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Wiesbadener Tagblatt

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90. Jahrgang

Fünf Jahre Krieg in China

K.B. Am 7. Juli waren fünf Jahre verflossen, seit­dem |i(6 auf der Marco-Polo-Brücke vor Peking rener Zusammenstoß zwischen chinesischen und javanischen Truvven ereignete, der den latenten Konflikt zwischen bei­den Machten akut werden ließ. Seit dieser Zeit datieren die kriegerischen Auseinandersetzungen, auch wenn Javan in den ersten Jahren vermieden hat, diese Form der Ausein­andersetzung als Krieg zu bezeichnen. Es war ja eigentlich das erstemal in der Weltgeschichte, daß hier ein Krieg ohne Kriegserklärung ausbrach, und das ist eben nur aus den besonderen ostasiatischen Verhältnissen heraus zu verstehen. In den ersten Jahren svielten sich die javanischen Vormarsch- oewegungen. oor allem im Norden ab, und es gelang, die Nordprovinzen mit Peking autonom zu gestalten. Dann erfolgte der Angriff auf Nanking, und der chinesische Mar­schall Tschiangkaischek mußte sich nach Tschungking zurück- ziehen. In all diesen Jahren haben die Chinesen immer englisch-amerikanische Hilfe genossen, allerdings flössen diese Hilfsmittel nur tropfenweise, denn zu großzügigen Hilfs­aktionen haben sich die angelsächsischen Mächte aus purem Geiz damals nicht verstanden. Was sie damals versäumten, hat sich spater bitter gerächt, denn jetzt, wo sie den Chinesen gern helfen mochten, ist ihnen die Möglichkeit dazu ver­schlossen.

Wenn man sich fragt, warum der China-Krieg so lange dauert, so beantwortet sich diese Frage durch den Hinweis auf ten weiten chinesischen Raum und die 400 Millionen Menschen, die in diesem Raum wohnen. Japan hat nur einen Bruchteil seiner Armee im China-Konflikt eingesetzt. Japan wollte verschiedene Stützpunkte haben und es hat diesen Krieg nie als, einen Volkskrieg gegen China, sondern immer nur als einen politischen Krieg gegen Tschiangkaischek geführt. Der chinesische Raum ist eine An- gelegenheit. die zugunsten Tschungkings spricht. Von den 400 Millionen, Menschen in China find, das wird von javani- schen Kreisen la selbst zugegeben, immer noch 300 Millionen im Machtbereich des Marschalls Tschiangkaischek. Was dar chinesische Heer anlangt, so ist es im Augenblick zwar mangel­haft ausgebildet, aber die besondere Art der Kriegführung laßt immer noch weiteren chinesischen Widerstand zu. Da den Chinesen Flugzeuge in größerer Anzahl fehlen, da sie auch nicht mehr über eine brauchbare Artillerie verfügen, so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich bei einem javan i- wen Vormarsch zuruckzuziehen. Sie tauchen alsdann im Rucken der lavanischen Truppen wieder auf, da es den J<u>anern unmöglich ist, das gesamte chinesische Gebiet zu besetzen.

Nachdem nun Japan in den Krieg gegen USA. und England emgetreten war, hoffte der Marschall Tschiangkai- scher, daß ihm nun eine Atempause vergönnt würde. Diese Hoffnung aber hat schwer getrogen, denn das Staunens­werte .war, daß gerade in diesem Augenblick die Japaner auch eine überaus bemerkenswerte Offensivkraft gegen China entwickelten Im Monat Mai wurden fünf javanische Offensiven gegen China angesetzt, von denen die beiden wichtigsten die von Burma aus in Richtung auf die West- urovinz B u n n a n und die Offensive in der Provinz Tcheklang waren. Hieraus ist eine große Zangenbe- wegung entstanden, die allerdings noch nicht zum Abschluß «efubri bat Der Stoß durch Tschekiang bedeutet einen direkten Stoß gegen Tschungking, während die Offensive von Burma aus, die amerikanisch-britische Hilfe über die Burma- siraße unmöglich gemacht hat. Diese letztere Tatsache hat in Japan ,nunmehr auch die Hoffnung aufkommen lassen, daß der China-Konflikt sich seinem Ende nähert. Diese Hoffnung wird begründet durch die enormen Verluste, die Tschiangkai- t®ct erlitten hat. Japan kontrolliert heute sieben große chinesische Provinzen völlig und weitere fünf zum groben Teil. In fünf Jahren besetzten die Japaner ein Gebiet, das 2X mal so grob ist wie das Mutterland selbst und fall die Hälfte des ganzen chinesischen Raumes umfabt. Daß diese Kontrolle allerdings nicht lückenlos ist, wurde schon ein­leitend auseinandergesetzt. Nach den Worten des chinesischen Arrneesprechers verlor Tschiangkaischek rund 2,3 Millionen Tote, und mindestens ebensoviel Verwundete und Gefangene. Die ravanische Offensivaktion dauert im Augenblick noch mit unverminderter Stärke an und es sind erfreuliche Zeichen dafür vorhanden, daß, sich sehr einflubreiche chinesische Kreise letzt der Auffassung nicht, mehr verschließen, daß nur in einer chinesisch-iavanischen Einigung das Heil Osiasiens liegt.

