Freitag, 3. Juli 1942
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 153 Seite 3
Wiesbadener MchMten
Das Halstuch, eine nützliche Spende für den Frontsoldaten
Uber 113 000 Stück brachten Heften-Rassaus Frauen zum Versand
3m Ostfeldzug des vergangenen Sommers hat mancher Soldat die Erfahrung gemacht, daß ein weiches, seidenes Halstuch in «tie und Klaub sehr angenehm ist, denn es verhindert, daß sich der Hals an der Uniform wund scheuert. Das genügte für Tausende von Frauen, um sich der Sache anzunehmen und dafür zu sorgen, daß unseren Soldaten hier ein- Erleichterung verschafft wird. Wer nicht selbst ein Halstuch an feine Angehörigen schicken konnte, der erhielt in den letzten Wochen von spendesrohen Händen eines zur Verfügung gestellt. Soldaten, die von eigenen Angehörigen kern Halstuch erwarten konnten, erhalten es nun im Felbpostpackchen.
Im Gau Hessen-Nassau hat die NS. - Frauenschaft — Deutsches Frauenwelt in ihren Näbstuben 65 270 Halstücher aus paffenden Stoffen, die von der Bevölkerung gespendet worden waren, genäht. Insgesamt konnten 113 203 Halstücher gesammelt und verschickt werden. Die ersten Feldpostbriefe die den Empfang eines solchen Halstuches bestätigen, liefen nunmehr ein. Wir lesen: „Was doch alles unsere Frauen bedenken! Kommt da unerwartet so ein Päcklem aus meinem Heimatort. Ich öffne es und halte ein seidenes Tuch in der Hand. Was soll ich damit anfangen? Bald weih ich es: Dieses feine seidene Tuch soll ein Schutz für den Hals fein. Ich binde es sofort im und spüre seine weiche und gegen das Brennen der Haut lindernde Wirkung. Dankbar empfinde ich diese so feinsinnig ausgedachte Spende, die mich nunmehr gegen das Scheuern des schweißfeuchten Rockkragens schützt. So danke ich auch heute wieder für diese Gabe ebenso herzlich und erfreut wie für all die anderen Gaben, die stets ein Zeugnis von der Spendesreudigkeit und der Verbundenheit unserer Frauen mit dem Soldaten der Front gaben. Immer ist es etwas Neues, was die Fürsorge der Frau fiir uns ersinnt."
Wir gedenken verdienter Wiesbadener
3. Juli 1898: Heinrich Wollmerscheidt
Mit zwei Strahen unserer Stadt ist der Name dieses am 25. September 1846 in Wiesbaden geborenen Unternehmers und Baumeisters, heften Vorfahren väterlicherseits aus Nastätten stammten, verknüpft: mit der Eustav-Adolf-Strahe und der Ruh- bergstrahe. Mit der Anlage der nach Gustav Adolf Freiherr von Malapert-Neufville benannten und sich durch villenähnlich gestaltete Wohnbauten ohne Hinterhäuser auszeichnenden Strahe schuf Wollmerscheidt eine Verbindung zwischen zwei zu jener Zeit (1872) noch getrennt liegenden Vierteln, der nördlichen Vorstadt und dem Philippsberg, bis an dessen Fuh sich damals die Häuser von Wiesbaden ausdehnten. Die Anlage der Eustav-Adolf-Strahe war durch die damals erfolgte Auflassung des Freiherrn von Malapertschen Geländes möglrdj geworden. So erschloß der Baumeister Wollmerscheidt der zum Weltbad aufstrebenden Kurstadt durch einen ebenso kühnen als auch folgerichtigen Bebauungsplan ein neues Stadtviertel. Heinrich Wollmorsch e i o t, heften bescheihenes Wesen sich nicht nut hie Anrede Architekt verbat, sonhern so weit ging, haft er auch den Plan her Stahtväter der von ihm angelegten Ruhbergstrahe, einer Seitenstrahe der Platter Strahe, seinen Namen zu geben, widersprach, starb auf der Höhe seines Lebens, 51jährig; er ruht auf «em Nordfriedhof.
