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Donnerstag, 3. Dezember 1948

Wiesbadener Tagblatt

Rr. 284 Seite 3

bei

Kabinettsumbildung spläne Churchills

100 % mehr

Seit fünf Jahren", sagte er. zu mir gewendet, da wir im Parke weiterritten,Hai sich kein Wolf fo nahe zu uns gewagt, und es war sonst ganz sicher hier. Er muh einen harten Winter geben, und er muh in den nördlichen Ländern schon begonnen haben, dah sie sich bereits so weit berabdrücken," (Fortsetzung folgt.)

Eens, 3. Dez. Der po Standard" schreibt, Churchill

Sitzt alle auf," rief der Major den entgegeneilenden Knechten zu,laßt alle Wolfshunde los, dah meine armen Doggen

Das Testament Richelieus

Zum SOOjährisen Todestage des französischen Staatsmannes am 4. Dezember

JPS. Am 4. Dezember 1642, vor 300 Jahren, starb Armand Jean du Plesiis, Herzog von Richelieu. Mit ihm fchlos ein Mann die Augen, der nicht nur für das Frankreich seiner Zeit die allergrößte Bedeutung erlangt hatte, sondern auch der .Politik Frankreichs für die späteren Jahrhunderte bis »ut Gegenwart ote Richtung mies. 1622 Kardinal geworden, gewann er »wet Jahre später die Leitung des französischen Staates, in dem er der all­mächtige Leiter der politischen .Geschicke wurde. Als Minister Ludwigs xm brach er die Macht des Adels und besiegte ote Hugenotten, so das er damit für di- innere Politik fernes Landes eine neue Grundlage schuf. Nach außen hm verschaffte er Frank­reich dadurch die europäische Vormachtstellung, dah et gegen da, Haus Habsburg in den Dreißigjährigen Krieg eingriff.

Gerade in unseren Tagen gewinnt die Erinnerung an ihn in­sofern besonders Interesse, als er die Bedeutung überseeischen Kolonialbesitzes für Frankreich erkannte. Hierbei stich er natürlich auf die Gegnerschaft Englands. Richelieu begünstigt« dre sranzo- fischen Niederlassungen in Kanada, am Senegal, in auf Guadeloupe und Martiniaue. Er gründete eine Gesellschaft zur Erschließung der Inte! Madagaskar. Auch die Insel RSunton kann jetzt auf eine 300jährige Zugehörigkeit zu -rrankretch zu- rückblicken.

Neben dieser Förderung der kolonialen Jnteresien Frankreichs war -ihm die französische Machtvolitik auf dem Kontinent ans Herz gewachsen, und das in dieser Machtpolitik liegende voll- tisch- Testament R i ch e l i e u s hat bis zum heutigen Tage seine Wirkungen auf Europa ausgeübt. 2m Jahre 1629 stellte Richelieu den Grundsatz auf, dah Frankreichs Stärke m einer Schwäche und Zersplitterung Deutschlands liege. Er erklärte, da« Frankreich Strahburg brauche, um den freien Zugang zu Deutsch­land zu haben. Damit öffnete er den Weg nicht nur für die Raub- volitik Ludwigs XIV., sondern schuf auch die Grundlage für ben 300jährigen Drang Frankreichs zum Rhein, der nicht als Schutz- wall für Frankreich, sondern als Aufallp,orte gegen Deutschland gelten sollte. Richelieu legte damit aber auch den Grund zu dem Revanchegedanken späterer Jahrhunderte, ia sogar zu dem Eintritt Frankreichs in den Krieg im Jahre 1939. So hat das politische Testament Richelieus seine Schalten bis in die gegenwärtigen Tage hinein geworfen. Es bleibt aber zu wünschen, dah bte Neu- ordnung Europas, an der sich zu beteiligen für Frankreich eine Lebensnotwendigkeit bedeutet, den Schatten Richelieus endgültig verschwinden labt.

