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Leite 2 Nr. 249

Wiesbadener Tagblatt

Freitag. 23. Oktober 19«

Das Genfer Abkommen

Neue Ritterkreuzträger

Hoffnung, daß

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Göring an die kroatische Luftwaffe

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eines Infanterie - Regiments, Haupt, /4-Hauptsturmführer Wilhelm D i e t r i < einem ^'Polizei-Schützen-Regiment, Dietl Beyer, Kompaniechef in einem 3nf<

Beitrag unserer S Boote zum Blockade-Ergebnis

Bisher 39 Äriegsfchiff« und 571 650 BRT. versenkt Bindung starker feindlicher Schutzkräfte

Agram, 22. Okt. Reichsmarschall Göring richtete an Oberkommando der kroatischen Luftstreitkräfte Schreiben, in welchem die Taten der kroatischen Flieger an Ostfront herausgestellt werden Besonders gewürdigt werden Taten des kroatischen Oberleutnants E a I i c, der mit 24 Lust­siegen an der Spitze steht, sowie die des Oberstleutnants D z a l mit 13 Abschüssen.

Aus weniger als 1000 Meter Entfernung torpediert

überlebender USA-Matrose schildert die Versenkung des USA- Schlachtschisfe« durch das italienische UnterseebootSatbarigo'

mehrere Tage lang ber Eeleitzug Atlantik unterbrochen und nur Ile

Neue Forderungen Amerikas an Tschiangkaischek

Tschungking soll in völljge Abhängigkeit gebracht «erden

n.nl|l.n>cqq >> Infanterie-Regiment, Ober­

leutnant d. R. Karl Heinz Sparbier, K-mpaniesührer m einem Infanterie-Regiment.

Auf Vorschlag des Reichsmarschalls verlieh der Führer das Ritterkreuz an:

Hauptmann Barth, Staffelkapitän in einem Kampfgeschwa­der und Feldwebel Kemethmüller, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader. Kemethmüller schoß bisher 51 Feindslugzeuge ab.

Hauptmann der Schutzpolizei- ls-Hauptsturmführer Wilhelm Dietrich, am 17. November 1912 als Sohn des Reichsbahn­beamten Wilhelm D. in Ehringhausen, Kreis Alsfeld, (Hessen-Nassau) geboren, zeichnete sich bei den Kämpfen südlich des Ladoga-Sees Anfang September aus. Immer wieder trat er an der Spitze seines Bataillons zum Gegenstoß an, bis der Feind unter schweren Verlusten seine Durchbruchsversuche aufgab. Hauptmann' der Schutzpolizei Dietrich trat bereits mit neunzehn Jahren als Student in die Reihen der NSDAP, ein. Seit Januar 1932 gehört er der Schutzstaffel an, 1935 wurde er zum Leutnant d. Sch. und 1939 zum Hauptmann d. Sch. befördert.

Hauptmann d. Sch. Wilhelm Dietrich war von 1936 bis zum Kriegsbeginn in der Polizeiverwaltung Berlin als Adjutant und Revierführer tätig. Im Westfeldzug zeichnete er sich als Führer einer MG-Kompanie mehrfach aus. Im Ostfeldzug wurde er mit der Führung eines Bataillons eines ff-Polizet-Schiitzen-Regi- ments betraut.

nu» dem Führrrhauptquartier, 23. Okt. (Funkmeldung.) Das Dberkommand» der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Raum nordostwärts Tuapse warfen Gebirgs- und Jägerdivisionen den Feind aus tiesgeftaffelten Widerstandsnestern. Sie wurden hierbei trotz ungünstiger Wetterlage laufend von Lustwaffenverbändeu unterstützt. Bor der Kauiasusküste wurde ein sowjetisches Handelsschiff durch Bomben schwer getroffen und von der Besatzung aus Strand gesetzt.

In Stalingrad wurde ein feindlicher Gegenangriff ab- gcwiesen. Zwischen Wolga und Don führten die Sowjets gestern zusammenhanglose Entlastungsangriffe, die blutig abgewiesen wurden.