Für Japan ist der Krieg gegen China inzwischen eine Lebensfrage geworden, denn alle javanischen Erobe- rungen im Pazifik, in Singavur und Hongkong, in Malaya nutzen nichts, wenn es nicht gelingt den China-Konflikt end­gültig auszuraumen. Das bedeutet nicht nur eine Frage der Kriegführung, sondern man hat in Javan auch erkannt, daß nunmehr eine aufbauende Periode des Krieges beginnen muß. Dabei ist allerdings immer noch das Haupt­problem zu losen, wie man, Tschiangkaischek völlig nieder- ringen kann. Es „sind nach javanischer Auffasiung sogar ge­nügend Grunde für die Annahme vorhanden, daß Tschung- king weiter kamvft selbst wenn England und Amerika völlig »erschlagen sind. Deshalb wird von japanischer Seite auch gefordert, die chinesische Nationalregieruna in Nanking zu starken und die Vernichtung Tschungkings energisch in An- grifi zu nehmen.

Eines allerdings „wird man auch in Tschungking einge- sehen haben, daß nämlich, die englisch-amerikanische Hilfe nicht zugunsten Chinas geleistet wirb, sondern weil man die Chinesen als Kampfer braucht. Die vor Kriegsausbruch betriebene anglo -amerikanische Jntrigenpoli- 111 in Ostasien hat zu einer wirtschaftlichen und politischen Versklavung Chinas gemhrt. Es ist doch eine feststehende Tatsache, daß seit dem Opium-Krieg England unausgesetzt bemüht, war. China zu einer britischen Kolonie zu machen. Die. britischen Anlagen in China sind vor Kriegsausbruch zweimal so hoch gewesen, wie diejenigen Japans. Nicht weniger als 40 v. H. des Seehandelsverkehrs in den chine­sischen Gewässern befand sich in britischen Händen und nur 35 v. H. m chinesischem Besitz. Späterhin ist dann auch Amerika auf der chinesischen Bildfläche erschienen und hat den Grundsatz der offenen Tür proklamiert und versucht, von den Philippinen aus den Einfluß auf China auszu­dehnen. Mit diesem wirtschaftlichen Druck verband sich ein politischer Druck, der dann den China-Konflikt auslöste. Auch wenn der Krieg gegen China beute noch nicht abge- schlaßen werden kann, so ift an der Gesamtlage nichts mehr zu ändern. Die javanische Vormacht st ellung besteht unangefochten und man kann nur bynen. daß bald der Tag kommt, an dem das chinesische Volk sich dieser Ein­sicht nicht mehr verschließt und zu einer friedlichen Zu­sammenarbeit bereit ist.