Lord Wootton bedauert

Keine Sonderzuteilungen zu Weihnachten in England.

Genf, 2. Dez. Auf eine Anfrage über, die Möglichkeiten einer Weihnachtsfonderzuteilüng an Lebens­mitteln erklärt« Lord Woolton u. a.. dah er die Verantwor­tung für eine regelmäßige Lebensmittelversorgung Englands über einen längeren und schwierigeren Zeitraum habe und deshalb nicht in der Lage fei, Sonderzuteilungen zu machen. Er würde zu Weihnachten den Kindern sehr gern Sonderzuteilungen an Zuckerwaren geben, leider fei er auch dazu nicht in der Lage.

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie peinlich die An­frage dem auf feine Verantwortung so bedachten Lord ge­wesen ist. Besonderes Pech hatte zudem der biedere Lord, dah die Anfrage gerade in einem Zeitpunkt gestellt wurde, in dem das deutsche OKW. der Welt das Rekordergebnis an Schiffsversenkungen im November mit über eine Million BRT. bekanntgeben konnte.

Der OKW.-Bericht von heute

Aus dem Führerhanviauartier, 3. Dez. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Kaukasus wurden di« Kampfhandlungen durch Hoch- masscr und ungangbare Wegevcrhältnisse stark beeinträchtigt. Trotzdem wurden an einigen Stellen örtliche Gefechte mit dem hartnäckig angreifenden Gegner geführt, in denen die Sowjets hohe Berluste erlitten. Starke feindliche Kräfte wurden nörd­lich des Terek im Gegenangriff geworfen, ein Kavalle­rieregiment »erschlagen, zahlreiche Gefangene und Bent« eingebracht. Kampfflieger verfolgten den fliehenden Gegner und zerstörten zahlreiche schwere Waffen und Fahrzeug«.

In der Kalmück«n-St«»ve sperrten deutsche motorisiert« Truppen nach überraschender «eitausholender Umfassung die rückwärtigen Berbindungen der Sowjets und vernichteten meh­rere Kolonnen.

Auch gestern scheiterten erneute Angriffe starker 3nfenterte« und Panzerverbände des Feindes im Wolga-Don-Gebiet an dem zähen Widerstand der deutschen und rumänischen Truppen. 3m Zusammenwirken mit starken deutschen und rumänischen Luft- streitkrästen wurden dem Feinde hohe blutige Berluste zugefügt und allein zwischen Wolga und Don 60 Panzerkampf­wagen abgeschossen.

3m Abschnitt Kalini n3 lmensee wiesen Verbände des Stetes und der Luftwaffe in andauernden schweren Abwehr- kämvfen sämtliche feindlichen Angriffe, zum Teil im Gegenangriff, blutig ab und vernichteten 106 Panzerkampfwag-n.

An der Eismeerfront nirben sowjetische Truvvenan-

Britisch» Bomber führten in der Nacht zum 3. Dezember An­griffe gegen Westdeutschland. Sn einigen Orten im R h e i n - Main-Gebiet entstanden geringe Eebändeschäden. a ü n f feindliche Flugzeuge wurden abgeschojsen.

An der Südostküste Englands bekämpften deutsche Säger Tag« Eisenbahnziele und Truppenunterkünste.

Der Imperialismus hinter der demokratischen Fassade

Eine Schweizer Stimme zum häuslichen Streit unter den Plutokraten

Der Führer empfing den neuen spanischen Botschafter

Aus dem Führerhauptquartier, 2. Dez. Der Führer empfing am Dienstag in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärtigen, von Ribbentrop, den neuernannten spanischen Botschafter Eines Vidal y Saura zur Über­reichung seines Beglaubigungsschreibens.