An der Don-Front vernichteten unsere Truppen bei einem örtlichen Unternehmen eine feindliche Kräftegruppe.

5m mittleren und nördlichen Frontabschnitt beiderseitige Stoßtrupptätigkeit. Die Luftwaffe setzte die Be­kämpfung der Bahnbewegungen des Feindes fort.

Widerstandsnester bei Tuapse genommen

Zusammenhanglose Entlastungsangriffe zwischen Wolga und Don blutig abgewiesen

Der Kampf um das Getreide

Klagen Kalinins über die Ernährungslage.

as. Berlin, 23. Okt. (Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Kalinin hielt vor bolschewistischen Jugendorgani­sationen eine Ansprache, die lediglich deshalb bemerkenswert ist, weil sie einige weinerliche Klagen über die Er­nährungslage der Sowjetunion brachte. Es hieß in dieser Ansprache nämlich u. a., daß das allerschwierigste die Landwirt­schaft sei, mit der man irgendwie fertig werden müsse. Die Deut­schen hätten vorübergehend die Ukraine und das Kuban-Gebiet besetzt. Die Gebiete aber hätten die größten Mengen an Export- getreidc geliefert. Die ganze Schwere des Kampfes um das Ge­treide sei auf diese Weise auf die östlichen Gebiete und auf das Land hinter der Wolga abgewälzt. Wenn Kalinin hier von Exportgetreide spricht, so soll das nur die Tatsache verschleiern, daß hier eben der größte Teil des Getreides erzeugt wurde, das die

Druck und Strlagi LSchellenderglche Buchdrucker«!Wiesbaden« Tagdlatt,Wiesbaden (ftesamtleitungr Dr. pbU.habi!Lustau Schellenberg und Otto Kaiser. Haupt» schnfrleUer! Fritz nther.sSmtl. in Wiesbaden. Zur Zeit tsi Preisliste Ni. 10 gültig

Amerika dagegen verpflichtet sich bei Erfüllung dieser For­derungen durch Tschungking, bis Ende dieses Jahres starke Luftstreitkräfte nach Tschungking zu entsenden. Auch will die USA dann in verstärktem Maße die verschiedenen Fronten Tschungking» mit Medikamenten beltefern.

Der amerikanische Staat sieht ferner eine Aufteilung Chinas in Einfluß-Sphären vor. England wird der Südwesten Chinas zugeteilt, der Sowjetunion der Nordwesten und Amerika Zentral-ChiNa. Alle drei Länder stellen dem Tschungking-Regimc Ratgeber und Techniker zur Verfügung. Tschiangkaischek soll darüber hinaus eine Reorganisation seiner Kriegsfinanzen durchführen.

Jomiuri Hotschi" bemerkt zu diesen Forderungen Amerika», daß ihre Annahme Tschungking in die völlige Abhängigkeit von Amerika und England chrächte, deren Sklave es dann würde.

Berlin, 22. Okt. Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an:

Oberstleutnant d. R. Maximilian W e n g I e t, Kommandeur ~ Hauptmann der Schutzpolizei,

