Dienstag, 26. Mai 1942
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 120 Seite 8
Aus Abenleurergeist und Gewinnsucht gewachsen
Vernicklung von drei Sowjetarmeen. Bei Koben Mutigen Verlusten verloren die Bolickewistcn rund 175 000 Gefangene und riesige Mengen von Kriegsmaterial, während nur Trümmer das rettende jenseitige User der Meerenge er- reicken konnten.
Eröffnung der HI.-Sommerlager
Gauleiter Sprenger »et den Hitlerjungen im Lager Rotzdors
NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger besuchte am Pfingstmontag ein HJ.-Lager in Rotz darf bei Darmstadt und eröffnete von hier aus die in den landschastlich schönsten Gegenden des Rhein-Main-Eebietgs errichteten Sommerlager der HI.
In Anwesenheit des k. Ecbietsführers Dr. Gaul legte der Gauleiter den unter der flatternden Lagcrfahne angetretenen Hitler- jungen seine Gedanken über.die Zielsetzung und Notwendigkeit der Sommerlager dar. Mit anerkennenden Worten gedachte er dabei zuerst der Erziehungsarbeit der HI. Ihr Erfolg sei in der durch den Berufswettkampf erzielten und immer mehr verbreiteten beruflichen Bestleistung der Jugend ebenso offenbar, wie in den Taten unserer von der HI. mit dem Rüstzeug des Mutes, der Tapferkeit und Treue versehenen jungen Soldaten. Eine bessere Bestätigung für die Richtigkeit des cingcschlagenen Weges gäbe es, nicht, so folgerte der Gauleiter hieraus.
Der Nationalsozialismus, führte er weiter aus, leugne gewiß nicht die Macht des Geistes. Sein Bestreben sei es aber auch, der deutschen Jugend die geschliffensten Waffen des Intellekt zu vermitteln. Sie werde diese jedoch nicht für eine Beweihräucherung und Vergötzung des Wissens an sich benützen, sondern sie allein im Einsatz für die Idee zu führen wissen. Uber allem kalten Intellekt aber, so erklärte der Gauleiter weiter, stehen die Kraft des Gemütes, der feste Charakter und das tapfere und treue Hek'z. Sei so das Buch ein unentbehrliches, ja selbstverständliches Rüstzeug der deutschen Jugend, so stünde über ihm dennoch die anhalt.ende praktische Erprobung der Kräfte der Seele und des Körpers, wie sie sich uns in den Anforderungen einer Iungengemeinschaft an Charakter und physischer Stärke jedes einzelnen ihrer Angehörigen am ausgeprägtesten darstelle.
Hierbei sei den Sommerlagern der HI. eine außerordentliche Aufgabe zugewiesen. Tausende junger Nationalsozialisten würden iu den in allen Teilen unseres Gaues errichteten Sommerlagern Körper und Geist stählen. Sie würden neben dem Erlebnis der Heimat den hervorragendsten Teil jenes Rüstzeuges erhalten, der ihnen die Verteidigung dieser Heimat ermöglichen wird. Mit dem Blick auf die Taten der Front, so schloß der Gauleiter, würde diese Jugend in den opferfreudigen Helden unseres Freiheitskrieges ihre Vorbilder sehen und erkennen, datz die Treue zu Führer und Volk die Treue zu den gefallenen Kameraden ist.
Halbes Eingeständnis Moskaus
Stockholm, 25. Mai. Wie Reuter in einer Sonder- meldung aus Moskau berichtet, wurde in dem sowjetischen Mitternachtskommunmue von 24. Mai erklärt. ..die Sowiet- truvven hätten die Halbinsel Kertsch evakuiert.“
Abgesehen von dem reichlich versväteken Eingeständnis kann von der von Moskau bebauvteten ..Evakuierung" der Halbinsel Kertsch nach den klaren Feststellungen des deutschen Oberkommandos der Wehrmacht keinä Rede sein. Wie bereits am 19. Mai durch Sondermeldung bekanntgegeben wurde, endete die Schlacht um Kertsch mit der
Reden zum Empire-Tag
schäft. Man denke nur an Indien, an die Burcnfrauen oder an den Raub der Stützpunkte in den verschiedenen Teile« der Welt.
