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90. Jahrgang
Donnerstag, 10. Dezember 1942
Nr. 290
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konischen Seeleute könnten sich dem panikartigen Schrecken, die deutschen ll-Boote auslösten, nicht mehr entziehen.
Algerien. Das Blatt bedauert es besonders, daß engilsche Schisse, die für die Versorgung der Truppen in Ägypten eingesetzt wurden.
Der Grohmufti in Berlin
Berlin, 9. Dez. Der Eroßmusti von Jerusalem ist dieser Tage von Rom kommend in Begleitung einiger Herren seiner näheren Umgebung hier eingetroffen.
Folgenschwerer Sabotagefall in Algerien
Rom, 9 Dez. Bei Blida, an der Strecke Algier—Oran, entgleiste am 7. Dezember, morgens, wie Stefani aus Tanger meldet, ein langer Truppentransvortzug. Die Lokomotive war aus eine Mine gelaufen, die von Unbekannten gelegt worden war. Fast alle Wagen stürzten um. Die Strecke wurde schwer beschädigt. Das Unglück verursachte 6 2 Tote und mehr als 200 Verletzte. Die von den militärischen Be- satzungsbehörden eingeleitet« Untersuchung hat bisher zu keinem Ergebnis geführt.
Mißtrauensvotum des Lebens gegen die Demokratie
„Everybody": »Kinder werden in England eine Kuriosität sein."
Der Nachschub bestimmt das Tempo in Tunesien
Di« Erfolge der deutschen Unterseeboote wirken sich aus
wieder, welch abgrundtiefes gegenseitiges Mißtrauen im Lager unserer Gegner herrscht. Der Fall Darlan ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel. Das Thema kommt im gegnerischen Lager nicht zur Ruhe, was immerhin begreiflich ist, wenn man hört, daß der Sowietbotschafter M a i s k y in der vergangenen Woche nicht weniger als dreimal bei Eden vorgesprochen und das Thema Darlan und Rordafrika erörtert hat. Man ist von der Entwicklung in London wenig erbaut, schreibt doch auch der jetzt von einer Studienreise durch die USA. heimgekehrte Herausgeber der Zeitschrift ..News Statesman". der britische Standpunkt finde in den USA. kein rechtes Verständnis.
Recht kennzeichnend ist es auch, wenn Herr Willkie jetzt angesichts der englisch-amerikanischen Auseinandersetzungen. zu denen er durch seine mannigfachen Reden viel beigetragen hat, eine engere Zusammenarbeit zwischen Washington und London fordert. ..Wenn wir uns über unsere Kriegsziele, während wir noch kämpfen, nicht einig werden", so meint Herr Willkie, ..dann werden wir uns unvermeidlich voneinander trennen, wenn das Ringen einmal beendet sein wird." Die Briten werden keine allzu grobe Neigung haben, sich mit Herrn Willkie über dieses Thema auseinanderzusetzen, ist doch gerade er einer der Hauvtruier im Kampf der USA. gegen das britische Empire.
So gehen im gegnerischen Lager die Auseinandersetzungen weiter. Welche Zeit und Mühe man dafür aufwenden mutz, geht u. a. aus der Bemerkung eines schwedischen Korrespondenten in London hervor, dab die Angelegenheit Darlan in der Tat den Diplomaten und Politikern (auf der englisch- amerikanisch-bolschewistischen Seite) sehr viel Extraarbeit bereite, so dab zum Beispiel der USA.-Votschafter Winand eine angekündigte Rundfunkrede für die englische Heimatfront in letzter Minute absagen mubte. Wir wollen dabei allerdings die Frage offen lassen, ob es die Arbeitsbelastung war. die Herrn Winand am Reden verhinderte, oder ob es ihm angesichts der Svannung zwischen Washington und London nicht zweckmäbio erschien, zu schweigen.
