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Seite 2 Nr. 126

Wiesbadener TagblaSt

Dienstag. 2. Juni 1942

weder bestätigt noch dementiert: aber schon ibr Auftauchen beweist, wie man in Wirklichfeit die Lage der amerikanischen Schiffahrt —. trotz aller amtlichen Neubaumärchen — beur­teilt. Denn ein solcher Entschluh bedeutet ja nicht nur den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch der süd- und mittel- amerikanischen Länder, deren letzte SoffnuM nach dem Ver­lust der gesamteürooäischen Märkte der Absatz wenigstens eines Teiles ibrer Produktionsüberschüsse nach den USA. ist. und die auch ihrerseits wieder für lebenswichtige Einfuhren derzeit fast ausschließlich auf die Vereinigten Staaten ange­wiesen sind. Das würde den braven „guten Nachbarn" tut Norden noch nicht sonderlich ans weiche Herz greifen. Aber wenn man die Jnteramerikafahrt einstellt, dann verzichtet man ja auch auf die Rohstoffzufubr aus der Mitte und dem Süden des Kontinents, die man doch nach dem Verlust der ostasiatischen Quellen nur um so dringender braucht, und um die man sich auch monatelang in Wirtschaftsverhandlungen mit den verschiedenen Staaten bemüht bat. Bolivianisches Zinn, chilenisches Kuvfer. brasilianischer Gummi, mexikani­sches und venezolanisches öl. um nur ein paar der wichtigsten Dinge zu nennen, kommen nicht durch die Luft nach den USA. geflogen: man muß sie sich schon holen, wenn man mit ihnen Krieg gegen den Dreierpakt führen will. Es gibt da nur ein entweder — oder: man entschließt sich, weiter das Risiko der Versenkungen zu laufen, indem man den Handels­verkehr nach dem Süden aufrechterhält, oder man schlägt um diese Gefahr einen Bogen, dann werden die Rohstoss- schwierigkeiten der Rüstungsindustrie in der Tat sehr bald akut werden. Und schließlich werden dann die in der Amerikafahrt gesparten Frachter auf ihren Schleich­wegen nach der Sowjetunion oder dem Vorderen Orient doch noch erwischt, und das Endergebnis ist zähnefletschende Ver­zweiflung.

Die Stalin-Orgel

Etwas non der poesievollen Soldatensprache

ff «PK. Demjenigen, der soeben vom Ersatztruppenteil ge­kommen, in irgendeinem Frontbunker sein neues Zuhause fände, würde in der ersten Zeit so gut wie gar keine Gelegenheit gegeben sein, sich an der allgemeinen Bunker-Unterhaltung zu beteiligen. Ach, was sagen wir, verstehen würde er vorerst kaum, was seine Eruppenkameraden so den lieben langen Tag und an den noch längeren Abenden, wenn sich die Staerinkerzen und Karbid- funzeln vergeblich bemühen, die dunstgeschwängerte Atmosphäre zu durchdringen, fo vor sich her brabbeln.

Schlagartig würde sich ihm erhellen, daß ihm beim Ersatz­truppenteil in der Heimatgarnison wohl eine gute Grundausbil­dung zuteil geworden wäre, daß er aber mit der dort erlernten militärisch exakten, einwandsreien und geheiligten Dienstvorschrift gemäß präzisen Soldatensprache doch in den Anfangsgründen stecken geblieben sei, ja, daß sogar das ihm mühsam eingedrillte Wortgut längst seine besondere Übersetzung bekommen hat. Die reibungsloseste Aufnahme bei einer alten Gruppe und Kompanie findet natürlich -derjenige, der vorerst nur ganz Ohr ist. Ein guter Zuhörer ist ja manchmal weitaus bester als ein guter Er­zähler, und diese Binsenwahrheit gilt auch im Bunker.

Sollte er jedoch mit dem Schnabel etwas vorneweg sein und sich dabei noch obendrein etwas auf seine frischerworbenen mili­tärischen Kenniniste zugute halten, dann kann er es erleben, wie ihn so ein ,,eisgrauer" Rottenführer fragt: „Wie lange bist du schon Soldat?" Und bei dieser Frage bekommt er gleich eine gewisse Zurechtweisung mitverpaßt. Aber davon wollen wir ja garnicht sprechen. Sondern von der Soldatensprache, wie sie schon im Weltkrieg von unseren Vätern gesprochen wurde.

