Seite 2 Nr. 242
Wiesbadener Tagblatt
Donnerstag. 15. Oktober 1942
über 500 Stützpunkte im Kaukasus genommen
Tief in das nördliche Stadtgebiet von Stalingrad vorgestvßen — 25 Britenjiiqer über Malta abgefchosien — Schnellboote ”EtIen,t‘n an der englischen Küste vier Handelsschiffe mit 8000 BRT. — Bei einem nächtlichen Seegefecht t* Kanal em britisches Artillerie- Schnellboot versenkt «ad fünf Schnellboote beschädigt »der in Brand geschossen
Aus dem Führerhauptquartier, 15. Oft. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Kaukasus durchbrachen deutsche und slowakisch« Truppen in dichtbcwaldetem Eebirgsgelände uirter erbitterten Kämpsen neue feindliche Stellungen und nahmen über 5 0 0 Stützpunkte u nl> Kampfanlagen im Sturm. Am T erek- a b s ch n i t t wurden feindliche Kräfte zurückgeworfen.
sahrzeugen und einem überlegenen feindlichen Verband, der au» zwei Zerstörergruppen und mehreren Schnellbootslottmen bestand. 3m harten Gefecht wurden ein britisches Artillerie-Schnellboot versenkt und fünf Schnellboote durch Artillerietreffer beschädigt, bzw. in Brand geschossen. Ein eigenes Fahrzeug ging verloren. Borpostenlloote und Marineflak schossen im Nordseegebiet Zwei feindliche Flugzeuge ab.
Leichte deutsche Kampfflugzeuge bombardierten gestern kriegswichtige Anlagen und militärische Ziele an der englischen
Abzweigung nach Poti und eine andere nach Saturn führt. Neben der 213 Kilometer langen Grusinischen und der 300 Kilometer langen Ossetinischen Heerstraße ziehen sich in höheren Gebirgslagen noch einige Wege bin. die aber so stark vereist und vergletschert sind und so starke Schluchten überwinden. daß sie als Verkehrswege gar nicht in Frage kommen. Der Kaukasus legt sich also wie ein Riegel guer über die ganze Halbinsel. Es gibt außer der Eruünischen Heerstraße überhaupt keine Nordsüdverbindung. -Alles das kennzeichnet die ungeheuren Geländeschwierigkeiten, die überwunden werden müssen und die sich naturgemäß der Verteidiger zunutze macht. Truppenbewegungen sind mithin auf ganz wenige Straßen und Wege angewiesen, die meist nur in die Haupttäler hineinfübren und dann zu unansehnlichen Pfaden und Steigen werden, bevor sie den Hauvt- kamm erreichen. Verpflegung muß in diesem Lande von der Truppe mrtgeführt werden, da es nur geringe Versorgungs- moglichkeiten gibt. Es wird nur wenig Gerste angebaut, Kartoffeln und Gemüse so gut wie gar nicht, doch sind Schafe. Ziegen und Rinder in größeren Herden vorhanden. Auch mit all den Schwierigkeiten, die der Kaukasus bietet, werden unsere Eebirgstruppen fertig werden.
Der Pferdefuß zeigt sich
Die englischen Kommunisten fordern die Absetzung von drei Ministern und zwei Botschaftern
Eens, 14. Okt. Der Zentralausschuß der Kommunistischen Partei Großbritanniens hat, wie „Baltimore Sun" aus London meldet, die sofortige Entlassung een drei britischen Kabinetts Mitgliedern, zweier Botschas- t e r, sowie einet Anzahl anderer amtlicher britischer Persönlichkeiten gefordert, die „unfähig seien, einen Krieg gegen den Faschismus zu führen.
Die drei Minister, deren Amtsenthebung die britischen Kommunisten verlangen, seien Kriegsminister Sir James Grigg, Jn- dienminister A m e r y und Lordkanzler Viscount Simon, während es sich bei den beiden Botschaftern um den britischen Botschafter in Madrid, Sir Samuel Hoare, und den in Washington, Lord Halifax, handle.
3n Stalingrad brachen Infanterie- und Panzerverbände den verbissenen Widerstand der Sowjets in Häuserblocks und Barrikadenstellungen und stießen tief in das nördliche Stadtgebiet vor. Kampf- und Sturzkampfgeschwader zerschlugen in rollenden Einsätzen feindliche Bunker und Artilleriestellungen. Entlastungsangriffe des Feindes wurden unter hohen blutigen Berlusten abgewiesen. Wirkungsvolle Luftängrifse richteten sich auch gegen Trans- portbcwegungen und llmschlagplätze der Bolschewisten am Unterlauf der Wolga. Ein Tanker und zwei Lastkähne wurden durch Brand vernichtet.
