Seite 4 Nr. 142
Wlegbavener TagNatt
Samstag /Sonntag. 20./21. 2uni 1942
Wiesbadener Nachrichten
Kurz vor Toresschluß
Die Altkleider- und Spinnstoffsammlung geht zu Ende
Treffe ich doch da vor kurzem eine Bekannte, komme im Verlauf des Gesprächs auf die Altkleider- und Spinnstoffsammlung zu sprechen und höre zu meinem größten Erstaunen die ahnungslose Fragen „Was ist denn das für eine Sammlung? — Ist mir noch gar nichts bekannt!"
Man sollte es nicht für möglich halten, aber tatsächlich so geschehen, nachdem die Altkleidersammlung bereits verlängert worden ist. Bestimmt gehörte diese Bekannte zu den seltenen Exemplaren, die mit geschloffenen Augen die Zeitung lesen und mit tauben Ohren Rundfunk hören, die überall ihre Rase hineinstecken — und doch nichts riechen. Sie sind nicht böswillig diese Leute. O, nein! Da ist jene Sorte voki Menschen schon schlimmer, die alles sehen und hören und sich doch nicht angesprochen fühlen. Die z. B. wissen, daß die Altkleider- und Spinnstoffsammlung 1942 kein Aprilscherz im Monat Juni ist, aber die trotzdem aus Nachläffigkeir oder gar aus Mangel an gutem Willen nicht die Türen des Kleiderschranks öffnen, die es sehr lobenswert finden, wenn der liebe Nächste etwas gibt, aber gar nicht auf den Gedanken kommen, daß auch sie selbst etwas spenden oder opfern könnten.
An sie, die wir noch nicht für hoffnungslos unverbesserlich, sondern nur für gedankenlos halten, richtet sich unser letzter Appell: Ohren aus, Herzen auf und Schränke auf, denn bald schließen die Annahmestellen ihre Pforten. Nehmt die Spenden eurer Nachbarn nicht nur zur Kenntnis, sondern seht sie auch als nacheiferungswürdiges Beispiel an: Da ist die junge be
rufstätige junge Frau von nebenan, die sich von ein paar recht brauchbaren Arbeitskleidern getrennt hat; die Hausfrau, die von ihren wenigen Schürzen noch ein« für eine Nüstungsarbeiteiin abgegeben hat; der Herr eine Treppe tiefer, der seinen Sportanzug nebst ein paar alten Kleidungsstücken mit den Worten zur Sammelstelle brachte: „Wenn ich Soldat wäre, könnte ich ihn jetzt auch nicht tragen — ein anderer Anzug machte im Kriege auch!"; der Fronturlauber vom dritten Stock, der einen Abend opferte, um seinen Kleiderschrank ausgiebig zu sichten; das alte Muttchen, das alle sorgsam gehüteten Mottenfänger und Erinnerungsstücke, an denen ihr Herz hing, heraussuchte und schon aus der Sammelstelle bekannt ist, weil sie immer noch etwas in Kästen und Truhen ausfindig macht, das ihr als alter Frau entbehrlich scheint; und die junge Untermieterin, die sich von ihrem Regenmantel trennte, denn — ein Schirm täte es auch, wie sie meinte! — Sie alle haben nicht nur Lumpen und für sie wertloses, llberflüffiges Zeug abgegeben, sondern auch manches Stück, von dem sie wiffen, daß es vorerst nicht ersetzt werden kann.
Und ihnen gegenüber stehen nur ein paar vereinzelte, die sich bisher von diesen Spenden ausgeschloffen haben, weil sie glauben, keine Zeit zu haben, einen Blick in den Schrank zu werfen oder weil sie ein paar Stücke, die schon jahrelang ungetragen auf dem Kleiderbügel hängen, noch für verwendungsfähig halten, wenn sie erst einmal gereinigt, geflickt, zertrennt, gewendet, neuzugeschnitten, genäht, gefüttert und gebügelt sind! Wollen wir doch diese Mühe mit ruhigem Gewissen der Altkleiderund Spinnstoffsammlung überlassen, die für die Reinigung jedes Kleidungsstückes Sorge trägt. Im großen lohnt sich diese Mühe, im kleinen kaum!