ich,' Bataillonsführer in rleutnant d. R. Reinhard

Ihm fiel bei der Sklaverei der Neger untereinander nichts Besonderes ein: vielleicht war er auch ein Abkömmling der Südstaaten und hielt die ganze Sache für eine späte Rache an deren Unterdrückung durch den negerfreundlichen Norden. Warum man sich jetzt in den Vereinigten Staaten plötzlich so gewaltig für dieses Pfefferland interessiert, das ist von der militärischen Seite her nicht zu erklären. Als Stützpunkt ist es nicht viel wert mit seinen ganzen 180 Kilo­meter ausgebauter Straßen und seinen zwei schlechten »äfen: die ringsum liegenden englischen Besitzungen an der afrikanischen Westküste, Gambia mit Bathurst. Sierra Leone mit Freetown, die Goldküste und Nigeria bieten sehr viel bessere Möglichkeiten der Landung, der Unterbringung, und auch der Flugzeugkontrolle über die Küstengewässer, die an­geblich der Hauptzweck des Vorgehens in Liberia sein soll. Von Dakar, nach dem man in Washington ja schielt, ist Liberia wesentlich weiter entfernt als das unmittelbar be­nachbarte englische Gambia. Man kann also nur vermuten, daß andere als wirklich militärische Gründe für die Besetzung durch amerikanische Truppen maßgebend waren. Vielleicht wirtschaftliche und roh stoffliche Hoffnungen auf die bereits mit USA.-Kavital begonnene Kautschukpflan­zung und auf die Bodenschätze des Landes, vielleicht die politische Überlegung, daß man auf einem Kontinent, den man in das System des eigenen Imperialismus einbeziehen will, gar nicht allgegenwärtig genug sein kann. Wie dem auch sei. jedenfalls hat' der Fall Liberia wieder einmal Ge­legenheit zur Erprobung der Atlantik-Charter von der Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht kleiner Länder geboten, und wie nach innen, so ist nun auch nach außen der Name des Landes in aller Form »um Witz ge­stempelt.

blicke vor der Explosion wurde Alarm gegeben, doch irgendeine Reaktion war unmöglich, da da» Schlachtschiff sofort sank. Die Telegraphisten hatten nicht einmal Zeit, ihre Hilferufe durch den Äther zu senden. Nur wenige Schiffbrüchige ent­gingen der Katastrophe.

Leuchtgranoten fliegen hoch und erhellen bas nächtliche Schlachtfeld. Nun bin ich selbst mit meinem Angriff an der Reihe. Ich befehle Doppelschuß auf den ausgemachten Frachter, also auf Bug und Heck je ein Torpedo. Da rauscht ein Zerstörer in wilder Fahrt heran und ich muß im Zickzackkurs zu entkommen suchen. Auf Eegenkurs gelingt da». Von unseren Torpedos haben wir itamer noch nichts gemerkt. Da, nun hat der eine getroffen nach 100 Sekunden. Der Dampfer zerplatzt. Ich lief nach Osten ab und versuchte nach Erlöschen der Leuchtraketen neu anzugreisen. Leider war das nicht möglich, denn der Engländer war hellwach. So mußten roit's für heute genug sein lasten. In einer Mi­nute sind von den beteiligten Booten zehn Torpedo- treffet beobachtet worden, 11 500 BRT. sind sicher ver­senkt. Wahrscheinlich aber ist der Erfolg noch größer: denn die anderen Torpedoschüste konnten infolge der feindlichen Abwehr nicht beobachtet werden. Beim Morgengrauen nahmen, wir den Rückmarsch auf. Unbeschädigt liefen alle Boote ihren Heimathafen an.

Wieder war eines jener Unternehmen beendet, dar zwar allein nicht von besonderer Tragweite im Kriegsgeschehen ist, das aber in seiner Vielzahl und steter Erneuerung die größte Gefahr für England darstellt: Die tödliche deutsche Blockade.

An der ägyptischen Front belegten leichte Kampfflug- »euge britische Stellungen sowie Panzer- und Krastsahrzeugan- lammlungen mit Bomben schweren Kalibers. Begleitende deutsche Jäger brachten in heftigen Lustkämpsen zehn feindliche Flugzeuge bei drei eigenen Verlusten zum Absturz. Weitere drei wurden bei einem Angrisssoersuch aus einen eigenen Feldslugplatz durch Flakartillerie der Luftwaffe abgeschosten.

Im Roten Meer versenkten deutsche Kampfflugzeuge in der Nacht «um 22. Oktober ein Handelsschiff von 5000 BRT.

Flugplätze und Hafenanlagen der Insel Malta wurden er­neut bombardiert.

Rordwestdeutschland wurde am Nachmittag des 22. Oktober von einigen feindlichen Flugzeugen im Schutze tief­liegender Wolken überflogen. Bereinzelte Bombenabwürfe richteten unwesentliche Gebäude- und Flurschäden an. Die Berlnfte der Be­völkerung waren gering.

