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Wiesbadener Tagblatt

«rat» Verlag: LScheUenbergsche Buchbruckerei, Lanaaaffe Rr. 21 (Taavlatt-Sausl f Wöchentlich in 6 AuSaaben Gricheinunasieit werktäalüb nachmittaai

Wöchentlich in 6 Ausgaben

Erscheiuungszeii werktäglich nachmittag»

Rümmer 181

Mittwoch, 5. August 1942

90. Jahrgang

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1920

Das Eichenlaub für Beerenbrock

Erfolgreicher Jagdflieger mit 102 Lnftsiegeu

Das Empire zum Basallenftaat der USA herabgesunken

Amerikanische Militärgerichtsbarkeit auf der britischen Insel

Die alte sowjetisch-zaristische Dampfwalzentaktik

Die Einheit der Kampfhandlungen an der Ostfront

Unerhörtes Bormarsch-Tempo

Die Wolga, das letzte schwache Bindeglied zwischen dem Süden und Norden der Sowjetunion

_, ?a. Berlin, 5. Aug. (Big. Drahtbericht unserer Berliner Schriftlettung.) Zwei Tatsachen kennzeichnen die Situation rm Sudabschnitt der Ostfront: der strategisch zweck­lose Wrderstand der Sowjets im groben Don- Bogen und der schnelle deutsche Vormarsch in Richtung mif das V o rfeld des Kaukasus. In dem groben Don- Bogen haben die Sowjets jetzt noch starke Panzerkräfte ein­gesetzt. so dab sich dort auch weiterhin harte Kämpfe ent­wickeln. Dabei bandelt es sich, von den Bolschewisten her ge­sehen, aber eigentlich nur um eine zwecklose Vergeudung wertvoller Menschenkräfte und Materialien, denn strategisch sind Sie Kämvfe an diesem Platz für die Entwicklung der Eesamtlage ohne Bedeutung. Was im Don-Bogen vor sich geht, schwächt eigentlich nur die Kampfkraft der Sowjet­armeen und gilt um so mehr, als in diesem Don-Bogenge- biet auch deutsche Nahkampffliegerkräfte eingesetzt sind, die die Brücken und Fährstellen des Don angegriffen haben d. b. Ziele, die im Rücken der dort kämpfenden Sowjet- truppen liegen. Der Vormarsch im Kubangebiet zeigt im Gegensatz zu diesen sowjetischen Bemühungen einen strate­gischen Plan, der durch seinen ganzen Charakter besonder« Beachtung verdient. Es ergab sich bei dem strahlenförmigen Vorgehen südlich Rostow, daß der Vormarsch des rechten deutschen Flügels auch durch den teilweise noch zähen Widerstand sowjetischer Nachhuten nicht aufgehalten werden konnte. Die vordersten deutschen Einheiten bestehen aus schnellen Verbänden des Heeres und der Waffen-ff. Die von ihnen geführten Vorstöbe und die Einnahme des Ge­ländes östlich Woroschilows! bedeutet, daß die deutschen Angriffsspitzen 150 Kilometer südlich von Salsk stehen und das Verkehrsnetz des Gegners an vielen Stellen durchschnitten und in Unordnung gebracht haben.Woro­schilows! wurde nach heftigem Häuserkampf genommen". Diese Meldung der OKW.-Berichtes läbt das Ausmaß der jüngsten deutschen Erfolge erlennen. Auf breiter Front ge­wannen die deutschen Verfolgungslämpfe ostwärts des Asowschen Meeres an Boden. Deutsche und verbündete Truppen befinden sich bereits mehr als 270 Kilometer

Berlin, 4. August. Der Führer bat dem Oberfeldwebel Veerenbrock, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ver­liehen und ihm folgendes Schreiben übermittelt:

.In dankbarer Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes rm Kampfe für dre Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 108. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes gez. Adolf Hitler."

