Seite 2 Nr. 234
Wiesbadener Tagblatt
Dienstag, 6. Oktober 1042
liche Landwirtschaft betrieben wurde. Warum? Weil es fich immer nur auf feine Einfuhren aus den Kolonien verlassen hatte. Weder für die Truppe noch für die deutsche Heimat war hier viel heraus- zuziehen. Erst deutsche Organisation und deutsche Arbeit haben auch in diesem Lande Erträgnisse gebracht, wie sie unter dem eigenen Regime niemals hervorgebracht worden sind. (Beifall.)
Ich habe mir nun die Lage in den besetzten Gebieten ganz besonders scharf angesehen. Ich habe gesehen, wie die Leute in Holland in Belgien, in Frankreich, in Norwegen und Polen und überall, wo wir sonst saßen, lebten. Dabei habe ich erkannt, daß zwar öffentlich in der Propaganda hier sehr häufig von der schwierigen Ernährungslage gesprochen wurde, aber tatsächlich war es bei weitem nicht so. Zwar sind dort auch überall Marken eingesührt — auch in Frankreich. Aber das, was sie sich für die Karten holten, war nur zusätzlich; normalerweise lebten sie von Schiebungen. . „ .
Aus dieser Erkenntnis entstand bei mir ein felsenfester Ent- schluh, ein Grundsatz, an dem unverrückbar festgehalten wird; zurrst und vor allem in der Stillung des Hungers und in der Ernährung kommt das deutsche Volk. (Brausender Beifall.) «ich bin sehr dafür, datz in den von uns in Obhut genommenen und eroberten Gebieten die Bevölkerung nicht Hunger leidet. Wenn aber durch Maßnahmen des Gegners Schwierigkeiten in der Ernährung auf- trcten, dann sollen es alle wissen: Wenn gehungert wird, in Deutschland aus keinen Fall. (Erneuter stürmischer Beifall.)
Bon jetzt ab steht unerschütterlich fest und daran wird fesi- gehalten, datz der deutsche Arbeiter und der, der in Deutschland arbeitet, ernährungsmätzig am besten versorgt wird.
Der Einsatz in der Heimat
Aber entscheidend für den Aufbau der Ernährung bleibt immer der Einsatz des eigenen Volkes, derEinsatz in de r H e tut a t. Denn trotz aller eroberten Gebiete bleibt die Fläche der eigenen Heimat, die Ernte der eigenen Heimat das Entscheidende auch für die Versorgung der Heimat. (Erneute Beifallskundgebungen.)
Wir sind heute in der glücklichen Lage, datz die gesamte deutsche Wehrmacht, gleichgültig an welchen Fronten sie steht, aus den eroberten Gebieten allein verpflegt wird (Beifall), so dah die Heimatliche Ernte in vollem Umfange dem eigenen Volk zugesuhrt werden kann und ihr noch Zuschüsie aus den eroberten Gebieten in steigendem Matze zuslietzen, und trotzdem kommt der eigenen Arbeitan dereigenenScholle — wie ich schon sagte die größte Bedeutung zu. Und wenn ich hier dem Landvolk, dem deutschen Bauern und der Bauersfrau danke, so möchte ich eigentlich den besonderen Dank der Bauersfrau aussprechen (Stürmische Zu- stimmungskundgebungen), denn schon zu allen Zeiten hat der deutsche Bauer, der freie Bauer, es für seine besondere Ehre gehalten, daß er, wenn das Vaterland ruft, und die deutsche Scholle mit dem Blut verteidigt werden mutz, dann den Pflug weglegt, das Schwert ergreift und an die Front geht. (Starker Beifall.)
