Seite 4 Nr. 51
Wiesbadener Tagblatt
Montag. 2. Mär; 19«
Wiesbadener Nachrichten
Verdunkelung am Himmel
Mondfinsternis in ^et Nacht vom 2. zum 3. März
Allen Verdunklungsmatznahmen zum Trotz wird der Mond alle Monat einmal voll und beleuchtet dann, soserne es klar ist, die Gegend, zur Freude der Fußgänger, wenn sie nunmehr wieder einmal abends sehen können, ohne sie alte verdunkelte Taschenlampe, Heute Abend nun fügt sich auch der Mond der allgemeinen Verdunkelung^ Es findet eine, bei uns im ganzen Umfange sichtbar e M ondfinsterns statt. Die Vorbedingungen einer solchen Finsternis sind folgende. Es mutz Vollmond sein, der Mond mutz also inbezug auf die Erde der Sonne gegenüberstehen und er mutz um diese Zeit in der Nähe der Knoten seiner Bahn stehen. Dies sind die beiden Punkte, in denen die Mondbahn die Erdbahnebene schneidet. Würde die Mondbahnebene mit der Erdbahnebene übereinstimmen, so wäre bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis (und bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis). So sind aber beide Ebenen etwa fünf Grad gegeneinander geneigt, so- datz der Vollmond meist über oder unter dem Schattenkegel der Erde hindurchgeht. Nur wenn der Vollmond in der Nähe dieser Knoten stattfindet, kann eine Mondfinsternis cintreten.
Bei unserer heutigen Finsternis steht der Mond um 2 Uhr 26 Min. genau der Sonne gegenüber und erreicht schon um 4 Uhr 24 Min. den aufsteigenden Knoten seiner Bahn, geht also von der Südseite der Erdbahn zur Nordseite über. Es ist daher eine sehr zentrale totale Verfinsterung zu erwarten, bei der der Mond nur wenig unter dem Mittelpunkt Les Erdschattens durchgeht.
Die Finsternis beginnt eigentlich um 23 Uhr 28 Min., wenn der Mond in den Halbschatten der Erde cintritt. Doch kann dieser Eintritt nicht beobachtet werden, weil die Helligkeitsänderung zu gering ist. Erst um 0 Uhr 31 Min., wenn der Mond in den Kern- schatten der Erde eintritt, kann die bekannte Einkerbung der Mondscheibe festgestellt werden. Um diese Zeit steht der Mond senkrecht überllbangi Schari in Zentralafrika.DerErdschattcn, in dem dcrMond um 1 Uhr 33 Min. völlig eingetretcn ist, hat um diese Zeit eine Länge von 1370 000 Kilometer und in Mondentfernung einen Durchmesser von 9200 Kilometer, ist also fast dreimal so breit als der Mond (3476 Kilometer). Im Kernschatten verbleibt der Mond bis 3 Uhr 10 Min., ohne dabei aber völlig zu verschwinden. Die Streuung der in der Erdatmosphäre gebrochenen Sonnenstrahlen ist so grotz, datz der ganze Mond in einer tief kupferroten Farbe erscheint. Um 4 Uhr 12 Min. ist der Mond völlig aus deni Kernschatten ausgetreten und die Finsternis hat damit ihr "sichtbares Ende erreicht. Er steht um diese Zeit senkrecht über einem Punkt 1800 Kilometer westlich von Monrovia im Atlantischen Ozean. Um 5 Uhr 15 Min verläßt er dann auch den Halbschatten der Erde. Damit ist die erste Finsternis des für uns finsternis- reichen Jahres 1942, das neben einer weiteren totalen Mondfinsternis auch noch eine partielle Sonnenfinsternis bringt, abgeschlossen. K. B.
