Seite 4 Nr. 304
Wiesbadener Tagblatt
Dienstag, 29. DezemVer 19«
___Wiesbadener Nachrichten
„Durchgehen bitte!"
Das ewige Kapitel Straßenbahn
_, ®orr dem kleinen Schild mit der Aufschrift: „Salteftelle der Straßenbahnen nach . . . stehen eine gröbere Zahl non Menschen, scheinbar völlig friedlich und uninteressiert. Sie starren eine ge- aneinander vorbei, sehen aus eine Uhr oder in die ^.ust. Dies dauert solange, bis das Ziel der Wünsche, die Straben- bah» anlangt. In die bislang so stillen Menschen kommt plötzlich ern wildes Leben. Alles rennt zu den Eingängen und drängt sich eingedenk des Spruches „Wenn ich nur drin bin, alles andere kann mir ja dann gleich sein" unter eifrigem Schimpfen aus die rücksichtslose Menschheit in den Wagen. Von oben mu6 so etwas aussehen, wie ein jämmerlich sich windender Wurm. Aber hier geht alles, verhältnismäßig noch gut. Die Bahn fährt ab, nimmt • an den nächsten Haltestellen weitere Fahrgäste auf und ist nach drei bis vier Haltestellen über die Sitzplätze hinaus ziemlich voll Jedoch es wollen ja schließlich auch au der fünften Haltestelle und auch noch weiterhin Menschen einsteigen, doch ist dies langsam mit Schwierigkeiten verbunden. Aus den beiden Plattformen und im ersten und letzten Drittel des Wageninnern stehen sie sich gegenseitig auf den Füßen, was zur Folge hat, daß an den Eingängen keiner mehr herein kann.
„Durchgehen bitte," ruft die Schaffnerin. Die beiden Vordersten der jeweiligen Drittel sehen einander auffordernd an. „Geh du doch", denkt der eine und „warum geht er denn nicht, der Affe" der andere. Beide bleiben folglich stehen, die neuen Fahrgäste stopfen sich noch auf die Plattform, die Bahn fährt weiter und gelangt zur nächsten Haltestelle. „Durchgehen", ruft die Schaffnerin wieder, „so gehen sit doch endlich durch." Die beiden Eckvosten sehen sich wieder an und vertreten höchstens die Füße. In den Umsitzenden erwacht ein gewisies sportliches Jnteresie, wer von den beiden den ersten Puff bekommt und somit ungewollt ins Wageninnere weiter transportiert wird. Robustere Naturen aus den Plattformen äußern sich in Schimvfworten und fangen an, sich gegen die Menschenmauer zu stemmen, die zentimeterweise nach vorn rutscht, sehr sorgfältig gemachte Damen geben leise Zeichen vornehmer Entrüstung, der ganze Wagen sängt an zu brodeln, plötzlich kommt von beiden Seiten der erlösende Ruck. In.diesem Augenblick aber schellt die Bahn schon ab und läßt die, die keinen Platz mehr fanden, enttäuscht und Höfe zurück. „Gott sei Dank, daß ich das nicht war." denken die, die drinnen sind, die Schaffnerin schilt in berechtigtem Zorn, die Menschen, aus die es ankam. zucken trotzig die Achseln, einige schütteln die Köpfe, aber all das ändert nichts daran, daß die Bahn nun fährt. Rach zwei weiteren Haltestellen ist sie dann in den meisten Fällen schon wieder bedeutend leerer.
Der liebe Mitmensch in der Straßenbahn, er ist ein Kapitel für sich, über das man ganze Bücher schreiben könnte, so inannig- fältig sind die Wesens Lutzerungen. Wir sind alle keine Engel, und solange er nur auf unseren Nerven geigt, der liebe Mitmensch, solange wollen wir ihn ja noch ertragen. Wenn aber, wie in solchen Fällen, andere darunter leiden muffen, so ist ein ruhiges Hinnehmen solcher ichsüchtiger Bocksbeinigkeit nur noch Schwäche. Trotzdem wollen wir mit einer höflichen Bitte schließen: Denkt doch nicht immer nur an euch, die anderen haben es auch eilig und sie kriegen auch kalte Füße. Es kann schließlich nur der Rücksicht verlangen, der selbst Rücksicht nimmt. A. Mr.