Kz. Manchmal überfällt die Briten eine Anwandlung von Wahrheitsbedürsnis und sie bequemen sich dann zu Eingeständnissen, die garnicht zu ihrer Agitation und ihren angeblichen Kriegszielen paffen wollen. So erklärte ,.Rews Ehronicle", worauf wir gestern hinwiesen, daß die breite Masse den Glauben an die Demokratie als Regierungsform verloren habe, weil ihre führende Schicht mehr an private Zwecke denke, als an das Allgemeinwohl. Das sagt das Blatt eines Landes, das die Demokratie als höchsten Ausdruck menschlichen Gemeinschaftslebens propagiert und für ihre Verteidigung und Ausbreitung angeblich in den Krieg getreten ist. Zu dem gleichen vernichtenden Urteil über die demokratisch-liberalistische Lebensauffassung und
as. Berlin. 10. Dez. (Gig. Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Am Vorabend des 11. Dezember, am Tag. an dem sich der Abschluß des in Ausführung des Dreimächtepaktes getroffenen deutsch-italienisch-javanlschen Kampfabkommens jährt —, der Führer gab es vor einem Jahr in seiner groben Reichstagsrede bekannt — hat der javanische Ministerpräsident Tojo ein neues, feierliches Bekenntnis zum gemeinsamen Kampf gegen dre Feinde der jungen Völker abgelegt. Seine Worte sind der Ausdruck des entschloffenen Willens, diesen Krieg ohne Vorbehalt und ohne Nebenabsichten militärisch und wirtschaftlich gemeinsam zu führen und nach dem Kriege eine Ära des Friedens zu verwirklichen. Tojo. der auch den Rohstoffreichtum im javanischen Machtbereich als Beitrag zur gemeinsamen Kriegführung nicht unerwähnt ließ, hat besonderen Nachdruck auf die Feststellung gelegt, dab der Krieg in Eurova und Asien ein einziger grober Kampf geworden ist.
Die Wechselwirkungen der Kriegsschauplätze aus das Geschehen in den verschiedenen Weltteilen kommen ja auch immer wieder klar zum Ausdruck. So stellt beispielsweise gerade jetzt die „Times" fest, dab an eine eigentliche Offensive in Burma, von der Londoner Blätter in den letzten Tagen phantasiert hatten nicht zu denken sei. Die Anglo- Amerikaner hätten an den anderen Fronten einen zu großen Berfchleib an Kriegsmaterial, als dab sie Indien mit dem für eine Offensive notwendigen Kriegsmaterial versorgen könnten. So wirkt sich also'-der Kamps in Nordafrika auch in Ostasien aus. Die „Times" gibt deshalb Tschungking-Ebina zu verstehen, dab mit einem Freikämvfen der Burmastrabe nicht zu rechnen sei. dab vielmehr Tschungking auf Lufttransporte, d. 6. auf praktisch belanglose Zufuhren angewiesen bleibt.
Die Erklärungen des japanischen Ministerpräsidenten Tojo bekunden vor aller Welt die enge Zusammenarbeit der Mächte des Dreiervaktes. Gleichzeitig zeigt sich immer
Die Dreierpakt-Solidarität
Feierliches Bekenntnis Tojos zum gemeinsamen Stampf „ohne Vorbehalt und Nebenabsichten"
schlagnahmt werden.
„Der Kamps in Nordafrika", so erklärte Tahoe Soal dieser Tage im Londoner Rundfunk, „ist besonders ein Kampf um die Versorgung. Wenn wir Tunesien halten wollen, dann müssen wir eine noch gröbere Menge, als es den Deutschen möglich ist, an Material, Panzern und Flugzeugen dorthin bringen. Kürzlich hat Churchill gesagt, die U-Boot-Gesahr sei für Englands Lebenswege nicht im Abnehmen, sondern im Zunehmen begriffen. Hitlers gröbter Trumpf, das As der Zerstörung, wenn wir es so nennen wollen, ist seine U-Boot-Waffe. Wir müssen die Meere beherrschen, oder wir verlieren den Krieg. Die Deutschen werden alles tun was in ihrer Macht steht, um uns am Überbrücken der Entfernung zu hindern. Hart und gefährlich ist die Aufgabe, unsere Lebenslinien offenzuhalten. Wir können dies nur durch die erhöhte Produktion unserer Werften und durch eine stärkere Versenkung feindlicher ll-Boote, als dies im Augenblick der Fall ist." Wie „hart und gefährlich" der Weg über die Ozeane geworden ist, zeigen die Äuberungen eines europäischen Diplomaten, der kürzlich aus USA. zurückkehrte. Die Bucht von New Bork, so erzählte er, werde von den amerikanischen Matrosen als „Schisssgalgen" bezeichnet und eine Reise nach New Vork als „Himmelfahrtskommand o". Die ameri-
