Wiesbadener Tagblatt
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Nummer 238
Freitag, 10. Oktober 1941
89. Jahrgang
Durchbruchstelle 500 Kilometer breit
Die eingeschlossenen Sowjetkräfte weiter zusammengedrängt — Orel seit einer Woche in deutscher Hand
3et Kampf gegen Großbritannien bombardierten Kampfflugzeuge bei Tage wichtige Anlagen auf den Farörs und versenkten nörd ch der britischen Inseln vier Handelsschiffe mit zusammen 6 6 00 BRT.
Der Feind flog nicht in das Reichsgebiet ein.
as. Der heutige Bericht des OKW. läßt erkennen, dab die Vernichtung der eingekesselten sowjetischen Truppen fortschreitet. Man wird dieLageim Ostenheute etwa mit derjenigen Frankreichs nach dem Durchbruch durch die Aisne-Stellung am 9. Juni vergleichen können, jenen Durchbruch, der in den Rücken der Maginot-Linie führte. Damit war der französische Wder- stand aussichtslos geworden, aber noch nicht endgültig ye- brochen. So ist es jetzt die Aufgabe unserer Truppen, im Osten die Kräfte Timoschenkos ebenso zu vernichten, wie etMaige sowjetische Divisionen, die sich noch in den weiten Räumen dieses Gebietes befinden. Der Sieg wird und muh auch hier von uns bis zum letzten ausyenutzt werden. Dabei kommt es. was nochmals unterstrichen sei, nicht auf den Besitz einzelner Städte an, sondern aus die Vernichtung der letzten sowjetischen Divisionen. Auch die Städte werden dann ihrem Schicksal nicht entgehen.
Der OKW.-Bericht von heute
Aus dem Führer-Hauptquartier. 10. Okt. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die am Asowkchen Meer, um Briausk und bei Wjasma eiugeschlossenen Kräfte des Gegners wurden gestern weiter zusammengedrängt. Darüber hinaus wurde der in der Mitte der Front aus einer Breite von 500 Kilometer erzwungene Durchbruch nach Osten vertieft. Der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Orel ist bereits seit dem 3. Oktober in unserer Hand.
Westlich Leningrad wurde ei« erneuter, von Panzern unterstützter Ausbruchsversuch des Feindes abgeschlagen.
In den Kämpfen um die Inseln Moon und Llel wurden nach nunmehr abgeschlossenen Feststellungen 12 531 Gefangene eingebracht und 161 Geschütze, sowie mehrere Panzer erbeutet. 2680 Minen des Feindes muhten im Verlauf der Kampfhandlungen unschädlich gemacht werden.
Die Luftwaffe griff in der letzten Nacht Flugplätze auf der Krim. Eisenbabnanlage« im südlichen und mittleren Frontabschnitt sowie kriegswichtige Einrichtungen in Leningrad an.
Ein Tag des Jubels für ganz Europa
London stellt fett: »Die ernsteste Lage seit Dünkirchen"
Kz. Vor dem Kriege versäumten es die Engländer, sich mit dem Gedankengut des Rattonalsozialismus eingehend Mi befassen. Sie muhten diese Unterlassung, die zu einer Fehlbeurteilung der inneren Kraft Deutschlands führte, bitter bezahlen. Ebenso wenig machten sie sich mit der Strategie des Führers bekannt. Sie brauchen sich deshalb nicht zu wundern, dah es immer so ganz anders kam. als sie erwarteten. Am 22. Juni, zu Beginn der deutschen Offensive gegen die Sowjetunion, glaubte man in London sehr klug zu kommentieren, als man das napoleonische Schreckgespenst herausbeschwor. Die deutschen Armeen werden sich totlaufen in dem gewaltigen russischen Raum, schrieben damals die britischen Zeitungen. Sie hätten aus dem polnischen und dem Westfeldzug gelernt haben müssen, dah es der deutschen Führung gar nicht um den Raum, sondern um die Vernichtung des Gegners geht. Der Eeländegewinn ergibt sich dann von selbst. Die Sowjetmarschälle kamen dem deutschen Plan sogar entgegen, massierten ihre Kräfte zum Gegenstob und liefen geradezu in die deutschen Kessel hinein. Ein Mangel an geistiger Beweglichkeit ist bei ihnen unverkennbar. Ihre ganz auf den Angriff gerichtete Mentalität vermochte sich nicht auf hinhaltende Verteidigung, die ihnen vielleicht noch einige Chancen geboten hätte, um» zustellen. So vollendete sich das Schicksal der gewaltigsten Wehrmacht der Welt, die, einmal in Bewegung gesetzt, ganz Europa hätte Niederwalzen können, in überraschend kurzer Zeit. Während die geniale deutsche Führung und die unübertreffliche Tapferkeit unserer Soldaten in einem Vierteljahr eine endgültige Entscheidung erzwangen, sahen die Briten auf ihrer Insel und sahen, die Mauloffensive abgerechnet. tatenlos zu, wie ihr letzter Festlandsdegen zerbrochen wurde.
