Freitag. 21. November 1941
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 274 Seite 9
Das soziale Kulturwerk der NSG. „Kraft durch Freude"
Rückblick zum 8. Jahrestag
Wie es in der Geschichte revolutionärer Neuerungen immer war, so hat auch die NS -Eemeinschaft „Kraft durch Freude" drei Abschnitte durchlaufen. Sie wurde anfänglich belächelt, bewitzelt, bekämpft, um schließlich zur Selbstverständlichkeit zu werden Sie hat diese Entwicklung mit gelassener Selbstsicherheit durchlaufen, und heute ist die Erinnerung an die Tatsache verwunderlich, daß es vor acht Jahren noch gar keine Organisation dieser Art gegeben hat, daß es noch nicht möglich war, mit ihr in den Urlaub zu reisen, Theater und Konzerte zu besuchen, an ihren Stadt und Dorf umfassenden Maßnahmen zur Hebung der Nationalbildung teilzunehmen und bis zur Unkenntlichkeit trostlose Arbeitsstätten zu ihrem Vorteil zu verwandeln.
Fast eine halbe Million Theaterbesucher jährlich
In diesen knappen acht Jahren — am 27. November 1941 begeht die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ihren 8. Jahrestag — ist alles anders geworden. Eine Rundfrage innerhalb eines großstädtischen Betriebes ergab im Jahre 1933, daß von den Arbeitern und Angestellten dieses Betriebes 64 % der Männer und 74 o/o de. Frauen noch nie ein Theater besucht hatten. Es ist nützlich, sich gelegentlich solcher Tatsachen zu erinnern, und auf der Höhe dieser Jahre nicht zu vergesien, welchen Weg wir zurücklegen mutzten, um sie zu erreichen. Heute gibt es kein Theater mehr, dessen Besucherschaft nicht zu einem überragenden Teil von der NS.-Eemeinschaft „Kraft durch Freude" herangeführt wird, ganz abgesehen von den vielen Tyeatern, die als KdF.-eigene Kunststätten eingerichtet wurden. Im Gau Hessen-Nassau besuchten z. B. allein im letzten Jahr 462 740 Volksgenossen mit „Kraft durch Freude" die ständigen Theater.
Die Kunst gehört dem ganzen Volk
Mag sein, daß Unbelehrbare behaupten wollen, das alles seien lediglich Auswirkungen eines vorbildlich organisierten Veranstaltungswesens. Der so spricht, verkennt die große Wandlung, die gerade durch das Gemeinschaftsleben im deutschen Menschen vor sich ging, und vermag wohl nicht zu erfassen was es für den Einzelnen bedeutet, daß alles, was die deutsche Kunst an Erhabenem schuf und zeugte, für ihn da ist. Zugegeben, daß manch einer nichts weiß von den Gesetzen einer symphonischen
Schöpfung, das Wesentliche und Entscheidende ist aber immer das innere Erlebnis. Aus ihm erwächst allmählich ganz selbstverständlich die Kenntnis der Form.
»KdF." auch in der Lösung von Kriegsaufgaben bewährt
In dieser Zeit der Bewährung aber ist die NS.-Eemeinsch^t „Kraft durch Freude" vor neue Aufgaben gestellt worden. Nicht nut, daß sie ihre ganze seitherige Arbeit auf sozialem und kulturellem Gebiete weiterhin durchzuführen vermochte, — sie hat darüber hinaus in der seelischen Betreuung des deutschen Soldaten an der Front und in der Heimat ein völlig neues Arbeitsgebiet vorgesunden. Im selben Maße, wie dieser Krieg, strategisch gesehen revolutionär geführt wird, hat sich auch sein Gesicht int Rahmen der geistigen und seelischen Betreuung der kämpfenden Truppen int Vergleich zum Weltkrieg geändert. Die nationalsozialistische Menschenführung hat hier der Übrigen Welt gegenüber ein Schulbeispiel dafür geschaffen, daß der Soldat neben der Sorge für seine rein physischen Bedürfnisse einen nicht geringeren Anspruch auf die Erhaltung seines seelischen Gleichgewichtes hat. Die Größe dieses Einsatzes laßt sich ermessen, wenn wir hören, datz im Gau Hessen-Nassau im letzten Jahr 10013 Veranstaltungen für die Wehrmacht durchgeführt wurden, an denen 2 977 300 Soldaten teilnahmen.
