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Seite 2 Nr. 293

Wiesbadener Tagblatt

Montag. 1t. Dezember MS

iüchen Konttnentalpoitik aufgetreten find. Friedrich, indem er Preußen zur Großmacht erhob. Bismarck, indem er diese Großmacht zum Ausgangs- und Mittelvunkt der deutschen Einigung machte. Beide Male wurde das englische System des kontinentalen Gleichgewichts der Kräfte empfindlich gestört; es entstand zwar kein direkter Schaden mt England, aber es muhte doch seine Europa- volltrk redesmal anschliehend umgruvvieren. stch dabei u. a. teilweise mit Frankreichs Rolle in Afrika, mit der Ruhlands auf dem Balkan abfinden. Dinge, die zwar an stch noch nicht schlimm,, aber lästig waren und deshalb in jedem Fall aut das preußisch-deutsche Schuldkonto geschrieben wurden. Soweit nun solch absonderlich fälschende Eeschichts- method.e dem innerenglischen Gebrauch dient, mag von ihr vielleicht noch der Satz gelten, daß der Zweck die Mittel heilige. Aber in dem Versuch, auch nach außen zu wirken, Nt sie au^esvrochen töricht, denn ste führt gerade dem deutschen Volk mit aller Deutlichkeit die wahre Ge­sinnung Englands ihm gegenüber durch die Jahr­zehnte und Jahrhunderte hindurch vor Augen: das Bestreben, ihm seinen Aufstieg auf dem Kontinent zu verbarrikadieren, ihm sogar seine Nationwerdung Übelzunehmen, ihm über- hauvt das ,Recht auf eine politische Rolle abzusprechen und ihm nur die des idealistischen Kulturpioniers zu überlasten. Wenn der Engländer wieder einmal heute in besonderem Mähe etwas gegen uns hat, so richtet stch, das erkennt er mit dieser Art Geschichtsunterricht offen an. die Gegnerschaft nicht gegen den „Hitlerismus" und das „Razitum", sondern gegen die politische Bedeutung, die das deutsche Volk in »einer Einheit nun einmal in Europa darstellt. Daher hegt man, wenn man sich heute in Siegeshoffnungen wiegt, wieder rote 1918 den innigen Wunsch, es möge dabei zum Ausetnanderfall des Reiches kommen, und zwar diesmal gleich in eine gebührende Anzahl von Sowjet-Republiken, wie es m dem erwähnten afrikanischen Traktätchen ausdrück­lich heißt. Freilich ist hier der Punkt, wo sich in der Wir­kung auf das deutsche Volk selbst die Gerissenheit der eng­lischen Geschichtsfälscher vor lauter Eifer in ausgewachsene Dummheit hinein überschlägt. Denn wenn es von Friedrich dem Erotzen bis heute keine politische Entwicklung in Deutschland den Briten bat recht machen können, dann muffen wir ja wobl die Hoffnung auf etwelche verwandt- schattliche oder sonstwie wohlwollende Gefühle von dieser Seite endgültig begraben und die Herren jenseits des Ka- ^tals durchaus so nehmen, wie ste stch selbst präsentieren; als geschworene Feinde nicht eines bestimmten Regimes, sondern des Reiches und Volkes Lherhauvt.

Volksdeutsche aus der Slowakei in der ffiaff«n=##

Berlin, 12. Dez. Der Reichsführer-hat auf Bitten der Füh- tung der deutschen Volksgruppe in den Slowakei den freiwilligen ®t ntr ittderVolksgruppen-Augehörigenindie Waffen-^ genehmigt. Es können stch Volksdeutsche im Alter zwischen 17 und 35 Jahren melden. Da die zuständigen slo­wakischen Stellen bereits ihre Zustimmung zu dieser Regelung erteilt haben, werden schon in den nächsten Tagen die Annahme- Untersuchungen in allen Ortsgruppen der Deutschen Partei durch­geführt.