Ein Ausschuß zur Sammlung der S o l d a t e n s p r a ch e hat es schon damals aus ein recht beachtliches Lexikon gebracht, und

Die große Angriffsschlacht in der Marmarica-;

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Vorgeschobene Stützpunkte jetzt schon rückwärtiges Operationsgebiet

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tvok. Berlin, 2. Juni. (PK.) Es war seit Monaten still um den afrikanischen Kriegsschauplatz geworden, von dem nur Auf- klärungs- und gegenseitige Spähtrupptätigkeit in den Wehrmacht­berichten gemeldet wurde. Jetzt ist in der Wüste der Marmarica feit dem 26. Mai eine große Schlacht imSange, in deren Verlauf von Anbeginn an die Feindtruppen über­rascht und geworfen wurden. Diese Schlacht in der Wüste, die sich über gewaltige Entfer­nungen hinzieht, wächst aus vielen Einzelunter­nehmen, die doch alle nach dem einen großen An­griffsplan durchgeführt werden, zum großen Ee- samtgeschehen zusammen. Sie vollzieht sich nach be­sonderen, nur für den Wüstenkrieg geltenden Ge­setzen, und sie kann in ihrem Verlauf nur bedingt mit Schlachten ähnlichen Umfangs und ähnlicher Bedeutung an anderen Fronten verglichen wer­den. Die Wüste als Vor- bereitungs- und Aufmarsch­basis allein ist eine unge­wöhnliche Erscheinung, zu­mal für-Verbände von sol­cher Stärke und solcher Sonderausrüstung, wie sie diesesmal in Afrika an ge­treten sind. Von den tau­senderlei Sonderausgaben, die der Nachschub für eine ganze Armee nach Afrika und bann dort unter un­

günstigen, äußerst schwie- ---------------------------------------

rigen Verhältnissen im Lande selbst täglich stellt, soll im Rahmen dieser dem Kampf geltenden Betrachtung mit dieser kurzen Anmerkung nur andeuteno gesprochen werden. Wir Afrika-Soldaten haben, als damals, nach der Wiedereroberung der Cyrenaika, wir in der Vorwüste zur Marmarica Stellungen beziehen mußten, gewußt, hier bleiben wir nicht lange abwartend liegen! Wir wußten, daß die Ruhe, die wieder trügerisch sich über die Afrikafront lagerte, eines Tages einem neuen Vorstoß nach Osten weichen würde. Wir haben die Vorbereitungen für den Angriff, in besten Verlauf unsere bisherigen vorgeschobenen Wüstenstützpunkte längst rückwärtiges Operationsgebiet geworden sind, in den Monaten des Abwartens miterlebt. Es hat sich ge­zeigt, daß unser Generaloberst Rommel nicht nur ein Meister des Improvisierens ist, sondern auch ein Met st er der sorgfältigen, alles 6 is in das Kleinste be- denkenden Vorbereitung eines großangelegten An­griffes, wie wir ihn jetzt erleben. Und. wie immer ist unser Rommel selbst dabei, da es gilt, seine deutschen und italienischen Truppen gegen den Feind zu führen. Wüstenmarsch bei Sonnen­glut und atemberaubendem Staub, Wüstenkampf in seiner un­

erbittlichen Härte, mit feinen bis an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit gehenden körperlichen Anstrengungen durch Sand, Hitze und quälenden Durst, mit feinen außergewöhnlichen schweren seelischen Belastungen für die aus Europa gekommenen Kämpfer sind Dinge, die wir kennen. Wir waren'uns bewußt, daß etn neuer großer Angriff gegen die tiefgestaffelten.

(Weltbild-Gliese

w o h l au s g e 6 a.u t c n, durch unzählige Minen­felder geschützten feindlichen Stellungen uns beides in kaum zu erahnendem Maße bescheren würden. And dennoch gingen alle unsere Gespräche um den Tag, warteten wir alle mit Spannung auf diesen Angriff.

Schon am dritten Tag der großen Schlacht in Afrika war der Feind gezwungen, sich nur noch mit aller Erbitterung und Zähig­keit in leinen Bunkerlinien zu verteidigen. Er hat seit dem 26. Mai schwere Verluste hinnehmen müsten. Die Angreifer aber haben aus' den Erfahrungen, die sie im vorigen Jahre vor Tobruk sammeln mußten, viel gelernt und wenden das Ge­lernte jetzt an. Noch tobt tn erbittertem Ringen die Schlacht in Afrika, doch die Heimat darf mit Zuversicht und Vertrauen aus ihre Afrika-Soldaten und auf die tapferen italienischen Truppen an ihrer Seite schauen. Der Afrikakämpfer erlebt und begrüßt den Angriff als Erlösung aus Äleintrieg und Wüstenalltag und et sieht in ihm den Auftakt zu neuen Siegen.

