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Wiesbadener Tagblatt

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rtantfurt a. M. 7405

des Trägerlohnes

90. Jahrgang

Freitag, 16. Oktober 1942

Nummer 243

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englisch-amerikani!

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westdeutsche Gebiet eine neue schwere Abfuhr geholt. Kaum waren di« Briten in das Reichsgebiet «ingeflogen, als fie sofort in überaus heftiges und gutliegendes Feuer der deutschen Flak­geschütze gerieten, das fie aus den Feuerzonen der Bodenabwehr vertrieb. Während dieses Ausweichmanövers wurden di« Briten von den deutschen Nachtjägern gefaßt und es kam in dem rheinischen Gebiet zu erbitterten Lustlämpfen. Dabei errang Ritter­kreuzträger Leutnant Beier in einer knappen halben Stund« vier Abschüfie und «rhöhte damit di« Zahl feinet Nachtjagdsiege auf 36. Oberleutnant Frank schoß als Nachtjäger seinen 13. bis 15. Gegner ab. Andere Nachtjäger vernichteten weitere neun feind­liche Bombenflugzeuge, während Flakartillerie sechs Britenbomber zum Absturz brachte. Damit verlor die britische Luftwaffe insge­samt 22 Flugzeuge. Durch die wahllos abgeworsenen Bomben e r - litt die westdeuts-'e Bevölkerung Berluste.

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22 Britenbomber abgeschossen

Teuer bezahlter Terrorangriss aus das Rheinland

Berlin, 16. Ott.. (Funkmeldung.) Die britische Luftwaffe hat in der vergangenen Nacht bei ihren Störangrissen auf das

liegenden Trümmerfeld, während Kameraden in den Kelleriesten der gewonnenen Häusergruppen schliefen. Als der Morgen des 13. Oktober graute, sahen sie noch, wie deutsche Kampfflieger über sie hinweg seindwärts flogen. Sie hörten das Krachen der Bom­ben, die et'n großes Tr ansportschiff trafen und versenkten. Sie folgten den Fliegern mit den Augen, sahen aber nur noch weit im Süden den Beginn des Luftangriffs, in dessen Verlauf unsere Kampfflugzeuge durch Bombentreffer vier feindliche Züge zerschlugen und unsere Jäger drei bolschewistische Flugzeuge zum Absturz brachten.

Stockholm, 15. Okt. Der englische Produktionsminister Oliver Lyttelton gab am Mittwoch neue Anordnungen zur Verlegung von Jndustriewerken bekannt. Seine Ausführungen bestätigten die Feststellung des Reichsaußenmini st ers in seiner letzten großen Rede, daß England seine Reserven an Ar­beitskräften erschöpft hat und heute Zuflucht nehmen muß zu einer Nachäffung der „autoritären" Methoden, die es vor noch gar nicht allzu lange Zeit als so verabscheuungswürdig kennzeichnete.

Lyttelton erklärte: „Um eine höhere Leistung zu erzielen, müssen wir an eine Neuplanung denken." Das wichtigste von allem, ist, die Arbeitskraft am rechten Platz einzusetzen und Maschinen, Werkzeuge und Gebäude zu größtem Vorteil zu nutzen. Es werde eine Umgruppierung stattfinden, um von den begrenz­ten Hilfsquellen den besten Gebrauch zu machen. Tas bedeute die Verlagerung gewisier Unternehmen, die sich mit weniger wichtigen Arbeiten befaßen, von überfüllten Gegenden in andere Landes­teile. Die Stammarbeiterschaft werde dabei mit- verlegt, während die Mehrzahl der Arbeiter zurückbleibe und neuer Arbeit in der Nähe ihrer Wohnungen wieder zugeteilt werde.

Die neue „Priorität" der USA

Von Wilhelm Ackermann

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Wie unsere Soldaten in Stalingrad kämpfen

Panzerabwehrkanonen und Minen im Häuserkamps

„Solche Maßnahmen", meinte Lyttelton, „würden manche Menschen schwer treffen, aber wir haben ein Stadium erreicht wo wir die Produktion und Organisation iN Ordnung bringen und zur höchsten Leistungsfähigkeit uniformen müßen. Jeder, der im Rahmen dieser Maßnahmen von einer Arbeitsstätte zur anderen geschickt oder aufgefordert wird, sein Unternehmen mit anderen zusammenzulegen, oder seine Fabrik von einem Bezirk in den an­deren zu verlegen, wird „aktiven Heeresdienst tun“, und Un­bequemlichkeiten oder Härten müßen in diesem Licht betrachtet werden. Drastische Mittel sind auch in anderen Richtungen erforderlich. Leute, die ihre Arbeitskräfte und Maschinen nicht richtig nutzen können, werden schließen müßen."