Anschließend empfing der Führer den bisherigen spani­schen Botschafter Graf von Mayaldo zum Abschiedsbesuch.

nichts leiben. Bietet di- Nachbarn «uf und jagt, so viel Tage ihr wollt. Ich gebe für jeden toten Wolf das doppelte Schuhgelb, die ausgenommen, bie an der Galgeneiche liegen: benn bie haben wir selber getötet. An der Eiche liegt vielleicht auch eine bet Pistolen, bie ich voriges Jahr an Gustav geschenkt habe, denn ich sehe nur eine in seiner Hand, und bas Sattelfach ber andern ist

. leer; seht zu, ob es so ist."

Für die Sowjetlieferungen feine Schifte

Ehe ich etwas begreifen unb fragen konnte, sprengte er schon bie Allee entlang, so furchtbar, wie ich nie ein Pferd habe laufen gesehen, ich folgte ihm nach, weil ich ein Unglück ahnte, unb als ich wieder zu ihm kam, traf ich auf ein Schauspiel, so gräßlich unb so herrlich, bah noch jetzt meine Seele schaudert unb jauchzt: an bet Stelle, wo bet Galgen steht unb bet Binsenbach schillert, hatte bet Major ben Knaben Gustav gefunben, der sich nur noch matt gegen ein Rubel Wolfe wehrte. Zwei hatte er erschossen, einen, bet vorne an sein Pferd gesprungen war, wehrte et mit feinem Eisen, die anderen bannte er für ben Augenblick mit der Wut

Bem, 2. Dez. DieBerner Tagwacht" beschäftigt sich mit dem durch den jetzigen Krieg entstandenenimperialistischen Kon­kurrenzkampf zwischen England und ben Vereinigten Staaten. Das Blatt betrachtet die einzelnen Kriegsereignisse von Dün­kirchen bis Pearl Harbour unb Singapur unter bem Gesichtspunkt der machtpolitischen und kommerziellen Rivalität der beiben angelsächsischen Lander unb schreibt u. a.:

Nach außen hin habe sich bie Spannung entladen in bet be­kannten amerikanischen Kampagne gegen bie britische Empire­politik, bie zunächst von der Zeitschrift .Fortune, einem aus­gesprochenen Organ Wallstreets unb der Trusts, begonnen worden fei unb in bie bewegliche Klage gemünbet hab«, baß die Eng­länder in erster Linie ihr Empire behalten unb verteidigen wollten. Nach einem von der britischen Diplomatie erzwungenen Rückzieher hatte Willkie diese Klagen kürzlich in einer heftigen Rede gegen Churchill wieder ausgenommen unb ben Engländern vorgeworfen, daß sie es mit betAtlantik-Charta" nicht ernst nähmen unb nach dem Kriege zu ihrer alten imperialistischen Politik zurückkehren wollten.

In London wisse man, so meldet das Blatt weiter, sehr genau, was hinter diesen Anklagen stehe: die Partei der'Trusts

Der politische Korrespondent desEvening _____, Churchill werde wahrscheinlich noch weitere Änderungen in seiner Regierung vornehmen, und zwar im Zusammenhang mit der Schaffung eines neuen Planungsmtntste- riums. Weiter rechnet man in London damit, daß bie Ernen­nung eines Vizekönigs für Indien Veränderungen in bet Regie­rung mit sich bringen werbe.Star glaubt, Churchill werbe gern Lord Cranborne zum Vizekönig ernennen.

ÄmWolga-Don-GebietFeindangriffegescheitert 60 Pauzerkampswagen abgeschossen Sei andauernden schweren Abwehrkämpfen im Abschnitt KalininIlmensee 106 Panzerkampf, wagen vernichtet Britischer Kreuzer von U-Boot versenkt

Eens, 2. Dez. Die Versenkungen an feindlichen Handelsschiffs- taum unb bet infolge ber US.-amerikanisch-englischen Invasion in Ftamösisch-Notbasrika erhöhte Schiffsraumbedarf hat das Kopf­zerbrechen im Lager unserer Segnet vervielfacht. Sehr aufschluß­reich find in diesem Zusammenhang Berichte derBaltimore Newsvost" und der ZeitschriftFortune", die der USA.-Schwer- inbuftrie nahesteht.