Das größte Sozialwerk in der Betreuung Schaffender
Wenn hier aber im engsten Rahmen der Versuch gemacht wurde das Wesen und die Idee der NS.-Eemeinschaft „Kraft durch Freude" zu zeichnen, so find wir uns der Unoollständigkeit dieses Bildes bewußt. KdF -Flotte, — diese Flotte des Friedens —, das Seebad auf Rügen, die Pflege der uberlieferungs- reichen ländlichen Kultur als eines Kraftquells, der neben der Hochkunst der Stadt nicht versiegen darf, und die Förderung einer echten Nationalbildung durch die Arbeit von bisher, 360 Volks- bildungsstätten und durch besonders erfolgreiche und erzieherische Maßnahmen in bisher weit über zehntausend Dörfern, — auch das sind jede für sich - nur Einzelheiten, die aber das Gesamtbild abrunden. Es zeichnet sich in großen Umrissen ein Sozial- werk ab das in den Jahren der Entwicklung schon Entscheidendes zu leisten vermochte, aber — gemeffen an den Aufgaben, die nach dem Kriege zu lösen sein werden — nur ein bescheidener Anfang war.
gehaltenen Blumentöpfen setzt sich Schimmel an, die Pflanzen werden kümmerlich oder gehen ein. Blühende Pflanzen brauchen ledoch etwas mehr Wasser. Jede einzelne Pflanze erfordert zu ihrem Gedeihen besondere Behandlung, bestimmte Wärmegrade und Wasier- mengen. Und vor allem gehört zu jeder erfolgreichen Blumen- pslege, neben dem Wißen um die Lebensbedingungen der Pflanzen, ein wenig Liebe zu den Blumen.
— Todesfall. Der langjährige Lokalschriftleiter der Wiesbadener Zeitung", Schriftleiter i. R. Johannes H ü n e k e ist verstorben. Er war in Vereinskreisen eine bekannte Persönlichkeit und genoß bei seinen Berufskameraden große Wertschätzung.
— Sternschau vom 21. bis 30. November. Der bis über drei Stunden nach Sonnenuntergang im SW glänzende hellste Stern des Himmels ist Planet Venus als Abendstern im Sternbild Schütze in 95 Millionen Kilometer Abstand. Der im SO weiter in die Höhe kommende sehr helle rote Stern ist der äußere Nachbar der Erde im Sonnensystem, Mars, im Sternbild der Fische, 90 Millionen Kilometer von uns entfernt. Die dann in Abhanden von je 1A Stunden ebenda folgenden hellen Sterne sind der ringumgebene Wandelstern Saturn in 1220 Millionen Kilometer und der Riesenwandelstern Jupiter in 615 Millionen Kilometer (Entfernung im Sternbild Stier.
— Som Rundfunk. In der Mozartreihe am Sonntag um 11.30 Uhr singt Helena Braun in „Lost fan tutte" die Partie der „Dorabella . Um 20.20 Uhr „Singendes klingendes Frankfurt .
— Das »SB. T." gratuliert. Frau Babette Ruppert, Walramstratze 25, begeht am 21. Nvomber ihren 91. Geburtstag.
