Se/e 2 Nr. 301
Wiesbadener Tagblatt
Mittwoch, 23. Dezem-ep 1942
mutetet Mineraiiwätze bemühen, sinö wiederum weitere Kommissionen unabweisliches Bedürfnis. Großzügig wie ntan in Washington in solchen Fällen ist. hat man Ibn Saud auch Kreoitangebote gemacht, in denen er allerdings vor- laut-y noch nach dem verborgenen Haar sucht. Ob dieses amcrtlanischeu Viereifers scheint es ;6nt -äiberbaupt nachgerade etwas schwül zu werden vor soviel unverlüenter Freundschaft aus den USA., und England scheint dieses Empfinden zu einem Eegenzug gegen di« Absichten seines seltsamen amerikanischen Bundesgenossen benutzen zu wollen.
Jedenfalls hat das britische Reuterbüro jüngst den König bei der Feier der Mekkavilger eine Rede halten lassen, in der er angeblich von England als seinem Verbündeten sprach. Da das aus dem Munde Ibn Sauds ein gänzlich neuer Zungenschlag wäre, da überdies offiziell von einem derartigen Bündnis nichts bekannt ist. Io kann es sich sehr wohl um eine Reutersche Dichtung handeln: denkbar aber wäre schließlich immerhin, daß in der durch Washington ge- ichaswnen Lage der Araberkönig England gerade noch für das kleinere Übel hält. Derweilen betreibt Amerika sein Werben um die Freundschaft des Arabertums mit wechselndem Geschick in Nordafrika so gut wie in Syrien und Irak, wo es neuerdings einen eigenen Gesandten in Bagdad ernannt hat, der mit großzügigen Freiheitsver- sprechen um sich wirst. Washington hat bisher, obwohl ihm niefnanb mangelnde Sympathien für das Judentum nachsagen kann, den Fehler vermieden, den London mit seiner Balfour-Deklaration im Weltkriege gemacht hat. die ihm mit dem Versprechen einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina die arabische Gegnerschaft zuzog. Das Weiße Haus hat offenbar aus diesen britischen Erfahrungen gelernt und wird einen späteren Betrug an den Arabern geschickter einzuleiten wissen: als man es in England nach dem ersten Weltkriege verstand. Denn daß lejn derzeitiges starkes Jnterekse für die Araber und Arabien mit der Erfüllung der jetzigen Freiheitsversprechen enden sollte, das widerspricht geradezu der seelischen Ausrichtung des echten Bankeetums.
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Husarenstreich vor Curacao
Achsen-U-Boot dringt in den Hafen ein und schiebt «inen Ölbehälter in Brand
as. Berlin, 23. Dez. Eigener Drahtbcricht unserer Berliner Schrifiloitung) Übet den Angriff eines Achsen-U-Bootes aus militärische Anlagen der Insel Euracao im Karibischen Meer, Venezuela vorgelagert den amerikanische Blätter schon kurz verzeichnet hatten berichtet das „Eiornale d'Jialia" aus Buenos Aires. Das U-Boot dem es gelungen war, im Lause der Nacht trotz der amerikanischen Sperren in den Hafen von Willem st ad einzudringen, «öffnete bei Tagesanbruch den Angriff aus eine Petroleumrafsinerie und schätz gleichzeitig Torpedos auf vor Anker liegende Schiffe ab. Eines der Schiffe bekam Schlagseite und brachte einige im Hafen liegende Barkassen zum Kentern. In kurzer Zeit kam es nicht nur im Hafen, sondern auch in der Stadt und auf der ganzen Insel zu einer Panik, da niemand darauf gefaßt war^ daß es einem U-Boot der Achse gelingen könnte, durch die feindliche Schiffkontrolle und die Minensperren hindurch in den Hafen vorzudringen. Die Verwirrung war so stark, daß die Küstenbatterien erst das Feuer eröffneten, als das U-Boot durch fein Eefchützfeuer einen großen Benzinbehälter rn Brand geschossen und verschiedene Industrieanlagen schwer beschädigt hatte und sich bereits wieder außerhalb der Schußweite befand. Unter der Bevölkerung gab es einige Tote und mehrere Verletzte. Die durch den Angriff verursachten Schäden machten es den USA.-Tankern eine Zeit lang unmöglich, sich in Willemstad zu versorgen, wo es zu Kundgebungen gegen die Unfähigkeit der militärischen Behörden, einen solchen Husarenstreich zu verhindern, gekommen ist.