Aus dem Gaststatten- und Fremdengewerbe
Unhöfliche werden aus dem Beruf ausgeschieden
Zu einem geregelten Fremdenverkehr gehört auch ein höfliches Verhalten des Bedienungspersonals in den Gaststätten. Um unhöfliches Personal zu entfernen und auch künftig von einer Tätigkeit im Gaststättengewerbe fernzuhalten, sind jetzt sämtliche Arbeitsämter angewiesen worden, mit allem Nachdruck sich um die Beschaffung von Ersatzkräften für die wegen ungebührlichen Benehmens entlassenen Kräfte zu bemühen und eine Wiedereinstellung von unhöflichem Personal bei anderen Gaststättenbetrieben unter allen Umständen zu unterbinden und die berusssystematische Kennziffer in den Arbeitsbüchern abzuändern.
Bereitstellung von Wäsche in de» Beherbergungsbetrieben
Die Reichsgruppe Fremdenverkehr weist erneut darauf hin, dah es den geltenden Bestimmungen widerspricht, wenn Be- herbergungsbetriebe in einseitiger Erklärung von den Gästen das Mitbringen von Bettwäsche und Handtüchern verlangen. Die Wirtschaftsgruppe Beherbergungsgewerbe hat bereits früher fest- gestellt, dah Ausnahmegenehmlgungen für das Mitbringen von Wäsche durch die Gäste den Betrieben nur auf begründeten Antrag hin erteilt werden können. Für die bei Nichtstellung von Wasche erntretende Lcistungsverminderung ist ein Preisnachlah von 10 % des Zimmerpreises zu gewähren. Diese Regelung gilt für alle Beherbergungsbetriebe, also auch für die Privat- beherberger.
— Unfälle. Bei Waldarbeiten am Hellkundweg rutschte einem 37 Jahre alten Holzsäller die Axt ab und verletzte ihm das linke Bein erheblich. — In der Moritzstrahe kam eine Frau- beim Begehen einiger Steinstufen zu Fall und zog sich bei dem Sturz einen Armbruch zu. — In der Wehergasse fiel eine Frau so schwer, dah sie einen Knöchelbruch davontrug.
(Bärten in Jafjrfaufenöen
Die schönste Zeit unserer Gärten ist angebrochen, wenn Lenz und Sommer sich die Hände reichen. Blumen und Kräuter mischen ihre Düfte, Gemüse wird geerntet und über aller Pracht lassen die Obstbäume ihre Früchte langsam reisen. Die Arbeit von Jahrtausenden ernten wir in unseren heutigen Gartenanlagen. Jahrtausende dauernde Bemühungen um die Form des Gartens und um hie Entwicklung seiner Blumen, Gemüse unb Früchte.
Wahrscheinlich zur selben Zeit ha bet Mensch sich bie Haus- liete bienstbar machte, zog et auch Betriebene Pflanzen in bett nahen llmkieis feinet Wohnstätte unb schuf bamit bie Jbee bes Gattens. In Urzeiten wahrscheinlich nur ein Nutzbetrieb, würbe bet Garten aber mit bem Anstieg bet Kultur zu einer Erholung für ben Menschen, ein Ort, an bem er frische Lust, Ruhe unb ben schönen Anblick bet Natur genoß.
Das alte China unb bas alte Ägypten hinterließen uns einige Silber ihrer Gärten. Der Garten her Pharaonen war streng svmetrisch, rechteckig aufgeteilt unb besaß Weinlauben, Baumreihen, Wasserbecken unb Blumenbeete. Diese Gärten waren anscheinenb verhältnismäßig klein. Die Babylonier entwickelten großartige lerraftengärten unb bie hängenben Gärten ihrer Königin Semitamts gehörten zu ben sieben Weltwundern jener Zeit. Die Assyrer unb ihre Nachfolger, bie Perser, legten Naturparks an, bie sie mit zahmem Wild unb Geflügel belebten. Hier finben wir hie erste Züchtung bet Rose. Die Perser liebten ihre Gärten so fehtj baß sie sie auch im Winter nicht entbehren wollten unb so bie [eibenen Gärten schufen, bie bunten Teppiche, auf betten Gärten als Muster eingewebt waren. Berühmt waren bie Terraftenzärten bes Königs Darius unb bas (»genannte Parabies bes Königs Kyros in Saibes. Der Garten bei alten Griechen entwickelte sich aus bem umbauten, gepflasterten Hof unb blieb stets .eine streng gehaltene, mit bei Architektur oetbunbene Anlage. Di- Griechen legten jeboch schon öffentliche Gärten an, T-mpelhaine unb Gärten bei ihren sportlichen Gebäuben.
