Mittwoch. 31. Dezember 1941
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 306 Seite 9
Das Jahr des Ostfeldzuges / wichtigsten Ereignisse
Januar
1.: Der Führer in keinem Tagesbefehl an die Wehrmacht: „Gerüstet wie nie zuvor stehen wir an der Schwelle des neuen Jahres. — 10.: Deutsche FliegeroerbSnde griffen am 10. Januar erstmalig in den Kampf um den Mittelmeerraum ein. Sie konnten hierbei auf zwei Kriegsschiffeinheiten, darunter dem Flugzeugträger „Illustrious" mehrere Treffer erzielen. — 13.: Somjrt= agentur TASS, erklärt: „Wenn sich deutsche Truppen in Bulgarien befinden, so eyignet sich das ohne Wissen und ohne Zustimmung der Sowjetunion." In Wahrheit sind deutsche Truppen nicht in Bulgarien, die Sowjeterklärung ist der Beginn offener Einmischung und Aufhetzung im Balkangebiet. — 16.: Englischer Kreuzer „Southampton" im Mittelmeer versenkt. — 17.: Deutsche Kampfflugzeuge greifen Malta an. Flugzeugträger „Illustrious" nochmals schwer getroffen. — 22.: Australifche Divisionen in Tobruk eingedrungen. — 23.: llnterftaatssekretär Welles teilt in Washington mit, daß das „moralische Verbot" der Ausfuhr von Flugzeugen und anderem Kriegsmaterial nach der Sowjetunion aufgehoben ist. — 27.; Führer verfügt mit Rücksicht auf die Einwohnerzahl von 7% Millionen die Teilung Schlesiens in die Gaue Niederschlesien und Oberschlesien.
Februar
6.: Beginn der Baltendeutschen-llmsiedlung. — 12.: Englischer Gesandter in Bukarest kündigt seine Abreise an. Oberst Donovan, Roosevelts Vertrauensmann, auf Rundreise durch Kairo, Palästina, Bagdad, Ankara, Athen, Sofia, Belgrad. — 14.: Führer empfängt fugoslawischen Ministerpräsidenten Zwetkowitsch und Außenminister Eincar-Markowitsch aus dem Berghos. — 17.: Deutsche Luftwaffe greift in Libyen, besonders in Benghasi und Agedabia ein. Türkisch-bulgarische Nichtangriffserklärung. — 19.: Autzenminister Darlan, stellvertretender Ministerpräsident und Marineminifter, übernimmt auch französisches Außenministerium. — 21.: Autzenminister Eden und Generalstabschef Dill aus Rundreise im Rahen Orient in Kairo angekommen. — 24.: „An der libyschen Küste südostwärts Agedabia stießen in den Morgenstunden des 24. 2. ein deutscher und ein englischer mot. Spähtrupp zusammen." sWehrmachtbericht vom 24. 2. über erstes Auftreten des deutschen Afrilakorps.)