Aus dem Gaststätten- und Fremdengewerbe
Schärfere Lenkung des Fremdenverkehrs
Der Reichsminister für Volksanfklärung und Propaganda hat die grundsätzlichen Bestimmungen Über die Lenkung des Fremdenverkehrs in einer im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern und dem Reichswirtschaftsminister erlassenen ministeriellen Polizeiverordnung, die am 1. Januar 1943 in Kraft tritt, niedergelegt. Die im Reichsgesetzblatt vom 23. Dez. veröffentlicht« Verordnung bestimmt im einzelnen u. a.: Der gesamte gewerbliche Beherbergungsraum in Fremdenoerkehrs- gemeinden ist Fronturlaubern und Personen, die kriegswichtige Arbeit leisten, bevorzugt zur Verfügung zu stellen. Den Fremdenverkehrsgemeinden können andere Gemeinden von der Kreis- volizeibehörde gleichgestellt werden. In den als Heilbäder und heilklimatische Kurorte anerkannten Fremdenverkehrsgemeinden ist der Beherbergungsraum an erster Stelle für Personen bereit zu halten, die ein mit Gründen versehenes ärztliches Zeugnis über die Notwendigkeit einer Kur vorlegen. Die Beherbergungsdauer in Fremdenverkehrsgemeinden kann zeitlich begrenzt werden. Zeit und Dauer der Beherbergung sind vom Wohnungsgeber in die Reichskleiderkarte des Gastes einzutragen. Die näheren Bestimmungen zur Durchführung der Lenkung des Fremdenverkehrs erläßt der Staatssekretär für Fremdenverkehr im Reichsvrovaganda- minifteiium im Einvernehmen mit den beteiligten Reichsministern. Wer als Wohnungsgeber oder als East den Bestimmungen der Polizeiverordnung oder den Durchführungsoorschriften vorsätzlich oder fahrlässig zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 RM oder Haft bis zu sechs Wochen bedroht.
— Der Rundfunk am Mittwoch bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsvrogramm: 14.15 Uhr Das Deutsche Tanz- und Unterhaltungsorchester mit Solisten. 15.30 Uhr Klassische Kammermusik. 18.30 Uhr Zeitspiegel. 19 Uhr Konteradmiral Lützow: Seekrieg und Seemacht, 19.20 Uhr Frontberichte und Politische Sendung. 20.15 Uhr Unterhaltung für Sportfreunde. 21 Uhr Lustige Stunde. 3m Deutschlandsender: 17.15 Uhr Musik von Händel. Bach. Haydn. 18.15 Uhr Turmmusik für Bläser- chor. 20.15 Uhr Musik von Joseph Haydn (Dirigent: K. L. Mayer). 21 Uhr „Eapriceio" von Richard Strauß unter Siemens Krauß.
— Regimentsnummer bei der Polizei. Der Reichsführer f# und Ehek der deutschen Polizei hat angeordnet, daß die Angehörigen der Polizei-Regimentsverbände während ihrer Zugehörigkeit zu einem Polizei-Regiment auf der Mitte der Schulterstücke die Nummer des Polizei-Regiments tragen.