Erhöhter Schutz der heimischen Vogelwelt
Ein Wunsch des Führers findet in unserer Heimat Erfüllung
In der letzten Monatsversammlung des Nassauischen Vereins für Naturschutz gab der Vorsitzende Strauch Kenntnis von einem Erlaß des 'Reichsbauernführers, nach welchem der Führer einen erhöhten Schutz unserer einheimilchen Dogel- welt wünscht. Dementsprechend ordnet der Reichsbauernführer an, daß bei der Beseitigung von Hecken und Gehölzen in der Flur, die den Singvögeln die nötige Nistgelegenheit bieten, mit größter Schonung zu verfahren ist. Damit erhalten die Bestrebungen des Naturschutzoereins auf diesem Gebiet von den vbersten Reichsbehörden erneut wertvolle Unterstützung. Im Zusammenhang damit sei darauf hingewiesen, daß sich bereits im R h e i n g a u in unmittelbarer Nähe des Schlosses Vollrads ein größeres Vogelschutz- aebiet befindet und daß Professor E a e r t n e r im Rheingau auf der Geisenheimer Heide fünf neue flächenhafte Naturdenkmale beantragt hat sowie ein weiteres als Graf Schönbornsches Naturschutzgebiet. Anschließend an den geschäftlichen Teil gab dann der Vorsitzende an Hand eines reichen Bildmaterials einen Überblick über einen Teil der Tätigkeit des Naturschutzvereins, nämlich den Schutz denkmalhaster Bäume, wobei auch im Bilde noch einmal solche Bäume aufkebten, die bereits der Zeit oder denr Unwetter zum Opfer gefallen sind, wie z. B. die miteinander verwachsenen Mai- und Steinlinde auf dem Steinheimer Hof, die Traueriuche usw. Von den noch vorhandenen Baumdenkmalen, die fast ausnahmslos unter Naturschutz stehen, seien erwähnt: die Linden am Wehener Marktplatz, die letzten Ecbückbäume unfern der Mappcr Schanze, die Zeder auf dem Hof Eeisberg, die alten Weiden und Silberpappeln bei Geisenheim, die 1000jährige Linde bei Niederems, die Schlangenfichte in Maurers Eartenanlage in der Eltviller Straße, die Eichen auf dem Speierskopf, daneben viele Aufnahmen aus dem Fasaneriepark. Auch von der Beschädigung der Naturdenkmäler durch Blitz und Pilzwucherunaen gaben andere Bilder Bericht, und zum Schluffe führten Aufnahmen in die hehre Stille des Winterwaldes.
— Die Meldefrist für die Bewerber für di« Offizierslausbahn des Heeres läuft am 13. März 1942 ab. Bis dahin können sich die Schüler der siebenten Und achten Klaffe höherer Lehranstalten die aktive Offiziere des Heeres werden wollen, beim Wehrbezirkskommando zur vorläufigen Annahme als Bewerber melden. Die Entscheidung über die endgültige Annahme trifft das Oberkommando des Heeres im Laufe der Monate April bis Juni, die Einstellung der angenommenen Bewerber erfolgt am 1. Juli 1942. — Es wird darauf hingewiesen, daß für die Bewerber für die Offizierslaufbahn die Ableistung des Arbeitsdienstes entfällt und daß die als Bewerber für die Offizierslaufbahn angenommenen Schüler bei entsprechenden Schulleistungen Ende Juni in die achte Klaffe versetzt und bis zum 1. Juli 1942 die Bescheinigung über die Zuerkennung der Reife von der Schule erhalten. Alle weiteren Einzelheiten sind bei den Wehrbezirkskommandos zu erfahren und aus den „Merkblättern für den Offiziersnachwuchs des Heeres", die bei allen Wehrbezirkskommandos, Wehrmeldeämtern und Arbeitsämtern erhältlich find, zu ersehen.
Verwundete bei alten Soldaten
Wiesbadens Schönheiten im Farblichtbild
An dem monatlichen Appell der Kriegerkamerad- schaft Wiesbaden 18 9 6 im NS.-Reichskriegerbund am Sonntagnachmittag im kleinen Saal des Lustschutzhauses nahmen auch Abordnungen aus den Wiesbadener Lazaretten teil. Die Verwundeten waren Gäste der alten Soldaten, die teilweise, um ihre Kameraden mit einem Imbiß bewirten zu können, ihre Fleischmarken dafür zur Verfügung gestellt hatten. Kreisredner Hoffmann fand den rechten herzhaften Ton für diese Versammlung, ist er doch selbst ein Kriegsversehrter des ersten Weltkrieges. Er berührte die großen Fragen unseres allgemeinen Schicksals und vergaß auch nicht die kleinen Widrigkeiten des Alltags. Sie find winzig im Vergleich zu dem, was unsere Soldaten zur Verteidigung der Heimat leisten. Aber auch an diesen Winzigkeiten vermag sich der Mut des Mannes zu erproben, für den es keine größere Bewährung gibt als das Einstehen mit seinem Leben für sein Volk und für sein Land. Vergleicht man jedoch diese Kamalitäten mit den Zuständen von 1917 in einem Speyerer Lazarett, wie es der Redner tat, so erkennt man erst, daß doch unser Kriegsalltag längst nicht so kantig ist als jener vor 25 Jahren. Es ist der jetzige Krieg der Krieg jedes einzelnen und unser aller Krieg, rief der Redner unter allgemeiner Zustimmung aus, „ich kann mich als einzelner niemals' dem Schicksal meines Volkes entziehen." überall wo heute gekämpft wird, geht es um das Recht der jungen Völker.
