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Wiesbadener Tagblatt

Mittwoch, 25. November 1942

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Steppenhaus

in

Marseille, eine eiserne Bastion der Festung Europa

Aufmarsch der deutschen Divisionen im bisher unbesetzte« Frankreich planmLtzig vollzogen

Nr. 277 Seite 'N

ERZÄHLUNG VON ADALBERT STIFTER

3. Fortsetzung

Der Sprung nach Tunis

Don Kriegsberichter Weruer Kart

. DNB. . . 24. Noo. (PK.) Seit dem frühe« Morgen warten

wir mit vielen anderen Kameraden aller Wehrinachtteile aus den nach st en Transport nach Tunesien. In der Dämmerung ist bereits der erste gestartet, eine Schar von grauen Vögeln, die sich zur festen Formation gefunden haben, um schließ­lich von wendigen Jägern begleitet, die gerade Richtung zum jenseitigen User des Krieges zu nehmen., Von irgendwoher find dann neue Flugzeuge eingefallen, haben rasch getankt und warten nun auf den Startbefehl, wie so viele Pulks in den Tagen vorher. Der große'Fliegerhorst im südlichen Raum der Festung Europa ist buchstäblich über Nacht zu einem wichtigen Platz unserer Wacht geworden

DNB. . ., 24. Nov. (PK.) Bxreits vor Tagen hat das OKW. den Aufmarsch der deutschen Divisionen als planmäßig abgeschlossen bekanntgegeben. Der Welt wurde damit einmal mehr die Prä­zision-der deutschen Führung bewiesen, die das Ge­setz des Handelns stch vorbehält.

Rollende Kolonnen auf allon Straßen, die nach Süden führen! Den Kampfformationen folgen die Trosse, sie schaffen den Nach­schub heran: Munition und Verpflegung. Zumal das Letzte ist wichtig.

Von dem weitaus größten Teil ist der Ausruf des Führers an das französtsche Volk richtig verstanden worden.

Seit Tagen nun find deutsche Truppen in der französtsche« Hafenstadt Marseille. In der Stadt arbeiten einige deutsche Stäbe. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Das unstcht- bare Netz der deutschen Organisation ist nur zu erahnen. Panzer­spähwagen rollen durch die Straßen und auf dem Pflaster dröhnt der Marschtritt unserer Grenadiere.

An allen Ecken stehen Franzosen und debattieren, und wenn man genau hinhört, bewundern sie die Haltung des deutschen Soldaten,'die modernen Panzer und Geschütze, schlechthin: die ungebrochene Schlagkraft unserer Armeen.

In den Hafenforts sind nunmehr unsere Jnsanterie-Ernheiten eingezogen, und Flakbatterien aller Kaliber sichern den Hafen, der in der Mittagssonne ein prächtiges Bild bietet. Ein heller, glas-

von Kapitalismus und Judentum bei unseren Feinden wandte, wir glaubten ihm zumindest einen Hauch von Nationalbewußtsein angemerkt zu haben.

' Am frühen Morgen fahren wir wieder zum Platz. Die amerikanischen Nachtbomber haben keine bedeutsamen Schäden anrichten können. Der Flugbetrieb geht ungestört weiter. Wie überall in Afrika waren Araber auch hier zu Hilfeleistungen rasch herbeigekommen. Einige besonders verläßliche tragen sogar stolz Gewehre über ihren bunten morgenländischen Trachten und helfen den Wachen der Luftwaffe, den Horstbereich gegen unlieb­same Eindringlinge abzusperren. Als wir neben ihnen stehend einen Blick ins Schilderhaus werfen, und mühsam die ins Holz geschnitzten Worte gelangweilter französischer Posten entziffern, finden wir darunter manch merkwürdiges Dokument.

