Montag. 11. Mai 1942
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 108 Seite 3
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Wer hat nun. recht?
Die DAF. »Sri auch di, schwierigsten Fäll«
Rechtsberatung — das riecht nach Paragraphen, nach dem Staub riesiger Wälzer und bürokratischem Schematismus All das aber in Verbindung mit der NSDAP, zu bringen wäre ein abwegiger Versuch, denn nichts ist dem Nationalsozialismus fremder als Lebenskerne. Aber auch der friedliebenste Mensch braucht hin und wieder einen Rat. Um jedem Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, sich Rat und Auskunft zu holen,' wurden zwei Einrichtungen geschaffen: die N E.-R echtsbetreuungs st eilen des NS.-Rechtswahrerbundes für Zivilrecht und die Rechts- b erat u n g s st e l l e n der Deutschen Arbeitsfront für die arbeitsrechtlichen Fragen.
Hier interessieren die Rechtsberatungsstellen. 108172 Besucher hatten sie im letzten Jahre in unserem Gau zu verzeichnen, ein Zeichen des Vertrauens, das dieser Einrichtung allseits gezollt wird. Überwiegend handelte es sich darum, Meinungsverschiedenheiten, die durch behördliche oder gesetzliche Maßnahmen und deren unrichtige Auslegung durch die Betreffenden entstanden waren, zu klären. Wirkliche Streitfälle gab es nur in 7 998 Fällen, und auch davon brauchten im gesamten Eau Heffen-Nassau nur 1014 vor dem Arbeitsgericht ausgetragen werden. 5 603 mal konnte die Eüteverhandlung vor der Rechtsberatungsstelle bereits Klärung bringen, und in 3 684 Fällen kam es zu einem außergerichtlichen Vergleich. Von den erwähnten 1014 Klagen wurden 264 Fälle wieder zurückgenommen, einen außergerichtlichen Vergleich brachten 387 Verhandlungen. Man sieht also, ein verschwindend kleiner Teil der Besucher der Sprechstunden kam mit wirklichen Schwierigkeiten, und die letzten Endes doch noch vor ein Arbeitsgericht gekommenen Klagen waren — das läßt sich leicht
erkennen — meist zur Füllung bestehender Gesetzeslücken notwendig.
Die Rechtskunde ist eine Wisienschaft, und der beste Wissenschaftler ist meist der, der sich auf ein bestimmtes Gebiet konzentriert. Daher wurde auch von der DAF. eine Teilung der Rechtsberatung vorgenommen, die sich bei der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Sektoren von selbst ergibt. Das Arbeitsrecht und die besonders-seit dem 1. September 1939 neu herausgegebenen Gesetze und Verordnungen, die sich mit der Arbeit und mit ihr zu» sammenhängenden rechtlichen Grundlagen befaßen, machen eine genaue Kenntnis der Rechtslage notwendig. Diese Abteilung hat auch zahlenmäßig den größten Arbeitsanfall. Ein anderes Sachgebiet befaßt sich mit der Sozialversicherung, die sich zwischen Versicherungsnehmer und Verstcherungsträger (Kranken- kasien usw.) ergeben. Invaliden, kranken oder sonst arbeitsunfähigen Volksgenossen wird hier Rat und — wenn notwendig — tatkräftige Unterstützung zuteil und sollte keine Einigung erreicht werden, werden die Sozialversicherungsbehörden, die die staatliche Aufsicht ausüben, eingeschaltet. Die dritte Unterabteilung nennt sich „Steuerberatung". Handwerk und Kleinhandel steuerlich zu beraten, sie vor Anwendung steuerlicher Rechtsmittel zu schützen und zu bewahren, damit befaßt sich die „Steuerberatung". Es wäre allerdings abwegig, anzunehmen, daß sie sich auch zu der früher so beliebten „Steuerschinderei" hergibt. Solche Persuche werden strikte abgelehnt.
