Grundlagen der Zivilisation Europas bezeichnete. General Catlos gab in seiner Rede auch die Verluste der slowakischen Wehrmacht im Kampf an der Ostfront bekannt. Von den Angehörigen der slowakischen Einheiten sanden 811 den Heldentod, davon erlagen 250 ihren Verwundungen. Die Zahl der Gefangenen und Vermißten beträgt 164, die Zahl der Verwundeten 674. und die der Kranken 442. Die Zahl der Invaliden gab Minister Catlos mit 93 an. Der Minister schloß seine Ansprache mit der Versicherung, daß der Sieg Uber den Bolschewismus mit unbedingter Sicherheit kommen werde.
Zugunglück bei Hannover
Berlin, 4. Jan. 3n der Nacht zum 4. Januar 1943 fuhr in den frühen Morgenstunden zwischen Hannover und Wunstorf ein Schnellzug auf einen anderen, vor einem Blocksignal haltenden Schnellzug auf. Durch den Anprall wurden Wagen beider Schnellzüge zertrümmert bzw. schwer beschädigt. Bis jetzt sind z w a n - 8 i 8 Tote und zwanzig Schwerverletzte zu beklagen. Die Verletzten wurden dem Reservelazareit Hannover und dem Krankenhaus Nordstadt in Hannover zugejührt.
London meldet den Verlust eines Zerstörers
Stockholm, 5. Jan. (Funkmeldung.) Wie die britische Admiralität am Montagabend bekanntgibt. ging der britische äerstörer ..F i r e d r a k e" (1350 Tonnen) verloren. . Der im abre 1934 vom Stapel gelassene Zerstörer hatte eine Nor- malbesetzung von 145 Mann und eine Bewaffnung von vier 12-Zentimer-Geschützen, acht Torvedoausstoßrohren und acht Maschinengewehren.
Zahlreiche Jndnstrie-llnsälle in USA.
Stockholm, 4. Jan. Einem Bericht der „Financial News" zufolge beträgt die Zahl der in der amerikanischen Industrie seit Kriegsbeginn verunglückten Arbeiter das siebenfache der im Krieg gefallenen Soldaten. Die Gesamtzahl der Industrie-Unfälle soll sich auf 3,8 Millionen belaufen.
MacMillan in Nordafrika eingetroffen
• Madrid. 4. Jan. Wie Reuter auf dem Umweg über New Park meldet, ist der britische Ministerresident Mac Millan auf dem Luftwege in Franzöfisch-Nordafrika eingetroffen und führte bereits lange Besprechnngen mit dem USA.-Oberkominan- dierenden General Eisenhower und Roosevelts persönlichem Abgesandten Robert Murphy.
Die Amerikaner in Indien
Das britische Empire erlebt traurige Tage. Niemals in seiner Geschichte ist ihm so folgerichtig die Macht abgenommen worden, wie es jetzt geschieht. Dabei geschieht es nicht einmal von den Gegnern des britischen Empires, sondern von den eigenen Stenn* den. England hat aber selbst Schuld und keinen Gründ zum Jammern und zur Klage, denn von deutscher Seite ist dem Gegner von heute, den Engländern, das Empire garantiert worden, uns die eigenen Freunde sind dabei eine Erbteilung vorzunehmen, während der Erblasser noch am Leben ist. Das gilt nun auch für das neue Beispiel: Indien. .