Mittwoch, 8. Juli 1942

Nummer 157

London bestätigt die Geleilzug-Katastrophe

Der Höllenweg der Seefahrt

Die Ausrüstung für 50000 Mann auf den Grund des Nordmeers gesunken

ne. Berlin, 8. Juli. (Eigener Drahtbericht unserer Ber­liner Schriftleitung.) Die englisch-amerikanischen Zeitun­gen können ihren Lesern nicht verschweigen, daß mit dem Übergang der deutschen Truvven über den Don sich die Lage der Sowjets noch weiter verschlechtert bat. Tatsächlich bildet ja der an den jetzt erreichten Übergangsstellen etwa 300 Metzer breite Don ein gut zu verteidigendes Hindernis. Wenn es jedoch gelang, den Flußübergang so schnell zu er­zwingen, so ist das ein neuerBeweis für den Schwung des deutschen Angriffes, ber tue deutschen Truppen 250 Kilometer weiter nach Osten führte. Die amerikanische Presse ist sehr ungehalten, daß die Sowjets nur sehr kurze Meldungen über ihre Niederlage heraus­geben. Man hülle sich in Moskau in Schweigen, so daß es unmöglich sei. sich ein klares Bild der Lage zu machen. Die nordamerikanischen Zeitungen werfen den Moskauer Macht­habern deshalb einen Mangel an Vertrauen gegen­über den Alliierten vor. Aber auch die amerikanischen Zeitungen unterstreichen ebenso wie die englischen den Ernst der Lage für die Sowjets. Man bereitet das Publikum bereits auf einen weiteren Geländegewinn der Deutschen vor und sprint deshalb auch immer wieder von der deut­schen Überlegenheit an Kriegsmaterial, ja, sogar an Men­schen, um so den anglo-amerikanischen Lesern die sowjetischen Niederlagen verständlich zu machen. So schreibt auch der militärische Mitarbeiter der „New Bork Times", man müsse neue deutsche Triumphe an der Ostfront erwarten. Hitler verzichte auf alle Sensationssiege. Er leite den Vorstoß seiner Truppen stets auf Gebiete, die ihm solide und zweifelsfreie Gewinne bringen. Natürlich fehlt es auch nicht an Beschwichtigungsversuchen, aber im ganzen genommen wird doch der Ernst der Situation für die Sowjets stark unterstrichen. Die Lage sei für die Sowjets so trübe, wie noch zu keinem Zeitpunkt in diesem Jahr, sagt der „Daily Herald".

In dem Augenblick nun in dem die Sowjets am drin­gendsten Hilfe und Unterstützung von ihren Bundesgenosien benötigen, vollzieht sich im hohen Norden die bisher größte Geleitzugkatastrophe, die an Umfang sogar noch die Kata­strophe des letzten britischen Malta-Geleites übertrifft. Wenn jetzt 28 Schiffe mit 192 000 VRT. als versenkt ge­meldet wurden, so bedeutet das eine Ladefähigkeit von mehr als einer Viertelmillion Tonnen an Kriegsmaterial. Es ist sicher, daß man die Dampfer bis zum äußersten belastet hat. um den Sowjets möglichst viel Kriegsmaterial zukommen

Weltbild-Eliese

schwächt worden. Praktisch bedeutet das, daß es Roosevelt und Churchill immer schwerer wird, ihre papiernetnen Hilfeversprechun­gen zu realisieren. Darüber wird man sich auch in Tschung­king klar sein müßen, desien Vertreter im Weißen Hause er­klärte, daß drei Millionen Chinesen „darauf brennen", die Offen­sive gegen die Japaner zu eröffnen". Sie brauchten hierfür aber mindestens 500 Flugzeuge. Die Tschungking-Leute werden ihren Tatendurst wohl oder übel auf Eis legen müßen, da für die Amerikaner keine Möglichkeit besteht, diese 500 Flugzeuge zu verschiffen. Die deutschen U-Boote werden, wie man in USA. seststellt, immer kühner und dieser Tage drang eines sogar in den stark gesicherten Hafen von Puerto Limo im Innern des Karibischen Meers ein und versenkte auf kurze Entfernung einen amerikanischen Frachter, wobei außer Besatzungsangehörigen auch 30 Dockarbeiter getötet wurden. Rach New Horker Meldungen treten seit dem 1. Juli auch wieder im Seegebiet zwischen M o - sambik und der Insel Madagaskar feindliche, zweifel­los japanische U-Boote, auf, die innerhalb weniger Tage zwei Schiffe versenkten. Jedes verlorene Schiff aber bedeutet für die USA. eine weitere Schwächung ihrer Initiative, die Unmöglich­keit, ihre Kampfkraft zur Wirkung zu bringen.

waren zur Sicherung eingesetzt worben

diesem Tage 19 Handelsschiffe mit zusammen 122 000 BRT, auf ihr Konto verbuchen, die Unterseeboote 9 Schiffe mit 70 400 BRT.