Den Höhepunkt bei Antike bilbet bet römische Garten. Er war allerbings ben Besitzenden 'vorbehalten, wurde bann aber gewaltig ausgestaltet. Bronze- unb Marmorwerke zierten ihn, Wasserkünste unb Kanäle belebten ihn. Er hatte großen Parkumfang unb war bewußt architektonisch in bie Landschaft eingebaut.
Die sich in gleicher Zeit in Ostasien entwickelten Gartenschönheiten Chinas unb Japans strebten mehl unb mehr bei reinen Natutform zu, gestalteten Lanbschaften in naturalistischem Stil in großem ober kleinstem Maßstabe.
Begünstigt butch bas gleichmäßige Klima bes »erbeten Asien unb Nordafrikas mürben die Bewohnet des islamischen Orients
Die Steuerabführung für Hauspersonal
Was ab 1. Juli zu beachten ist
Zu ben am 1. Juli in Kraft getretenen Vereinfachungen für den Steuerabzug vom Arbeitslohn weist Staatssekretär R er n- Hardt u. a. noch darauf hin, daß Anfang Juli auch bie Haus- baltsnorftänbe Lohnsteuer abzuführen haben, unb zwar diejenige Lohnsteuer, bie auf ihr Hauspersonal entfällt. Anfang Juli ist noch bie bisherige Lohnsteuertabelle anguroenben, beim es handelt sich um Lohnsteuer von Löhnen aus bet Zeit vor bem 1. Juli. 3m Laufe bes Juli wirb ben Haushaltsvorstänben ein Merkblatt zuacstellt werben. Die HaushaltsvotstLnbe werben aus biefem Merkblatt bie Beträge ersehen, bie sie von ben Löhnen für bie Zeit ab 1. Juli an Lohnsteuer einzubehalten unb zu ben vorgeschtiebenen Zeitpunkten an bas Finanzamt abzusühren haben.
Weitere Erläuterungen zur neuen Lohnfteuerregelung
Dann wirb nochmals auf bie verschiebenen Vereinfachungen aufmerksam gemacht, bie beim Lohnsteuerverfahren eintreten. Nur noch biejenigen Arbeitgeber haben ab L Juli bie einbehaltene Lohnsteuer monatlich abzuführen, bei betten bie Lohnsteuer im Monatsburchschnitt bes letzten Kalenberjahres mehr als 100 RM betragen hat. Alle anbeten, bie große Mehrzahl bet Arbeitgeber, haben bie einbehaltene Lohnsteuer nur noch talenber« vierteljährlich abzufiihren. Bisher mußten bie Arbeitgeber Lohnsteueranmelbungen abgeben. In Zukunft ist bas nicht mehr notwenbig. Das gilt auch schon Anfang Juli. Es braucht kein Arbeitgeber mehr eine Lohnsteuetanmelbung an das Finanzamt zu senden, er muß nur die in' der Vergangenheit einbehaltene Lohnsteuer in den ersten zehn Tagen des Juli an das Finanzamt abführen, und et muß auf bem Zahlungsabschnitt genau angeben bie Steuetnummet, bas Wort Lohnsteuer unb ben Zeitraum, für ben bie Lohnsteuer einbehalten worben ist. Der Verzicht auf bie Lohnsteueranmelbungen bringt neben bet erheblichen Verminbetung bes Arbeitsanfalls eine Einsparung bes Papiers unb bet Briefumschläge für 12 Millionen Slnmelbungen. Der Übergang zur vierteljährlichen Abführung bet Lohnsteuer unb bet Verzicht auf bie Lohnsteueranmeloung sind vom Standpunkt der Reichsfinanzen nur vertretbar, wenn alle Arbeitgeber die einbehaltenen Lohnsteuerbeträae zu den vorgeschriebenen Zeitpunkten pünktlich unb gewissenhaft abführen unb auf bem Zahlungsabschnitt bie Steuernummer, bas Wort Lohnsteuer unb den Zeitraum genau angeben.
— Der Rundfunk am Samstag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsproaramm: 15 Uhr „Von Blüten und Schmetterlingen", 16 Uhr „Fröhlicher Samstag-Nachmittag aus. Frankfurt a. M., 20.15 Uhr Lizzy Waldmüller singt. 21 Uhr Funkbrettl „Achtung Kurve!", 22.30 Uhr Heitere Musik. Im Deutschland sende r: 17.15 Uhr Leichte klassische Musik, 20.15 Uhr Franz Lehar dirigiert seinen „Paganini".