Kriegsberichter Heinrich HerIyn.

in diesem uns aufgezwungenen Freiheitskampf haben die Sohn« der Krieger von einst nicht nur die vielen alten Ausdrücke be­wahrt sondern noch einen guten Batzen hinzugebracht. Etwas Lebendigeres unter den Sprachen gibt es kaum als diese Sprache, die die Landser untereinander reden. Jeden Tag bald treibt sie Sprößlinge, die zuerst zaghaft noch in der Gruppe keimen, bald darauf im Zug, später in der Kompanie und hernach in ganzen Regimentern und Divisionen wuchern. Sage jemand, diese Aus­drücke kennzeichneten nicht eine gewisse Situation oder entbehrten der Farbigkeit und Poesie! Und was das Schönste dabei ist, sie offenbaren uns noch — trotz aller Kampseshärte und Strapazen -r- ein Stück lachenden Soldatenhumors. Und so wollen wir von der „S t a l i n - O r g el" sprechen, die, ehe sie zu diesem Namen kam, hei uns im engeren Verband „Schüttelfrost^ genannt wurde. Die Bolschewisten setzten diese aus 42 Granatwerfern zusammen­gekoppelte Orgel wiederholt in den Schlachten und Abwehr- tämpfen ein. Man konnte weiß Gott den Schüttelfrost bekommen, wenn man so ein Ding drüben beim Gegner, auf sich eingerichtet, ausgemacht hatte, denn die Breiten- und Tiefenwirkung dieser Orgel, die nacheinander alle 42 Granaten in schnellster Schußfolge herausfegt, ist beträchtlich. Aber einer erst mal erkannten Waffe ist die größte Gefährlichkeit genommen, und bald wat der neue Name für dieses Instrument gesunden, das in „Stalin-Orgel" be­stimmt keinen besieren und treffenderen Ausdruck finden konnte. Genau so ging es mit jenem Feldgeschütz, das die Sowjets als In­fanteriegeschütz aus kürzester Entfernung gegen -uns in Anwen­dung brachten und das über eine große Rasanz seiner Geschoise verfügt. Nicht Besieres fand sich als die Bezeichnung „Ratsch- B u m“, wobei die Betonung „Ratsch" den soeben noch gehörten Abschuß, das „Bum" aber den Einschlag kennzeichnet. Man weiß, wenn die drüben mit „Ratsch-Bum" arbeiten, dann iit gewiise Schnelligkeit zur Horizontale geboten. Offizier und Mann ver- stehen sich vollkommen, wenn von „Ratsch-Bum" die Rede ist. In Meldungen höchstens, wenn sie korrekt geschrieben werden, ist davon die Rede, daß der Gegner so und so viele 7,62-Zentimeter- Jnfantetiegeschütze in Stellung gebracht hat.

Wer spricht noch in der vordersten Linie von Bolschewisten? Das Wort ist zu lang. Ein findiger Kopf hielt „Bolera" zur Kennzeichnung für ausreichend, und die farbigen sibirischen Horden mögen ihr Gesicht diesem neuen Ausdruck geliehen haben. „Bolera" ist Trumpf geworden.

Am Tage aber, wenn's einigermaßen ruhig ist, und man die ersten FrühlingssonnenstrShlchen vor dem Bunker-Eingang schnupoern will, dann kommt todsicher „Iwan der Schreck» 11 ch e‘ und wirft seine großen Bomben, während zur Nachtzeit sein Kollege „Iwan der Langsame" die Front überfliegt und im Hinterland Nachschubstraßen und Brückenübergänge zu treffen versucht.

Humor ist es, der aus solchen Bezeichnungen spricht, und nicht nur wir, sondern auch die Heimat wird finden, daß solche Bezeichnungen zugleich trotz und gerade in der ernstesten Situation ein gewißes versöhnliches Moment bilden. Sie würden, das ist nicht übertrieben, ein Lexikon füllen, gewissermaßen Band H in Fortsetzung des ersten Weltkrieges.

' jj-Kriegsberichter Erwin Rockmann.