Gewaltige Mengen Kriegsmaterial, an denen amerikanische Arbeiter Wochen hindurch geschafft haben, liegen auf dem Meeres­grund. Die Sowjets sind um eine Hoffnung ärmer und die anglo-amerikanifche Handelsflotte um rund 200 000 BRT. ge­

Selbft Flugzeugträger und Schlachtschiffe

wt Es will schon etwas heißen daß sich London zu einem halben Eingeständnis der Geleitzugkatastrophe im Eismeer ent­schloßen hat. Meldete doch der britische Nachrichtendienst, daß die Admiralität zu der deutschen Sondermeldung über die Vernichtung des Geleits keine Einzelheiten bekanntgeben könne, Bis die Aktion abgeschloßen fei, weil man sonst Gefahr lause dem Feind „wertvolle Informationen" in die Hand zu spielen. Die übliche Ausrede, mit der Churchill die Bekanntgabe der Schiffs­verluste zu umgehen sucht, immerhin gibt man damit zu, daß man in der Polareis-Zone wiederum, wie vor einem Monat, eine Niederlage einstecken mutzte. Das ist mehr, als man von Churchill erwarten durfte.

In London und Washington glaubte man zweifellos, aus der letzten Konvoy-Katastrophe eine Lehre gezogen zu haben. Man gab dem Eeleitzug diesmal nicht nur zahlreiche Kreuzer, Zerstörer und Korvetten zum Schutze mit, sondern auch Flug­zeugträger, die ihrerseits durch einen Schlachtschiff­verband mit starkem Eigenschutz gesichert wurden. Man hoffte also durch den Einsatz von Jagdflugzeugen, die von den Flugzeugträgern starteten die Angriffe unserer Bomben- und Stukageschwader zu unterbinden. Eine Spekulation, die sich als völlig verfehlt erwies. Die Erfolge unserer Luftwaffe, die gegen eine verstärkte Abwehr errungen wurden, wiegen deshalb doppelt schwer. Der Einsatz so starker Sicherungskräfte zeigt aber auch, wie nötig die Sowjets das Material haben, das ihnen der riesige Eeleitzug bringen sollte. Wenn Churchill glaubt, durch Verschweigen der „Einzelheiten" uns „wertvolle Informationen" vorzuenthalten, so irrt er sich. Unsere Unter­seeboote konnten durch ihre Beobachtungen die Art der Ladung feststellen und sechs Dampfer sogar namentlich erfaßen. Lier von ihnen hatten Panzer an Bord, ein Schiff war mit Flug­zeugen und Panzern beladen, ein anderes mit Kampfwagen­teilen, Motorfahrzeugen und Munition.

Wie aus einem Bericht des OKW. hervorgeht, wurde der Eeleitzug von 38 Frachtern am 2. Juli zum ersten Male f e st g e st e l l t. Er fuhr mit geringer Eeschwindigkeit und hielt sich hart an der Grenze des Packeises. Am Nachmittag dieses Tages erfolgte der erste Angriff deutscher Kampfflugzeuge. Sie durchbrachen die Sperrkette der feindlichen Maschinen und der Flak und versenkten einen Frachter. Am 3. Juli trat schlechtes Wetter ein Die deutschen Aufklärer konnten jedoch tntt dem Geleit Fühlung halten. Am 4. Juli griffen unsere Kampfflug­zeuge, 80 Meter über dem Wasserfliegend erneut in mehreren Wellen an. Nach wenigen Minuten barst ein Handels­schiff, von zwei Bomben «getroffen, auseinander und versank. Noch drei weitere Transporter mit zusammen 21 000 BRT. wurden ver­nichtet, elf Schiffe mit Über 50 000 BRT. so schwer beschädigt, daß sie brennend mit starker Schlagseite hinter dem Geleit zurückblieben, wo sie zum Teil unseren U-Booten zum Opfer fielen. Am 5. Juli standen die feindlichen Schisse etwa 700 Kilometer nördlich Mur­mansk. Sie hatten sich bis auf 300 Kilometer ausein­andergezogen und versuchten, einzel fahrend sich durchzu­schlagen. Weitere acht Frachter wurden durch deutsche Kampfflug­zeuge versenkt, zwei Schisse mit zusammen 14 000 BRT. so schwer beschädigt, daß die Besatzungen in die Boote gingen und die Schiffe ihrem Schicksal überließen. An diesem Tage fiel auch ein ameri­kanischer Kreuzer den deutschen Bomben zum Opfer. Am 7. Juli wurden die Reste des Eeleitzuges erneut bombardiert. Ein brennen­des Handelsschiff versank nach einem Tiefangriff eines deutschen Kampfflugzeuges. Außerdem wurde ein Frachter von 7000 BRT. durch Bombenvolltreffer brennend in die Tiefe geschickt. Die Luft- waffenoerbände des Generalobersten Stumps konnten bis zu

