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Wiesbadener Tagblatt
Montas. 8. November 1941
_ Wiesbadener Nachrichten
Ein weiterer Ritterkreuzträger aus Wiesbaden
Oberleutnant Leukefeld
Wie gemeldet, hat der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht dem Oberleutnant L e u k e f e l d das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.
Oberleutnant Karl Otto L e u k e f e l d wurde am 1. Mai 1913 in Wiesbaden geboren. Als Sohn eines Pfarrers trat er 1935 als Schütze in ein Infanterie-Regiment ein und wurde 1938 zum Leutnant und 1940 zum Oberleutnant befördert. Oberleutnant Leukefeld zeichnete stch an der Spitze seiner Kompanie und später, nachdem sein Bataillons-Kommandeur gefallen war, als Bataillonsführer in den Kämpfen um die Höhe 236 ostwärts von Cucuruweni aus Bei den Kämpfen um die Festung Otschakow bewährte er sich durch persönlichen Mut und Draufgängertum auf das Höchste. Er drang an der Spitze seines Spähtrupps durch das Drahthindernis der Festung und stieß an der Spitze seiner Kompanie in rücksichtslosem Angriff durch eine Minensperre bis zum Hafen durch Dadurch nahm er dem Feind die Möglichkeit zur Flucht auf die Schiffe und schuf die Vorbedingungen für den sofortigen und erfolgreichen Angriff seiner Division. Für sein selbständiges kühnes Handeln wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.
Volksschulklassen werden kleiner
Bei Kriegsbeginn 45 Volksschüler io einer Wiesbadener Klaffe
Mit der Einführung der Hauptschule geht ein großer Teil der Volksschulkindei in diese neue Schulbildungsstuse über. Dadurch wird die Zahl der Schulkinder in den Volksschulklassen geringer. Rach bisherigen Berechnungen wird etwa ein Drittel der Volksschulkinder in die Hauptschule aufrücken. Es handelt stch da- hei um Kinder, die mehr als das allgemeine Volksschulziel erreichen können, während die Kinder, die hierzu nicht in der Lage sind, einer Hilfsschule zugeteilt werden. In der E r u n d s ch u l e, den untersten vier Jahrgängen der Volksschule, befanden sich 1940 fast 57 % der Volksschulkinder, während 42 % in der Oberstufe der Volksschule und der Rest in der Hilfsschule der Schulpflicht genügte.
Rach der letzten statistischen Einzelerhebung über die Volksschulen im Deutschen Reich, waren rund gerechnet, durchschnittlich 45 Volksschlller in einer Klasse in Wiesbaden vorhanden. Bis vor Kriegsausbruch betrug die Gesamtzahl der Schulkinder in unseren öffentlichen Volksschulen 6273 Knaben und 6281 Mädchen, die sich auf die 25 öffentlichen Volksschulen mit ihren 278 Volksschulklasien in Wiesbaden verteilten. Rach der amtlichen Eesamt- erhebung von 1940 hatte in Erotzdeutschland eine öffentliche Volksschule 3,5 Schulklassen aufzuweisen gegenüber 3,7 1939. Auf eine Klasse kamen 41.2 Schulkinder gegenüber 40,3 1939. 18 2 Lehrer und 96 Lehrerinnen waren in Wiesbaden hauptamtlich an unseren Volksschulen tätig. Im Reichsdurchschnitt hatte in den Stadtkreisen ein Lehrer 39,9 und in den Landkreisen ein Lehrer 43,7 Schulkinder zu unterrichten.
Es bleibt nur abzuwarten, wie sich die Auslese der Volksschulkinder zur Hauptschule, auf die Zahl der Schulkinder in den Volksschulklasien auswirken wird Sicher ist bereits heute, dah der Schulunterricht sich für den einzelnen Volksschüler künftighin günstiger auswirkcn wird, da ja die Schulklasien kleiner werden und der Lehrer sich daher eingehender mit den Schülern beschäftigen kann. E. C.