Oberfeldwebel Hans Beerenbrock wurde am 9. April J in Datteln (Westfalen) geboren und ging im Jahre 1937, nach Beendigung seiner Schulzeit auf einem Real­gymnasium freiwillig zum Arbeitsdienst. Im darauffolgenden Jahre meldete er sich freiwillig zur Flakartillerie nach Mün­ster und kam int Jahre 1939 zur Flugzeugführerschule nach Stolv, nur der er als Jagdflieger ausgebildet wurde. Im Jahre 1941 wurde Beerenbrock zum Jagdgeschwader Mölders versetzt, dem er bis heute angehört. Der 22jäbrige Oberfeld­webel hat seine Abschüsse sämtlich im Kampf gegen die So­wjetunion errungen. Rach seinem 45. Luststeg erhielt er am 9. Oktober das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Seine her­vorragenden Erfolge errang der junge Jagdflieger besonders in den Monaten Juni und Juli dieses Jahres. Im Laufe von knapp acht Wochen brachte der an der mittleren Ostfront eingeletzte Oberfeldwebel durch Hobes fliegerisches Können und kühnen Angriffsgeist 30 bolschewistische Flug - zeuge zum Absturz. Die größte kämpferische Leistung voll­brachte Beerenbrock bei den heftigen Lustkämpfen, die sich am 1. und 2. August am mittleren Frontabschnitt der Ost­front nördlich Rschew abspielten. Im Verlauf von drei Ein­sätzen schoß er trotz ungünstiger Wetterlage am 1. August 9 Gegner ab. und errang damit seinen 94. bis 102. Luft sieg.

I land zu helfen, offiziell zu unterstreichen. Churchill fuhr so­gar ganz schweres Geschütz auf und wollte jeden, der den Amerikanern egoikttiche Ziele nachsagte, als Verräter an der Sache, Englands brandmarken. Run haben die Briten amenmnische Truppenkontingente auf der eigenen Insel und dadurch Gelegenheit, dieSelbstlosigkeit" ihrer Bundesge- nosten an Ort und Stelle zu studieren. Sie kommen dabei z-u der Feststellung daß ihr altes, eingewurzeltes Mißtrauen durchaus zu Recht bestand . ..Economist" wählt die vorsichtige Formulierung, daß die Anwesenheit größerer, amerikanischer Verbände, wegen der knappen Versorgungslage zullnzu- traglichkeiten gerührt habe. Ein amerikanischer Journalist, der eben aus England nach USA. zurückkehrte, ist wesentlich offenherziger und gesteht daß die USA.-Soldaten, die die Taschen voll Dollars hatten, die Lebensmittelge- schaftefinden Städten, tn denen sie liegen, völlig aus­gekauft hatten, In den kleineren Ortschaften sei die Bevöl- kerung dadurch ohne iede Lebensmittelreserve. Ein Zeichen E- mit der amerikanischen Selbstlosigkeit nicht weit her ist. Diese Mitteilungen bewegen aber auch, daß unsere U-Boote dem Nachschub für die USA.-Truppen schweren Abbruch tun.

daß die Engländer zugunsten des Wohlbefindens der USA.-Soldaten den Gürtel noch enger, schnallen dürfen, verlangte Washington diktatorisch wr die in l^igland stehenden Amerikaner eine eigene 1IS3I 2Ktlitargerichlsbarkeit. So etwas gab es früher nur in kolmiialen oder halbkolonialen Ländern, wie etwa in China ?'E?:Urke), mußte in der Zeit ihres Niederganges ^^"Ä"ung ihrer Souveränität hinnehmen. atärf jEnell und radikal beseitigt wurde. Das T.iUn .das ruber für sich selbst in allen Teilen der Welt, Erterritorialrechte tn Anwruch nahm, muß au" auf seine eigenen Kosten solche erniedrigende ' Zuge- fttttümine machen Das Unterhaus setzte sich zwar gegen das ..... k;, .» eh ihyi. wie ein Abgeordneter sich ausdruckte, nur die völlige K a p i t u - LokVÄÄJOi Der von Roostwelt geforderte Eesetzentzvurf wurde lchlieglich verabschiedet und damit erkannte Chiirchill und das britische Parlament an, daß das Empire zu einem Vasallenstaat der USA. herabgesunken ist.