An der Don-Front wiesen rumänische Truppen örtlich« An- grisse ab.
3m mittleren Frontabschnitt führten eigene Stoßtruppunternehmen zur Vernichtung zahlreicher Bunker und Kampfanlagen. Kampfflugzeuge bombardierten wichtige Bahnstrecken, wobei der Feind beträchtliche Verluste an rollendem Material erlitt. Im Tiefangriff schossen Jagdflieger ein sowjetisches Schnellboot im Finnischen Meerbusen in Brand.
Bei einem Angrisf gegen den Geleitverlehr, ander britischen Küste versenkten Schnellboote vier feindliche Handelsschiffe von zusammen 8000 BNT. Alle Boote kehrten in ihre Stützpunkte zurück. 3n der Nacht zum 14. Oktober kam es im Kanal zu einem Seegefecht zwischen deutschen Sicherungs-
Südküste.
3m hohen Norden richteten sich Angriffe von Zerstörer, slugzeugen gegen Truppenlager ostwärts der Kola-Bucht.
Die britischen Flugstützpunkte auf der 5nsel-Feftung Malta wurden von Kampfflugzeugen bei Tag und Nacht mit Bomben schweren Kalibers belegt. Die zum Begleitschutz eingesetzten deutschen und italienischen Jäger schosien zusammen 2 5 brrt isch e 3agdflugzeuge ab, davon achtzehn allein durch deutsche Saget. Zwei eigene Kampfflugzeuge kehlten nicht zutück.
Neue Träger des Ritterkreuzes
««Hin, 14. Okt. D«r Führer verlieh das Rittkreuz de» Eisernen Kreuzes an:
Generalmajor Alexander von Hartmann, Kommandeur einer Infanterie-Division, Hauptmann Friedrich Schmidt, Bataillonsführer in einem Snfanterie-Regiment, Hauptmann Klaus Müller, Kompaniechef in einem Panzer-Regiment, Oberleutnant Paul-Friedel Weber, Batteriechef in einer schweren Heeres-Flak-Art.-Abt., Feldwebel Oskar Pfalzgraf, Zugführer in einem Infanterie-Regiment.
Trotz Windstärke 11 blieben unsere U-Boote Sieger . Bisher sechs schnelle Truppentransporter mit zusammen 112 607 BRT. vernichtet
Außerdem seien vom Zentralausschuß der Kommunistischen Partei Entschließungen angenommen worden, in denen sie tiefgreifende Umbesetzungen im britischen General- stab und erneut die sofortige Eröffnung einer zweiten Front fordert.
So also hält Stalin sein Versprechen, das er — wie die englische Presse seinerzeit berichtete — Churchill beb seinem Moskauer Besuch gegeben haben soll, sich nicht in innerpolitische Angelegenheiten Englands einzumischen! Es ist eben unmöglich, sich dem Teufel nur zum Teil zu verkaufen. Wer sich mit ihm einläßt, wird mit Haut und Haaren verschlungen! England macht jetzt die gleiche Erfahrung wie andere Länder, die mit dem Bolschewismus paktieren zu können glaubten. Ohne sich an das zu halten, was in offiziellen Gesprächen vereinbart worden ist, macht Moskau seine Forderungen geltend durch die Hilfstruppe, die es sich auch in England errichtet hat und die den Winken des Drahtziehers M a i s k y bedingungslos pariert. Jetzt erntet England die Früchte einer Saat, die gelegt wurde durch ständiges Nachgeben gegenüber sowjetischen Wünschen, Aushebung des „Daily Worker"-Verbotes und dergleichen. Die Bolschewisierung des Inselreiches gerät allmählich auf die steile Gleitbahn.