Bemerkenswert für unsere Soldaten
Beurlaubung ja Studienzwecken
Der Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat für Kriegsteilnehmer bei Durchführung des Fachschulstudiums eine weitgehende Sonderförderung bekannt gegeben. Alle hieran Interessierten werden gebeten, einen Abdruck des Erlasies beim Beratungsdienst des Reichsstudentenwerkes, Bezirksstelle Hesien, Frankfurt am Main, Senckenberg-Anlage 35, anzufordern. Vor wenigen Tagen hat das Oberkommando der drei Wehrmachtteile die Beurlaubungsbestimmungen für Kriegsteilnehmer zur Ausnahme, Fortsetzung und Beendigung des Studiums für das Wintersemester 1941/42 bekannt gegeben. Voraussetzung für eine Beurlaubung ist grundsätzlich, dah Soldaten am 15. November d. I. mindestens drei Jahre aktiven Wehrdienst (der RAD. rechnet nicht dazu!) abgeleistet haben. Näheres über die Urlaubsbestimmungen ist ebenfalls von der obengenannten Dienststelle zu erfahren.
— Vielfältige Ausgaben sä, »Kraft durch Freude" wurden in einer Arbeitstagung der Kreiswarte in der Eauhauptstadt unter Leitung des Eauwartes, Eauamtsleiter von R e k o w s k i, besprochen. Der Jahrestag der Gründung wird in einer Mozartfeier in Frankfurt begangen weiden Auf Wunsch des kommisiarischen Eauobmanns, Eauamtsleiter E ck, soll das Reichserholungswerk der DAF in unserem Gau einen starken Ausbau erfahren. Zu diesem Zwecke sollen geeignete Heime geschaffen werden. Mit dem Eauamtsleiter der NSV wurde vereinbart, dah alle Wunschkonzerte für das Kriegs-WHW. zukünftig nur durch KdF. durchgeführt werden. Das Wagenwandern, das nach dem Kriege einsetzen wird, wird schon jetzt durch Volkswagenbestellungen der Betriebe vorbereitet. Eauobmann Eck wies darauf hin, dah in den KdF.-Pro- grammen nur das Beste zu bieten sei.
angetragene Zwangslage, die zweite Ehe der gnädigen Frtu zu lösen, glaubhaft und verblüffend aufrichtig. Die Rita, ein verzogenes, unerzogenes und ungezogenes Dämchen, entwaffnend naiv, die garnicht naiv genug fein kann, damit man dem Autor fein Eheerperiment glauben kann, war in der Eestaltung von Maria D e m e l i u s auherordentlich farbig und lebendig. Es ist dies um so mehr anzuerkennen, da die Künstlerin durch eine Indisposition sichtlich angegriffen war. Ein Lob auch Ursula Alexander als frischem naseweisen Dienstmädchen.
Der Berichterstatter Rat das Stückchen auf derselben Bühne mindestens schon vier Male gesehen, aber es schien ihm am Samstagabend, als ob der Wagen besonders gut laufe. Die Spielleitung (Hilmar Manders) hatte in den zwei prächtigen Bühnenbildern von Margot E ü n tz e l auch Kleinigkeiten liebevoll herausgearbeitet. Um nur auf eines aufmerksam zu machen: Die „Aus-Einander-Setzung" in des Wortes wahrster Bedeutung, als bie Eheleute ihre Ehe auflösen, war ein prächtiger Regie- einfaU.
Das Haus dankte mit lebhaftem Beifall.
Dr. Heinrich Reichert.
Vorträgs der Gemäldegalerie im Kurhaus
Historische Landschaft der Seurschrömer
Zu dem für diesen Winter aufgestellten Eesamtthema „L a n d- schaftsmalerei bt t brutschen Romantik" nahm am Sonntagoormittag im kleinen Kurhaussaal Prof. Dr. Voß in einem ersten Vortrag bas Wort, in dem er in feiner geschätzten kenntnisreichen Art wesentliche unb grunblegenbe Ausführungen, durch zahlreiche gute Lichtbilder erhärtet, über ,/D i e historische Landschaft der Deutschrömer" machte.