Und so steht auch heute das deutsche männliche Landvolk der deutsche Bauer in seiner überwältigenden Mehrheit mit dem Schwert in der Faust an der Front und verteidigt sein Vaterland, und die Arbeit zu Hause hat er der Frau übertragen (Bravo-Ruse und stürmische Beifallskundgebungen.) Wie sich heute unsere deutsche Landfrau abarbeiten und abrackern mutz, das kann jeder von Ihnen, meine deutschen Volksgenossen, sehen, der mit offenen Blicken durch das deutsche Land geht. Sogar die Kinder, sobald sie überhaupt etwas mithelfen können, legen schon Hand mit an, und da und dort vertritt schon der 14» bis 15jährige Landbub seinen Vater und führt den Pflug, wenn auch nicht so gut und sicher, aber trotzdem sicherlich mit um so größerer Begeisterung. Die deutsche Bauersfrau aber hat nicht nur den Hof und dar Vieh in Ordnung zu halten, sie hat auch dafür zu sorgen, daß bestellt und geerntet wird, sie ist heute zu einer wirklichen Führerin gestempelt worden. Sie hat fremde Arbeiter und Kriegsgefangene zur Hilfe erhalten, und um so stärker muh sie die Zugel selbst in die Hand nehmen und dafür sorgen, datz die Arbeit getan wird und die Zucht im Hof erhalten bleibt. So geschieht hier im stillen eine Arbeit, die wirklich bewunderswert ist, und es ist deshalb nur richtig, daß am heutigen Erntedankfest nicht nur deutsche Bauern, sondern im gleichen Maße Bauersfrauen mit Auszeichnungen vom Führer bedacht worden find. (Stürmischer Beifall.)
Wahrlich, dieser Krieg wird ja nicht nur an der Front geführt, sondern im "gleichen Matze auch in der Heimat. Wie auf dem Lande wird auch in den Fabriken und Rustungswerkstatten, bei Tage und bei Nacht, in einer, zwei oder drei Schichten ununterbrochen gearbeitet, geschweißt, gehämmert und genietet Neue Kanonen, Flugzeuge, U-Boote kommen an die Front, und alles das ist eine riesenhafte Arbeit. Gleichzeitig aber ist der deutsche Arbeiter genau wie der deutsche Bauer in der überwältigenden Masse an die Front geeilt und führt draußen den Kampf für seine Heimat. So mußte auch hier Ersatz geschaffen werden. Ersatz durch fremde Arbeiter, aus befreundeten Ländern, durch fremde Arbeiter aus neutralen Ländern und durch die Masie der Kriegsgefangenen. Und hier hat allerdings der deutsche Arbeiter und der deutsche Bauer als Kämpfer dafür gesorgt, daß genügend Ersatzmänner gestellt wurden. (Erneuter Beifall.) Die vielfach« Millionen- zahl der Kriegsgefangenen, die der deutsche Soldat gemacht Hat, spricht hier eine ganz klare Sprache; aber immerhin: soll jemand arbeiten, muß er auch zu essen haben, und so sind nun diese vielen, vielen Millionen — und wir haben allein heute schon über sechs Millionen fremder Arbeiter und über fünf Millionen Kriegsgefangene — mit zu versorgen und mit zu ernähren. Das ist eine gewaltige Zahl, und das bedeutet eben, dah trotzdem und unter allen umstanden härter gearbeitet werden muh, um dre Erzeu- gungsschlacht weiter zu steigern.
Die Erhöhung der Rationen
Ich möchte Sie nun nicht mit Zahlen langweilen Inwieweit die Rationen erhöht worden sind, wisien Sie. Ich mochte tn diesem Zusammenhang nur noch einige Dinge hier verkünden, die ebenfalls dazu beitragen sollen, den Ernährungsfaktor zu steigern. Nachdem ich jetzt die Ernte klarer überblicke, habe ich Staatssekretär Backe gebeten, in Zukunft dafür zu sorgen, daß tn b en lust- bedrohten Eebieten das Fleisch um weitere 50 Gramm erhöht wird. (Brausender Beifall.) Heute schon wird fleißig daran gearbeitet, am Weihnachtsfest dem deutschen Volke eine ganz besondere Z u l a g - an Fleisch, Mehl und hoffentlich auch anderen schönen Dingen zu geben. (Besonders stürmischer Beifall.) Aber noch eine weitere Sache kommt hinzu. Wenn sie auch klein ist, so wird sie immerhin manchem Haushalt helfen können Von fetzt ab bekommt jeder deutsche Soldat, der Urlaub hat — vom einfachen