Wiesbadener Tagblatk
Samstag/Sonntag» 2./3. August 1941
Wiesbadener Nachrichten
Aus dem Gaststätten- und Fremdengewerbe
Die Fettmarke im Gasthaus
Sahst du die letzte« Wochenschauen?
Ein solches
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Hans Peters, Lübeck.
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Schicksal ersparten dir unsere Soldaten unter Einsatz ihres Lebens. Danke ihnen durch dein Opfer für das Kriegshilfswerk am Sonntag!
jiei trat Konzertmeister leich-melodiöse der beiden
Die Zahne hängen rng miNdem Blutkreislauf zusammen. Sft es ein Wunder, daß kranke Zähne den Körper vergiften?
Seite 4 Nr. 179
Chlorodont
weist den Weg zur richtigen Zahnpflege
— Hören Sie am Sonntag! Im grobdeutschen Rundfunk hielt um 8 Uhr Johannes B r e n n e ck e auf der Lübecker Jacobi-Orgel. Das „Sckatzkästlein" um 9 Uhr steht unter dem Motto: ..Seht nur mal mein Kindchen an . . . Matthias Wiemann spricht, es hielt das Berliner Rundfunk- auartett. Das ..Deutsche Volkskonzert wird von 12.40 bis 14.00 Uhr übertragen. ..Die drei Wünsche' ist ein Märchen- spiel um 14.30 Ubr betitelt. ..Einen klingenden Smnmer- abend" sendet das Reichsvrogramm um 20.15 Ubr. Die Reichssender Wien und der Deutschlandsender senden um 20.15 Uhr von den Salzburger Testspielen eine Ausnahme von ..Die > Zauberflöte". Am Montag um 16 Uhr dirigiert Karl Elmendorfs ein Orchesterkonzert mit Werken von Richard und Siegfried Wagner. 20.15 Uhr: ..Für jeden etwas!"
herausgegeben. Danach dürfen fordert werden für Fleifchrai Fleischspeisen — ,—
oett wobei aber der Versuch gemacht werden soll. 50-Eramm- Gerichte mit 5 Gramm Fett a63uneben. Für in der Pfanne gebratene, insbesondere panierte Steaks. Ftschiilets und Eierspeisen dürfen 15 bis 20 Gramm Fettmarken genommen werden. für deutsches Beefsteak und Vratklovs aber nur 10 Gramm, für sonstige warme Fischgerichte höchstens 10 Gramm, für Gemüse-, Teigwaren und entsprechende Eintopfgerichte bis zu 10 Gramm, für Gemüse und Teigwaren als Beilage und für Salate höchstens 5 Gramm, dagegen für Salate nach Mayonnaisenart zubereitet 10 bis 15 Gramm, für Vorspeisen 5 bis 10 Gramm, für Bratkartoffeln bis zu 15 Gramm, für Butterbrot oder Brot mit Aufschnitt und Butter. Käse Und Butter usw. höchstens 10 Gramm je 50 Gramm Brotgewicht und für Geflügel ie Portion 10 Gramm für Gänse- und • Entenbraten aber keine Fettmarken. Der Gastwirt darf für ein Gedeck einschließlich aller Beilagen höchstens 20 Gramm Fettmarken verlangen, es sollen aber hauptsächlich Gerichte heraestellt werden, die weniger als 20 Gramm erfordern. Dis Richtlinien betonen, daß dem Gast stets der volle Gegenwert seiner Fettmarken geboten werden müsse und Gaststätten, die mit weniger Fett auskommen, als die Richtlinien vorsehen, auch dem Gast weniger Fettmarken abnehmen sollen.
„Es gibt nur ein Deutschland"
Soldatenbriefe find für uns immer eine Freude
Fast Tag für Tas erhalten wir Zuschriften von unseren Soldaten an der drront: außerdem geben uns ..Tagblat"-Leser aus dem Inhalt ihrer Feldpostbriefe bemerkenswerte Stellen bekannt. Das sind für uns Augenblicke, in denen wir den lebendigen Pulsschlag der Front empfinden und so ist denn auch die Freude an dieser Lektüre immer sehr groß. Da schreibt ein lunger Soldat, der aus dem Süden unseres großdeutschen Vaterlandes nach Wiesbaden zur militärischen Ausbildung gekommen war und heute an der Ostfront kämpft, an eine SLHesbabener dramilie u. a.: ..Wir haben wenig Zeit zum schreiben, denn immer geht es vorwärts, den es sind keine Muhen zu viel für unseren sicheren Sieg. Ich kann Ihnen auch Mitteilen dan ich am 30. 6. das EK. 2 erhalten habe. Sie können sich denken, was das eine Freude für mich mar."