Nachdem der Versammlungsleiter, Kreiskriegerführer Becker, dem Redner gedankt hatte, plauderte Ernst Rüger von der Photographischen Gesellschaft Wiesbaden anregend zu den von ihm aufgenommenen farbigen Lichtbildern. Dieser Spaziergang vom Hauptbahnhof bis zum Opelbad zeigte den verwundeten Kameraden die Schönheiten unserer engeren Heimat, für deren Schutz die Soldaten von 1914—1918 einst ebenso eintraten und ihr Blut fließen ließen wie ihre jungen Kameraden, die aus allen Gauen des Reiches nun mit Aufmerksamkeit den strahlenden Frühjahrs-, Sommer- und Hcrbstbildern folgten. Ihre Vorführung ermüdete an keiner Stelle, ' da die sorgfältige Motivwahl des Photographen immer wieder das Unerwartete mit dem Bekannten zu überraschendem Ergebnis verband. Selbst derjenige, welcher Wiesbaden gut kennt oder wenigstens zu kennen glaubt, ist betroffen und erstaunt, Anlagen, öffentliche Gebäude, das Straßenleben, den Verkehr, das Leben im Bergbad unserer Stadt vor allem, dergestalt wiedergegeben zu finden. Der gleißende Stein, das spielende Wasser, Blumen, Sträucher und Bäume, Schatten und Licht, der rote Akzent eines Briefkastens, die Dramatik der Linien des Aufgangs zum Kaifer-Friedrich-Bad, das Gold des Löwen am Marktbrunnen, Nähe wie Weite, bewegter Wolkenhimmel, wie der Blick zwischen den Waldkuppen des Kellerskopfes auf Naurod und die Mainebene, herrliche Blumcnaufnahmen mit Vorsatzlinse aus einer Entfernung von nur 30 Zentimeter. Unter den Farbaufnahmen befand stch auch eine mittels Teleobjektiv von Hans Evelbauer photographierte Gesamtansicht Wiesbadens vom Neroberg aus. K. E.
Vor 1OO Jahren
Ein Blick ins „Wiesbadener Wochenblatt"
No. 9. Montag den 28. Februar 1842
Die Post ersetzte im alten Wiesbaden vielfach die „Boten- f r a u“, wie aus folgender Privat-Bekannt in achung hervorgeht: „Die Unterzeichnete erlaubt sich hiermit die ergebenste Anzeige, daß sie von jetzt an wieder, wie früher, den Botengang nach Mainz selbst besorgt. Deßfallsige gütige Aufträge int Besorgen der Briese, Paquete und Gelder werde ich zu Jedermanns Zufriedenheit mit der pünktlichsten Reellität ausführen und bitte ich, die mit zugedachten Aufträge bei Herrn Kaufmann Hetzel fen., Kirchgasse, bei Herrn Kaufmann Hetzel jun., Purg- ftraße, bei Herrn Kaufmann Bögler am Markt, oder in meiner Wohnung Saalgasse bei Herrn Schloffergteister Koch aufgeben zu wollen, gez.: Wittwe Heim."