südlich des Don-Unterlaufes. Diese in kurzer Zeit bei glühender Sommerhitze und in ständigen Kämpfen mit den Nachhuten des Feindes zurückgelegte Strecke deutet die neuen gewaltigen Marschleistungen der deutschen Infanterie an, die aber auch hier wieder wirksam von deutschen Luftstreitkräften unterstützt wurden. Worö­sch i l o w sk, etwa 290 Kilometer südöstlich von Rostow ent­fernt, trug als Bezirksstadt in Nordkaukasien während der Zarenzeit den Namen Stawropol. Sie ist Sitz verschie­dener Maschinen- und Metallverarbeitungswerke, sie hat Nahrungsmittel- und Tertilwerke, sie verarbeitet die Pro­dukte des reichen Kubangebietes. Im Kriege ist sie beson- ders wichtig als Vahnknotenvunkt. Durch eine Nebenlinie m di« Stadt mit der großen Kaukasus-Querstrecke Baku- Rostow verbunden, während eine direkte Strecke nach KrasnodarNoworossijsk führt, Angesichts der immer tritt« Der werdenden Lage im Süden der langen Front nehmen die Besorgnisse tn der Sowjetunion entsprechend zu. Dabei wird es, den englischen Sonderkorrespondenten in Moskau nicht leicht gemacht,objektiv" zu urteilen und zu berichten. Paul Wimbledon gab, offen zu. daß die Position der alliierten Berichterstatter in Moskau recht schwierig sei. Der Sonder­korrespondent der LondonerSunday Times" nimmt es auf siw. als Pessimist verschrien zu werden mit der Feststellung, daß der Krieg im Osten in sein entscheidendes Stadium ein« Jetreten sei. Er gibt, zu, daß nach den letzten Erfolgen der Deutschen nur noch ein schwaches Bindeglied zwischen den Sowretarmeen im Kaukasus und der übrigen Sowjetunion bestehe, nämlich die Wolga, bereit Schiffahrt aber seit Tagen ständig von. deutschen Stukas unterhrochen wird. Der Korrespondent schließt daraus. daßder Nachschub aus dem Süden nur noch sehr schwer die nördlichen Frontabschnitte der Sowiets erreichen kann, während sich nach seiner Mei- puno derSichen eher selbst versorgen könnte. Die Situation

Soroiets alles in allem durch die Ereignisie der letzten 48 Stunden abermals sehr viel schlechter ge- ^°Ken und noch ist keinerlei Anhaltspunkt für die Annahme ^ilöaichen, daß es den Sowiets gelingen könnte, wieder festen Fuß zu fassen.

RooseveltsKampffront" »