— Blaues Blütenmeer. Wenn man von der Sonnenbergei Stiaße aus bie gewundenen Wege zum Paulinenschlößchen hinaufsteigt, bann geht man wie buich einen Zaubergarten, jo üppig gebeiht hort bte Flora. Hachstenglige Pflanzen verfchiebenster Arten sinb in bunter Reihe angutieffen. Vor allem aber bietet bie Gejamtlage schon von bei Wilhelmstiaße aus einen märchen- haftschönen Anblick, beim bet ganze Abhang wirb gewiftetmaßen von ben intensiv-blauen Blüten bet Salbeipflanzen beheuscht.
— Die Deutsche Bühne für Bolkshygi-ne spielt am 7. Juli im Luftschutzhaus bas Schauspiel „D e r A r z t D y r a n b e t" in bem bas volksgesunbheitliche Thema bet Diphtherie behanben wirb. Wer bie Deutsche Bühne für Volkshygiene schon einmal- in einem anbeten Stück gesehen hat, weiß, baß ihm ein wirkliches künstlerisches Erlebnis b-vorsteht. Das Schauspiel hat überall tiefsten Einbmck hinterlassen unb neben bem Erleben, bas uns beste Schauspieler vermitteln, gerabe ben Eltern wertvolle Hinweise für bie Eesunberhaltung bet Kinder gegeben. Die Dichtung, bie bie Zuhörer burch bie Wucht bet Argumente unb bie spannenbe Hanblung mitreigt, vermittelt zugleich alles Wissenswerte über bas Auftreten bet Krankheit, über Erkennungsmerkmale sowie über bie notwenbig- Schutz- unb H-ilimpfung. Keine Mutter sollte versäumen, sich bieses wertvolle unb ausklärende Schauspiel anzusehen. Eintrittskarten im Vorverkauf sinb bei ben Ortsgruppen bei NSDAP, erhältlich.
— Das „SB. gratuliert. Herr Karl Metz, Stiftstraße 22, wirb am Samstag 75 Jahre alt.
— Der Allgemeine Krankenverein Wiesbaden, die älteste Krankenkaffe hier und in der Umgebung, kann in diesem Jahre auf ein 80jähriges Bestehen zurückblicken. Im Juni 1862 vollzogen 25 Männer bie ffitünbung. Das erste Statut würbe als Beilage zur Nr. 144 bes „SBiesbabenei Tagblatts", Jahrgang 1862, veröffentlicht. Der erste Vorsitzenbe war Schuhmachermeistet Gg. Schäfer, welcher biefes Amt übet 25 Iahte führte. Zweiter Vor- sitzenber wat Buchbinbermeistet Karl Schellenbetg. Um bie Gründung machten sich noch besonders verbient Kanzleirat Flinbt, Kremet, Kaufmann Bickel, Dr. A. Petfch, Jeuk unb Redakteur Röthert. Daß bie Gtünbung eines Krankenvereins ein Sebütfnis war, hatte bie starke Zunahme bet Miigliebet bewiesen. Im April 1879 würbe her Allgemeine Krankenverein als eingeschriebene Hilsskaffe Nr. 9 zugelassen. Durch biefe Zulassung war bie Mitglieberzähl aus über 1600 angewachsen. Trotz bes nichtigen Beitrages konnte bet Verein seine Miigliebet im Erkrankungsfalle weitgehenb unterstützen unb auch ben R-s-tvefonb auf eine beträchtliche Höhe ergänzen. Durch ein neues Gesetz für Versicherungswefen wat bem Verein versagt, als Etsatzkasse für versicherungspflichtige Mitglieder weiter zu bestehen. Es muhten hierdurch diese Mitglieder zur Ortskrankenkasse, bzw. zu einer Etsatzkasse beitreten, was einen großen Verlust) für den Allgemeinen Krankenverein bebeutete. Die Inflation hat auch bem Verein seinen schönen Reservefonb verschlungen, so baß von den
ausgezeichnete Eartenkünstler. Die Höf- bet Kalifen pflegten Parks, Blumen- unb Dachgärten. Das gesellige Leben spielte sich wenn irgend möglich im Garten ab. Erfahrene Gärtner veredelten Blumen und Stauden, Büsche und Bäume.
Durch die Mauren unb Sarazenen kam bie islamische Gartenkunst nach Spanien. Sizilien unb nach Indien: bie Renaissance unb bie mbischen Großmoguln übernahmen wesentliches aus bet Gartentultur bes Vorderen Orients.