am mittleren Don hatten an
— Zwei große Transporter ostwärts »engt«, in Brand
Einzelne britische Flugzeug« unternahmen bei Tage und in der vergangenen Rächt wirkungslose Störangriffe auf noro - west deutsches Gebiet. Dabei wurden zwei, an de, französischen Käste ein Flugzeug abgeschossen.
Im Süden Englands belegten Kampfflngzenge am Tag« mehrere Orte mit Spreng- nnd Brandbomben.
Am 17. Dezember wurde bet Bordeaux etn englischer Sabotagetrupp noch vor der Ausführung seines Auftrages gestelltundvernichtet. '
Die schweren Kämpfe
Hohe Verluste der Sowjets zwischen Wolga und Don und in Stalingrad gtw^
Aus dem Führerhauptquartier, 23. Dez. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Deutsche Panzertruppen stießen nördlich des T « r « k, nachdem sic stark« feindliche Angriffe blutig abgewresrn hatten, dem weichenden Gegner nach, brachten über 400 Gefangene etn nnd schossen einen Panzerzug in Brand. Bei erneuten vergeblichen Angriffen zwischen Wolga und Don und in Stalingrad erlitten die Sowjets hohe Verluste. _
Am mittleren Don halten die schweren Kampfe a n.
Bei Woronesch drangen deutsche Truppen über den ruge- srorenen Fluß in die feindlichen Stellungen ein und zerstörten dabei zahlreiche Unterstände. Die Besatzungen wurden vernichtet oder gefangen genommen. Gegenangriffe zum Teil schon in der Bereitstellung »erschlagen. , . ,
3m mittleren und nördlichen Frontabschnitt Kämpfe^von örtlicher Bedeutung bzw. Späh- und Stobtrupp- tätigkoit. Angriffe gegen den Stützpunkt Welikij-Luki scheiterten an der tapferen Haltung der deutschen Besatzung.
3n Libyen wurden feindliche Stoßtrupps vernichtet. Deutsch-italienische Kampfgruppen warfen in T n n e f i e n den Feind aus zäh verteidigten Bergstellungen. Zahlreiche Gefangene und Beute wurden eingebracht, eine feindliche Schwadron aufgerieben.
Ostwärts B o u g i e wurden zwei grobe Transportschiffe, darunter ein Fahrgastschiff von 12 000 bis 15 000 BRT. bei einem Angriff deutscher Kampfflieger in Brand geworfen. Zerftörerflugzeuge erzielten Bombentreffer auf einem feindlichen Unterseeboot. Mit seinem Verlust ist zu rechnen. Bei Rach« wurden di« Hasenanlagen von Sone und ein Flugstützpunkt in Algerien bombardiert.
»Schwere Brocken" kommen an
Die soeben von der Nachschub-Kolonne geschickten „schweren Brocken" werdenhier auf die kleinen, wendigen Panjewagen umgeladen, mit denen sie in die vordersten Stellungen gebracht werden. (^-PK.-Aufnahme: Kriegsberichter Eichel, Wb.)