Von Wilhelm Ackermann

, Da. die Welt sich allgemach verwundert fragt, wo nach Mmerhin acht Monaten seit dem Eintritt der Vereinigten Staaten tn den tatsächlichen Kriegszustand das ameri- 1S V.e Kampfgeschehen bleibt, so hat man sich in Washington bemüht gefühlt, einmal alle die Stellen auszu- zablen, an denen Truppen der Vereinigten Staaten eingesetzt sind. Und da ergibt sich dann eine erstaunlich lange Liste. Schon nach dem Alphabet geordnet sieht sie folgender­maßen aus: Ägypten, Antigua. Australien. Bahama-Jnseln, Bermuda-^meln. Brasilien, China, Cuba. Costarica, Eritrea. Grönland, Guatemala, Guayana. Indien. Irland, Island. Jamaika, Labrador, Neufundland. Panama, Santa Lucia. Trinidad und Venezuela. In dieser imposanten Aufzählung sind sogar noch zwei Weltgegenden oergesien, nämlich Groß­britannien. wo nach zuverlässigen Meldungen die USA.- Luftwaffe bereits einen ganzen Flugplatz belegt hat, und Westafrika, das seit einiger Zeit militärische Gäste aus den Vereinigten Staaten beherbergt, die soeben einen Brigade- general als Kommandeur bekommen haben. Von einigen dieser interefianten Fronten wird der Durchschnittsameri- kaner nicht einmal wissen, wo sie auf der Weltkarte zu suchen sind; Antigua und Santa Lucia z. B. verlangen in dieser Hinsicht schon ausgedehntere geographische Kenntnisse. Aber wenn man sie gefunden Bat. stellt sich ihre überraschende stra­tegische Bedeutung heraus. Die britische Insel Antigua ist nämlich dem nanzösischen Guadeloupe benachbart, und Santi Lucia, ebenfalls englischer Besitz, dem ebenfalls fran­zösischen Martinique. Washington hat beide Eilande offen­bar in Verwabr genommen, um von ihnen aus rechtzeitig gegen eine Bedrohung des amerikanischen Kontinents auf« treten zu können, die von dort aus kommen könnte. Die Besetzung von Neufundland, Labrador und schließlich auch des dänischen Grönland entspringt der rührenden Sorge der USA. um das Schicksal Kanadas, denn von dort aus lasten sich besten sämtliche Seeverbinbungen über den Atlantik kontrollieren Und ähnlich ist es mit ber Schiffahrt der sudamenkamschen Lander, für deren ..Schutz" durch den gutenNachbar" die Bahamas, Cuba, Jamaika und Trini­dad ungemein interessant sind.

.Es ist natürlich nebensächlich, ob an diesen vielen und weitverstreuten Punkten auf der Weltkarte für die Bankee- ttuppen irgendeine Aussicht besteht, jemals zu fechten: ihre Hauptaufgabe ist eine ganz andere: die angebliche Kriegsmacht ber Vereinigten Staaten zu verkörpern »ber roangftens zu symbolisieren und auf diese Art spätere Kriegsgewinne gebietlicher Art im Karibischen Meer, in Südamerika,und sogar in der Arktis vorzubereiten. Äller- dings gibt, es inmitten dieser grandiosen Verzettelung der USA.-Streitkrafte auch ein paar Punkte, an denen von einem tatsächlichen Kampfeinsatz die Rede sein könnte: Australien, wo der General Mac Arthur ein verdienstvolles Kommando führt, China, wo sich das furchtbare anteri» konische Luftgeschwader mit dem bescheidenen Namen Tiger zu beschäftigen versucht, und schließlich auch Afrika und England, wo la zu Lande und in der Luft mancherlei kriegerische Abwechslung geboten wird. Und von dorther hat man denn auch schon erstaunliche Dinge über den vrak- ttschen Kriegseinsatz der wilden Männer aus der Neuen Welt erfahren. Als vor einigen Monaten der englische General Auchmleck seinen Vorstoß gegen Benghasi gemacht batte, versäumte ine amerikanische Berichterstattung nicht, einen gebührenden Verdienstanteil für die USA-Armee zu reklamieren, weil sie sich mutvoll an den Panzerschlachten beteiligt habe. Es stellte sich bann auch tatsächlich heraus, daß eine Gruppe von ganzen 15 amerikanischen Instruk­teuren. die die Engländer im Gebrauch der USA-Tanks vom Typ General Grant unterweisen sollte, mit ins ©e= feit geraten war Ob aus Vorsatz oder Versehen, blieb un= Wlart: (ebenfalls aber konnte nunmehr der heldenhafte Einsatz gitten amerikanischen Blutes nicht mehr geleugnet werden. Seitdem bat sich noch viel Bedeutsameres ereignet: an einem der nächtlichen Bombenangriffe ber englischen Lufiwaffe aui beutsche Stabte hat sich ein amerikanischer Verband beteiligt, nicht etwa nur mit Maschinen, sondern richtiggehend auch mit den dazu gehörigen Besatzungen. Das

wt Die. breite Maste der Engländer hat den Vankees von i.eher mißtraut. Sie machte aus ihrer Zurückhaltung gegenüber der USA. kaum em Geheimnis, so daß sich 12Dt. einigen Monaten gezwungen sah, die Selbstlosigkeit der amerikanischen Bemühungen. Eng-

