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Wiesbadener Tagblatt

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Nummer 16

Dienstag, 20. Januar 1942

90. Jahrgang

heft um ben Sieg der neuen europäischen icutiget und schärfster Verurteilung und Ab-

nun

Alles das ist für Churchill bei feiner Rückkehr eine wenig angenehme Begleitmusik. Man muh in England wieder ein­mal peinliche Abschreibung-- ’*•’----“ ■ •— -

Es gibt nur einen einzigen Weltkriegschauplatz

Das Militärabkommen schuf die Borausfetz ungen für eine noch aktivere Kriessfübruus

Der Ring um die eingeschlossenen Briten weiter verengt

Strategisch wichtige Punkt» aus Malaga erreicht

as. Berlin, 20. Jan. (Eigener Drabtbericht unserer Ber­liner Schriftleituna.) Die Wiedereroberung von F e o d o f i a durch deutsche und rumänische-Truppen, die der gestrige OKW.-Bertcht verzeichnete, bedeutet für London und für Moskau eine gleich schwere Enttäuschung. Sie zeigt nämlich erneut, was von all den grohen Erzählun­gen über die angeblich so erfolgreiche sowjetische ..Gegenoffen­sive" zu halten ist. In den lebten Tagen des Dezember war es den Sowjets, worüber das OKW. am 31. v. Mts. be­richtete. gelungen, Truppen auf der Halbinsel Kertsch und bei Feodosia zu landen. Es war zweifellos die Absicht der So­wjets. nicht nur Sewastopol zu entlasten, sondern darüber- binaus auch in den Bentz der ganzen Krim-Halbinsel zu ge­langen. um von bier aus auf die Südflanke der deutschen Front einen Druck ausüben zu können. Dafür spricht der schon in seinen Anfängen mißlungene Versuch der Sowjets, an der Westküste der Krim bei Jew- vatoria Fuh zu fassen. In dem Bericht des OKW. vom 31. Dezember waren bereits schon Gegenmaßnahmen ange- kündigt worden. Diese baben sich nunmehr ausaewirkt. wobei die hohen Veutesablen erkennen lassen, dab der Erfolg gegen einen zablenmähig st arten Gegner errungen wurde. Der ganze Vorftoh hat den Sowjets nur schwere Verluste ge­bracht. zumal die deutsche Luftwaffe wiederholt sowjetische Schiffe mit Nachschub für die auf der Krim gelandeten Bolschewisten mit Erfolg angriff. Es ist also weder der Ein­kreisungsring. der stch um Sewastopol ttgt. gelockert oder aar gesprengt, noch stnd weitergebende Ziele der Sowjets erreicht worden. Die deutsche Abwehr ist auf der Krim nicht weniger

Unverbrüchliche Reichstreue

Bedeutsamer Richtungswechsel im Protektorat Böhmen und Mähren

Moskau und die Schweiz

Von Wilhelm Ackermann

Die schweizerische Eidgenossenschaft gehört zu den Staaten, die aus ihrer behaglichen bürgerlich-demokratischen Ein­stellung heraus dem Bolschewismus immer mit äuherster «s und Zurückhaltung gegenüber gestanden baben. Sie nge gezögert, das Moskauer Regime offiziell anzuer­kennen, und sie hat sich zur Aufnahme von Wirtschafts­beziehungen zur Sowjetunion erst während des jetzigen Krieges entschlossen, unter dem Druck der englischen Blockade, die ihre Ausfuhr und ihre Versorgung über See immer mehr etnschränkte. und sie zwang, eine teilweise Milderung der daraus erwachsenden Schwierigkeiten durch neue Verbindun­gen nach dem Osten zu suchen. Sie war auch wenig beglückr. als seinerzeit der Bolschewismus in der Person Litwinows unter Edens Schirmherrschaft beim Völkerbund in Genf salonfähig gemacht wurde, zumal sie gerade am Sitz dieser glorreichen Einrichtung der innerpolitischen Versckwörer- tatigkeit des dortigen Kommunistenhäuvtlings Nicole nach­drücklich batte entgegentreten müssen. Es ist daher nicht ver­wunderlich. daß mail in schweizer Kreisen, zumal in den welschen Gebietsteilen, die den Sowjetagenten Nicole aus unmittelbarer Nähe erlebt hatten, sich durch die englisch­sowjetische Verbrüderung auf Kosten Europas beunruhigt fühlt und diesen Empfindungen trotz aller stillen Hinneigung zu England entsprechenden Ausdruck verleiht. Eine beson­dere, Belebung haben diese Befürchtungen, denen freilich weniger das Gefühl europäischer Solidarität zu Grunde hegt, als die Sorge um die eigene Zukunft, durch Edens Berichterstattung über seine Moskaureise und durch Molotows letzte, von Haß und Rachegelüsten triefende Note erfahren. Selbst das Blatt der schweizer Sozialdemokratie findet. auck dieser amtlichen sowzetischen Verlautbarung spreche ein politischer Unverstand und Zerstörungsgeist, der noch über die Einsichtslosigkeit der Schöpfer des Versailler Vertrages hinausgebe. Die bürgerliche Presse der Eidgenossenschaft aber wendet sich vor allem gegen die Leichtfertigkeit des eng­lischen Außenministers, der zur Beruhigung der Weltöffent­lichkeit, über die schmähliche Rolle der Londoner Politik den Anschein erwecken möchte, als dürfe man eine zivilisatorische Mauserung des Bolschewismus bereits wie eine festverbürgte Tatsache betrachten.