Hier sehen wir in England also die gleiche Erscheinung wie schon so oft in diesem Kriege. Die vorsorglichen deutschen Maß­nahmen wurden verhöhnt und verspottet und als sichere Vorboten einer deutschen Niederlage verschrien, so lange man den Krieg noch durch Aushungerung des Reiches gewinnen zu können wähnte. Nun, da Englands Hoffnungen sich zerschlagen haben, glaubt man alles nachholen zu können. Man vergißt, daß cs dazu zu spät ist. Auch auf dem Gebiet des Arbeitseinsatzes gilt für England das bittere Wort: „Zu wenig und zu spät!"

Die englischen Arbeilsreserven sind erschöpft

Lyttelton »ersucht es mit der Nachäffung vielgeschmähter „autoritärer" Methoden

Front trüge.

In diesem Sinne haben angesebeste amerikastische Zeit­schriften wie „Life" und „Fortune" dem englischen Vetter in aller Form bescheinigt, er führe seinen Kampf nicht im ge­meinsamen alliierten Jntereße. sondern in dem der Rettung lediglich seines eigenen Empires, und um in der Erreichung dieses eigensüchtigen Zieles sicher zu gehen, weigere er sich auch, für die zweite Front )>ie unvermeidlichen Risiken auf sich zu nehmen und zögere ihre Verwirklichung immer wieder hinaus. Der Hinweis auf die in England müßig.stehende, millionenstarke Heimatarmee ist in dieser Hinsicht ein be­quemes Beweismittel, und der britische Ministerpräsident hat solchen Verdächten auch seinerseits erst jüngst wieder neue Nahrung gegeben, wenn er in seiner Edinburger Rede die Meinung vertrat, es gelte in solchen Zeitläuften wie den derzeitigen. „Weisheit und Wagemut auf einander abzu­stimmen." Da ist der Außenstehende naturgemäß nur zu leicht versucht, als Ergebnis einer solchen Abstimmung jene Vorsicht zu erwarten, die der bessere Teil der Tapferkeit sein soll. Indessen bleiben solchen Unterstellungen gegenüber die Engländer den früher so armen und jetzt so impertinen­ten amerikanischen Verwandten die Antwort nicht schuldig und erkundigen sich lebhaft teilnehmend nach dem Verbleib des geschätzten amerikanischen Kriegsbeitrags. Sie haben überdies, wenn sie diese nicht unberechtigte Frage stellen, das sehr unbehagliche Gefühl, daß sich der Gtavvenkrieg. den die USA. in aller Welt mit Bieneneifer führen, von Eng­land selbst bis nach Australien und von Neuseeland bis nach Afrika und dem Vorderen Orient, kaum als etwas anderes darstellt. denn als die machtvolitische Sicherung einer groß angelegten Erbschleicherei auf Kosten des englischen Empires.

In diesen finsteren Verdächten werden sie neuerlich be­stärkt durch die „neue P r i o r i t ä t". den neuen Vorrang, der sich in den USA. bemerkbar macht hinsichtlich der Ver­wendung des Kriegsmaterials. Diele Prioritäten sind auch so eine amerikanische Schlagwortformel aus diesem Kriege: sie sollen die Vorrechte in der Belieferung bezeichnen, die aus dem einen oder anderen Grunde eingeräumt werden: und sie haben hinsichtlich der Lieferungen von Kriegs­material bisher darin bestanden, daß den in den Geltungs­bereich des Pacht- und Leihgesetzes einbezogenen Ländern eine vorzugsweise Unterstützung mit solchem Material zuge­sagt war. Um den praktischen Erfolg dieses Vorzugs haben sich bisher hinter und manchmal auch schon vor den Kulissen die Sowjets und die Engländer und die Tschungkingchinesen und die Australier und noch ein paar solcher Völkerstämme gebalgt. Jetzt aber erklärt man in den USA. ziemlich amt­lich. künftighin werde erst einmal die eigene Armee und Marine und Luftflotte den Vorrang, die Priorität, haben, denn die amerikanische Wehrmacht müße erst einmal gründ­lich ausgebaut und aus den vorgesehenen Höchststand ge­bracht werden. Während natürlich die anderen Verbündeten der Meinung sind, daß es ihnen in ihren kritischen Situatio­nen wenig nütze, wenn in ein vaar Jahren vielleicht endlich eine Armee der Vereinigten Staaten vorhanden sei. die dann für deren eigene Absichten ausreiche. Man wird ver­stehen können, wenn aus solchem Anlaß zwischen den USA.- Truppen und der von drüben her bemeckerten englischen Heimatarmee Vergleiche gezogen werden und dabei die ziemlich genaue Parallelität der Erscheinungen festgestellt wird, nur mit dem Unterschied, daß die Soldaten Uncle Sams in ihrer Untätigkeit immerhin den machtpokitischen Zweck haben, spätere amerikanische Ansprüche durch ihre minder geschätzte Anwesenheit auf dem Boden des englischen Empires wirksam zu unterstützen.