Leistungen der Trägerkolonnen am Wolchow
Berlin. 22. Dez. Arn Wolchow ist die Stoßtruvvtätigkeit wieder oufgelebt. Unsere Grenadiere führen ihren schweren Kamps in diesem undurchdringlichen Waldgelände, in dem der Nachschubverkehr zur Kampfstellung nur durch Trägerkolonnen ausrechterbalten werden kann. Bei Wind und Wetter. Tag und Nacht, sind diese Träger km k i I o m e t e r - weiten Dschungel der endlosen Wälder unterwegs. Ost müssen sie ihre Lasten stundenlang im schwersten Feuer aus schmalen Trampelpfaden vorwärtsschlevven. Schwer keuchen sie unter den Kanistern und Kisten. Tief schneiden sich die Bügel der schweren Munitionskästen in ihre Hände, immer müssen sie pünktlich zur Stelle lein, denn die Front wartet aus Verpslegung und Munition. So wurden von einer Trägerkompanie in einem einzigen Monat über 7 0,0 Zentner Munition und Verpflegung in mehr als andertbalbtausend Traglasten nach vorn geschleppt. Hierbei mußten in zehn- und mehrstündigen Märschen Entfernungen von dreißig Kilometer und mehr durch Schnee und Eis, durch Sümpfe und Urwalddschungel zurückgelegt werden.
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Treffende Antwort serbischer Bauern
Belgrad. 22. Dez. Als treffende Antwort auf die Hetzer in London. Washington und Moskau bezeichnet man in serbischen politischen Kreisen das soeben veröffentlichte. Ergebnis der Eetreideaufbringung in dem .mittel- serbischen Kreis Kraliovo. Vorgeschrieben war eine Getreideaufbringung von 279 268 Kilogramm Weizen. Bis zum 18. Dezember wurden dagegenbereits abgeliefert 429 000 Kilogramm Weizen, 18 000 Kilogramm Weizenmehl und außerdem noch 50 000 Kilogramm Sonderablieferungen für serbische Flüchtlingsbeime. Insgesamt wurden also über 490 000 Kilogramm und damit rund 7 8 v. H. über die vorgeschriebene Menge hinaus aufgebracht.
Rumänische Eetreidelieserungeu für Griechenland
Bukarest. 22. Dez. Die rumänische Regierung schenkte der Stadt Athen, wie Reuter meldet, i 0 0 Waggon- ladungen Getreide zur Linderung der Not der griechischen Bevölkerung. Der Propagandamimster hat außerdem der Stadt Saloniki seinerseits 10 Waggonladungen Getreide gespendet. Rumänischen Schulen in Griechenland wurden 100 Tonnen Mais, 62 Tonnen Teigwaren. Mehl und andere Lehensmittel überwiesen. Die rumänische Regierung hat außerdem im Einvernehmen mit den Regierungen Deutschlands und Italiens die Ausfuhr von weiteren 300 Waggons verschiedener (Setreibeorten nach Griechenland
Hungersnot in Indien durch britische Schuld
Das Brot des Landes von den anglo-amertkanischen Armeen verbraucht
freigegeben.
„Unmenschliche Behandlung"
Bangkok, 22. Dez. „Sie Briten find entschlossen, Indien in jeder Beziehung zu ruinieren" — erklärte der Sprecher der indischen Unabhängtgkeitsliga in Bangkok in einer Rundfunkrede „Sie haben die Schrecken des modernen Krieges bis nach Kalkutta gebracht. Sie schießen Hunderte von indischen Patrioten nieder und verhaften Tausende von Nationalisten. In allen Teilen des Landes werden die armen Bauern aus- geplündert. Durch das Herausfchmuggeln großer Mengen fiebensmitel aus Indien wird die Bevölkerung systematisch ausgehungert. Der britische Vizekönig hSt selbst zugegeben, daß die Hungersnot in Indien nicht an einem Mangel an Nahrungs- initeln liegt, sondern aus Bedingungen der Kriegszeit beruhe. Damit gibt er zu, daß Indien keine Mißernte gehabt hat.