Das „Binger Loch"
Die Arbeiten zum Freimachen des Fahrweges
Auf der Strecke zwischen Rüdesheim und Aßmannshausen liegt mit seinen großen und gefährlichen Felsenriffen das B i n q e r L o 6i“; feinem Rheinschiffer ist dieser Name unbekannt, soweit geschichtliche Nachforschungen reichen, sollen bereits schon unter Karl dem Großen und spater unter Heinrichi IV bott Arbeiten ausgeführt worden fein, um die spärliche Schiffahrt an dieser Stelle zu erleichtern. Die ersten Felssprengungen werden jedoch erst in den Anfang des 17. Jahrhunderts verlegt und auf Betreiben des Handelshauses Stockum in Frankfurt a. M. zuruck-
9 T In den Jahren 1830 bis 1832 wurde dann preußischerseits der sogenannte „Lochstein", das ist die Felsspalte im „Binger Loch , die sich in der Mitte der jetzigen Durchfahrt erhob, durch Sprengung beseitigt. Späterhin ist an der Erweiterung des „Binger Loches nicht mehr gearbeitet worden. Als die Rheinschiffahrt erheblicheren Umfang annahm, wurde die Herstellung eines zweiten, weniger schwierigen Fahrweges in der linksseitigen Stromhälfte wichtiger. 1860 wurde das jetzt unterhalb der Mäufeturminsel zwischen zwei Parallelwerken vorhandene sogenannte zweite Fahrwasser aus- aebaut bis 1868 beendet und 1869 dem Verkehr übergeben. Einige Jahre später sollte nun an die Erweiterung des „Singet Loches gegangen werden. Von seifen der Rheingaubewohner wurde fedoch danach so heftiger Widerspruch erhoben, daß das Unternehmen ins Stocken geriet und erst in den 90et Jahren weiteren Fortgang
Der »Mäuseturm", das Wahrzeichen des »Binger Loches"
(Photo: Tagblatt)
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fand. Nachdem Taucherschacht und Bohrmaschinen eingesührt worden waren, wurden auch Diejenigen Felsen weggesprengt, Die auf beiden Seiten der im Rhein stehenden Mäuseturminsel sich insofern als Hinternis erwiesen, als es darauf ankam, dort sichere Zufahrtswege zu dem unterhalb der .Insel befindlichen Fahrwasier herzustellen. Hieran ist bis in die Iahte um 1900 gearbeitet worden, denn trotz der sorgfältigen Peilungen fanden sich immer wieder Risse von schädlicher Höhe, wenn auch in sehr geringer Ausdehnung. „ , ,,
Auch weiter stromabwärts sind alsdann überall .an solchen Stellen Felsen beseitigt worden, an denen sie als einzelne Kuppen innerhalb des Schiffahrtsweges bestanden ober wo sie bie Fahtirinne in gefährlicher Weise seitlich beengten. Derartige Stellen fanben sich bejonbers zwischen Obetwesel unb bet Loreley, sowie im „wilben Gefährt" unb im Kauber Gewässer. Mit bieten weitausgebefinten Sprengungen, bie auch am Binger Pegel unb an bet Geisenheimer Strecke teilweise in ben 5Öer unb 60er Jahren bes vorigen Jahrhunberts vorgenommen worben sinb, ist seit bieser Zeit einigermaßen ben Bebiirfnissen bes immer mehr an Umfang zunehmenden Rheindampferverkehrs Rechnung getragen worben. H.
Radium in Schweden. Untersuchungen des Radiumgehaltes in den Närke-Schiefern in Schweden durch Professor Hans Pettersion haben, wie TT. aus Göteborg meldet, ergeben. daß die Möglichkeiten zur Ausbeutung des „größten Radiumvorkommens der Welt" nicht allzu hoch zu bewerten leien. Es ergebe sich nur ein Bruchteil eines Milligramms Radium je Tonne Schiefer, während auf eine Tonne Radium- Mineralien in Kanada mindestens zehn Milligramm Radium kommen.
keines der verschiedenen Gebiete des deutschen Filmes nicht irgendwie von ihm unbeeinflußt gewesen ist.
Reichsministet Dt. Goebbels hat dem Altmeister des deutschen Films, Oskar M e ß t e t, zur Vollendung feines 75. Lebensjahres feine herzlichsten Glückwünsche übermittelt.
Unvergängliche Worte
Der unbekannte Paracelsus sprach fi«
Nichts ist so gut, das nicht eben so arg werden kann, wenn es ohne ein Haupt ist. Ohne-ein-Haupt-sein gibt Hosfahrt: die gebärt nichts Gutes. Datum wird ein Haupt gelegt auf dich, daß du unter dem Haupt ein Glied fein und dich drücken laßen mußt." Paracelsus *)
Den meisten unter uns ist Paracelsus nur als ein großer Arzt bekannt geworden. Gewiß, er wat dies vor allem, unb hier lag die Wurzel feines die Jahrhunderte über,chattenden Wesens. Aber er hat auch Sätze wie diese, die am Eingang unserer Betrachtung stehen, geschrieben und zwar in einet Diktion von einet fast an Goethe anmutenben kristallklaren Bestimmtheit. Em Wort wie biefes, daß „Hoffahrt nicht Gutes gebärt“, unb daß es gilt „unter Dem Haupt ein Glied zu sein", erklärt sich von selber, aber es will beherzigt sein. Du liest es, doch du faßt nut einen «einen Zipfel von bes Paracelst Wesen, bet weit vor seiner Zett herschritt unb dessen Antlitz Züge trägt, die uns näher verwandt -u sein scheinen, als jener Epoche, der er angehörte. Da steht ein anderes Wort von ähnlicher Leuchtkraft irgendwo in seinem vielschichtigen Werk: „Ein Mann bricht keine Monat - chei et macht auch keine, aber wohl fangt et sie an“ Als ich dieses Wort in feinet zornigen Eckigkeit und "deuilchen Eeradtheit in mich ausnahm, stieg in mit Dürers Bild vorn „Ritter zwischen Tod und Teufel' auf. Ist dieser Satz tn seiner kräftigen Dreigeteiltheit nicht wie ein kerniger Wandspruch und eine Mahnung an uns alle: übrigens ein Wort, das wir wohl ein wenig bester zu verstehen, vermögen als die Zeitgenoßen des Paracelsus, denn wir erleben ja die Wahrheit, die in diesem
*) Die angezogenen Sätze sind dem kürzlich erschienenen Buch: „Paracelsus. Die Geheimnisse. Ein Lesebuch aus seinen Schriften. Hcrausgegeben von Willy Erich Peuckert. Dietetichsche Vetlags- buchhanblung Leipzig, entnommen.