wt. Die neuesten Erfolge unserer U-Boote haben, wie bereits im OKW.-Bericht mitgeteilt wurde, den anglo-ameri- kanischen Nachschub für Nordasrika schwer getroffen. U. a. siel der 18 713 BRT grobe Ozeandampfer „Ceramic", der als Truppentransporter benutzt wurde, unseren Torpedos zum Opfer. Das Schicksal ereilte ihn, trotz verstärkter Abwehr, westlich von den Azoren, auf dem Wege nach Gibraltar. Bei voller Ausnutzung der Unterbringungsmöglichkeiten mub er mindestens 3000 Mann a-n Bord gehabt haben, von denen die meisten ertrunken fein dürften, da das Schiff auberordenilich schnell sank. Aus dem gleichen Geleitzug wurden drei weitere Schiffe, die mit Kriegsmaterial beladen waren, herausgeschoffen. L. a. ein 3157 BRT grobes Schiff, das Flugzeuge und Ersatzteile an Bord hatte, ein 5000-Tonnen-Dampfer mit einer Dynamitladung, der unter starken Explosionen innerhalb von wenigen Minuten im Wasser verschwand. Ein rund 5000 Tonnen grobes Schiff, das von Portugiesisch-Angolo nach Trinidad unterwegs war und Zinn, Kupfer-Kies und Palmöl geladen hatte, wurde vernichtet, ebenso ein 8000-Tonnen-Tanker im Nordatlantik. Wenn das Tempo der anglo-amerikanischen Operationen in Tunis die Erwartungen Londons und Washingtons nicht erfüllen kann, so liegt das nidjt zuletzt an den Nachschubschwierigkeiten, die durch dre Erfolge unserer ll-Boote ständig zunehmen. Selbst in England gibt man nach und nach die Belastung des ohnehin unzureichenden Schiffsraums durch das Afrika-Abenteuer zu und „Financial Times" erklärt die Tatsache, dab selbst für Verschiffungen mit erstklassigen Prioritätsgenehmigungen Tonnage nicht zu erhalten ist mit den Truppen- und Nachschubtransvorien für Marokko und
Die Königin der Waffen
(Von unserem militärischen Mitarbeiter)
Es ist ein Grundakkord in den Kriegsreden des Führers, dem deutschen Volke die Bedeutung der Infanterie immer wieder vor Augen zu führen..Wenn der Feldherr und Führer niemals müde wird, das hohe Lied der deutschen Infanterie zu singen, so geschieht das aus dem Grunde, weil er, der Gefreite des Weltkrieges, wie kein Zweiter die Bedeutung des infanteristischen Kampfes kennt, und weil er gerade deshalb den infanteristischen Sorgen und Nöten sein Herz nicht verschloffen hat.
In den Jahren des Aufbaues der deutschen Wehrmacht war es sein erstes Bestreben, der deutschen Infanterie die besten Waffen zu geben, die es gab. Wir haben in der deutschen Wehrmacht eine Reihe- von Svezialwaffen und Spezialtruvven- teilen gepflegt und gefördert. Das Schwergewicht liegt aber auch heute nach wie vor auf den infanteristischen Waffen und an der Durchbildung dieser Waffen hat man Tag um Tag und Nacht für Nacht in den Wasfenämtern und Arsenalen gearbeitet. Da ist geübt, geplant und versucht worden bis das deutsche Maschinengewehr die letzte Treffsicherheit erhalten hatte, bis die deutschen Granatwerfer jene Wirkung auslösten, die der Schrecken der Feinde ist, bis die Panzerabwehrkanonen, über die auch die Infanterie verfügt, so panzerbrechend waren, dab ihnen nichts standhalten konnte, bis schließlich die Maschinenpistole in der Hand des Infanteristen jeden Widerstand bei der Aufrollung feindlicher Gräben oder im Nahkampf überhaupt unmöglich machte. Der Führer hat auch dafür gesorgt, daß der Infanterie das Leben so erleichtert werden konnte, wie es möglich war. So hat man zum Beispiel dafür gesorgt, dab den ewigen Marschierern alles Gepäck, das nicht unbedingt notwendig war, abgenommen werden konnte: es blieb immer noch genug zu tragen übrig, Ausrüstung und Uniform wurden immer wieder daraufhin nachgesehen, ob es Möglichkeiten gab, dem Infanteristen das Leben zu erleichtern, denn der Führer wubte, wie manche Nacht in Sturm und Regen, in Gräben und Wäldern sugebracht werden mubte, weil es nicht immer möglich war, die notwendigen Quartiere zu beschaffen. Es ist im vorigen Jahr und auch in diesem Jahr dafür gesorgt worden, dab Holz, Werkzeuge und alles, was dazu gehört, dauerhafte Unterstände zu schaffen, zur Verfügung stand und steht, alles nur, um den Männern, die die schwerste Last des Krieges zu 'tragen haben, das Los, so weit es nur möglich ist, erträglich zu gestalten. Der Führer hat als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht auch stets darauf gesehen, dab bei Auszeichnungen und Än- erkennungen der Infanterie besonders gedacht werden sollte. So schuf er das Sturmabzeichen, das heute die Brust so manches Infanteristen schmückt und das besagt, dab dieser Mann Aug in Auge mit der blanken