Duff Coover muß zugebcn. datz dem englischen Imperium beute Gefahr von allen Seiten droht. Dabei entschlüpft ihm ein besonders bemerkenswertes Geständnis. Duff Cooper meint nämlich, um einem gleichzeitigen Angriff in Europa. Asten und Afrika zu begegnen. ..hätten England über eine Flotte verfügen müssen, die dreimal so stark sein müßte, wie die jetzige, und über Landstreitkräfte, die zebnmal so groß seien, sowie über eine Luftflotte, die in einem entsprechenden Verhältnis hierzu stehen müßte."
Mit anderen Worten: Das englische Weltreich ist der Si t u a t i o n, in die Churchill es leichtfertig hineinmanövriert hat. in keiner Weise gewachsen. Die Erkenntnis dieser Tatsache scheint sich schon bei der „Times" herum- gesprochen zu haben, die ausgerechnet zum Emoire-Tag in einem Leitartikel die Erklärung abgibt: „Die Zukunft des Empire ist schon jetzt in gewisser Begebung verauickt mit derjenigen der USA." Das ist ein Grabgesang. Das britische Empire ist eine überholte Angelegenbeit. Selbst die „Times" kann sich eine selbständige englische Zukunft nicht mehr vorstellen, nachdem das Empire, wie an anderer Stelle des Artikels zugegeben wird, im letzten Jahr fast ausschlietzlich „beispiellose Verluste erlitten" bat.
Darr6 für längere Zeit beurlaubt
Staatssekretär Backe mit der Führung der Geschäfte beauftragt
Berlin, 23. Mai. Reichsminister D a r r e hat aus gesundheitlichen Gründen einen längeren Urlaub angetreten. Der Führer hat für diese Zeit den Staatssekretär im 'Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Herbert Backe mit der Führung der Geschäfte des Reichsministers und preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft beauftragt.'
Chinesischer General mit 5000 Mann zu den Japanern übergegangen
Hankau, 26. Mai. (Funkmeldung.) General Hsutsu- ck u a n g und seine 5 0 0 0 Soldaten, die sich bisher tut Tsckungking im südöstlichen Abschnitt der Provinz Huven betätigten. sind — wie Domei meldet — am Montag zu der javanischen Armee übergegangen.
Euch. Was noch getan werden kann, wird getan. Eure vorbildliche Pflichterfüllung wird unser Volk stärken im Kampf um sein Dasein Adolf Hitler!"
Die Gegner griffen an. Die „Bismarck" antwortete genau und wirksam. Eine Salve riß die vorderen Türme der „Bismarck" weg: die Artillerieleitung fiel aus; die einzelnen Geschütze feuerten weiter. Die Briten rühmten sich, 300 schwere Treffer erzielt zu haben, aber die „Bismarck" schwamm noch mit wehender Kriegsflagge. Dann kamen aus nächster Nähe'drei Torpedos; mit einem mächtigen Überrollen nach Steuerbord richtete sich die „Bismarck" hoch auf und versank am 27. Mai um 11.01 Uhr mit wehender Flagge in den Wellen.
Dreimächtepakt-Militärkommission in Rom
Rom, 23 Mai. Außenminister Graf C i a no empfing am Samstag im Palazzo Chigi die Mitglieder der vorn Dreimächtepakt vorgesehenen M i l i t ä r k o m in i s s i o n. Anschließend trat die Kommission unter dem Vorsitz von Divisionsgeneral Lais zu einer Vollsitzung zusammen. Deutschland war vertreten durch General von Pohl, Generalleutnant von R i n t c l e n , Konteradmiral Löwijch. die Obersten Veltheim und O tz e n . Major M Ü l l e r - C l e m m. Japan vertraten Kondcradmiral Abe. Oberst Shimizu. Kapitän zur See Mitunobu, Oberstleutnant Eon do Oberstleutnant Jnafa, Korvettenkapitän Vamanaka Italien war vertreten durch den Vorsitzenden der Kommission Divistonsgeneral Lais, die Obersten Sealise, Ferrera und Jngravalle, den Obersten der Flieger B r u n c 11 i , Regattenkapitän de Angioy sowie durch hohe Beamte des Außenministeriuins.