. Die „Neue Zürcher Zeitung" gibt ihren Zweifeln an dieser Mauserungstheorie im Anschluß an den England­besuch bolschewistischer Gewerkschaftler Ausdruck, indem Re schreibt: „Ob aber in der Entsendung dieser Gewerkschaftler schon die Entschoffenheit der Sowjetregierung zum Ausdruck kommt, auch nach dem Kriege auf alle politische Wühlarbeit zu verzichten, und nicht nur in Worten, sondern mit Taten eine Anpassung an dre europäische Demokratie vorzu­nehmen. bleibt ungewiß. Es werden überzeugendere Be­weise eines Gesinnungswechsels des Bolschewismus vor- liegen müllen, ehe man das Urteil wagen kann, daß Edens Million auch m dreier Hinsicht geglückt ist." Und mit mindestens derielben Unglaubigkeit sagt der „Courier de Eenöve": „Es gibt eine große Zahl Optimisten oder Naiv­linge, die überall gern erzählen, der Bolschewismus sei in einer radikalen Umwandlung begriffen. Sie versichern. daß er nach bem Kriege überhaupt nicht mehr vorhanden sein meibe.. Wrr mochten diesen Leuten gern glauben: aber bis letzt Wien ihre Behauptungen keinerlei feste Grundlage, und man scheint die eigenen Wünsche für die Wirklichkeit

peinliche Abschreibungen vornehmen. Die „Times" tröstet ihre Leier mit den Washingtoner Besprechungen Chur- üöttc qdci itigen AU können, tötts im einzelnen in Stzashmglon besprochen und beschlossen wurde. Churchill seinerseits scheint es wenigstens, nach Darstellungen fchwe- N^v,^?^N^nten. mit Kiner Berichterstattung im Parlament nicht >ehr eilig zu baben. Es wird gemeldet daß er zunächst „die Verbaltnille in. England prüfen will", ehe er stch dem Unterhaus stellt. Die Tatsache daß gestern eine Gruppe oppositioneller Politiker aus den oertoie^enen «ar* ^°udon ,zusammentrat, um stch über ein aemein- sames Vorgeben schlüssig zu werden, wird der englische Mi- mstervrastdent bei dieser Überprüfung der innervofttffchen Lage kaum uberseben können.

Tokio, 20. Jan. (Funkmeldung. 1 Wie die Agentur Dornet von bet inalayischen Front erfährt, haben die japanischen Streitkräfte den Ring um die ei»geschlossenen 20 000 Mann britischer Truppen tn Mittel-Iohore weiter eingeengt Während unmittelbar an der Westküste vorgehende japanische Truppen, wie gemeldet bis zur Südspitze der Malayen-Halbinsel gegenüber der Insel Singapur voräestoßen find, erreichte eine andere japanische Abteilung am Montag die Umgebung von Tongpent, einem strategisch wichtigen Punkt an der Haupt­straße durch Johore, 70 Kilometer südöstlich Malakka. Den Briten wirb hietbutch bet Rückzug auf bie Hauptstraße abgeschnitten. Gleichzeitig wirb gemeldet, daß die im mittleren Teil der Halb­insel oorstoßenden Abteilungen einen Punkt 10 Kilometer östlich von Gemas erreicht haben, und daß die an der Ostküste nach Süden votaehenden japanischen Truppen sich ebenfalls sehr rasch den ein» geschlossenen britischen Streitkräften nähern.