In einer anderen Zuschrift an das ..W. T. heißt es u..a.: „Habe mich noch nie so auf die Heimatzeitung gefreut wie in dem letzten halben Jahr. Wenn man 2000 und mehr Kilometer von zu Haufe entfernt ist. dann merkt man das am meisten. ®?an merkt aber auch, daß es nur ein Deutschland aut der Welt gibt. . Auch diese Worte haben uns besonders angewrochen. Unsere Soldaten stehen in der Ferne auf der ütsadit gegen England oder im Kampf gegen den Bolschewismus, .für die Sicherheit der Heimat. Was unsere Soldaten lenten. ist nicht zu übertreffen. Unseres unauslöschlichen Dankes dürfen sie gewiß fein. p.
, Da.die einzelnen Gasthäuser bisher für gleichartige Gerichte häufig recht verschieden viel Fettmarken verlangt haben, hat der Leiter der Wirtschaftsgruvve Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe nunmehr reichseinheitliche Richtlinien für die Abgabe von Fettmarken durch Gastftättenbefucher ~ ' dürfen an Fettmarken vom Gast ge-
.— Ufchragouts und Gulasch sowie für ausgenommen die gebratenen — 10 Gramm
streifen die Vernichtungsorgie, die die Sowjets gegen sich selbst führen. Großflächige Aufnahmen aus der Lust von Witebsk uyd anderen russischen Städten zeigen das Ausmaß der Zerstörung. das Stalins Befehl ausgelöst^ hat.
Die ersten Aufnahmen der Wochenschau zeigen den Reichsmarschall in seinem Sauptauartier beim Empfang der mit dem Ritterkreuz ausgezeichneten Kreta- Kamvfer der Luftwaffe und des kroatischen Marschalls Kvaternik. Es folgen Bilder vom Einrücken neuer Freiwilliger im Kampf gegen den Bolschewismus. Von den nun beginnenden eigentlichen Frontbildern sind lehr interessant auch die Aufnahmen aus dem höchsten Novaen, die von den außerordentlichen ©elärtbetoroierigleiten eine eindrucksvolle Vorstellung vermitteln.
Mit dem Großangriff auf Moskau schließt die diesmalige Wochenschau. Wir kennen diese Art der Aufnahmen schon von London her. In schwarzdunkler Nacht flammen »ie flackernden Punkte der Erogfeuer auf. einer neben dem andern, unzählbar. Sier wird die Wochenschau zum Dokument gegen die Lüge. Wie die englische offizielle Berichterstattung so hat als gelehriger Schüler auch die sowjetische die Wirkung der deutschen Luftangriffe auf die rote Hauptstadt zu bagatellisieren verlacht. Die Wahrheit der deutschen Angaben unb die Lügen ihrer Gegner, sie wurden hier von den PK.= Männern der Luftwaffe erwiesen. G. A.
Aphorismen
Hans Peters, von dem die Ausstellung des Nassauischen Kunstvereins weitere, neue (Baben zeigt, findet nicht bloß in seinen Bildern und Zeichnungen die erstaunliche Prägnanz der Form. Auch seine Gedanken über die Kunst zeigen seine Grundformen: reine Einnenhaftigkeit verbunden mit klarer Einficht. Wir entnehmen einer neuen Auswahl von Aphorismen, die uns von besonderer Seite zugänglich gemacht wurden, einige kennzeichnende.
(Die Schriftleitung.)
Man muß mit der Kunst mehr verkehren als mit den Künstlern.
Die Kunst ist keine Wiffenschaft. Aber die echten Künstler sind so selten wie die produktiven Wifienschaftler.
Es gibt Maler, deren Schlips das einzig Malerische geblieben ist.
Ein lebendiger und unbefangener Künstler wirkt mit seiner Arbeit auf wohlerzogene Leute wie eine Ungezogenheit. Sie genieren sich für ihn und seine Ausdrucksweise macht sie erröten. Zugleich beneiden sie ihn, weil er sich gewifiermaßen auf offener Straße fortzupflanzen wagt.
Wer Meister nebeneinander hängt, wird sehen, daß sie sich herrlich vertragen. Neben den Versuchen von Lehrlingen und Stümpern wirken sie wie Perlen im Mist. Perlen aber gehören wo anders hin.
Der Künstler muß den Frauen morgens aus dem Wege gehen. Überladen wir die Augen nicht ebenso wie unseren Magen? Man soll sich nur jede Äußerung der bildenden Kunst in eine Liebes-Erklärung umdenken und den Erfolg auf di« Geliebte vorstellen.
Die Kinder der' Geliebten sollen besonders gut geraten. Nun — da scheint mir die Mehrzahl der Künstler mit der Muse verheiratet.
Ein stotterndes Gespräch mit dem Kunstwerk ist für den Menschen wertvoller als eine gebildete Unterhaltung mit dem Künstler.
Es gibt Leute, die vor der Natur in kleine Schreie des Entzückens auszubrechen Pflegen. Dasselbe tun sie vor der Kunst. Sie find immer noch bester als die, die überhaupt nicht verstummen können. Es gibt wirkliche Blumen, die wie künstliche aussehen. Genau so erschreckend find Kunstprodukte die natürlich wirken.