Berlin, 14. Olt. Zu den neuen U-Boot-Erfolgen, teilt das OKW. mit: „ . , , <
Wiederum ist es unseren Unterseebooten gelungen, besonders schnelle und wertvolle feindliche Truppentransporter zu fassen. Der Dampfer „Orcades" war für eine Geschwindigkeit von 22 Seemeilen, die ..Ducheßo f A t h o I I von 18 Seemeilen gebaut. Während dieses Schiff tnt Besitz der Canadian Pacific in Friedenszeiten auf nördlichen Seewegen verkehrte, handelt es sich bei der ..Orcades um einen ganz modernen, erst 1937 gebauten Tropendampfer der Orient Steam Navigation Company. Dieses Schiff konnte neben seiner großen Passagiereinrichtung 11800 Ladetonnen an Fracht befördern. Das Schiff war eins der schnellsten und größten britischen Tropenschiffe, das gerade wegen dieser Eigenschaften als ein mustergültiger Truppentransporter galt. _
Die Sckiffe konnten zusammen 9000 bis 10 0 0 01 So I» baten befördern. Was schon durch die kürzliche Versenkung des USA.-Truvventransvorters > im Nordatlantik, bewiesen war, bestätigt sich. Auch die schnellen von der feindlichen Kriegführung eingesetzten Passagierdamvter sind vor
UnverhMtte Drohungen gegen Argentinien und Chile
Washington Post: „Die Geduld der USA ist bald erschöpft"
Genf, 14. Okt. In einem Leitartikel über die Reaktion Argentiniens und Chiles zur Rede von Surnner Welles schreibt die „Washington Post":
„Es wäre nicht übertrieben, wenn man hinsichtlich unserer Beziehungen mit den einzigen Rationen, die in dieser Hemisphäre neutral geblieben sind, sagen würde, daß der Augenblick, wo man seine Karten auf den Tisch legen sollte, gekommen ist. Es ist gewiß, daß die kürzlichen Ereignisse deutlich durchblicken (affen, daß die Geduld der Vereinigten Staaten bezüglich der von diesen Ländern verfolgten unbestimmten Politik b a Id erschöpft i st. Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Die Rationen müssen sich entscheiden, ob sie bereit sind, dem Feinde der Freiheit der Welt direkt oder indirekt zu helfen, oder ob sie ihre Beziehungen mit den Mächten des Übels abbrechen wollen. Welles, der eine 28jährige Erfahrung auf diplomatischem Gebiet hat, hätte es nie gewagt, durch eine zufällige Bemerkung oder unüberlegte Worte, die veröffentlicht werden sollten, eine solche Reaktion hervorzurufen. Man darf deshalb annehmen, daß seine Erklärung erst nach sorgfältiger Erwägung und nach Benachrichtigung unserer Vertreter in Chile und Argentinien abgegeben worden ist. Man darf daher glauben, daß Welles damit andere südamerikanische Rationen, welche der gemeinsamen Sache im Kampf gegen die Achse dienen, ermutigen und dem argentinischen und chilentischen Volk zeigen wollte, daß eine politische Umstellung bei den anderen amerikanischen Rationen den besten Eindruck erwecken wurden. Da diese Worte von einer amerikanischen Regierung ausgesprochen wurden, die sehr viel dazu beigetragen hat, um' die Freundschaft mit Südamerika zu festigen, so kann man
ihnen nicht den Sinn einer Drohung (!) oder einer unfreundlichen diplomatischen Geste geben (!)"
Man stelle sich vor, daß in Europa ähnliche Worte gegen die Neutralen geschrieben worden wären — wie hätte die Judenclique in USA. dann getobt und gegeifert! Die heuchlerischen Matadoren der demokratischen „Freiheit" aber glauben sich eine solche Sprache erlauben zu dürfen gegenüber Ländern, die deutlich genug erklärt haben, eine Kriegsbeteiligung widerstrebe ihren politischen und wirtschaftlichen Interessen. Roosevelts Begehren nach Weltherrschaft ist unerfä 11lich, und der Imperialismus des Dollars läßt Selbständigkeit und Neutralität nicht gelten.
Britische Winterpelze für die Sowjets
Genf, 14. Okt. Es ist bezeichnend für die schwierige Lage der Sowjets, daß sie sich sogar für die Lieferung von Winterpelzen für die kämpfende Truppe an die Engländer wenden müssen. Nachdem in England und den Dominien eine Pelzsammlung unter dem Protektorat von Frau Churchill durchgefiihri wurde, erhebt sich nun die Schwierigkeit der Zustellung angesichts der Ge- leitzug-Katastrophe im Nördlichen Eismeer. Frau Churchill sagte nach einem Bericht des „Daily Sketsch": „Die Verschiffung der Pelze Bereitet uns größte Sorgen. Wir geben jedem Schiff nur eine geringe Anzahl mit, sodaß bei Schisfsversenkungen nicht ein Eesamtverlust eintreten kann." Auch hier sehen sich also die Sowjets auf englische Versprechungen und Redensarten angewiesen.
die feit Anfang
Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten
den ll-Booten nicht sicher. Auch der von einem italienischen ll-Voot versenkte Dampfer „Oronsayde" hatte eine Geschwindigkeit von 20 Seemeilen. In kurzer Zeit bat die feindliche Truvventransvortflotte die folgenden schneller Pasiagierdamvfer verloren:
„Orcades" (23 456 BRT.). 22 Seemeilen,
„Ducheß of Athol!" (20119 BRT.). 18 Seemeilen.