Also, auf zur nächsten Sammelstelle, lieber heute noch- als morgen! — Und wenn die Ausbeute so groß werden sollte, daß man sie nicht sortbewegen kann, dann schickt die Ortsgruppe der NSDAP, ihre Helfer zum Abholen, auf Wunsch mit Handwagen!
Herzblut des Sommers Nun blühen alle Rosen--r —
Ob auch die Sonne nur zögernd und mit kühlen Händen die Knospen der Rosen gestreist, ob auch die Nachte zuweilen noch empfindlich frisch waren und das Frühlicht des Tages kalt und glanzlos aussteigt, — dennoch blühen sie nun alle m rhr Blumen- schicksal hinein und öffnen mit süßem Duften ihre ichonen Kelche, sich selbst erfüllend, den Menschen zur Freüde. ,
In den Gärten, an den Zäunen, wild am Waldeshang, ,u hohen, stolzen Kronen geschnitten, zärtlich Laubenwande umspinnend und an kleinen, niedrigen Büschen und Stammen, überall blühen nun die Rosen, und ein Hauch von Wurde und Reinheit, ein Spiel von Glut und Duft, ein kurzes, leuchtendes Sommer- alück brennt in verschwenderischer Fülle aus Millionen Bluten- ° 3m Kurhausweiher spiegelt sich in stiller Ecke dort, wo das Lila der Rhododendronbüsche verblaßte, em Riesenbluten- tuff roter Rosen, von dunkel- und hellblauem Rittersporn galant flankiert. Vor der Brunnenkolonnade: rote Rosen, in den Herbert-Anlagen: rote Rosen, das Herzblut des Sommers, die Königin der Blumen, ist aufgewacht und regiert die Stunden.
Bon den anderen Bildern sei vor allem die Beisetzung des Stellvertretenden Reichsprotektors in Böhmen und Mahren, 44-Obcrgruppenführer und General der Polizei Reinhard H e y d r i ch, erwähnt. Ferner sehen wir den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten von Kallay im Fllhrerhaupl- quartier und die Rückkehr des Kapitänleutnants Creme r von der erfolgreichen Feindfahrt gegen die USA, bei der dieser kühne Kommandant trotz schwerer Beschädigung seines Bootes 34 000 BRT feindlichen Schiffsraumes auf den Meeresgrund schickte.
Zweimal Sommer
Am 22. Juni „wendet sich das Blatt"
„Das Blättchen wendet sich", sagt ein altes Sprichwort, oder auch: „Das Blatt wendet sich." Es ist wenig bekannt, daß diese Redewendung von dem. Höhepunkte des Sommers hergeleitet ist. In der Zeitspanne zwischen dem Sommerbeginn am 22. Juni und dem 1 Juli kann man bei den Laubbäumen eine interessante Naturerscheinung beobachten: sie wenden die Rückseite ihrer Blätter nach oben. Dieser Vorgang wird zugleich aus das Wetter angewendet, das nun, nach dem offiziellen Sommereinzug, hochsommerlichen Charakter annehmen soll. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, daß noch ein Unterschied besteht zwischen dem astronomischen Sommer und dem meteorologischen Sommer. Der erstere beginnt nämlich früher. Er hält seinen mit mathematischer Genauigkeit errechneten Einzug am 22. Juni und dauert bis zum 23. September. Der meteorologische Sommer hat es längst nicht so eilig. Denn der eigentliche „Hochsommer" beginnt meistens erst in der zweiten Julihälfte.
Jedenfalls pflegen wir die Monate Juni, Juli und August als „Sommermonate- zu bezeichnen. Das ist uns umso selbstverständlicher, als wir mit dem Einzug des Sommers, der Sommersonnenwende, zugleich den längsten Tag des Jahres erleben. Dem astronomischen Sommeranfang folgt die Zeit der hellen Nächte, dem längsten Tage die kürzeste Nacht, in der sogar während der Nachtstunden das Firmament von einer malten yelle erfüllt ist. Eine kurze Spanne, bis zum Ende des Monats Juni, dauert die Zeit dieser hellen Nächte an. Erst dann wendet sich auch hier das Blatt und es beginnt das allmähliche, zuerst kaum wahrnehmbare Kürzerwerden der Tage.