Leichte deutsche Kampfflugzeuge bekämpften am Tage Ziele an der Südoftkiiste England».

Rom, 22. Okt. Einige aus der Gegend de» Golfe» von Guinea in Gibraltar eingetroffene amerikanische Matrosen schilderten, wie Stesani au» Tanger meldet, einige interessante Einzelheiten über die letzten Augenblicke des von dem italienischen U-Boot Barbarigo" versenkten USA-Schlachtschisse». Die Amerikaner wurden durch die Torpedierung völlig über­rascht. Sie waren in der Tat, da sie sich in unmittelbarer Rüde der Küste befanden und die Gewässer außerdem gerade an diesem Tage von englischen Lust- und Seestreitkrästen intensiv be­wacht wurden, durchaus nicht auf den plötzlichen Angriff gefaßt. Dem italienischen U-Boot gelang es, durch die Sperre begleitender Zerstörer zu schlüpfen und vier Torpedos aus nächster Nähe abzufeuern, so daß da» amerikanische Schlachtschiff und die anderen Kriegsschiffe keine Zeit zur Verteidigung fanden.

Es sei ihnen unerklärlich so sagten die Matrosen aus, wie bas italienische U-Boot so dicht an die große Einheit heran­kommen konnte, ohne von den begleitenden Zerstörern gesehen zu werden, die in Abständen von weniger als einer Seemeile von dem Schlachtschiff entfernt fuhren. Der Angriff erfolgte aus einer Entfernung von weniger al» 1000 Meter, so daß alle vier Torpedo» ihr Ziel erreichen konnten. Wenige Äugen-

Der Berlust de» Schlachtschiffe» hatte zur Folge, daß ein großer Eeleitzug, den die amerikanischen Flottenstreitkräfte er­warteten. sofort feinen Kur» änderte und z. T. in brasilianischen Häfen Zuflucht suchte. Der Schlag traf den Feind so hart, daß j>em Süd- , . einere Dampfer auf

U-Boot-Jagd in die Gewässer entsandt wurden. Jedoch wagten es die kleinen zu Hilfe gekommenen Schiffe nicht, die Verfolgung des Unterseeboote» ernsthaft aufzunehmen.

Tokio, 22. Okt. WieJomiuri Hoischi" au» Schanghai be­richtet, stellten die USA. nach dort vorliegenden Berichten, an Tschungking neue sehr weitgehende Forderungen, von deren Er- süllung eine verstärkte Hilfeleistung abhängig gemacht wird.

Danach ist hie LuftwaffeTschunaktng» dem Befehl de» USA-Luftwafsenbesehlshaber» in China zu unterstellen. Tschungking soll die Monopolrechte für das Zivil­slugwesen aus die Dauer von dreißig Jahren den USA über­tragen. Die motorisierten Einheiten Tschungkings find, falls er­forderlich, dem englischen oder dem amerikanischen Befehl zu unterstellen. Hundert Tschungking-Divifionen kommen als Ein­heit unter englischen bzw. amerikanischen Befehl, wobei England und Amerika das Recht erhalten sollen, diese Divisionen, falls sie es für erforderlich ansehen, auch außerhalb China» ein- zusetzen.

Sowjetunion zur Ernährung gebraucht. Auf das Exportgetreide könnte man ohne weiteres schon verzichten, aber wie sich au» den Worten Kalinins ergibt, nicht auf das Getreide aus den jetzt von den deutschen Truppen besetzten Gebiete. Im übrigen brachte die Rede Kalinin» nur wieder Klagen darüber, daß die Sowjet­union den Krieg allein führen müsse.

Sarian in Dakar

ns. Berlin, 22. Okt. Der Oberbefehlshaber der französischen Wehrmacht, Admiral D a r l a n, traf auf einer Inspektionsreise durch Französisch-Nord- und Westafrika in Dakar ein und ver­las im dortigen Rundfunk eine Botschaft des Marschalls Po t a i n.

