Freitag. 23. Oktober 1942
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 249 Seite 3 1
Soldat und Buch
Von Ernst Biel
Die Erkenntnis von dem alte Lebensverhältnisse der Völker durchdringenden, d. h. eben totalen Charakter dieses Krieges, die uns nicht erst verspätet aufgegangen ist, wie es vielleicht anderswo geschah, hat uns von vornherein den Kamof auf drek Ebenen 'öhren lasten" auf der militärischen (und der ihr eng verbundenen politischen), der wirtschaftlichen, die inzwischen außerordentliche Bedeutung gewonnen hat, und schließlich der geistigen. Dabei hat sich ergeben, dich der deutsche Mensch der Gegenwart fähig ist, seine seelische Widerstandskraft gegenüber den ungeheuren Belastungen, die ein moderner Krieg mit sich bringt, gewaltig zu steigern, und daß sie mit diesen Belastungen wächst und immer wieder wächst, so sehr man auch von dem verstädterten Menschen unserer Zeit geneigt gewesen wäre, das Gegenteil zu erwarten. Rastenseelischs Momente mögen dabei eine nicht unerhebliche Rolle spielen, sicher ist aber auch, daß das deutsche Volk in seiner Gesamtheit einen starken seelischen Krast- zuwachs aus den unendlichen Schätzen unseres deutschen Kulturgutes, soweit es für uns noch als lebendig gelten darf, oder doch im Unterbewußtsein unseres Volkes noch wirksam wird, erfährt. Das bedingt jene turmhohe Überlegenheit des deutschen Kämpfers an allen drei Fronten, besonders da, wo ihm traditionslose Massen gegenuberstehen, wie es für unsere Kameraden im Ostfeld- »ug gilt. Darum ist der immer erneute Rückgriff auf diese seelischen Kräftereserven notwendig, wobei dem deutschen Buch als berufenem Mittler gerade in unserer Zeit eine erhöhte Bedeutung zukommt.
Zwar scheint zunächst der Soldat, dem Augenblick mit seinen jeweiligen Forderungen zugewandt, seines Zuspruches nicht in gleichem Maße bedürftig, wie es etwa für die Heimat ausgesagt werden darf. Und dennoch bestehen enge Beziehungen zwischen der soldatischen Welt und der des Buches. Je mehr von maßgebender Stelle aus diese Zusammenhänge erkannt worden sind, desto mehr hat die deutsche Volksführung daraus ihre praktischen ^SDAP^s" entstand die Büchersammlung der
In den Jahren des Weltkrieges waren wir Soldaten von damals nicht so glücklich, auf ein entsprechendes Verständnis der politischen Führung zu stoßen. Jnfolgedesten blieb die seelische Betreuung die man uns angedeihsn ließ, in den bescheidensten Ansätzen stecken, soweit sich solche überhaupt feststellen ließen. Gewiß, mancher deutsche Soldat des Weltkrieges in Ost und West trug leinen „Faust" oder auch seinen Nietzsche im Tornister, hatte irgendwo urf Gepäck ein paar Reclambändchen verstaut, zu denen er in der oft nur knapp bemestenen Zeit zwischen den Kampfhandlungen zu greifen pflegte. Doch war das durchaus nur die Angelegenheit des Einzelnen. Der Wandel von heute, der in der engen Zusammenarbeit zwischen Front und Heimat sein besonderes Gepräge findet, hat es mit sich gebracht, daß die Heimat auch die geistig-seelische Betreuung der Fronten übernommen hat, die uns genau so wesentlich erscheint als ihre Versorgung mit Kriegsmaterial, Bekleidung und Verpflegung. Aus dieser Einstellung •tgo6 sich die Büchersammlung der NSDAP, für die Wehrmacht. Was sie im ganzen in diesen drei ersten Kriegsjahren, die hinter uns liegen, .geleistet hat, braucht uns hier nicht mehr zu beschäftigen. Es erscheint aber angemessen, anläßlich des Beginns oer vierten Neichssammlung aus das Ergebnis der vorjährigen Bücherspende hinzuweisen, soweit sie die Gemeinschastsleistung der Volksgenossen unseres Gaues betrifft, wo im Herbst des Vorjahres weit über 3 0 0 0 0 0 Bücher gespendet worden sind, die zu 1278 Büchereien verarbeitet werden konnten. Hinter diesen beiden toten Ziffern steckt eine Fülle von anstrengender Arbeit, Arbeit des Sammlers, der unermüdlich treppauf, treppab eilend die Spenden in Empfang nimmt, Arbeit des Sichters, der kritisch prüft, ob die einzelne Spende dem Soldaten etwas bedeuten kann oder nicht, Arbeit des Verpackers, der die Bücherkisten versandfertia macht. In den zahlosen Büchereien, die seitdem zu den Fronteinheiten oder in die Lazarette gerollt sind, ergab sich eine lebendige Verbindung zwischen Front und Heimat, die höchst bedeutsam geworden ist.