So merkwürdig es ist: während die Tage allmählich kürzer werden, gleiten wir erst in den richtigen Sommer hinein. Schon der Juni ist ja der erste Erntemonat, im Juli kommt sie zur vollen Entfaltung. Die Sense rauscht durch die blühenden Wiesen, und der kräftige Duft des Heus zieht weit über das Land. Nur wenige Wochen noch, dann beginnt auch die Getreideernte. Jetzt im Kriege stehen die großen Sommerferien, die binnen Kürze beginnen, ganz im Zeichen des großen Ernteeinsatzes, und die meisten unserer größeren Schulkinder sehen schon jetzt mit Erwartung und Freude den Wochen aus dem Lande entgegen, wo sie tatkräftig bei den Erntearbeiten helfen dürfen. Sie werden auch diesmal braungebrannt und mit blanken Augen von diesem Ernteeinsatz zurück- kehren.
Draußen in der Natur ist die Zeit des großen Blühens noch nicht zu Ende. Überall blüht der Holunder und sendet seinen betäubenden Dust über das Land, auch die Jasminbüsche öffnen bereits ihre Bluten, und binnen Kürze werden auch die Linden blühen und zur Ernte der duftenden Blütenbüschel einladen. Inzwischen wird das Lied der Vögel seltener, und allmählich verstummen die kleinen gefiederten Sanger — die Zeit der Liebeslieder ist vorüber, sie haben genug zu tun, um die junge Brut großzuziehen. . _.
Der Sommer hält — kalendermäßig — seinen Einzug. Wie er sich entfalten wird, weiß kein Mensch. Der merkwürdigste Sommeranfang, von dem die Chronik zu berichten weiß, ist der des Jahres 1821 gewesen: er brachte einen Schneefall wie im tiefsten Winter. Das ist zum Glück nie wieder vorgekommen. s.
Die heimische Versorgungslage
Marktbeobachtung de» Reichsnährstandes
Die Bedarfsdeckung mit Milch und Milcherzeugnissen war ausreichend sichergestellt. — In der B-richtswoche wurden auf den Abschnitt c des 37. Versorgungsabschnittes nachträglich nochmals zwei Eier aufgerufen. Es handelt sich hierbei um bulgarische Ware, die sofort zur Ausgabe gelangt ist. — An Obst waren Kirschen und Erdbeeren angeboten. — Der E e m ü fern a r k t hat sich etwas gebeffert. Die ersten Erbsen kamen auf den Markt, von denen in Kürze größere Anfuhren erwartet werden. — Roqgenmehl, Brotmehl und Weizenmehl sind reichlich angeboten. In Hafermittel und Grieß konnte die Nachfrage befriedigt werden. Die Versorgungslage auf dem Teigwarenmarkt ist ebenfalls ausreichend. — Die Versorgung der Bevölkerung mit Speise- kartoffeln wurde in der Berichtswoche ordnungsgemäß durchgeführt Der Bedarf an Vieh war an allen Plätzen des Versandgebietes sichergestellt. Die über den Bedarf hinaus vorangemeldeten und zugelaffenen Schlachttiere konnten für Herausnahmen und Umleitungen zur Verfügung gestellt werden. In der kommenden Bedarfsdeckung sind keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten.
Verdunkelung: Entdunkelung:
Verdunkelung: Entdunkelung:
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25. Juni
26. Juni
27. Juni
28. Juni
22.55 Uhr
22.55 Uhr
22.55 Uhr
22.55 Uhr
20. Juni 22.54 UI
21. Juni 22.55 Hl
22. Juni 22.55 UI
23. Juni 22.55 Ul
24. Juni 22.55 Ul
4.35 Uhr
4.36 Uhr
4.36 Uhr
4.37 Uhr
Wann muh verdunkelt werden?
Die Wiesbadener Berdunkelungszeiten
In der Beachtung der Verdunkelungsanordnungen darf kein Volksgenoffe Nachlässigkeit zeigen. Die nachfolgenden Zeiten find genau zu beachten:
— Sternschau »om 21. bis 30. Juni. Der um Mitternacht ties im 8 leuchtende helle rote Stern ist Fixstern Antares im Sternbild Skorpion, deffen Licht zu uns hundert Jahre unterwegs ist. Der gleichzeitig tief im N funkelnde helle Stern ist Fixstern K a p e l l a im Sternbild Fuhrmann, von dem das Licht vierzig Jahre zur Erde gebraucht. Der zwei Stunden vor der Sonne im ONO sich erhebende hellste Stern des Himmels ist Planet Ve n u s als Morgenstern im Steinbild Stier in 185 Millionen Kilometer Abstand.