Wie dieBaltimore Newsvost" berichtet, fand kürzlich im USA- Kongreß eine interessante Aussprache über JDie Versorgung der in Nordafrika gelandeten USA.-Truppen statt, bei der sich alle Redner gegen die Gewährung ber Hilfe an bie Serbünbeten aussvrachen, so lange bie USA-Truppen in Nordafrika versorgt werden müßten. Senator Conally, ber Vor­sitzende des Auswärtigen Senatsausschusses, erklärte:Wir haben eine große Armee nach Afrika gebracht, wir müßten sie mit allem ausstatten was sie zum Siege nötig hat. Wir können Sowjetruß-

land nicht weiter versorgen, wenn dadurch Knappheiten bei unseren eigenen Leuten entstehen." Der Abgeordnete White meinte, es würde das größte Kapitalverbrechen der Geschichte sein, eine Streitmacht nach Afrika zu schicken unb sie bann ohne ben notmenbigen Nachschub zu lasten. Es ist heute nicht mehr die Zeit, Material anderswohin zu senden, wenn unsere eigenen Sol­daten es benötigen. Die anderen Redner sprachen sich im glei- chen Sinne aus und es wurde beschlossen, eine beft Sowjets ver­sprochene Autoreifenfabrik vorläufig nicht zu verschiffen. Ein Vertreter des Leih- und Pachtsystems, bei an den Verhandlungen teilnahm, erklärte dazu, bie Fabrik werbe gegenwärtig abge­rissen, aber bis auf weiteres sei fein Frachtraum vorhanben, um sie nach bet Sowjetunion zu transportieren.

Die Zeitschrift bet USA.-SchwetinbustrieFortune" stellt fest, daß bie Schiffahrt an einem Punkt angefom- men sei, wo s i e ihre bringenbften Bedürfnisse nicht mehr befriedigen könne. Die Zeitschrift teilt weiter mit, daß die Kriegsschiffahrtsbehörde bei den verschiedenen Washingtoner Regierungsagenturen sowie bei der Armee und Marine eine Rundfrage nach ben Schisfsraumanforderungen für bie nächsten zwölf Monate durchgeführt habe, um einen Überblick über bte lonnagebebürfniffe zu erhalten.Als bie ersten Ziffern zusammengestellt worden waren", erklärtFortune",verschlugen sie de» Männern bei der USA.-Kriegsschisfahrtsbehörde ben Atem. Sic überstiegen ben noch vorhandenen Sandelsschiffsraum um beinahe 100%. Tagelang arbeitete der Stab von Wirtschaftlern und Statistikern an diesen Ziffern, überprüfte unb verglich sie mit ben bestehenben und noch zu erwartenden Tonnagezahlen. Den­noch, selbst als die Ziffern auf die Ebene desnicht weiter her­unterzuschraubenden Minimums" heruntergebrückt worden waren, verblieb ein Defizit von über 20 %. Da diese Schätzungen ober auf bennormalen Verlusten" beruhten und nicht auf den anormalen" ber letzten Monate, sei bas wirkliche Defizit aber noch viel hoher anzusetzen."

Die Zeitschrift brückt klar aus, was auch die Agitation Roose­velts nicht mehr verbergen kann, baß nämlich bie Aktion in Nord- afrila unb bie bataus sich ergebenden Nachschubvervflichtungen wegen bet steigenden Tonnagenot zu einet weiteren Senkung des allgemeinen Lebensstandards in USA führen muß. Das USA- Volt müßte sich mit dem Gedanken der Engerschnaklung des Riemens vertraut machen, da, so sagtFortune",ohne Schisse, die die Güter an die Kampffronten befördern, die USA.-Pröduk- tion zu einer Kräfteanstrengung im luftleeren Raum werde".