— Wer bekommt die Wohnung? Die Frage, wer von den Ehegatten nach der Scheidung die frühere Ehewohnuna erhalten soll, und wer räumen mutz, wird um so brennender, je schwieriger es für den zur Räumung verpflichteten Teil ist, eine entsprechende Wohnung wieder zu erhalten. Die Entscheidung, die vielfach gerichtlich getroffen werden mutz, wird in jedem. Falle die besonderen Umstände berücksichtigen, zum Beispiel, ob kleine Kinder vorhanden sind und dergleichen. Eine volksnahe und zweckmäßige Entscheidung hat jüngst das Oberlandesgericht Jena gefällt. Es geht davon aus, daß der Mann der geschiedenen Frau unterhaltspflichtig ist, datz der Frau aber mit einem Geldbetrag zur Befriedigung ihres Wohnbedürfntffes nicht geholfen sei. Die Frau habe drei Kinder, der Mann sei aber abgeordnet und benutze die Wohnung nur samstags und sonntags. Unter diesen besonderen Umständen entspreche es dem Grundgedanken der Unterhaltspflicht, datz der Mann der Frau den Unterhalt in der Weise gewähre, datz er ihr den größten Teil der Ehewohnung überließe. An den mietrechtlichen Beziehungen der Parteien zum Vermieter wird dadurch nichts geändert.
Misset* SIE SCHON...?
daß die R i l j ch l a m mb a u e r n gewissermaßen vom Schlamm leben? — Der Rilschlamm ist für die Fellachen Oberägyvtens nicht nur der fruchtbare Loden, auf dem sie ihre Felder bestellen. Da das Land atm ist an sonstigen Werkstoffen, gestaltet der Nilschlarnm- oauet aus dieser Gabe des Stromes die meisten seiner Gebrauchsgegenftände: Töpfe. Schüsseln. Öfen und Backöfen, Futterkrippen. Spielzeug. Trommeln, Siebe und anderes mehr. In dem
fast regenlosen Lande gibt es außer der Dattelpalme kaum Baum und Strauch, also auch kein Bauholz. Auch Steine sind nur schwer zu beschaffen So werden auch Häuser, Ställe und Getreidespeicher sowie Treppen, Bänke und Schlafstellen aus dem weichen Schlamm geformt oder ans lufttrockenen, gestrichenen Lehmziegeln gebaut, heute wie vor 4000 Jahren. (Deike-M.)
Vereinfachung im Lohnsteuerverfahren
Reichsfinanzminister verzichtet aus Lohnsteuer - Bescheinigungen
Zur Gültigkeitserklärung der Lohnsteuerkarten 1942 auch für das Kalenderjahr 1943 hat der Reichsfinanzminister im Reichs- steuerblatt Rr HO weitere Einzelanweisungen erteilt. Die Lohnsteuerkarten 1942 werden voraussichtlich erst nach Beendigung des Kalenderjahres 1943 dem Finanzamt einzusenden sein. ' Der Reichsfinanzmnister wird hierzu das Nähere später noch bekanntgeben. Soweit in Einzelfällen Arbeitnehmer eine Lohnsteuerkarte 1943 ausgeschrieben erhielten, ist sie selbstverständlich dem Arbeitgeber vorzulegen, der in diesen Fällen die Lohnsteuerkarte 1942, wenn sie sich in seinem Besitz befindet, unverzüglich an das Finanzamt einzusenden hat.
