Wiesbadener Tagblatt
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Nummer 250
89. Jahrgang
Freitag, 24. Oktober 1941
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Die SowjetmarschSHe in Liquidation
Timoschenko seines Amtes enthoben und durch General Schukow ersetzt
Verzweiflungsakt Stalins
aa. $erlin, 24. Okt. (Eigener DraLtbericht unserer Berliner Schriftleitung^ Nichts beleuchtet besser die katastrophale Lage der Sowjets, als die Tatsache, baß Stalin Kopf er ollen labt. Der viel gefeierte Marschall Timos djen k o ist seines Amtes enthoben und durch General Schukow ersetzt worden. Bon B u d j e n n y, dem Mann, dessen Truppen in der Ukraine vernichtet wurden, meß es ickon vor einiger Zeit, dab er nicht mehr kommandiere und im Lubljanka-Gefängnis sitze und auch von Woroschilow, dessen Truppen in Leningrad.eingeschlossen sind, wird bekannt, dab er ebenfalls erledigt sqi. Das Dreigespann. das die Sowjetunion zum Siege führen sollte, sieht also, seiner Liquidierung entgegen. Timoschenko, dem zunächst der Oberbefehl über die gesamte sowjetische Front anvertraut worden' war, bevor die Dreiteilung eintrat, galt als der b este der sowjetischen Offiziere. Engi lische Blatter haben ihn noch bis vor kurzem als groben Strategen gefeiert, als den „Sieger von Smolensk", da seine Truppen angeblich Smolensk zurückerobert haben sollten, wodurch der deutsche Vormarsch gestoppt worden sei. Heute begreift man auch wohl in England, dah diese Nachricht schon, nur eben nicht wahr war. Man wird nun wohl selbst auf das Märchen verzichten, dab Timoschenko seine Truppen vor der Einkesselung habe bewahren können, ein Märchen, an dem man noch immer festbielt, als längst schon die Gefangenen- und Beutezahlen aus den Doppelschlachten von Wjasma und Brjansk bekanntgegeben waren, jenen Schlachten, in denen acht Armeen der Gruppe Timoschenkos in Trümmer gingen.
Mit den bolschewistische^ Armeen sind nun auch die drei Armeeführer erledigt. Dem neuen Mann, der das Oberkommando über die Trümmer der einstigen groben Armee, über kaum ausgebildete Arbeiterbataillone und andere schnell bewaffnete Abteilungen von Zivilisten übernehmen soll. General Schukow, widmet man Vorschublorbeeren. Die „Prawda" verheißt ibn als „Kämpfer mit 26jähriger militärischer Erfahrung", der alle Fähigkeiten besitzt und
„kem Träumer, Aufschneider oder Prahler" ist. Das ist em Eselstritt für Schukows Vorgänger, die einst so gefeierten Marschälle, die nun als Träumer, Aufschneider und Prahler abgetan werden, womit zugleich die Verlogenheit der sowjetischen Berichterstattung über die Kampfhandlungen eingestanden wird. Englische und amerikanische Kreise möchten glauben machen, dah Stalin absichtlich sein bestes Pferd bis zuletzt im Stall gelassen habe, wahrscheinlich also, um erst einmal den völligen Zusammenbruch der Sowjetarmeen zu erleben. 2m übrigen aber ist Schukow, der jetzt als Mann von ungeheurer Energie gefeiert wird, kein neuer, denn er war General st abschef und hätte als solcher beweisen können, was in ihm steckt. Stalins Mahnabme ist, daran können auch alle Vorschuhlorbeeren fiii Schukow nichts ändern, ein Akt der Verzweiflung. An dem Ausgang der Schlachten kann er nicht das Geringste ändern.