Aus dem Weg zur nahen Stadt begegnen wir den endlosen Zügen neugieriger Araber, die sich immer wieder mit beschwören­den Gesten zur Mitarbeit anbreten. Viele von ihnen gehören bereits zum festen Personal des Platzes. Ihr freundliches Element bestimmt die ersten Eindrücke tm Häusermeer am Rand des Golfes von Tunis. "Sie find aber nur ein Teil der Maste, die wie in

Er grüßte mich sehr freundlich, söhr herzlich, ja fast innig und als wir eine halbe Stunde geplaudert hatten, waren wir schon wieder so bekannt wie zuvor. Es schien, als hätten wir uns seit unserer italienischen Rerse gar nicht getrennt. Da ich mich ankleihete und dazu bemerkte, daß ein Koffer mit meinen anderen Sachen ankommen werde, schlug er vor, ich möchte bis dahin, oder wenn ich wollte, in der Zeil meines ganzen Hierseins un­garische Kleider anziehen. Ich ging in die Sache ein. und die nötigen Bestandstücke waren bald herbeigcschafft, wobei er be­merkte, daß er in den nächsten Tagen schon für Abwechslung sorgen werde.

Karthago, das England des Altertums

Nur vier gute Wegstunden von dem heutigen Tunis entfernt, liegen die Trümmer Karthagos. Zwischen dem Stadtstaat Kar­thago, desten Lebenselement die Seefahrt war, und dem sehr viel mehr binnenländischen aufstrebenden Rom kam es zu der ersten großen Auseinandersetzung zwischen einer Landmacht und einer Seemacht im näheren Bereich des uns überlieferten Geschichts­bildes. Darum haben auch diese Erinnerungen so ost eine Nutz­anwendung auf die Kämpfe unserer Zeit zwischen Deutschland und England gefunden. Selbstverständlich muffen alle solchen geschicht­lichen Vergleiche mit Behutsamkeit und in Würdigung des zeit­lichen und technischen Abstandes gezogen werden. Allein ver­blüffende Ähnlichkeiten liegen vor.

Karthago ist ursprünglich eine phönizische Kolonial- oder Tochterstadt gewesen und sein phönizischer oder punischer Name Kartha-hadatha, abgekürzt Karthada, bedeutet nichts anderes als Neustadt". Die Phönizier waren bereits erfahren in den Kämpfen des Webens und der Metallschmelze. Karthago, das an der Grenze zwischen dem westlichen und östlichen Mittelmeerbecken lag, intenfi- vierte die vom alten Phönizien, dem heutigen Syrien, ausge­gangenen pionkerhasten Erschließungsfahrten zur See. Sicher haben die karthagischen Schiffer das heutige Dakar und . . - Groß­britannien erreicht. Aus Äquatorialafrika bezogen fie die für die damalige Zeit so wichtigen Sklaven, auch Elfenbein und Felle. Aus dem heutigen Großbritannien das für den Bronzeguß so wichtige Zinn, aus Spanien das Kupfer. Wahrscheinlich sind fie >ogar bis in die Nord- oder gar in die Ostsee vorgestoßen und haben auch mit ostpreußischem Bernstein gehandelt. So wurde Karthago reich und mächtig. Wenn auch dre Zahlenangaben der Schriftsteller des Altertums mit Vorsicht aufzunehmen sind,, so wird doch behauptet, daß Karthago in seiner Blütezeit eine Ein­wohnerzahl von 700 000 Menschen hatte. Sicher war es eine sehr große Stadt, die auch Lebensrnittel brauchte. Lebensmittel holten die Karthager von Sizilien, wohl auch von Korsika und Sardinien. Ihrerseits trieben sie «ine lebhafte Ausfuhr mit dem Thunfisch^ der noch heute wie vor mehr als 2000 Jahren an den Küsten Nord- afrikas gefangen wird.

Um den Besitz Siziliens und die Sicherung Süditaliens brach der erste punische Krieg zwischen Rom und Karthago aus. Wegen seiner langen Dauer, von 264 bis 241 v. Zw., auch wegen seiner Heftigkeit und seiner jähen Wechsel prägte er fich dem Gedächtnis der Menschen tief ein. Rom siegte. Karthago suchte für den Ver­lust von Sizilien Ersatz in Spanien. Um den Besitz Spaniens brach

Ein Hauch von Abenteuer weht immer über jenen Männern, die den Sprung nach drüben tun. Der Weg nach Libyen und Ägypten war weiter und beschwerlicher, aber auch fie schreiten über eine verletzliche, gläserne Brücke, die i ihre Bogen über das bl ' ~ .

kaum einer anderen Stadt von den widerstrebendsten Teilen ge­formt wird. Sie stehen neben den vielen glücklichen Italienern, den mehr oder minder loyalen Franzosen und den -ouben, die hier eine beträchtliche Zahl der gesamten Bevölkerung ausmachen. Die Ordnung und die Sicherheit aber wird jetzt geprägt von un­seren Soldaten, die ihre erste Position in Tunis errichtet haben.- Sie find für die anderen Boten einer fremden, sturmerprobten Welt, die jenseits des Meeres um geschichtliche Entscheidungen gerungen hat und hier aus vorgeschobenem Posten einem Anschlag aus ihre Festung Europa gegenübertreten wird. .