Mann bis Lum Feldmarschall — bei Merschreuen der Grenze im Auftrage des Führers e i n P a k e t. g e f $ e n 11. in dem sich ein Kilogramm Mehl, ein Kilogramm Erbsen -der Botz- nen, ein Kilogramm Zucker, ein Pfund Butter und eine große Dauerwurst befinden. (Jubelnde Beifallskundgebungen.) Dabei ist es völlig gleichgültig, ob nun der betreffende Urlauber oben von Kirkenes oder unten von Stalingrad kommt. Er bekommt dieses Paket nicht für fich, denn er braucht es nicht; denn darüber könnt Ihr beruhigt fein, meine Deutschen Volksgenossen Unsere Kampfer draußen^ bekommen voll und satt zu elfen. (Rauschender BerfallZ Und die Hoffnung, die deutsche Stotz- und Kampse-kraft dadurch zum Erliegen zu bringen, dah durch Hunger der deutsche Soldat wie «inst 1918 ausgemergelt wird, kann unser Gegner sausen lassen. (Stürmische Zustimmung.) Er soll dieses Paket den Semen zu Hause geben, wenn er auf Urlaub kommt, damit der erste llrlaubs- tag schon ein freudiger ist. (Beifall.) .. r., . ,
Leider ist auf einem wichtigen Gebiete, nämlich der Fettversorgung, noch nicht alles vollständig ausgeklügelt. Sie wissen ja, dah die gesamte deutsche Rapsernte ausgewintert ist und damit ausfällt. Aber auch hier hat In weiser Erkenntnis der deutsche Soldat diejenigen Gebiete Rußlands in die Hand genommen. die hier ben Ausgleich schaffen werden (Brausender Beifall), nämlich die fruchtbarsten Gebiete, am Kuban und am Don, wo meilenweit, so weit das Auge reicht, Sonnenblumenfeldei an Sonnenblumenfelder stehen. Das hat noch das Gute, dah das Sonnenblumenöl noch bester als unser Rapsöl ist. (Neuer Beifall.) Also auch hier hoffe ich in Kürze einen Ausgleich finden zu tonnen.
Die größte Kartoffelernte
Ich möchte aber hier noch auf etwas Besonderes aufmerksam machen: Aus einem Gebiet find wir diese, Jahr wirklich gesegnet worden. Wir haben eine Kartoffelernte, die an Aus- mah alles übertrifft, was bisher überhaupt jemals auf deutschem Boden geerntet worden ist (Brausender Beifall.) Wir haben darüber hinaus eine gute und sehr geschmackvolle Kartoffel geerntet, weil sie gut trocken herein-
Vorwärts trotz größter Geländeschwierigleilen
Die Kämpfe int Nordwestteil des Kaukasus
Berlin, 5. Okt. Im N ° rdwestteil des Kaukasus lösten am Sonntag Angriffe der Heeres- und Lustwaffenveibande einander ab. Hierbei verloren die Bolschewisten viele hartumkämpfte Stellungen. Der heftigste Kampf tobte nach Meldungen des OKW. um Bergstellungen. Aus den wie Schwalbennester an die Felswände angeklebten Häufergruppen beherrschte das Feuer der Bolschewisten das gesamte Borgelände. Durch die Granaten der Artillerie und die Bomben der Sturzkampfflugzeuge wurde dieser Stützpunkt sturmreif gemacht, von der Infanterie in zähem Kampf genommen und gegen alle Gegenangriffe des Feindes gehalten. Südlich des Terek batten die Bolschewisten das Kampfgelände mit Taufenden von Mmen verseucht. Schon beim Angriff auf Elchotowo muhten 1500 Minen aufgespürt und unschädlich gemacht werden. Auch durch Bunker, Kampf- und Panzergräben sollten die vordringenden deutschen Truppen aufgehalten werden. Alle diese Hindernisse- wurden ie- doch trotz feindlichen Widerstandes durchstoßen.
Die Luftwaffe richtete ihre Angriffe in diesem Frontabschnitt vornehmlich auf den Verkehr hinter der feindlichen Front. Durch Bombentreffer wurden 135 Lastkraftwagen vernichtet. Ihre Trümmer versperrten die schmalen EebiMstrahen, die von der ebenfalls schwer getroffenen feindlichen Flak nicht geschützt werden konnten. Die Hafenanlagen von Tuapse wurden ebenfalls stark angegriffen. Immer wieder durchbrachen Kampfund Sturzkampfflugzeuge die Sperren der bolschewistischen Flak- Artillerie und warfen ihre Bomben ins Ziel. Bei Durchführung ihrer Angriffe wurden die Kampfflugzeuge von Jägern gesichert, die acht feindliche Flugzeuge zum Absturz brachten.