Das englische Parlament hatte sich also einen sehr ungünstigen Augenblick ausgesucht als es gestern wieder einmal das Problem der Hilfe für die Sowjets behandelte. Lord Beaverbrook erzählte den Abgeordneten von groben Lieferungen, die die Sowjets von England erhielten, Darunter auch Weizen und Zucker, ein interessantes Eingeständnis der Bedürfnisse der Sowjetunion. Immer wieder versicherte Veaverbrook, dah England mit aller Sympathie für den Bolschewismus arbeite. Eden war im Unterhaus vorsichtiger. Er sprach von seinem Mihbehagen über den Begriff „Die Sowjeihilfe" und wollte „Hilfe für den gemeinsamen Sieg" gesagt wissen. Auch er wies auf die Opfer hin. die die britische Heeresführung für die Lieferung an die Sowjetunion aus ihren eigenen Beständen bringe und sprach zurückhaltend von den englischen „Bemühungen", mit allen zur Verfügung stehenden .Mitteln Flugzeuge und Panzer in den von Stalin geforderten Mengen zu liefern. Das ganze war eine Komödie, aufgeführt, um zugleich Stalin und die über die „Demütigung Englands durch unzulängliche Unterstützung der Sowjetunion" erboste britische Öffentlichkeit zu beruhigen. Sie muhten allerdings erneut erkennen, dah England nicht in der Lage ist, eine Front im Westen zu schaffen, oder sonst irgend etwas zur Entlastung der Sowjets zu unternehmen. z
Günstige Weiterentwicklung im Osten
Erfolgreicher Einsatz der spanischen »Blauen Division" — Wieder Bomben ans Moskau — Bier britische Flugzeuge abgeschosse«
Der OKW.-Bericht von heute
Aus dem Führer-Hauptquartier. 24. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Osten schreiten die Angriffs- und Berfolgungs- operatiouen weiter erfolgreich fort.
Bei der Abwehr eines sowjetischen Gegenangriffs im Nordteil der Ostfront fügte die spanische „Blaue Division" dem Feind schwere Berlntte zu und brachte mehrere hundert Gefangene ein.
Die Luftwaffe versenkte im Seegebiet der Krim einen sowjetischen Dampfer von 6000 BRT. und belegte Moskau mit Spreng- und Brandbomben.
In Nordafrika schossen deutsche Jäger drei britische Flugzeuge ab.
Der Feiud warf in der letzten Nacht Bomben auf verschiedene Orte des norddeutsche,» Küstengebietes u. a. auf Hamburg und Kiel. Die Zivilbevölkerung batte geringe Verluste. Die Schäden Rnb unerheblich. Ein britischer Bomber wurde abgeschossen.
Wenn der OKW.-Bericht davon spricht, dah die Operationen durch die Witterungsverhältnisse erschwert stnd. io bedeutet dies bei der Eigenart des Geländes in Osteuropa. dah die Strahen durch Regenfälle aufgeweicht und völlig grundlos geworden stnd. dah die Menschen
und Tiere das Auherste leisten, müssen, um Zentimeter auf Zentimeter und Meter auf Meter voranzukommen, dah die schweren Fahrzeuge oft überhaupt nicht vorwärtszubringen sind. Mr kennen diese Zustände aus zahllosen Schilderungen der PK.-Verichte, aus denen hervorgeht, dah immer nur mit äußerster Willenskraft unter solchen Umständen Ziele erreicht und Erfolge errungen werden können. Meist liegt in solchen Situationen die Last des Kampfes allein auf der Infanterie, der Waffe, der Adolf Hitler in seiner Rede im Sportpalast ein besonderes Lob gespendet hat. Der Drang unserer Infanterie nach vorn ist so stark, dah er auch vor Moskau jetzt die Schwierigkeiten der WitterungsveMltnisse überwunden hat. So ist es gelungen, die äußerste Verteidigungslinie der sowjetischen Hauptstadt zu durchbrechen, und unsere Truppen haben sich, wie es im OKW.-Bericht vom Donnerstag hieß, bis auf 60 Kilometer an die Stadt heran- gekämpft. Das stnd militärische Leistungen, die Anspruch auf den Dank der ganzen Nation haben.
Im Süden bleibt die Verfolgung trotz heftigen örtlichen Widerstands des Feindes weiter im Fluh. Es zeigt stch eben, daß die Reste der Budjenny'schen Truppen nicht mehr zu einem einheitlichen Widerstand in der Lage stnd. auch wenn Re aus Fabrikarbeitern usw. verstärkt werden. Die Besetzung des Donezbeckens wird vlanmähig weitergeführt. und nicht nur den Bolschewisten, sondern der ganzen Welt kommt allmählich zum Bewußtsein, welchen Verlust dieses an Naturschätzen so reiche Gebiet für die Kriegswirtschaft unserer Feinde bedeutet.