Vergeltungsangriff auf Canterbury

Berlin, 1. Juni. „Zur Vergeltung für den Terroranariff der britischen Luftwaffe auf die Innenstadt von Köln griffen", so meldete der OKW.-Bericht am Montag, „starke Kampffliegerkräfte in der letzten Nacht den Bischofssitz von Eanterbury in Siidost- England mit Tausenden von Spreng- und Brandbomben an.“

Das englische Nachrichtenbüro Reuter schreibt über die Wir­kung dieses oeutschen Vergeltungsschlages: ;,3n den frühen Morgen- ftunben des Montag unternahm die feindliche Luftwaffe bei hellem Mondenschein einen Vergeltungsangriff auf die berühmte Kathe­dralenstadt Eanterbury. Zahlreiche Geschäftsgebäude gingen in Trümmer. Zerstörte Gebäude schwelten noch in der Sonne des Juni-Morgens an vielen Stellen der Altstadt. Ge­bäude, die Jahrhundertelang gestanden haben und Eanterbury zu einer der schönsten Städte ^Englands machten, sind ein Raub der Flammen geworden, die durch die engen Straßen Canterburys rasten."

„In Anbetracht der W i l d h e i t b e s Angriffs“, so fügt Reuter hinzu, „ftnb bie Blutigen Verluste, wie man glaubt, gering.“

Reuter muß bann zugeben, daß zum Löschen bet Brände zahl­reiche Feuerwehren aus den umliegeftben Bezirken eingesetzt wer­ben mußten, und läßt dann einen Feuerwehrmann zu Wort kommen, der erklärt: „Der Feuerschein sah furchtbar aus, als wir uns der Stadt näherten. Die Bevölkerung der Stabt mußte sich am anberen Morgen ihren Weg über Trümmer, Feuerweht­schläuche unb schwelenbes Gebälk bahnen. Die Häuser bet Jnnen- stabt haben unter dem Bombenangriff schwer gelitten."

Wenn selbst das Reuterbüro, das bekanntlich immer mehr ver­schweigt, als es zugeht, in diesem Stil berichtet, läßt sich ermeßen, mit welcher Wucht und Wirkung dieser neue Vergeltungsangriff der Luftwaffe geführt wurde.

Die Stadt Canterbury liegt in der Grafschaft Kent an der Straße Dover—London. Es tst eine altertümliche Stadt mit etwa24000Einwohnern, malerischen alten Gebäuden und engen Straßen. Seit der Zeit von Thomas Becket ist Canterbury die kirchltchc Metropole und der Sitz des Erzbischofs- Primas von England. Canterbury ist stark von Militär Belegt. Wirtschaftlich hat es als Eetreidehandelsplatz, Straßen- und Eisen­bahnknotenpunkt Bedeutung.

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Dor seiner nächsten großen Kraftprobe der Hebbel-Festwoche erlebte das Wiener Theater im Mai einen strahlenden Höhepunkt seines klaßischen Spielplanes. Lothar Miithel inszenierte G o e t h e s T a s s o mit Horst Caspar, der damit seine Tätigkeit im Burg­theater begann. Dieser Taßo hatte alle Leidenschaft, die schöpfe­rische Unruhe, den ganzen zwiespältigen Zauber einer Gestalt, die zugleich vom Feuer des Jünglings durchglüht und von der Tragik des Genies umschattet ist. Horst Caspar gefiel den Kennern des Hauses nicht weniger als einer atemlos mitgehenden Jugend, die ihn mit leidenschaftlichen Beifallsstürmen begrüßte. Die Macht des dichterischen Wortes verband sich mit der magischen Wirkung einer unzweifelhaften schauspielerischen Persönlichkeit. Alma Seibler als sanfte, zarte, von ber Musik ihrer Seele umspielte Prinzessin, ging wie eine Tramgestalt — bie Traumgestalt eines Dichters! — über bie Bühne, Eusti Huber setzte ber zweiten Eleonore kräftige Farben ihres spitzbühifchen Humors auf unb Balser zeichnete ben Antonio mit glücklichster Wirkung als ben Mann, ber alles hat, nur bas nicht, was bie Götter sich nicht abringen laßen und nur nach ihrer Laune schenken: Genie. Den Herzog spielte Raoul Aslan, der uvergeßliche Taßo des letzten Jahrzehnts, als einen Kavalier der Renaissance, ter über ein kleines Land, aber einen europäischen Geist gebietet. Die Bühnenbilder Traugotts Müller schufen einen Landsitz, in dem wirklich Italien und seine ©arten» landfchaft lebendig war: statt des unpersönlichen Prunks, dem man sonst so oft auf dieser höfischen Szene begegnet. Die Wiener waren so begeistert, wie bald nachher bas Publikum in Haag unb Amsterbam, wohin das Burgtheater zu einem kurzen Gastspiel reifte.