Da die Bolsi^ewilten wohl erkannt haben, dah fie das Vordringen der deutschen>Truppen südlich des Terek nicht zu hemmen vermögen, versuchten sie gestern in dem Steppenland not* l i ch des Terek Kavallerie zu Entlastungsangriffen on-- zusetzen. Die Absicht wurde aber rechtzeitig erkannt. Deutsche Kampfgruppen, die aus verschiedenen Richtungen vorgingen, zerschlugen die bolschewistischen Schwadronen und machten vierhundert Gefangene. Rur versprengte Reste der feindlichen Kavallerie- Einheiten konnten fich durch überstürzte Flucht der Vernichtung entziehen.
Die Bedeutung des eroberten Elchotowo
Berlin, 5. Okt. Der von deutschen Truppen im Sturm genommene und im gestrigen Wehrmachtbericht erwähnte Ort Elchotowo liegt an der wichtigen Eisenbahnlinie Rostow- Baku. Unmittelbar hinter dem Bahnhof durchschneidet die Strecke die vom Terek in das Kabardiner - Gebirge geschnittene Tatartubskoje-Schlucht, deren steile Felswände den Bahndamm um 380 Meter überragen. Außerdem ist Elchotowo der Ausgangspunkt der 293 Kilometer langen ostetinifchen Heerstraße, dre von hier aus über Alagir, durch das Tal des Ardon und über den Mamison-Patz nach Kutais führt und neben der grusinischen Heerstraße die einzig brauchbare Lbergangsmöglichkeit über die ge
waltige Eismauer des Zentral-Kaukasus ist. Alle übrigen Pässe liegen durchweg über 3000 Meter, sind verschneit und vergletschert und in den Schluchten vom Verteidiger leicht zu sperren
Elchotowo ist Rayon-Zentrum, was etwa dem deutschen Be- griff einer Kreisstadt g5eichkommt. Die vorhandenen kleinen Industriebetriebe haben nur örtliche Bedeutung.. Eine Ausnahme bilden mehrere Konservenfabriken, in denen die rmchen Erzeug- nisie des in der Umgegend betriebenen Obst- und Gemüseanbaus verarbeitet werden.
Die Kämpfe in Stalingrad
Kühne Vorstöße deutscher Panzerverbände
Berlin. 5. Okt. Die gestrigen Kämpfe in Stalingrad standen nack den beim Oberkommando der Wehrmacht vorliegenden Meldungen im Zeichen kühner ifto6e deutscher Panzerverbände im nördlichen Stadtgebiet. Ra« Ausschaltung der feindlichen Artillerie durch Bombenangriffe der Kampf- und Sturzkamvflugzeuge rollten die deutschen Panzer und Sturmgeschütze in das Ruinenfeld bin? ein und warfen den Feind, der flüchtend Zuruckging. Auch am Stadtrand trugen deutsche Panzer ihre Angriffe vor. Sie nahmen die zu Stützpunkten ausgebauten . Anlagen eines Staatsgutes und kämpften dabei neun feindliche Panzer Tlt^bßT
Schlachtflieger und Jäger, die in Luftkämvfen sechs feindliche Flugzeuge abfchoffen.. halfen bei der Sicherung der errungenen Erfolge durch..Tiefangriffe gegen feindliche Reserven. die sich zu Gegenstößen amchickten. Weitere Kamvf- fliegerverbände griffen die Bahnstrecken am Unterlauf der Wolga mit Bomben an und vernichteten elf Material- und Betriebsstoffzüge. '________
Die japanischen Operationen bei den Salomon-Inseln
Tokio. 5. Okt. Bei einer Veranstaltung anläßlich der ..Woche für Frontsoldaten" sprach der Sprecher der Marine. Hiraide. und stellte feit, daß die Amerikaner ihr« Operationen gegen die Salomonen fortsetzten, obwohl sie dort schon zwei schwere Niederlagen erlitten
Die amerikanischen Soldaten auf diesen Inseln, so fuhr Hiraide fort, seien regelrecht' Gefangene, denen mibedinyt Nachschub gebracht werden müsse. Die lapamsche Strategie mache sich dielen Umstand zunutze, um die feindlichen Kräfte immer wieder heranzulocken und nacheinander zu vernichten. Hiraide schloß mit der Mitteilung, daß bei diesen Operationen bereits beachtliche Erfolge von den Javanern erzielt wurden.