Das nörbliche Europa besaß vor bem Mittelalter fast nur Nutzgärten, baute Kräuter, Gemüse unb Obst. Als Burgen unb Stäbte entstauben, entwickelte sich bet Garten. Mit Sicherheit unb Behagen kam auch her Luxus, Erbe würbe frei, um barauf Blumen unb Blütenbüsche zu pflanzen, bie Kreuzzüge brachten mit ben Heimkehrenben manche neue, schöne Pflanze ins Lanb. Die Burggärtlein, knapp an Platz, aber liebevoll gepflegt, bie Klostergärten unb bie Gärten her Bürger vor ben Stadtmauern wurden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt reicher und bunter.
Den ersten Höhepunkt aber erreichte die europäische Garten» kultur in der Renaissance. Italien war hier der Schrittmacher, und Äünftler wie Bramante unb Raffael wirkten im Vatikan unb in ben Villen bet reichen Nobile unb Patrizier bar an mit, ben Geschmack für prunkvolle Gälten unb Parks zu entwickeln. Die Umgebung Roms mit ihren malerischen Bergpartien, ihren Quellen unb alten Baumbestänben gab ben geeignetsten Rohstoff. Salb entstauben kunstvolle Wasserkünste, geschnittene Buschhecken mit Nischen unb Ausblicken, lertaftenanlagen, Alleen unb anbere Mittel herrlichster Gartenkultur. Spanien unb Frankreich übernahmen biefe Anregungen unb versuchten sie in ben Gärten unb Parks ihrer königlichen unb fürstlichen Schlösser zu überbieten. Sie Fugger brachten oiejen Stil nach Deutschland, bie Gärten her zahlreichen brutschen Resibenzen wetteiferten miteinanber im Ausbau ihrer gärtnerischen Anlagen nach neuem Stil. Salb überflügelten bie Gärten Deutschlanbs ihre Vorbilber. Namen wie Sanssouci, Nymphenburg, Pillnitz, Oliva, Schönbrunn, Seloebete errangen Weltruf. Holland wandelte diesen reichen Stil zu bürgerlicher Steifheit, Ästhetizismus gepaart mit Pedanterie.
Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts trat ein Umschwung in der Gartenkunst ein. Von England ausgehend — mit seiner Wurzel allerdings in Frankreich und im Motto „Zurück zur Natur" fußend — eroberte sich ein naturalistischer Stil bie Gälten Europas. Stark beeinflußt von ben Lanbschaftsgärten Chinas begann man nun, sich von ben kunstvoll geschnittenen unb gezogenen Hecken anzuwenben, man vermied jede Strenge und Regelmäßigkeit. Unregelmäßige Rasenflächen mit freien Busch- unb Saum» gruppen waren jetzt Haupterfordernis eines modernen Gartens. Wieder war Deutschland dem neuen Stil am förderlichsten. Die
Freizeit winkt
Siet Wochen Zeit zur Freude und Erholung
Wieder ist der von der Jugend heiß ersehnte Tag heran» gekommen: der Schulschluß vor den großen Ferien. Sie sind zwar diesmal nicht so lang wie in den Voriahren, dafür spielen aber bie Herbftferien in biefem Jahre wieder eine gewisse Rolle. Aber immerhin stehen unseren Jugenblichen vier schöne Wochen zur Verfügung, bie es recht zu nutzen gilt. Wer in ben vergangenen Monaten tüchtig gearbeitet hat — unb bas weist ja bas Schul» zeugnis aus —, her hat sich ein Anrecht auf Erholung unb <ireüberwölben, zumal ja unser» Jugend neben ihren Schulpflichten freudig überall da mit Hand anlegt, wo es gilt, kriegswichtigen Ausgaben zu bienen. Wir benfen hier nur an bie Sammlungen, zum Beispiel her Blumentöpfe, her ßinbenblüten, bes Altmaterials y. a. m., aber auch an bie Aufgaben, her sich unsere Schuljugenh freiwillig in bem Schülerwettbew-rb „Kampf im Osten" gestellt hat. Bei ungünstiger Witterung wirb sich auch tn bet Ferienzeit einmal eine ruhige Stunbe finben, in bei man ein Buch zur Hand nimmt, bas von stolzen Taten ber beutschen Geschichte tünbet. Im übrigen empfehlen wir recht viel Aufenthalt im Freien. Nur wenige werben biesmal ihre Ferien fern her Heimat verbringen können, bie Transportverhaltnisse verbieten bies. Deswegen braucht hoch niemanb auf Erholung zu verzichten, wenn wir bem Ruf unserer engeren Heimat folgen, p.