Im Volkstheater inszenierte Friedrich Neubauer den unver­wüstlichen „Zerrissenen" N e st r o y s mit Kurt von Lessen, den NestroyAarsteller, deßen Meisterschaft allen Nestroy-Insze- nierungen als Vorbild und Beispiel dienen mag in ber Haupt­rolle. Wer wüßte heute beßer den plastischen Wortwitz, bie Ironie, ben glänzenben unb doch in die Tiefe zielenden Spott Nestroys so lebendig zu machen, daß man vom Lachen über die Menschen — zuletzt doch nur in ein wißendes Lächeln über die ewiggleiche Komödie des Lebens findet? Leßen wurde auf das herzlichste gefeiert. \

Im Theater in der Josefstadt lachte man wieder einmal über ben unverwüstlichen „Hokuspokus" von Curt Götz. Karl Heinz Schroth spielte ben finbigen Zauberkünstler, ber sogar sich selbst für einige Zeit verschwinden läßt, um ben Menschen zu zeigen, wie gerne unb leicht sie sich hinter bas Licht führen laßen. Schroth unb Neugebauer, ber überlegene unb witzige Advokat des Stückes spielten dem Publikum inmitten einer vergnüglichen Vor- stellung ein unvergleichliches Duett der Pointen vor.

In den Kammerspielen wartete man gar mit einer ll r - aufsührung auf. Fritz Gottwald, der ebenso viel gespielte, wie erfahrene Lustspieldichter erzählt unter dem Titel „Reis e- b e k a n n t s ch a f t" auf originelle Art. von den Irrungen und Wirrungen eines Liebespaares und eines Klassenloses: die Hand­lung verknüpft sich zu kriminalistischen Knoten, deren Lösung ebenso viel Witz hat wie der Dialog. Die Pointen kommen alle ans Ziel und die Eigenart des Einfalls hält die Stimmung bis zum Ende fest. In allem verrät sich etn sicherer Könner. Die Regie führte der Direktor Schott-Schöbinger, etn neuer Komiker — Fred Weis — wurde entdeckt und Oskar Chloupek schrieb ein paar Lieder, die leicht ins Ohr gehen, ober dann doch mit ihrem Schmiß und ihre gefälligen Melodie aufs angenehmste haften bleiben. Kurz, cs gab einen wirklichen Erfolg. Friede. Schreyvogl

* Frankfurter Bachstunden. Nach einer winterlichen Pause nahmen die von Prof. Helmut Walka in Frankfurt a. M. veran­stalteten Bachstunden ihren Fortgang. An drei Sonntagnachmit- tagen wurden die sechs Französischen Suiten für dies Cembalo und die drei ©ambenfonaten zu Gehör gebracht. Wegen ihrer ge­ringen technischen Schmierigkeiten findet man die Französischen Suiten selten aufs Programm gesetzt, da sie auch dem „Kenner und Liebhaber“ erretchbar sind. Die Wiedergabe auf dem Cembalo gestattet, so viele Varianten und farbige Auflockerung des Ton­gewebes, daß man hier in weit höherem Maße als beim dagegen fast armseligen Klavier von einer Nachschöpfung sprechen kann. Und Walcha legt auch mit seinen einführenden Worten wieder ein Bekenntnis ab zum Cembalo, das dazu berufen ist, immer mehr auch' im musikalischen Leben der Familie seinen Platz zu finden. Unter der Bachschen Kammermusik find die drei Gambensonaten fast unbekannt. Auch die Gambe wat wie das Cembalo fast völlig vergeßen, nur im Kontrabaß, der sich aber solistifcher Behandlung abhold zeigt, hat sich die alte Gambenform erhalten. Die Gambe, die einst das geachtetste Musikinstrument war, ist von dem Geigen­typus (Violinen, Bratsche, Violoncello) völlig verdrängt worden. Das Violoncello hat die Nachfolge, aber nicht das Erbe der folisti- schen Tenorgambe angetreten. Die Bachschen Gambenfonaten hört man trotz der vielen Bearbeitungen für Violoncello fast nie im Konzertsaal. Der Cellist Otto Bogner hat sich der Ausgabe unterzogen, Gambe zu studieren, um uns die Bachschen Gamben« Jonaten auf einem alten Instrument der Bachzeit wiederzuschenken. Wohl ist der Ton der Gambe kleiner als der des Cellos, aber das Cembalo deckt im Gegensatz zum Klavier die Solostimme nicht zu, sondern untetstreicht mit seinem silbernen Klingen die musikalische Linie. Es ist bei Walcha gute Sitte, nicht mit lautem Beifall nach den Darbietungen zu danken. Diese schweigende Ergriffenheit, mit der die Walchagemeinde auseinandergeht, zeigt, wie sehr diese Feierstunden dem Sehnen des heutigen Menschen entgegenkommen, aus der unergründlichen Tiefe unseres größten deutschen Meisters neue Kraft für den Alltag zu schöpfen. Paul S ch r e h e r.