Der General hat die Bevölkerung und die Offiziere und Soldaten der Kolonialarmee zur Mitarbeit am Werk der Siche­rung dieser asrikanischen Kolonie ausgerusen. Dieser Tage haben fie in Tunis dem Kommandierenden General der deutschen Trup­pen auch ins Auge sehen dürfen. Wer ihm begegnete, traf eine soldatische Führerpersönlichkeit, die neben dem Eeneralfeldma^ schall Rommel zur grenzenlosen Überraschung unserer Feinde auch aus afrikanischem Boden höchste militärische Tugenden entfaltete. Jetzt hat ihn der Führer dazu berufen, der Drohung von Westen her mit bestgeschulten Kräften enrgegenzutreten.

Gegen Mittag sitzen wir endlich in der Ju. Im flimmernden Dunst versinkt die eigene Küste. Eine kleine Strecke fliegt der Verband allein über die grenzenlose Fläche, dann tauchen tn der Ferne die grauen Schatten tunesischer Berge auf. Das andere Ufer ist erreicht. Von diesem Augenblick an beginnt für jeden einzelnen ein neuer Abschnitt des Krieger, der in seinen Gesetzen und Lebensgewohnheiten fich grundlegend von den europäischen unterscheidet. Nur wer einmal drüben war, kennt die eigene Ord­nung des Kampfes. Zwischen den Männern drüben und ihrem Schicksal liegt das Meer. In ihrem Rücken ruht nicht mehr die Heimat, so wie es jeder im Osten, Westen, Norden oder Süden auch im härtesten Gefecht gefühlt hat. Wieviel mehr seelische Kraft gehört dazu, auf tropischer Erde zu kämpfen!

Als die Dunkelheit vollends hereingebrochen ist und nur zu­weilen das ferne langgezogene Heulen der zahllosen Araberhunde in den nahen Siedlungen die lastende Stille unterbricht, kündigt fich auch der erwartete Luftangriff an. Dumpfe Schüsse der Flak hallen herüber. Die Fensterläden beginnen zu klirren und durch das Glas schillert bereits der Schein von Leuchtbomben. Unter der Explosion der ersten Bombe« scheint das Gebäude zu erbeben. Welche vertraute Geräusche für uns, die wir so viele gefährliche .Zonen des Krieges durchschritten haben! Die Bewohner von Tunesien werden in diesen Tagen zum ersten Male vor das Ant­litz des Krieges gestellt. Wie lange mögen fie hier in der Jlluston gelebt haben" ihr fruchtbares koloniales Reich ohne Anstrengung tn eine -vielleicht noch geruhsamere Zukunft hinüberretten zu können!Wären unsere Soldaten so tapfer wie die deutschen und würden sie in Tunis, Algier und Casablanca begriffen haben, daß Franßösisch-Nordafrika immer eine europäische und niemals eine amerikanische Kolonie sein kann, dann wäre es den Amerikanern nicht gelungen, auch nur Fuß zu fassen. Jetzt ist es an euch, in letzter Stunde den Fehler zu begleichen." Das war der Kern einer wohlgesetztkn Rede, di« «der Älteste in diesem Haus im Gespräch mit uns am abendlichen Tisch gehalten hatte. Wir wuß­ten nicht genau, ob diese Wgrte, denen wir nur zustimmen konn­ten, auch seiner wirklichen Meinung entsprechen. Wir glaubten seinem mannhaften Standpunkt, der fich auch gegen die Allianz