März
1 .: Bulgarien tritt in Wien dem Dreierpakt bei.'— 2.: Als Sicherung gegenüber den bekanntgewordenen britischen Maßnahmen in Süoosteuropa sind nach Zustimmung der bulgarischen Regierung seit dem 2. 3. Verbände verdeutschen Wehrmacht im Einmarsch nach Bulgarien begriffen. Die einziehenden Truppen werden von dem bulgarischen Volk lebhaft begrüßt. — 5.: Besprechung zwischen Göring und Antonescu zu Wien im Geist enger Zusammenarbeit; Antonescu erklärt nach Rückkehr in Bukarest, daß es zu einem totalen Bündnis gekommen sei. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Bulgarien. —6.: Kommunique anläßlich des Besuchs von Eden und Dill in Athen: „Zwischen den beiden Regierungen herrscht volle Meinungsübereinstimmung über alle Aspekte der Lage." — 9.: Englandhilfegesctz (auch Pacht- und Leihgesetz oder Vorlage 1776 genannt) vom Senat angenommen. Roosevelt erklärt kurz darauf: „Die USA. sind nun zum Arsenal der Demokratien geworden/' — 11.: Abkommen zwischen Französisch-Indochina und Thailand in Tokio unterzeichnet. — 16.: Englische Streitkräfte im Piräus gelandet und nach Norden in Marsch gesetzt. — 23.: Deutscher wchlachtschisfverband unter Admiral Lütjens versenkt im Nordatlantik 22 feindliche Handelsschiffe mit 116 000 BRT. U-Boote bringen an afrikanischer Westküste in mehrtägiger Verfolgung elf Feindschiffe mit 77 ÖöO BRT. zwr Strecke. — 24.: Deutsche und italienische Truppen besetzen El Agheila an der großen Syrte nach Kamps. — 25.: Jugoslawischer Ministerpräsident Zwetkowitsch und Außenminister Eincar- Markowitsch unterzeichnen in Wien Dreimächtepakt. — 27.: In den ersten Morgenstunden findet in Belgrad ein militärischer Staatsstreich statt. Minderjähriger König Peter hat durch Proklamation die kgl. Machtbefugnisse übernommen und den Fliegergeneral Duschan Simowitsch mit der Regierungsbildung beauftragt. Deutschfeindliche Demonstrationen.
April . uj
2 .: General Dentz. der neue Oberkvmmiffar Frankreichs in Syrien, erläßt einen Aufruf und bestellt eine neue syrische Regierung. — 4.: Engländer auf eiligem Rückzug in Libyen. — 5.: Benghasi wiedererobert. — 6.: Führer-Ausruf an das deutsche Volk: „Das Deutsche Reich befindet sich seit heute morgen im Kamps gegen die Usurpatoren von Belgrad und im Kampf gegen jene Verbände, die Großbritannien vom Balkan aus wieder gegen den Frieden Europas vorschtcken zu können versucht." — 8.: Roosevelt versichert König Peter schnellste und jede nur denkbare materielle Hilfe. — 9.: Truppen des Eeneralfeldmarschalls List haben den Vardar überschritten und Griechen von Serben getrennt. Auf griechischer Front Metaxaslinie durchbrochen. — 10.: Jubelnde Bevölkerung begrüßt in Agram deutsche Truppen. Griech. Armee östlich vom Vardar kapituliert. — 13.: Belgrad und Laibach besetzt. — 14.: Masse des serbischen Heeres vernichtet. Sollum genommen. — 16.: König Peter und Ministerpräsident Simowitsch flüchten. — 17.: Gesamte serbische Wehrmacht kapituliert. — 20.: Schlacht in Thessalien gewonnen; Reichskriegsflagge auf dem Olymp. — 24.: Historischer Ihermopylen-Paß genommen, griechische Armeen in Epirus und Mazedonien kapitulieren. — 27.: Athen besetzt. Fallschirmtruppen nehmen Isthmus von Korinth sowie die Stadt. Patras auf dem Peloponnes von Waffen-^ erobert.
Mai
4 .: Führerrede im Reichstag: Im Balkanfeldzug bei Heer und Luftwaffe 1151 Tote sowie 4277 Verwundete und Vermißte. — 5.: Englische Truppen in Basra gelandet; Überwältigung des Irak bis zum 31. Mai. — 20.: Kreuzer „York" bei Kreta versenkt. Kroatisch-italienisches Erenzabkommen. — 24.: Sondermeldung: .Deutsche Fallschirmjäger- und Luftlandetruppen stehen seit den frühen Morgenstunden des 20. Mai aus bei Insel Kreta im Kampf. Ein im Atlantik operierender deutscher Flottenverband unter Führung des Flottenchefs Admiral Lütjens stieß im See- oebiet um Island auf schwere englische Seestreitkräfte. Das Schlachtschiff „SismatiF hat hierbei einen englischen Schlacht- peuzer, die „Hood", vernichtet. — 26.: Deutsche Luffstreitkräfte versenkten im Kampf um Kreta seit dem 20. Mai 7 feindliche Kreuzer und 8 Zerstörer sowie ein ll- und 5 Schnellboote. (Ein Schlachtschiff sowie mehrere Kreuzer und Zerstörer schwerbeschädigt. — 27.: Das Schlachtschiff „Bismarck" steht seit Montag, 21 Uhr, wieder in einem schweren Kampf gegen eine feindliche Übermacht und wurde das Opfer von drei britischen Schlachtschiffen, einem Flugzeugträger, mehreren Kreuzern und Zerstörern. — 28.: In Nordafiika nahmen deutsch-italienische Truppen den Halfaya-Paß südostwärts von Sollum. — 29.: Italienische Truppen landen aus Kreta und beteiligen sich erfolgreich am Kampf.