Der Gesamtwert von den Rechtsberatungsstellen vor Gericht ausgesochtenen Streitigkeiten belief sich im Vorjahre in unserem Eau auf etwa 500 000 RM. Man erkennt also, daß immerhin große Beträge zur Debatte standen, abgesehen von den grundsätzlichen richterlichen Entscheidungen. Außer der Mitgliedschaft zur DAF., die selbstverständliche Voraussetzung ist, müssen, um eine Klage durch die Rechtsberatungsstellen führen laßen zu können, begründete Jntereßen vorliegen. Mutwillige oder von vornherein aussichtslose Rechtsfälle werden abgelehnt. Dort jedoch, wo ein begründeter und von Aussicht auf Erfolg getragener Anspruib auf Rechtsmittel des Staates besteht, findet jeder selbstverständliche Hilfe bei der Rechtsberatungsstelle der Deutschen Arbeitsfront. z
Frauen wollen helfen
Ihre Mitarbeit auch in unserem Eau notwendig
In dem Entscheidungskampf unseres Volkes will die deutsche Mau des deutschen Mannes, der an der Front seine Pflicht tut, würdig sein. Tausende haben einen Arbeitsplatz gefunden, an dem sie eine wichtige Aufgabe erfüllen. Nur wenige haben die letzten Hemmungen noch nicht überwunden, die ihrer freiwilligen Eingliederung in den Arbeitsprozeß entgegenstehen. An sie war der Appell des Führers in der letzten Reichstagsrede gerichtet, sich durch besonderen Einsatz in den Befreiungskampf unseres Volkes einzuschalten, und ihnen aalten die wiederholten Hinweise unseres Gauleiters, daß noch zahlreiche deutsche Frauen in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden können. Die Dienststellen der Partei sind dabei bemüht, alle die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, die bei der einzelnen Frau auf Grund ihrer Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie auftreten können. An alles ist gedacht, an die Unterbrinaunader Kinder, an di« notwendige Freizeit für Einkäufe, die große Wäsche usw. Wo zu große sonstige Verpflichtungen im Wege stehen, können die Frauen auch in Halbtagsarbeit eingesetzt werden. Für Hemmungen ist also kein Grund vorhanden, sie müßen überwunden werden. Sollte eine Frau aber trotzdem den richtigen Weg nicht wißen, dann wende sie sich vertrauensvoll an die Orts- und Betriebsobmänner und an die Betriebsfrauenwalterinnen der Deutschen Arbeitsfront. Hier findet sie Rat und Gelegenheit, ihre Einsatzbereitschaft durch die Tat zu beweisen.
Vor 100 Jahren
Ein Blick ins „Wiesbadener Wochenblatt"
Ro. 19. Montag den 9. Mai 1842
„Eau de Cologne" ist zu einem Weltbegriff geworden, nicht aber „Eau de Biebrich", das vor 100 Jahren mit folgender Anzeige der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: „Eau de Biebrich, eine Toiletten-Scife in flüssiger Form; sie vereinigt die Eigenschaften einer guten die Haut reinigenden Seife, mit dem angenehmen Geruch der wohlriechenden Waßer, und wird in Gläsern mit eleganter Etiquette sowohl einzeln als auch in Kistchen von 12 und 24 Stück verkauft von Rud. Leidenfrost in Biebrich." Weiter' lesen wir: „Lin Privatgelehrter,- ehemaliger Profeßor am Gymnasium in Biel, wünscht einen Theil seiner Zeit mit Unterricht auszufüllen. Er lehrt die deutsche, französische, italienische und englische Sprache. Durch einen längeren Aufenthalt in Frankreich, Italien und England mit jenen Idiomen vertraut, hofft er sich noch besonders durch seine Methode zu empfehlen. Nähere Auskunft wird Herr Profeßor Schmitt zu ertheilen di« Güte haben, gez.: F. Wintern itz, im weißen Schwan."