Neue Ritterkreuzträger
Berliu. 23. Okt. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres. Generalfeldmarschall v. Brauchitsch. das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an: .
Eeneräl der Pioniere K u n tz e, Kommandierender General eines Armeekorps: Generalmajor Dehner, Kommandeur einer Jnfanterie-Diviston: Oberst Grase. Kommandeur eines Infanterie-Regiments: Major Sau rat. Bataillonskommandeur in einem Artillerie-Regiment: Oberleutnant Göbel, Bataillonsführer in einer Vorausabteilung: Oberleunant Millonig. Komvanieführer in einem Panzer-Pionier-Bataillon.
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Generalmajor Dehner. Kommandeur einet Jnfanterie- Diviston. geboren am 5. März 1889 zu Hersbruck (Mittel- franken) als Sohn eines Beamten, trat Anfang Oktober 1908 als Einjährig-Freiwilliger des 14. Bayerischen Jns.- Regiments in den Heeresdienst, wurde im Juni 1910 Fahnenjunker und Ende Oktoder 1911 Leutnant. Im Weltkrieg erhielt er für Bewährung als Frontkämpfer das E. K. 1 und E. K. 2., das Verwundeten-Abzeichen und andere hohe Kriegsorden. Im We st f e l d z u g erhielt er die Spangen zu beiden eisernen Kreuzen. Im Abwehrkamvf gegen die Sowjets hat stch Generalmaior Debner in wochenlanger Abwehrschlacht. insbesondere wahrend der am 19. und 20. August 1941 erfolgten, unter starker Artillerievorbereitung und großem Einsatz sowjetischer Fliegerkamvfkräfte und sehr starker Panzereinheiten gegen den Abschnitt seiner Diviston vorgetragenen Angriffe, als hervorragend tapferer, vorbildlicher Führet ungewöhnlich ausgezeichnet. Es ist ihm im hohen Maße zu danken, daß alle noch so erbitterten und heftigen Angriffsversuche der Sowjets zum Teil in zahlreichen Nahkämvfen in unübersichtlichem Kamvf- gelände toeiterten. Angelvornt durch die beispiellose Tapferkeit ihres in vorderster Linie befindlichen Kommandeurs, gab die von Generalmajor Dehner geführte Diviston während der Dauer dieser schweren Abwehrkämvfe und in den kritischen Stunden ihr letztes her, so daß alle sowjetischen Angriffe mit schwersten Verlusten der Sowjets an Menschen und Material erfolgreich abgewehrt werden konnte«.
Ritterkreuzträger Oberst Schubert gefallen
Berlin, 23. Okt. Ritterkreuzträger Oberst Schubert, Kommandeur eines schlesischen Infanterie-Regiments, ist beim Angriff auf den Toroba-Abschnitt ostwärts Toropjez an der Spitze seines Regiments gefallen. Ein vorbildliches Soldatenleben hat damit ein Ende gefunden. Oberst Schubert wurde 1896 in Jassy. Rumänien, geboren. Er trat 1914 als Kriegsfreiwilliger in das Reserve-Jnfanterie-Regiment 38 ein und nahm an den Kämpfen bei Reims teil. 1915 wurde er zum Fahnenjunker ernannt und 1916 zum Leutnant befördert. Nach dem Weltkrieg blieb Oberst Schubert bis zum Januar 1920 im Reichsheer und trat dann zum Polizeidienst übet, in dem er bis 1935 blieb. Mit dem Beginn der deutschen Webtfteiheit.und Wiedererstarkung wurde er wieder vom Heer übernommen und am 30. Januar 1939 zum Oberstleutnant befördert. — Als Kommandeur eines schlesischen Bataillons zog er in den Polenfeldzug. wo et zahlreiche, besonders schwierige Aufgaben durch seine Umsicht und kühne Führung erfolgreich lösen konnte. Mit dem Durchbruch durch die polnischen Grenzbefestigungen bei Eestyn. dem Weichselübergang bei Ostrowce und der Umfassungsschlacht bei Tomaszow verbindet stch sein Name. An der Spitze des gleichen Bataillons kämvfte er dann 1940 im Westen, wo er stch beim Übergang über die Maas westlich Tricointe auszeichnete. Seiner energischen Führung wat es damals zu danken, daß ein entscheidender Brückenkopf genommen und gehalten wurde. Für diese Tat erhielt er das Ritterkreuz 3m Ostfeldzug führte Oberst Schubert als Regimentskommandeuk ein schlesisches Infanterie-Regiment. Siet tm Osten erfüllte stch nun sein Soldatenleben. Der Geist dieses tapferen Offiziers aber lebt in den Setzen feiner Soldaten.
