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Seite 4 Nr. 184

Wiesbadener Tagblatt

Samstag/Sonntag, 8./S. August 1942

_______Wiesbadener Nachrichten

Schnellstes Handeln ist erforderlich

Di« Schtottsammelaktion im Sau Hessen-Nassau

Sm Rahmen der vom Reichsminister für Bewaffnung und Munition zur Sicherstellung der für die deutsche Rüstung not­wendigen Eisenerzeugung angeordneten Mobilisierung von Elsenreserven ist für den Gau Hessen-Nassau die Industrie-Abteilung der Wirtschaftskammer S,8 sl en mit der örtlichen und mengenmäßigen Ermittlung des abzulicfernden Materials betraut worden. Mit Zustimmung des Gauleiters hat der Leiter der Wirtschaftskammer Hessen den Gau* amtsleiter Landeshandwerksmeifter E a m e r für den Gau Hessen- Nassau mit der Leitung der Schrottsammelaktion beauftragt.

Die Meldezettel für die Mobilisierung der Eisenreseroen sind von der Wirtschaftskammer Hessen, an die in Betracht kommenden Sndustrleflrmen bereits auf den Weg gebracht worden. Über die Snnungsverbände erhalten die eisenverarbeitenden Handwerker im Gau Hessen-Nassau die gleichen Meldezettel, die über die Landesbauernschaften auch an die landwirtschaftlichen Betriebe über 100 Hektar zum Versand kommen. In diesen Tagen beginnt die maschinelle Auswertung der Meldezettel im Lochkartenoer­fahren durch die Wirtschaftskammer Hessen. Da unter Umständen

Industriebetriebe nicht sofort in der Lage find, einen zuver- lassigen und erschöpfenden Überblick über den Eesamtumfang ihrer Eisenreserven zu gewinnen, wird der ersten Erhebung bei der Industrie eine zweite folgen, um die bei der ersten Meldung noch nicht erfaßten Eisenreseroen auch noch in die Sammelaktion ein-

Mahnung aus dem Felde

Die Heimat möge sie beherzigen

Die Postzustellung läßt auf beiden Seiten zu wünschen übrig, und unsere Ausdauer wird auf eine harte Probe gestellt, aber es kann ja nicht anders sein. Bewähren wollen wir uns doch alle."

Dies sind Sätze aus einem Feldpostbrief. Mit Tintenstift ge­schrieben, etwas verwischt, den Schenkel oder den Sattel als Unterlage, so wurden sie niedergelegt. Der Regen schlug auf das Blatt und franste die Zeilen aus. Um den gebückt Kritzelnden sind die Kameraden, und der Blick in das eine oder andere der stoppelbärtigen Gesichter gibt seinem Herzen eher einen Halt als die »eiteL fast raumlos sich an die Ferne verschenkende Ebene des Landes, über dem, immerfort in Bewegung, grauweiße Wolken ziehen. Und die Erde, diese blumenlose Erde, ist in Schlamm aufgelöst. Eranateinschläge stoßen ihre Rauchbäume nach oben und nach den Seiten.

Bewähren wollen wir uns doch alle," so schrieb ein deutscher Soldat. Und ich habe mir diesen Satz behalten. Es sind Worte ohne einen besonderen Glanz, zugegeben, aber so schlicht sie auch dastehen, sie sind doch mehr. Durch sie hin zieht sich der Marsch­tritt der deutschen Bataillone, dieser unerbittliche Herzschlag einer Zeit.

So wollen wir diesen Blick in dem Feldpostbrief eines un­bekannten Soldaten unseres Dolles, auf seine Worte, uns Ansporn und Verpflichtung sein lassen. Sm härtesten Kampfe seiner Ge­schichte steht Deutschland. Von uns in der Heimat Zurückgebliebe­nen wird weiß Gott mehr verlangt als in anderen Zeiten, aber doch wenig, blutwenig im Vergleich zu dem, was draußen zede Stunde vom Soldaten gefordert wird. e.