bereits 30 000 Mk. fast nichts übrig blieb. Trotzdem faßten bie Mitglieber bamals ben Beschluß, bie Kasse weiter zu führen, und Opfer zu bringen um im Krankheitsfall Arzt unb Apotheke, sowie kleinere Heilmittel zu haben. Wenn auch bie Zahl ber Mitglieber klein geworden ist, so hat der Reservefond eine ali- sehnliche Höhe erreicht, so daß auf jedes Mitglied ein Betrag von über 400 RM entfällt. Der erste Vorsitzer Johann Presber gehört bereits 50 Jahre, darunter 28 Jahre als Vorsitzer, der Schriftführer Gg. Hillesheimer über 40 Jahre und der Kassen» führer Wilh. Leher über 30 Jahre bem Vorstand an.
— Einheitliche Regelung des Trennungszuschlages für Dienstverpflichtete und Gleichgestellte. Die unterschiedliche Anrechnung ber verfchiebenartigen betrieblichen Irennungsleiftungen auf ben Trennungszufchlag, ben bie Heimatsarbeitsämter Dienstverpflichteten ober Gleichgestellten gewähren können, hat zu ungleicher Bemeffung biefes Trennungszufchlages geführt. Um bie Möglichkeit solcher Unzuträglichkeiten für bie Zukunft auszuschalten, hat ber Generalbevollmächtigte für ben Arbeitseinsatz bte Anrech- nungsbestimmungen vom 1. Juli 1942 an einheitlich geregelt. Er hat bobei ben Höchstbetrag bes Trennungszuschlags, ben bas Arbeitsamt für Dienstverpflichtete ober Gleichgestellte nunmehr unter Anrechnung aller betrieblichen Leistungen gewähren kann, im Reichsgebiet auf wöchentlich 22.40 RM, kalendertäglich 3.20 RM heraufgefetzt. Für ben Fall, baß sich vereinzelt ttbergangsbärte» ergeben sollten, hat ber Generalbevollmächtigte bie Arbeitsämter zu Ausgleichszahlungen für eine Übergangszeit ermächtigt. Für bie außerhalb bes Deutschen Reiches einschließlich bes General, qouvernements eingesetzten Dienstverpflichteten unb Gleichgestellten bleibt bie bisherige Regelung weiter bestehen, ba für sie bisher schon einheitliche Trennungsleistungen galten.
— Unfallschutz bei Wochenenhfahrten zur elterlichen Wohnung. Die Eauwaltung Heffen-Naffau bet DBF. macht auf bie Ent- scheibung I a 1604/42 bes Reichsversicherungsamtes vom 14. 2. 1942 aufmerksam, bie sich mit bet Frage von Wochenendfahrten zur elterlichen Wohnung befaßt. In dieser Entscheidung heißt es: Bei Wochenendfahrten von unverheirateten Gefolgfckaftsmitgliedern kann als Familienwohnung auch die elterliche Wohnung angesehen werden, sofern noch eine starke Verbundenheit des Versicherten mit der elterlichen Wohnung besteht, bei Versicherte gewissermaßen bie elterliche Wohnung als Familienwohnung ber» behalten hat.
— Warnung vor dem Ankauf von Lebensmittelkarten. In einer Bezirksstelle bes Frankfurter Ernährungsamtes im Stabt- teil Höchst würbe in einer bet letzten Nächte eingebtochen. Den Dieben fielen größere Mengen Lebensmittelkarten aller Art in bie Hände, bie sie wohl unter ber Hand loszuwerden versuchen. Die Kriminalpolizei warnt vor Annahme ber gestohlenen Karten und vor allem auch vor bem Ankauf ber Karten, bie möglicherweise auch auswärts in Verkehr gebracht werben.
— Wi-sbadeu-r Gerichtsurteile. Ein Frontsoldat besucht» einen früheren Arbeitskameraben unb schlief infolge Itbermübung in ber Wohnung desselben auf bem Stuhl ein. Hierbei entfiel ihm bie Brieftasche mit seinem Solb und einem höheren Gelb« betrag. Der „Fteunb" vertrank einen Teil bes Geldes und legte schließlich die Brieftasche leex im Hause des Urlaubers nieder. Vor drin Amtsrichter versuchte er bie Sache als Fundunterschlagung hinzustellen. Doch bas würbe bem vorbestraften Angeklagten nicht geglaubt. Das Gericht verurteilte ben Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von fünf Monaten wegen Diebstahl.