Das 60. Flugzeug abgeschossen
Berlin, 24. Okt. 2m mittleren Teil der Ostfront war eine mit einer Panzerdivision zusammenwirkende leichte Flakabteilung besonders erfolgreich. Diese deutsche Flakabteilung schob am 19. Oktober an der Kampffront vor Moskau das 60. Sowjetfl««eug ob.
Der Weg der Gewalt
Von Wilhelm Ackermann
Drei Etappen in einer Woche kennzeichnen den Weg der Gewalt, den Roosevelt entschlosten ist, zur Ausdehnung der USA.- Serrschaft über die mittel» und südamerikanischen Staaten zu beschreiten. 2n P a n a m a erfolgte der denkbar tiefftgreifenbe Akt innerpolitischer Einmischung mit der kurzfertigen Beseitigung einer nicht ge» nirgend willfährigen Regierung und der 2nhaftierung des in Washington mißliebigen Präsidenten und seiner politischen Umgebung. Nun hat freilich Panama immer in einem gewissen Hörigkeitsverhältnis zu den Vereinigten Staaten gestanden, weil es seine eigenstaatliche Existenz einem vom USA.-Prststdenten Theodore Roosevelt im Jahre 1903 gegen Columbien, zu dem es bis dahin gehörte, inszenierten Putsch verdankt. Der erste Roosevelt wollte sich auf diese Weise die spätere Kanalzone vorgreifend sichern. Und seit der Kanal gebaut ist, legt man in Washington natürlich auf die indirekte Beherrschung des Landes erst recht entscheidenden Wert. Hier, könnte man also vielleicht sagen, liegt ein Sonderfall des USA.-Jnteresses vor, der sich nicht verallgemeinern läßt. Aber Roosevelt selbst hat noch in der gleichen Woche für diese Verallgemeinerung gesorgt. Zunächst mit dem Übergriff gegen Peru. Es gehört schließlich zu den Souveränitätsrechten eines jeden unabhängigen Staates, seine Landesverteidigung nach eigenem Ermessen zu betreiben. Wenn das mangels eigener Versorgungsmöglichkeiten durch Käufe im Ausland geschieht, so geht auch das nur die beiden Geschäftspartner etwas an. Aber das Weiße Haus war im Fall Perus anderer Meinung: ihm paßte der von der Regierung in Lima getätigte Waffen- und Flugzeugkauf nicht, und daher erfolgte einfach die Beschlagnahme des bereits bezahlten Materials in einem amerikanischen Hafen. Mit der kümmerlichen Begründung, bas Material sei zur Unterstützung ber Sowjetunion erforderlich. Ganz abgesehen bavon, daß es sich um ganze 18 Flugzeuge eines veralteten Typs handelt, ist bisher auch von einem Bündnis zwischen Lima und Moskau nichts bekannt. Es handelt stch also um einen ganz krassen Will- kürtzkt Roosevelts.