Juni
2 .: Der Kampf um Kreta ist beendet, die ganze Insel frei vom Feind. — 8.: Britische Mischtruppen greifen Syrien an. — 11.: Zusammenfassender Bericht 6es Oberkommandos mit Erfolgszahlen. Im Balkanfeldzug insgesamt 1460 Offiziere und 558 700 Mannschaften gefangen, li>00 Geschütze erbeutet. — 19.: Alexandrien wirksam mit Bomben schwersten Kalibers belegt. — 22.: Führer- auftuf: „Moskau hat die Abmachungen unseres Freundschaftspaktes nicht nur gebrochen, sondern in erbärmlichster Weise verraten.", Deutsche Truppen im Verein mit Finnen und Rumänen im Kamps gegen den Bolschewismus vom Eis- bis Schwarzen Meer. Sofortige Abreise englischen Botschafters Cripps nach Moskau zurück, zusammen mit englischer Milltärmiffion. — 24.: Bericht des OKW. über Sowjetaufmarsch gegen das Reich. Die Slowakei tritt an. — 25.: Glänzend dokumentierte Rede finnischen Staatspräsidenten Ryti über Eintritt in den Krieg. — 26.: „Admiral Scheer" nach Versenkung von 152 000 BRT. in Nord- und Südatlantik in deutschen Stützpunkt zurückgekehrt. — 27.: Ungarn tritt an. — 29.: 12 Sondermeldungen: Grodno, Brest-Litowsk Wilna, Kowno. Dünaburg, genommen; Doppelteste! Bialystock-Minsk gebildet; Schlacht vor Lemberg. — 20.: Lemberg und Libau genommen. Sowjetischer Lertetdigungsaurschuß unter Stalins Vorsitz gebildet.
Juli
1.: Die Beresina erreicht; Düna in breiter Front überschritten. Amerikanischer Staatssekretär Knox erflärt: „Die Zeit ist heran
gekommen, um unsere Flotte zur Säuberung des Atlantik einzusetzen." Anspielung auf geheimen Schießbefehl Roosevelts. — 2.: Riga und Windau besetzt. Deutsche Verbände in Mittel- und Nordfinnland angetreten. — 3.: Im Süden der Pruth überschritten. Stalin gibt Zerstörungsparole aus. Dernichtungs- schlacht ostwärts Bialystok abgeschlossen. — 4.: Dnjepr ostwärts Minsk erreicht. — 6.: Kampf gegen Stalinlinie. — 9.: USA. landen Truppen in Island. — 13.. S t a l i n l i n i e an allen entscheidenden Punkten durchbrochen. Witebsk genommen. Deutsche Truppen vor Kiew. — 16.: Smolensk erobert. — 17.: Kischinew, die Hauptstadt Bestarabiens, in rumänischer Hand. — 22 : Luftwaffe greift erstmalig Moskau an. — 24.: Engländer verlieren in ihrer sert 22. 6. geführten Non-Stop-Luftosfensive, genannt Nonsens-Offensive, in wenigen Stunden 54 gegen 3 deutsche Flugzeuge. — 31.: Hopkins, Roosevelts Vertrauensmann, in Moskau.