Die glückhaften fünf Wochen, die unsere Armeen aus der Aus. gangsstellung von KurskEharkow in der reinen Ostrichtung bis nach WoroneschDonknie und in der Südrichtung bis in das Kubangebiet geführt haben, sind für Herz und Auge gleich an­ziehend. Aber sie dürfen niemals von der Erundtatsache ablenken, daß die Ostfront eine Einheit ist: eine Einheit vom nördlichen Eismeer bis zum 45. Breitengrad, an dem jetzt unsere Truppen im Kubangebiet stehen . . . jenem 45. Breitengrad, der in West- und Südeuropa Bordeaux, Turin, Mantua und Pola schneidet.

Die Ostfront zerfällt in zwei deutlich voneinander geschiedene Teile: den Teil, an dem die rasante deutsche Offensive täglich neuen Boden gewinnt; und jenen Teil, wo die deutsche Ostfront in der Abwehr steht und die sowjetische Kriegführung immer neue Ent­lastungsangriffe versucht.

Diese Entlastungsangriffe haben es durchaus in sich. Sie wer­den nach dem alten zaristisch-bolschewistischen System des Masten­einsatzes von Menschen und Material geführt. Wenn wir im Wehr­machtbericht vom 2. August lesen daß ein einziges Panzerkorps im Raum nordwestlich von Kalatsch in den wenigen Tagen vom 23. Juli bis 1. August 482, zum größten Teil schwere und schwerste Panzer vernichtete, so gibt das eine recht klare Borstellung von der Heftigkeit der sowietischen Entlastungsversuche. Ein anderes Beispiel bot bei Wehrmachtbericht vom 27. Juli mit dem Satz: In diesen schweren Abwehrkämpfen (bei Brückenkopf Woronesch) sind seit dem 10. Juli allein im Abschnitt eines Armeekorps 751 feindliche Panzer vernichtet worden."

Dabei bleibt daran zu erinnern, daß allein in den Auftakt- Schlachten des Mai allo bei der Eroberung ber Halbinsel Kertsch und während der ersten Eharkower Schlacht, bei der aus dem bekannten Offensivstoß Timojchenkos eine deutsche Einkestelung wurde, die Sowiets 1533 Panzer (sowie 3423 Geschütze und 409 198 Gefangene) verloren chatten!

Das sind Einzelzahlen, die sich zu phantastischen Ge­samtsummen addieren. Eine Gesamtaufstellung ist aus privater Hand im Augenblick unmöglich, weil sie hinter den Tat­sachen zurückbleiben muß. Der Vormarsch im Donezrevier und im Donbogen ging so schnell vor sich, daß die genauen Beute- zisfern vielleicht noch nicht einmal dem OKW. bis in die letzten Einzelheiten bekannt sind. Stichproben müsten genügen. Und sie genügen auch vollkommen, um die Grundtatsache zu veranschau­lichen, daß die sowjetische Kriegführung aus die Dampfwalz­entaktik genau so vertraut wie d»e Zaren-Generale, daß sie in ^mechanischen Größenordnungen denkt, daß sie in die jeweils augenblickliche Schlacht hineinbuttert", was sie nutbuttern" kann. Das ist bestimmt eine Verwüstung von Menschenkraft und Material. Sie wird sich schwer rächen. Aber im Augenblick haben wir bei berschirokaia natura" (ber breiten Natur) bei Mosko­witer bamit zu rechnen, baß sich bieser blinbe Masteneinsatz von Menschen unb Material noch steigert.