— Sternschau vom 11. bis 20. Mai. Der bis 2% Stunden nach der Sonne untergehende Helle Stern im WNW im Sternbild Stier ist der sonst nur schwer auffindbare innerste Planet Merkur, 135 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Der in der Nähe stehende hellste Stern im gleichen Sternbild ist der Riesenplanet I u p i t e'r in 920 Millionen Kilometer Abstand. Der eine Stunde vor der Sonne im O sich erhebende hellste Stern des Himmels ist Wandelstern Venus als Morgenstern, 175 Millionen Kilometer von der Erde ab.
— Sem Rundfunk. Der Chefkonstrukteur unserer U-Boot- Waffe, Ministerialdirigent Dr. ing. Schürer, spricht am Montag im „Zeitspiegel" um 18.30 Uhr.
— Unfall. In der Dotzheirner Straße kam eine ältere Frau zu Fall und zog sich einen Armbruch zu.
Rheinlandmädel
Liner schönen Wiesbadenerin gewidmet
Rheinlandmädel, gleich der Tanne stehst du stolz und schlank vor mir. Wie ich bin in deinem Banne, lieb ich deiner Heimat Zier.
Blau wie deine Augen grüßen, sieht des Himmels Angesicht auf die Täler weit und Wiesen, die des Rheines Glanz umflicht. Deiner Locken Eoldgeprange findet liebes Ebenbild in der Blumen Überschwünge rings im sonnigen Eefild.
Wo die Ufer dunkler ragen, wo die alten Burgen find, träume ich von deutschen Sagen und du bist das Könrgskind.
a:Iidj wie dein ganzes Wesen t sich mir dein Heimatland, läßt mich allerorten lesen, wo ich deutsche Heimat fand. Ernst Sperk
Frohe Klänge
KdF.-Betreuung in Wiesbadener Lazaretten
Die Eesangsabteilung der Straßenbahn- und Omnibusbetriebe bereitete am Sonntag den Jn- saßen des Kurlazaretts, die den großen Saal bis auf den letzten Platz füllten, einen frohen „Bunten Nachmittag". Betriebsdirektor Scheyrer entbot ihnen den Gruß der Sänger, die es sich trotz ihrer. kargen Freizeit nicht nehmen laßen, allwöchentlich einige Stunden der Pflege des Gesanges zu widmen. Den Soldaten einige frohe Stunden zu bereiten, sei ihr Dank für das, was diese {fit uns alle getan haben. Der vom Chorleiter August Boscheck mit sicherer Hand geführte Chor erwies sich, obwohl viele Kameraden im Felde stehen, durchaus auf der Höhe. Er zeigte Wohlllang und Fülle und wußte die Zuhörer so zu packen, daß sie ihm stärksten Beifall spendeten. Mit der „Mahnung" (Heinrichs) und „Die Ehre Gottes in der Natur" leiteten sie ihre Vorträge ein und ließen dann noch „Lieb' und Treu" (Stieg), „Weißt du mit ein Blümlein blau" und zum Schluß „Rose Marie" und „Heute ist heut'" folgen. Kail Winklet vom deutschen Theatet (Tenor) und Adolf Schmidt (Vatiton) wußten sich mit ihten Sologesängen und zwei Duetten die Herzen der Soldaten zu erobern, wie der starke Beifall bewies. Dazwischen bot das trefflich eingespielte verstärkte Steinmetz- Akkordion-Quartett' das ebenfalls aus Angehörigen der Verkehrsbetriebe besteht, mustergültige Vorträge, die allseitigen Anklang fanden. Ludwig Menges fand mit seinem Spiel mit dem Flexaphon, auf dem Elasxylophon und als Kunstpfeifer gebührende Anerkennung. Wilhelm Reiß erfreute mit lustigen Vorträgen in nassauischer Mundart. Größte Heiterkeit erzielte August Schlicht mit seinen humoristischen Wortön. Oberstarzt Dr. Fritz sprach den Kameraden aus dem Herzen, als er sich za ihrem Dolmetsch machte und den Sängern und Künstlern herz- lrchen Dank aussprach. * * I.