August
3.: Streitkräfte der Philippinen unter Befehl amerikanischen Marschalls Mac Arthur gestellt. — 6.: Vier Sondermeldungen: Im Rorden Voraussetzungen zum Angriff in Richtung Leningrad geschaffen; auf Südflügel Vormarsch bis Kiew, bann nach Süden abgedreht und Verbindung mit deutsch-rumänischer Kräftegruppe aufgenommen; in der Mitte große Schlacht von Smolensk siegreich beendet. — 9.: Am 6. 8. angedeutete Schlacht von U m a n beendet. Sieg von Roslawl, 100 Kilometer südöstlich von Smolensk. Angriffe auf Suez-Kana! und Alexandrien. — 11.: Schnelle Fortschritte in der Südukraine. — 12.: Ostgalizien wird ein Teil des Generalgouvernements. — 14.: Atlantiktreffen zwischen Churchill und Roosevelt. Repräsentantenhaus bewilligt Verlängerung der Dienstzeit auf 30 Monate mit 203 gegen 202 Stimmen, also nur mit Ein-Mann-Mehrbeit. — 15.: Erzgebiet von Kriwoy Rog besetzt. Odessa eingeschlossen und Nikolajew genommen. Große Schiffsbeute. — 18.: England und Sowjets verlangen Ausweisung von rund 700 Deutschen aus Jran-Persien. — 19.: Gebiet westlich des Dnjepr in deutscher Hand. — 21.: Schlacht von ffiomel gewonnen, die der Auftakt zur kommenden Schlacht von Kiew ist. Cherson an der Dnjeprmündung besetzt. Im Norden Sowjets zwischen Jlmen- und Peipussce geschlagen; die Städte Nowgorod, Kingisepp und Narwa genommen. — 22.: Ausdruck „Front vor Leningrad" erstmalig im Wehrmachtbericht gebraucht. Churchill er- hbbt in seiner Rede zum Atlantiktreffen angelsächsischen Weltherrschaftsanspruch in der Form von einer zukünftigen .,Übernahme in der Führung der breiten, werktätigen Masse in allen Erdteilen durch die englischsprechenden Völker . — 25.: U-Boote schießen aus Eeleitzug in mehrtägiger Verfolgung Handelsschiffe mit 122 000 BRT. heraus. Englische und sowjetische Truppen rücken in Iran ein. Brückenkopf und Stabt Dnjepropetrowsk im Sturm genommen. — 27.: Ostwärts von Welikije-Luki 22. Sowjetarmee vernichtet, wodurch Ostflanke der baltischen Heeresgruppe gesichert. Pierre Laval und Marcel ®6at in Versailles angeschossen. — 29.: Reval und Valiisch-Port besetzt. Mussolini East des Führers an der Ostfront vom 25. bis 29. 8. *
September
L: Auf dem Dnjepr nördlich Kiew 27 Kanonenboote vernichtet. Im deutschen Machtbereich wohnen auf 841116 Quadratkilometer 111732 400 Einwohner, davon im Reichsgebiet im engeren Sinn, das 698 286 Quadratkilometer umfaßt, 92 245 000, im Protektorat mit 48 958 Quadratkilometer 7 480 000 und im Generalgouvernement mit 93 871 Quadratkilometer 12 107 400 Einwohner. — 4.: U-Boot wehrt sich gegen amerikanischen Zerstörer „Ereer", der bas U-Boot im Blockadegebiet am 4. 9. mit Wasserbomben angriff. Roosevelt erklärt am 5. 9., daß bie USA.