Eben hat man in Nordafrika gesehen, wie hier England machtlos wird, wie es zugeben muß. daß der Verräter Dar.an von den Amerikanern anerkannt wird, während der britische Kandidat de Gaulle nichts zu melden hat. Wir haben auch erlebt, wie rn Iran mit dem Einrücken amerikanischer Truppen und Sachverständiger der britische Einfluß zurückgedrängt wird. Wrr haben das in gleicher Weise erlebt in Australien, das heute gewisser, maßen überhauvl nichts anderes mehr ist als eine amerikanische Kolonie. Das sind Entwicklungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Denn die Welt hat in diesen Kriegsiahren nun einmal ein anderes Gesicht erhalten. Die Australier haben erngesehen. daß die Hoffnung auf britische Hilfe sich nicht verwirklichen laßr. Australien besitzt allerdings auch noch keine Garantie, daß die Amerikaner in der Lage sind, den kleinsten Kontinent auf die Dauer vor den javanischen Zugriffen zu schützen. Aber einstweilen hat wenigstens der Rellamegeneral Mac Arthur jein Saunt* auartier hier aufgeschlagen und so wenigstens nach außen hm den Eindruck erweckt,- als wenn es die Amerikaner seren, die Australien
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Dasselbe Bild wiederholt sich jetzt in Indien. Präsident. Roosevelt hat sich veranlaßt gesehen, den in Rom stellungslos gewordenen Botschafter Philips nach Indien rn entsenden. Das ist eine sehr lesenswerte politische Angelegenheit, denn man must sich an die Tatsache erinnern, daß Indien ja ein Teil des Empires ist, und daß bisher ein amerikanischer Botschafter in London, aber nicht in Delhi saß. Um die bittere Pille den Engländern zu versüßen, erklärt man jetzt, daß der neue Botschafter beim britischen Vizekönig Lord Linlithgow nur deshalb entsandt worden sei, weil eine amerikanische Armee in Indien tm En» stehen sei. Es sei notwendig, für alle Fragen, die mit der An- Wesenheit der amerikanischen Truppen in Indien zusaminenhiligen. einen sachverständigen Diplomaten an der Hand zu haben. Dem gegenüber ist die Tatsache bemerkenswert, daß der neue Botschafter mit einem sehr großen Stabe nach Indien reist, und daß sich in seiner Gesellschaft Männer befinden, die bisher als Sachverständige der asiatischen Probleme galten. Es wird von amen« konischer Seite noch einmal ausdrücklich erklärt, daß der neue Botschafter nicht als Schlichter in innerindischen Fragen auftreten solle
Es ist erstaunlich, daß man vor einer solchen Ausdrucksweise nicht zuriickschreckt. und es zeigt die ganze Überheblichkeit der amerikanischen Denkweise, wenn man schon solche Redensarten gebraucht. Was nicht ist. kann aber noch werden. Freilich werden sich die Inder selbst wohl gegen einen von Roosevelt ab- gesandten Schiedsrichter ebenso wehren, wie sie es taten, als Herr Crivvs den groben Betrugsversuch an Indien unternahm. Die Inder haben nicht die geringste Neigung, nun. statt der Engländer etwa die Amerikaner einzutauschen. Sie kämvfen für die Unabhängigkeit Indiens an sich, und sie setzen nach allen vorliegenden Nachrichten ihren Kampf in unverminderter Stärke fort, auch wenn der Jndiemninisier Amery von einer völligen Ruhe in Indien spricht. Diese Ruhe ist. um mit Schiller z» sprechen, höchstens die Ruhe eines Kirchhofs. Wie wenig das Leben in Indien normalisiert ist, beweist ja am besten die Tatsache, daß keiner der verhafteten Kongreßmitglieder bisher freigelassen worden ist. Die Lage hat sich Überdies noch dadurch erschwert, daß die englischen und amerikanischen Truppen große Mengen an Lebensmitteln reouirierten, ein Zustand, der in gewißen Teilen Indiens schon eine Hungersnot hervorgerufen hat. Diese Lebensmittel find nicht nur für die Truppen in Indien bestimmt, sondern sie wandern nach dem mittleren Orient, nach Iran, nach Ägypten, ja nach Nordafrika, um hier die Truppen zu versorgen. . .
Wenn man die prahlerischen Ankündigungen britischer Generäle liest, könnte man glauben, daß in Indien schon eine Millionen-Armee auf die Seine gestellt worden sei und daß nun nächstens mit den Javanern kurzer Prozeß gemacht werde. Dutzende von Malen ist bisher die britische Offensive nt Burma angekündigt worden, aber bis jetzt ist sie noch nicht ein einziges Mal gestartet, und der Oberkommandierende der britischen Armee in Indien. Wavell. ist jetzt ganz bescheiden geworden, wenn er erklärt, daß er hoffen könne, mit seiner Armee einen japanischen Einfallsversuch abzuwehren.
Engländer in Südamerika kattgestellt
Genf, 4. Jan. Englands Geschäftswelt, die sich bereits jetzt lebhafte Sorgen darüber macht, wie am Ende dieses Krieges die bis dahin ins riesenhafte angewachsene Kriegsschuld abgedeckt werden soll, erlebt täglich von feiten der Nordamerikaner neue unangenehme Überraschungen. Dachte sie nämlich noch gestern. zur Steigerung der Staatseinnahmen die Ausfuhr nach Südamerika zu verstärken, da macht ihr heute die USA. einen Strich durch die Rechnung. Wie nämlich die amerikanische Zeitschrift „T i m e" berichtet, sind in letzter Zeit verschiedene nord- amerikanische Industriebetriebe nach Südamerika und Mexiko verlegt worden, um die Fertigwaren, die früher Großbritannien lieferte, dort herzuftellen. Nach Brasilien, Chile. Venezuela und Mexiko seien bereits aus den USA sechs Textilbetriebe, ein Hochofenwerk und eine Akkumulatorenfabrik verlegt worden. In Washington plane man. nicht weniger als 500 weitere Werke um,usiedeln. Der Verwirklichung dieses Planes stehe nur noch eine Schwierigkeit im Wege: die Schiffsknappheit.