Die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert brachte, von Winckel- mann herausbeschworen, wie in der gesamten deutschen Kunst, besonders in der Malerei eine vollkommene Umwertung, Neuwertung: das kam ganz stark in der Landschaftsmalerei zum Ausdrua, in der eine neue Art des Naturerlebnisses einsetzte, das die Landichaft eis solche in den Mittelpunkt stellte. Zu denen, die gewisiermahen den Umbruch beginnen, in die Reaktion eintreten und einen neuen Stil anbahnen, gehören vor allem die Maler Joh. Christian Reinhart (1761—1847) unb Josef Anton Koch (1768—1839), bie beibe schon in jungen Hphren nach Rom gehen unb aus biejem geistigen Zentrum ihre künstlerische Kraft schöpfen, wozu ein zerrissenes, politisch unruhevolles Deutschlanb ihnen nicht bie Möglichkeiten bot. Reinhart, zur Theologie bestimmt, vielseitig aeoilbet, mit großen literarischen Interessen belastet, was in lolchem Fall ost zur Gefahr werden kann, begibt sich bereits mit 22 Jahren auf bie Wanberschaft nach Italien, wo er zunächst als Graphiker „Illustrationen schöner Eegenben" schafft, um später zur stilisierten, monumentalen Lanb- schafismalerei zu finben, in einem heroischen Stil, zuweilen an
Herbststimmung im Kurpark
Wir lasten ben Teich mit bem kleinen Springbrunnen nahe der Wilhelmstrahe hinter uns, wir wandern am Kurparkweihei vorbei, auf dem die Enten schwimmen, wir grüßen die „Blumenwiese", über die das Klappen und Anschlägen der Bälle beim Spiel das einzige find, das die Stille unterbricht. Wir wenden uns der „Dietenmühle" zu, verwunschener werden die Wege, noch stiller, von Gold umsäumt.
Sons im Dunkel der Bäume liegt der dritte Teich dieses schonen Parks. Schwarz liegt er vor uns. Ganz glatt und glänzend, wie schwarzes Glas. Einzelne verlorene Blättchen auf ihm wie Sold. Sie scheinen festgebannt, regungslos. Schwarzes Glas. Und in der Mitte zwei weiße Schwäne ruhend. Ebenso bewegungslos. Und unwirklich in ihrer Weiße anmutenb, wie aus Porzellan geformt.
Eine zauberhafte Stille herrscht hier. Nichts bewegt sich. Wie lndulein Märchen. Die Schwäne blicken unverwandt. Unser Auge 5 Schwarz des Teiches auf und ab. Unergründlich scheint es. Nie meint man ein solches Schwarz gesehen zu haben. Das Auge badet stch darin, erstaunt.
„....plötzlich kommen ganz schräg, aus den niederen blaßgrünen Buschen fast weißlich wirkende Sonnenstrahlen. Sie setzen das Blatterdach in goldnen Brand und geben ben grünlichen Zweigen darunter eine überirdische Helle, sie legen sich gleich flachen weißen Balken über das schwarze Master. Die Schwäne ruhen unbeweglich. Em nie gesehener Glanz liegt auf dem nachtdunklen glajerncn Teich. Hoch und schwer hängen sich Riesenäste herab, nach dem Master zu, bie ganze Lanbschast altertümlich einrahmend. Smaragdgrüner Rasen blinkt von Ferne. Doch das Auge trinkt nur das Schwarz des Teiches vor uns und seinen glasglatten Glanz.
Das ganze wie eine Uferlandschaft. Großzügig, geisterhaft still, unwirklich in seinem Glanz und feiner kristallenen Schönheit und Unbeweglichkeit. Und es sollte uns nicht wundern, kämen nun Sottet und Äsen, um in diesem Schweigen, dieser urtümlichen fast gleißenden Schönheit^ zu schreiten und mit ihren feurigen Augen bte oeritemten Schwäne anzublicken oder mit ihren Händen ihnen gebieterisch zuzuwinken, daß neues Leben in ihre Leiber käme und sie langsam ms Gleiten gerieten!
geschieht. Kein Vogel hüpft. Fakt geisterhaft die bsille. s.®le J”e*fien Balken haben sich lautlos über das schwarze Glatt des Wassers gelegt und über feinen regungslosen Glanz. Und die Schwane scheinen es nicht bemerkt zu haben. Sie ruhen I'op vollkommen, gleich Dornröschen in seinem Schlaf. Eine unge= um ®er$au$etunS liegt über allem, über allen Dingen rings» . Da erhebt sich ein Windstoß, ganz kleine Ringe durchziehen den Teich — und plötzlich ist auch die Sonne weg. Den Frieden störend, den sie doch vollendet hatte, unb rasch, gleich bem ^"schied einer kalten Schönen, bie uns plötzlich unb ohne Erich verlaßt.