Denn in Moskau herrscht Alarm st immun g. Die sowjetische Presse richtet letzte Aufrufe an die Armee. Sie be­tont die Schicksalsschwere ber augenblicklichen Stunben, sie er­klärt es für absolut notwendig, daß iebet sowjetische Soldat, Offi­zier unb General, sowie jeder Zivilist im Hinterlanb sein Äußerstes tut:In ber Sowjetunion zählt heute nur noch bie Leistung für ben Krieg." Das kommunistische Parteiprioileg ist himorngeblasen.

Wir wollen biefe verzweifelten Aufrufe nicht in ben Bereich einer billigen Polemik ziehen. Sie sind burchaus natürlich. Was uns allein an ihnen interessiert, ist bet rein militärische Tatbestanb, daß bte sowjetische Kriegführung noch heftiger, noch rücksichtsloser, noch blinbwütiger Menschen unb Material ein« setzen wirb. Im eigentlichen beutschen Offensivbereich sinb ihren Anstrengungen enge Grenzen gezogen. Denn bie Verbindung zwi­schen ben sowjetischen Armeen Timoschenkos ist zerristen. Ganz anbers steht es an bem größeren Teil bet Ostfront: Von Stalin­grad-Woronesch nach Norden.

Dabei kann der Raum von Stalingrad Woronesch als Ilberaangsraum angesprschen werden. Ursprünglich war et deutsches Offensivobjekt oder schien es wenigstens zu fein; bis bann bei beiben Städten die großen Rechtsschwenkungen nach dem Süden erfolgten und die Stoßrichtungen der Schwer­punktbildungen sich verlagerten. So ist bas Donknie bort, wo es bis auf 70 Kilometer an Statingrab heranreicht, jetzt auf bet Sehne der beiben Stöbte Kalatsch unb Kljetskaja Schauplatz einer erbitterten Schlacht, bie von beiben Seiten offensiv geführt wird. Aber der fomjetifdje Wille zur Entlastung tritt seht klar

deutlich ist bas bei Woronesch, bas am 10. Juli e Offenstoziel war, bort beschränkt sich bie deutsche

auf eine Verteidigung (genau [o wie vor gerade einem Iaht bei Smolensk) und laßt die Bolschewisten anteitnen. SBeitet nördlich hat in diesem Iaht ein deutscher Vorstoß größeres Ausmaß nicht angenommen. Die deutsche Front schwing! in ihrem Grundverlauf nach Nordwesten zurück. * Sie ist so aus- gegtichen daß sie keine Winkel bildet; aber sie zeigt doch einige Halbe Ausbuchtungen. So bei O r e l an der Oka und bei Rschew an der oberen Wolga. Wiederholt sind beide Städte in ben letzten fünf Wochen als Mittelpunkte zäher Abwehrkämpfe gegen immer wiederholte starke sowjetische Angriffsversuche ge- ^?Ä^E-9ilt vom Wolchow abschnitt, wenn auch biet aus sowiet,scher Seite eine ganz andere Zielsetzung vor- waltet. Die Kampfe bei StalingradWoronesch unb bei Drei bienen gans unmittelbar bet beabsichtigten Entlastung der sowietischen Sudfront. Sie find Versuche zu Stößen in bie deutsche uI°n.I.e- Bei Rschew ist bte unmittelbare Einwirkungsmöglichkeit auf bte Südfront nicht mehr vorhanden. Hier ist die Abstcht vor- ^,ÄH°ud, dte deutsche Heerflihrung zubeschäftigen", auch die deutschen Nachichubdispositionen abzuändern und dadurch zu

Bei den immer wieder gemeldet heftigen Vorstößen der Wolchow-Front (nördlich vom Jlmen-See) ist das offenbare 3tel eine Entlastung Leningrads, bas wieder in seine Ab­sperrung zurückgesunken ist. seitdem das Eis bas Ladoga-Sees ausorach.

Also: Die deutsche Ostfront isi eine Einheit, auch wenn sie in zwei deutlich voneinander geschiedene Abschnitte zerfällt.

D. A. Hofrichter.