In Port Elizabeth in Südafrika explodierte dieser Tage, wie der Londoner Korrespondent vonSoenska Dagbladet" meldet, ein Behälter mit 4,5 Millionen Liter Benzin.

entlassen werden.

Deutschland hat im Weltkrieg peinlich darauf gesehen, die Be­stimmungen der Haager Landkriegsordnung zu achten, aber leider ist dies auf der anderen Seite nicht der Fall gewesen. Wir er­innern uns der furchtbaren Tatsache, daß von Engländern, die heute Kriegsgefangene festeln, damals wie in diesem Kriege bei Kreta, auf hilflose Matrosen, die im Wasser schwammen, geschossen wurde. Die Franzosen haben die deutschen Kriegsgefangenen mit unzulässiger Härte behandelt. Sie in ungesunden Tropengegenden untergebradjt und sie sogar durch Reger körperlich züchtigen lassen. In Rußland waren die gesundheitlichen Maßnahmen völlig unzu­reichend und viele Tausende find beim Bau der Murmansk-Bahn umgekommen. Einen völligen Bruch der Bestimmungen bedeutete aber die Tatsache, daß nach Abschluß bes Waffenstillstandes Deutsch­land seine Kriegsgefangenen am 15. Januar 1919 heimschickte, während die Entente die deutschen Kriegsgefangenen gegen da» Völkerrecht in ihrer Gewalt behielt, um ein hartes Druckmittel gegenüber den Mittelmächten in der Hand zu haben. Die Heim- fcnbung begann erst int Jahre 1920. Die letzten Kriegsgefangenen tarnen erst Ende Dezember 1922 nach Deutschland zurück.

So hatte sich gezeigt, daß die bis dahin getroffenen Bestim­mungen nicht ausreichten, um den Schutz der Kriegsgefangenen sicherzustellen. Unter dem Eindruck der Mißstände oes Welk- trieges sind am 27. Juni 1929 neue völkerrechtliche Abmachungen über die Kriegsgefangenen getroffen worden. Da» ist das soge­nannte Genfer Abkommen vom Jahre 1929. Rach diesem müssen die Kriegsgefangenen jederzeit mit Menschlichkeit behandelt »erben, und gegen Gewalttätigkeiten, Beleidigungen und öffent­liche Neugier geschützt sein. Die Kriegsgefangenen haben An­spruch auf Achtung ihrer Person und ihrer Ehre. Die Kriegs­gefangenen sind verpflichtet, ihren wahren Namen und Truppen­teil anzugeben, cs darf aber kein Zwang auf sie angewandt wer­den, um Nachrichten von ihnen zu erhalten. Maßnahmen wie sie die Engländer in Nordafrika getroffen haben sind also absolut gegen jedes Völkerrecht. Die Kriegsgefangenen müffen in mög­lichst kurzer Zeit nach Sammelstellen außerhalb des Kampfgebietes gebracht werden. Persönliches Eigentum, Personaloapiere und Ehrenzeichen verbleiben den Kriegsgefangenen. Geld darf ihnen nur aus Befehl eines Offiziers gegen Empfangsbescheinigung ab­genommen werden, und außerdem find die Kriegführenden ver­pflichtet, einander jebe Gefangennahme durch Auskunftsstellen mit« zuteilen. Da» geschieht durch die Genfer Auskunftsstelle des Roten Kreuzes, die sich im ganzen bis jetzt durchaus bewährt hat. Die Kriegsgefangenen haben Portofreiheit und Zollfreiheit für Paketsendungen aus der Heimat. Besondere Bestimmungen wur­den für verwundete Kriegsgefangene erlassen, die in schweren Fällen über neutrale Länder in die Heimat zurückgeschafft werden.