seiner vor Angst unb Wildheit leuchtenden Augen, die er auf sie bohrte; aber harrend und lechzend umstanden sie ihn, daß eine Wendung, ein Augenzucken, ein Nichts Grund worden könne, mit eins aus ihn zu fallen da, im Augenblicke der höchsten Not, er- schien der Major. Als ich ankam, war er schon wie ein verderblich Wunder, wie ein Meteor, mitten unter ihnen der Mann war fast entsetzlich anzuschauen, ohne Rücksicht auf sich, fast selber wie ein Raubtier warf er sich ihnen entgegen. Wie er von dem Pferde gekommen war, hatte ich nicht gesehen, da ich später ankam; den Knall feiner Doppelpistole hatte ich gehört, und wie ich auf dem Schauplatze erschien, glänzte sein Hirschfänger gegen die Wölfe, und er war zu Fuß. Drei vier Sekunden mochte es gedauert haben, ich hatte bloß Zeit, mein Jagdgewehr unter sie abzudrücken, und bie unheimlichen Tiere waren in ben Rebel zerstoben, als wären sie von ihm eingetrunken worben.

Labet," schrie der Major,sie werden gleich wieder hier fein.

Et hatte die weggeschleuderten Pistolen aufgerafft unb stieß bie Patronen hinein. Wir luden auch, und in dem Augenblicke, da wir ein wenig still waten, vernahmen wir den unheimlichen Trab um die Ealgeneiche herum. Es war klar, die hungrigen, geängsteten Tiere umkreisten uns, bis ihnen wieder etwa der Mut zum Angriffe gewachsen fein würde. Eigentlich find diese Tiere, wenn fie nicht von dem Hunger gespornt werden, feig. Sßir waren zu einer Wolfsjagd nicht gerüstet, der unselige Nebel lag dicht vor unseren Augen, daher schlugen mit den Weg zu dem Schlosse ein. Die Pferde schossen in Todesangst dahin, und da wir so ritten, sah ich es mehr als einmal wie einen jagenden Schatten neben mir, grau im grauen Nebel. In unsäglicher Geduld eilte die Herde neben uns. Wir mußten in steter Bereitschaft sein. Von bem Major fiel einmal links ein Schuh, aber wir erkannten nichts, zum Reden war leine Zeit, unb so längten wir an bem Parkgitter an, und wie wir yiaeindrangen, brachen die edlen, schönen dahinter harrenden Seggen neben uns heraus, und in demselben Augenblicke scholl auch schon aus dem Nebel ihr wüten­des Heulen, hinter den Wölfen beidewärts schweifend.

sammlunge» durch Luftangriff zersprengt, Stadt und Hasen von Murmansk und Kola schwer getroffen.

3n der Zeit vom 11. bis 30. November würben 3 09 So» wictflugicuB« vernichtet. 220 wurden in Luftkämvfeu, 71 durch Flakartillerie der Luftwaffe und 15 durch Truppen des Heeres abgefchosien, die übrigen am Boden zerstört. 3n der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 83 eigene Flugzeuge verloren.

3n der westlichen Cyrenaika führte die Luftwaffe dem Feinde wiederum starke Verluste an Panzerspähwagen und Kolonnenfahrzeugen zu. Die Hasenanlagen in Tobruk waren tn der vergangenen Nacht das Ziel schwerer Bombenangriff«.