Nach den Lohnsteuerbestimmungen soll der Arbeitgeber auf der zweiten Seite der Lohnsteuerkarte 1942 die Lohnsteuer-Bescheinigung für das Kalenderjahr 1942 ausschrekben. Der Reichs- finanzministkr verzichtet jedoch zur weiteren Vereinfachung der Verwaltung auf diese Ausschreibung für 1942; ebenso verzichtet er auf die an sich noch fällig gewesene Bescheinigung der Bürgersteuer, die der Arbeitgeber im ersten Halbjahr 1942 vom Arbeitslohn noch einzubehalten hatte und auf die Ausschreibung der Sammel-Bürgersteuer-Bescheinigung für die bezeichnete Zeit. Der Arbeitgeber hat jedoch dem Arbeitnehmer, für den er keinen Lohnzettel auszuschieiben hat, der aber für das Kalenderjahr 1942 eine Steuererklärung abgeben muß. auf Antrag eine Lohnsteuer-Bescheinigung auszuschreiben Sie muß, außer Name. Stand und Wohnung des Arbeitnehmers, die Dauer der Beschäftigung im Kalenderjahr 1942 sowie den Gesamtbetrag des steuerpflichtigen Arbeitslohnes einschließlich» der Sachbezüge und einschließlich des Betrages enthalten, der im Kalenderjahr 1942 eifern gespart worden ist. Ebenso ist der Gesamtbetrag der Lohnsteuer einschließlich Kriegszuschlag und eventuell der der Sozialausgleichsabgabe auf der Bescheinigung zu vermerken und endlich noch gesondert der Betrag, der im Kalenderjahr 1942 eifern gespart wurde. Der Arbeitnehmer muß die Bescheinigung seiner Steuererklärung beifügen. Der Arbeitgeber hat ferner, ohne besondere Aufforderung, für jeden Arbeitnehmer dessen Arbeitslohn im Kalenderjahr 1942 8400 RM Überstieg, einen Lohnzettel auszuschreiben und spätestens am 31 Januar 1943 dem Finanzamt einzusenden, in
Abgesandte der Front
Ehrenplätze für die Ehrenbürger der Ration
Vielen verwundeten Kameraden, die in unseren Reservelazaretten Genesung suchen, wird die Möglichkeit geboten, Theatervorstellungen zu besuchen Vielen von ihnen werden diese Theaterabende zu einem nachhaltigen Erlebnis. Ein solcher Abend hat ja dann vor allem seinen Zweck erfüllt, wenn der Besucher mit neuer Lebenskraft in den Alltag zurückkehrt. Für die verwundeten Kameraden sind diese abendlichen Stunden ebenfalls ein Mittel, den Eesundungsprozeß nachhaltig zu fördern. Wie mancher vergißt dabei für kurze Zeit feine Schmerzen. Ein Theaterbesuch wird auch Anlaß zu mancherlei Unterhaltung im Kametadenkteise sein. Ist beides erreicht, dann ist der schöne Zweck erfüllt. Reichsminister Dr. Goebbels ermöglicht ja gerade den Verwundeten den bevorzugten Besuch der Berliner Theater. Auch in München und Wien sind die Mittellogen den Schweroerwundeten Vorbehalten. In unserem Deutschen Theater Wiesbaden wird die Proszeniumsloge im ersten Rang, die meist als Dienstloge Verwendung findet, an vielen Abenden von verwundeten Kameraden benutzt. Wir begrüßen dies sehr, denn die Ehrenbürger der Nation verdienen auch Ehrenplätze in unseren Theatern. Sind sie doch die Abgesandten jener Männer, die den Feind von den deutschen Kulturgütern ernhalten. Ohne ihren tapferen Einsatz kein deutsches Theater- eben. P-
dessen Bezirk der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat.
Der Minister gibt noch bekannt, daß Lohnsteuer-Bescheinigungen für das Kalenderjahr 1943 wieder ausgeschrieben werden müssen. Für Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis in 1943 vor dem 31. Dezember 1943 endet, ist die Lohnstcuerbescheinigung auf der zweiten Seite der Lohnsteuerkarte schon bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses auszuschreiben. Dabei ist der Vordruck auf der zweiten Seite der Lohnsteuerkarte 1942 ju verwenden, dessen Bürgersteuerteil unausgefüllt bleibt. Auch für das Kalenderjahr 1943 gilt jedoch, daß Lohnsteuerbescheinigungen vorläufig nicht auszuschreiben find für Personen, für die der Minister auf die Ausschreibung von Lohnsteuerkarten verzichtet hat.
Zehn Züge brauchen nicht zu fahren, wenn täglich ein Brikett wir sparen!
Zweimal zu beobachten
Die astronomischen Finsternisse 1943
3m Jahre 1943 finden zwei Sonnen- und zwei Mondfinsternisse statt, von denen biex beiden letzteren in unseren Gegenden sichtbar werden.