der zweite punische Krieg (218 bis 201 v. Zw.) aus. Der berühmt« Hannibal zog mit seinen Reitern und Kriegselefanten über dre Pyrenäen und Über die Alpen, brach in Vorderitalien ein und erschien nach der Schlacht von Cannae, mit der er das Muster­beispiel einer Vernichtungsschlacht durch Flankenüberflügelung ausstellte, vor den Toren Roms In höchster Not holte Rom die letzten Reserven aus sich heraus. Hannibal aber wurde mit Nach­schub von Karthago im Stich gelassen. DerPlutokratie" der typi­schen Handelsstadt war der erfolgreiche Feldherr unbequem. Rom 1 siegte wieder. Hannibal versuchte nun als Politiker das Schicksal seiner Heimatstadt zu wenden. Der Handelsaristokratte war wiedtt seine Herrschaft unbequem. Sie nahm die Hilfe der Römer in Anspruch um ihn zu vertreiben. Hannibal, bei dessen Namen nach der Schlacht von Cannae der historische Schreckensruf Hannibal ad vortas" (Hannibal vor den Toren Roms) entstand, endete als Flüchtling in Kleinasien, indem er selbst Gift nahm.

Rom war inzwischen zur beherrschenden Macht des Mtttel- meers geworden oder es fühlte wenigstens den geschichtlichen Be­ruf, das Mittelmeer zu beherrschen. Die karthagische Drohung ließ seinen Staatsmännern keine Ruhe Der alte Cato pflegte lebe seiner Reben mit bem Satz zu schließen, der zu einem geflügelten Wort seither geworden ist:Ceterurn censeo, Carthaginem esse delendam" (Im übrigen bin ich bet Meinung, baß K. zu ver­nichten sei). Das geschah im britten panischen Krieg 149 bis 146 v Zw Seither war Rom erst bie Vormacht, bann bie Beherrscherin des Mittelmetes. Dos römische Weltreich war in seinen Erunb- lagen währenb der Kriege mit Karthago geschaffen worben.

Die weitere Geschichte Karthagos ist schnell erzählt Gut bunbert Jahre nach seiner Zerstörung ließ es ber römische Kaiser Augustus wieder aufbauen Es kam auch zur Blüte, aber letzt al# lehr bedeutende Provinzstadt tm Rahmen des römischen Reiches. Diese Epoche dauert rund 700 Jahre. Dann wurde Karthago von den Arabern wieder dem Boden gleichgemacht. In den folgen- den Jahrhunderten wurden seine Marmorschätze geplündert. Dort, wo die Stadt Karthago einst gestanden hatte, gab es um bas Jahr 1500 nur noch etwa 25 oder 30 ärmliche Araberhütten. An die alte Kraft erinnern heute noch einzelne, aber mitunter kolossale Bautrümmer. Am besten erhalten sind die alten Zisternen und die Reste einer großen Wasserleitung, die ursprünglich Karthago aus einet Entfernung von 75 Kilometer mit Wasser versorgte.

Nation oder Kolonie?

Serfpätete sübamerikanische Erkenntnisse

wt. Die südamerikanischen Staaten müssen erkennen, daß ihre Willfährigkeit gegenüber Roosevelt bereits zum völligen Ver­lust ihres nationalen Eigenlebens geführt hat. Unter dem Mantel panamerikanischer Zusammenarbeit unterwirft Washington die ibeto-amerikanischen Staaten dem Willen des Wallstreet-Kapitafs. Eine Tatsache, die Bolivien augenblicklich fehr deutlich vor Augen geführt wird. Das Land wehrt fich gegen die anmaßenden Forderungen der Standard Oil Com­pany, die eine rücksichtslose Ausbeutung des Landes zugunsten des USA.-Kapitals darstellen Daraufhin erklärte man in Washington, daß bie USÄ.-Eesanbischaft in bet Hauptstadt Bo­liviens im Falle einer Ablehnung überflüssig werben würde. Unter diesen Umstanden, so führte der Chef der nationalrevolutionären Bewegung Boliviens, P a z - E x t e n s o r o , aus, muffe man sich fragen, was alle schönen Worte von kontinentaler Politik, guter Nachbarschaft, Einheitsfront der amerikanischen Nationen und Kampf für Freiheit und Demokratie bedeuteten. Die USA. hätten zwar keine Truppen, Tanks oder jene berühmten Kreuzer geschickt, die bei solchen Gelegenheiten in Nicaragua oder Kuba aufzu­tauchen pflegten, sondern sie beschränkten sich' auf die An­drohung eines Wirtschaftsboykotts. Bolivien habe in Rio de Janeiro einen entscheidenden Irrtum begangen und sei nunmehr an Händen und Füßen von den übermächtigen USA. gefeffelt. Das Parlament muffe nun entscheiden, ob Bolivien eine Nation oder nur eine Kolonie sei. Die gleiche Frage müßte man sich auch, wenn man dazu noch den Mut hätte, in Panama vorlegen. Bekanntlich wurde dort vor einiger Zeit der Präsident Arias, der seinem Land die Neutralität erhalten wollte, durch Machenschaften der Nordamerikaner gestürzt und ein Höriger Roosevelts, d e Laguardia, an seine Stelle gesetzt. Nun wolle man in Panama einen neuen Staatspräsidenten wäh­len, was aber von Washington verboten wurde. Das also ist diegreifet t, die Roosevelt allen Völkern bringen möchte.

