Brettes. 10. Oktober 1941
Wiesbadener Tagblatt
*t. 238 Seite 7
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Sinne meiner Mandantin verpflichtet, Ihnen noch einmal den Vorschlag zu machen, die Todeserklärung Ihrer #*rau Mutter zu beantragen, und bitte Sie. meine Grunde dazu entgegenzunehmen. —
Bei der Annahme: Ihre Frau Mutter würde nicht gefunden. würden sich folgende Konsequenzen ergeben: Sie ais Tochter treten das Erbe an. Es bleibt Ihrem Ermessen Vorbehalten, das Erbe unangetastet für Ihre ,trau Mutter zu verwahren. Damit wäre dann aber das Interesse Karl Langes hinfällig, seine Schwester aus eigensüchtigen Gründen unter Druck zu halten. Es besteht hierbei ferner die Möglichkeit, datz Lange selbst angibt, wo seine Schwester lebt, um Sie als Erbin zunächst einmal auszuschalten, und andere Mittel anzuwenden. Oder auch: Lange unternimmt direkt etwas gegen Sie. wobei durch unser Einvernehmen die Hoffnung besteht, ihn zu fassen und ibn damit auch tut Ihre Frau Mutter unschädlich zu machen. —
Bei der Annahme, ihre Mutter würde gefunden, besteht die Gefahr der Störung ihres Lebens. Aber wenn das der Fall ist. zugleich auch die Gelegenheit, Ihre Mutter endlich aus den Händen eines Mannes zu befreien, unter dessen erpresserischem Druck sie seit ihrer Iungmädchenzeit gestanden hat. —
Sehr geehrtes Fräulein Höft, ich unterschätze in reine» AZeise die Verantwortung, die sich hieraus für Sie ergeben würde, aber ich gebe Ihnen im vollen Bewußtsein meiner, eigenen Verantwortung und nach reiflicher Überlegung den Rat, Io zu bandeln. Es ist für mich selbstverständlich, dast ich Ihnen nicht nut als Anwalt vollkommen zur Verfügung stehe." -
Nein, entscheidet Maria sofort und ohne jeden Zweifel. Ich tue das nicht! Aber ste läßt drei Tage vergeben, bevor ste Knudsen ihren Entschluß mitteilt, ihre Suche nach ihrer Mutter selbst fortzusetzen. Auch jetzt verschweigt sie ihm die Spur nach Buenos Aires. Es erscheint ihr nach Knudsins Brief hoffnungsvoll möglich, daß Simone znriickgekommen ist, möglich und sogar wahrscheinlich, daß ste sich etn n'it-s Leben erbaut hat. denn von jemand, der nichts zu verlieren hat. kann man nichts erpressen.
(Fortsetzung folgt.)
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Damit ist ihre Absicht, ein paar Tage zu Hosts. zu fahren, zunächst durchkreuzt, denn sie möchte sich keinesfalls im Beisein der Eltern den wahrscheinlich unausbleiblichen Erschütterungen aussetzen. Bevor der Briet Knudsens da sein kann, wird Maria so sehr von der Ungewißheit gequält, daß sie sich bei Unger krank melden muß. Das ist sehr betrüblich. denn er wollte die Rollen mit ihr durchnehmen, die Maria in Aussicht gestellt worden sind. Rebenrollen natürlich, aber doch solche, in denen sie etwas unter Beweis stellen kann.