„Haben! sua fata libelli"! Jawohl! Bücher haben ihre Schicksale, wie der spätrömische Schriftsteller Terentianus Maurus meint. Das dachte di« junge Spenderin auch, die sorgsam ihren Namen auf dem Vorsatzblatt des heiteren Romanes vermerkte und dabei doch wohl im stillen einen Gruß von der Front irgendwo draußen erwartet hat. Ob er eingelaufen ist? Wir wissen es nicht, abef das wissen wir, daß ihr Geschenk an der Front viel, viel Freude bereitet hat und damit ein Kraftquell geworden ist, der so schnell nicht versiegt.
Volksgenosse, Kamerad in der großen Kampffront unseres Volkes, auch Du hast es in der Hand, mit einer Büchelspende Freude und damit seelische Kraft den Kämpfern in Ost uns West, tn Nord und Süd schenken zu können. Nur bitten wir Dich, nicht wahllos zu spenden, sondern das, was du spenden willst, sorgfältig zu prüfen, ob es auch wirklich wertvoll genug erscheint, einer Bücherei einverleibt zu werden, ob es inhaltlich auch den Tapferen, die braßen die Heimat mit ihren Leibern decken, etwas bedeuten kann.
In den Kriegen vergangener Jahrhunderte haben mehr als einmal wertvolle Kulturgüter große Wanderungen angetreten. Man mag dabei an die Schätze denken, die der Korse raubre, um sie nach Parks zu schicken, oder auch jener vielgerühmten Vibilo- theca Palatina sich erinnern, die Tilly nach der Eroberung Heidelbergs beschlagnahmte und dem Papst schenkte. Unendlich viel großartiger ist — ihrer Veranlassung und ihrem Umfange nach — Die Bewegung deutscher Kulturwerte, die sich in unseren Tagen vollzieht, da deutsche Pucher an alle Fronten reisen, um den
Heldenhaften Kämpfern für dib deutsche Zukunft vom treuen Gedenken der Heimat Kunde zu geben.
> °uch in unterem Gau die vierte Büchersammlung
der NSDAP, für die Wehrmacht ein Erfolg werden, der sich würdig dem anreiht, was wir bisher auf den verschiedensten Ee- Bitten des Heimateinsatzes errungen haben.
Was ist Zivilisation?
Schwedische Zeitungsleute haben in den letzten Wochen eine Reise in die Vereinigten Staaten unternommen. Einer von ihnen hat sich mit einem amerikanischen Schriftsteller — et heißt Louis Bromfield — über den Begriff der Zivilisation und den amerikanischen Anteil an ihr unterhalten. Der Amerikaner war so mutig, dem amerikanischen Mythos mit klaren, sogar mit derben Worten zu widersprechen: die Vereinigten Staaten hätten in den letzten hundert Jahren „falsch und verderblich" gelebt. Sie hätten die Industrie für den Erlöser der Welt gehalten. In Wirklichkeit seien sie aber vor fürchterliche Probleme gestellt worden. Autobus und Wasierklosett hätten nichts mit Zivilisation zu tun. Zivilisation sei überhaupt nicht gleichbedeutend mit technischen Bequemlichkeiten, sondern innig verbunden mit der Erde, mit der Natur, mit
Gott. Die Vereinigten Staaten müßten sich zurückorientieren und wieder gutmachen, was sie in vergangenen Jahren, durch Ver- schwendung, Selbstsucht und Geiz verbrochen hätten. Es mag eine Höflichkeit an den schwedischen Besucher sein, daß der amerikanische Schriftsteller seine Philippika über die eigenen Landsleute mit dem Kompliment abschloß, daß Schweden das zivilisierteste Land der Welt sei.