„Oronsayde" (20 043 BRT.). 20 Seemeilen,
Typ ..Viceroy of Jndia" (19 627 BRT.). 18 Seemeilen.
Typ „Reina del Pacifico" (17 702 BRT.). 19 Seemeilen. Typ „Derbyshire" (11660 BRT.), 15 Seemeilen.
zusammen sechs Truppentransporter mit 112607
Druck und Verlag - L.Schellenderglche Buchdwckeret, Wiesbaden« lagblatt, Wiesbaden Selamtleitung: Di. p6:LhabtL ®u»ad Schellenberg und Otto Kaiser. H-upi- Ichrtftleiter- Fritz «llnther.lümil. in Wiesbaden. Zur Zeii ist Preisliste Nr. 10 gilliig
Brutto-Register-Tonnen. , . , -
Bei diesem schweren Verlust der feindlichen Transoort- flotte handelt es sich um unersetzliche Verluste, da Schiffe dieser Art weder unter dem englischen noch unter dem amerikanischen Schiffsbauvrogramm nachgebaut werden. Neben der Störung des feindlichen Nachschubs nach dem Nahen und Mittleren Osten auf dem neuen Kriegsschauplatz vor Südafrika, geht die Transportschlacht im Nordatlantik gegen die britische Heimatversorgung planmäßig weiter.
Unter den im Nordatlantik gegenwärtig herrschenden Wetterbedingungen sind die Erfolge in den Geleitzugschlachten dieser Tage hervorragende militärische und seemänische Leistungen unserer Boote. Schon seit Anfang Oktober fegten schwerste Herbststürme über die See. die die Windstärke 11 erreichten. Gellen turmhohen Seegang mußten sich unsere U-Boote den Weg an den Feind erkämpfen. Trotzdem gelang ihnen eine Reihe von Angriffen.
Das U-Boot unter Führung des Oberleutnants z. S. T r o j e r. der seine erste Feindfahrt als Kommandant machte, versenkte in einer Nacht vier Dampfer aus entern stark gez sicherten Englandgeleit, hielt sich den. ganzen Tag über bei schwerster See am Feind, stieß in der folgenden Nackt emreut in den Geleitzug hinein und versenkte mer weitere Schiffe. Darunter befand sich das tief beladene Walfangmutterschiff „Vestfold". das mit seinen 14 547 BRT. eine Ladefähigkeit von 21844 Gewichtstonnen Walöl besitzt. In z w e r Nachten bat der junge Kommandant mit seiner tapferen Besatzung 47 000 BRT. versenkt. , ..,
Zur Ergänzung des mangelhaften Nachrichtendienstes unserer Gegner seien von den Schiffen,. die seit Anfang dieses Monats auf dem Seekriegsschauvlatz Südafrika versenkt wurden, noch die folgenden namentlich mitgeteilt:
„Heramelia" 4981 BRT.. „Chicago Gity . 6196 INT.. „Coloradan", 6557 BRT.. „Eelendene". 4412 BRT „Siam . 6637 BRT.. „Steel Scientist". 5688 BRT.. „Agapenor". 7392 BRT.. und „Swiftsure". 8207 BRT.