In unerschütterlicher G

Die Telegramme an den Führer und den Reichsausenminister zum

Aus dem Führerhauptyuartier, 12. Dez. Aus Anlaß der Wie­derkehr des Tages, an dem Deutschland, Italien und Japan vor einem Jahr zum gemeinsamen Kampf gegen die Vereinigten Staaten und England antraten, sandten König und Kaiser Viktor Emanuel und der Tenno, sowie der Duce und der kaiser­lich-japanische Ministcrprästdent T o j o an den Führer folgende Telegramme:

König und Kaiser Viktor Emanuel:

»Anlässlich des Jahrestages des Eintritt« Japans in den Krieg an der Seite Deutschlands und Italiens möchte ich Ihnen meine heißesten Wünsche für de« gemeinsamen Sieg zu­kommen lasten."

Das Telegramm des Tenno:

„Aus Anlatz des Jahrestages des Abschlustes des Dreimächte­paktes zum Kampf gegen Amerika und England bis zu unserem vollständigen Sieg« mochte ich Eurer Exzellenz meiner lebhaften Freude, unser Ziel Schritt um Schritt verwirklicht zu sehen, und meinen wärmsten Wünschen für den Erfolg Ihrer Waffen Ausdruck verleihen und zugleich meine fest« Ent­schlossenheit bekunde», im Verein mit Ihnen all« An­strengungen bis zur Errichtung «ine« neuen Ordnung in der Welt zu machen."

Der Glückwunsch des Duce:

„Bor einem Jahr mit dem Eintritt Japans in Len Krieg des Dreierpaktes verband das ruhmreiche japanisch« Volk sein eigenes Krastaufgebot und verknüpft« [ein eigenes Schicksal mit dem unserer beiden im Kamps für eine neue gerechte Weltordnung ver­einten Völker. Ich habe di« Wiederkehr dieses g«schichtlich«n Er- eignistes nicht vorubergehen lasten «oll«», ohne Ihnen und Ihrem Volke meinen lebhaftesten Glückwunsch zu senden und Ihnen den Ausdruck meiner unerschütterlichen Sewitzheit in den Enderfolg unserer Waffen zu erneuern."

Ministerpräsident General Tojo:

Anläßlich des ersten Jahrestages des Bünduisabschlustes zwischen Japan, Deutschland und Italien erlaube ich mit, rück­blickend aus die gewaltigen Erfolg« unserer Waffen und di« für

Sowjetische Entsetz««,

Schnellboote torpedierten an der britischen Ostküste sechs Handel, — Erfolgreicher Borftotz in der Kalmückensteppe — Bolschewisten

1568 Panzer — Deutsche Schlachtflieger vernichteten Feinl

Aus dem Führerhauptauartier, 14. Dez. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Hochgebirge des Kaukasus wurden mehrere feindliche Angriffe abgewiesen. An anderen Teilen des südlichen Frontabschnitts dauer» die zum Teil sehr erbitterten Kämpfe mit starkem Gegner an. eigene Panzerkräfte, die aus dem Raum süd­westlich Stalingrad vorstieben, zerschlugen starken Feind, besten Gegenangriffe unter Verlust von über 20 Panzerkamps, wagen scheiterten. Bei einem in den letzten Tagen in der Kal- mückenftevpc geführten Borstob in den Rücken des Feinde« wurden zahlreiche Gefangene eingebracht und der Rachfchnb des Gegners empfindlich gestört. Italienische Truppen wehrten erneut örtliche Angriffe der Bolschewisten an der Don-Front unter blutigen Verlusten für den Feind ab. 25 Sowjetslugzenge wurden bei vier eigenen Verlusten abgeschosten.

Die Kämpfe im Abschnitt Kalinin — Jlmeu-See dauern an. Durchbruchs- und Entlastungsversuche der Sowjets zur Entsetzung der eingeschlostenen feindlichen Truppen wurden abgewiesen und wieder 31 Panzer vernichtet. Seit dem 25. No­vember verlor der Feind bei seinen vergeblichen Angrissen allein im Bereich einer Armee 1568 Banzerkarnpf- wagen.

Bei Stohtruvpunternehmungen deutscher Truppen am Wolchow und südlich des Ladoga-Sees wurden zahlreiche Kampfstände des Feinde« zerstört.

Kampfflugzeuge bombardierten in der vergangenen Rächt Stadt und Hafen Murmansk.