Von Schweden schrieb die „Times" vor sieben Jahren, daß dieses Land in demselben Maß den Geschmack an dem Kindersegen verliere als es . . . eine Badewannen-Kultur betreibe. Was ist nun zivilisatorischer: die Badewanne oder das Kinderkriegen? Uns will scheinen: Wahre Zivilisation setzt voraus, daß sich der Mensch nicht an den technischen Fortschritt und seine Bequemlichkeiten verliert, sondern ihn als Mittel betrachtet, uralte menschliche Aus» gasten bester und vollkommener, in vielen Fällen auch leichter zu erfüllen.
Der englische Sckatzkgnzler Kingsley Wood beantragte am Dienstag, so meldet der britische Nachrichtendienst, im Unterhaus die Billigung eines neuen Kredits von 10 0 0 Millionen Pfund und erklärte dabei, daß die Ausgaben Großbritanniens sich gegenwärtig auf 12% Millionen Pfund täglich belaufen.
Der Marsch aus Rom
Einer der engsten Mitarbeiter des Duce, Erziehungsminister Bottai, schildert die Machtergreisung des Faschismus
Der nachfolgende Artikel des llnterrichtsminifters Bottai ist uns noch vor der Beröffentlichung zur Verfügung gestellt worden und dürfte im Hinblick auf die kommenden Großkundgebungen zum 20. Jahrestag der Machtergreifung des Faschismus für die deutsche Öffentlichkeit eine erstmalige persönliche Darstellung des Marsches auf Rom aus berufenster Feder darstellen.
Rom, 21. Okt. Der italienische Erziehungsminister Bottai, einer der engsten Mitarbeiter des Duce, hat anläßlich des bevorstehenden 20. Jahrestages der faschistischen Machtergreifung dem „Italic- rischen Beobachter", Organ der Lau- W desgrupve Italien der AO. der NSDAP., einen Aufsatz zur Verfügung gestellt, in dem er aus eigenem Erleben heraus die historischen Tage des Marsches auf Rom schildert. Die Öffentlichkeit erhält damit von berufenster Seite ein packendes Bild jener geschichtlichen Ereignisse, di« Ende Oktober 1922 für das italienische Volk und darüber hinaus für Europa eine neue Epoche eröffneten.
Unterrichtsminister Bottai schreibt: Im Jahre 1922 bestand im ganzen italienischen Volk die gespannte Er
wartung kommender Ereignisse. In ' den Reihen der faschistischen Partei fühlte man allgemein, daß im Okto- 1 6er die Entscheidung fallen würde. ■ Schon im August, inmitten des harten Kampfes gegen den sogenannten „legalen Streik", den letzten Versuch der umstürzlerischen Koalition, die nur scheinbar von den Demokraten und Sozialdemokraten, in Wirklichkeit aber von Kommunisten ausgelöst worden war, war dieses Gefühl zur Gewißheit geworden, die Parole ging von Mund zu Mund „3m Oktober nach Rom". Es war die Stimme des Stoßtrupps der faschistischen Kampfbünde, von der nfemanb wußte, woher sie kam, aber an die jeder glaubte. Für den 24. Oktober war Der Kongreß der faschisti
schen Partei nach Neapel einberufen worden. Aus allen Provinzen Italiens strömten in diesen Tagen die Schwarzhemden nach dem Süden. Ein gewaltiger Strom, dem der Wille Mussolinis die Richtung gab. Jedem war es klar, daß dieser Parteikongreß in Neapel die entscheidende Großkundgebung werden sollte, in der die Partei ihre Geschlossenheit und gewaltige Stärke unter Beweis stellen und das Volk in unzweideutiger Weise seine Einstellung zur Bewegung bekunden würde. Dieser Kongreß wurde tatsächlich zum Auftakt der weiteren historischen Ereignisse. In den Straßen Neapel marschierten an diesem späten Oktobertag die bewaffneten Kampfbünde ganz Italiens. Als Mussolini auf dem Balkon des Rathauses von Neapel erschien, ertönte nur ein einziger gewaltiger Ruf „Rom! Rom!" Musiolini neigte nur das Haupt als Zeichen der Zustimmung, aber das genügte, damit jeder wußte, daß diese Zustimmung der Befehl zum sofortigen Marsch war. Am Morgen des 24. trafen die ersten Befehle ein: Perugia sollte erobert, die Milftärwaffenlager von lerni im Sturm genommen, in Foligno eine Reserve gebildet werden und die drei Kolonnen, die von Monte Rotendo, Santa Maiinella und Tivoli aus zur Besetzung Roms ausersehen waren, die Verbifrdung miteinander aufnehmen Gleichzeitig sollten in Norditalien die Kampfbünde den ganzen Regierungsapparat lahmlegen. Die Toscana, die Abruzzen und
der Lazium standen marschbereit. Der Beginn der Mobilmachung war auf die Nacht zum 27. festgesetzt.