Talen
Taten wachsen nicht aus schönen Worten, bie sich scheu versöhnen Ihrem Schicksal, bas sie schlägt. Taten strömen aus ben Räumen. Wo bie Geister überschäumen Unb der Mut bie Fahne trägt.
Taten kann man nicht erbitten, Hänbe faltenb unb mit Schritten Deren Angst ben Himmel sucht. Taten schenken sich den Harten, Die ihr Leben nicht verwarten, Ob bie Angst sie auch verflucht.
Taten schauen nicht nach Kronen, Die ihr hartes Schicksal lohnen Wollen mit ben schnöben Eolb.
Die bas 2eben lachend tragen. Können ihm sich stolz versagen, Ihre Ehre ist ihr Sold.
Hans Bahrs.
Wort steckt wie ein Kern in der Haselnuß. Und gerade darum gilt nun dieses Wort verpflichtend für uns alle.
Schließen wir diese kurze und nachdenksame Bedeutung mit einer Mahnung des großen Arztes Theophrast von Hohenheim, die wohl nur der erläuternden Erklärung bedarf, daß Paracelsus unter „Polizei" Verwaltung und Regiment des Staates verstand: „Wir finden den gemeinen Nutz zu fördern, dreierlei Notdurft Eine ist, daß sich etliche befleißigen, die Polizei in ihren Kräften au erhalten. Die dritte die mehr als die Polizei ist, ist das Ewige, das mir in uns haben, täglich ohne Unterlaß zu betrachten. Aber das Mittel zwischen den zweien ist, den Leih in Gesundheit zu erhalten unb ben Weg, um ben Kranken in seine alte Gesunbheit zu bringen, mit emsigem Fleiß zu ergrünben."
Karl Embe.
weiß Jan ganz genau.
Aber hier auf bem Acker, bei Jan vor bem Pflug, ba schafft sie es noch. Da tut sie noch immer brav ihre Pflicht.
Unb wie jeben Morgen, so stampft bte Liese auch heute ben Hügel hinan, treu unb gebulbig, ein gutmütiges Wesen. Weit liegt bas Laub in einsamer Stille. Nur Krähen umflattern krächzend ben Hügel. Und hin unb wieher gibt Jan am Pflugschwanz einen aufmunternben Rus.
Dampfend enthüllt der Nebel die Ferne. Tief hinterm $06 löst sich ein Nachbargespann aus dem silbernen Grau. Nun streicht ein Wind über ben Hügelkamm hin. Die Eiche am Brink beginnt sich zu schütteln. Tropfen praßeln aus bem Eezelt. 3m Osten bricht flammend das Sonnentor auf. Dann weht vom Kirchdorf her der Schlag einer Turmuhr herüber, und da ruft der San: „Hu — Liese! — Hü!"
Und er setzt sich auf den Schlitten am grünen Anger, holt seine Butterstullen aus dem Wams und vespert über den Daumen.
Geduldig ergeben wartet bie Liese Doch plötzlich hebt Jie auf- horchenb ben Kopf. Vom Dorf her gellt Helle Musik herüber. Tschingbera bum . . . bum . tschingbera . . bui
tngoeta oum . . . oum . ipginguciu . . bum . . bum . .!