-Kriegsschiffe Befehl haben, „die Jagd auf U-Boote zu beginnen“. OffenerSchieß- unb Iagdbefehl. — 8.: Finnische Truppen erreichen den Swir (zwischen Laboga- unb Onegasee) und sperren Murmanbahn im Süben. — 9.: Mit Einnahme von Schlüsselburg ist beutsch-finnischer Ring um Leningrab geschlossen. Kurfristige englische Landung in Spitzbergen. —11.: Reichsverweser v. Horihy im Führerhauptquartier mit Ritterkreuz, ausgezeichnet. — 16.: An wichtigsten Stellen Brückenköpfe am Unterlauf des Dnjepr gebildet, südlich des Ilmensees 11., 27. und 34. Sowjetarmee entscheidend geschlagen. Amerikanischer Marineminister verkündet Geleitschutz für Rüstungsliefe- rungen nach England. — 17.: Schah von Iran dankt zugunsten des Kronprinzen ab, der als „konstitutioneller Demokrat' regieren will und auf Oberbefehl des Heeres und der Gendarmerie verzichtet. — 19.: Nach der Schlacht von Eoinel und Desna-Übergang vereinigen sich Kräftegruppen von Bock und Rundstedt 200 Kilometer östlich Kiew. Judenstern wird eingeführt. — 20.: Reichskriegsflagge auf Kiewer Zitadelle. Angriff auf Oefel. — 21.: Südflllgel erreicht Asowsches Meer. — 22.: Italienische Sturmboote versenkten im Hafen von Gibraltar zwei Tanker unb einen Munitionsdampfer und beschädigten ein weiteres 12 000-BRT.- Handelsschiff. — 24.: Englische Regierung will zwischen Finnland unb Sowjets vermitteln; Finnen lehnen ab. — 27.: Riesen- schlacht von Kiew heenbigt: „Ein Schlachtensieg ist damit errungen, wie ihn die Weltgeschichte bisher nicht gekannt hat." Oktober
1 .: Fortzang der Angriffsoperationen östlich vom Dnjepr unter Teilnahme italienischer Truppen. — 3.: Führer teilt anläßlich Eröffnung des 8. Kriegswinterhilfswertes Beginn großer Herbstupeva- twnen mit. — 9.: Ostwärts Dnjepropetrowsk 7 Sowjetdivisionen umzingelt. Längs des Asowfchen Meeres Mariupol erreicht. Deutsch- türkischer Handelsabkommen sieht Warenaustausch von 200 Mill. RM vor. — 12.: Vernichtungsschlacht am Asowschen Meer abgeschlossen. Vom Asowschen Meer bis zum Waldai-Gebirge deutsche unb verbünbete Truppen auf einer Breite von 12 000 Kilometer in voller Angriffsbewegung nach Osten. Seit bem 2. 10. gebildete Kessel pon Wjasma und Brjansk liegen bereits weit hinter der Front. — 16.: Kaluga unb Kalinin (Twer), je 160 Kilometer im SW unb NW von Moskau, eingenommen. — 17.: Rumänen besetzen Stabt und Hafen von Odessa. — 19.: Taganrog erobert. Erfolgszahlen von Brjansk und Wjasma: 657 948 Gefangene, 1241 Panzerkampfwagen, 5396 Geschütze. Kabinett Konoye in Japan zurückgetreten; Tojo neuer Ministerpräsident, Togo Außenminister. — 21.: Gebirgsjäger hissen in Stalins, bem Rüstungszentrum bes Donezreviers, Reichskriegsflagge. — 22.: Daaö in deutscher Hand. Damit auch der letzte Rest des Baltikums. — 23.: Deutsche Angriffsspitzen 60 Kilometer von Moskau entfernt. — 24.: Charkow, die industrielle Hauptstadt der Ukraine, und
Krieg ohne Fronten
Von Kriegsberichter Claus Dörner
.. L DNB 30. Dez. (PK.) Die Gesetze des Wüstenkrieses sind fett Jahrtausenden unverändert. Immer waren es schnelle Truppen, früher die rasenden Reiterhorden der Numidier, der Hyksos. der Araber, heute die auf beiden Seiten in großer Zahl eingesetzten Panzer. Immer aber auch gab es einzelne zäh verteidigte Stützpunkte, die von den Waffen schneller Verbände nicht überwunden werden können und die dann zum Ausgangspunkt für den Gegenstoß werden sollen. Etn Gelände, das keinerlei Verteidigungsmöglichkeiten bietet und die Riesenhaftigkeit des Raumes, schließt die Bildung geschlossener Fronten in der Marmarica aus.