Aufschlußreiche englische
Berlin, 25. Mai. Zum Emvrre-Tag. den die Londoner Machthaber am Sonntag veranstalteten, erklärte Indien- Minister Amery in einer Botschaft: „Wir kämpfen für unsere Freiheit und den Begriff der Demokratie, die wir im Laufe von Jahrhunderten ausgebaut haben." Rack seiner Meinung bat England überall in der Welt nur Glück und Segen verbreitet. Indien z. B.. so behauptet er, sei früher jahrhundertelang durch Hunger verwüstet worden, während es in Wirklichkeit unermeßlich reich war und Hungersnöte überhaupt nicht gekannt bat, ehe es von England ausgebeutet und brutal unterdrückt wurde.
Im Londoner Nachrichtendienst wandte fick Duff Coover am Emvire-Tag gegen die Klagen vieler Engländer über „kurzsickkige Führer, eine faule Arbeiterschaft und inkompetente Offiziere". Diese Kritik versuchte er mit dem Bekenntnis aus der Welt zu schaffen: „Glücklicherweise bandeln wir niemals so demütig, wie wir svrechen. Damit bat er recht. Es gibt keinen schreienderen Widerspruch als den zwischen Worten und Taten der englischen Machthaber. Duff Cooper gibt zu. daß das englische Weltreich „durch Abenteuergeist und durch die Lust einzelner Männer am Gewinn" zuftandegekommen sei. behauptet aber im gleichen Atemzuge, das britische Empire sei nicht durch Gewalt, sondern durch Einwilligung ausgebaut worden. Wie diese „Einwilligung" erzielt wurde, erzählt jedes Ka- vitel der blutgetränkten Geschichte der britischen Weltherr-
Weiterer USA.-Kreuzer versenkt
Tokio, 25. Mai. Das kaiserlich-javanische Hanptauartier gab am Moniagnachmittag nachträglich folgende weitere Er- ßebnisie der Seeschlacht im Korallenmeer bekannt: Ein zweiter USA.-Kreuzer vom Typ „Portland" (9800 T.) versenkt und ein USA.-Schlachtschiss der „North Carolina - Klasse (35 000 T.) schwer beschädigt. Bei dem früher gemeldeten schwerbeschädigten Kreuzer unbekannten Namens bandelt es sich um den Typ „Louisville".
Die früher bereits in der Seeschlacht int Korallenmeer als versenkt gemeldeten feindlichen Kriegsschiffe waren ein USA.-Schlachtschiff der „California"-Klasse und zwei nord- amerikanische Flugzeugträger der „Saratoga"- und ..Aork- town"-Klasse. während ein britisches Schlachtschiff der „Warsvite"-Klasse und ein australischer Kreuzer der ..Can- berra"-Klasie beschädigt wurden.
Der Heldenkamps der „Bismarck"
Eine stolze Erinnerung zum 27. Mai
Am 27. Mai jährt sich der Tag des letzten Heldenkampfes unseres Schlachtschiffes „Bismarck".
Der Bericht vorn Kampf und vom Untergang des Schlachtschiffes „Bismarck" wird in aller Zukunft im Buch der deutschen Geschichte einen ehrenvollen Platz finden, denn er zeugt von heldenhafter Kühnheit und von der Treue bis in den Tod.