USA.-Transpor1er versenkt

Reuter meldet den Untergang des 21 936 S9tt. groben Dampfers President Coolidge"

Stockholm, 12. Dez. Reuter meldet aus Washington:

„Das Marineministerium gibt bekannt, dah der frühere Passagierdampfer „President Coolidge" im Süd- Pazifik verse nkt wurde. An Bord befanden sich ungefähr 4 0 0 0 Mann Truppen".

Der Pastagierdampser „President Coolidge" war 21 936 BRT. grob. Dasn Schiff wurde 1931 in Dienst gestellt. Sein Heimat­hafen war San Francisco.

Rach einer ergänzenden Reutermeldung zur Versenkung des USA.-Dampfers „President Coolidge" war das Schiff, das als Transvortdainpfer diente, mit Truppen und Aus­rüstung voll beladen. Der Untergang erfolgte in der »origen Woche. Es wird behauptet, dab nur vier Mann beim Abstnken des Schiffes den Tod gefunden hätten. Rach weiteren Mitteilungen ist der Dampfer „President Coolidge" bet zehnte amerikanische Transporter, der während des jetzt abgelaufenen Kriegsjahres verloren gegangen ist.

ewitzhett des Endsieges

ersten Jahrestag des gemeinsamen Kampfes der Dreierpaktmächte

die Neuordnung de« Welt bereits geleisteten Arbeiten, Eurer Exzellenz meine herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Heute, wo sich in allen rechtdenkenden Völkern die Erkenntnis durchsetzt, dah eine bessere Ordnung der Welt nur durch den voll­ständigen Sieg unserer drei Völkern erreicht werde« kann, möchte ich erneut der ganzen Welt gegenüber zum Ausdruck bringen, datz unsere drei Völker den unabänderlichen Willen und die Macht be- fitzen, diesen Sieg' gemeinsam zu erkämpfen. Ich bitte meine auf­richtigsten Wünsche für Ener Exzellenz persönliche, Wohlergehen und das unter Ihrer genialen Führung heldenmütig kämpfende deutsche Volk entgegenzunehmen."

Reichsautzenminister o. Ribbentrop erhielt von dem königlich- italienischen Autzenminister Graf Eiano und dem kaiserlich-japani­schen Autzenimnister Tani folgende Telegramme:

Ciano an den Reichsaußenminister:

„Es jährt sich heute der Tag des Eintritts Japans an unserer Seite in den Kamps, beit Italien und Deutschland auf allen Fronten siegreich gegen den gemeinsamen Feind führen. Aus diesem Anlaß möchte ich, lieber Ribbentrop dem verbündeten Deutschland, seinem Führer und Ihnen meine lebhaftesten und auf­richtigsten Wünsche zugehen lassen."

Tani an von Ribbentrop:

„Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages, wo unsere drei ver­bündeten Rationen stch gelobten, den gemeinsamen Krieg bis zum erfolgreichen Ende durchzukämpfen, sende ich Eurer Exzellenz meine herzlichsten Glückwünsche. Ich bin davon überzeugt, daß unsere eng ste Zusammenarbeit zur Durchführung des Krieges im Ollen und Westen und zum Aufbau ^iner neuen Ordnung aus­gezeichnet beigetragen hat. Die glänzenden Waffenerfolge, die unsere drei verbündeten Rationen im Laufe des vergangenen einen Kriegsjahres errungen haben, haben unseren Endsieg sichergestellt. Ich freue mich mit Eurer Exzellenz gemeinsam darüber, daß der Feind die von uns geschaffene unerschütterliche Lage nicht ändern kann. Ich bin fest entschlossen, zur Erreichung der im Dreimächteabkommen gesteckten Ziele Schulter an Schulter mit Ihnen zu marschieren. Eurer Exzellenz wünsche ich von Herzen Wohlergehen und Gesundheit zur Erfüllung Ihrer großen Auf­gabe."

isversuche abgewiesen schiffe — Südwestlich Stalingrad starke Sowjetkräft« zerschlagen verloren allein im Bereich einer Armee seit dem 25. November panzer in Tunesien — Sone erneut schwer bombardiert

In der Cnrcnaika weiterhin lebhafte Aufklärung«- und Artillerietätigkeit. Deutsche Kampfflieger führten stark« Angriff« gegen den Hasenbetrieb in Benghasi.