Weite» schwere Luftangriffe auf Singapur

Die japanische Luftwaffe setzt ihre schweren Angriffe auf Singapur ununterbrochen fort. Die schwachen britischen Luft- stteitkräite hatten bei dem Versuch, die japanischen Aktionen ab­zuwehren, große Verluste, die kaum noch ersetzt werden können. In LustkSmpfen über der Festung wurden IS britische Ma­schinen abgeschossen. Großangriffe der Japaner richteten stch

erfolgreich gewesen als an den anderen Abschnitten der Ostfront.

„„ . Zugleich führen die Kommentare der römischen Prelle zur Mllitarkonventiyn der Mächte des Dreierpaktes den Engländern — was diese ja auch täglich am eigenen Leibe spuren und was schon in England zu der Fragestellung Libyen, oder Singapur geführt bat — vor Augen, daß es nur noch einen einzigen Weltkriegsfchauvlatz gibt. So betont der.„Corriere della Sera", man mülle die Kämpfe im Atlantik, im Mittelmeer und im Pazifik als eine einzige große Schlacht anseben. Japan selbst bat offen anerkannt, daß, es seine raschen Erfolge dem Umstand verdankt, daß der größte Teil der feindlichen Streitkräfte im Atlantik und rm Mittelmeer gebunden sei. Andererseits hab« dte tapanlsche Bedrohung der lebenswichtigen Zentren des britischen Empires dazu beitragen, daß di« Dominien keine Truppen und irlugzeuge ins Mittelmeer entsenden könnten. Die. militärische. Zusammenarbeit zwischen den Staaten de, Dreiervaktes sei also bereits im Gange. Das Berliner Mili.tarabkommen.babe.die Voraussetzung, für eine noch aktivere Kriegführung geschaffen. Auch der Sprecher der lapanifchen Regierung wies in einer Presse­konferenz darauf hin, daß die Militärkonvention die enge Zu- sammenarbmt zwischen den Mächten des Dreiervaktes erneut bewies, 3n dem gleichen Sinn stellt die Zeitung ..Tokio Ma bi Schimbun fest, die verbündeten Länder seien in der Lage, auw auf militärischem Gebiet in engster Zusammenarbeit das entrebte Kriegsziel und damit dre Neuordnung der Welt zu erreichen.

Große Zerstörungen auf Malta

Berlin, 19. Jan Der britische Jnselstützvunkt Malta war auch m den letzten 24 Stunden das Ziel mehrerer wir- N^k°bIkof^"d?/ l?Er deutschen Luftwaffe Bei Tag und Nacht belegten die tn Wellen anfhegenben Kampfflugzeuge mehrere Flugplätze der Insel mit zahlreichen Bomben Zu tX!» ,mh ^°h,n8e2 ansenchteten Zerstörungen auf Roll­feldern und tn den Hallen kamen neue Schäden hinzu. Auch die Hafenanlagen von La Valetta wurden erneut bom- hardiert .Die beachteten Einschläge bewiesen die Ziel- stcherheit der deutschen Besatzungen.

etufa&iug zu ei

bet Regierung, St. Ktejei,bem Staatspräsidenten ... _ Hacha bie Gesamtdernission des Kabinetts anzubieten. Staats­präsident St. Hacha nahm diese entgegen und betraute Dr. Krejei sofort mit der Bildung einer neuen Regierung. Dr. Krejei kannte bereits in den Rachmittagsftunden dem Staatspräsidenten die List» der neuen Regierungsmitglieder überreichen.

«tag, 20. Ian. Die Erkenntnis der Notwendigkeiten, nach mehr als bisher alle Kräfte des Pratektarats Böhmen und Mähren für den Endsieg des Reiches und für die Neuordnung Europas unter der Führung Adolf Hitlers zu aktivieren und di» Leistungs- fähigkeit des Führungs- und Berwaltungsapparates durch Ber- - ifljöben. veranlaßten den amtierende» Lotsitzenden Dr. Krejei, dem Staatspräsident«» Dr. Emil

Um 18 Uhr trat bie neue «rotettoratstegiening zu ihrer ersten feierlichen Sitzung zusammen unb gab eine Regierungskund­gebung ab. bie besagt, daß bas neue Kabinett unter Zusammen­fassung aller positiven unb aktivistischen Kräfte an bie Arbeit gehe. Böhmen unb Mähren sei durch bie Vorsehung in bie Mitte bes großen deutschen Volkes unb Reiches gestellt unb mit btefem unb seinem Schicksal für immer eng unb un­zertrennlich oetbunben. In biefem Sinne bebeute bie Neubildung bet Regierung einen entscheidenden Schritt zum rest­losen Hineinwachsen ins Erotzdeutsche Reich.