kam, stand noch ein trübgelbes Stückchen Licht im Westen, während schon im blauen Osten bie rote Scheibe bes Halbmonbes glühte.

Ich nahm mir vor, morgen oder übermorgen, oder wenn sich immer in den nächstfolgenden Tagen eine Gelegenheit ergäbe, den Major um das Ziel zu fragen, von dem er mir geschrieben hatte, daß er es endlich gefunden hab«, und daß es ihn auf immer­währende Zeiten an bie Heimat binbe.

Des anbern Morgens weckte er mich vor Sonnenaufgang unb fragte, ob ich ben Tag für mich zubringen, ober ob ich ihn mit ihm teilen wollie. Beides stehe mir auch in der Zukunft frei. Ich war ihm für seine Bereitwilligkeit dankbar und erklärte, daß ich heute und morgen und überhaupt so lange, bis es mir anders einfiele, seine Zeit teilen wolle.

Ich stand daher auf, kleidete mich an und begab mich unter bas Vordach zu dem Frühmahle. Die Leute waren schon fast fertig und trennten sich, um zu ihren verschiedenen Arbeiten zu gehen. Der Major hatte meiner geharrt und rohrtete, bis ich mit ber Ein­nahme meines Frühstücks fertig war. Dann wurden die gesattelten Pferde vorgeführt. Ich fragte nicht, was et tun werde, sondern folgte ihm, wohin er rttt.---

Ich war schon ziemlich, lange aus Uwat und war gerne da, weil ich an den Beschäftigungen bes Ortes mit Auf merksamkeit unb öfter auch mit wirklicher Tätigkeit Anteil nahm, unb weil ich zu anbeten Zeiten an bem Tagebuche meiner Reisen unb Erfahrungen weiterschrieb: aber bas glaubte ich zu erkennen, baß in bem reinen beschäftigten Leben bes Majors . . itgenbein Bobensatz liege, ber es nicht zur völligen Abklärung kommen liefe, unb mir wat, als sei boch irgenbeine Art Trauer ba, die sich natürlich bei einem Manne nur durch Ruhe unb Ernst ausbrückt.

Sonst war er in seinem Leben und in seinem Umgänge mit mir sehr einfach, und von einer Zurückhaltung ober Verstellung war nicht im geringsten die Rede. So stand auf dem Tische seines Schreibzimmers, in das ich sehr oft tarn, unb in dem wir an heißen Nachmittagen ober abenbs bei bet Kerze, wenn wir noch nicht schlafen gingen, von verschiedenen Dingen plauderten, ein Bild es war in schönem Eoldrahmen das verkleinerte Bild eines Mädchens von vielleicht zwaiizig zweiundzwanzig Jahren aber sonderbar wat es, wie auch der Maler die Sache verfchleiert haben mochte, cs war nicht das Bild eines schönen, sondern eines häßlichen Mädchens bie dunkle Farbe des Angesichts und ber Bau bet Stirne waren seltsam, aber es lag etwas wie Stärke und Kraft darinnen und der Blick war wild, wie bei einem ent­schlossenen Wesen. Daß dieses Mädchen etwa in seinem frühere« Sehen eine Rolle gespielt habe, wurde mir klar, und mir fiel bet Gedanke ein. warum sich denn dieser Mensch nicht vermählt habe, sowie mir dieser Gedanke auch schon bei unserer italienischen Be­kanntschaft gekommen war: aher nach meinen Grundsätzen hatte ich damals nicht gefragt unb fragte auch jetzt nicht.