Sic erste ist eine totale äei Sonne, die iin Westen Nordamerikas, im nördlichen Stillen Ozean, in Japan, am Ostrand Asiens und auf den Philippinen sich verfolgen läßt. Sie findet in der Nacht von 4. zum 5. Februar statt und zeigt eine größte Dauer der Totalität von 2 Min. 39 Set. Die Zone der Totalität erstreckt sich von China über Nordjavan südlich der Aleuten her nach Alaska.
Die zweite ist eine teilweise Mondfinsternis am 20. Februar früh, bei der der Monddurchmesser zu 77 % verfinstert wird. Ihr Anfang ist sichtbar in Europa mit Ausnahme des Ostens, in Afrika ebenfalls mit Ausnahme des östlichen Teils, im nördlichen (Eismeer, in Amerika und im östlichen Stillen Ozean. Das Ende kann beobachtet werden im äußersten Westen von Europa und Afrika, im nördlichen Eismeer, im Atlantischen Ozean, in Amerika, im Stillen Ozean und in Nordost-Asien.
Die nächste Finsternis ist eine ringförmigederSonne am 1. August, die aber nur im Indischen und Stillen Ozean, in Australien, Neuseeland, Neuguinea, den Sunda-Jnseln und in Ost- Madagaskar zu sehen ist. Die Dauer der ringförmigen Verfinsterung wächst bis zu 7 Min. an.
Die letzte ist wieder eine teilweise des Mondes am 15. August. Diesmal werden 88 % des Monddurchmeffers verfinstert. Ihr Anfang kann verfolgt werden im westlichen Stillen Ozean, im Indischen Ozean, im südlichen Eismeer, in Australien und Asien, in Afrika mit Ausnahme des Westens und im Osten und Südosten Europas. Das Ende läßt sich beobachten in Westaustralien, im Südlichen Eismeer, im Indischen Ozean, im mittleren und westlichen Asien, in Afrika, in Europa, im östlichen Atlantik und am Ostrand Südamerikas. Dr. K.
— Versender von kälteempfindlichen Gütern müssen diese ausreichend durch Frostschutzmittel sichern. Besonders auch mit Rücksicht darauf, daß bei Frostwetter Transportverzögerungen auf der Reichsbahn eintreten können, ist etn ausreichender Frostschutz zur Vermeidung gröberer Schäden dringend notwendig.
— Der Kranke muß sich kurgemätz »erhalten. Das Landesarbeitsgericht Stuttgart hat in einer Entscheidung ausgesprochen, datz der arbeitsunfähig erkrankte Angestellte auf Grund feiner Treupflicht verpflichtet ist, sich kurgemätz zu verhalten, d. h. alles zu vermeiden, was feinen Zustand verschlechtern oder seine Wiederherstellung verzögern könnte. Insbesondere mutz er die Anordnungen seines Arztes befolgen. Handelt "der Erkrankte den Anordnungen des Arztes zuwider ober verstößt er sonst gegen die auf Besserung seines Gesunbheitszustandes gerichteten Pflichten, so steht seinem Anspruch auf Weiterzahlung feines Gehalts während bet Krankheitszeit bie Einrebe ber unrichtigen Rechtsausübung entgegen.
— Wiesbaden« Gerichtsurteile. Der Jugendrichter verurteilte einen Jugendlichen, der eine'Armbanduhr gestohlen hatte, zu drei Wochen Jugendarrest. Erziehungsmaßnahmen wurden angeorbnet. — Im Herbst vorigen Jahres kam es beim Dreschen zu einem be- bauerlichen Unfall. Ein breizehnjähriger Junge, ber sich bei ben Arbeiten nützlich machen wollte, stieg auf bie noch nicht abgestellte Dreschmaschine, um dem mit den Maschinenarbeiten beauftragten Arbeiter zu helfen. Er rutschte aus und kam mit dem linken Fuß in die Maschine. Der Fuß wurde abgequetscht. Wegen fahrlässiger Körperverletzung mußte sich jetzt bet Arbeiter vor Gericht verantworten. Die Beweisaufnahme ergab Fahrlässigkeit. Der Angeklagte hätte nicht bulben bütfen, batz der Junge die Maschine betrat, so lange sie noch in Betrieb wat. Er wurde zu einet Geldstrafe von 150 RM verurteilt.