Im Deutschen Theater Wiesbaden:
platzende Therese höchst temperamentvoll verkörperte. Roch ein drittes Paar war vorhanden, Doris Voß als pikante Tänzerin Madeleine, die in einer wohl parodistisch gemeinten SIrgentina mitzuwirken hat, und Heinrich Schorn als zittriger, knickbeiniger Vicomte, der die Verpflichtungen des „Liebhabers" wohl nur ehrenamtlich auszuüben hat. Drollig waren auch Elfriede H e ß als lichterloh brennende Heiratskandidatin, bei der kein Löschen möglich ist, und Guido Lehrmann als oller ehrlicher Seemann. Natürlich durfte in dem Idyll auch ein Kakteenfreund nicht fehlen in Gestalt eines geheimen Hofrats, dessen sich Victor H o s p ach mit liebevoller Kleinmalerei annahm. Die Inszenierung von Fritz D i 11 g e n verband realistische Gestaltung mit romantischer Stimmung. Richard Tanner dirigierte mit Umsicht und feinfühligem Eingehen auf das Intime dieser Operette. Voll anheimelnder Krähwinkelei waren die Bühnenbilder von Lothar Schenck-von Trapp. Dr. Wolfram Waldschmidt
Aus Aunst und Leben
* Uraufführung eines Wiesbadener Künstlers. Introduktion und Pasiacaglia für großes Orchester, ein Werk von Kammermusiker Otto T r i l l h a a f e, Mitglied des Orchesters des Deutschen Theaters, erlebt unter Dr. Ernst Cremer im Rahmen des ersten diesjährigen Sinfoniekonzettes am Freitag feine Uraufführung. Solist des Abends ist der in Wiesbaden bestens bekannte Prof. Ludwig Hoelscher, Deutschlands Meistercellist, einer der fähigsten Musiker unserer Zeit.
H. R. „Das Deutsche Theater in den Niederlanden" gibt zur Eröffnung der Spielzeit 1942/43 ein reich bebildertes Heft heraus, das die kulturelle Aufgabe des Instituts urnreißt. Unter den zahlreichen Mitgliedern des Ensembles fanden wir im Bilde die folgenden, ehemals an Wiesbadener Theatern beschäftigten Künstler: Dr. Karl Peter B i l tz, Chefdramaturg, Inge Conradi, Charakterliebhaberin, und Joachim Ernst, Bonvivant.
* In dem Abend-Konzert im Kurhaus am Donnerstag wird der Konzertmeister der Kapelle des Nationaltheaters Weimar, Herbert Becker, das Brahmskonzert spielen. Die Leitung des Konzertes hat Musikdirettor August Vogt.
* Professor Georg Kempfs aus Erlangen wirkte in der Abend- musik der Marktkirche am Sonntag noch ausgebreiteter mit als wir angaben. Er bestritt nicht nut den gesamten gesanglichen Teil des Abends, sondern er spielte auch alle von uns eingehend gewürdigten Orgelsoli. Kurt U tz selbst hatte die Leitung des Orchesters inne. ____
Wer zweifelt, verzweifelt: Angst verkündigt den gezückten Donnerschlag über dem Haupte Wer hofft, hat schon gesiegt und siegt weiter. (yean Paul)
„Ciobo in bar Lsrchsngafss"
Operette in drei Akten een Hermann Hermecke — Musik von Arno Letterling
Natürlich kann so was nur in der Biedermeierzeit Vorkommen. Alt-München, Giebelhäuser, grüner Frack, grauer Riesenzylinder, Reifföcke, Schmachtlocken, Schattenrisse in ovalem Rahmen. So eine Spitzwegiade erwartet man und trotzdem ist man überrascht, daß es so hübsch ist. Ein allerliebst harmloser Text sorgt für herzliche Heiterkeit. Die uralte Geschichte von dem Testament mit einer märchenhaften Summe, die verlockend wäre, wenn sie nicht eine drakonische Heiratsklausel enthielte, ist Schwank alten Stils, der zur Poste wird. Der lachende Erbe möchte wohl heiraten, aber ein Mädchen, das man ihm nicht geben will. Fünf Minuten vor dem Elockenschlag heiratet er tatsächlich, wenn auch nur zum Schein. Aber die ältliche Euphrosyne Schnakenbrück nimmt es mit dieser Heirat verteufelt ernst und läßt nicht mehr locker. Da muß ihr verstorbener Mann, ein alter Seebär, aushelfen. Ein guter Freund läßt ihn aus dem Grabe erstehen indem er sich seemännisch verkleidet und sich gründlich im Fluchen einübt. Aber da kommt nun, Krütz Dübel und Klabautermann! der richtige Gatte und Steuermann in voller Lebensgröße hereingepoltert und die ganze Erbschaftsgeschichte würde in einem allgemeinen Krach enden, wenn nicht der Notar einen dicken Punkt unter sein Heiratsprotokoll setzte.
Auch die Musik von Arno SBetterling ist sozusagen gute alte Zeit. Sie kennt keine Saxophone, kein Tylophon und all das Teufelszeug. Zur Aufpeitschung der Nerven genügt die Trommel und die brave Pauke, so ähnlich wie bei Paul Linke. Der Edelkitsch exotiicher Gefühle, die Sentimentalität, in der die „moderne" Operette förmlich ersäuft, fehlen vollständig. Dafür finden sich zahlreiche frisch empfundene, volkstümliche Melodien wie „Wir haben Geld" oder das schmissige „Wenn man liebt in der Lerchengast'" dazu Tanzmusik wie bei einem Familienausflug am Sonn- iagnachmittag. Gelegentlich tönt eine silberne Spieluhr um an- zudeuten, daß die betreffende Stelle fürs Gemüt ist. Erfrischend gesund, diese Unterhaltungsmusik.