In London beginnt man zu erkennen, dah mit der Vernichtung des Bolschewismus die Stunde Englands geschlagen hat. „Je gröbere Siege die Deutschen im Osten erringen", so schreibt z. B. „Daily Mail", „desto näher rückt der Krieg an uns heran. Gelingt es den Deutschen, die Sowjets zu vernichten, so stehen das britische Weltreich ünd die USA. allein da. Eine niederdrückende Einsicht, die das Entsetzen verständlich macht, das die Sondermeldungen des OKW. und die Ausführungen Dr. Dietricks in England ausgelöst haben. Rach einer Meldung der United Preb vertreten die englischen Militärsachverständigen die Auffassung, dah die neue deutsche Offensive im Osten die ein ft e ft e Lage seit Dünkirchen geschaffen hat. Der Bluff, den man der Welt mit den Hilfs- verhandlungen in Moskau vorführte, ist in wenigen Tagen zerronnen. Jede Unterstützung, selbst wenn sie möglick gewesen wäre, kommt zu spät. Das hat auch der britische Luftfahrtminister eingesehen und die angekündigte Flugzeug- wocke für d i e Bolschewisten abgeblasen. In USA., wo die deutschen Sondermeldungen geradezu einen
Schock bervorriefen, wo man die Rundfunksendungen unterbrach, um die deutschen OKW.-Berichte bekannt zu geben, wo die Zeitungen unter Riesenüberschriften über die „Erschütterung der Sowjetarmeen" berichteten, betrachtet man auch England bereits a l s verloren. Wenigstens muh man das aus einem Artikel des amerikanischen Ma» rineminifters Knor. den dieser in der schwedischen Zeitung „Dagens Ryheter" veröffentlicht, entnehmen. In ihm geht Knox von der Voraussetzung aus, dah Deutschland in Europa.den Krieg gewinnt und auch über England siegt und kommt dann zu dem Resultat, dab die USA. mit Beschleunigung eine Zwei-Meer-Flotte mit Marinestreitkräften von 500 000 Mann und Marineluftstreitkräften von 15 000 Flugzeugen mit 250 000 Mann schaffen mühten. England, das nun allein unserer unüberwindlichen Wehrmacht gegenübersteht, ist also von den Amerikanern bereits auf das Verlust-Konto gesetzt worden.
Für Europa ist der gestrige Tag, wie die spanische Zeitung „3nfotmacione“ feststem, „ein Tag des Jubels" gewesen. Die größte Gefahr, die seit Jahren unseren Kontinent überschattete, ist endgültig vernichtet. Die Sondermeldungen des OKW. fanden deshalb in allen europäischen Landern das freudigste Echo. In Italien kann man es noch gar nicht fasten, dah die sowjetischen Riesenheere mit ihren gewaltigen Rüstungen in nur 3Ve Monaten niedergerungen wurden. In ganzseitigen Überschriften verkünden die Blätter die „Liquidierung der Sowjets" und sprechen, wie die „Turiner Stampa", von dem größten militärischen Unternehmen, das jemals entworfen und durchgeführt worden ist. In Bukarest wurden die Extrablätter den Verkäufern aus der Hand gerissen. Die gesamte Sowjet-Front von Leningrad bis zum Asowschen Meer, io betonen die rumänischen Blätter, ist zusammengebrochen. Sie bezeichnen die neuen deutschen Operationen als die „einzigartigste, gigantischste und gewaltigste Offensive der Weltgeschichte". Die finnische Zeitung „Ajan Suunta" hebt in ihrem ersten Kommentar hervor. daß wieder Superlative nötig seien, um den Erfolgen gerecht zu werden.