Winke für die Hausfrau
Sauberkeit, Ordnung und Zweckmäßigkeit
Hausfrauen, die diese drei Grundsätze beachten, erleichtern sich damit die ganze vielfältige Hausarbeit. So ist es in etnem geordneten Hushalt selbstverständlich, daß sämtliche Papiertüten sofort entleert werden, sobald man vom Einkauf kommt. Ihr Inhalt kommt in Glas-, Porzellan-, Steingut- und Tongefäße oder in saubere und beschriftete Stofssäckchen. In jungen Haushalten, für die noch nicht alles beschafft «erden konnte, werden solche Stoffsäckchen wohl am praktischsten sein. Sie können auch aus Stoffresten gearbeitet werden. Mit leichten Nähstichen wirb ihnen die notwendige Aufschrift aufgenähi. Keinesfalls aber Nahrungsmittel in Papiertüten lasten! Das ist Nachlässigkeit und führt zu Verlusten. Die Tüten leiben leicht und sind nur geeignet, die Nahrungsmittel auf dem Wege vom Kaufmannsladen bis in die Wohnung ztr schützen. Aber trotzdem heben wir die entleerten Tüten sorgfältig auf. Jede gute Hausfrau wird sich vor solchen Verlusten zu schützen wisten, da sie zweckmäßig zu handeln und die Lebensmittel aufzubewahren weih. Aber auch die Haushaltslehrlinge, die Pflichtjahrmädel und bte Hausgehilfinnen ftnb tn diesem Sinne zu erziehen.
„Probekloß" bewahrt vor Enttäuschungen
Klöße. Knödel oder Kloos, gleichviel, ob sie aus Kartoffeln, Gemüse, Pilzen, aus Mehl ober Semmeln, Fleisch ober Fisch her- gestellt werben, schmecken immer gut, ftnb bekömmlich unb sättigend. Unangenehm ist es aber, wenn die Klöße nicht richtig gelungen sinb unb bic Hausfrau anstelle appetitlicher, fester unb gut durch- gebodener Kugeln eine undefinierbare breiartige Maste im Kochtopf wieberfinbet. Das aber ist stets der Fall, wenn beim Kochen der Klöße bet Teig zu weich war. Hier kann sich bie Hausfrau sehr leicht Enttäuschungen ersparen, inbem sie einen „Probekloß" kocht. Wenn die Maste dann beim Kochen auseinandergeht, muß sie durch Zugabe von Mehl fester gemacht werden. Sollte aber der Probekloß beim Kochen zu hart werden, dann muß der Teig mit etwas Milch oder Wasser weicher verarbeitet werben. Auf bisse Art und Weife wirb sich bie Hausfrau durch vorherige Zubereitung eines Probekloßes vor manchen Unannehmlichkeiten bewahren.
Kupfer ade!
Münzen fanden ihren rechten Platz in den WHW.-Büchsen
Bei der Reichsstraßensammlung am Wochenende waren die schönen Vogelabzeichen im Handumdrehen ausoerlauft. Die Sammler waren aber darüber hinaus eifrig bemüht, die Büchsen weiter zu füllen und ihre Bitten fanden überall Gehör. 3n schöner Opferfreudigkeit fiel manches Geldstück zusätzlich durch den Schlitz der roten Sammelbüchsen. Besonders eifrig wurden dte kleinen Kupfermünzen gespendet, die ab 1. März als gesetzliches Zahlungsmittel aufgerufen worden sind. Wer noch solch kleine Münzen hatte, der ersparte sich den Weg zur Umtauschstelle und opferte sie dem Kriegs-WhW. Dies brachte zwar den Zablern etwas mehr Arbeit, aber sie haben sich dieser Aufgabe sehr gerne unterzogen.
Lautsprecher auf!
Der Rundfunk hilft den Krieg gewinnen
Reichsminister Dr. Goebbels erläuterte in einem Aufsatz unter dem Titel „Der treue Helfe r“, warum bte Solbaten leichte Musik haben wollen unb bie Gestaltung des Programms in erster Linie ihren Wünschen und denen der in den Krtegsbe« trieben schaffenden Arbeitern gerecht werden müßen. Er verkündigte gleichzeitig, daß nunmehr wieder zwei Sendefolgen ausge» strahlt werden. Die Gestaltung des Rundfunkprogramms ist seit einigen Monaten ein das deutsche Volk immer wieder interessierendes Diskussionsthema. Reichsminister Dr. Goebbels hat letzt einmal grundsätzlich zu all diesen Fragen Stellung genommen. Wir musien daran denken, daß. wie der Minister ausführte, heute für bte Abwicklung eines vielseitigen unb sich an alle roenbenben Programms der deutsche Rundfunk nicht mehr 14 oder 15 Sender zur Verfügung hat/ die den einzelnen Wünschen eher Rechnung tragen könnten, sondern daß alle Reichssender zusammengeschlossen sind und tn einem einzigen Darbietungsablauf folglich nur noch einem Teil des deutschen Volkes in seinen Wünschen entgegenkommen können. Sonderwünsche werben demnach nur dann berücksichtigt, wenn sie in einem Rahmen gehalten sind, der wirklich der Mehrzahl aller Deutschen Freude unb Entspannung bieten kann.