In Tunesien vernichteten deutsche Schlachtslieger mehrer« feindliche Panzer. Das Hafengebiet von Bo ne wurde von deut­schen und italienischen Flugzeugen erneut schwer bombardiert. Es entstanden Explostonen und Brände. In Luftkämpfen wurden in Rordafrika 12 feindliche Flugzeuge abgeschosten. Bordflak der deutschen Kriegsmarine schob im Eeleitdienft drei seindlich« Flugzeuge ab.

I« der Nacht zum 13. Dezember griffen Schnellboote feindliche Geleite an der britischen Ostküste an und torpedierten trotz stärkster Sicherung durch Zerstörer sechs Handelsschiffe. Drei Dampfer von zusammen 9 0 0 0 BRT. sanken sofort, ei« Tanker von 3000 BRT. geriet mit hoher Stichflamme in Brand. Auch die beiden übrige» Dampfer find wahrscheinlich gesunken. Aus dem stch entwickelnden heftige» Rachtgefecht mit den Zerstörer» kehrten alle Boote unversehrt in ihre Stützpunkte zurück.

Marine-Artillerie, Borpostenboote und Jagdflieger schosse» über dem Kanal und an der Küste Norwegens vier britische Flugzeuge ab.

Der Sonntagsbericht des OKW.

Aus dem Führerhaupiquartier, 13. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gibf bekannt:

Eine deutsche Jägerdioifion wies im Gebiet von Tuapse den ganzen Tag über währende Angriffe der Sowjets in erbitter­ten Nahkämpfen ab. Im Terek-Gebiet griff der Feind mit starken von Panzern unterstützten Kräften an. Bisher wurden 14 Panzer abgeschosten.

Örtliche Angriffe der Sowjets am Wolga--Don-Gebiet scheiterten an »er Abwehr deutscher und italienischer Truppen. Ungarische Stotztrupps zerstörte» aus dem Ostufer de» Do» Kampsanlagen des Feindes. Gefangene und Bente wurden ein­gebracht. Deutsche, rumänische, italienische und ungarische Lust» ftreitkräste waren an den Schwerpunkten der Kämpfe zur Unter­stützung des Heeres eingesetzt. In Lustkämpsen und durch Flak­abwehr wurden 37 feindliche Flugzeuge abgeschosten. Siebe» eigene Flugzeuge werde» vermißt.

Südlich Rschew wiederhplie der Feind sein« Durchbruchsver­suche. Sämtliche Angriffe brachen zusammen. Es wurden wieder 153 Panzer -»geschossen -der vernichtet.

Auch an de» Frontabschnitte» von Toropez und am Ilmen­see griff der Gegner vergeblich an.

An der Cyrenaika - Front scheiterten starke britische Au- griffe unter sofort einsetzenden wuchtigen Gegenstöße» deutscher Panzerträfte. Der Hasen von Tobruk, moton- fierte Kolonne» des Feindes und ein Flugplatz wurden von Kamps- slngzeugen wirksam angegriffen. Versuche des Feindes, das in de» letzten Tagen verlorene Gelände in Tunesien iviedcrzugc »innen, wurde« abgewiesen, eine Kampsgruppe ausgerieie» und 13 Panzerkampfwagen erbeutet oder vernichtet. Der Hase« von Sone wurde in der Rächt erneut bombardiert und dabei ein Handelsschiff von 8000 BRT. in Brand geworfen. Ein deutsches Unterseeboot versenkte bei Oran einen englische» Zerstörer mit zwei Torpedotreffer».

Feindliche Bomber und Jagdverbände griffe» am Tage im Schutz der Wolkendecke einige Orte in We st frankreich an. Die Bevölkerung hatte Verluste. Der Feind verlor sieben Flug- zeuge, darunter zwei viermotorige Bomber.