In der Nacht vom 21. zum 22. Mai 1941 liefen aus dem Hjelte- Fjord bei Bergen zwei deutsche Kriegsschiffe aus, das Schlachtschiff „Bisinar ck" unter Kapitän zur See Lindemann und der Kreuzer „Prinz Eugen" unter Kapitän zur See Brinkmann. Der Flottenchef, Admiral Lütjens. hgtte seine Flagge auf der „Bismarck" gesetzt. Obwohl dies Schlachtschiff den stärksten feindlichen Schiffen zum mindesten ebenbürtig, wenn nicht überlegen war, lag der Leitgedanke der Aktion nicht in der Niederkämpfung feindlicher Flottenkräfte, sondern im Kampf gegen die feindliche Vcrsorgungs- schissahrt. Für den Durchbruch zum Atlantik standen zwei Wege zur Verfügung: der kürzere, aber voraussichtlich stärker bewachte zwischen den Faroer-Inseln und Island hindurch und der weitere durch die Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland, der aber den Vorteil hatte, daß der Durchbruch leichter unbemerkt vom Feinde erfolgen konnte Admiral Lütjens wählte den Weg durch die Dänemarkstraße: der Himmel war bedeckt, Schnee und Regen wechselten miteinander ab, die Unsichtigkeit war zeitweise so groß, daß das Flaggschiff kaum den begleitenden Kreuzer ' erkennen konnte. Als die Enge zwischen Grönland und Island fast überwunden war, klarte das Wetter auf und gleich darauf, am 23. Mai ebenbs 20.15 Uhr, kam ein patrouillierender englischer Kreuzer in Sicht. Er hielt, im Laus der Nacht durch einen weiteren Kreuzer verstärkt, die Fühlung mit den deutschen Schiffen und führte am Morgen des 24. Mai eine starke englische Kampftruppe heran, bei der sich auch die beiden Schlachtschiffe „Hood" und „Prince of Wales" befanden. Die beiden deutschen Schiffe eröffneten etwa 270 Seemeilen südwestlich von Island den Kampf und vereinigten ihr Feuer auf d i e „Hood". Schon die eisten Salven des „Prinz Eugen" richteten am Oberdeck des englischen Schlachtschiffes schwere Verwüstungen an und fetzten die Flugzeughalle in Brand. Kaum fünf Minuten nach Eefechtsbeginn durchschlug eine Panzer- • sprenggranate der „Bismarck" den Seitenpanzer der „Hood", explodierte in der hinteren Munitionskammer und riß dadurch das 42 100-Tonnen-Schlachtfchiff, das größte Kriegsschiff der Welt, auseinander. Die Besatzung von 1341 Mann ging bis auf drei Mann mit in die Tiefe.
„Bismarck" und „Prinz Eugen" gingen dann sofort gegen das englische Schlachtschiff „Prince of Wales" vor. Unter dem Eindruck des Verlustes feines Flaggschiffes und einiger schwerer Treffer drehte der Brite ab und verschwand hinter einer künstlichen schwarzen Qualmwolke. Der deutsche Kreuzer „Prinz Eugen" hatte ' keinen einzigen Treffer erhalten, aber die „Bismarck" war von zwei schweren Granaten erreicht worden, einmal in der Mitte des Schiffes, und dann am Vorschiff; dieser letzte Treffer erwies sich als folgenschwer, denn er setzte die Geschwindigkeit des Schiffes stark herab. Die Waffen waren aber unverletzt geblieben. Admiras Lütjens setzte mit beiden Schiffen in hoher Fahrt den Kurs aus der Dänemarkstraße in den freien Ozean fort. Der Verlust der „Hood", die jedem Engländer als Symbol britischer Seegewalt bekannt war, löste im Parlament und in der Presse scharfe Worte der Kritik gegen die verantwortlichen Stellen aus. Alles, was an Kriegsschiffen' von Gibraltar bis nach Nordengland zur Verfügung stand, wurde aufgeboten, um die Scharte auszuwetzen und die „Dismarck"-Gruppe zur Strecke zu bringen. Bei einer Untersuchung des Vorschiffes der „Bismarck" stellte sich heraus, daß eine dauerhafte Reparatur des Vorschiffes während der Fahrt nicht möglich war. Deshalb entschloß sich Admiral Lütjens, den Kreuzer „Prinz Eugen" zur selbständigen Führung des Kreuzerdienstes im Atlantik zu entlassen, selbst aber mit dem Flaggschiff einen Hafen der atlantischen Küste anzusteuern. Auf der Fuhrt nach Westen hatte die „Bismarck" einen kurzen Feuerwechsel mit dem mittlerweile wieder hcrangekommenen „Prince of Wales", der aber auf beiden Seiten ohne Ergebnis blieb.