Bon Rostow zum Kuban

Di« neue Filmwochenschau

Die neue deutsche Wochenschau bringt einen weiteren Bericht über die Kämpfe um Rostow. Unsere Snfanterie erzwingt mit blanker Waffe den Eingang in die Stadt, in der die Sowjets ganze Häuserblocks in Festungen verwandelt haben. Sn er­bittertem Straßenkampf werden die Bolschewisten Schritt um Schritt zurückgedrängt. Die Sowjets wehren sich mit verbissener Wut. Smmer wieder gilt es, einzelne Verteidigungsnester auszu­räuchern und schwere Straßensperren niederzukämpfen. Aber es wird geschafft. Der feindliche Widerstand zerbricht an der un­erbittlichen Härte des deutschen Angriffs. Die Kriegsberichter drangen mit den ersten Wellen in die heißumkämpfte Stadt ein und fingen in vorderster Front mit ihrer Kamera Bilder ein, wie wir sie bisher nur selten zu sehen bekamen. Diese einzig­artigen Aufnahmen geben einen Begriff von der Schwere des modernen Straßenkampfes und zeigen uns zugleich aufs neue die gewaltigen Leistungen unserer Soldaten im Osten.

Nach der Einnahme von Rostow geht es über den Don den geschlagenen Sowjets nach, die vergeblich versuchen, am Unterlauf dieses Stromes eine neue Verteidigungslinie aufzurichten. Unsere Luftwaffe packt die zurückflutenden Kolonnen und trifft sie mit schweren und schwersten Bomben. Und dann wieder: das Gesicht des deutschen Soldaten. Sn einer Reihe von Großaufnahmen spricht es packend und eindringlich zu uns in der Heimat. Es ist hart und siegesgewiß. Diese Männer zerbrachen zahllose feind­liche Stellungen, zerschlugen jeden Widerstand und vernichteten die Bolschewisten, wo sie sich auch zum Kamps stellten. Nun stürmen sie weiter, siegreich nach Süden! Es geht dem Kuban entgegen!

Einleitend bringt die neue deutsche Wochenschau einen Be­richt über den Afrika-Besuch des Duce, der bei seinem unerwarteten Eintreffen in der Marmarica von den deutschen und italienischen Soldaten begeistert begrüßt wird, sowie Bilder von der El-Alamein-Front. Von Afrika führt uns die Wochen­schau bann hinauf zur W e st f r o n t. Sie wird weiter verstärkt. Die Leibstandarte ff Adolf Hitler zieht in viele Stunden langem Marsch durch Paris Eeneralfeldmarschall R u n d st e d t, der Obersehlshaber der Heeresgruppe West, grüßt die durchrückenden Verbände. An seiner Seite sieht man ff-Obergruppenführer und General der Waffen-ff Sepp Dietrich, den Kommandeur der Leibstandarte, und den Kommandierenden General eines Armeekorps.

Ein Bericht aus dem Führer-Hauptquartier zeigt Reichsarbeitsführer Hier!, den Stabschef der SD.. Viktor Lutze, und den Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Prof. Albert Speer, im Gespräch mit dem Führer. Den Reichsmarschall sieht man bei einer Besichtigung neu ge­wonnener Ostgebiete. I. P. S.

Wann mutz verdunkelt werden?

Di« SBiesba6en«r Verdunkelungszeiten

Schlechte unb nicht zeitgerechte Verdunkelung kann dem Feind Bombenziele weisen. Wir handeln richtig, wenn wir folgende Zeiten beachten:

Verdunkelung: Entdunkelung:

8. Aug. 22.08 Uhr 5.29 Uhr

9. Aug. 22.07 Uhr 5.31 Uhr

10. Aug. 22.05 Uhr 5.33 Uhr

11. Aug. 22.03 Uhr 5.34 Uhr

12. Aug. 22.01 Uhr 5.36 Uhr

Verdunkelung: Entdunkelung:

13. Aug. 21.59 Uhr 5.38 Uhr

14. Aug. 21.57 Uhr 5.39 Uhr

15. Aug. 21.55 Uhr 5.41 Uhr

16. Aug. 21.53 Uhr 5.43 Uhr

Preissenkungen im Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe. Nach einem gemeinsamen Erlaß an die Preisbildungsstellen haben der Reichskommissar für die Preisbildung und der Staatssekretär für Fremdenverkehr mit Rücksicht auf die kriegsbedingten Leistungsminderungen der Gaststätten und die veränderten Ver­hältnisse im Beherbergungsgewerbe die Nachprüfung der Preise dieser Betriebe angeordnet. Sn dem Erlaß find Richtlinien ge­geben. nach denen die Preise der Gaststätten für Speisen, Kaffee und Wein sowie die Preise der Hotels und der Pensionen für Zimmer, Tages- und Halbpenfionen und Frühstück, soweit sie den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr entsprechen, zu senken find. Das Ausmaß der Senkung bestimmen die Preisbildungsftellen, die sich dazu mit den örtlichen Vertretungen der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe in der Reichsgruppe Fremdenverkehr ins Benehmen setzen, an Hand der erwähnten Richtlinien je nach den örtlichen Verhältnissen.

Unfälle. Sn der Schiersteiner Straße zog sich eine Frau durch Sturz einen Armbruch zu. Am Bahnhofsplatz stürzte ein junger Mann so unglücklich, daß er einen Fußknöchelbruch davon- uug.

zubeziehen. Sm Rahmen der zweiten Meldezettelaktion können dann auch alle die schwierigen Fälle in der Sndustrie erfaßt werden, für die Entscheidungen seitens der Betriebsführungen nicht sofort getroffen werden können.

Das laufende Angebot der Wirtschaft an den Schrotthandel darf durch die Meldungen nicht ausgehalten werden; es ist im Gegenteil wichtig, möglichst große Mengen dem Schrotthandel so­fort zuzuführen. Bei den zu treffenden Maßnahmen ist zwischen chargierfähigem und nicht chargierfähigem Schrott zu unterscheiden, worüber der Schrotthändler Auskunft gibt. Firmen mit Bahn­anschluß müssen den chargierfähigen Schrott unverzüglich an die von ihrem Schrotthändler zu benennenden Hüttenwerke zum Ver­sand bringen. Der nicht chargierfähige Schrott soll einem Schrott­händler mit Eisenbahnanschluß zugeführt werden. Falls ein Be­trieb keinen eigenen Gleisanschluß besitzt, ist der Transport zum Schrottlager des Handels bzw. zur Versandstation in der Regel durch den Betrieb selbst auf eigenen Fahrzeugen vorzunehmen. Sst dies ausnahmsweise nicht möglich, ist mit dem Schrotthändler des Betriebes sofort eine Verständigung herbeizuführen. Über­haupt sollen sich die Firmen in allen Zweifelsfällen zunächst an ihren Schrotthändler wenden. Sn nicht zu klärenden Fällen wende man sich an die Wirtschaftskammer Hessen, Frankfurt a. M., Börse (Telefon 203 61).

Da die Aktion die für die Verkehrsabwicklung verantwort­lichen Stellen vor schwierige Aufgaben stellt, ist es notwendig, durch schnellste Disposition aller Beteiligten eine möglichst rationelle Bewältigung der anfallenden Verkehrsaufgaben zu ge­währleisten. Es kommt vor allem darauf an, die durch die ver­schiedenartigen Maßnahmen der letzten Zeit zusätzlich frei ge­wordenen Verkehrskapazitäten voll auszunutzen, bevor der saison- mäßige Bedarf der Landwirtschaft die Transportlage erneut erschwert. NSG.

EHREN ijl TAFEL

Mit dem DeutschenKreuz mGold ausgezeichnet

Dem Oberfeldwebel und Offizier-Anwärter Kurt Born wurde das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Born besuchte in Wies­baden das Gymnasium und trat siebzehnjährig als Freiwilliger in die Reichswehr ein. Er kämpfte auf fast allen Kriegsschau­plätzen und wurde bereits im vergangenen Sahre mit dem EK. I ausgezeichnet. Bei den Kämpfen im Osten wurde er ver­wundet und steht nach feiner Genesung wieder an der Front. Der Vater, Karl Born, war im Weltkrieg bei der Marine-Infanterie. Sein Sohn Heinz steht auch seit Kriegsieginn im Felde.

Mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse wurde ausgezeichnet: Unteroffizier Alfred Pocher, Wiesbaden, Wefterwaldstraße 12.

Mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse wurde ausgezeichnet: Art.-Maat Horst Schuck, Wiesbaden, Niederwaldstraße 53.

Lautsprecher aufl

Der Rundfunk am Sonntag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsprogramm: 9 Uhr Schatzkästlein, 12.40 Uhr Deutsches Volkskonzert, 16 Uhr Veranstaltung für Ver­wundete in Berlin, 18 Uhr Werke von Bach, Brahms, Schumann, 20.20 Uhr Bunte musikalische Unterhaltung. Sm Deutschland­sender: 18.10 Uhr Fröhliche Unterhaltung, 20.20 Uhr Lieder und Balladen von Loewe, 21 Uhr Schöne klassische Melodien. Am Montag hören wir im Reichsprogramm: 14.20 Uhr Neue italienische Unterhaltungs- und Tanzmusik, 15 Uhr Solistenkonzert, 17.15 Uhr Aufgelockerte Unterhaltung, 20.15 Uhr Für jeden etwas. Sm Deutschlandsender: 17.15 Uhr klassische Konzertmufik des 18. und 19. Sahrhunderts, 20.15 Uhr Kammermusik, 21 Uhr Musik großer Meister.

Am Sonntag um 11.30 Uhr iiSerträgt das Reichsprogramm ein Konzert des Städtischen Kurorchesters Wies­baden unter Leitung von Musikdirektor August Vogt.

Die heimische Bersorgungslage

Marktbeobachtung des Reichsnährstandes

Auf dem Eetreidemarkt waren die Verhältnisse gleich- bleibend. Die Kartoffelversorgung der Verbraucher ging reibungslos vor sich. Der Rationssatz wurde aus 3f4 Kilo­gramm erhöht, und der günstige Anfall an Frühkarwffeln ge­stattete die Ausgabe einer zusätzlichen Menge von 1 Kilogramm. Es waren noch Kartoffelmengen Über den Bedarf des eigenen Ge­bietes hinaus verfügbar. Selbstverständlich wurde auf eine Lager­haltung über den augenblicklichen Bedarf hinaus Bedacht ge­nommen. Die Rodung der Kartoffeln bleibt allerdings jeweils nicht ohne Beeinflussung durch die Witterung.

Von der Eemufeoersorgung kann gesagt werden, daß sie mengenmäßig befriedigt. Am stärksten ist vertreten Weißkohl, nicht ganz in gleicher Menge reichen Rotkohl, Wirsingkohl, Kohl­rabi, Bohnen, Gurken und Salat. Bei einzelnen Eemüsearten würde sich eine größere und stabilere Wärme im Witterungs­charakter sehr günstig auswirken. Außerordentlich stark ist das Verlangen nach Tomaten, wobei nicht alle Wünsche restlos zu be­friedigen sind. Es ist aber zeitbedingt, daß man sich nicht auf