Was sich da auf amerikanischer Seite mit dem Ausbau, der Schonung und der sorgfältigen Konservierung der eigenen Wehrmacht abspielt. das ist eine ziemlich ge­naue Nachbildung der englischen Taktik im ersten Welt­kriege. Damals war die „fleet in being", die intakt gehal­tene Flotte Englands großer Trumpf, den es sich für die

-is. Berlin. 16. Okt. (Eig. Drabtbericht unserer Berliner Schriftleitung.) Die neutrale Preße befaßt sich eingehend mit den Massenoersenkungen und zieht ihre Schlüße aus den Erfolgen unserer U-Boote. Das schwedische Blatt „Dagens Posten" meint zu diesem Thema, die sogenannten Alliierten hätten zwar Millionenarmeen aufgestellt und Kriegsmaterial gestapelt, sie könnten aber weder die Truppen noch das Material transportieren. An diesmn für die Alliierten so traurigen Zustand seien die deutschen U-Boote schuld. Das kleine, unbedeutende U-Boot sei eine furchtbare Wasfe und von Tag zu Tag zeigte es sich immer deutlicher, daß es ein Faktor von ausschlaggebender Be­deutung für den endgültigen Ausgang des Krieges wer­den könne. Der gleichen Auffaßung ist die bekannte eng­lische Wirtschaftszeitung „Economist". die das Problem der plutokratischen Kriegführung darin sieht, in Europa einzubrechen. „Es laßen sich", so schreibt das Blatt wörtlich, „drei Schlüße! zu seiner Lösung erkennen: Da ist der gewaltige Plan, eine starke alliierte Wehrmacht gegen die Westfront zu werfen: da ist das Programm einer immer, stärker werdenden Bombardierung von briti­schen Flugplätzen aus; und da sind die Maßnahmen, den Mittleren Osten zu halten, Nordafrika zu säubetn und den Feind über das Mittelmeer in seine blockierte Festung zurückzuwerfen."

Diese Projekte hängen strategisch und wirtschaftlich zu­sammen. Sie sind auf die gleichen Reserven an Menschen. Materialien und Schiffen angewiesen. Sie können nicht alle gleichzeitig zu einem Höhepunkt gebracht werden.

Zum Schutz des M i t t l e r e n Ostens müßte eine Menge Menschen. Schiffe und Ausrüstungen eingesetzt werden. Große Geleitzüge nach der Sowjetunion konkurieren mit den Geleitzügen für eine zweite Front. Die Aufgabe besteht darin, die verschiedenen Lösungsmögltch- keiten in Übereinstimmung und in Ordnung auszuarbeiten und sie zeitlich so zu verwenden, daß die Festung der Nazi­macht bezwungen wird, ehe die deutschen Heere und Luft­flotten von dem Kampf im Osten frei gemacht werden, um in großer Stärke Widerstand zu leisten. In diesem Prozeß der Vorbereitung hat es Verzögerungen. Rückschläge und Enttäuschungen gegeben. Wie General Wavell vor einigen Tagen Journalisten erklärt bat. sind die Schiffs- v e r l u st e c r n st genug gewesen, um „die Krieg­führung zu behindern und den Sieg zu verzögern.'

Die Entfernungen, über die Materialien. Mannschaften und Lieferungen an ihre Bestimmung entlang den drei Seiten des europäischen Dreiecks befördert werden müssen, sind se h r g r oß. Die Staatsmänner der Alliierten und der Achse sind sich darüber einig, daß der Schiffsraum die entsprechende Frage ist. R i b b e n t r o v, hat das Problem unlösbar genannt. Mister Eden und Mister Noel Baker haben auf die große Bedeutung des letzten Geleitzuges nach