Ein englischer Flugzeugträger, der am 23. Mai aus einem nordenglischen Stützpunkt ausgelaufen war, fetzte einen Tag später feine Flugzeuge gegen d i e „Bismarck" an. Drei Staffeln warfen ihre Torpedos ab, sie erzielten aber keinen Erfolg. Eine zweite Staffel kam zu einem Treffer an der Steuerbordseite, aber die Auswirkungen waren belanglos. Dann ging die Fühlung mit dem Feind verloren, und die „Bismarck" steuerte weiter nach Westen. Am 26. Mai um 10.30 Uhr aber gelang cs einem gegnerischen Flugboot, die „Bismarck" 550 Seemeilen westlich Landsend wiederzufindcn. Es wurde zwar durch Flakbeschuß wieder in die Wolken gejagt, aber die Sichtmeldung genügte, um den gegnerischen Streitkräften den Kurs zu zeigen. Wieder starteten englische Torpedoflugzeuge; sieben wurden abgeschosien, aber zwei Treffer landeten, einer mittschiffs, der zweite in der Ruderanlage; die „Bismarck" war manövrierunfähig geworden. Bei dem schweren Seegang wich das Schiff vöm Kurs ab; es beschrieb willkürliche Kreise. Alle Versuche, die Ruderanlage wieder in Ordnung zu bringen, blieben erfolglos. Ringsum sammelten sich die Feinde.
In dieser Lage kam cs zu dem berühmten Telegrammwcchsel. Der Flottenchef meldete dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine' „Schiff manövrierunfähig, wir kämpfen bis zur letzten Granate, es.lebe der Führer!" Ein zweiter Funkspruch: „Im Glauben an Sie, mein Führer, kämpfen wir zum Letzten und im felsenfesten Vertrauen auf den Sieg Deutschlands." Der Führer antwortete; „Ich danke Ihnen im Namen des deutschen Volkes." Der Besatzung galt das Wort: „Ganz Deutschland ist bei
(Erna Hcrck fang im Kurhaus
Kammersängerin Erna Sack ist im Konzertleben unserer Bäderstadt seit Jahren eine regelmäßig wiederkehrende, stets mit Begeisterung begrüßte Erscheinung. Ihr Lieder - und Arien- abend am Pfingstsamstag war deshalb für das Kurhaus ein großer Tag; eine beifallsfreudige Zuhörerschaft hatte den weiten Saal beinahe bis auf den letzten Platz besetz!- und lauschte gespannt den Gaben, die die Künstlerin in verschwenderischer Fülle spendete. Was sie auf ihrem eigensten Gebiet, dem spritzigen Koloratur- gefang, in vollendeter Weise zu bieten vermag, das mutz bei jedem, der Ohren hall zu hören, berechtigtes Erstaunen erwecken. Die biegsame, klangsrische Sopranstimme reicht bis an die äußerste Grenze der dreigestrichenen Oktave und strömt gerade in der Höhe sinnlichen Reiz und fülligen Glanz aus. Mit seltener Meisterschaft werden die technischen Dinge behandelt. Wie Perlen an der Schnur huschen in minutiöser Exaktheit flüssige Fiorituren, oft in verblüffender Schnelligkeit, vorüber. Klar, wie gemeißelt, erklingen spitzige Stakkati; mit staunenswerter Prägnanz werden die gewagtesten Sprünge ausgeführt. Ihre glänzende Atemtechnik verführt die Künstlerin bewußt dazu, gelegentlich einzelne Töne besonders lang auszuhalten. Im zarten mezza voce versteht sie schwebende Wirkungen von ganz besonderem Duft und betörendem Eigenreiz auszulösen. Über all diesen gesangstechnischen Wundern kam auch der musikalische Ausdruck nicht zu kurz. Sie war stets die einfühlsame Interpretin, die in ihren Vorträgen Licht und Schatten sorglich zu verteilen und durch natürliche Wärme unmittelbar zu zünden wußte. Daß in der