Schwerste Kaliber auf Sunderland

Berlin, 12. Dez. Zu dem Angriff schwerer beuttoer Kampf- flugzeuge auf den britischen Hafen Sunderland teilt das OKW mit. Von See her aus verschiedenen Richtungen -»fliegend er­schienen die Kampfflugzeuge nach Mitternacht über der britischen Ostküste und drangen trotz starker feindlicher Flakabwehr gegen das Hafenzentrum von.Sunderland vor. In kurzen Abst-nden losten ste ihre Spreng- und Brandbomben über den Zielen aus. Bomben schweren und schwer st en Kalibers schlugen in den Hafen- und Werstanlagen ein. Heftige Detonationen gingen in rasch um sich greifende Brände über, so daß btt später angreifenden Kampfflieger schon aus weiter Entfernung ben Feuerschein wahr­nehmen konnten.

Die Angriffe unserer Kampfflugzeuge dauerten über eine Stunde und verursachten in dem bereits wiederholt schwer bom­bardierten Sunderland neue große Zerstörungen.

Bon den zwei als vermißt gemeldeten deutschen Flugzeugen kehrte eines zurück, fo datz nur ein deutsches Kampfflugzeug bei dem Angriff auf Sunderland verloren ging.

Der Minister für Bolksausklärung und Jugenderziehung in Böhmen und Mähren, Dr. Emanuel M o r a »i c, der sich auf Einladung des Staatssekretärs Sutterer zu einem mehrtägigen Aufenthatt in Berlin befindet, wurde von Reichsminister Dr. Goebbels empfang«».

Druck unb Serlag: L Schellenberzlche Buchdruckerei. Wie-baden-r Tagblatt, Wlerbodere Sesomtleitung: Dr.phll.habU. Gustav Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt- schrifüeiter: Fritz Günther, sSmti. In Wiesbaden. Zur Zeit ist Pr-i-lift- Nr. tv Mig

Die heutige Ausgabe umiatzl R Seiten

Dsr (Entdecket öss Sauerstoffs

Z»m 200. Geburtstag Karl Wilhelm Scheeles. 19. Dezember

Wilhelm Sckeele. der am 19. Dezember 1742 i» dem damals schwedischen Straliunb als siebentes Kind rein deutscher .Eltern geboren wurde, gehört als einer der enolgreicksten yCaturroridber aller Zeiten in die Reibe der großen Entdecker, die durch Bei­bringung vieler ganz ungeahnter Tanacken gerade über die ge- wöhnlicksten Stoffe' wie Waller und Luit und durch bte Entdeckung neuer Stoffe die Wissenschaft der Chemie begründeten und eine neue Welt von Wundern erschlossen. Der iunae Kauimannsfobn hatte schon früh den Wunsch Avotbeker su werden. So kam et bereits mit 15 Jahren als Lehrling in eine solche nach Göteborg. Er war dann in Malmö Stockholm und Uooiala als Apotheker tätig, bis er int Jahre 1775 eine eigene Apotheke in. Körung am Mälatlee erwarb wo er alle Berufungen ablehnend bis zu feinem frühen Tode am 21 Mai 1786. lebte .Seine Mittel sind immer nur bescheiden geblieben, aber er belaß eine außerordentliche Schärfe der Beobachtung und war ein »enraler Erverlmentator so daß er von Entdeckung zu Entdeckung schritt. Ein ausgezeichnetes Gedächtnis unterstützte ibn: er batte die ungeheure Zahl von Ver­suchen die et seit früher Jugend gemacht hatte, in ihren Ergeb­nissen immer gegenwärtig und besaß so einen Vorrat von Erkennt­nissen die über die alter seiner Zeitgenosien hmausglngen. Er lebte völlig in leinen Versuchen' ..Neue Phänomene zu erklären schrieb et in einem Briefe ..dieses macht meine Sorgen aus. unb wie froh ist bet Forscher wenn er das ko fleißig Gesuchte findet' eine Ergötzung, wobei ihm bas Herz lacht.