, . ,?lnb darauf ziemt es auch uns, still nach Hause zu gehen, vielleicht nachdenklich. Und das tun wir auch.
M. Schneider-Weckerling.
Vor 100 Jahren
Ein Blick ins „Wiesbadener Wochenblatt"
Ro. 44. Montag den 1. November 1841
Auf die militärische Aushebung wurden die Wiesbadener durch folgende „Obrigkeitliche Bekanntmachung" hingewiesen: Die Sitzung des Rekrutirungsraths für die Conscriptions-Classe 1842 wnd für die Eonscriptionspslichtigen des Stadtbezirkes Wiesbaden, Montag den 22. November l. I. in dem Rathhaussaale da- hier stattslnden, und Morgens um 7% Uhr beginnen. Die Eltern und Vormünder der hierzu gehörigen, im Jahre 1822 Geborenen, — so wie der, vom vorigen Jahre zur diesjährigen Conscription Verwiesenen, werden daher aufgefordert, ihre Söhne refp. Euranden an gedachtem Tage und Stunde um so gewisser dahier zu ststiren, als sie sonsten die, wegen Ungehorsams gesetzlich bestimmten Nachtheile, stch selbst beizumesten haben. Auch sind mehrere Conscriptions- pflichtige bei der Musterung nicht erschienen. Diese haben sich unfehlbar bis zum 13. November d I. zur Messung und zur Angabe etwaiger besonders zu untersuchenden Befreiungsgründe, dahier einzufinden. Wiesbaden, den 26. October 1841. Herzogliches Stadt-Polizei-Amt. gez. S ch w e i k a r t."
— Aus bem alten Wiesbaden. Auch vor 50 Jahren gab es schon „Verkehrsunfälle" wie nachfolgende Notiz im W. T. vom 6. 11. 1891 beweist: „Gestern Nachmittag kurz nach 4 llhr fiel infolge einer scharfen Wendung an bet Ecke ber Lang- unb Weber- gasse eine besetzte Droschke um. Die Insassin, eine Dame, kam mit bem Schrecken davon."
„Flaschen für unsere Wehrmacht"
Reichssammlung am 8. November 1941
3m kommenden Winter wird es nötig sein, unseren tapferen Soldaten im Osten wärmende und stärkende Getränke aller Art zukommen zu lassen Es ist selbstverständlich, baß bie Heimat alles tut, um diese Belieferung mit lösen zu helfen. Es mangelt an Flaschen. Diese werden aber in einer großen Sammelaktion „Flaschen sü: unje-eWehrmach t“, die am kommenden Samstag, einheitlich im ganzen Reich durchgeführt wird, beschafft werden. Schaut nur einmal in Kellern und in sonstigen Aufbewahrungsräumen nach. Ihr werdet dort Weiß- und Rotweinslaschen, Weinbrand-, Schaumwein- und Likörfloschen finden, die seit Jahren ein unbeachtetes Dasein fuhren Mobilisiert diese Bestände für unsere Wehrmacht und haltet sie bereit, wenn Soldaten, Parteigenossen oder sonstige beauftragte Helfer am 8. November zur Sammlung erscheinen Auch diese Spende des deutschen Volkes für seine Wehrmacht wird zu einem großen Erfolg werden, das haben bereits Versuchssammlungen bewiesen, die in der Reichshaikptstadt durchgeführt worden sind. So wurden bereits im Berliner Kreis III der NSDAP in rund 120 000 Haushaltungen 420 000 brauchbare Flaschen aufgebracht. Wiesbadens Bevölkerung wird in der Eebefreudigkeit nicht nachstehen. P.
Am Rande gesprochen
Beinahe gestürzt
Rinnsteindeckel sind in der Regel nicht das Thema einer lokalen Betrachtung. Man nimmt sie als das, was sie find, brave Schlammfänger und Ableitei des Regenwassers Daß sie aber auch eine Gefahr für den Radfahrer werden können, lag und liegt weder in ihrer harmlos-nützlichen Art noch im Willen derer, die fie gesetzt haben. Nur ein Radfahrer wird entdecken können, daß unsere Wiesbadener Schlammfänger-Deckel tatsächlich zu häufigen Malen eine unvorhergesehene Gefahr bringen.