Dann wirb es fern auf bet Lanbstraße lebenbig. Hufgeklapper dröhnt über bie Felber Pferde tauchen zwischen den Baumreihen auf Sie tragen graue Röcke im Sattel! Graue Rocke! Soldaten- töcke! Endlos wächst die Kolonne an. Und sie reiten unter dem blutigen Morgenrot! Tschingbera . . . bum . . . bum . . . tschingbera . . bum . . . bum . . .!
Das Äriegspferb Liese wirb plötzlich unruhig. Alte, vergangene Silber zucken in seinem bumpfen, verschwommenen Traum- Hirn empor. Wie btanbtge, bem Ewigen entrißene Blitze treffen sie bas kreatürliche Bewußtsein ber geheimnisvollen tierischen
Seele. , ., _.
Unb auf einmal findet die Liese sich nicht mehr zurecht Sie wird irre an sich. Sie fängt an zu stampfen, sie schnaubt mit dampfendem Atem, und ihr Körper beginnt zu beben.
Und nun, als die Reiterschar drüben den Acker überholt, springt die Liefe unversehens mit einer fremden, längst vergeßenen Kraft tn den Strang, und ber Strang reißt. Das Pferb fühlt sich frei. Unb es muß boch hin! Nach brühen! Es gehört boch bazu! Solbaten! Kameraben! Schlachtmusik!
Unb ehe ber Jan recht begriffen hat, was geschieht, trabt bas Ätiegspferb Liese über ben Acker, ber Lanbstraße zu, unb schließt sich brühen bem Zuge an. Das Äriegspferb Liese folgt den Kameraden. Folgt den Kameraden, als könnte das gar nicht anders [ein!
Der Jan hat (eine Brotstullen verdattert zur Seite gelegt. Atemlos stolpert et über ben Acker bet Landstraße zu. Und als er bie Liese beim Zügel nimmt, läßt sie es willig geschehen. Und kopfschüttelnb bleibt bet Jan mit ihr am Straßenrande stehen. Hopft ihr verwundert den Hals und tadelt vertraulich: „Aber Liese! Was machst du mir da für Geschichten!"
Doch die Liese weiß es wohl selber nicht. Sie schaut mit ihren großen braunen Tietaugen dem in der Ferne verschwindenden Traumbild wunderlich nach.
Dann senkt sie stumm den Kopf und folgt ihrem Knecht Jan zurück auf den Acker . ...
In Kürze erzählt:
Trommelwirbel über dem Acker
Von 3e(ef Kamp
Früh am Morgen, da noch die Nehelfahnen in ben Bäumen hängen, spannt ber Knecht Jan bie Liese vor ben Pflug unb hratt bem Acker zu. Dort angekommen, macht er auf bet Anweide Halt, zieht ben Schlitten unter bem Bflugbaum weg, wirft Me Leine über ben Nacken unb fetzt bie Schar vor ben Wurst »Hott, Liese, ruft er bann, unb das Pferd stampft mit klirrenden Ketten ben Hügel hinan. Dumpf kippen bie seitigglänzenden Schollen auf ben Bauch Hin unb wieher kratzt bas Eisen knirschend über einen Stein. Hinter Jan her stelzt bas Krähenpack unb hackt nach speai- $ n So geljt es Morgen für Morgen. Der Jan unb bie Liese! Sie kennen sich gut, bie beiben. Sie kennen sich seit vielen Iahten. Die Liese ist Sans treueste Gefährtin, sie geht willig unb gefügig im Geschirr, Mucken unb Bockbeinigkeiten sinb ihr ganz ftetnb. Unb Jan kann seinen Herrn, ben Bauern, nut loben, baß et sich bamals zum Kauf entschlossen hat. Damals, nach bem Großen Kriege, als Liese mit ben letzten Truppen aus Frankreich zuruit- famSie kam zurück mit einem Splitter im Sein. Sie hinkte ein wenig unb hinkt auch noch. Unb Jan weiß ganz gut, was er ihr zutrauen batst Nicht für alle Arbeiten ist sie mehr tauglich bie Liese. Sie tragt an ben Folgen bes Großen Krieges fte gehört zu ben Veteranen bes Krieges. Unb sie ist mit ber Zeit auch steif unb mühe unb schwerfällig geworben, sie wirb alt, bte Liese, bas
Äus Gau und Provinz
— Mainz, 20. Nov. In ber Rheinstraße sprang ein junger Mann von bet fahrenden Straßenbahn ab. Et erlitt so schwere Verletzungen, baß er nach kurzer Zeit starb. — Auf bet Darm« ftäbter Lanbstraße in Mainz-Eustavsburg würbe ein Fußgänger von einem Omnibus ungefähren unb löblich verletzt.