Am SamstMnachmittag hatte der H a n d b a r m o n i k a - Klub Wiesoaden-Biebrich es fich zur Aufgabe gestellt,
80 Meter vor dem Feind
Zum Bergleich: unser Kurhaus hat eine Breite von 128 Meter
In der letzten Ausgabe des „SB. T." lasen wir, daß ein ver- wundeter Gefreiter, tapfer kämpfend, dem bolschewistischen Feind 14 Stunden hindurch standhielt und durch sein Verhalten mit dazu beitrug, die Absichten des Gegners zu vereiteln. 80 Meter vor den feindlichen Stellungen war er verwundet worden. Viele Volksgenoffen lesen diese Zahl, ohne sich viel Gedanken darüber zu machen, wie kurz häufig der Abstand zwischen den beiden Fronten isi. Diese Kürze kommt uns erst richtig zum Bewußtsein, wenn wir einmal einen Vergleich an Ort und Stelle anstellen. Die Front unseres K u r h a u s e s ist 128 Meter lang und ebenso brert etwa der Abstand zwischen den beiden Kolonnaden. Jetzt durfte uns wohl allen klar werden, auf welch knappem Raum an vielen Stellen unsere tapferen Soldaten einem Feinde gegenüberliegen, dem es auf Menschenopfer nicht ankommt. Oft wird stundenlang um 100 Meter gekämpft, eine Entfernung, die ein Erwerber des SA.-Wehrabzeichens in mindestens 17 Sekunden zuruckzulegen hat. Wir mllffen mit Aufmerksamkeit- die Berichte bet, PK.-Mannet lesen, um aus ihnen den Heldenmut und die Tapferkeit unserer Soldaten zu erkennen. P-
— Weibliche Gesolgschaftsmitglieder am Muttertag. Auch in diesem Jahr erhalten am Muttertag wieder deutsche Mütter das Ehrenkreuz der deutschen Mutter. Zahlreiche dieser Mütter stehen heute in der Kriegswirtschaft. Der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz hat deshalb die Reichstreuhänder der Arbeit ersucht, daraus hinzuwirken, daß die zu ehrenden Mütter, soweit sie auch Sonntags arbeiten, am Muttertag ohne Lohnausfall eine angemeffene Freizeit erhalten. Für die übrigen werktätigen Mutter wird, soweit die betrieblichen Verhältniffe dies zulaffsn, ein Austausch von Müttern mit Kindern gegen kinderlose Frauen für den Muttertag empfohlen.
— Feldpostpäckchen nicht in Briefkästen. Es ist beobachtet worden, daß in die Briefkästen auch Feldpostpäckchen geworfen werden. Das hat zu Verstopfungen und Unannehmlichkeiten geführt, da die Päckchen die Leerungen der Briefkästen erschweren. Es ist ratsam, Feldpostpäckchen möglichst auf den Postämtern oder den Posthilfsstellen aufzuliesern.
HMesbaben-ßfobricfi
Der Verkehr am zweiten Maiensonntag nahm, insbesondere in den Nachmittagstunden, einen ungeahnten Umfang an. Besondere Anziehungskraft übte der Rhein aus.- Die Gesamtzahl der von den Straßenbahnlinien besörderten Personen erreichte die Höhe von zirka 35 000 Personen. Damit wurden die seitherigen diesjährigen Höchstzahlen im Straßenbahnverkehr noch werter überschritten. Wenn auch in den Wagen oft eine drangvolle Eizge herrschte, so wickelte sich doch alles ohne Unfall ab. Die Personenschiffahrt verzeichnete gestern ebenfalls den bisher besten Sonntagsverkehr dieses Jahres. Zu einzelnen Schiffen war der Zugang recht beträchtlich.
Ehrung. In einem geselligen Beisammensein der Gesangsabteilung der Straßenbahn- und Omnibusbetriebe überreichte am Sonntag der Ehrenvorsitzende Rudolf Arnold dem zweiten Vereinsführer Heinz Hofmann für seine 20jährige Tätigkeit im Vorstand die goldene Ehrennadelodes Vereins.