-Trotzdem muß das indische Volk hungern, weil England in einen imperialistischen Krieg verwickelt ist und sein zusammengeraubtes Empire retten will. Der Vizekönig hat zugegeben, daß keine Mißernte porliegt, aber sogar im Pandschab, wo der meiste indische Weizen erzeugt wird, hungern Millionen Do r s - bewohne r. Es ergibt sich die Frage: Was haben die Briten mit der indiichen Weizenernte angesangen? Ohne Zweifel wird diefe ausschließlich für die britischen und amerikanischen
Aggrefiionsarmeen gebraucht, und nicht nur in Indien, sondern auch im Nahen und Mittleren Osten."
Das Manchester Indiens lahmgelegt
Genf, 22. Dez. Die USA.-Zeitfchrift „Time" gibt ein bemerkenswert offenherziges Stimmungsbild eines englischen Korrespondenten aus Indien nieder. Es lautet wörtlich:
„Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Spitzen der hohen Fabiikfchornsteine in Ahmedabad Indiens führender Textil- stadt, erreichen, dann schrillen und kreischen hundert Fabriksirenen und rufen zur Arbeit. Aber der Ruf verhallt u n g e h ö r t. Die Tore bleiben geschlossen und die Straßen leer. Die Fabriken liegen still.
Heute ist das Manchester Indiens als Textilzentrum lahmgelegt. Die Regierung hat die Fabrikbefitzer ermächtigt, den Streikenden Vorschüße anzubieten. Die Kongretzanhänger amüsieren sich über dieses Manöver und über die Versuche der Regierung, die Fabrikbesitzer dazu zu überreden, die Arbeiter wieder heranzuholen. Junge Burschen schüchtern jeden ein, der versucht, zur Arbeit zurückzukehren, und spielen Versteck mit der Polizei in den engen Gassen der Stadt."
Ronoegifche Seeleute entkamen der englisch-nordamerikaui- schen Sklaverei
Oslo. 22. Dez. Drei norwegische Seeleute, die jetzt nach Norwegen »urückkebrten. machen erschütternde , Angaben über die Leiden der norwegischen-Seeleute in der «nglisck-nordamerikanischen Todesfabrt. Sie bestätigen, dckß diese Männer durchweg mit Konzentrationslager bedroht werden, wenn sie nicht willig sind, sich anbeuern zu lallen. Man mache sich überhaupt keine Vorstellung davon, wie unzufrieden und ohnmächtig die Seeleute über diese unmenschliche Behandlung seitens Englands und der USA. seien. Auch kämen sie noch nicht einmal in den Besitz des auf her Todesfabrt so bart verdienten Lohnes Sie würden nämlich als Gipfelpunkt dieser Unverschämtheit gezwungen, obendrein noch einen Teil ihres Einkommens in London anzulegen.
Druck und Verlag: L Schellenberg'sche Buchdruckerei. Wiesbadener Tagblatt,Wiesbaden Geiamüeitung: Dr. phil. habil. Gustav Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt- schristleiter: Fritz Günther. sLmtl. in Wiesbaden. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 10 gültig
Die beutiae Äusaöbe umfaßt R Seiten
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Wir willen, alle, da!