„Wit haben endgültig den Mut zur Wahrheit. Zum Wohle bes t s ch-« ch i s ch en Volkes gehen wir diese» Schritt offenen Herzens und sauberen Sinnes, im Bekenntnis zu Führet und Reich, in der Gewißheit um den Sieg der neuen europäischen Ordnung und in eindeutiger und schärfster Verurteilung und Ab­lehnung der bolschewistischen und plutokratischen Mächte."

Die fßroteftoratsregrerung sei entschlossen, die ihr anvertraute Aufgabe der Führung und Erziehung der Menschen dieses Raumes, besonders der Jugend des Einsatzes aller Kräfte für ben groß- beulschen unb europäischen Endsieg, der harten Abwehr aller in- unb ausländischen Zersetzungs- und Störungsversuche bis zum letzten zu erfüllen. Sie verlange daher von jedem Bewohner dieses Raumes Glauben und Beistand. Unverbrüchliche Reichs- treue sei eine unerläßliche Voraussetzung für bie glückliche Zu­kunft bes Protektorats.

auch gegen bie Flugplätze Pengah unb Sempang. Uber Pengah würben zehn Buffalos abgeschossen, sieben Blenheim und eine Lockheed am Boden zerstört. Auf dem Flugplatz Sempang wurden neun abgestellte größere Maschinen und eine Flughalle vernichtet, sowie ein feindlicher Jäger im Luft­kampf abgeschossen.

Japanische Fortschritte in Süd-Burma

Schon am Samstag hatte bet britische Heeresbericht von Ge­fechten bei Myi11i tn Süd-Burma gesprochen und am Sonntag von japanischen Angriffen in Richtung Tavoy Mitteilung gemacht. teufe meldet bas britische Hauptquartier, daß T a v o y von ben apanern besetzt würbe Die Engländer hätten stch wegen der Überlegenheit der feindlichen Streitkräfte zurückgezogen. Rach diesen englischen Eingeständnissen scheint also die neue japanische Offensive gegen Sud-Burma gute Fortschritte zu machen. Der Flugplatz von Tavoy wird bereits von japanischen Bombern benutzt deren Angriffe stch gegen Moulmein und bie burmesische Hauptstadt Rangun richten.

T a v o y ist bie bedeutendste Stadt bet burmesischen Provinz Tenasserin unb bilbet ein Zentrum der burmesischen Zinnprobuktion. Es liegt etwa in westlicher Richtung von bet thailändischen Hauptstadt Bangkok unb zählt etwa 100 000 Einwohner.

Weitere Erfolge auf der Krim

SowietkriiNe weiter nach Osten zurückgeworfen. Murman- Babn an mehreren Stellen durch Bombenwurf unterbrochen. Wirkungsvoller Einsatz der Luftwaffe in Nordafrika und gegen Malta

Aus dem Führerhauvtauartier, 20. Jan. Das Ober­kommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Krim wurde die im Raum nordostwärts Feodosia kämpfenden feindlichen Kräfte weiter nach Osten zurückgeworfen.

An der Donezfront, sowie im mittleren und nördlichen Frontabschnitt danern die Abwehr- kämvfe an. Bei erfolgreichen Stoßtruppunternehmuimrn fügten slowakischeTrupven dem Gegner blutige Ber- luste bei.

Die L u f t w a f f e unterstützte an der gesamten Ostfront, rum Teil unter schwierigsten Einsatzbedingungen, die Kämpfe anf der Erde. Die M u r m o« - B a b n wurde an mehrereu Stellen durch Bombenwurf unterbrochen; ein Betriebsstoff- zug wurde in Brand geworfen.

In Rordafrika beiderseitige Spähtrupp- und Artillerietätigkeit. Wirkungsvolle Luftangriffe richiclen stch in der Eorenaika gegen Hafenanlagen und gegen die Küsten­straße. Im Raum südlich Agedabia wurden britische Fahr- reugankammlnngen und Zeltlager mit Bomben belegt.

Im Seegebiet von Tobruk beschädigten deutsche Kampfflugzeuge ein größeres Handelsschiff durch mehrere Bombentreffer.

Die Bombardierung von La Valetta und britischen Flugplätzen auf der Insel Malta durch deutsche Kampfflug­zeuge wurde mit starker Wirkung fortgesetzt.