zu laßen, nach dem Stalin immer roieber ruft. So ist es teilte Übertreibung, wenn matt feststellt, daß mit dem letzt vernichteten Geleitzug mit einem Schlag die Kriegs­rüstung für 50000 Mann versenkt wurde. Das ist für die Engländer um so schmerzlicher, als ja auch Auchinlek angesichts der schweren Verluste der 8. britischen Armee tn Ägypten nach neuem Kriegsmaterial, nach Panzern, Ge­schützen und Flugzeugen ruft. Schon früher haben englische und amerikanische Seeleute den Murmansk-Weg als den Höllenweg der Seefahrt bezeichnet. Wenn Engländer und Amerikaner dennoch einen Geleitzug von 38 Schiffen einer Größenordnung, die heute schon recht selten geworden ist. auf diesen gefahrvollen Weg schickten, einen Weg. auf dem erst vor etwa Monatsfrist ein großer Eeleitzug schwerste Verluste erlitt, so zeigt auch das, wie man in London und Washington die Lage der Sowjets beurteilt. Angesichts des Verlustes des wichtigen Rüstungszentrums Woronesch trifft die Vernichtung der englisch-amerikanischen Hilfs­sendung die Sowjets um so schwerer.

Die internationale Preße befaßt sich roeiterhin sehr ein­gehend mit den deutschen Siegesmeldungen. Mitteilungen aus den maßgebenden militärischen Kreisen Londons lassen erkennen, daß man die Situation der Sowjets um so ernster beurteilt, weil sie selbst ein so wichtiges Rüstungszentrum wie Woronesch verloren und al? weiterhin das . in Basra am Persischen Golf für die Sowiets lagernde Kriegsmaterial schleunigt nach Ägypten gebracht werden mußte. Der „Sortiere della Sera" schreibt denn auch, daß die Sowiets an einem Tag zwei Schlachten verloren haben, wobei es nicht leicht zu sagen sei, welcher größere Bedeutung zukomme, der Vernichtung des Eeleitzuges ober ber Eroberung von Woronesch. Die italienischen Blätter unterstreichen babei stark bie Bedeutung Woroneschs als Straßenknotenvunkt.

Die „P r a w b a" muß zugeben, baß bie Bolschewisten gezwungen waren, sich an einigen Stellen zurückzu- Ii e 6 e n. In einem sehr phrasenreichen Artikel versichert ie bann, daß bie sowjetischen Armeen jetzt beßer ausgerüstet eien als je. was in einem merkwürbigen Gegensatz zu ben artgesetzten Hilferufen der Sowjets nach Kriegsmaterial tebt. Das bolschewistische Blatt versichert, daß die Bolsche­wisten alles besäßen um zu siegen. Nur eines fehle der Sowjetarmee: sie habe die Handhabung der Waf­fen noch nicht gründlich erlernt. Die Soldaten aber müßten Meister ihrer Waffen werden! Auf der Suche nach einer Ausrede für die unausgesetzten Niederlagen ist man hier also zu einer, die bolschewistischen Truppen recht schwer treffenden Feststellungi gelangt. In England ist es immer die mangelhafte Ausrüstung, die schuld an den Nieder­lagen ist, bei den Sowjets die schlechte Ausbildung. Um die Anerkennung der deutschen Überlegenheit drückt man sich hier wie dort herum.