Um den Leser nicht lange mit unnötigen Hypothesen aufzuhalten, sei sogleich die Begründung gegeben: Die Deckel werden mit ihrer Sieblinie nicht immer quer, sondern gleichlausend zur Fahrtrichtung der Straße gesetzt. Größeren Fahrzeugen macht dies infolge ihrer größeren Radspur nichts aus. Ein Radfahrer, der hingegen nicht dauernd seine Straße vor sich beachtet, kann unversehens infolge der schmalen Reifenspur in eine dieser Deckellücken hereingeraten und schon gibt es den „unerwarteten Fall", der hoffentlich nicht mit verbeulten Felgen ober mit Verletzungen verbunden ist.
Elücklicherweise ist — wie schon oben gesagt — diese „verfängliche" Anordnung der Rinnsteindeckel nicht die konsequente Regel. Es gibt also auch Straßen und Kurven, die in der genannten Hinsicht gefahrlos durchradelt werden können. Eine Bitte —wenn auch eine noch nicht eingestandene — all unserer Radfahrer ist es: Warum nicht alle Rinnsteindeckel so setzen, daß sie quer zur Fahrtrichtung laufen? Eine bisher bestehende Gefahren, quelle wäre damit leicht und sicher ausgeschaltet Oft ist der Sache schon mit einer entsprechenden Umdrehung des Deckels abgeholfen, oft allerdings sind Die Schächte derart int Viereck eingebaut, daß lediglich eine Umdrehung des Deckels nicht genügt. Hier kann durch Deckel mit neuer Siebspur abgeholfekt werden. sp.
— Wir gedenken am 3. November: des Sieges Friedrichs des Großen, 1760, bei Torgau. — 1801 wurde in Essen der Buch- Händler Karl Baedeker geboren, gestorben daselbst 1859. Nachdem er 1827 eine eigene Buchhandlung in Koblenz gegründet hatte, erwarb und bearbeitete er das 1828 erschienene Rheinreisebuch von H. Klein, dem feit 1839 weitere Bände folgten. Unter Mitarbeit hervorragender Gelehrten erlangten die Reisehandbücher Weltruf.— 1875 wurde in Massersdors im Subentengau bet Konstrukteur bei beutschen Volkswagens Ferbinanb P o r f ch k e geboten.
— Schöne Gewinne kann wieder der Glücksmann melden. Airs einer Vetriebsfeier zog ein glücklicher Angestellter 500 RM. In einem weiteren Lokal zog ein. Betriebsangestellter 100 RM und schließlich wurden zweimal 50 RM auf der Straße gezogen. Man soll nicht am Glück vorbeigehen, zumal es die letzten Lose sind.
— Sie Elsässer und Lothringer tagten am San/tagnatbmittag unter Leitung ihres Vorsitzers Butt im Hotel „Einhvrn". Zivil- Ingenieur Petri fesselte die Anwesenden mit einem Lichtbilder- vortrag über seine 1935 ausgeführte Ostseereise. Diese ging von Bremerhaven durch den Nord-Ostsee-Kanal bis nach Petersburg und dann zurück durch den Sund, Kattegat und Skagerrak, wobei auch die interessantesten Küstenstädte unserer Ostseeprovinzen, der baltischen Länder, von Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen besichtigt wurden. Herrliche Städtebilder mit ihren Domen, Kunst, bauten und Denkmälern zogen am geistigen Auge der gespannt lauschenden Zuhörer vorüber. - Frau W o l f erfreute die Mit- glichet mit einem selbstverfaßten Wunschgedicht. Beiden Vortra- genben wurde lebhafter Dank zuteil.