Die deutsche Führung hat immer mit der Möglichkeit überraschender britischer Vorstöße vomSüdosten her gerechnet. Unsere Luftaufklärung meldete die verstärkte Ansammlung von Truppen und die Anlegung von Dorratslagern in den britischen Stützpunkten Giarabub und Oase Siwa. Es hieß abwarten! Auch als sich stärkere britische Verbände am 18. und in der Nacht zum 19. November aus südlicher Richtung gegen die um Tobruk liegende Belagerungsfront und gegen die Via Balbio im Rücken der von Sollum bis Sidi Omar führenden ägyptischen Front in Marsch setzten, schien der Zeitpunkt für eine Gegenaktion noch nicht gekommen. Raumgewinne spielen in der Wüste keine Rolle. Räume werden so schnell verloren, wie sie gewonnen sind. Erst am 20. November faßte eine deutsche Panzerdivision in kurzem aber schnellem Zuvacken die im Rücken der deutschen Stellungen bis fast auf die Höhe des bereits früher hart umkämvften Fort Eavuzzo vorgedrungene britische Panzerbrigade, die sich nur durch schnellen
— 75 Kilometer nördlicher — Belgorod besetzt. — 29.: Zugang zur Krim erzwungen.
November
2 .: Simferopol, Hauptstadt der Krim, genommen. — 3.: Kursk erobert. — 4.: Schaposchnikofs Chef des Sowjetgeneralstabes an Stelle von Schukow, ber ben Moskauer Abschnitt übernimmt. Tirnoschenlo an Sübfroni versetzt. Bubjcnny unb Woroschilow verschwinden. — 6.: Kurusu als japanischer Sonderbotschafter nach Washington entsandt. Stalin fordert am 24. Jahrestag der bolschewistischen Revolution unbedingt eine „zweite Front" in E u r o p a : .Leute müssen wir hoffen, daß eine solche zweite Front sich in naher Zukunft herausbilden wirb." — 8.: Führerrede in München. Der Führer beziffert den absoluten Ausfall des.Sowjetheeres auf 8—10 Millionen. 1,67 Millionen Quadratkilometer sind besetzt — eine Fläche, die drei- bis viermal so groß als ganz Frankreich ist. Sowjets haben 60 bis 70 % aller Industrien und Rohstoffe verloren. .Linier dieser Kampffront steht eine zweite Front, und das ist die deutsche Heimat unb hinter dieser deutschen Heimat steht eine dritte Front, und die heißt Europa." — Amerikanischer Senat nimmt mit 50 gegen 37 Stimmen Bewaffnung der amerikanischen Handelsschiffe unb Erlaubnis zum Befahren der Kriegszonen an. Das „Neutralitätsgesetz" wird in ein Gesetz zur Herbeiführung des Kriegszustandes verkehrt. — 15.; Deutsche Il-Boote versenken im Mittelmeer Flugzeugträger „Ark Royal“ unb heschäbigen Schlachtschiff „Malaya“ schwer. — 17.: Kertsch an gleichnamiger Meerenge im Osten der Krim genommen. Alfred Rosenberg zum Reichsminister für bie besetzten Ostgebiete ernannt; Stellvertreter Gauleiter Dr. Alfreb Meyer; Reichskommiffar für Ostland Gauleiter Lohse, für Ukraine (Bauleiter Koch. — 18.: Eeneralluftzeugmeister Übet abgestürzt. — 20.: General Weygandt in Ruhestand getreten. — 22.: Rostow genommen Oberst Mölders auf Heimatflug tödlich verunglückt. — 25.: Am 24. unb 25. 11. treffen bie Staatsmänner in Berlin ein, bie an ber Verlängerung des Äntikominternpaktes von 1936 beteiligt find ober beten Staaten ihm neu beitreten. Beginn bes ersten europäischen Kongresses in Berlin. Neue Mitglieder: Bulgarien, Dänemark, Finnland, Kroatien, Rumänien unb die Slowakei sowie National-China.