Das „W.T." gratuliert. Ihren 75. Geburtstag begeht am Sonntag Frau Watterlohn, Bahnhofstraße 8, 1.
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Aus dem Wiesbadener Alltag
Abenteuer im Nerotal
Klein-Ilse füttert hier den Schwan. Ihm hat s das Mägdlein angetan, er läßt sich gerne füttern.
Ear viel schluckt so ein langer Hals. Ein Entlein steht's und jedenfalls wird es der Neid verbittern.
So war's schon immer, bitte sehr:
Wer brav begehrt, der kriegt auch mehr.
Daran ist nicht zu rütteln.
So birgt dies Bild vom Nerotal
auch eine nützliche Moral: Faß zu statt zu bekritteln!
Bild und Text: Sperk.
Sewastopol und Bir Hacheim
Die neue Filmwocheuscha»
Den Höhepunkt der neuen Deutschen Wochenschau bildet der Angriff auf Sewastopol. Die stärkste Festung der Welt erzittert unter dem Hagel der deutschen Bomben und Granaten. Die vom Feind besetzten Höhenstellungen sind mit dicken Rauchpilzen übersät. Immer wieder steigen gewaltige Erdsontänen zum Himmel auf. Treffer sitzt neben Treffer. Artillerie und Luftwaffe öffnen die schwersten Sperren für die vorstürmende Infanterie, die in erbitterten Kämpsen ost mit der blanken Waffe die semd- lichen Stellungen aufrollt und in kühnen Angriffen immer weiter in das außerordentlich tief gegliederte Verteidigungssystem vor Sewastopol vordringt. Auch diesmal waren die Kriegsberichter wieder über die ganze Front verteilt, drehten Aufnahmen in bett verschiedenen Artilleriestellungen, starteten mit den Kampfstafseln gegen den Feind und stürmten zusammen mit der Jnsanterie vor.
Vom südlichsten Flügel der Ostsront hinüber nach A f r r l a. Generaloberst Rommel begibt sich zu seinen Truppen an d»e Front. Motorisierte Verbände stoßen gegen das Fort Bir Hacheim, den südlichen Eckpfeiler der britischen' Stellungen, vor, Zertrümmert und zersetzt liegen britische und amerikanische Tanks neuester Bauart in der Wüste. Der Stoß der deutschen und italienischen Verhände geht weit in den Feind hinein.
Bilder aus dem alten Wiesbaden
Der Schwarze Bock als Selbstversorger
Es ist nicht leicht, sich ein klares Bild von der Einrichtung und dem Betrieb unserer Badehäuser vor 150 oder 200 Jahren zu machen. Ganz selten erhalten wir einen Einblick m das damalige Badewesen durch den Bericht eines Kursremden, wobei wir immer noch in Rechnung stellen müffen, daß er eme persönliche Meinung darstellt, die in ihrem Für oder Wider durch allerlei Zufälligkeiten bestimmt sein kann. Da sind aktenmayige Aufzeichnungen auch wenn sie keine Beschreibung des Badehauses geben wollen weit zuoerlässtger und gestatten, mit ein wenig Phantasie ein treues Bild alter Wiesbadener Badhauseinrichtungen zu rekonstruieren. Solche Unterlagen bieten uns die Akten aus Erbteilungen, die gleichzeitig auch Schlüffe au, die Kaufkraft des Geldes in jener Zeit zulaffen. Zwei unserer bekanntesten Wiesbadener Badehäuser wurden im Lause des 18. Jahrhunderts erbteilungshalber vom Stadtrat taxiert und zu diesem Zwecke em genaues Inventar der fahrenden Habe aufgestellt. Es waren das Adlerbad im Jahre 1740 und der Schwarze Bock 1780. In beiden Fällen erfolgte die Inventur in der Weije, daß die ,n jedem Raum des Hauses vorhandenen Gegenstände einzeln aufgezählt und bewertet wurden. So erfahren wir, daß das A d 1 e t - bad im Jahre 1740 zwanzig Fremdenzimmer besaß, deren Einrichtung in der Hauptsache aus Bett, Tisch und zwei Stühlen bestand In den bester ausgestatteten Zimmern befand sich vor allem ein P e r ü ck e n st o ck. Etwas reicher in der Ausstattung war der S ch w a r z e Bock, der 1780 samt Inventar auf 8000 Gulden geschätzt und unter den Freinßheimcrschen Erben verlost wurde. Die
fjaft t>u zur Altkleider- und Spinnstsfffanunlung gespendet? Ain Sonntag ist letzter Sannneltag!