Argentiniens Recht auf die Malwinen
Buenos Aires, 4. Jam Zum 110. Jahrestag der willkürlichen Besetzung der Malwinen (Falklandinseln) durch die Engländer machte der Verband für die Rückgliederung der Malwinen erneut Argentiniens Rechte geltend. Ein Ausruf erinnert an den Gewaltakt der Engländer, die die Inseln militärisch besetzten und d:e argentinische Flagge herunterrisien. Trotz aller Rücksicht aus die internationale Lage und in voller Anerkennung der strikten Neutralität dürfe doch nicht vergeßen werden, daß Argentinien ein eindeutiges und klar erwiesenes Besitz- recht auf die Malwinen zustehe. Der Verband hoffe daher zuversichtlich. daß die der argentinischen Flagge zugefügte Beleidigung gesühnt werde.
Chinesen als Kanonenfutter der USA.
Rom. 4. Jan Wie laut Stefani aus Washington verlautet, beabsichtigt die Regierung von USA., unter dem Deckmantel der Errichtung einer chinesijch en Handelsflotte das chinesische Menschenmaterial für seine Zwecke einau,Bannen und auszubeuten. da sich nach und nach trotz der hohen Prämien immer weniger Angehörige anderer Länder bereitfinden, im Solde der USA. die Gefahren einer Pazifik-Seereise auf sich zu nehmen.
Brasiliens Luftverkehr bald völlig in USA.-Händen
Buenos Aires, 4. Jan. Nach nordamerikanischen Meldungen aus Rio de Janeiro soll auch die Luftfahrtgesellschaft Panair do Brasil allmählich in USA.-Besitz übergehen. Der Vize. Präsident der Panamerican Airway. R i h l, teilte jetzt mit, daß er die Leitung der brasilianischen Gesellschaft übernehmen werde.
15 „Mehrmotorige" am Atlantik abgeschossen Schwere Niederlage eines britischen Bomberverbandes
Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
Druck und Verlag: L Schellenberg sch« Buchdruckerei. Wiesbaden« la^Iaii,Wiesbaden ®e|amtleitnng: Dr.phil.babil.Gustav Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt» schrifcketter: Friz Günther, jürnfl. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Sir. 10 gültig
An der Atlantikküste, 4. Jan. (PK.) An die Kette der Erfolge deutscher Luftwaffenverbände an allen Fronten fügten in den Mittagsstunden des Sonntags die deutschen Jäger ein neues Glied. Sie schoßen aus einem die Küste der besetzten Westgebiete an- fliegenden britischen Bomberverband 15 mehrmotorige feindliche Kampfflugzeuge heraus und jagten den Rest weit über die offene See hinaus.
Sonntagmorgen am Atlantik. Sonn? und frühlingshafte Wärme strafen den Kalender Lügen, die See ist nicht übermäßig bewegt, kurz, es ist ein Wetter — wie sagt man so schön — zum Eierlegen. Das wißen auch unsere Jäger, die hier am Atlantik ihren Feldslughafen aufgeschlagen haben, nur deuten sie es anders. Sie wißen, daß bei dieser Witterung der Tommy nichts unversucht laßen wird, einige wirkliche „Eier" durch die Luft herüber zu bringen, um sie da fallen zu laßen, wo sie uns schaden könnten.
Die Franzosen, die eben aus der Kirche kommen, und im Sonntagsgewand nach Hause gehen, ahnen nicht, daß in wenigen Minuten aus zahllosen Geschützrohren der Flakbatterien hier längs der Küste ein wahrer Feuerorkan losbrechen wird, daß sich kurz daraus über ihren Köpfen harte Luftkämpfe entwickeln, bei denen sich die anfltegenlen Tommies so blutige Köpfe holen werden wie selten zuvor.
Der ansliegende feindliche Verband ist rechtzeitig gemeldet, sein Flugweg wird genau verfolgt und auf das Alarmsignal starten die ersten deutschen Jagdflugzeuge. Schnell haben die schnittigen und kampfstarken Focke-Wuls-Jäger Höhe gewonnen und fliegen dem Angreifer entgegen.