Dezember
1.: In Florentin-Vergigny längere Unterredung zwischen Reichsmarschall Göring unb Marschall PStain über die Deutschland unb Frankreich interessierenden Fragen. Erfolgszahlen (nach Führerrebe vom 11. 12.) bis zum 1. 12.: 3 806 865 Gefangene, 21 391 Panzer, 32 541 Geschütze, 17 322 Flugzeuge an Ostfront vernichtet ober erbeutet. — 2.- Rebe von Dr. Goebbels in der deutschen Akademie: „Wir können siegen, wir müssen siegen und wir werben siegen." In Nordafrika 9000 Gefangene, darunter 3 Generale, 814 Panzerfahrzeuge unb 127 Flugzeuge vernichtet. Erster Stoß englischer Offensive mißglückt, kommandierender General Cunningham während der Schlacht abgesetzt. Finnischer Reichstag annulliert Moskauer Frieden. — 3.: Totalverlust feindlichen Schiffsraums während ganzen Krieges 14,5 Millionen BRT. Australischer Kreuzer „Sidney" durch deutschen Hilfskreuzer „Kormoran“ versenkt. — 4.; Finnische Truppen besetzen Hangö. 12 000 BRT. großer Somjet» transporter „Stalin" in deutschen Stützpunkt eingeschleppt. — 7.t England erklärt auf wiederholte Vorstellungen von Stalin den Krieg an Finnland, Rumänien unb Ungarn. — 8.: Wie ber Sender Tokio mitteilt, gibt bas japanische Hauptquartier bekannt, daß von Montag (8. 12J morgens 6 Uhr ab der. Kriegszustand zwischen Japan und ben englischen und U S A. - Streitkräften im Stillen Ozean (Pazifik) besteht. Japanische Flugzeuge bombardieren erfolgreich Hawai, versenken USA.- Schlachtschifse unb beschädigen weitere Schlachtschiffe sowie Kreuzer der ^.-Klasse. USA.-Flugzeugträger, wahrscheinlich der „Langley", ebenfalls versenkt. Luftangriffe unb Sanbungen auf Philippinen unb Malayen-Halbinsel. Aufruf bes Tenno. Strengste Zensur in USA. Schutz- unb Trutzbünbnis mit Thailand. Einmarsch japanischer Truppen in Bangkok, — 10.: Anfang Dezember in Singapur eingetroffene britische Großkampfschiffe „Prince of Wales“ und „Repulse“ (Abwehr) versenkt. Verschiebung des Stärkeverhältnisses der Flotten im Stillen Ozean. Luftstützpunkte Wake- und Midway- Jnfeln sowie Guam besetzt. — 11.: F üh r e r r e b e im Reichstag. Ansprache des Duce auf ber Piazza Venezia Mitteilung, daß durch bie seit Jahren erfolgten unerträglichen Provokationen bes Präsidenten Roosevelt bas langmütige Bestreben Deutschlands und Italiens, eine Kriegsausweitung zu verhüten unb bie Beziehungen zu USA. aufrechtzuerhalten, zum Scheitern verurteilt sind. Gleichzeitig Vertrag zwischen Deutschland, Italien unb Japan, Krieg gegen USA. unb England mit allen Machtmitteln gemeinsam zu führen, ohne volles gegenseitiges Einverständnis weder Waffenstillstand noch Frieden zu schließen unb auch nach siegreicher Beendigung im Sinn bes Dreimächtepaktes zusammenzuarbeiten. — 12.: An Japan erklären ben Krieg: USA., Englanb, Kanada, Costarica, Australien, Nicaragua, Niederländisch-Jndien, Dominikanische Republik, Haiti, Honduras, Kuba, San Salvador, Mexiko, Panama und die Südaftikanische Union. — 8./14.: Japaner landen an verschiedenen Stellen ber Malayen-Halbinsel, überschreiten sie, erreichen ben Indischen Ozean unb bringen sowohl an der Ost- wie an der Westküste nach Süden vor. Japaner landen auch an verschiedenen Stellen ber philippinischen Hauptinsel Luzon. — 14.: Dreierpaktstaaten Kroatien, Rumänien, Slowakei