Es ist zum Beispiel ungerecht, wenn ein Mensch sich heute bar» über beschwert, daß er in den Abendstunden keine belehrenden Vorträge ober Symphonien hören kann. Ungerecht gegenüber bem schwerschafsenden Volksgenosten, ber nach einem mit Arbeit über» labenen Tag gar nicht mehr bie Konzentrationsfähigkeit besitzt, sich von Beethoven ober einem noch so interessanten literarischen ober wissenschaftlichen Thema ansprechen zu lasten. Wenn es trotzdem nach vielen Vorbereitungen gelungen ist, in den Hauptsendestunden wieder zwei Programmfolgen zu senden, dem Deutschland» s e n d e r also künftighin die Ausgabe zu stellen, die ernste, gehobene, klassische Musik zu pflegen, Jo ist bas eine Leistung, bie gerade diejenigen voll anerkennen sollten, die mit bisherigen Rundfunksendungen nicht zufrieden waren. Denn nach wie vor bleibt es die Ausgabe des Rundfunks im allgemeinen, seine Hörer zu entspannen, ihnen einen Gegenpol zu liefern gegen bie harten Anforderungen des Alltags. Allen kann es ber deutsche Rundfunk nicht recht machen. Daß er es aber recht vielen recht machen wirb, dafür garantiert die einheitliche Leitung des gesamten deutschen Rundfunkwesens. Durch die Konzentration wird Leerlauf vermieden und eine von höchster Verantwortung getragene Ausgewogenheit aller Wünsche gewährleistet.
— Weitere Einschränkungen im Zugverkehr. Aus wehrwiri- schastlichen Gründen muß der Meisezugverkehr an Sonntagen auch weiterhin in ganz erheblichem Umfange eingeschränkt werden. Die Bevölkerung wird aufgefordert, alle nicht unbedingt notwendigen Reisen auch an diesen Tagen zu unterlaßen. Bei den wenigen, an Sonntagen noch verkehrenden Reisezügen kann eine Gewahr für die Beförderung seitens der Reichsbahn bis auf weiteres nicht übernommen werden.
— Rückfälliger Dieb verdient strenger« Straf«. Der im Jahre 1941 bei einer Wiesbadener Firma tätig gewesene Wilhelm Atzmuth hatte im Betriebe allerhand Diebstähle ausgeführt und Seife, Zahnbürsten usw. in seinen Besitz gebracht. Die Diebesbeute hat er teils an Gutgläubige verkauft, teils verbraucht oder zu Hause aufgestapelt. Als er ertappt wurde, zeigte es sich, daß man einen guten Fang gemacht hatte. A. war nicht nur mehrfach einschläglich vorbestraft, Jonbern hatte im Jahre 1940, als er auf einer Baustelle in Altenburg arbeitete, in größerem Umfange Leichtkabel unb Wasserschläuche gestohlen unb es zugelaffen, daß auch andere arbeitet von den ihm anvertrauten Werkstoffen stahlen. Das Land- gericht Wiesbaden verurteilte den A. am 8. Dezember 1941 wegen Diebstahls im wiederholten Rückfall und wegen fortgesetzter Untreue teils in Tateinheit mit Unterschlagung und wegen Betruges zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus und 100 RM Geldstrafe. Dieses Urteil ist jetzt vom Reichsgericht im Strafausspruch aufgehoben worden, da in neuer Verhandlung zu prüfen ist, ob der Angeklagte nicht nach § 20 a StG. als g e » jährlicher Gewohnheitsverbrecher anzusehen und entsprechend strenger zu bestrafen ist. „Reichsgerichtsbriefe". (1 D 31/42. — 27. 2. 1942.)
— Das ,W. T." gratuliert. Frau Margot Wehle, Westendstraße 40, bestand ihre Meisterprüfung als Damen-Frifeufe.