Marga Mayer war ein hübsches Bürgermädchen, besten Eleganz trotzdem etwas Aristokratisches hatte. Ihre Stimme klang in den vielen dankbaren Nummern so frisch und jugendlich wie nur je. Otto Scheid! war als Dichter Ludwig Heller cilf mit weichen Umrißlinien gezeichneter Liebhaber von kultivierter Ec- sangskunst. Willy Hofmann als Maler recht quecksilbrig — ohne Boheme geht es natürlich bei einem Biedermeieridyll nicht ab — erwies seine Eignung als Tenorbuffo, indem er Bayerisch und Hamburgisch gleich waschecht sprach, gelegentlich auch einmal Moser nachmachte, während Charlotte Schütze die vor Eifersucht
„6lüh, Dsulschlcrud, überm Grads mein..
Z,m 25. Todestage von Walter Fl«x am 16. Oktober
Unzählige deutsche Soldaten trugen die Gedichte und Ee- schichten dieses Dichters in ihren Tornistern, der, selbst im feldgrauen Rock, den heiligen Gefühlen und Sehnsüchten dichterischen Ausdruck gab, die sie in den Stürmen des Großen Krieges beseelten. , , ,,
Schon 1911 hatte Walter Flex erkannt, woran das Volk krankte. „Ein Volk, das die Staatsautorität nicht wie ein heiliges Dogma hütet, ist für den Staatsgedanken noch nicht reif. Wir brauchen einen zähen, opferbereiten, hartherzigen, nationalen Idealismus!" Im Feuer des Krieges sah der Dichter die große Schmiedeglut, in der dies neue, auf Führertuim Opfer und Pflicht aufgebaute Deutschland erstehen sollte. Sein „Preußischer Fahneneid" wurde heiliges Bekenntnis seiner Kameraden — und unserer Generation:
„Von uns wird keiner di« Treue brechen und keiner den Eid.
Wir wollen ihn schützen, wir wollen ihn rächen, wir tragen fein Kleid. ,
Wer auf die preußische Fahne schwört, hat nichts mehr, was ihm selber gehört!"
Der Dichter des tätigen, kämpferischen und soldatischen Lebens wußte auch um die Röte und Leiden der Heimat. Er kannte die Sorgen deutscher Frauen und Mütter, — - et kannte aber auch ihren stillen Heroismus. Was er einmal in einem Brief an fein „geliebtes Mutti" schreibt, bald, nachdem sein Bruder gefallen war, möchte man auch heute wieder mancher Mutter vorlesen: „Ich spüre wohl aus Deinen Zeilen, Muttelchen, wie der Schmerz tiefer in Dich hineingeht, aber nicht wahr, Liebes, auch Du denkst an ihn und uns nur in dem Geiste, den er als recht und würdig anerkennen würde, nicht in weichem Sich-Lerlieren in einen Schmerz, der zur Verzweiflung führ'en könnte, sondern tapfer und deutsch ... Oft fühle ich Deine liebe Hand wieder in der meinen, und dieser gute, stille Druck ist ein Versprechen von Dir, Dich uns durch Tapferkeit des Herzens so zu erhalten, wie wir Dich immer liebten und lieben werden."
3m Oktober 1917 schrieb Flex: „Ich bin heute so kriegsfreiwillig wie am ersten Tage." Richt lange nach diesem Bekenntnis, am 16. Oktober, fiel er beim Sturm auf Oesel.
Ein Wort steht auch heute mahnend und verheißend übet unserer Zeit: „Leid kann tätig oder tatenmüde machen, aber sichet ist, daß das größte Leid auch die tätigsten Herzen schafft. (Ermattet nicht alles von den Heimkehrenden. Rur den Toten könnt ihr ganz vertrauen, die in euch leben, denn es ist kein Falsch an ihnen. Glaubt, die Besten unseres Volkes sind nicht gestorben, damit die Lebendigen tot feien, sondern daß di« Toten lebendig würden!" Bus dem Tod der SBelttriegstämpfer wuchs Großdeutsch, land. Ein« dieser unsterblichen Sieget war Walter Max, &
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