Jeder war innerlich auf den bewaffneten Aufstand gegen die bestehende Ordnung vorbereitet und als am 27. die Befehle gefallen waren und der Marschbefehl alle Städte, Dörfer und Bauernhöfe erreicht hatte, kannte die Begeisterung der Schwarzhemden keine Grenzen mehr. Zusammen mit den Schwarzhemden S sich auch das Volk in Bewegung, das begriffen hatte, daß sich
Schicksal in Rom entscheiden würde.
Am 28. Oktober hatten die Schwarzhemden alle Ausgangsstellungen im weiteren Umkreis von Rom fest/ in Händen. In Mcntana, Civitavecchia, Palästrina, Segni und anderen Ortschaften fanden noch blutige Zusammenstöße statt. Da plötzlich, am Abend des 28. Oktober, verbreitet sich die Nachricht: „Mussolini ist mit der Bildung der Regierung beauftragt worden und wird
morgen früh in Rom eintreffen." Niemand kann sagen, ob die Nachricht stimmt oder nicht, aber der Führer wie der Schwarzhemden bemächtigt sich eine wachsende Unruhe, denn was soll geschehen, da der Führer des Aufstandes zum Regierungschef geworden ist. Aber alle wollten auf Rom marschieren. Und in dieser paradoxen Lage gestaltet sich die Erwartung von Stunde zu Stunde unerträglicher. Endlich, am Morgen des 30., setzten sich die Kolonnen längs der Hauptstraßen, die nach Rom führen, in Bewegung In den Außenbezirken kommt es zu Zusammenstößen. Schwarzhemden fallen, die kommunistischen Bezirke werden ge- saubert, Musiolini selbst hat später dieses Opfer der Schwarzhemden gewürdigt, als er schreibt, daß vom 28. bi's 31. Oktober Dutzende von Faschisten fielen, viel mehr als seinerzeit für die erpberung der Bastille, die doch seit 150 Jahren als einer der «roßten Aufstandstage der Geschichte gilt. Am Nachmittag des 30 beginnt der tristrnphale Einzug in Rom unter dem unbeschreib- lichen Jubel der ganzen Bevölkerung. Am Abend des 31. verlassen die Schwarzhemdenverbände in musterhafter Ordnung Rom. „Der Aufstand so schließt der Erziehungsminister Bottai seinen Aufsatz, „ist zu Ende, die Revolution beginnt, die Revolution, die heute in «uuz Europa das Deutschland Adolf Hitlers mit dem Italien Mussolinis in einem siegreichen Kampf gegen die Demokratie ver-
»ietla« »or dem Marsch aufRom, am 2 4. Oktober 1922, besichtigt Musiolini in Begleitung der Quadrumoirn Balbo, de Bono, De Vecchi und Bianchi die zum Marsch auf Rom bereiten Formationen der Schwarzhemden in Neapel, wo ihm begeistert zugejubelt wird
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(Weltbild.)