Dis WutzlrrorrvauLtschafL
Von Bruno H. Bürgel
Der alte Goethe bat einmal einen Roman geschrieben, der damals Aufsehen erregte und den man heute kaum noch liest. „Die Wahlverwandckchacken" nannte er dieies Werk . Ais «s erschien, raunte man sich Überall zu. daß er sich leibst darin bargestellt und auci Frauen, denen er naheltgt. bie er liebte und bie. obwohl zum Teil bereits »erheiratet, sich ihm »uneigten, wie« sich ihnen Der große Mann von Weimar hat immer bestritten, daß er da vom Leben, vor allem von «einem eigenen Leben abgelchiieben habe, -und bat dabei das bekannte Wort aus«e!vroch.n. daß das Leben viel eninderischer fei als der Dichter. Ist es nicht !o. Ja. fein Traum schenkt kühnere Gebanfenbilbet als des Lebens bunte
'iier um was handelt es sich in bleiern Roman. Nun. da ist ein vortreffliches ruhiges Ehepaar, wohlhabende Leme, ne laben sich auf ihren Landbeiiß zwei Ätenschen zur Gesellschaft ein, et einen Freund, sie eine ecteunbtn. Baid aber de«» es sich, daß hier so etwas wie ein Naturgeke« eingrelit: der Mann fühlt nw un- widerstebsich zu jener itreundin htna*w>8en, leine -vj.au zu dem Gatt; das ist fein leichtfertiges Setliebtlein. kein Emel mit bet .Abwechsiung" (Goethe hätte derlei nie »um Gegenstand eines Romancs gemacht), es »st wirklich mit Naturgewalt ,emgreckenbes Müllen. Die Menschen tuhlen, daß sie den anderen !o weiensvei. wandt llyd. daß ste von ihnen a n fl e « o a e n werden, die eigene Ebe auseinanderbrichl. Wirklich zerbricht ne. uni' komm' übet dos einst ko ruhige Saus und alle. d»e nun da lebern
G eiste hot den Titel .Wahlverwandtschaft aus der Willen- schaft bergestoll, aus der Chemie! Es gebt-den Mencken nicht anders, iant er einmal, wie den toten Stocken, mit ?.?sien der Chemiker m tun hat. Gewisse Stocke Nnd vetwanht. sie '"bien Reh zueinander binnezogen. sie werden durch bas toeh imnis der Natur gezwungen, nck zu vereinen,, la. Re. neben io «ar zuweilen etne fmon bestehende Vereinigung am und. stutzen Ftth (last wie Men men einander in die A"me.sinken! aufeinander, zu neuer meI f est«et SSsrb; »düng — Vorgänge, die dem Chemiker wohlbekannt nnd.
Und hier eben liegt das Geheimnis und liegtaud, bas. was bei 1 dien Vorgängen im. Meickchenlehxn uns llfh' 'Mroon Gth” b. iondcrn van Schicksal sprechen laßt Was innge Men.chen in b.'ekigenden Frühlingstagen Liebe nennen und was sie yi'am- m - reibt- das ist oft nicht eigentlich Liebe m lenemhoben Sinne, es isi ein Berli-bckein dem mehr Äußerliches zugrunde liegt, erst später, wenn sich die Herzen «rufen...die ccelen -“«nandertasten. wird e= llck> »eigen, ob man rDtrlhdi rureirrenber bejitmmt roar. ob bas große, alles Ungemach der Welt tragende Zu ammengehorig- te'tsoefiihl. die ..Wahlverwandtschaft. vorhanden Ist. Wit wckien alle, daß es lebt häufig trotz heißer jugendlich« P«- lieb'heit nicht der Fall ist, wenn auch eine mite Kameradschaft manches, was fehlt vetgellen lallen kann. . , .
Aber wir merken diele WahmerwandUchait auch lonst trn Leben überall ciroa in unierem Verhältnis M wirklichen V e r- w a n d i > li ilnb zu völlig F r e m d e n. keinesfalls sind immer uni etc Verwandten" die Menschen, denen wir belondets' “getan finb zu denen wir uns beionbers hinge»o«en luhlen. ia. der Volksmund bat ?o manchen Serben Scherz bereit für.in« .Leute, bie uns i.oar durch Familienbindung nabeftebtn. di« wir aber bennock cnr wenig angenehm empfinden Eine bekannte Berliyer Persönlich^ leit soll einmal dem neuen Portier des Sauses ein Album mit
Photographien in die Sand gedruckt haben mit der Bemerkung: „Sehen Sie sich diele Leute genau an, es und meine Verwandten! Wenn Sie mir davon einen bereinlallen, kündige ich Ihnen den Dienst!" Was nennen wir aber auch kür gewöhnlich verwandt? Mein Onkel ist zwar mein Verwandter, aber dennoch kann es lein, daß nichts ..Verwandtes" zwilchen uns besteht, denn er kann la von väterlicher oder mütterlicher Seite her Cbarakterzüg« geerbt haben, die sonst bei meinen naben Verwandten überhaupt nicht angettossen werden: es können sich da Eigenheiten eines Großvaters. , einer Urgroßmutter int Stbsttom abgelagert haben, die abstoßend lind, mich jedenfalls ärgern. Umgekehrt kann uns morsen ein wildfremder Mensch begegnen, zu dem wir uns soiort hingezogen fühlen, auch Mann zu Mann, Frau zu Frau, ein Mensch, dem wir genau so wmvathisck nnd io daß ssch schnell ein vertrautes Verhältnis ankvinnt, eine tiefe Freundschaft erwächst, die Jahrzehnte überdauert. Da fühlen .wir uns in allem verstanden. da vertrauen wir voll»«. h»er haben wir in den Tagen der Freude wie der Not eine Seele, auf die wir uns verlassen können, viel mehr als auf unsere Verwandten.