Ausdrucksgestaltung die virtuose Beherschung der technischen Belange gelegentlich eine besondere Betonung erfuhr, wer wollte dies der Künstlerin bei ihrer glänzenden Ligenbegabung verdenken. Das sorglich zusammengestclltc Programm begann mit italienisch gelungenen Werken von Eordigiani, Pcigolese und Donizetti. brachte dann leicht dem Ohre sich neigende deutiche Lieder von Schubert, Wt und Strautz zum Klingen und führte Aber hiesige und fremdländische Weisen mit volkstümlichem Einschlag zu der eigentlichen Domäne der Künstlerin! zu Koloraturarien, in denen sie ihr technisches Rüstzeug mit voller Wirkung ins Treffen brachte. Der „Frühlingsstimmenwalzer" von Johann Strauß bildete, mit technischer Verve und Brillanz gesungen, den stimmungsvollen Ausklang des Abends. Den stürmischen Beifall von feiten der Zuhörer konnte Erna Sack nur durch mehrere Zugaben beschwichtigen. An dem Erfolg hatte Karl C e rnö für dezente, anschmiegsame Begleitung am Flügel berechtigten Anteil.
Fritz Zech.
Aus Auust und Leben
* Pftngstkonzerte im Kurhaus. Den Abendkonzerten an den beiden Pfingstfesttagen hatte Musikdirektor August Vogt durch vornehme Programmgestaltung besonderen Anreiz verliehen. Am ersten Feiertag erklangen in einem Richard-Wagner- Abc n d nut Werke des Bayreuther Meisters, dessen umfaßende Größe immer noch in den Herzen einer großen musikalischen Gemeinde fest verankert ist. Die zu Gehör gebrachten Werke unterstrichen namentlich in unserer Zeit zwei Züge der künstlerischen Persönlichkeit Richard Wagners: seine hohe Auffassung von den Aufgaben des Künstlers und der Kunst für das geistige Leben einer Nation und feine unbedingt deutsche Gesinnung. Das köstliche Meistersinger-Vorspiel gab dem Abend den stimmungsfrohen Auftakt, die Ouvertüre zu „Tannhäuser", dieses berühmte Muster der Art, den packendeii Ausklang. Dazwischen hörte man klangsinnliche Bruchstücke aus dem „Ring der Nibelungen": den Einzug der Götter aus „Rheingold", die herrliche Musik aus „Die Walküre", das Waldweben aus „Siegfried" und Siegfrieds Rheinfahrt aus „Götterdämmerung". Das Kurorchester spielte die Werke die seit langem in seiner Bereitschaft fest veratikert sind, mit der ganzen Entfaltung seiner weit gespannten Klänge und folgte willig den von August Vogt sicheren Blicks und mit innerer Anteilnahme gegebenen Direktiven. Die zahlreiche Zuhörerschaft ließ es an rauschenden Beifallskundgebungen nicht fehlen. — Der zweite Pfingsttag brachte einen Deutsch-italienischen Oper.nabend mit Werken von Weber, Gluck, Strauß/ Wolff-Ferrari, Verdi und Cardoni, die alle blühende Erfindung atmeten und in ihrer Melodienfreudigkeit dem Ohr einen willkommenen Genuß hereiteten. Unter August Vogts alles übersehender, anregender Leitung spielte bas Kurvt ch e st e r die Stücke mit oft berückender Tonschönheit und wirkungsvoll herausgearbeiteten Schattierungen. Wie am ersten Feiertag hatte auch am zweiten ein aufmerksames, beifallsfreudiges Publikum den großen Saal dicht gefüllt. Fritz Zech