(Fortsetzung folgt.)

ch e, gläserne Brücke, die unsichtbar , blaue Wasser, bie See, spannt Unb drüben

winkt neue afrikanische Erde, die ist dieser spannungsvollen Zeit gegen einen hochgerüsteten (Segnet verteidigt sein will. Niemand entzieht sich heute dem Ernst der Sachlage, die den Feind im Angriff sieht, um das Schicksal mit letzter Kraft zu wenden. Wer aber von uns herüberbefohlen ist, kämpft den Kampf um den Preis von Tunesien. Der Ernst und die innere Sicherheit der Männer ist uns ein besserer Garant für ihre Haltung im bedroh­ten Raum, als überschwenglische Begeisterung Das Reich hat schon immer bestes Material auf ferner Wacht gestellt.

Wie lange ich geschlafen habe, weiß ich nicht, aber daß es nicht fest unb gut wat, das wußte ich. Es mußte die allzu große Müdigkeit daran schuld fein. Die ganze Nacht ging ich auf dem Vesuv herum und sah den Major bald in einem Pilgeranzuge tn Pompeji sitzen, bald im.Fracke zwischen den Schlacken stehen und Steine suchen. In meinem Morgentraum tönte Pferbegewteher unb Hundegebell, dann schlief ich einige Zeit fest, und als tch erwachte, war Heller Tag in dem Zimmer, und ich sah htnans in ben Saal, in dem bte Waffen und Kleiber von ber Sonne beschienen hingen. Unten erbrauste bet dunkle Park von dem Lärmen der Vogel, und als ick aufgestanden und an eines der Fenster getreten war, funkelt? bte Heide draußen in einem Netze von Sonnenstrahlen. Da ich noch kaum angetleibet war, klopfte es an meine Tür, ich öffnete, und es trat mein Reisefreund her­ein. Ich war immer die Tage her begierig gewesen, wie «r aus­sehen möge, und er sah nicht anders aus, als er eben aussehen konnte, nämlich so zu ber ganzen Umgebung ftimmenb, baß es schien, ich hätte ihn immer so gesehen. Auf der Oberlippe hatte er den gebräuchlichen Bart, der die Augen noch funkelnder machte, das Haupt deckte ein breiter runder Hui, und von den Lenden fiel das weite weiße Beinkleid hinab. Es war ganz nattzrnch, daß er so fein mußte, ich konnte plötzlich nicht mehr denken, wie ihm der Frack stehe, seine Tracht schien mir reizend, daß mtr mein deutscher Flatts, der bestaubt und herabgeschunden auf einer Bank unter dem verschossenen Seidenkleide eines Tataren lag, fast er­bärmlich vorlaut. Sein Rock war kürzer, als fie gewöhnlich tn Deutschland find, stand aber sehr gut zu dem Ganzen. Mein Freund schien zwar gealtert; denn seine Haare mischten fich mit ©rau, und sein Antlitz war voll von jenen feinen und kurzen Linien, die bei wohlgebildeten Menschen, die fich lange erhalten, doch endlich bie wachsende Zahl der Jahre anzeigen; aber er er­schien mir so angenehm und einnehmend wie immer.

klarer Himmel spannt sich über Stadt und Hafen und auf den tiefblauen Wogen des Mittelmeeres. Nur wenige Handelsschiffe liegen an den Kais. Ein Gewirr von Kränen reckt die starren, stählernen Arme in den Himmel.

Ein Verband deutscher Messerschmitt-Jäger braust donnernd über bie Bucht, um sich im flimmernben Dunst landeinwärts zu verlieren. Die Franzosen bleiben stehen unb recken die Kopfe, sie ahnen wohl die Macht, die sich nun an diesen Küsten den anglo-amerikanischen Jnvasionsgelüsten entgegenstellt.

Schwere und schwerste Batterien find in den strategisch wichtigen Punkten des Hafens in Stellung gegangen, aber nicht nur dort: die ganze neubesetzte Küste ist in wenigen lagen in einen Verteidigungszustand versetzt worden, den jeder kommende Tag um ein Vieffaches vervollkommen wird.