Im Deutschen Theater Wiesbadens
„Dia mala"
Volkstümliches Sterne aus dem Bündnerland in vier Akten »en John Knittel
Ja, es ist schon ein böser Weg (via mala), den sie alle gehen: der Nicolaus Lauretz und die Hanna Lauretz aus der Sägemühle im Jeff in Graubünden, die den Menschenteufel, der ihr Vater war, ermordet haben. Selbst die liebwerte Sylvia geht einen schlimmen Weg, da sie schweigt, wo sie reden müßte: einmal vor ihrer Verheiratung und dann, als der Mann, der sie liebte und erhöhte, vor die heikle Aufgabe gestellt wurde, die Prozeßakten in Sachen „Verschollenheit Lauretz senior" zu revidieren. Schließlich, auch dieser edle Mann, Andreas von Richenau, macht sich ein Gewissen, wird untreu gegen sich und die Pflicht und geht die via mala. Er schützt durch eine zweideutige Manipulation und durch eine Urkundenfälschung das Leben der Verschwägerten. Übrigens hat der Spielleiter des Abends, Axel I v e r s, die Urkundenfälschung, das Peinlichste des Stückes, gestrichen und damit die Schuld Richenaus verringert. Wo bleibt das Recht? War das alles darftellenswert? Kann man den Lauretzschen und Richenau böse sein? Es ist Knittel gelungen, die Sympathien für all diese Menschen zu gewinnen: er erregt Mitleid mit den beiden Tätern, er gestaltet die Zartheit der Sylvia, die schuldig aus Liebe geworden ist, zur Ergriffenheit, et nimmt ein durch die Reue der Geschwister, die zur Selbstanklage schreiten wollen, und er beruhigt Eewisien durch jenen Satz, der Schlüssel zu dem gleichnamigen Roman Knittels und zu diesem Stück ist: „Man braucht nur die Zeitbegriffe auszuschalten und siehe da, alles rückt in ein versöhnliches Licht . . . So, jetzt bin ich im dunklen Wirrsal angelangt, in das Richter und Juristen geraten, wenn sie ab und zu Menschen werden." Wofür auch „zwei Familien ins Unglück und Schande stützen wegen eines, das außerhalb des Gesetzes steh t“. Schließlich gewinnt Knittel die Liebe zu dem tragischen Richenau durch eine Art Selbstgericht: denn Sylvias Gatte, der ungetreue Richter, quittiert den Dienst, wird Bauet. „Schweiß statt Tinte. Ich will von unten herauf meine Seele neu abvetdienen. Unser Geheimnis will ich in die Furchen der geackerten Erde vergraben. Bis alles Blut versickert ist." Aber es bleibt für unser Rechtsdenken ein ungeklärter Rest. Man kann elementare, allgemeine Rechtsforderungen nicht mit den Gefühlen des einzelnen beantworten und aufheben. So bleibt ein Schweigen nach dem Stück.
Nachdem schon soviel Schweigen und Drückendes über ihm gelastet hatte. Es liegt der Schatten der Schuld über Szene und Wort. Die Bühne wird wirklich eine via mala. Das alte Säge* wetkszimmet. das die Untaten des Vaters und der Kinder noch
wie ein fluchendes Geheimnis birgt, das moderne Zimmer Richenaus, das nur für kurze Zeit von der ungetrübten jungen Ehe Glanz bekommt, um alsbald vom Schatten aus dem Jeff verdüstert zu werden, das neue Zimmer im Sägewerk, das Richenaus, des Schwagers, Hilfsbereitheit ermöglicht hatte und das Amtszimmer, in dem des edlen Mannes trauriges Wort klingt: „Ich gehe, nicht als Held". Friedrich Schleim hat dem Drückenden und Inquisitorischen der Atmosphäre behutsam nachgespürt und körperlichen Ausdruck in den vier Bühnenbildern gegeben.
Auch Spannung herrscht. Bis zum Dritten Akt bleibt das Ungewisie, weshalb und woran die Lauretzschen leiden. Und bis zum Ende, was Richenau tun wird. Sehr wirksam sind auch die durchgezeichneten Figuren, die jedem Schauspieler zugute kommen und eine Fülle der Ausdrucksmöglichkeiten geben.
So wurde denn auch gint Teil hervorragend gespielt. Axel •3 De r 5 brachte als Richenau das Unbekümmerte, Anständige, Weltmännische des Liebhabers, bann das Pflichtbesessene und Verantwortungsbewußte des Untersuchungsrichters auf die Bühne und dann alle Stationen seiner Nachgiebigkeit, des Sich-ein- Eewisienmachens, des Mühsam Sich-selbst-Betrügens. Feine Einzelheiten gelangen ihm. Ein Beispiel. Als er dem Eerichts- prapbent die Lüge über die Verschollenheit des Lauretz vorträgt, S16*!1, « unwillkürlich in den blauen Dunst der Zigarre. Eine prachtvolle Studie bot auch Adele L i n d e m e r, die Mutter Lauretz, die „vom Himmel spinnt" und wirren Geistes eine wahre Ruine eines gemarterten Menschen und die lebendige Erinnerung für die Teufelei des Lauretz ist. Hanna, die sich Heidin nennt und ke,n Gewissen zu haben vorgibt, ist Hilde Hellberg: hart bumpf, sehr überzeugend im Geständnis der Schuld, die zugleich enstchuldigt wird, schlicht und menschlich im Akte der Wandlung. Gudrun Jacoby überzeugte als Sylvia von ihrer Begabung. Das Liebwerte des guten Kindes, das am liebsten aus Sauberkeit und Anstand alle Zaune und Mauern beseitigt wisien will kam prachtvoll, das Naturkind war da, die Idealistin. Noch ein Schritt w-„?r,.und auch der Aufschrei, der Zusammenbruch wird aus der gefährlichen Nähe des Theatralischen gerückt. Niclaus Lauretz spielte Helmut Wiedermann: ein junger Bursche von verwirrtem Herzen und gutem Willen, dem der Totschlag an dem Vater wie ein Gewicht am Halse hängte. Mit feinem Zuspruch vertrat Lilly Holst die Vernunft einer vornehmen Mutier.