— Warnung vor einer Schwindlerin. In west- unb südwest- beuischen Stählen tritt eine Frau als Vertreterin von Photover- grötzerungs- unb Buchveitriebssirmen auf. Sie nimmt Bestellungen unb unberechtigte Anzahlungen entgegen. Desgleichen begeht sie Einmietebetrügereien. Als Täterin kommt bie 47jährige Maria Wagener, geb. Weisel, in Bad Kreuznach geboten, in Frage. Sic ist 1,54 Meter groß, von starker, untersetzter Figur, hat bunlelblonbe Haare unb dunkelbraune Augen, lückenhafte Zähne, dicke, eingebogene Nase unb Warze auf ber rechten Wange. Wer ist geschädigt? Beim Auftreten ber Schwindlerin Festnahme ver- anlassen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt bie Kriminalpolizei entgegen.
Freitag Verdunkelung von 22.53—1.41 Uhr
Parks von Wörlitz, Weimar, Ilmenau, von Muskam Babelsberg unb viele anbere wurden in ihrem vollendeten Stil richtung- weisenb für andere Länder.
Der heutige Gartenftil hat eine Art von Kompromiß zwischen beiden Epochen geschlossen. Wir lieben wohl ben natürlichen Gatten mit seinen Stauben- unb Buschgruppen auf Rasen, aber wir verlangen auch einen sinngemäßen Anschluß an bas Haus, bas zu biefem Gatten gehört. Unb ba hat sich als Serbinbungsglieb praktisch ber Steingarten unb bie Tetrafte -ingeführt.
3m Krieg allerdings fallen alle hemmenden Einschränkungen, der Nutzgarten ist Trumpf, bas Gemüse erobert bie Blumenbeete, bie Kartoffel ben Rasen. Unb voller Stolz berichtet eine Stabt wie Mailanb, baß aus ihren Anlagen unb Parks in biefem 3ahte nicht weniger als 1200 Doppelzentner Weizen geerntet unb ge- brofchen werden konnten! Eva Efchauwecker
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* Im Residenz-Theater Wiesbaden findet am Donnerstag, 9., unb Freitag, 10. 3uli, ein Gastspiel ber Kammerschauspielerin gilbe SB a gen et vom Burgtheatei Wien mit eigenem Ensemble in „Hebba Gabler“ von Henrik 3bsen statt.
* Gedenkausstellung für die „letzte Reckenburgerin“. Die Dichterin Louise v. Francois, geboren cm 27. 3uni 1817 in Herzberg a. b. Elster, würbe burch ben früheren lob ihres Vaters sehr halb in bie Vaterstabt ihrer Mutter, Weißenfels, verpflanzt, bas ganz ihre Heimat würbe. 3hre Eirzählungen haben auch meist Weißenfels unb feine Umgebung zum Schauplatz. Zur ehrenden Erinnerung an die Dichterin veranstaltet das Städtische Museum in Weißenfels eine kleine Ausstellung von handschriftlichen Entwürfen, Visitenkarten mit eigenhändigen Anmerkungen und Bildern aus verschiedenen Lebensaltern und Frühdrucken ihrer Werke; ferner erregen persönliche Gebrauchs- gegenftänbe bet Dichterin bas Snterefte ber zahlreichen Besucher.
* Goethe-Uraufführung in Rheydt. Die Städtischen Bühnen München-Gladbach-Rheydt brachten bie Uraufführung eines kleinen unbekannten Lustspiels von Goethe: „Die Wette". Das geist- unb reizvolle Spielchen mit musikalischer Einführung, bas Goethe vor 120 3ahren in Teplitz-Schönau geschaffen hat, empfiehlt sich befonbers für Morgenfeiern unb ähnliche Veranstaltungen. , Hein Debbede
* 40jähriges Bestehen des Reußifchen Theater. Die Spielzeit 1941/42 bes Reußifchen Theaters in Eera ging mit einer Aufführung ber „Nora" von 3bfen zu Enbe. Die Spielzeit 1942'43 wirb mit einer Aufführungswoche zum 40jährigen Bestehen bes Theaterbaues am Küchengarten eröffnet.