Hier stehen nun deutsche Soldaten und deutsche Waffen, wie bei Dieppe! Marseille, bie alte französische Hafenstadt wird von deutschen Truppen verteidigt werden gegen jeden Jnvafions- versuch. Marseille ist eine Bastion der Festung Europa, über der die deutsche Flagge weben wird, bis bie Stunde der Feinde Europas geschlagen hat. Mit jedem Tag aber wächst in diesem Sektor der Fronten die Verteidigungsbereitschaft. Mit ruhiger Gelassenheit schaut ber deutsch« Soldat den kommenden Ereignissen entgegen.

Kriegsberichter Justus Wilhelm Krug.

Wir ritten, von ber großen sanften Dogge begleitet, in ben Besitzungen des Majors herum. Er zeigte mir alles und gab gelegentlich Befehle unb Loblprüche. Der Park, durch den wir zuerst ritten, war eine freundliche Wildnis, sehr gut gehegt, rein gehalten und von Wegen durchschnitten. Als wir hinaus auf die Felder kamen, wogte« sie im dunkelsten Grün. Auf die Heid« gekommen, sahen wir sein« Rinder, eine große, zerstreute, fast un- überfehbare Herde. Ein« Stund« Reitens führte uns dann zu den Gestüten und Schäfereien. Da wir über die Heide kamen, zeigte er auf einen schmale« schwarzen Streifen, der sehr weit im Westen das hingehende Grau der Steppe schnitt, und sagte:Das find die Weinberge von Maroshely, von wo Ihr gestern die Pferde hattet."

Den Rückweg nahmen wir auf einer anderen Seiten und hier zeigte er mir feine Gärte«, feine Obstanlagen und feine Glashäuser.

Zu Mittage, da wir «ach Hause gekommen waren, aßen wir mit alle« Knechten und Mägde« in einer Art Vorhalle, oder viel­mehr unter einem ungeheuren Vordache, an dem ein riesiger Nuß­baum stand. A« dem hölzerne« Brunnengerüste musizierten eben durchziehende Zigeuner. Es war zu Tische auch ein Fremder gekommen, ein Jüngling in frühesten Jahren. Er fiel mir durch seine außerordentliche Schönheit auf. Er hatte Briefe aus der Nachbarschaft gebracht und war noch dem Essen wieder fortge­ritten. Von dem Major war er sehr achtungsvoll, fast zärtlich behandelt worden.

Den heißen Nachmittag verbrachten wir in den fühlen Zim­mern. Abends zeigte mir mein Gaftfrcunb- bas Abenbrot der Heide. Wir ritten eigens zu dem Zwecke hinaus, nachdem er mir geraten hatte, so wie er, gegen die Fieberluft der Ebene einen Pelz umzutun. wenn ihn auch die «och warme Luft entbehrlich zu machen scheint. Wir warteten, ba wir hinausgekommen waren, an bem von ihm angegebenen Punkte, bis bie Sonne unter­gegangen war. Und in ber Tat, es war ein prachtvoller Anblick, ber nun folgte: auf der ganzen schwarzen Scheibe ber Heide war die Riesenglocke des brennend gelben, flammenden Himmels ge­stellt, so sehr tn die Augen wogend und sie beherrschend, daß jedes Ding der Erde schwarz und fremd wird. Ei« Grashalm der Heide steht wie ein Balken gegen bie Glut, ein gelegentlich vor­übergehendes Tier zeichnet em schwa^es Ungeheuer auf ben Goldgrund, und arme Wacholder- unb Schlehenbüsche malen ferne Dome unb Paläste. Im Osten fängt bann nach wenigen Augen­blicken bas feuchte, kalte Blau ber Nackt herauszusteigen an und schneidet mit trübem und undurchsichtigem Dunste den eigentlichen Glanz der Kuppel des Himmels.

Die Erscheinung dauert vorzüglich in den Junitagen, wo die Sonne hoch steht, sehr lange. Als mir schon zu Hause waren, als wir schon das Abendmahl eingenommen und einige Zeit mitein­ander verplaudert hatten, als ich dann in meinem Schlafzimmer war, an dem Fenster stand und bereits fast die Mitternacht heran-