v Ungedrucktes aus Alt-Nassau

Als die Mainzer mit den Wiesbadenern nicht in Frieden lebten

Sn Schierstem hatte das ehemalige St. Ferentiusstift in Bleidenstadt einen Zehnthof, der um 1683 seine Erträge nach Mainz lieferte, da das alte Ritterstift aufgehoben war. Pächter dieses Zehnthofes war in genanntem Sahre der Christoffel Bauer. Am 18. Juli, es war ein heißer Tag, führten ihn aller­lei Geschäfte nach Wiesbaden, und die damit verbundenen An­strengungen erzeugten bei der großen Hitze groben Durst, den er mit einer mehr als ausreichenden Zahl von ganzen und halben Maß Wein erfolgreich bekämpfte. Als er dann glücklich wieder im Sattel saß, fühlte er sich als Mainzer Bürger hoch erhaben über die Wiesbadener und fuchtelte mit seiner geladenen Pistole bedrohlich in der Luft herum. Da aber sein Gaul Heimweh empfand und sich ohne weiteres auf den Weg nach Schierstein machte, blieb dem Reiter keine Zeit, seine kriegerische Gesinnung irgendwie zu betätigen. Kaum war er jedoch wieder in der Schiersteiner Gemarkung, da sah er unfern des Weges auf einem ihm gehörigen Acker zwei Ochsen weiden. Die Pistolen lockern, dem Pferde die Sporen geben war das Werk eines Augenblicks, und schon krachten zwei Schüsse, von denen einer traf: ein Ochse blieb auf der Strecke liegen, der andere flüchtete, und Stoffel Bauer ritt mitWeidmannsheil" stolz und zufrieden nach Hause. Nicht so zufrieden mit diesem Ochsenjagen war der Major der Landmiliz, Friedrich Wallraben ft ein, dem die Ochsen ge­hörten. Klagend zeigte er dem Amtmann in Wiesbaden den Vor­fall an und führte aus,daß Bauer nicht nur den einen Ochsen geschossen, also daß man die Kugel auf der andern Seite hetaus- schneiden mußte, und wo er nicht daran stirbt, danach lahm und untüchtig wird, sondern auch den Knecht mit der in der Hand habenden Pistolen dermaßen geschlagen und gestoßen, daß er schwarz und blau über den Leib ist. Weswegen ihn der Kläger durch zwei Eerichtsmänner beschickt, dieses Frevels llrsach wissen und Satisfaction haben wollen. Dieser aber gibt kein gut Wort, trutzt und pocht, sagt dabei: Ja, ja, der Amtmann nehme sichs nur an, und was dergleichen Verachtungsreden mehr find".

Zur gleichen Zeit haben sich aber auch die Hofleute des Stiftes St. Peter in Mainz, welche in Kastel wohnen, eine schlimme Gewalttat erlaubt, worüber der Amtmann gleichzeitig an den Kanzlei-Direktor und die Räte in Sdstein berichtet:Unter dem Vorgeben, daß ihm Pacht vorenthalten sei, obwohl darüber bei dem Amtmann niemals Klage erhoben wurde, hat das Peter- ftift seine Kasteler Hosleute angewiesen, auf nassauischem Gebiet zu ernten. Auf dem Heßler bei Mosbach machten sie heimlich und nächtlicherweil einem Bauern drei Morgen mit Spelz ab, einem andern einen Morgen mit Korn, banden die Frucht und führten ftc in der Nacht fort."

Em schändliches Verhalten

Jeder anständige Bolksgenosse hilft der Berwaltung

Schon wiederholt sah sich die Städtische Friefhossverwaltung veranlaßt, der Öffentlichkeit Kenntnis von gemeinen Grab­schändungen zu geben und alle Friedhofsbesucher aufzufordern, ein wachsames Auge auf jene Elemente zu richten, die die Gräber ihres Blumenschmuckes berauben. Erst dieser Tage mußten wir aus Biebrich über solch schändliches Verhalten berichten. Wie wir hören, ist es nun endlich gelungen, einige dieser Frevler zu, er­mitteln. Die verhängten Geld- und Eesängnisstrasen dürften hoffentlich ihre erzieherische Wirkung nicht verfehlen. Wer so gefühllos ist und bei seinen Raubzügen nicht einmal die Ruhe der Toten zu achten weiß, hat jeden Milderungsgrund seiner Tat ver­wirkt. Seher, ohne Ansehen der Person, der beim Blstmendieb- stahl betroffen wird, hat mit seiner Bestrafung zu rechnen. Die Friedhofsbesucher werden die Aufsicht mit unterstützen und jede verdächtige Wahrnehmung dem Friedhossverwalter melden. Es muß endlich einmal hart und unerbittlich durchgegriffen werden, p.

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Einzelwünsche versteifen darf, sondern nach dem greifen muß, was der Augenblick bietet. Die Zeit der Stachel- und Sohannis- beeren ist im großen Ganzen vorüber. Inzwischen tauchen die ersten Mirabellen und Pflaumen, allerdings noch in kleinen Mengen, auf. Auch Frühbirnen treten zwischendurch in Er­scheinung.