— Lampertheim, 20. Nov. Zwei Knaben vertrieben sich bis Zeit bamit, daß sie in einer Kiesgrube ein Feuer machten. In biese warfen sie gefunbenes Sprengpulver hinein. Von ber S t i ch- flamme bet Explosion würben sie erheblich im Gesicht unb an ben Händen verletzt.
— Oppenheim, 20. Nov. Der 16jährige Hermann D. aus Gernsheim war mit einem Fuhrwerk nach Groß-Gerau unterwegs. Unterwegs muß er in der Dunkelheit von einem andern Fahrzeug ungefähren worden sein, dus aber wohl bas Weits gesucht hat. Der Verletzte würbe einige Zeit später aufgefunben unb sofort ins Krankenhaus gebracht. Doti ist er aber am gleichen Tage seinen Bertetjungen erlegen.
— Frankfurt o. M„ 20. Nov. In Sachsenhausen rannten zwei Rabfahrer in ber Dunkelheit gegeneinanber. Seihe verletzten sich am Hanbknöchel. Ein fonberbares Spiel bes Zufalls wollte es, baß bie beiben Verunglückten Stüber waren.
— Betzdorf, 20. Nov. Sei der letzten Büchersammlung für unsere Soldaten fand ein Mann in einem Band Kriegsetinnerungen vom Weltkrieg, den et Ergeben wollte, den Löschungs- bescheid Über eine Hypothek aus bem Jahre 1921. Das wertvolle Aktenstück war vom Tage der Zustellung an spurlos ver- schwunben, was bamals in ber Familie zu recht unliebsamen Auseinandersetzungen unb gegenseitigen Beschuldigungen geführt hatte. Nach 20 Jahren tauchte es nun als Lesezeichen in dem besagten Buch auf unb kann jetzt als Original zu ben Akten wandern, wo eine Zweitausfertigung, die damals vom Gericht beschafft werben mußte, bislang ben Platz innehatte.
— Kaßel, 20. Nov. Im November 1940 würbe bie in Fritzlar geborene unb hort ansässige Elfriede Seifert bei ber Reichs- poft in Fritzlar als Facharbeiterin eingestellt, um gleichzeitig im Jnnenbienst wie auch als Zustellerin beschäftigt zu werden. Obwohl die Seifert in jeher Beziehung gewarnt war, begann sie bereits nach einer dreimonatigen Tätigkeit bei ber Post tn Fritzlar Päckchen, bie Wehrmacht angehörige an ihre Serwanbten geschickt hatten, zu öffnen unb auszuplündern, wie sie auch bie Dann aufbewahrten Briefe vernichtete. Dieses verbrecherische Treiben setzte sie fort, bis sie im August b. I. ertappt würbe. Als man in ihrer Wohnung eine Haussuchung vornahm, würbe ein regelrechtes Lager von Gegenständen entdeckt, bie sämtlich aus Feldpostpäckchen stammten. Vor bem Sondergericht in Kaßel, vor Dem sie sich nunmehr zu verantworten hatte, bezifferte Re bie von ihr ausgeräuberten Felbpostpäckchen auf 14 bis 16. Das Sonber» gericht verurteilte bie Angeklagte wegen Vergehens gegen § 4 ber Volksschäblingsverorbnung zu sechs Jahren Zuchthaus unb erkannte ihr aut hie Dauer von zehn Jahren bie bürgerlichen Ehrenrechte ab.
— Rodalben (Pfalz), 20. Nov. Aus einer Wirtschaft kommend, geriet ein Mann in einen Wortwechsel mit seinem 26jährigen Sohn. Plötzlich zog der Vater eine Pistole aus der Tasche unb streckte seinen Sohn nieder: er wat sofort tot. Der Täter konnte festgenommen werden.
= Saargemiind, 20. Nov. Vor etwa 14 Tagen wurde die 51jährige Anna Maria Lang aus Kirrweiler ermordet auf- gefunden Der Tat verdächtig war ihr eigener Bruder. Dieser hat fetzt ein umfaßendes Geständnis abgelegt. Während eines Wortwechsels hat er seine Schwester durch Hammerschläge auf den Kopf getötet.