unb Ungarn erklären den USA. ben Kriea — 16.; Japaner landen erfolgreich in Britisch-Borneo. Insel Guam endgültig in ihrer Hand. — 18.: Erfolgreiche japanische Landung auf der eigentlichen Insel von Hongkong. Austrasisch-niederländischer Einfall in den portugiesischen Besitz von Timor. — 20.: Appell des Führers zur W o l l s a m m l u n g. Japaner landen auf Mindanao , der südlichsten Philippineninsel, unb erobern hie Hauptstadt Davao. — 21.: Der Führer übernimmt in Würdigung des bisherigen Oberbefehlshabers des Heeres Eeneralfeldmarschall v. Brauchitscki — das unmittelbare Oberkommando bes Heeres. — 22.: Flugboot- träger „Unicom“ von Kapitänleutnant Bigalk torpediert. — 24 : Reuter meldet Churchill-Besuch in Washington; etwa zu gleicher Zeft trifft Eden in Moskau ein. — 25.: Englische Reststsllnngen auf Hongkong kapitulieren mit 22 000 Mann. Anhaltende schwere Angriffe an Ostfront, besonders in ber Mitte abgewehrt. Vereitelte Ausbruchsversuche aus Leningrab. — 27.: Deutscher Handelsdampfer „Benno“ in spanischem Hasen Puerto be Carino von englischen Fliegern bombardiert. — 29.: In ber Meerstraße von Kertsch neuerdings Sowjettransporter versenkt und beschädigt. 58 britische Panzer sowie weitere Spähwagen im Raum von Agedabia vernichtet. Zinnzentrum I p o h am Eingang zur malayischen Ebene von Japanern genommen.
Rückzug der Vernichtung entziehen konnte. Damit begann sich jenes großartige Spiel der Kräfte zu entfallen, das nur dem Wüstenkrieg, einem Krieg ohne Fronten, eigen ist.
Britische Panzer, die die durch Ausbruchsversuche bc- retts hart bedrängten vor Tobruk liegenden deutschen und italienischen Einheiten von hinten zu fassen suchten, wurden von den deutschen Panzerstreitkräften im Rücken angegriffen, so daß sich eine bereits vierfache Schichtung der Linie ergab: Sowohl deutsche und italienische wie auch die britischen Truppen mußten Frontal und im Rücken, die Briten bei der folgenden Umfassung sogar auch in den Flanken kämpfen. Um die Seltsamkeit eines nur auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz möglichen Schlachtenbildes vollständig zu machen, erschienen im Rücken des deutswen Afrikakorps mich vorgeschobene Anfklärungskräfte der Briten, augenscheinlich in der Absicht, ihre zum Teil bereits von der eigenen Stoßlinie abgeschnittenen Panzer zu verstärken. Flakbatterien und Panzerjäger erledigten in den Abendstunden des 21. November eine Anzahl von ihnen.
Starke Regenfälle und auch tagsüber bedeckter Himmel bildeten für die Kampfhandlungen dieser Tage einen für den Afrikaner ungewöhnlichen Rahmen. In schweren Kämpfen wurde bereits eine große Anzahl schwerer und mittlerer britischer Panzer vernichtet. Ihre brennenden Wracks säumten als helle Fackeln den Horizont. Die schnell einfallende frühe afrikanische Nacht wird von den in allen Himmelsrichtungen aufsteigenden Leuchtfeuer erhellt, während die Männer sich mit Picke und Spaten in ben steinigen Boden ihre Deckungslöcher kratzen.
Der große Orlog ist im Gange, ein unerbitterlicher Krieg. Vorstoß und Umgebung. Abschneidung der Nackichub- straßen. Bildung von Igelstellungen und lleberraschung heißen seine Mittel, und Munition, Verpflegung. Sprit und nowmals Evrit sind seine häufigsten Vokabeln