Es wäre fast verwunderlich gewesen, wenn in der selt­samen Bündniskumvanei. die sich beim Gegner zusammenge­funden hat mit ihrer grotesken kavitalistisch-bolschewistischen Mischung, der „sacro egoismo". die angeblich heilige Eigen- K gefehlt hätte. Und so bat sich denn unmittelbar an die einandersetzung Stalins mit seinen demokratischen Ver­bündeten wegen ihrer mangelhaften Unterstützung em anglo-amerikanischer Familienzwist ange­schlossen. der mit gegenseitigen Beschuldigungen über em und denselben Tatbestand und mit dem Mißtrauen des Einen gegen den Anderen sich als mustergültig sehen laßen kann. Kaum war mit dem Stalin-Interview die Frage der zweiten Front zum ersten Male in offizieller Form von amtlicher verbündeter Seite zu einer allerdings alles andere als angenehmen Diskussion gestellt, erwies sie sich tm ..■.:_./J6en Verhältnis geradezu als Erisavfet. an dem sich alle Abwandlungen verwandtschaftlicher Un­freundlichkeit erhitzen. Sei es, daß man sich dem dritten Partner gegenüber herauspauken will, fei es. weil das gegenseitige Mißtrauen schon lange schwelt, jedenfalls wim­melt es plötzlich in der Presse diesseits und jenseits des Atlantik von gegenseitigen Beschuldigungen, daß natürlich immer der andere die Schuld an ' bleiben dieser von Moskau io energisch reklamierten zweiten

dem Norden der Sowjetunion hingewiesen, der — wie viel­leicht in übertriebenem Enthusiasmus gesagt wurde —.den Ausschlag an der Ostfront geben sollte. Der Fliegenchutz für Eeleitzüge ist jetzt „Priorität für Nr. 1“. Der Krieg wird durch Eeleitzüge gewonnen werden." Angesichts der großen Erfolge unserer U-Boote braucht man diesen letzten Satz nur etwas zu variieren, und et trifft genau unsere Meinung: England wird den Krieg durch ver- lenkteEeleitzüge verlieren!"

Die Wirklichkeit ist für England überaus bart. Kein Wunder, daß man sich in London gern in das Land der Wunschträume flüchtet. Man braucht dringend Ablen­kung und so ist der Besuch des südafrikanischen Minister­präsidenten Smuts eine willkommene Gelegenheit, die Stimmung mit bunten Zukunftsphantasien aufzufrischen. Die englische Presse ist ob des Besuches völlig aus dem Häuschen. Smuts soll in einer gemeinsamen Sitzung des Unter- und Oberhauses sprechen. Das Parlament werde „diesen hervorragenden Staatsmann und Soldaten während seines Londoner Aufenthaltes in seinen Räumen seben", verkündet Reuter und fügt hinzu, daß eine solche gemeinsame Sitzung beider Häuser äußerst selten sei. Noch nie habe ein britischer Premier, geschweige denn ein Dominienminister vor einer solchen Versammlung gesprochen. Das Theater um Smuts ist also in vollem Gange. Seine Londoner Be­sprechungen werden benutzt, um die englische Öffentlichkeit von all den Fehlschlägen der letzten Zeit abzulenken. Die zweite Front in Nordafrika steigt in den Londoner Nebeln als Fata morgana auf. Eigentlich ist diese Schlacht schon so gut wie gewonnen, wenigstens mit Worten. Die Achsentruppen haben nämlich nach englischen Darstellungen, schon offenbar unter der Einwirkung der Londoner Verhand­lungen Smuts. in Ägypten alle Offensivstellungen geräumt und halten nur noch ihre Verteidigungsstellungen besetzt. Allerdings sei General Rommel, der ja nach dem eng­lischen Nachrichtendienst strafweise von der ägyptischen Front versetzt wurde und in Ungnade fiel, wieder nach Ägypten zurückgekebrt. Man phantasiert also wieder einmal das tollste Zeug zusammen. Liest man die Ergüße der englischen Blätter zu dem Besuch Smuts in London, so gewinnt man den Eindruck, als ob dieser alte Kriegshetzer der reine Wundermann ist und man fragt sich dann nur noch, weshalb man ibn nicht früher bervorholte. Gerüchtweise verlautet auch, daß Smuts nach W'ashington und nmch Moskau weiterreisen wird, um auch dort zu verbandeln. Ja. wenn es nach den Wünschen einiger englischer Arbeiter- varteiler ginge, dann sollte er nicht nur Nordafrika für die Engländer erobern. Sizilien besetzen und in Italien landen und nebenbei soll er auch noch als Vermittler zwischen Eroß- britaanien und Indien auftreten.

Ohne Schiffsraum sind aber all die Pläne nicht zu ver­wirklichen und selbst der Wundermann Smuts kann diese barten Tatsachen nicht aus der Welt schaffen.