Ein Wafferrohrbruch ereignete sich am Sonntagvormittag in einem Hause der mittleren Wiesbadener Straße, wobei der Keller vollief. Der Schaden wurde alsbald behoben und der Keller leer gepumpt. '
unter Vermittlung der NS.-Eemeinfchaft „Kraft durch Freude", den Verwundeten der Augenabteilung des Reserve-Lazaretts I durch musikalische Darbietungen ein paar frohe, unterhaltsame Stunden zu bereiten. Daß ihnen dies restlos gelungen ist, bewiesen der starke Beifall, der immer wieder Zugaben erbat, und der von einem Soldaten für seine Kameraden zum Ausdruck gebrachte herzliche Dank. Die jugendliche Schar unter Leitung von Walter Gemmerich, der am Flügel begleitete, war freudig und unermüdlich im Spielen von Volks- und Soldatenliedern, Marsch- und Walzerweisen, bei denen die Hörer schließlich aus Be- geisteruna mitsummten und mitsangen, und es entstand eine beinahe ernsthafte Traurigkeit, als nun doch einmal wirklich Schluß sein mußte. * A. PI.
1 Werkkameraden der Vetriebsgemeinschaft Klinger n. Kolb haben sich zu einer kleinen Musikergemeinschaft mit Akkordions, Geigen und Guitarre zusammengetan, um sich und ihre Kameraden durch ihr Spiel zu erfreuen. Am Samstagnach- mittag waren sie dann freudig dem Rufe der NS.-Gemeinschaft ^Kraft durch Freude" gefolgt, um den verwundeten Soldaten des Reserve-Lazaretts I eine Freude zu bereiten. Sie brachten den Kameraden, die noch ans Bett gefesselt sind, die also nicht, wie ihre gehfähiaen Kameraden einmal ein Theater, ein Kino oder eine KdF.-Veranstaltung im Saale besuchen können, einige musikalische Genüsse. Um so dankbarer waren die Zuhörer für das Gebotene. Auch Kamerad Martin, der die Grüße seiner Arbeitskameraden überbrachte, fand für seine gesanglichen Darbietungen schönen Beifall.
In einer anderen Abteilung des gleichen Lazaretts waren Bolksgenoffen aus Mainz zu East, die echt rheinische Stimmung durch Witz. Humvr, Gesang und Äkkordionmustk verbreiteten. Such hier gab es nur dankbare Zuhörer unter den Verwundeten. p.
Montag: Berdunkelung van 22.10 bis 5.08 Uhr
Eine Kammermusik-Matinee mit Streichquartetten von Joseph Marx und Armin C. Hochstetter sowie ein „Kleines Konzert" für Bratsche und Klavier von Alfred Uhl, Werke, die gewagten Klangkombinationen ausweichen, ohne an Gehalt und Persönlichkeitswert einzubüßen, sand eine ungewöhnlich herzliche, zum Teil Wiederholung herausfordernde Aufnahme.
Abschließend sei bemerkt, daß die Stadt Wien in ihrer Bemühung, die zeiigenöffische Musik zu fördern, zwei Preise gestiftet hat. Jährlich einmal soll — so berichtete Eeneralkulturreferent W. Thomas — der unteilbare Beethovenpreis (10000 RM) und der 5000 RM betragende Schubertpreis verteilt werden. Das Bewußtsein der hohen Verantwortung gegenüber einer der bedeutendsten Kulturausgaben wird von der Musikstadt Wien damit in schönster Weise gekennzeichnet.
Julius A. Flach.