Der Menkck ist sich, wie bedeutende Vlocholosen lagen, immer wieder selber ein Geheimnis Wer von uns weiß denn, kann denn definieren, weshalb er ienes liebt, dieses als abstoßend enivfindet? Wir mögen diese oder jene Farbe nrcht, bteie oder lene Formen. Gerüche. Töne. Speisen, wir verlieben uns in Augen, Saar«. Gestalten. in ein Lachen, in die Art »u reden, wäbrend ein anderer eben diese Art aBIehnt. Wieviel Geheimnis liegt darin! Wie oft fragen wir uns. warum diele oder jene Dame ausgerechnet in dieckn Mann verliebt ist. und ebemo oft schütteln wir den, Kovt. weil Serr Müller ausgerechnet diele. Frau nahm, an der wir nun „gar nichts hüben können" Hier kvielt Wahlverwandckchaft oft eine große Rolle, die der Außenstehende eben nie natfiiunthlen vermag, denn dazu find leeltWe Beziehungen viel »u zart Wenn ihrs nicht erfühlt, ihr merbets nie erlagen!
Irgendwo las ich einmal, daß auf einem «roßen ländlichen Fest, das auch bie Burschen und Mädels nah und fern alle Jahre auikuchen, em Spaßmacher für einen Groschen zwei Sacke bereit» hält In dem einen lie«en, hundert.Schlösser, m dem anderen hundert Schlüssel. Die Sutldrrt «reifen in den Sack mit den Schlössern, die Mädels in den Scklusselmck. und nun probieren sie unter «rosem Gelächter und vielen Svassen. ob und wo Schloß und Schlüssel »ueinanbet passen. Trifft das »u. dann sollen auch die Herzen füreinander aumeWonen lern für,ein ganzes fiebert. Wie spaßig! Aber ach. wenn es so «mach wäre! Leicht gefallen uns Augen und Haar. Wuchs und Haitun«: wie schwer kann das täu-dien, und wie behutsam und zaabakt erschließen kick Herz und Seele, auf die es viel mehr ankommt als auf Blau und Braun, - Dunkel und Blond. . .
Goethe bat nie bestritten, „ daß er in den „Wahloerwandt- fchaften" etwas vom eigenen Erleben und Suhlen etnfdrte und den Figuren feines Romans etwas, voss dem Blut «ab, das «r nahe fühlte. Man bat behauptet, daß «me der »auotnmiren, die unglückliche Freundin Ottilie, «ne Susenbltebe des Dichters war. die er selber gern gefreit bitte. Goethe hat das immer von R» gewiesen, und wie wenig «r mit ihr zum Gluck hatte gelangen können, beweist der Umstand, daß er ne später albern und kindlich findet, zudringlich und nickt immer, taktvoll. Al, «r alt. wird, spricht er von ihr als von einet lästigen Fliege, die « nickt »u sehen müntot. Ja, es ist schwer, einem Goethe „wablverwanbt" 6u fein!