— Der Rundfunk am Sonntag bringt an bemerkenswerten Sendungen im Reichsprogramm: um 11.30 Uhr Chor- und Orchestermustk, um 14.15 Uhr Szene aus Kleists „Amphytrion, um 15 Uhr Konzert mit Elfte M a y e r h o f er, um 16 Uhr „Das Münchener Kindl grüßt den Landser", um 18.10 Uhr Musik von Richard Strauß, um 20.15 Uhr Querschnitt durch die zweite und dritte Berliner Kunstwoche, um 22.30 Uhr ein fröhlicher Abend. Im Deut chlandsender: um 8 Uhr bekannte deutsche Jugendchöre, um 15.20 Uhr Violin- und Klaviermusik, um 18.45 Uhr Werke von Gerhardt Winkler, um 19 Uhr spielt das Schneiderhan-Quartett, um 20.15 Uhr Liebes» lieder-Walzer von Brahms, um 21 Uhr Querschnitte aus „Der fliegende Holländer" von Richard Wagner. Am Mo n t a g ist zu hören im R e i ch s p r o g r a m m: um 15 Uhr Schone Stimmen, um 16 Uhr Konzert, um 17.15 Uhr Bunter Melodienstrauß um 19.15 Uhr ausgewählte Unterhaltungsmusik, um 22.30 Uhr Komponisten der Gegenwart. 3m Deutschland send er: um 15.15 Uhr Heitere, Intermezzo, um 17.15 Uhr Klastische Orchestermusik, um 20.15^Uhr Kammermusik, um 21 Uhr Musik von 3oseph Haydn.
— Vorsicht bei Aufbewahrung von Waffen. Entflohene Kriegsgefangene haben sich bei ihrer Wiederergreifung wiederholt mit Waffengewalt zur Wehr gesetzt. Die Waffen hatten sie aus Jagdhütten Wochenendhäusern und ähnlichen Gebäuden entwendet. Der Reichsminister des Innern hat daher durch eine Reichspolizeiverordnung das Aufbewahren von Schuß-, Hieb- und Stichwaffen sowie von Munition in Gebäuden, die außerhalb einer geschlostenen Siedlung liegen grundsätzlich verboten und unter Strafe gestellt. In diesen Gebhuden dürfen Waffen und Munition nur noch verwahrt werden, wenn sie nicht länger als -.4 Stunden unbewohnt sind oder wenn sie unter ständiger Bewachung stehen. Es ist daher jedem Volksgenossen dringend anzuraten, Schutz-, Hieb- und Stichwaffen sowie Munition, die er bisher in Jagdhütten, Wochenendhäusern. Sommervillen und ähnlichen Gebäuden, die außerhalb einer geschlostenen Siedlung liegen, in Verwahr hatte, unverzüglich anderweitig unterzubringen.