— Welcher Versicherer haftet? Häufig sind Personen wegen der Heilkosten gleichzeitig bei der privaten Krankenverficherung und ber privaten Unfallversicherung versichert. Bei Unfällen entstehen oft Zweifel unb Streitigkeiten herüber, welcher Versicherer bie Heil kosten zu erstatten hat. Um biefen Mißstand zu beseitigen, ist für neue Verträge bereits eine Anordnung getroffen worden. Durch eine neue Anordnung des Reichsaufsichjsamtes für Privat- vetsicherung wird diese Regelung mit Wirkung ab 1. Januar auf sämtliche laufenden Bersicherungsverhältniffe ausgedehnt und zwar sowohl bei privaten als auch bei öffentlich-rechtlichen Versicherungen. Danach wird eine bestimmte Reihenfolge ber Leistungs- Pflicht festgelegt, wenn ein Versicherungsnehmer bei einem Unfall gegenüber mehreren Versicherern Anspruch auf Erstattung ber Heilkosten hat. In erster Linie leistungspflichtig ist bie Einzelkranken- vetsicherung, dann bie Einzelunfalloersicherung, unb baran schließen sich die Eruppenversicherungen. Jeder nachfolgende Versicherer haftet nur ergänzend. Ist der vorgehende Versicherer Iciftungsfrci oder bestreitet er seine Leistungspflicht, so kann sich der Versicherte unmittelbar an den nachfolgenden Versicherer galten*
Sport und Spiet
Reitsportliche Vorführungen der RGW.
Unter den brennenden Kerzen des Weibnachtsbaumes führte die Rettergruvox Wiesbaden ihre erste, nun fick allmonatlich wiederholende Sonberoorfuhrung reitlvortlicker Art am Sonntag. 27. De»., mit größtem Eriolge burtfi Zu Beginn ber Veranstaltung »eiste etn talentierter lugenblidier Reiter ben fiinfiäbrigen Hannoveraner Ravvwallack ..Zigeuner" in ben Dteffuraufgaäen der Klane M. Es folgte Programmnummer 2, bie Vorführung bes nun schon von „ackkreisen als Pferd von ganz großer Klaffe bezeichneten Hengstes ..Diamant von Akzent Es ist aber auch erstaunlich, was diefes Pferd bereits beute in feinem Alter von erst vier, Jahren leistet. Mit welcher Leichtigkeit und Freude es die schwierigsten Gangarten der Hoben Schule ausfübrt Sachkenntnis und größte Geduld des Reiters ünd unbedingt maßgebend Tur die Erreichung solch boibktcbender Leistung, wie sie ber mit eutem guten Teil arabi'then Blutes versehene Hengst bot. — Ein idtones Geiamtbtlb bot Programmnummer 3, eine Schimmel» InmBbonte. Edle Schimmeivierde geritten von Jungreitern zeigten olle Gangarten einschließlich Springen in vollenbeter Harmonie. $rogrammnummer 4 war ben Übungen ber Voltigierabteilung vorbebalten. Mit ledern Auftreten der Abteilung lind ihre Fortschritte bei der Ausiübrung ber eine große körperliche Gefibmeibig- keit erforbetnben Übungen zu erkennen Scfonbere Anerkennung landen,die durchweg einheitlich durSgefübrten Übungen und bie Zuverlaffigke.lt bes ent dreijährigen Boltigiervferdes ..Falk". Einen würdigen Abschluß fand bie Veranstaltung burdi bie Vor- nyirung bet Sonngpferbe ..Nocolno unb „Rosmintbe". bie be- "Mtliche Springleistungen unter ihren Reitern zeigten. Sämtliche soorfuhrungen. beten regelmäßige Wiederholung zu begrüßen sind, fanden den lebhaftesten Beifall.