— Unfälle. Am Bofeplatz rutschte ein Mann aus und zog sich einen Beinbruch zu. — In der Adolssallee kam eine Frau zu Fall und trug einen Armbruch davon. — In der Frankfurter Straße erlitt ein Radfahrer, der gestürzt war, blutende Kni«- und Handverletzungen.
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Das Köln-Düsseldorfer Agenturgebäude auf dem Lieblicher Landeplatz kann in diesem Jahre auf [ein 50j übriges Bestehen zurückblicken. In der Eemeinderatssitzung vom 7. Januar 1892 wurde das Gesuch der Köln-Düffeldorfer Dampfschiffahrisgesellschaft um Errichtung eines neuen Agenturgebäudes au; fiskalischem Platze am Rhein auf Genehmigung begutachtet. Das alte Gebäude wurde am 6. März meistbietend für 210 Mark auf Abbruch versteigert. Meistbietender war der Unternehmer Jakob Sauer. Der Ab-
Montag: Verdunkelung von 20.08 bi» 7.42 Uhr
Lsistring unö «Zukunft das öoutschsn Jilins Uber eine Milliarde Filmbesucher im Jahre 1941 — Nachwuchsförderung — Schaffung des Amtes eines Reichsfilmintendanten
Berlin, 1. März, Neichsminister Dr. Goebbels sprach vor einem geladenen Kreis von Vertretern der Filmkunst, Filmwirtschaft und Filmtechnik über den deutschen Film.
Er betonte, daß das deutsche Filmschaffen seit der Machtübernahme eine sehr erfreuliche ständige Derbefferung der künstlerischen Qualität aufzuweisen habe, die durch die Knegsereigniße gesteigert worden sei. Daneben könne man auf wirtschaftlichem Gebiet eine starke Aufwärtsentwicklung feststellen. So sei bte Zahl der Besucher, die im Jahre 1933 245 Millionen betrug im Kriegsjahr 1940 auf 834,1 Millionen gestiegen, und für 1941 seien über eine Milliarde Filmbesucher ju oer5cidjnen.
Der Filmtheaterbesuch bedeute für den schaffenden Menschen eine garnicht hoch genug einzuschätzende Entsp a n n u ngs- Möglichkeit. Darüber hinaus biete sich dem deutschen Filmschaffen durch die Kriegsereigniffe ein Betätigungsfeld im Ausland, das alle Erwartungen übertreffe.
Es fei eine vordringliche Aufgabe, den gefamt e uropa« ischen Markt mit guten deutschen Filmen zu versorgen unb sich bie neuen Absatzgebiete für bauemb zu sichern. Dte Befriedigung des stark gestiegenen Filmbedarss wäre nur möglich, wenn die Produktion dem Ruf nach Leistungssteigerung durch Rationalifierung in noch stärkerem Maße Folge leiste.
Die Produktion solle schon im nächsten Jahr starkstens t n t e n- {{giert werden. Sieben einer gewißen Anzahl bedeutsamer Großfilme müsse im Einklang mit den immer wieder geäußerten Wünschen der Mehrzahl des deutschen Volkes der entspannende Unterhaltungsfilm eine betoniere Pflege erfahren. Es sei selbstverständlich: daß auch an diese Filmart hohe Qualitätsansvrüche gestellt «erden mußten. Der Minister warnte eindringlich davor, heitere Entspannung mit öder Verflachung zu verwechselst. . ,„
Nicht der Aufwand, sondern vor allem Ideen und k u n st - Frische Leistung seien für den Erfolg entscheidend. Der
Aufwand könne ohne Gefährdung der Qualität der Filme auf ein den Kriegsanforderungen angemessenes Maß zurückgeführt werden. Voraussetzung dazu sei eine intensivere Gestaltung der vorbereitenden Arbeiten. Das gelte sowohl für die gesamte Arbeitsplanung als auch im einzelnen für die Stoffwahl, den Einsatz von Schauspielern und Regiffeuren, die Proben, den Ansatz der Außenaufnahmen und viele andere Fragen. Die Nachwuchsfrage sei von größter Dringlichkeit und Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der Führung der deutschen Filmkunst.