* Das KdF.-Ballett im Rhein-Main-Gebiet. Das Ballett bei NS<-Eemeinfchaft „Kraft durch Freude“ unter der Gesamtleitung von Derra de Moroda besuchte bas Rhein-Main-Gebiet unb gab bort Gastspiele im Hessischen Lanbestheater in Darmstadt, im Festspielhaus zu Worms und im Schauspielhaus zu Frankfurt am Main. In der hessischen Landeshauptstadt und in der Nibelungen­stadt waren vorwiegend Rüstungsarbeit'er und Soldaten zu den Veranstaltungen eingeladen. In der Gauhauptstadt Frankfurt am Main fand eine Sondervorführung für die Wehrmacht und Nüstungsbetriebe statt, bei der die hochkünstlerifchen Darbietungen eine besonders herzliche begeisterte Aufnahme fanden.

* Musikfest in Görlitz. Das 26. Schlesische Mufikfest wurde in­mitten des größten Ringens der deutschen Geschichte am Sonntag feierlich eröffnet. Es wird sich zu einem gewaltigen Bekenntnis des schlesischen Kulturwillens gestalten. Zu dem Eiöffnungskonzert, das das verstärkte städtische Orchester, mit Werken zeitgenössischer schlesischer und anderer deutscher Tonsetzer bestritt, waren rund 2500 Menschen aus ganz Schlesien und den angrenzenden Gebieten in der Stadthalle zu Görlitz zusammengekommen. Gauleiter Hanke eröffnete die festlichen Tage mit einer Ehrung bet im Kriege Gefallenen, wobei er insbefonbete ber schaffenben und nach­schaffenden Musiker gedachte, die ihren Treueid gegenüber Führer unb Volk mit dem Leben besiegelt haben.

* Franz Flößners Streichquartett op. 15 fand bei seiner Ur­aufführung in Bresben durch das Baum-Quartett sehr starken Widerhall: u. a. schreiben die „Dresdener Neuesten Nachrichten": „Prägnante rhythmische Motive bestimmen den Charakter der Sätze, deren äußerst klare Diktion und konzentrierte musikalische Substanz bestechend wirken." Besonders "wird das „vollendet aus« gelichene Kammermusikspiel“ des Baum-Quartettes hervorgehoben, bas sich aus Mitgliedern der sächsischen Staatskapelle zufammen- setzt und deßen Leiter August Baum bekanntlich aus Wiesbaden- Biebrich stammt.

* Gemälde-Ausstellung in Litznionnstadt. Vom 6. Juni -an findet in den Ausstellungsräumen der Dolksbildunasstätte Litz- mannftadt eine Ausstellung des Hilfswerkes für bildende Kunst statt. Wie die vor einigen Monaten durchgeführte Ausstellung „Deutsche Maler im Wartheland“ bewies, herrscht hier für der­artige Veranstaltungen ein starkes Bedürfnis, fo daß auch diese Ausstellung, deren Bilder für den Verkauf bestimmt find, ein Erfolg zu morden verspricht.

Druck unb Verlag! S. Schellender gliche Buchdrucker«!, Wiesbadener Tagblatt Wiesbaden. Scfamtletiung: Dr. vhil. habil, chusta» Schellenberg und Otto äiailer. Hauostchriftleiter: Fritz »ünther, sämtlich in Wie» baden. Zur Zeit ist Preisliste istr. 10 gültig

Die heutige Ausgabe umfaßt 6 Seiten