Aus Runfl und Coban
* Die ersten Filmaufnahmen bet Ackienbtehun« bes Mars gelungen. Was bat man fett Sckiavarellis Zeiten, bet bie berühmten Matskanäle „etfanb . nicht alles veriucht, um bem rätfel» haften toten Stern seine Geheimnisse su- entreißen. Die einen wollten in Sibirien ober einer sonstigen fast unbewohnten Genenb eine riesige Feuersbrunst entfachen, um bie Aufmerksamkeit bet Marsbewohner zu erregen, bie anbeten schlugen vor. mittels eines gigantischen Brennsviegels Figuren unb Zeichen auf bet Obet- rläche bes Mars einzubrennen. Alle biete Ptoiekte blieben natürlich lltovie. Bezeichnenbet Weife hat Won vor Jahrzehnten ein gewisser Pierre Guümann bei bet Pariser Akabemie bet Wissenschaften einen Preis von 100 000 Franken hinterlegt, bet bem» icniflen zuerkannt werben soll, bem es gelingt, mit ben Bewohnern anbetet Himmelskörper in Detbinbüng zu treten.. Ein amerikanisch« Ingenieur aber wollte vor einigen Iahten eine Mars- opvosttion. bie bieten Planeten bis auf 78 Millionen Kilometer bet Erbe nahebracfite. »ar basu benutzen, auf funktelegravhiWem Wege mit ben ..Marsianern" Gedanken ausautauWtn. Natürlich ist auch dielet Versuch fehlneWlanen. Es ist nur durch eine allmähliche Verbesserung bet Beobachtung?- unb Phototechnik möglich, ben Geheimnissen bes toten Sterns nach unb nach auf bie Svür zu kommen. Dies haben neben ben beutWen auch bie franko Rühen Gelehrten einflefehen. Professor Bemhatb 2 n o t finb. wie Pariser Blätter melben. in bem Observatorium auf bem Pic bu mibi roährenb bet letzten Opposition bes Mats mit bet Erbe bie ersten einroanbfteien Fjlmaufnahm->n b« Achfenbrebung biete» Planeten gelungen. Die auf biete Weite gewonnenen interessanten Silber, bie jetzt in Meubon bei Paris zu einem eigenen Film zutammengestellt würben, tollen noch im Laute bietes Wintern öffentlich oorgeführt werben.
.* Eine neue Beatbeikuu« bet Golboui-Komöbi« „D«t Rappel- kopf" von bem Wien« IheatetfnrrefDonbenten bes ,W. T. . «rriebrich SchrenooRl unb Willy Grub, würbe vom Staats« theater bes Generalgouvernements in Krakau unb bem Lanbes- tbeater Linz zur gemeinsamen Urauffühtuna im März 1943 erworben.
* Deutsches Theater in Rowuo. In ben nächsten Tagen wirb tun Sitz des Relchskommissarz für bie Ukraine bas beutfthe Theater mit einer ireftaufführun« eröffnet werben Dieses Theater wirb in erster Linie bet kulturellen Betreuung bet in bet Ukraine eingesetzten Deutschen bienen. Mit einfachsten Hiltsni'"«» ist bet Bau ausaestaltet worben. Das Innere bes mit 450 Sitzplätzen versehenen Theaters bietet einen würdigen Eindruck. Für bie erste Aufrührung würben Mitglieber bes Schauspielhauses Königsberg gewonnen. An ben ÜBeibnathfsfeiertanen wirb bie «roße Over Kiew zwei Sinfoniekonzerte gehen.
* Kunst bem Seit IVerlag Heinrich Hoffmann. Wien). Das jüngst erschienene Heft Sevtember 1942 zeigt als zweites Sonber- 6eft ausschließlich Silber von ber Großen Deutzchen Kunstausstellung mit vielen farbigen Revrobuktionen unb einem beionbers einbrucksstarken litelbilb ..Die Wetterhere von Sevv Hilz. in ^en mittelalterlicher Aberglaube unb mobernes Empfinden ,wai^<