Das deutsche Volk aber blickt mit tiefster Ergrisfenheir und Dankbarkeit auf den Führer und seine Soldaten. Es sieht nicht nur den gewaltigen Sieg, sondern auch die ungeheuren Anstrengungen, die körperlichen Leistungen, die Entbehrungen und den rücksichtslosen Einsatz, die nötig waren, um das große Ziel zu erreichen. In stolzer Trauer gedenken wir der Männer, Väter, Söhne, Brüder, die ihr Leben für Deutschland dahingaben und die Heimat vor den Schrecken des bolschewistiscken Einbruchs, die auszumalen Worte nickt hinreicken. bewahrten. Ein Dank, der sich nicht in Gefühlen erschöpfen darf, der uns härter machen muh in dem Entschluß, auch weiterhin alles. Leben und Besitz, für den Endsieg einzusetzen.
Böses Erwachen in England und in den USA.
(Von unserer Berliner Sckriftleitung)
• as. Berlin, 10. Okt. Die großen Siegesmeldungen des OKW. und die Feststellungen des Reichsvrestechefs Dr. Dietrich, daß der Feldzug im Osten entschieden ist, werden von der Weltpresse tn größter Aufmachung gekrackt und ausführlich kommentiert. Selbst in Moskau, London und Washington wagt man beute nicht mehr, an den alten Lügen festzuhalten. Die Nachrichten ihrer Moskauer Korrespondenten beispielsweise geben die englischen Blätter unter groben Überschriften wieder, wie: „Timosch e n ko in grober Eefahr". „Eisenbahnlinien nach Moskau besetzt",, „Ungeheure Erfolge der deutschen Offensive". Für den englischen Leser und Rund- funkhörer, der gläubig all den Schwindel über eine grobe Offensive Timoschenkos und den Unsinn über deutsche Niederlagen hinnahm, gibt es also ein böses Erwachen. Es ist dabei sehr bemerkenswert, dah sich die „Daily Mail" um den Nachweis bemüht, sie habe es längst kommen sehen und hätte sich nie an dem falschen Optimismus beteiligt. Das gleiche Blatt kommt in seinem Leitartikel, der die Überschrift trägt: „Wenn die Sowjetunion fällt", auch zu dem Schluß, daß im Osten nicht nur bie Sowjetunion geschlagen wird, sondern auch England. Das englische Blatt macht sich damit also einen Gedanken aus dem Tagesbefehl des Führers vom 2. Oktober zu eigen. Mehr oder weniger begreifen aber auch die anderen englischen Blätter, um was es jetzt geht, wenn man sich auch hier und da noch den Ansckein gibt, als ob eine verstärkte Hilfe noch die Sowjets retten könnte. Sehr ärgerlich ist man auf den sowjetischen Marschall Timoschenko. den man noch bis zuletzt begeistert gefeiert hatte und dem man nun vor-
wirft, dab seine Maßnahmen ganz falsch gewesen seien und nur den deutschen Offenfivstoß begünstigt hätten. Hatte man sich in London noch immer der Hoffnung hingegeben, daß die Sowjets eine neue Marneschlacht zuwege bringen würden, so ist diese Illusion zerschlagen. Ein amerikanischer Korrespondent drahtet denn auch seinem Blatte, in London hätten die neuen deutschen Erfolge eine Atmosphäre hervorgerufen, in der sich düstere Ahnungen mit Achselzucken der Verärgerung vermischten.
Auch in den USA. zeigen die Kommentare zu den Erklärungen des Reichspresfechefs und zu den neuen deutschen Siegesmeldungen, das gleiche Bild eines erschreckten Erwachens.
Selbst in der Sowjetunion schlägt man einen neuen Ton an. Die „Prawda veröffentlicht einen Artikel gegen den unangebrachten Optimismus und erklärt, die Lage sei äußerst ernst. Es bandele sich um Leben oder Tod der Sowjetunion. Man siebt, es dämmert sogar in der jüdisch-demokratisch-bolschewistischen „Prawda". Alle Einsicht aber kommt zu spät. Der Feldzug im Osten ist entschieden, der letzte Widerstand der Sowjets wird niedergekämpft werden. Dieser Widerstand kann an dem Schicksal des Bolschewismus und der Sowjetunion nichts mehr ändern.
6muts läßt in Südafrika Eingeborenen-Formationen auntellen und bewaffnen. Er verstößt damit gegen den wichtigsten Grundsatz des burischen Volkes, das in der ichwarzen Rasse die größte Gefahr für die Südafrikanische Union sieht.
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Der Schauplatz der gewaltigen Durchbruchsoperationen hi der Mitte der Ostfront
Wetthild-Gliese (Ml.