Der Fleischbedarf kann ohne Zuschüsse gedeckt werden. Bei Rindern ergaben sich Überschüsse, die der Vorratshaltung zu­sielen. Auch die Verarbeitungsbetriebe konnten Zuteilungen er­halten, insbesondere von ÄöH>etn. Der Schweinebedarf wurde ausgeglichen. Die Qualitäten waren bei Rindern und Schweinen mittel, bei Kälbern und Schafen mittel bis gut. Die Voranmel­dungen gewährleisten eine reibungslose Versorgung in der kom­menden Woche. Bei Milch- und Milcherzeugnissen war die Bedarfsdeckung fichergestellt. Bei verschiedenen Einzelhandels- geschästen sind die drei Eier für den 39. Versorgungsabschnitt be­reits ausgegeben. Die sonst noch stattfindenden Ausgaben er­strecken sich noch über den ganzen Versorgungsabschnitt.

Der Ahnungslose

»Es ist doch nichts geschehen . . .!*

10 Uhr vormittags. Vor dem Strafrichter. Leere Bänke auf der Zuhörertribüne es ist ja nichts los!

Also Sie stehen heute vor Gericht, weil Sie an einem heißen Sonntag mit Shrem Paddelboot in einer Bucht angelegt und am bewaldeten User ein Feuer zum Abkochen angezündet haben. Rach dem Essen hatten Sie sich ausgestreckt und Zigaretten geraucht. Sn diesem Augenblick wurden Sie von dem Gendarmen gesehen, der auf Grund dieses Tatbestandes Shre Personalien zwecks An­zeige aufnahm. Gegen den hier vorgetragenen Sachverhalt haben Sie wohl nichts einzuwenden? Sie sind auch geständig!"

Herr Vorsitzender, ich möchte dazu nur etwas sagen: Sch ver­stehe gar nicht recht. Es ist doch überhaupt nichts geschehen! Kein Brand nichts ist entstanden!"

Wenn ich Sie bestrafen muß, so geschieht das deshalb, weil Sie durch Shr leichtfertiges Handeln die Gefahr eines Wald- brandes hervorgerufen haben. Allein das genügt schon. Sehen Sie sich einmal § 310 a unseres Strafgesetzbuches an.

Sa, aber den kenne ich doch garnicht."

Darauf kann ich nur erwidern: Nichtwissen schützt vor Strafe nicht. Schließlich nehmen Sie und alle diejenigen, die Shren Fall erfahren, die Lehre mit auf den Weg, daß wir stets darauf be­dacht fein müssen, unser Gut und Volksvermögen zu erhalten und vor Schaden zu bewahren, nicht erst nachher den Schuldigen zu bestrafen. Und wer so leichtfertig war wie Sie, dem Wald, dem Holz, einer unserer wichtigsten Rohstoffquellen Gefahr zu bringen, muß eben nachdrücklichst belehrt werden."

DasW. T." gratuliert. Fräulein Margarete Müller, Seerobenstraße 17, Prokuristin bei dem Vieh-Versicherungsverein Rassovia" zu Wiesbaden, feiert am Montag ihr 25jähriges Bcrufsjubiläurn Frau Elisabeth Eberius-Lotsch, Viktoria- straße 13, wird am Montag 88 Sahre alt. Sie ist körperlich rüstig und geistig sehr regsam. Fräulein Amalie Weyer, Znnmermannstraße 4, feiert am Samstag ihren 75. Geburtstag. Frau Sulianne Engelhaupt, Gartenfeldstraße 15, feiert am Montag bei voller Gesundheit ihren 80. Geburtstag.

Zur Sicherstellung der Fettversorgung von Front und Heimat muß in diesem Sahre der Slfruchtanbau gegenüber der Vorjahresanbaufläche verdoppelt werden. Der August ist der wich­tigste Monat für den ölfruchtanbau. Den höchsten Ertrag bringt Winterraps, der für jeden Betrieb zahlreiche Vorteile hat: 1. billige Aussaat, 2. ausgezeichnete Vorfrucht, 3. bessere Arbeits- vertkilung in der Ernte, 4. sicherer Anbau von Zwischenfrüchten, 5. Rücklieferung von Ölkuchen, 6. zusätzlicher Bezug von Speiseöl ohne Anrechnung aus die Fettkarte.