Sei örtlichen Gefechten in Tunesien wurden zweihundert Gefangene eingebracht, 34 Panzerkampfwagen unb sechs Panzer­spähwagen vernichtet. Die feinblichen Nachschubhäsen tn Fran- zöstsch-Norbafrika würben laufend aus der Luft angegriffen und größere Zerstörungen erzielt. . . ..,

Ein deutsches Unterseeboot versenkte tm westlichen

Mittelmeer durch zwei Torvedotrefser einen britischen Kreu­zer der London-Klass«. ,

Sor der Käste von Algerien wurde em britischer Zerstörer durch Bomben getroffen und von der Besatzung ver­lassen. Ein Bewacher wurde »ersenkt.

und eines robusten amerikanischen Imperialismus. Daß bem so ist, zeigten die Vorgänge in Nordafrika, wo bie Ameri­kaner in ber Person Darlans ihrenRegenten" installiert hätten. Es fei in Europa vielfach nicht recht verstanden worden warum die Amerikaner diesem gestatteten, dort eine so große Rolle zu spielen. Die MA hätten dort eine Persönlichkeit einsetzen wollen, die ganz von ihnen abhängig, daß heißt in diesem Falle mit ben Englänbern verfeindet sei, benn: zwischen London und Washington seien Kontroversen im Gange darüber, ob Franzöfisch-Nordafrika währungsmäßig dem Dollar- oder bem Sterling-Block anzuschließen sei. Wer dort seine Währung durchsetze, habe ben Vorsprung bei der wirtschaftlichen Ausbeutung. Darum gehe es. Deshalb dürfe Darlan auf einmal eine große Rolle spielen.

Die amerikanisch-englischen Gegensätze zeigten der Welt wieder einmal, so erklärt bieBerner Tagwacht" schließlich, den imperia­listischen Charakter dieses Krieges der Angelsachsen deutlich. Viele Arbeiter neigten dazu, ihre Sache mit derjenigen der Engländer und Nordamerikaner als den Vertretern der Demokratie zu identi­fizieren. Aber hinter der demokratischen Fassade stehe bei Im­perialismus, jene höchst entwickelte Stufe bes Kapitalismus, unb kämpfe um ganz anbeie Kriegsziele.

Leidenschaft, von einem fieberhaften Begehren oder gar von Magnetismus, wie ich gehört hatte, war keine Spur. Dagegen war das Verhältnis zwischen dem Major und Prigitta von ganz merkwürdiger Art, daß ich nie ein ähnliches erlebt habe. Es war ohne Widerrede das, was wir zwischen Personen verschiedenen Geschlechtes Liebe nennen würden, aber es erschien nicht als solches. Mit einer Zartheit, mit einer Verehrung, die wie an bie Hinneigung zu einem höheren Wesen erinnerte, behandelte bei Majoi bas altembc Weib; sie mar mit sichtlicher innerlicher Freude batübet erfüllt, unb diese Freude, wie eine späte Blume, blühte auf ihrem Antlitze und legte einen Hauch von Schönheit darüber, wie man es kaum glauben sollte, aber auch die feste Rose der Heiterkeit und Gesundheit. Sie gab dem Freunde dieselbe Achtung und Verehrung zurück, nur daß sich zuweilen ein Zug von Besorgnis um seine Gesundheit, um seine kleinen Lebens­bedürfnisse und dergleichen einmischte, der doch wieder bem Weibe und ber Liebe angehörte. Über biefes hinaus ging bas Benehmen beiber nicht um ein Haar unb so lebten sie nebeneinander fort.

Der Major sagte einmal ju mir, daß sie in einer Stunde, wo fie, wie es selten zwischen Menschen geschieht, miteinander inniger über sich selber sprachen, festgesetzt haben, daß Freund­schaft der schönsten Art, daß Aufrichtigkeit, daß gleiches Streben und Mitteilung zwischen ihnen herrschen sollte, aber weiter nichts; an diesem sittlich festen Altäre wollen sie stehenbleiben, vielleicht glücklich bis zum Lebensende fie wollen keine Frage weiter an bas Schicksal tun, baß es keinen Stachel habe unb nicht wieder tückisch sein möge. Dies sei nun schon mehrere Jahre so unb werbe so bleiben.

Das hatte ber Major zu mir gesagt allein in einiger Zeit darauf tat das ungefragte Schicksal von selber eine Antwort, bie alles schnell und auf unerwartete Art löste.