Berlin, 22. Okt. Neben den U-Booten sind es vor allem die kleinen wendigen Schnellboote, die mit ihren schneidigen Besatzungen den Engländern Überraschung auf Überraschung be­reiten. Plötzlich aus bet Nacht heraus stürzen sie sich in rajenber Fahrt auf die feindlichen Eeleitzüge. Es liegt in der Natur der Schnellboote, daß sie ihre Eeleitzugschlachten nicht wie die U-Booie auf allen Weltmeeren führen können. Aber auch das Schnellboot konnte gleich dem U-Boot feinen Aktionsradius erstaun­lich e r w e i t'e r n , und man hält sich heute nicht mehr aus­schließlich unter der Küste, sondern befährt die ganze Nord- und Ostsee samt dem Schwarzen Meer. z

Welch gefährlicher Gegner die Schnellboote geworden sind, zeigt die Liste der »bisherigen Erfolge. Seit Ärfegsbeginn wurden von Schnellbooten versenkt: 39 Kriegsschiffe, darunter 15 Zerstörer, 2 T.-Boote, ein Hilfskreuzer, 3 U-Boote; an Handels­schiffen wurden vernichtet: 134 Schiffe mit 571 650 BRT., darunter 12 Tanker; 2 Kreuzer., mehrere Schnellboote und 10 Han­delsschiffe wurden beschädigt.

Der Gesamtleistung der Schnellboote wird man aber nut ge­recht, wenn man außerdem berücksichtigt, was sie durch ihre stete Kampf- und übcrfallbereittoaft an feindlichen Kräften, Zerstörern, Bewachungsfahrzeugen, Epezialbooten (Motorbooten mit starker Artillerie) binden. Denn ohne Unterlaß muß der Engländer um feine Frachter besorgt seist und zu ihrem Schutz eine Fülle von Sichetungsfahrzeugen einsetzen.

Die Geleitzugschlacht vom 6. Oktober

Immer wieder kann der OKW.-Bericht über Eeleitzugschlachten unserer Schnellboote berichten, bei denen Erfolge errungen werden, die sich den bisherigen würdig anreiben. Über eine dieser letzten Eeleitzugschlachten sprach vor Vertretern der Presse Kapitänleutnant E a u f e m a n n , der als Kommandant in einet Schnellboot­flottille selbst am Kampf beteiligt war. Kapitänleutnant Lause- mann ist erst seit 1935 bei der Kriegsmarine, 28 Jahre alt, und fuhr nach einer Seefliegerausbildung erst auf schweren Einheiten, bis er vor zwei Jahren zur Schnellbootwaffe kommandiert wurde. Über feinen letzten Einsatz gegen englische Kräfte im Kanal er»

6. Oktober lief die Flottille von der belgisch-holländi­schen Küste aus. Da» Wetter wat günstig: Schwatze Nacht und doch abgesetztet Horizont. In ftlelltnie rauschte bte glotttlle in voller Fahrt seewärts. Wit wußten, was uns bevorstand. Ohne Ablösung wieder einmal 20 30 Stunden an Deck mit dem Glas an den Augen, den Blick auf den Horizont. Wir suchten einen Eeleitzug, bet gemelbet worben wat.

Die Nacht war schon fast vorbei, al» wir unter bi* englische Küste tarnen. Wit verminderten die Fahrt wegen 6es Moioren- geräusches. Auf Befehl des Flottillenchefs wurden die Boote aus« einanbergezogen. Sie waren immer noch auf bet Jagd nach dem Eeleitzug. Alles wat ruhig Wit standen bereits in dem Quadrat, in dem der Feind sein mußte und suchten. Lange konnten wir nichts finden. Endlich mekdete eist Boot vier Schatten tn 180 Grad. Leider waren sie sprtz, also in ungünstiger Position. So fuhren wir in Schleichsahrt auf einen Kurs, der uns die Möglichkeit gab, die Silhouetten hreitfeitig zu bekommen. Das gelang uns, und nun waren es auch schon acht Schatten, die wir erkennen konnten, darunter beladene Frachter Wir trafen unsere Angriffsvorberoitungen. Da kam auch schon bet Befehl bes Flot­tillenchefs:Alle Boote angrei sen!"