ISfesbaöen~T>o$6afm

Freude den verwundeten Soldaten brachten am Freitagnach­mittag die Dotzheimer Sungmädel in einem Reserve-Lazarett. Sedes Mädel hatte eine kleine Aufmerksamkeit oder Blumen mit­gebracht. Mit Singspielen, Vorträgen und lustigen Scharaden sorgten die kleinen Mädels für eine Stunde schöner Unterhaltung, die unsere verwundeten und kranken Soldaten herzlich erfreute.

Reiche Ehrungen erfuhren an ihrem goldenen Hochzeitsfest die Eheleute Schulhausmeister i. R. Christian Enders und Frau

Sn beiden Fällen hat sich der Amtmann sofort beschwerde- führend an die beiden Stistsvkrwaltungen gewandt, gegen diese gewaltsamen Tätigkeiten protestiert, das nassauische Recht zu schützen versucht und Bericht und Entschädigung begehrt. Aber man hat mich weder einer schriftlichen noch mündlichen Antwort gewürdigt, bloß stehen lassen". Darum bittet der Amtmann die Regierung in Idstein um weitere Befehle. Schon nach zehn Tagen teilt diese mit, daß Kurfürstliche Gnaden zu Mainz und auch bas Ritterstift mit biefen Ungebührlichkeiten keineswegs einoerftanben feien, aber von einem Eingreifen ihrerseits ist nicht bie Rebe. Des­halb wirb bet Amtmann angewiesen, bie Übeltäter nochmals vor- zuladen, unb wenn sie nicht erscheinen, sich auch schriftlich nicht zu einem Schabenersatz bereit erklären wobei bem Stoffel Bauer eine Entschädigung wegen bet durch die Ochsen verursachten Ver­wüstungen auf dem Acker zusteht dann sollen sie in contumaciam ordentlich verurteilt und die Ereculion angedroht werden. Für diesen Fall werden alle Gefälle, die den beiden Stiften in hiesiger Herrschaft zuftehen, mit Arrest belegt, Bis sich bte Geschädigtenbet reftitution unb bie Herrschaft bet Strafe halber erholt haben".

Sofort führt her Amtmann in Wiesbaden die gegebenen Befehle aus, und eine ganze Reihe von Pfändungen wird duich- geführt. Nun zeigt die Mainzer kurfürstliche Regierung, daß ihre Mißbilligung der Übergriffe in Schieistein und aus dem Heßler nicht so aufzufassen sei, daß sie nun der nassauischen Herrschaft ge­statte, gegen ihre Staatsangehörigen ftraftechtlich vorzugehen. Sie sieht vielmehr darin einen unbegründeten Eingriff in ihre Rechte unb anmottet mit Repressalien. Die angesehensten nassauischen Untertanen, bie in Kastel wohnten, würben verhaftet unb in Ge­wahrsam gebracht, unb bann überließ man Nassau, wie bie Sache in Orbnung kommen solle. Die Regierung in Idstein hätte am liebsten den Wiesbadener Amtmann dafür verantwortlich ge­macht, daß die Angelegenheit diese Wendung genommen hatte; aber sie hatte selbst die Pfändungen ungeordnet. Es bleibt ihr nichts übrig, denn Mainz besitzt die Macht und damit das Recht dem Amtmann zu schreiben: Da die gnäd. Herrschaft mit Kur- Mainz in Frieden _ leben will, wird dem Amtmann a n h e i rn- gestellt, das Pfandgut von den Gepfändeten a b h o l e n zu lassen, ober am Pfanbort zu übergeben ober auch in beten Haus Bringen zu lassen." Mehr konnte man jebenfalls von bet nassauischen Regierung nicht verlangen, höchstens noch ein Ent- schuldigungsschteiben unb Ersatz bei entftonbenen Kosten in einer Sache, in her bas Recht auf Seiten Nassaus war. Aber bie Wies- babenet wollten um jeben Preis mit ben Mainzern in Frieden leben. (St.-Arch. Abt. 137. IV b, 10.)n

Samstag: Verdunkelung von 22.08 Bis 5.29 llhr

Sonntag: Verdunkelung von 22.07 Bis 5.31 llhr