gekommen ist. Deshalb möchte ich nun alle Volksgenossen auf« fordern, die Vorteile auch auszunutzen und sich mit Kartoffeln so reichlich zu versehen, wie sie reichlich zugeteilt werden und dafür zu sorgen, datz die Kartoffel in den eigenen Wohnungen richtig gelagert wird und nicht verfault. Und ich mutz hier ganz offen lagen: Lieber lagere ich heute meine Kartoffeln in der Guten Stube, als in einem feuchten Keller; denn die Gute Stube nutzt mir nichts, aber die gute Kartoffel im Winter nützt mir außerordentlich viel. (Heiterkeit und starker Beifall.) Es liegt am deutschen Volke selbst, dafür zu sorgen, daß dieses große Geschenk wirklich ein Geschenk bleibt und nicht umkommt. Und nun möchte ich zu den Zukunftsaussichten noch etwas sagen. Der Gegner sagte: „Ja, das alles ist nur ein Pflaster, die Stimmung ist jetzt besonders mies und schlecht gewesen und da mußte man dem deutschen Volke, bevor der strenge Winter kommt, ein Pflaster geben. (Heiterkeit.) Da kann ich nur unseren Gegnern sagen, dieses Pflaster bleibt aber während des ganzen Krieges liegen und wird noch vergrößert werden (Heiterkeit und stürmischer Beifall.) „ „
Ich würde es für ein Verbrechen halten, dem deutschen Volke heute etwas in Aussicht zu stellen, von dem ich nicht sicher weiß, daß ich es einhalten kann (Starker Beifall) und deshalb kann ich sagen? Da» Schwer st e auch in der Ernährung, ist überwunden. Von heute ab wird es dauernd bester werden; denn die Gebiete mit fruchtbarer Erde besitzen wir. Es ist jetzt nur eine Frage der Organisation — und alles können sie uns nachsagen, schlechte Organisation aber nicht. Der General Wirrwarr ist nicht bei uns angestellt, sondern bei denen drüben. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)
Die Organisation des Ostraumes
Wir werden die besten Männer unseres Landvolkes als Land- wirtfchaftsführer wieder vorfchicken. Dichtauf, der kämpfenden Truppe werden fie folgen, das Land fest in die Hand nehmen und
dafür sorgen, datz Truppe und Heimat daraus verpflegt werden. Wir werden ferner dafür sorgen, datz in wirklich überzeugendem und meßbaren Ausmaß die Lebensmittel in die Heimat zuiück- fließen, baß die Heimat auch klar versteht, wie groß die deutschen Siege geworden sind. Und dazu ist eines notwendig: Daß dieser Ost raum vor allen Dingen immer weiter und umfangreicher organisiert wird. Die Rusten haben ja alles verbrannt. Wir werden alles neu aufbauen: Schlachtereien, Konservenfabriken, Marmeladenfabriken, Keksfabriken, Nudelfabriken. Eier, Butter, Mehl, das gibt es dort in einem Ausmaß, wie Sie es sich nicht vorstellen können. Wir werden dafür zu sorgen haben, daß alles richtig erfaßt und an Ort und Stelle richtig verarbeitet wild. Und ich hoffe, datz dann im nächsten Jahr eine weitere starke Erhöhung der Lebensmittelration komnit. Dann denkt daran: Das verdankt Ihr Euren deutschen Soldaten. (Stürmischer, anhalten- der Beifall?) , , ± _ w ,
Vergeht nicht, datz es die besten G e b t et e sind, die wtr den Russen fortgenommen haben. Das Sumpfgelande ist für uns uninteressant, da können sie selbst stecken bleiben. (Heiterkeit.) Wir wallten uns nicht in dieser Richtung ausdehnen, um selber draußen als Kriechtiere zu leben, sondern wir haben uns da schon richtig vorgesehen und vorerst das genommen, was zweckmäßig ist. (Starker Beifall.)