* Musikalische Morgenveranstaltung im Kurhaus. Bekannte und anerkannte Lehrkräfte des Wiesbadener Konservatoriums waren die ausübenden Künstler des Konzerts am Pfingstfonntagvormittag. das ein interessantes Programm hauptsächlich zeitgenösiischcr Musik aufroics, innerhalb dessen u. a. Dr. Franz Flötzner am Flügel als Interpret seiner eigenen Sachen mit zwei Uraufführungen aufwartete. Zunächst hörte man eine Sonatine op. 13 für Klavier in fünf Sätzen, die einfallsreich und im Tempo lebhaft durchgesetzt, sicher in eine stark betonte dynamische Form gebunden und dennoch gärend in der Eesamtstruktur wirkte. Einem etwas spröden allegro con brio folgte ein bewegtes, ringendes Andante, das ein musikalisches
Motiv einprägsam verarbeitete. Spielerisch irrisicrend, wie Fontänen, die Wasser versprühen, huschte ein allegro scherzando dahin, um der „Gewichtigkeit" eines vierten Satzes zu weichen, . dem ein molto vivace folgte, das diese arteigene Komposition abschloß. Vier mit Spannung geladene Konzertetüden, die wie Feuerwerk abbrannten, bestärkten den Eindruck einer kühnen Musikerpersönlichkeit, die Ausdruck und Intensität über die reine Harmonie von Klangschönheit jetzt und damit einen der vielen Wege einer zeitgemäßen musikalischen Manifestation geht. Von dem jüngst verstorbenen Helmut Meyer von Bremen kam als Erstaufführung eine Sonatine für Violine und Klavier zu Gehör (Aussührendc Edmund Weyns und Albert Hofmann), die reich im Gehalt und interessant im Ausbau; durch eine ansprechende Instrumentierung fesselte. Zwei sehr verschieden gestaltete Allegro- Sätze umschließen ein Andante, das in geschickter Behandlung und Wertung der beiden Instrumente sehr viel aussagt und anregt. Der junge Wolfgang Rudolf, hier kein Unbekannter, war mit „6 Kleinigkeiten für Flöte und Klavier" vertreten, (Ausführende Oskar Wolf und Albert Hofmann) entzückende musikalische Aphorismen, die jeweils ein Thema kurz -aufgreifen und es mit schlichter, echt künstlerischer Ergriffenheit wie ein nachdenkliches Wort, eine Frage, ein heiteres Ballspiel, einen Rhythmus, eine Silhouette ober ein Filigran-Netz zu uns werfen. Auftakt der Veranstaltung war Orgelmusik von Robert Curt von E o r r i f» f e n, ein „Festliches Prälidium" in D-bur, bas aus feierlicher Stimmung tn klarer Steigerung zu einprägsam festlichem Glanze auffteigt. Den beglückenden Ausklang bildete des großen Max Regers Sntrobuction unb Passacaglia in ck-moll, von Dr. Rich. Meißner in feiner Registrierung unb Ausbeutung gespielt. — JEs bleibt nur bie Frage offen, ob für derartige kammermusika- lijchen Veranstaltungen der große Kurhaussaal der geeignete Raum ist. A. Plüschke '
* Eva Chamberlain-Wagner gestorben. In der Nacht zum Dienstag- ist in Bayreuth Frau Eva Chamberlain- Wagner im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie war die Tochter Richard Wagners aus seiner Ehe mit Cosima Wagner unb bie Witwe des „Sehers des Dritten Reiches" Houston Stewart Chamberlain.' — Eva Wagner wurde am 17. Februar 1867 in Triebschen am Vicrvalbftädter See geboten. In ihreni fünften Lebensjahr siedelte Eva mit ihren Eltern nach Bayreuth über, wo sie aufwuchs unb ausgebildet wurde. Ende Dezember 1908 vermählte sie sich mit dem Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain, dem großen Vorkämpfer für deutsche Art und Kultur, der zum engsten Freundeskreise Frau Cosimas gehörte unb trat früh wie ihr Mann, besten Briefe an unb über Abolf Hitler aus ben Jahren 1923 unb 1924 bekannt sink», für ben Nationalsozialismus ein.