Endlich kommt der Brief Knudsens, durch Eilboten. Er hat Marias Gründe zur Ablehnung einer mündlichen Aussprache offenbar begriffen. Das Schreiben ist den Dienstweg durch die Kanzlei des Rechtsanwalts und Notars gegangen und in einem Stil geschrieben, der auch von dem Bürovorsteher stammen könnte. Das Diktatzeichen ist ab Kn—
„Sehr geehrtes Fräulein Höft! Unter BeRignahme auf unsere tn meinem Büro erfolgte Unterredung suhle ich mich verpflichtet. Ihnen mihutetlen, bau Herr Karl Lange, Plön, mit einem am 16. d. M. gestellten Antrag beim hiesigen Amtsgericht den Versuch einer Anfechtung des Testaments des verstorbenen Ehepaares Hubertus Lange unternommen bat. —
Da die Begründung des Antrages: ..Geistige Verwirrung der Erblasser durch seelische Erregungen bet Ab- fasiung des Testaments" durch mein Zeugnis >bre Widerlegung finden wird, bat der Antrag feine Aussicht aut Erfolg. — Es würde sich also erübrigen, Sie von diesem Schritt Langes in Kenntnis zu setzen, wenn Gange nicht wie früher vor ähnlichen Anlässen auch dieses Mal mehrere Tage verreist gewesen wäre, bevor er den Antrag stellte. Ich kann mich auch in diesem Fall nicht des Verdachts erwehren, daß Lange vor seinem erneuten Versuch, das Erbe an sich zu bringen, mit Ihrer Frau Mutter tn Verbindung gestanden hat. um irgendwelche Voraussetzungen zu einer Erfolgsmöglichkeit zu schaffen.
Wenn der Antrag des Lange nun auch unter allen Umstanden abgewiesen werden wird (Termin zur Verhandlung ist noch nicht angesetzt), so besteht tur. mich kaum, ein Zweifel daran, daß er diesen Schritt nach einer persönlichen Rücksprache mit Ihrer Frau Mutter unternommen hat. Ist dies aber der Fall, so steht es fest, daß Ihre Frau Mutier in einem Ort lebt, der von Plön aus in einer eintägigen Reise erreicht werden kann. —
Ich fühle mich aus den vorgenannten Gründen im
wesentliche Änderung eingetreten sei. Er bitte umgehend um Nachricht, ob er zu einer persönlichen Besprechung nach Hamburg kommen dürfe, oder ob sie den Wunsch habe, schriftlich unterrichtet zu werden.
Obwohl Maria weiß, daß ein schriftlicher Weg umständlicher und mißverständlicher ist. bittet sie, Knudsen möge ihr schreiben.
Seltsamerweise taucht gerade aus dem erfreulichen Umstand, daß Lange seine widerwärtige Drohung nicht wahr gemacht hat. das bedrückende Bewußtsein eines von.Mana Begangenen Unrechts aus den Schatten auf, die ni dem Leuchten des Erfolgs schwach geworden, waren. Es ist nun Io, als habe das Schicksal Maria nur eine kleine Atempause
Maria stellt sich die zweifelnde Frage, ob ne, ihrer Pflicht Simone gegenüber genügend nachgekommen ist. indem sie Hans Jngwersen gebeten hat., der Spur ihrer Mutter in Buenos Aires nachzuforschen. Ste macht nck auch Vorwürfe. Knudsen davon nichts, mitgeteilt zu haben, und kann doch auch jetzt nicht zu diesem Schritt kommen. Wenn sie auch von dem guten Willen Knudsens überzeugt ist. löst doch schon der Gedanke, ihm Simones Geheimnis anzuvertrauen. Erbitterung und Gegnerschaft in Maria aus. — Sie macht sich sogar Eewisiensbisse darüber, daß sie sich von Unger auf den vermeintlich rettenden Weg drängen ließ.
Eine der freien Wochen bis zum Beginn der Spielzeit ist schon mit solchen Zwiespälten verstrichen, als das Schicksal selbst des Wartens müde zu sein scheint. Es legt Mana eine seiner Trumpfkarten hin. und von diesem Auge^ , an hat sie das Empfinden, als fei. ihr das ganze Spiel jede eigene Entschlußmöglichkeit und tede Handlungsfreiheit aus der Sand genommen. .
Sie bekommt von Knudien eine kurze handgeschriebene Mitteilung, daß in „der gemeinsamen Angelegenheit eine
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