„An die Arbeit Kameraden"
Generalleutnant Müller-Michels beim RLB.-Hauptappell
Appelle sind Stunden der Sammlung, des Rück- und Ausblicks: Appelle härten die Front einsatzbereiter Menschen, lassen bas Gemeinsame ber Arbeit erkennen. Wenn bie Ortsgruppe Wiesbabe n/M ain-Taunus bes Reichsluftschutzbund e s am gestrigen Sonntagnachmittag im großen Festsaal ihres Luftschutzhauses ihre Amtsträger und Amtsträgerinnen aus Stadt und Land zusammenkommen ließ, so geschah dies im Geiste der selbstlosen Einsatzfreudigkeit, bem sich alle bie freudig untet-
Elaude Lorrain anklingend (zum Beifpie! Wasser des Styx, Amor und Psyche) Koch, tiroler Bauernsohn, naturwüchsig und originell, Schüler bet Katlsschule in Stuttgart, bie er gleich Schiller butch bie Flucht verläßt, kommt auf dem Umweg über Straßburg und längerem Verweilen in ber Schweiz, wo er im Berner Oberland Skizzen malt, bie er erst später aus der Erinnerung zu ©emälben ausarbeitet, nach Rom unb läßt sich dort von Carstens stark beein- brucken. Koch hat tiefere Empfindungskraft als Reinhart, ist größer in ber Komposition bes Landschaftlichen mit bem Figürlichen, boch feine Farben sind hart und grell, er bringt ein Übermaß an Staffage ins Bild. Von einem Deutschlandaufenthalt wieder nach Italien zurückgekehrt, gewinnen feine Bilder an Reife und antikischer Aufastung, eine Stufe, die Olivier und Richter gewisse Zeit als Vorbild diente.
Zum alten Meister Koch in die Lehre kommt der junge, talentierte Friedrich Preller (1804—1878), den der Weimarer Groß- Herzog Karl August, von Goethe aufmerksam gemacht, zunächst mit in bte Nieberlanbe nahm unb bann nach Italien schickte. Die großräumige italienische Lanbschast ist ihm Vorbilb zu seinen O b yssee-Fresken unb Kartons (hauptsächlich im Museum unb Residenzschloß in Weimar), mit denen er einen neuen Weg beschreitet. Die Darstellungsart ist zwar vielleicht einfacher als bisher unb doch wirken sie reicher, organischer, großartiger, man denke zum Beispiel an den schiffbrüchigen Odysseus, dem Leukothea ■auf ben schäumenben Wogen erscheint, eine prachtvolle, ausgesprochen antik wirkenbe Frauengeftalt.
Einen wesentlichen Schritt weiter geht Karl Rottmann (1798—1850), bei erstmalig Größe und Weite bei Land- schäft entdeckt unb schenkt, bet keine Details mehr malt, wie Prellet sie noch in Bäumen unb Sträuchern pinselte, sondern der Eindruck unb Inhalt einer Landschaft zu geben weiß, ihre Atmosphäre. Im Auftrage Ludwig I. von Bayern, der ihn zu Studienzwecken nach Italien und Griechenland schickte, schuf er italienische und griechische historische Landschaftsbilder. Fresken für den Hofgatten unb Ölbtlber lüt bie Neue Pinakothek in München, in betten vor allem auch bet größere Einsatz von Farbe auffällt.
In Karl Blechen (1798—1839) einem Zeitgenossen Rottmanns, bem Schinkel eine Stellung als Dekorationsmaler verschafft hatte, ber bann aber auch aus innerstem Zwang ben Weg nach Italien fand, begegnen mit erstmalig einer Auftastung, die stark im Coloriftischen verankert ist. Licht- unb Schattenbehandlung find neu unb wirkungsvoll bei ihm, die eigenartige Helligkeit des italienischen Himmels wird von ihm feinetnpfunben geschildert, wie feine Bilder aus der römischen Campagna, aus den Albanetbetgen, von Assisti, der Villa b'Este u, a. beweisen. Die zeitgenössische Kritik spurt bas Neue, bas Wesentliche, zeigt aber wenig Verständnis dafür, daß nicht das Ideale mehr ausschließlich gilt, sondern das naturalistische Element sich durchbricht unb ber Weg zur deutschen Romantik frei wird.