Spaltpilz Kommune
Von Wilhelm Ackermann
Wenn das Regime des Bolschewismus nicht von allem Anfang aus die menschliche Schwäche der Vergeßlichkeit besonders in politischen Dingen spekuliert hätte, dann Ginnte man in unseren Tagen nicht das groteske Bild erleben, daß diese übelste aller Tyranneien Arm in Arm mit den angeblich vorbildlichen Demokratien der Engländer und Amerikaner für die „Freiheit der Völker" ficht. In der Zeit seiner blutgetränkten Entstehung hatte er außer den Weibrussen keine erbitterten Feinde als eben diese Demokratien, die mit freilich unzulänglichen Mitteln den Versuch mack- ten, ihn durch Expeditionskorps auf seinem eigenen Boden niederzuwerfen. Von dieser verschollenen Zeit her führt ja noch der englische General Ironside den Titel eines „Lord Archangelsk". Als kurz nach dem Weltkriege bas bamalige Deutschlanb aus reinen Nützlichkeitserwägungen als erster Staat Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau aufnahm, war der Verfemung solch angeblicher Skrupellosigkeit vom Westen her kein Ende. Als im Lauf der Jahre die Sowjetunion doch als politische Tatsache gewertet werden mutzte und zwischen ihr und den meisten anderen Staaten diplomatische Beziehungen zustande kamen, blieben die Demokratien auch noch reserviert in ihrer Haltung, und es kam in mehr als einem Fall zu spateren Krisen und Spannungen. Erst als es bet gerittenen Politik Litwinows gelungen war, durch seine Freundschaft mit Eden den Bolschewismus auf dem Umweg über das Genfer Marionettentheater hoffähig zu machen, schlug die Stimmung um. Das war freilich nicht ganz zufällig auch dieselbe Zeit, in bet man sich in den westlichen Demokratien entschloß, dem Nationalsozialismus halt zu gebieten". Das demokratische Frankreich schloß sein Militärbündnis mit Moskau, auf das sich freilich bei Kriegsausbruch der Schleier bet Vergessenheit senkte: es umwarb im verein mit England im Sommer 1939 den roten Zaren vergeblich mit dem Aufgebot all seiner mäßigen Reize, aber bet war entschlossen, einstweilen in1 bei Hmtethand zu bleiben. Bis ei jetzt aus bet Rolle bes Umwoibenen selbst in bie des Bittstelleis hinübergewechselt ist, dafür allerdings auch auf der anglo-amerikanischen Seite mit offenen Armen ausgenommen wurde.
Aber die Freude an diesem Bündnis ist auf beiden Seiten nicht ganz echt: bei den Demokratien vom Militärischen ganz abgesehen auch deshalb nicht, weil mit ihm innere Schwierigkeiten verbunden sind. Diese werden noch gesteigert durch die muntere Aktivität der kommunistischen Parteien ht ihren Ländern, die jetzt ihre Zeit für gekommen halten und das Handicap weidlich ausnutzen, das sich die Regierungen mit ihrem Vunbesverhältnis zu Moskau selber auferlegi haben. In England herrscht ein Svannungszuftand zwischen dem Innenminister und den Gewerkschaften, weil er sich nach wie vor weigert, das seinerzeit erfolgte Verbot des kommunistischen Organs „Daily Worker" aufzuheben Von der Arbeiterpartei her wäre es kürzlich fast zu einer teilweisen Kabinettskrise gekommen, weil der Luft- fa6itmuiiftet allzu offenherzige Äußerungen über Englands stille Wunsche für die deutsch-bolschewistische Auseinandersetzung getan batte In den Vereinigten Staaten seht ein 3anl um die unlängst erfolgte Ausweisung eines kommunistischen Eewerkschaftsagitators. In Australien ist sogar der äußere Anlaß für den soeben erfolgten Regie» ntngsfturi die Tatsache gewesen, daß sich das Kabinett er- laubt batte, Gelder zur Bekämpfung der unterirdischen Wühlarbeit der Kommune im Lande auszuwerfen So touren die Demokratien am eigenen Leibe ein wenig den Segen der Bundesgenottenschatt mit einer internationalen Verbrecherorganisation, die der Meinung ist, gerade im Kriege mutte ihr Weizen in besonderem Matze blühen.
Aber auch anderwärts ist die Kommune im alten Stil der illegalen Arbeit tätig. Schweden hat von dem Um» faiuj dieser Tätigkeit in den Sabotage- und Spionageprozessetz