Waffe dem Feind gegenüber gestanden hat. So schuf er auch die Ostmedaille, um denen, die Wochen und Monate in schärfster Kälte dem gegnerischen Ansturm trotzten, ein äußeres Zeichen zu geben. So ist es auch zu verstehen, dab der Führer die alten Bezeichnungen wie Grenadier und Füsilier für die Infanterie wieder eingesührt hat, und so mub auch schlieblich der grobe Gedanke verstanden werden, der vom Führer in seiner letzten Svprtpalast-Rede ausgesprochen wurde und der inzwischen durch Verfügungen des Oberkommandos dahin Gestalt gewonnen hat, dab jeder deutsche Soldat und vor allem der Infanterist den Marschallstab im Tornister trägt. In Erfüllung des nationalsozialistisch und soldatisch bewährten Grundsatzes, dab die Tüchtigkeit eines Mannes, die Lauterkeit seines Strebens und seiner Gesinnung und die bedingungslose Einsatzbereitschaft seiner Person für Führer, Volk und Vaterland das einzig gültige Auslese-Prinzip der Tüchtigsten im neuen Deutschland ist, kann ab sofort jeder junge Deutsche ohne Besuch einer höheren Schule und deren Abschlubvrüfung als Bewerber für die Offizierlaufbahnen des Heeres angenommen werden. Nicht alle können Offiziere werden, und wir brauchen auch ein tüchtiges Unteroffizierkorvs. Dafür hat der Führer ehenfalls gesorgt, dab den deutschen Unteroffizieren während und nach der Dienstzeit alle Möglichkeiten der Fortbildung und der Bewährung offen stehen.
In diesen Wochen sind nun in größerer Anzahl Ritterkreuzträger der Infanterie in die Heimat gekommen, um vor der deutschen Jugend vom Sinn und Wesen der Infanterie zu sprechen und für die Infanterie zu werben. Wir wiffen, daß diese Worte der besten militärischen Führer unserer Nation offene Ohren und offene Herzen gefunden haben. Nicht jeder eignet sich zum Jagdflieger. Nicht jeder kann als U-Bootführer sich bewähren, weil hierfür Sonderleistungen und Sonderveranlagungen nötig sind. Aber jeder junge und gesunde Deutsche hat die Möglichkeit im Rahmen der Infanterie dem Vaterlande seine Dienste zu leisten.
Es ist heute immer noch so, wie es vor einem Jahrhundert war: nur wo der Fub des Infanteristen hintritt, wird der Sieg wirklich errungen. In diesem Sinne ist auch heute noch unsere Infanterie die Königin der Waffen und im letzten Grund kriegsentscheidend. Die Infanterie hat im Laufe der letzten Jahrzehnte ihr Gesicht vielfach geändert. Aus dem Zündnadel- gewehr des siebziger Krieges ist das moderne Maschinengewehr und die Maschinenpistole geworden, aus den bunten Uniformen von einst das schlichte Feldgrau von heute.
Wenn früher der Dienst bei der Infanterie manchmal als eintönig verschrien war. so ist heute ein modernes Infanterieregiment von einer Vielfältigkeit, wie es sich der Lai« kaum vorstellt. Das Infanterieregiment von heute verfügt ja nicht nur über Gewehre und Maschinengewehre, sondern es besitzt auch alle schweren Waffen bis zum Infanteriegeschütz, um jeden Kamm selbständig durchführen zu können. Wie verschieden das Infanterieregiment von heute gegen das Infanterieregiment des Weltkrieges ist, dafür mag als Beweis nur eine Tatsache gelten, dab das Infanterieregiment des Jahres 1942 über mehr Pferde verfügt als sie früher in Deutschland ein Kavallerieregiment besaß. Es gibt also auch in der Infanterie für jeden nach seiner Eignung bestimmte Möglichkeiten. Da sind Reitertruvvs, Radfahrer, Funker. Fernsprecher, um nur diese Beispiele zu nennen. So sehr sich auch nach außen hin das Jnfanteriebild verändert hat: in ihrem innersten Wesen ist sich die Infanterie immer gleich geblieben. Sie ist stets dazu ausersehen worden, den Hauvtwider- stand des Gegners zu brechen, und wenn in diesem Kriege die großen Taten deutscher Sieger aufklingen, wenn gesprochen wird vom Durchbruch durch die Maginot-Linie, wenn berichtet wird von den großen Umfaffungsschlachten, die im vorigen Jahr im Osten geschlagen wurden, wenn wir lesen von den harten und entscheidenden Kämpfen um und in Stalingrad, dann ist es wirklich überall die Infanterie, die hier das erste Wort und das größte Lob für sich beanspruchen darf. Die deutsche Jugend, die jetzt und in Zukunst in den Reihen der deutschen Infanterie kämpft, wird daher die große Tradition der deutschen Infanterie auch einem kommenden Geschlecht stolz und siegreich übermitteln.