In großer Höhe kommt der Verband heran; er versucht, das ihm entgegenprasselnde Sperrfeuer der Flak zu umfliegen. Und dann — als die Mehrmotorigen ihr Ziel anfliegen wollen, geht alles Schlag auf Schlag. Die Flak stellt ihr Feuer ein, weil unsere Jäger den Verband gestellt haben. Der Kampf beginnt.
Ein schneller Blick auf die Uhr, genau eine halbe Stunde bis Mittag. Der Feind ist noch über See, da sind unsere Jäger heran: die erste „Mehrmotorige" fällt mit zwei brennenden Motoren vom Himmel, schlägt auf See auf, versinkt. Einsam pendelt ein Fallschirm über der Abschubstelle. Durch den Kampfraum zwischen Himmel und Erde zischen die Leuchtspurgarben.
Wenig später stürzt ein weiterer, der vom Feinde reichlich mit Vorschußlorbeeren bedachten mehrmotorigen Bomber, von den tödlichen Garben der ME. und Kanonen unserer weit überlegenen Focke-Wuls-Jäger in die Tiefe geschickt. Er zerplatzt restlos in der Luft, nur winzige Teilchen wirbeln nach unten. In der nächsten Minute werden vier Bomber gleichzeitig abge- schossen- auf engem Raum stürzen sie im Feuer der Bordwaffen unserer Jager nach unten. Tragflächen splittern ab, Motoren brachen heraus, nur schwelende Trümmer schlagen aufs Wasser auf.
Fallschirme hängen in der Luft, ein Schlauchboot mit zwei Mann treibt auf den Wellen.
Der Luftkampf wird zur Luftschlacht. In immer erneuten Angriffen stürzen sich unsere Jäger auf die schweren Feindflugzeuge und jagen den Verband auseinander, daß die Bomber wie wild durcheinander kurbeln.
Die Jäger bleiben am Feinde. Trotz der Sprengung des gegnerischen Verbandes haben sie es nicht leicht: aus allen Rohren schießen die Bordschützen der Bomber zurück, um sich und ihre Maschinen so teuer wie möglich zu verkaufen. Aber es nützt ihnen nichts. Kurz nach dem vierfachen Abschuß fällt der siebente; er trubelt mit schweren Treffern in Rumpf und Motoren ab. Ein Mann kann noch aussteigen. Einige Minuten später stürzt Nr. 8 ab, schlägt auf Land auf und wieder wenig später stellt sich der neunte auf den Kops und rast, nur noch eine Tragfläche am - Rumps, in die Tiefe.
Es bleibt kaum Zeit zum schauen, denn fast gleichzeitig schlagen der zehnte und elfte Bomber aufs Wasser auf.
Die Ereignisse überstürzen sich. Kaum bleibt Zeit, einen neuen Abschuß zu beobachten, da stürzen rechts und links schon weitere Gegner mit langer schwarzer Qualmfahne senkrecht in die liefe. Seit dem elften Abschuß ist nur kurze Zeit vergangen, da stürzt der zwölfte; nur ein Mann der Besatzung kann am Fallschirm aus« steigen.
Die Bomber glauben sich über See in Sicherheit bringen zu können, ein gewaltiger Irrtum. Unsere Focke-Wuls-Jäger jagen ihnen nach, stellen den aufgelösten Verband erneut zum Luftkamps. Zwei weitere Bomber zerbersten in der Lust, Trümmer und brennende Fetzen wirbeln durch die Lust, schlagen auf See auf. Weit auseinandergezogen fliegt der feindliche Verband, aber noch ist er nicht zu Hause. Weit über See „fahren" unsere Jäger den letzten Angriff, und mit ihm fällt der 15. Eroßkampf- bombet.
Innerhalb kürzester Frist verlor der Feind 15 seiner modernsten, mit mehreren Motoren ausgestatteten und als kampfkräftig und unbesiegbar angekündigten Eroßbomber. Eine Bravourleistung unserer Jagdflieger und ein weiterer unwiderlegbarer Beweis für die Güte und Überlegenheit der vom deutschen Rüstungsarbeiter gebauten Flugzeuge und Waffen.
Man braucht dem Ergebnis dieser Kämpfe keinen Kommentar hinzuzufügen. Die Schlappe, die der Feind an diesem dritten Tag des neuen Jahres erlitt, spricht für sich selbst. Nämlich für uns.
Kriegsberichter Hans Herbert Hirsch.