— Wieobadener Gerichtsurteile. Die Ehefrau Anna Ch. hat im November 1941 einem Volksgenosten auf dem Marktplatz m Wiesbaden eine Tasche gestohlen welche dre Lebensmittelkarten von acht Personen enthielt und benutzte die Karten für eigenen Bedarf. Mehrere Eierkarten, die sie um die gleiche Zert angeblich auf der Straße gefunden hat, verfälschte sie, inbetn sie den Namen des berechtigten Inhabers in ihren eigenen Namen änderte, und darauf Eier bezog. Das Amtsgericht Wiesbaden verurteilte die schon wiederholt wegen Eigentumsvergehen vorbestrafte Angeklagte zu einem Jahr Gefängnis und 50 RM Geldstrafe. — Em Angeklagter, der von strafbaren Handlungen einer Ärztin, die Morphinistin war, Kenntnis erhalten hatte, forderte diese auf, ihm 250 RM für einen angeblich offenen Posten überweisen Dieser Bries kam jedoch in d,e Hande seines ArbeltgeSer^ Es blieb daher nur bei einem Erpreffungsversuch. Die Strafkammer verurteilte den einschlägig Vorbestraften zu einem 2ahr Gefängnis — Wegen Unterschlagung einer Tasche, die ihm angeblich „direkt vor die Füße geflogen" fei, verurteilte der Jugendrichter elneii Jugendlichen zu drei Wochenendkarzern und ordnete außerdem Erziehungsmaßnahmen an. *
Wiesbadener Lichtspiele
Ufa-Palast. Es gibt alte Sagen, die von der Feindschaft zweier alter Geschlechter erzählen, der durch die Liebe der beiderseitigen Kinder aus der Welt geschaffen wird. So war es schon bei Romeo und Julia, so ist es auch in der Novelle „Jolanthes Hochzeit" von Hermann Sudermann, nur daß Romeo zu einem schneidigen Ulanenleutnant und Julia zu der Tochter eines ost- elbischen Krautjunkers geworden ist, so ist es auch »n dem von Carl Frölich gedrehten neuen Film „Hochzeit auf B ä r e n h o s". Ein kleiner Krach wegen irgend einer Dummheit genügt, um die Liebesleute auseinander zu bringen, und Julia, die hier den schönen Namen Rosmitha führt, entschließt sich aus Trotz oder Verzweiflung, einen alten Knaben zu Heiraten, der zwar vor 26 Jahren bei Mars la Tour eine schneidige Attakte
Einrichtung des Zimmers Nr. 22 z. B. wird folgendermaßen ange- geben: „2 fertige EerLstbett, 1 roth und weiß fchlangelich Eouveft, 1 Unterbett, 2 Küsten, 1 Pulff, 1 Bettlade mit Stollen,1 roth- gestreifter kartunern Bettvorhang, so beyde vorhandene Setten umschließt, 1 viereckiger wachstuchbezogener Tisch, 2 mrt Kordel geflochtene Stühle, 1 eichener Lehnstuhl, 1 Spiegel mit schwarzem Rahmen."
;cn Ländereien war
Mangel an Zugvieh erklärt.
Zu dem Schwarzen Bock gehörten damals noch Acker, Wiesen und Weinberge, so daß mit dem Betrieb des Badhauses auch Ackerbau und Viehzucht verbunden war, was neben manchs unangenehmen Dingen aber auch Annehmlichkeiten und Erleichterungen für die Versorgung der Badegäste nut sich brachte. Das Inventar von 1780 macht uns mit dem Viehstand des Schwarzen Bockes bekannt. „Eine Kuh, die vordere nach dem Hojhaus zu stehend, 25 fl. Eine Kuh. die mittlere, 21 fl 1 tragbar Rmd st> nächst kalbet, 18 fl. 1 jährliches dunkelroth Rind 10 fl. 15 Alb. 1 dito mit weißem Kopf 10 fl. 15 Alb. 1 einjahr. Kalb 6 fl. 2 Schweine in der Mast 6 fl. 4 Gänse 2 fl. 2 Hahnen 10 Hühner je 5 Alb. = 2 fl. Auf dem Fruchtspeicher bzw. tn der Scheuer lagerten 9 Malter Weizen 34 fl. 15 Alb., 18 Mltr. Korn und dito Geist, 50 fl. 12 Alb. bzw. 36 fL, 2% Mltr. Hafer 3 fl., 50 Ztr. Heu 33 fl. 10 Alb., 9 Ztr. Eromrnath 3 fl. und 260 Gebund Stroh 12 fl. 15 Alb." Wie wir aus einer weiteren Eintragung in das Inventar erfahren, wurde damals in Wiesbaden auch Hopfen gezogen und zwar im Heiner. Als genauere Bezeichnung wird der Flurname „F i s ch p f a d" angegeben im Hengerffeld IHeimgarten- seid), doch laßt sich die Lage dieses Flurteils nicht mehr ermitteln. Ein Teil der zum Schwarzen Dock gehörigen damals verpachtet, woraus sich auch der Mangel an Zugvieh erklärt.
Badehaus und Viehzucht - heute eine gar nicht denkbare Verbindung, zumal am Kranzplatz; und was würden schließlich auch heute den Schwarzen Bock „zwei Schweine in der Mast oder zehn Hühner groß nützen"? —n-
Samstag: Verdunkelung von 22.54 bis 4.34 Uhr
Sonntag: Verdunkelung von 22.55 bis 4.34 Uhr