Scheele entdeckte die Feuerluft," wie et. den Sauerstoff nannte. Man wußte bereits, daß die Luft sweilei Bestandteile enthalt, ben Sauerstoff, ber bas\Brennen und Atmen möglich macht, und den Stickstoff, der dazu unfähig ist. Scheele gelang es nun. den Sauerftoft aus Salveter. aus Queckkilberornb und auch aus Braun­stein unb anderen Stoffen durch Erhitzen.abgesondert daizustellen. Et band an den Hals bet Retorte bte ins Feuer gesetzt wurde, eine zusammengebrückte Schweinshlase, die sich mit dem ent­wickelten Gas füllte. Um dieses genauer su untersuchen ließ et es unter Waller in Glasgefäße amsteigen. in denen er dann das glanzvolle Brennen von Kohle. Schwefel und Phosphor lab. das für die neue Gasart charakteristisch in. Da der brennende Pbos- obor alle ..Feuerluft" verzehrte, blieb bet dem Petkum tm ver­schlossenen Gefäß ein Vakuum zurück, unb ber außer« Luftdruck tonnte ein dünnwandiges Gefäß sogar, zertrümmern. Scheele be­stimmte ben Sauerllofsgebalt der atmosphärischen. Lmt und fand, baß bet Stickstoff ein geringeres spezifisches Gewicht bat als bet Sauerstoff.

Bei der eingebende» Untersuchung les Braunsteins gewann Scheele nicht mir Sauerftoft sondern entdeckte an* das Chlor«««.

Manganvetbindungen und die bis dabin noch unbekannten Batvt- Vetbrndungen. Wie gründlich er bei seinen Untersuchungen vot- glng. zeigte sich bei seinem Nachweis, daß reines Wallet sich nicht, wie man annahm bei anhaltendem Kochen in einen festen Stoff verwandelt. Zwölf Tage und Rächte hielt er ..um mit Augen zu sehen destilliertes Schneewaller in einem Glaskolben mit sehr langem Hals im Kochen. Das Waller wurde milchig trübe und bildete einen weißen Bodensatz, aber Scheele wies nach daß es sich um Bestandteile des Glafes handelte, nicht um eine Verwandlung des Wallers.

Auch die verschiedenen Säuren des Pflanzenreichs wie Wein­säure. Zitronensäure. Avfelfäure. Milchsäure. Gallussäure. »atro kaute und das Glnserin untersuchte scheele zuerst und et entdeckte neben vielen anderen Stoffen die Molnbdänkäure und Wolfram- saure. Eine Leistung auf ganz anderem Gebiete vollbrachte Scheele durch die Erkenninis der Wärmestrahlung als einer besonderen Ausbreitungsweise bet Wärme. C. K.

* Di« neuen Lvrik-Preisträger ber „Dame". Die Zeitkckntt „Die Dame" gibt in ihrem Dezember-Heft die, Träger ihres zum achten Male ausgeschriebenen Lvrik-Preikes bekannt. Wie in den Dotiahren schon, sah man ------ bewerb eine besondere A nähme an dem Busschteib vorzugt bewertet würden

* Ei» neu entdecktes Lukas-Cranach-Gemälde im Otterland­museum Gera. Am Sonntag wurde vom Vorsitzenden des Geraer Kunstvereins dem Oberbürgermeister der Stadt Gera ein neu ent­decktes Gemälde von Lukas Cranach übergeben. Das Gemälde hin« seither unerkannt in einem Dorf des Landkreises Gera. Es wurde bei einer notwendigen Restaurierung vom Direktor des Kaiser- Frredrich-Museums in Berlin. Dr. Demmlet. als ein echter Cranach erkannt und von einer Gemeinschaft von 18 Stiftern der Stabt Gera zum Geschenk gemacht. Tos Bilb stellt, eine Kreuzi- gungsgtuvve bot. auf bet bte beiben Figuren ber Maria unb bes Johannes int Laufe ber Jabthunberte erhebliche Bekchäbimmgen erlitten hatten Die Hauptfigur zeichnet sich burch eine tn Zeichnung unb Farbe hervorragenb realistische Darstellung aus. mährenb bet untere Teil bes Bildes fast stillehenbaft als besonderes Tharakte, tistikum fränkischer Landschaften Burgen unb Tannen seist