* Konzert im Kurhaus. Die Mitwirkung des B i e b r i ch e r Männerquartetts gab dem Abonnementskonzert am Sonn- tagabend durchaus vokalen Charakter. In seinem abwechslungsreichen und vornehmen Programm, das neben wertvollen Gesängen von Beethoven, Schubert, Bartosch, Donati, Trunk, Andrae und Cutti auch einen uraufgeführten, wirkungsvoll gesteigerten Chor — „Der Baum" von Willy Sendt — enthielt, imponierte das Männerquartett von neuem durch seine stimmliche Qualität und »gesangliche Schulung. Die einzelnen Stimmgattungen waren am verteilt und nahmen geschloffen durch Weichheit und Markigkeit des Klanges das Ohr gefangen. Die Tonreinheit blieb fast restlos gewahrt, die dynamischen Schattierungen waren auf bas sorgfältigste herausgearbeitet, ebenso hatte man auf klare Deklamation, sachgemäße Phrasierung und Atmung die nötige Beachtung gerichtet. Daß die Vorträge des Vereins in musikalischer Hinsicht auch den höchsten Ansprüchen genügten ist vor allem das Verdienst des zielbewutzten, energischen, mit allen Disziplinen des Männergesangs wohlvertrauten Vereinsdirigenten Kapellmeister August König, der sich in der Ouvertüre zu „Rosamunde" von Schubert und besonders in der symphonischen Dichtung „Die Moldau" von Smetana auch als sicherer, temperamentvoller Orchefterführer dokumentiert«. Als Gesangssolistin war Elisabeth Geiste (Mainz) zur Mitwirkung herangezogen worden, die, von August König aufs feinfühligste am Klavier begleitet, den stimmungsvollen „Zigeunermelodien von Anton Dvorak eine berufene Interpretin war und auch das Altfofo in Schuberts „Ständchen" sehr zu Dank sang. In dem letzteren erfreute Anton H o i g t durch dezente, anschmiegsame Klavierbegleitung. Der gutbesetzte Saal ließ es an lebhaften Beisallsbezeugungen allen Darbietungen gegenüber nicht fehlen. Fritz Zech.
Tsttssnössischs Musik in Wisn
Richard Strauß dirigiert »Salome" — Die Stadt Wien als Mäzen
Den musikalisch intereffierten Wienern macht man gern den Vorwurf, sie möchten mit der Eintrittskarte zu einer Opern- oder Konzertaufführung gleichzeitig einen Garantieschein für Ewigkeitswert erwerben. Es ist schwer zu sagen, worin die Gründe für diese, dem Reuen skeptisch gegenüberstehende Halturm zu suchen sind. Schwerlich wird man sie ausschließlich mit der Verpflichtung gegenüber dem Erbe der Tradition motivieren können. Pielleicht will Musik vom Wiener immer vom Blut, vom Gefühl her bejaht werden. Eine verstandesmäßige Auseinandersetzung, die oft aenug das Herz überreden muß, bis es überzeugt im gleichen Takt schlägt, hält er offenbar mit den ungeschriebenen Gesetzen für den Aufenthalt in den geheiligten Bezirken der Musik für unvereinbar. — Der bald 80jährige Richard Strauß ist denn auch in Wien, seiner derzeitigen Wahlheimat, der beliebteste der heutigen Komponisten. Ihm sind in der „Woche der zeitgenössischen Musik" nicht weniger als drei Opernabende eingeräumt. Dabei würde „E l e k t r a", falls diese Sinfonieoper heute in Wien uraufgeführt würde, mit ziemlicher Sicherheit abgelehnt werden, obwohl über drei Jahrzehnte seit der Dresdner Uraufführung vergangen sind. Die qualitativ hochstehende Wiedergabe unter R. Moralt (mit Gertrude Rünger, Margarete Klose und Hilde Konetzni) gehört heute aber zum unangefochtenen Repertoire der Wiener Staats« opei. Die weniger „kühne" „6 a I o m e" erhielt durch die musikalische Leitung des Komponisten ihre festliche Note. Strauß holt« aus dem Riesenorchester alle kammermufikalischen Feinheiten der Partitur mit einem Minimum an Gestik heraus und durfte sich auf sein Ensemble — Else Schulz, Hans Hotter und Joachim Sattler fangen und spielten die Hauptpartien — so verlaflen, daß er auf die Einsätze verzichten konnte. „D a p h n e“ mit Maria Sei» ning wird in diesen Tagen folgen. — Bei der „P a l e st r i n a"- Ausführung (mit Hans Hotters „Borromeo" und Josef Witts „Palestrina"), die am 28. Geburtstag des Komponisten angesetzt war, fiel auf, daß in manchen Abschnitten dieses einmaligen Werkes bereits das vorbereitet wurde, was Werner E g k in seinem intereffanten Portrag über „Fragen der zeitgenössischen Oper" als „die Darstellung geistiger und seelischer Wirklichkeiten" bezeichnete, die heute das Ziel der jungen Koinponistengeneratian sei. Aufschlußreich war auch das Referat des bekannten Kunstbetrachters K. H. Nuppel über „Probleme des modernen Bühnenbilds", für das Ruppel sowohl im Schauspiel wie in der Oper eine dramaturgische Funktion für unerläßlich hält. Die großen Konzert- ereigniffe, die Furtwängler und Kabafta mit den Wiener Philharmonikern bieten werden, stehen noch bevor.