Feind-Strategie lahmgelegt

Das A-Boot ein Faktor von ausschlaggebender Bedeutung für den Ausgang des Krieges

Berlin, 15. Okt. In Stalingrad wurde nach den Mel­dungen des Oberkommandos der Wehrmacht am 13. Oktober in kleineren Zusammenstößen die Eefechtsberührung mit dem Feind aufrechterhalten, während am Tage zuvor hier noch der Lärm der Schlacht tobte. Als unsere Soldaten in den wüsten Schutthaufen der einstigen Straße vortzrangen, saß rechts und links der Feind in seinen Löchern und feuerte, was die Gewehre hergaben. 3Un nächsten Straßenkreuz ging es um sperrende Barrikaden, doch Hand­granaten und Panzerabwehrkanonen brachen den Widerstand. Keine Sekunde zu früh schafften die Panzerjäger ihre Kanonen über die genommenen Barrikaden hinweg, schon mit den ersten Granaten konnten sie in einer Seitenstraße ein feuerbereites Salvengeschütz zerfetzen. Von weiter rückwärts her peitschten bk Geschosse der Panzer, Maschinengewehre'und Geschütze über die Köpfe der Panzerjäger. Plötzlich waren neue Ziele für sie da. Aus dem Fenster eines zerstörten Hauses feuerte eine feindliche Pak. Drei, vier Schüße, dann war fie still. Infanteristen warfen Handgranaten hinterher und drangen in den Schuttberg ein, der das feindliche Widerstandsnest barg. DazwisLcn knallten die Einschläge der deutschen Artillerie, dröhnte bie Erde unter den explodierenden Bomben der Sturzkampfflugzeuge und hämmerten die Flakgeschütze. Hoch in den Wolken kurvten die deutschen Jäger, bolschewistische Flugzeuge stürzten zerschoßen herab. Inmitten dieser Vernichtung kämpften sich die deutschen Infanteristen und Pioniere vorwärts, bis der Abend kam. Auch in der Nacht hatten die Kämpfer keine Ruhe. Zu sehr sind die Stellungen der Angreifer und Verteidiger ineinander verschachtelt. Alle paar Minuten kracht es irgendwo, krepieren Handgranaten, rattern Maschinengewehre, zischen Leuchtkugeln hoch und erleuchten die Trümmerhaufen, dann konpnen Nachtbomber, zuerst die alten mit tuckerndem Motor, die unsere Infanteristen „Kohlcnschipper nennen und dann die schweren Nachtbomber mit ganzen Serien von Bomben So geht es bis zum Morgen, bis unsere Jäger erschei­nen und die feindlichen Flugzeuge vom Himmel wegwischen.

Zu gleicher Zeit liegen weiter nördlich andercd eutsche Solda­ten in ihren mit Zeltbahnen verhängten Kellerlöchern. Sie hatten noch am Abend das Wohngelände, in dem sie jetzt sitzen, genom­men. Die Bomben der Nachtflieger hatten alle Geräusche übertont, als sie sich ungesehen durch die verkohlten Häuser und Gärten vorarbeiteten. Äls für Minuten der Lärm der bolschewistischen Luftangriffe verstummte, hörten fie deutlich das Knirschen und Rasseln der Gleisketten schwerer Panzer Auch die erfien Maschi­nengewehre wurden lebendig. Ihre Leuchtkugeln tasteten durch die Nacht. Der Feind hatte die Annäherung erkannt. Unsere In­fanteristen waren nahe genug heran, doch da waren zwölf bis fünfzehn bolschewistische Panzerkampswagen, die in 30 bis 50 Meter Entfernung vor ihnen zwischen den Krümmern herum­kurvten. Von verlaßenen feindlichen Gräben aus nahmen unsere Schützen den Feuerkampf auf. Mutige waren immer zur Stelle, die im Schutz bei dichten Pulverschwaben ihre Minen über die bolschewistischen Panzer schleuderten. Lang­sam gewann der Angriff gegen die Stahlkoloße an Raum. Nur ein Panzerkampfwageu stand unbeirrt mitten im Feuer und schoß. Dieser „dicke Paulus", wie unsere Infanteristen solche 32-Tonner nennen, war nicht klein zu kriegen. Da nahmen sich Pioniere des Panzers an. Überraschend sprangen fie von der Seite das lang­sam hin- und herrollende Ungetüm an und warfen vier Teller­minen unter die Gleisketten. Einen Meter hoch hüpfte die stählerne Festung, als die Minen losgingen. Unter der Explosion seiner eigenen Munition barst er auseinander. Bis in die tiefe Nacht ging das Ringen weiter, in dem den Bolschewisten die um- iämpften Straßcnzeilen entrißen wurden. Den Rest der Nacht über lauschten die Posten auf jedes Geräusch in dem vor ihnen