Der Hintergrund dafür ist augenscheinlich folgender: Peru befindet sich derzeit in einem bewaffneten Grenzkonflikt mit Equador. 3n diesem Konflikt hat Argentinien unter Teilnahme der Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand vermittelt, und die endgültige Beilegung soll durch einen Schiedsspruch erfolgen. Inzwischen bemühen stch beide Teile, propagandistisch die Berechtigung ihres Standpunktes und ihrer Ansprüche zu vertreten. Aber Equador erfreu: sich der besonderen Sympathien Washingtons, weil es kürzlich die ihm gehörigen Ealapagoinseln den USA. jur Errichtung eines Marine- und Flugstützpunktes freigegeben hat. Da nun eine Hand die andere wäscht, so halten die Ver- einigten Staaten es nicht für gut, - wenn Peru während seines Konfliktes mit dem equadorianischen Freund für alle Eventualitäten seine Rüstung verstärkt. Und wenn man in Lima darauf.nicht freiwillig verzichtet, greift man in Washington eben zur Gewalt. Wieder könnten unverbester- liche Optimisten sagen: gewiß, das Verfahren ist völkerrechtlich nicht zu rechtfertigen: aber dient es nicht vielleicht wirklich dem Zweck der Friedensstiftung im Süden? Diese Zweifler mögen stch dann mit Roosevelts drittem Streich gegenüber Guatemala auseinandersetzen.
Dort ist durch den amerikanischen Gesandten ein Übe r« griff in d i e innerpolitrschen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes erfolgt, wie er sonst nur in der Kolonialgeschichte gegenüber Negerhäupt- Itngen üblich gewesen ist. Er verlangt von der guatemalte- nischen Regierung die wirtschaftliche Vernichtung und den politischen Boykott aller im Lande ansässigen Deutschen, Kontrolle dieser Maßnahmen durch einen nordamerikanischen Aufsichtsbeamten. Entfernung aller als achsenfreundlich, zu denunzierenden Beamten aus der Verwaltung und Preisgabe eigener Staatsangehöriger an die nordameri- kanlsche Boykottorganisation. Was steht als Triebfeder hinter diesem Versuch, einen unabhängigen Staat auf die Stufe eines Negerstammes im Inneren Afrikas herabzudrücken? Nichts als die Tatsache, dab im Wirtschaftsleben Guatemalas das deutsche Element als Eigentümer zahlreicher Kaffeeplantagen eine erhebliche Rolle spielt. Denn die weitere Tatsache, daß im guatemaltenischen Handelsverkehr Deutschland hinter den USA. an zweiter Stelle stand, wobei übrigens die Handelsbilanz stark aktiv zugunsten der mittelamerikanischen Republik war. spielt ja mindestens für die Kriegsdauer keine aktuelle Rolle. Hier ist also eindeutig und klar das Bestreben am Werke, bis zur Vernichtung in die wirtschaftlichen und Eigenturnsverhält- niste einzugreifen, um entsprechend ber früheren Roosevelt- schen Ankünbigung ben Süben bes Erbteils „von Europa zu entwöhnen". Mit welchen Methoben das geschehen soll, dafür bietet der Fall Guatemala ein ganzes Programm.
Interessant ist rn diesem Zusammenhang ein soeben in den Vereinigten Staaten aufgetauchter Plan zur Schaffung eines riestgen zwischenstaatlichen Kolonialge- bietes im Bereich der Quellftröme des Amazonas. Zwischen Äquator und dem 5. südlichen Brcitegrad soll am Oberlauf des Javura. des Putumayo und des Amazonas selbst ein gewaltiges llrwalbgebiet ber Kolonisation er- chlossen und für die Produktion von agrarischen Rohstoffen, vor allem Gummi und Hölzern, nutzbar gemacht werben, an denen die Wirtschaft der USÄ. besonders intereifiert ist. Das in Frage kommende Gebiet umfaßt columbianischen, equadorianischen. peruanischen und brasilianischen Besitz, und alle diese Staaten sollen freundlicher Weise an diesem internationalen Kolonialunternehmen beteiligt werden, natürlich unter nordamerikanischer Oberleitung. Der Zweck ist ziemlich klar. Es soll nickt nur ein neues Einfall- t o r für den Dollarimverialismus int Süden geöffnet »erben, sonbern es wirb sich auf bie Dauer um nichts anberes hanbeln als um bie Vorbereitung eines regelrechten nord- arnerikanischen Staates im Bereich all ber anderen Sänber. Gewiß steht einstweilen bieses schlaue Projekt erst auf bem Papier. Aber es botumentiert boch bereits bie ganze Denkweise bes Nordens gegenüber dem Süden, wie ste sich in ben Bereinigten Staaten unter ber Rooseveltschen Politik bet