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Aus Auust und Leben
* Dr. Karl Peter Biltz von den Städtischen Bühnen in Freiburg i. B. (früher am Deutschen Theater in Wieshaden) wurde von Intendant Dr. Wolfgang Nufer für die Spielzeit 1942/43 als Chefdramaturg an das Deutsche Theater in den Niederlanden verpflichtet. — An die gleiche Bühne wurde auch Inge Conradi vom Reichsgautheater Posen (früher am Restdenz- Theater Wiesbaden) verpflichtet.
* 150 Jahre Gießener Konzertverein. In der vollbesetzten Aula der llniverfität Gießen fand am Sonntagmittag ein Festakt anläßlich des 150jährigen Bestehens des Gießener Konzertvereins statt. Dazu hatten sich zahlreiche Ehrengäste eingefunden, an ihrer Spitze Staatssekretär Reiner als Vertreter des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger. Der Vorsitzende des Konzertoereins, llnioersitätsprofeffor Dr. Eger, gab einen Überblick über die 150jährige Geschichte und das erfolgreiche Wirken des Konzertvereins. Hierauf überbrachte der Präsident der Reichsmufikkammer, Professor Raabe, dem Gießener Konzertverein die herzlichsten Grüße und Glückwünsche der Reichsmufikkammer. Gleichzeitig würdigte er das Wirken des Gießener Konzertvereins mit Dank und Anerkennung und wünschte ihm eine der ruhmreichen Vergangenheit würdige segensreiche Zukunft. Oberbürgermeister Ritter überbrachte dem Verein die Glückwünsche der Stobt Eießen.
* Richard-Hoelscher-Jubiläumsausstellung. Vor zahlreichen Kunstfreunden aus Darmstadt und dem Eau Heffen-Raffau, vielen Ehrengästen aus Partei, Staat und Wehrmacht, sowie künstlerischen Verbänden eröffnete am Samstagnachmittag Oberbürgermeister Wamboldt in Anwesenheit des Meisters die aus Anlaß des 75. Geburtstages veranstaltete Richard-Hoelscher-Jubiläums- schau Etwa 300 Werke Professor Hoelschers aus Galerien und Privatbesitz vermitteln einen umfassenden Einblick in bas künstlerische Werben und Ringen Hoelschers.
* Timmermans und Koskennierni als Hamburger Preisträger. Am Samstag, dem 23. Jahrestag der Hansischen Universität Hamburg, verkündete in feierlicher Sitzung der Rektor der Universität Proseffor Dr. Keeser aus Grund eines Beschlusses des Kuratoriums der Hansischen Stiftung die Verleihung des Hansischen Rembrandt-Preises für 1942 an Felix Timmermans, den flämischen Dichter, der sich zum Künder wahren Flamentums in feinen Schriften gemacht habe, und des Henrik-Steffens-Preises für 1942 an Veikko Antero Koskenniqmi, den großen finni« scheu Dichter und Lyriker, den bewährten Freund Deutschlands, Proseffor der Literaturgeschichte an der Universität Turku, Vizepräsident der Europäischen Dichterunion.