Aber, mein deutsches Volk, da mögest du eins erkennen: Wie notwendig dieser Kampf geworden ist. Es war unerträglich in der furchtbaren Lage, in der wir hausten. Das war keine Frage mehr gen Krieg und Frieden, von Blockade »der Nichtblockade. Auch im Frieden war es für die Dauer unmöglich geworden, das deutsche Volk zu ernähren, und dieser furchtbare Zustand wäre konstant geblieben. Wir mußten heraus au» der Enge, und da danken wir dem Allmächtigen, dem Führer und den tapferen Soldaten, daß sie die Enge gesprengt haben und daß nun die Weite des Raumes für das deutsche Volk geöffnet ist. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)
Gerechter Ausgleich und gerechte Verteilung
Die Ernährung ist und bleibt nun einmal die Voraussetzung für das Leben eines Volkes; denn ohne Nahrung kann ein Volk nicht leben, und erst auf der Basis der Ernährung kann man alles andere aufbauen. Wir, die den Weltkrieg mit- gemacht haben, haben das ja erlebt. Wir kennen das ja, was Hunger bedeutet. Diese surchtbaren Steckrübenwinter usw. sind uns ja wohl alle noch in Erinnerung und sollten sie vergesten fern, so bitte ich Sie, sich manchmal daran zu erinnern, unb bann den Unterschieb zwilchen bamals unb heute umso besser feststellen zu können. (Lebhafte Zustimmung.) Bedenken Sie vor allen Dingen, daß heute auch für einen gerechten Ausgleich gesorgt worden ist, und daß dieser Ausgleich auch in der Richtung der Leistungskraft geschaffen wurde, das heißt, der Schwerstarbeiter muß mehr kriegen wie der Schwerarbeiter, der Schwer- und Nachtarbeiter mehr wie der andere. Nach diesem Gesichtspunkt ist diesmal gerecht verteilt worden. Es ist so verteilt worden, daß es gar keine Rolle spielt — das darf ich aussprechen — ob der eine mehr ober weniger Geld hat, es hat jeder das Seine bekommen. Und dort wo sich Auswüchse zeigten, ist eingeschritten worden. Im allgemeinen, das muß ich sagen, ist aber auch die Haltung des deutschen Volkes eine solche gewesen, daß man nur bet wenigen asozialen und verbrecherischen Elementen hat einschreiten müssen. (Starker Beifall.) , . .
Gewiß, der Geist ist willig unb bas Fleisch ist schwach, unb da unb dort ist eben der eine oder andere sehr schwach gewesen, und so stolperten dann Leute, die sonst niemals gestrauchelt sind, über die Fallstricke dieser und jener Kriegsverordnung. Aber das ist nicht das Entscheidende, sondern dort, wo einer wirklich an der Volksernährung Sabotage im großen getrieben hat, dort mußte eingegriffen und hart zuaefaßt werden. Denn die Ernährung, wie ich eben schon sagte, ist die Voraussetzung für die Schaffenskraft des deutschen Volkes. Und daß fie gesichert wird, ist das Notwendigste von allem.
Diese Sicherung liegt natürlich nun auch in bei gerechten Verteilung. Unb bie gerechte Verteilung ist eine Frage des Vertrauens zur Autorität der Führung und bet willigen Gefolgschaft des Volkes. Dieser unangenehme Typ, diese Schieber- und Wuchergestalten, wie wir sie aus dem letzten Weltkrieg kennen, sind ja Gott fei Dank spärlich geworden, aber wo sie auftauchen, werden sie schnellstens beobachtet und sind ebenso schnell wieder weg. Denn vergesse keiner, daß in unserem Parteiprogramm drin- steht, daß für Kriegswucherer und Kriegsschieber der Galgen dasteht. Das steht in unserem Parteiprogramm und das wird auch gehalten. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Ls darf nicht mehr so fein, daß Einzelne Nutzen aus der Schwere eines Krieges ziehen, sondern der Nutzen ist nur für das gesamte Volk zu ziehen, in Erweiterung feines Raums und der Sicherung feinet Existenz.