i btesmal baoon ab, jur ben Wett- .je zu stellen. Im Sutruf zur Teil- war nur angekund'.gt. daß Petke be» _______ __________.den in beiten das Erlebnis unserer Tag« gültigen Ausdruck gefunden hätte. Die Preisrichter. Georg Britting. Marie Linke Kakchnitz. Proi. Seiet Radler. L. E. Reindl und Friedrich Schnack haben mit einem ersten unb mit fünf zweiten Preisen ausgezeichnet: „Solbatengrab" von Walt von Riebellckütz: „Wacht im Schnee“ von Oscar Fries „Elemente von Susanne Kerckboff. „3to»ts von, Eugen Roth. ..Solbatengrab pften“ von Herbert Seilet und „Uber Nacht von W. E.

Gastspiel Jutta Steeb« und Hermann Bräun' im Residenz-Theater

„(Eine ^rau rote Jutta“

Lustspiel in drei Akte» von A. Möller und H. Lore»,

Wir haben „Eine Frau wie Jutta" schon ojt an bet nämlichen Bühne gesehen unb biet besprochen. Es erübrigt sich, all» bte märchenhafte Geschickte zu erzählen vom Hans tm Gluck, bet als junget, armer, unbekannter Architekt hur aus eigener Kraft unb nicht mit dem angeheirateten Gelb ber <rrau emoorkommen will, eine Tausenberbtaut alko kalt sitzen ließ unb nun. selbst etn Leicht­fuß. ein Mäbchen belletn will babei unmerkltck em. wertvollerer Mensch wirb und tätet, die ein wenig Verstecksviel mit ihm macht, unb auch ihres Vermögens würdig wird. 3uttajrrenbe als diese Jutta und Hermann Braun als der erziehend Erzogene und die Spielleitung Albert Matteistocks. der nicht erschienen war. hatten das Residenz-Theater bis auf den letzten Platz gefulli und gaben mit ihrem frischen Sviel dem bekannten Stück eine auivulvernde Rote. Sie statteten die drei Akte mit einer Menge aur die sichere Wirkung ausgerichteter Einfälle aus. barunter ber irreubentans. als bet erste größere Bauauftrag einlief. Die naturblonde Jutta Ftenoe hatte viel natürliche Eignung für die kckalkhatte. ztel- nchere. gefunb denkende, anmutige unb schon verliebte Jutta, einer kräftige, sonore Naturstimme ein gesundes Naturell eine fturne Körverlickkeit. ein unaufdringliches Sviel. Das Gesunde Selbst­verständliche stand weit Über dem Salonmäßigen. Hermann Braun gab sich körperlich und geistig fast zu jung. Rur wer noch so in den Wolken leben kann mag auch in so ausgefallenen Ideen leben unb so entzündet reden und ko freck-unbekümmett nck be­wegen, Ein liebenswürdiger forscher Junge alio voll angenehmem Leichtsinn und knabenlmfter Lebhaftigkeit Manchmal kommt vor lauter Sprudeln die Deutlichkeit der Worte foaar in Gefahr Hatte man für den Sckalk bei beiden oft ein Lächeln !o heimst« das Ernstcken Kutt Langs unser Lacken ein. Ein linkischer Bttt'cke. ein wenig benachteiligt durch ethüiiteniheit unb dock ein gutes Menschenkind. Dazu tat Lang eine unaufdringliche komische Hal­tung. die nickt mit Gewalt unb unter allen Umständen sichtbar gemacht wurde. , , ,

Versteht sich, das bas Publikum, in dem der jugendliche Teil wesentlich überwog, begeistert denen auf der Bühne suttemmte. die sie sonst nur auf der Leinwand su sehen gewohnt waren.

Dr. Heinrich Reichert

* Helene Raff gestorben. Die Tochter bes aus bem Lmt- kreike bekannten Komponisten Joachim Raff, bte Dichterin Helene Raff, ist in München im Alter von 77 Jahren gestorben. Ihr Marne wurde beionbers bekannt durch die Romane ..Der Findling vom Arlberg und ..Die Chronik von Maidenstadt. Eine leben- btge Darstellung ber Lisztzeit gab Helene Raff in ber Biographie ihres Baiers.