Richtlinien des Stellv. Reichsprotektors

Der Stellnertretenbe Reichsprotektor, ff-Obergruppenführer General bet Polizei Heybti ch, empfing um 19 llht in bet Burg bie Mitglieder bet neuen Regierung. In einer Ansprache an bie Minister betonte er, baß es sich bei biefer Neubildung bet Regierung nicht um einen normalen Personenwechsel, sondern »erbunben mit bet Reorganisation bet Ministerien um einen geschichtlich bebeutfamen Richtungswechsel han­dele. Nach einem Rückblick auf bie politische Fehlentwicklung zur Republik, bie bie Bevölkerung Böhmens unb Mährens bewußt von bet organischen, geopolitischen unb historischen Zugehörigkeit

zum Reich wegerzog unb damit zum europäischen Untuheherb werben ließ, ging er auf ben Weitblick bes Führers bei bet Mo­bilisierung aller Kräfte für ben entscheibenben Kamps im mittle­ren Europa ein. Der SteHoertretenbe Reichsprotektor branbmartte sodann die Verantwortungslosigkeit und Feigheit der seinerzeit maßgebenden Kreise des tschechischen Volkes, die jetzt in gleicher Weise in der Emigration tätig sind, unb würdigte anschließend den weifen Entschluß des Staatspräsidenten im Frühjahr 1939. Daran anknüpfend rechnete er mit der Passivität der bisherigen Regierung ab, deren Haltung zu den Ereignissen vom Herbst 1941 führte. Den neuen Ministern sprach der Stellver­tretende Reichsprotektor sein Vertrauen aus und gab ihnen grund­sätzliche Richtlinie» für ihre zukünftige Arbeit.

Ausnahmezustand aufgehoben

Der mit der Führung der Geschäfte beauftragte Stellvertre­tende Reichsprotektor, ff-Obergruppenführer und General der Polizei H e y d r i ch , hat im Hinblick auf die fortschreitende Be­friedung den noch für Prag und Brünn geltenden Ausnahmezustand ab Dienstag, 20. Januar. 12 Uhr mit­tags, aufgehoben. Damit fallen auch die sonstigen noch be­stehenden Gebote und Verbote fort.

Neubildung des Kabinetts

Der Staatspräsident ernannte daraufhin folgende Herren zu Ministern des neuen Kabinetts:

Dr. Jaroslaw Krejei, Vorsitzender der Regierung und Justizminister, ßanbespräfibent Richard Bieneri, Innen­minister^ Dr. Walter Berts ch, Minister für Wirtschaft und Ar- beit, Oberst a. D Emanuel Moravec, Erziehungsminister, gleichzeitig mit der Führung des Amtes für Volksaufklärung be­traut, Adolf Hruby, Minister für Land- und Forstwirtschaft, Dr. Heinrich K a m e n i ck y , Minister für Verkehr und Technik, Dr. Josef Kalfus, Finanzminister.

Eidesleistung vor Staatspräsident Hacha

Um 17 Uhr empfing der Staatspräsident die neue Regierung zur Eidesleistung und hielt im Sinne des neuen RegierWigskurses eine Ansprache, in der es u. a. hieß:

„Zu einer Zeit, wo sich fast alle souveränen Staaten Europas eindeutig zur Neuordnung des Kontinents nach dem Willen des Führers bekennen unb aktiv mit dem Reich arbeiten, halte ich es für notwendig, daß im Protektorat ein vollständig neuer Regierungskurs der positiven und aktivistischen Kräfte ein­geschlagen wirb. Ich habe mich darum entschlossen, mit Zustimmung bes Stellvertretenden Reichsprotektors eine neue Regierung zu ernennen, welche in unseren Ländern kompromißlos bie Reuorbnung aufzubauen unb auch hier alle Voraussetzungen für ben Sieg bes Eroßbeutschen Reiches zu schassen hat."

Der Staatspräsident betonte in seinen weiteren Ausführungen, daß mit der Ernennung bet neuen Regierung eine weitgehende sachliche Umgestaltung bet Zentralbehörden bes Protektorats burch- gefübrt werbe. Die unmittelbare Leitung der wich­tigsten Angelegenheiten von Wirtschaft unb Arbeit burch einen Reichsbeamten bebeute einen großen Vorteil für bie gemeinsamen Interessen bes Protektorats und bes Reiches.

Die Mitglieber ber neuen Regierung legten dann bas Ge­löbnis ab, dem Führer bes Großdeutschen Reiches Aböls Hitler als bem Schirmherrn bes Protektorats Böhmen unb Mähren Gehorsam zu erweisen und alle ihre Pflichten gewissen­haft zu erfüllen.

Kundgebung der neuen Regierung