Die Leistung des Arbeiters
Wir müssen aber heute, wo wir dankerfüllten Herzens dem Landvolk gegenübetlretcn, trotzdem auch wieder erinnern an die gewaltige L e i st u n g unseres Arbeiters, des Rüstungsarbeiters und der anderen Hunderttausend« und Millionen von Arbeitern die ebenfalls mithelfen, die Voraussetzungen zu schaffen, um eine Rüstung ju erstellen, bie um ermöglicht, weitere Siege
zu erfechten. Für diese Arbeiter ist nicht nur die Ernährung wichtig. Wenn der Kampf um das Letzte geht, brauchen sie neben ihrem Handwerkszeug auch die notwendigen Rohstoffe, die der Rüstung dienen. Dor allem sind es zwei Rohstoffe, bie genau fo grundlegend find, wie die Ernährung für bie gesamte Existenz unseres Volkes. Diese Rohstoffe find Kohlen und Eisen. Und beide Rohstoffe besitzen wir selbst in ausreichendem Maße und haben sie in ungeheurem Maße noch dazuerobert. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Wir haben also nicht nur den Bolschewiken die landwirtschaftlichen besten Gebiete abgenommen, sondern gleichzeitig damit auch die rohstofsmäßig besten Gebiete. Auch sein Eisen, seine Kohle haben wir genau so mit Beschlag belegt wie die Fruchtbarkeit seiner Felder.
Allein das Vorhandensein dieser Rohstoffe genügt nicht. Sie müssen auch gefördert werden. Sie liegen unter Tage, und es ist eine hatte und schwere Arbeit, meine deutschen Volksgenossen, unter Tage zu arbeiten, die Kohle zu brechen und das Eisen zu fördern. Beide find notwendig. Ich könnte Ihnen nun stundenlang oorlefen, was wir alles aus der Kohle machen. Es sind Dinge, die fie zum Teil nicht glauben werden. Die Kohle ist die Voraussetzung für beinahe alles, was es überhaupt gibt. Wenn wir fie zum Heizen brauchten, wäre bie Sache sehr einfach. Sie ist die Voraussetzung, daß ein guter Stahl entsteht, fie ist die Voraussetzung, daß Fliegerbenzin da ist, sie ist die Voraussetzung, daß andere hochwertige Stoffe daraus gewonnen werden und so muß, ebenso wie in der Landwirtschaft eine gewaltige Erzeugungsschlacht ftattgefunben hat unb noch weiter ftattfinben muß, eine gewaltige Erzeugungsschlacht, eine Förderungs|chlacht an Eisen unb Kohle durchgeführt werden. Und weil dem Bergarbeiter diese allerschwerste Arbeit obliegt, habe ich mich mit dem heutigen Tage entschlossen, als Beauftragter des Vierjahres- planes eine Verordnung herauszugeben, die den Bergarbeiter herausstellt unb üjm für seine gewaltige Arbeit befonbere Vorteile zusichert. (Stürmisch anhaltenber Beifall.) Ich habe bas getan in der Erkenntnis, daß an der Spitze der gesamten Kriegswirtschaft nach wie vor der deutsche Bergbau und somit der deutsche Bergmann steht. Ich habe wiederholt betont, daß der deutsche Bergmann mit seinem Lohn an der Spitze aller Berufe marschieren muß. Denn jeder andere Berus atmet mehr oder weniger freie Luft. Nur der Bergmann kriecht unten in den letzten Flöz, er kann dabei nicht stehen, oft nicht mal knien, auf dem Rücken oder Bauch liegend muß er dieses höchste und wertvollste Material zutage fördern. Das muß von allen anderen eingesehen werden, daß bie Bergmannsarbeit unter Tage — und um die handelt es sich nut — besonders belohnt werden muß. Ich will die Verordnung über die Neuregelung der Rentenversicherung im Bergbau hier nicht vorlesen, sie wird sowieso morgen in den Zeitungen stehen, bann wird der deutsche Bergmann wissen, datz sein» entfagung».
Wiesbaden« Tagblatt, Wiesbaden
>etg unb Otto Kaiser. Haupt»
Druck und Verlag: LSchellenb (Sefomtleitung: Di. Phil, habil, (djriftleitei: Fritz Günther,