Wehrsport der Wiesbadener Schützen
Das Herbitschießen
das an mehreren Sonntagen durckgefübrt werden mußte und die geübte Sand in Kleinkaliber,auf 50 Meter, in Wehrmanngewehr auf 175 Meter und in Milltarsewebr auf 150 Meter, »u »eigen batte, erbrachte Ergebnisse, auf die alle ftob fein löntien.
_ ,5m M a n n f ck a ßt stampf siegte in Kampfgruppe T die Schutzen-Ge!ell!ckaft Wiesbaden mit 624 Ringen vor Poft Wiesbaden mit 695 Ringen, in Kampfgruppe TT Schützen-Verein Wald- firaße.mit 601 Hingen vor Biebrich 1864 mit 581 Ringen und in Äamptgruppe TTT Schützen-Verein ..Wilhelm Teil" mit 573 Ringen vor Wiesbaden-Sud mit 545 Ringen
. JmEinzelkanipf mit allen oben angeführten Waffen zeigten Reh nachstehende Schützen als bedingungslos fest unb zuverlässig: 1. Heinrich Henk ISch.-V Wiesbaden) mit 716 Gesamt« ringen 2 Heinrich Pfenmng kSoortsch. 1921) mit 665 Rinnen. 3, Ernst Beter (Sch-Ges Wiesbaden) mit 659 Ninnen. 4. Jakob Schaumann (Sch.-Gei Wiesbaden) mit 655 Rinnen. 5. Heinrich Santo (Sch.-V. 1864 W.-Biebrich) mit 636 Rinnen 6. Willi fien« mann (Sch.-V. 12/30 W.-Dotzheiin) mit 625 Ninnen. Sanio und Arhrnann wurden bereits auf Grunb ihrer nuten Ergebnisse als Anwärter für die Gau-Bestmannlchaft für Wehrmannnewehr und Milltarnewehr beraten, so datz Wiesbaden nunmehr neben einet
Dienstag Verdunkelung von 17.21—8.09 llhr
guten Kle,nkalibermannschaft auch eine Vertretung in dieser Waffe gesichert ist. _
Die Fernkampfe
die alljährlich im Winter im ganzen Reich gleichzeitig durchaefübrt werden, standen diesmal in ihrer Durchdrang auf bet Safis gemachter Fronterfahrungen Die Mannschaft befteht hierbei nicht mehr aus fünf Mann (international), sondern nur noch aus vier Mann (national). Aus dem früheren Drei-Awcklag wurde ein Viet-Anfchlag. allo fünf Schuß lienendftei. fünf Schuß stehendste«. fünf Schuß fitzendfrei und fünf Schuß kniendfrei.
„ Die hellen Erg ebnisse in KleinkaNbet auf 50 Meter unb 12er Ringscheibe in Sportwaffe waren: Schützen-Verein 1864 W- Biehrich 824 Ringe vor Sporfichützen 1921 mit 821 Ringe.
„ Die besten Einzelschüßen: 1 Emrjch (..Wilhelm Tell" Wiesbaden) 221 Ringe. 2. Sanio ISch.-V. Biebrich 1864) 216
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FELDPOS
PÄCKCHEN
witoen muß:
bis 100 g keine Zulassungsmarke (Versand gebührenfrei)
über 100 g bis 250 g eine Zulassungsmarke (Veeeeed gebührenfrei)
über 250 g bis 1000 g eine Zulassungsmarke und 20 Rpf Freigebfihr
über 1000 g bis 2000 g «wei Zulassungsmarken und 40 Rpf Freigebühr
Anschrift gut lesbar schreiben, besonders die Feldp st- nunnner / Doppel der Ans hrift in das Feldpostpäckchen legen / Päckchen widerstandsfähig verpacken. Hohlräume au-füllen.
Leicht verderbliche Waren, feuergefährliche Gegenstände (Zündhölzer, Benzin uew.) gehören nicht
in FeHpoetpäekchen!