Reichsminister Dr. Goebbels gab sodann einen überblick über bie von ber beuischen Filmführung nach sorgfältiger Prüfung geschaffenen organisatorische n Voraussetzungen. Den Filmgesellschaften fei unter ber Firma llfa-Film-E. m. b. H. ein Führungsorgan gegeben worben, das sowohl die Produk- tions- als' auch die wirtschaftlichen unb technischen Jntereffen zusammenfaffe. Das Organisationsstatut ber Ufa-Film-E. in. b. H. sehe auf dem Gebiet der Filmherstellung vor, daß die Produktionsfirmen künftig von allen Nebenaufgaben entlastet würden und sich ausschließlich der Herstellung künstlerisch hochstehender Filmwerke widmen könnten. Der wirtschaftliche und der technische Sektor des deutschen Films würden mit allen Nebenaufgaben im Rahmen der Universum-Film-AE. und der Deutschen Filmcheater-E. m. b. H. z e n t r a I i f i e r t werden. Nach einer Aufzählung der der Ufa-Film-E. m. b. H. als Produk- tionsgesellschasten angeschloffenen Firmen kam ber Minister auf bie neugeschaffene Stelle bes Reichsfilmintenbanten zu sprechen. Ihm obliege im Rahmen ber Ufa-Film-G. in. h. H. bic allgemeine Probuktionsplanung, bie Ausrichtung der künstlerischen und geistigen Eesamthaltung der Produktion und endlich die Überwachung des künstlerischen Personaleinsatzes sowie der Nachwuchserziehung. Zur Beratung des Reichsfilmintendanten bei der Entscheidung und Schlichtung künstlerischer Fragen sei ihm ein künstlerischer Beirat beigegeben.
Gs ist unser Ehrgeiz", so erklärte ber Minister am Schluß feinet Rede, „den Film endgültig vom Kintopp zur Filmkunst emporzuführen, genau fo wie cs einst Deutsche waren, die die Bühne von der Schmiere zum Theater emporgeführt haben. Für diese schöne und stolz« Ausgabe bitte ich um Ihre Mitarbeit."
Aus Aunst und (eben
* Kurhaus. Unser vortrefflicher Oboist, Kammermusiker Theodor Dieckmann, trat wieder einmal im kleinen Kurhaussaal, diesmal von einem Kammerorchester begleitet, als Solist auf. Er spielte ein Oboekonzert von Josef Haydn, der neben Händel wohl die meisten Werke mit Orchesterbegleitung für dieses Instrument geschrieben hat. Es ist eine gefällige Komposition von der Art, wie sie Haydn für den Hausgebrauch an fürstlichen Schlößern schockweise aus seinen musikalischen Ärmeln schüttelte. Das Merkchen ist nicht gerade tief, aber melodiös und sehr formenglatt. Es bietet vor allem dem Solisten Gelegenheit, sein virtuoses Können zu erweisen. Der erst« Satz, ein Allegro, beginnt mit einer festlich heiteren, breit ausgefpoitnenen Einleitung des Orchesters. Dann spinnt die Oboe schulgemäß ihr gemütliches Hauptthema unb ein liebenswürdig melodiöse« Seitenthema aus, das mit allerlei gefährlichen Kapriolen verschnörkelt wird. Das Andante beginnt recht freundlich und großväterlich, um dann den Spieler zu allerlei Seitensprüngen zu verlocken. Noch schlimmer steht es mit dem Schlußrondo, das in der Form von Variationen aufgebaut wirb. Hier gibt es allerlei halsbrecherische Purzelbäume auszusühren. Einem so erfahrenen Musiker wie Theodor Dieckmann gelang es natürlich, mit spielender Leichtigkeit darüber Hinwegzuschweben. Daß er aber auch seelische Töne anzuschlagen wußte, sei ihm besonders gedankt. August Vogt hatte es verstanden, die Vortragsfolge dem Solowerk anzupassen und auf einen heiter-tänzerischen Klang abzustimmen. So hörten wir u. a. die stark dramatisch untermalten Chöre aus dem Oxpheus, bie Meister Gluck schon lange vor seinen Opern» «formen für sein Ballett „Don Juan" verwertet hatte, unb da« anschließenbe Menuett ber Geister im Elysium. Auch ein mobernes Werk war vertreten, bie „Ariabne" von Richarb Strauß mit ihrer leicht wienernden und gleichzeitig altertümlichen Melodik. Don hier war kein weiter Weg zu der Ballettmusik aus Mozarts „Jdomeneo", in der freilich stärkere dramatische Akzente aufblitzen. Dr. Wolfram Waldschmidt