, wie Knittel seinen Gerichtspräsidenten will, war Erich Muhl dach. Guido Lehrmann: subalterner Aktuar. Annelie: Erna Müller.
Die Kunde „Via mala" werde gespielt, erwies eine große Zugkraft. Es scheint, das Bekannle zieht mehr als das Ungewisse einer Erstaufführung. Das Haus war ausoertauft und rechtfertigte bas „volkstümlich" bes Titels des Stückes. Es gab in dieser Fülle bes Hauses eine besonders gute Resonanz: für die Spielfreude bet Darsteller und die «rast des Beifalls. Dr. Heinrich Reichert
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Die Städtische Gemäldegalerie Wiesbaden hält in Verbindung mit dem Nassauischen Kunstverein auch in diesem Jahre ihre all- fahrlrche Vortragsreihe über Fragen der bildenden Kunst. Die Vortrage der Reihe 1942/43 stehen unter den Themen Euro- paischeLandschaftsmalerei von der Renaissance b iS zum Rokoko" und „Europäische Stadtbaukunst". Wir werden unter dem erstgenannten Thema Ausführungen von Pros Dr. Hermanii Voß Wiesbaden, und zwar „Die altdeutsche Land- schaftskunst , „Die flämische Landschaft von van Eyck bis Rubens" „Vom heroischen zum arkadischen Landschaftsstil", „Die oencHa- tufdje Vedute des 18. Jahrhunderts" und von Fräulein Dr Juliane H ar ms, Wiesbaden „Die holländische Landschaft im 17. Jahrhundert Horen. Zur „Europäischen Siadtbau- k u n st spricht Prof. Dr. A. E. Brinckmann, Frankfurt a M in Sw" Vorträgen über „Mittelalterliche Stadtbaukunst" und „Monumentale Stadtbau un|t". Die Vorträge finden im kleinen Konzertsaal des Kurhauses statt, Lichtbildvoriräge an Sonntag- vormntagen.
* Gedenktafel für Giorbano Brun». In diesen Tagen ist im Kreuzgang des Karmeliierklosters zu Frankfurt a. M an dem Strebepfeiler nördlich des Kircheneinganges eine Eedenttafel für ffitorbano Bruno angebracht worden. Die Tafel Hai folgenden ®runnaUn»h 6e5 Naturphilosophen Giorbano
w Nola 1548, verbrannt in Rom 1600. Er weilte von Juli li>90 bis Februar 1591 in ben Räumen bieses Klosters " Die ^ Auftrag von Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs von Bilbhauer Kraumann entworfene, von Komo gegosiene Tafel in ^fammTntnh ?""""t '"«Aem bildhauerischen Schmuck an den V* “ Philosophen, dessen Feuergeist in unseren J" dem Schauspiel „Heroische Leidenschaften" von E. G. §^ dendeyer zu uns spricht, dem die Frankfurter Städtischen Buhnen gegenwärtig m einer me beachteten Aufführung zu einem großen Erfolg verholten haben. ---minyrung zu einem
* Siebold-Gedenkstunde in Kickt». Anläßlich bes 76. Todes- tages bes großen beutschen Japan-Forfchers Philipp Franz von Siebold kam erstmalig im Deutschen Forschungsinstitut in
der von der beut.chen Botschaft in Tokio gestiftete „Siebolb- 5 ,„"J,etf,ung. Preisträger waren zwei junge japanische
Medizinischen Akademie in Sioga ah sowie Tadantchi Monshita von der Handelshochschule .lagasaki der Wirlungsstälte Siebolds. Beide Preisträger stehen augenblicklich im Felde. Die Verleihung der Preise fand im Rahmen einer Siebold-Gedenkstunde statt, an her neben Generalkonsul Balser als Zertretet der deutschen Botschaft namhafte lapanische und deutsche Wisienschaftler ieilnahmen