Adele P 1 üschke.
warfen haben, bie unter bem Zeichen bes „Hakenkreuzes im ®<nbe< steru" ihre Pflicht an bet ficimatfront — neben ihrer nicht leichten Berufsarbeit— erfüllen. Wer in ben Reihen bes Reichslustschutz- bunbes im Geiste bet Volksgemeinschaft wirkt, verdient unser aller Dank und Anerkennung _ , ,
Die Männer und Frauen, bie zu bem Dienstappell befohlen waren, konnten mit Stolz aus bem Munbe bes Führers der Gruppe XII Hesten-Rheinland/Süd des RLB., Generalleutnant Müller-Michels, Horen, daß dieser ben Leistungen bet Orts- gruppe Wiesbaben/Main-Taunus hohes Lob zollte unb einigen Amtsträgern unb Amtsträgerinnen bas Luftschutz-Ehrenzeichen mit* anerkennenden Worten verlieh. In seiner Ansprache wies er u. a. daraufhin, daß in der Luftfchutzarbeit auch die geistige und seelische Haltung jedes einzelnen von hoher Bedeutung ist. Die Erfüllung der übernommenen Pflichten fordert den ganzen Menschen. Die Leistungen ber in ben Reihen bes RLB. stehenden Männer unb Frauen wirb einmal in bas Buch bet deutschen Geschichte eingetragen werden. Auch der Bezitksgruppenführet, Oberstabs-LS.-Fühter Pult, der keine Gelegenheit votübergehen läßt, bei der hiesigen Ortsgruppe zu weilen, dankte im Namen ber Bezirksgruppe für bie Arbeit unb Einsatzfreudigkeit ber Männer und Frauen der Ortsgruppe.
Ortsgruppenführer K ö t sch a u, der für die vorbildliche Organisation des Appells verantwortlich zeichnete und zu feinem Beginn nach der Begrüßung der Vertreter der Partei, der Wehrmacht, des Staates, der Stadt und der Polizei in ehrenden Worten der verstorbenen Kameraden Atera, Dteßler unb Erothus gebuchte, sprach unter bem Leitwort „A n bie Arbeit Kameraben" über wichtige Probleme ber Dienst- geftaltung, bie Orisgruppen-Frauensachbearbeiterin Hoffmann über „Fraueneinsatz im RLB." unb Reviergruppenführer HI Dr. Ka 1 ischek über bas Thema: Der Amtsträger im RLB., feine Berufung, sein Amt und feine Verantwortung". In den Referaten wurden, unter Herausstellung des Wesentlichen, Fragen behandelt, die zur weiteren Erhöhung der Schsagkraft ber RLB.-Organisation wesentlich beitragen werden, wenn die Ausführungen von all denen aufmerksam befolgt werden, wobei wir darüber hinaus an alle Volksgenossen appellieren, bereit zu sein, die Aufgaben mit erfüllen zu helfen, dir dem RLB, und seinen Beauftragten zum Wohle der Allgemeinheit gestellt sind. Während des zweiten Teiles des Hauptappells wurden in einer Sondertagung allen Saubearbeitern ber Ortsgruppe aus berufenem Munbe Ausführungen über besondere Fachfragen gemacht.
Der Gruß an Den Führer zum Schluß des Appells unterstrich ben Willen aller Amtsträger ber Ortsgruppe, daran mitzuwirken, daß sich bie Heimatfront unserer siegreichen Wehrmacht würdig erweist.
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Sn einem anschließenden Kamerabschaftsabenb hatte bie Ortsgruppe für eine kurze, aber fröhliche Unterhaltung gejorgt. Die Kreiskapelle, bie bereits den Appell umrahmt hatte, spielte unter Leitung von Kamerad Reimann sehr zu Dank. Sn Helge Hell und Wolf Reinhard lernten wir das stimm- und tanzfreudige Bussopaar des Mainzer Stadttheaters kennen, das mit Wiener Liedern Chansons, Operettengesängen und -duetten anerkennenden Beifall erzielen konnte, wobei die liebenswürdigen Künstler in Kapellmeister Ernst Schnick einen trefflichen Begleiter am Flügel hatten. Liesel Schanz vorn Deutschen Theater brachte beschwingte Tänze: C. Jarisch vom Scala- Variete und unser einheimischer August Schlicht verhalfen derbem Humor zu zündender Wirkung. P
Montag: Verdunkelung von 18.01 bis 8.21 Uhr