Der Englänber merkt noch nichts. Es ist schon 3.30 Uhr, als (üblich ein roter Lichtschein aufblitzt, ein Rauchpilz am Himmel steht und das erste feindliche Schiff nach einet starken Explosion auseinanderbricht. Da ein zweiter Engländer fliegt in die Luft! Seine Signalmunition wurde getroffen, und es gibt ein farbiges Feuerwerk am Himmel.

Nun wird es auch beim Engländer lebendig. Das ganzeeng­lische Variete" wie wir das nennen, nimmt feisten Anfang.

Deutschland hat stets Wert darauf gelegt, korrekt nach dem Völkerrecht zu handeln. Der totale Krieg macht bas nicht immer ganz leicht, zumal viele ber völkerrechtlichen Regelungen auf bie Beit vor bem Weltkriege zurückgehen. Die damaligen Begriffe stimmen heute längst nicht mehr. Sie fußen wie Professor Dr. Carl Schmitt noch vor kurzem ausgeführt hat auf liberalen Staats« und Wirtschaftsvorstellungen. Schon allein die Fortschritte in der Wasfentechnik zu Lande, zur See und in der Luft haben entschei­dende Änderungen bewirkt. Hier werden in Zukunft neue völker­rechtliche Formeln geschaffen werden müffen. Das alles läßt sich, und zwar besonders im Hinblick auf bie Kriegsgefangenenfrage auch heute zur Zufriebenheit ber Beteiligten regeln, wenn eben der Geist der Ehre und der Menschlichkeit angewandt wird. Das aber ist gerade der Kern der deutschen Anschuldigungen gegen die Engländer, daß sie sowohl gegen die Gebote der Ehre als auch der Menschlichkeit gehandelt haben.

Zum Schutz der Kriegsgefangenen

Das Anklage-Dokument bes Oberkommandos der Wehrmacht hat die Mißhandlung deutscher Kriegsgefangener eindeutig be­wiesen und festgestellt, daß die Engländer damit auch die Be­stimmungen bes Genfer Kriegsgefangenenabkommens tn grau­lichster Weise mißachtet haben. Es beftanb die Hoffnung, daß gerade dieses Abkommen dazu beitragen würde, Vorfälle, wie wir sie im Weltkriege erlebt haben, unmöglich zu machen. ZU unterem lebhaften Bedauern hat sich diese Hoffnung nicht verwirk­licht, obgleich man auf deutscher Seite gerade ständig bemüht ge­wesen ist, alle Sicherungen für den Schutz der Kriegsgefangenen zu schaffen. . v. .

Die ersten internationalen Schutzbestimmungen für die Kriegs­gefangenen erstreckten sich auf diejenigen Gefangenen, die ver­wundet waren, und zwar wurde hier im Jahre 1864 die erste Genfer Konvention geschlosien, die nach und nach von allen Staaten der Erde ratifiziert marbeit ist. 3m Laufe ber Jahre ging man bann bazu über, bie Kriegsregeln überhaupt festzulegen, um Unbeteiligte so wenig wie möglich leiden zu lasten. Es ent­stand infolgedesten im Jahre 1907 die Haager Landkriegs­ordnung, die im ersten Abschnitt die Vorschriften über bte Behandlung ber Kriegsgefangenen erhielt. Daraus ergab sich, auch, baß der Zweck der Gefangennahme nur der ist, die Kriegs­gefangenen an der weiteren Teilnahme am Kriege zu verhindern. In diesen Bestimmungen aus dem Jahre 1907 wurde u. a. fest­gesetzt, daß die Kriegsgefangenen keine Strafgefangenen sondern Staatsgefangene sind, ihr Privateigentum behalten dürfen, aus­kömmlich und gesund ernährt und untergebracht «erden mußten. Sie durften mit Ausnahme der Offiziere als Arbeiter verwendet werden und sollten nach dem Friedensschluß binnen kürzester Frist