Es wat schon sehr spät im Herbste, man könnte sagen, zu An­fang bes Winters, ein dichter Rebel lag eines Tags auf bet be­reits fest gefrorenen Heide, und ich ritt eben mit bem Major auf jenem neugebautert Wege mit ber jungen Pappelallee, wir hatten vor, vielleicht ein wenig zu jagen, als mir plötzlich burch den Nebel herüber zwei dumpfe Schüsse fallen hörten.

Das find meine Pistolen und keine anderen," rief der Major.

«BrigiHa ERZÄHLUNG VON ADALBERT STIFTER

10. Fortsetzung

Die Gespräche der zwei Menschen waren den ganzen Tag übet ruhig und heiter gewesen, aber mir schien es, als zitterte eine heimliche Innigkeit durch, der sich beide schämten Raum zu geben, wahrscheinlich, weil sie sich für zu alt hielten. Aus dem Rückwege aber sagte der Major zu mir, als ich mich einiger wahrhafter, aufrichtiger Lobesworte auf diese Frau nicht ent­halten konnte:Freund! ich bin oft in meinem Leben heiß be­gehrt worden, ob auch so geliebt, weiß ich nicht; aber die Gesell­schaft und die Achtung dieser Frau ist mir ein größeres Glück auf dieser Welt geworden, als jedes andere in meinem Leben, das ich für eines gehalten habe.

Er hatte diese Worte ohne -alle Leidenschaft gesagt, aber mit einer solchen Ruhe der Gewißheit, daß ich in meinem Herzen von der Wahrheit derselben vollständig überzeugt war. Mir geschah es in diesem Augenblicke beinahe, was sonst nicht meine Art ist, daß ich den Major um "diese Freundschaft und um sein häusliches Wirken beneidete; denn ich hatte damals recht auf der ganzen Welt nichts Festes, um mich daran zu halten, als etwa meinen Wanderstab, den ich wohl in Bewegung fetzte, dieses oder jenes Land zu sehen, der aber doch nicht recht nachhalten wollte.

Als wir nach Haufe tarnen, trug mir der Major an, daß ich noch den Sommer und Winter bei ihm zubringen möchte. Er hatte begonnen, mich mit größerer Vertraulichkeit zu behandeln und mich tiefer in fein Leben und fein Herz blicken zu lasten, daß ich eine große Liebe und Neigung zu dem Manne faßte. Ich sagte also zu. Und da ich dieses nun einmal getan hätte, sagte er, so wolle er mit auch sogleich einen Geschäftszweig seines Hauses auf» tragen, den ich ständig besorgen sollte es würde mich nicht reuen, sagte er, und wurde mir gewiß in der Zukunst von Nutzen fein. Ich willigt« ebenfalls ein, und in der Tat, es wat mit von Nutzen. Daß ich nun einen Hausstand habe, daß ich eine liebe Gattin habe, für die ich wirke, daß ich nun Gut um Gut, Tai um Tat in unfern Kreis hereinziehe, verdanke ich dem Major, Als ich einmal ein Teil jenes einträchtigen Wirkens war, das et entfaltete, wollte ich doch die Sache so gut machen, als ich konnte, und da ich mich übte, machte ich fie immer bester, ich war nütze und achtete mich und da ich die Süßigkeit des Schaffens kennen- lernte, erkannte ich auch, um wieviel mehr wert fei, was ein gegenwärtig Gutes setzt, als das bisherige Hinschlendern, das ich Eirahrungen sammeln nannte, und ich gewöhnte mich an Tätigkeit.

So ging die Zeit nach und nach hin, und ich war unendlich gerne in Uwar und seiner Umgebung.

Ich kam in diesen Verhältnissen öfter nach Maroshely. Man achtete mich und ich war fast wie ein Glied der Familien und . (ernte die Sachlage immer besser kennen. Von einer unheimlichen