Krankengelder nur eine ganz kurze Unterbrechung der Arbeit gestatten. „Wenn die Entwicklung so weitergeht", so heißt es wörtlich in der englischen Wochenschrift, „werden in 80 Jahren in Groß- - Britannien weniger als fünf Millionen Menschen leben. Die Großstädte werden leer stehen, das Land wird rasch verwildern und, was am schlimmsten ist, es wird viel mehr alte Leute geben als junge. Kinder werden eine Kuriosität fei n.“ Man mutz die Zivilcourage des Schreibers bewundern, der nicht davor zurückschreckt, die „mangelnde Beweglichkeit in den verschiedenen britischen Regierungsämtern" bereits auf die zunehmende Vergreisung zurückzuführen. ..Wenn hier nicht drastische, umwälzende Maßnahmen ergriffen werden", so schreibt das Blatt, „wird das nächste halbe Jahrhundert das Erlöschen der englischen Nation bringen. Wir haben einen Zeitraum, nicht länger als der zwischen den beiden großen Kriegen, um zwischen Leben und Tod zu wählen." Wir haben in Deutschland erlebt, daß zwischen dem politischen System eines Volkes und seinem Lebenswillen allerengste Verbindungen bestehen. Nachdem das Zwischenreich, das dem deutschen Volk keine Existenzmöglichkeit mehr zu bieten hatte, überwunden war, schnellte die Geburtenziffer rapid in die Höhe und erreichte im zweiten Kriegsjahr mit 1645 000, oder 20,5 Prozent der Eesamtbevölkerung, einen Höhepunkt, der die Geburtenziffer im zweiten Jahre des ersten Weltkrieges mit 15,2 Prozent um mehr als 5 Prozent übersteigt. Das ist eine Manifestation des Glaubens an die Zukunft, des unerschütterlichen Lebenswillens, zugleich auch ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus, während umgekehrt die unaufhaltsam sinkende Geburtenziffer in England die Feststellung des „New Ehronicle" bestätigt, daß die Masse des englischen Volkes den Glauben an die Demokratie längst verloren hat.
damit auch über das angebliche angelsächsische Kriegsziel, kommt die britische Wochenschrift „E v e r y b o d y", die sich bitter über das ständige Absinken der englischen Geburtenzahl beklagt und dafür das liberalistische Denken, bas das Geld höher als das Leben einschätze, verantwortlich macht. Unwillkürlich werden mir an die Äußerungen des britischen Delegierten aus dem Internationalen Bevölkerungskongreß in Berlin, im Jahre 1935, erinnert, der damals behauptete, eine kleine Bevölkerung bei befferem Lebensstandard sei das Richtige für die englischen Inseln. Die große Arbeitslosigkeit führte er auf die angebliche Überbevölkerung zurück. Eine typisch kapitalistische Auffaffung, nach der sich das Leben nach der Wirtschaft und nicht die Wirtschaft nach der Bolksstärke zu richten hat. Eine geradezu selbstmörderische Einstellung, die zu einer unaufhaltsamen Bergreifung Englands geführt hat. Die erschreckenden Folgen zeigen sich heute Bereits. So ergab eine Umfrage, die kürzlich in 107 höheren englischen Schulen durchgeführt wurde, daß 38,4 Proz. der Schüler einzige Söhne einer Familie und 20,5 Proz. überhaupt einzige Kinder sind. In der eingangs erwähnten Anwandlung von Wahrheitsliebe gibt „Eoerybody" die Schuld vor allem der unsozialen Einstellung der britischen Regierung, die an bet höheren Säuglingssterblichkeit die Haup^ schuld trägt Hat doch nach statistischen Feststellungen, die die britische Wochenschrift heranzieht, das Kino reicher Engländer eine sechsmal größere Chance am Leben zu bleiben, als bas Kind armer Leute, die burch elcnbe Wohnungstzerhältniffe unb mangelnde Fürsorge nicht in der Lage sind, dem kleinen Erdenbürger die nötige Pflege angedeihen zu laffen. „Everybody" vergaß zu erwähnen, daß sich die englische Steuerpolitik geradezu gegen den Kinderreichtum richtet. daß keinerlei Schutz für die Schwangeren in der Industrie besteht, und die geringen
Wiesbadener Tagblatt
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