Oft haben Museums-Astistenten meine Zeichnungen durchblättert wie ein Kartenspiel. Der alle Direktor ging so behutsam mit ihnen um, als hätte er sie selber gemacht.
„Sehen Sie, alle diese Leute zeichnen mit Tusche!" „Eie etwa nicht?" „Nein — mit Blut!" Sie erschrak. Sie war blutarm. — Ich kann nicht zeichnen." „Stimmt. Sie können nicht sehen."
Im bäuerlichen Gemüsegarten ist die Arbeitsmaid eine willkommene Hilfskraft. (Photo. Archiv.)
in frischer Luft, durch Sport und Wanderungen werden die jungen Körper gestählt und aufgebaut, um den späteren Anforderungen von Beruf und Ebe gewachsen zu sein.
Die Unerbittlichkeit der Pflicht und die Unerschöpflichkeit der Kameradschaft im Einsatz seiner ganzen Person auszuleben, ist die selbstverständliche Tugend des deutschen Menschen. Der deutsche Soldat beweist ne heute im Krieg. — wollen die jungen weiblichen „Rekruten" der Heimat beiseite stehen —?
. Die ärztlichen Untersuchungen, in die auch die Zurückgestellten von 1922 eingeschlossen waren, unb bei denen Kratte des weiblichen Arbeitsdienstes mit Schreibarbeiten und dergleichen assistieren, sind für heute Vormittag abgeschlossen. Vor der „letzten Tür steht die junge Schar und wartet ungeduldig aus den Entscheid. Nach namentlichem Aufruf wüsten sie einzeln eintreten, ihre sorgfältig und detailliert ausgefüllten Papiere in Empfang zu nehmen. Man braucht nicht einmal großer Menschenkenner zu sein, um zu fühlen, wie stark und bereit der neue Lebensabschnitt von allen empfunden wird.
Ärztlich tauglich befunden, auch sonst klappt alles, dann werden Sie zum 1. Oktober zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Freuen Sie sich?" — fragt der Arbeitsdienstführer.
„Ja . — lautet die klare Antwort. A. Pl.
— Das „SB. T. gratuliert. Fräulein Emilie B i e r a u. Ellenbogensaste 13. feiert am 4. August ihren 82. Geburtstag. — Frau Berta Mohr, geborene Pohl. Dotzheimer Straße 25. Trägerin des goldenen Mutterkreuzes, wird am Sonntag 80 Jahre alt. — Am 3. August feiert Herr Emil Kunz. Bismarckring 42. seinen 75 Geburtstag. Die Jubilar« feiern ihren Geburtstag alle in körperlicher und geistiger Frische.
... ... ----, v-----,------ verkümmerten Nase nur zu „es
stinkt" oder „es duftet". — „Das gefällt mir." Welcher Mut gehört schon dazu. Aber warum? — Ein elendes Ende, zwischen guten Bildern verhungern zu mästen! — Dem Begabten fehlt nur zu oft die Gabe, Schönheit in Brot zu verwandeln. — Wenn ich eine Alte gut und so häßlich gemalt habe, daß man erschrickt, ist das Bild schön. Was das Kleid für die Frau, ist der Rahmen Süi das Bild. Wehe, wenn die Leiste schöner ist. — Große Kunst chmeckt oft wie bittere Medizin. — Die Ärzte sollten sich auch um ne Tapeten ihrer Patienten kümmern. — Ein Künstler fragte den Tod, warum er ihn so oft in seiner Nähe spüre. „Ich wollte mich nur überzeugen, ob deine Arbeit unsterblich ist."
— 3m Tempel dürfen keine Hühner gackern. — Wenn man Bilder so oft wechselte wie die Wäsche, käme allerlei an Erfahrung heraus. — Schölte Frauen wisten warum sie ihren Schmuck wechseln. Warum aber leben sie oft ein Leben lang mit demselben „Wandschmuck"? — Der Kopf diktiert der Hand, was das Herz fühlt. — Es gibt eine überwältigende Unrichtigkeit, weil sie aufrichtig ist. — Schlechtes läßt fich bester machen. Gutes nie. — Der Kunst gegenüber fehlt den meisten jede Skala — es wie bei der rr ' ~ "
jernichtrmgsorgie der Sowjets
Die neueste Filmwochenschau
Auch die neue Deutsche Wochenschau, die ab Sonntag in den Filmtheatern gezeigt wivd. ist voll von jener Dramatik, wie sie.nur die Wirklichkeit geben kann, aber auch wieder reich an künstlerischen Augenblicken, die die stetig reitende Technik unserer kL.-Kameraleute zeigt. Welch großartige filmische Leistung stellen die Aufnahmen des Marsches einer deutschen Reiterspitze bei peitschendem Sturmwind dar! Wie ein grandioses Fresko wirken die?« Gegenlichtaufnahmen, wie ein von einem Maler erdachtes Sinnbild des Kampfes an sich.
Besonders interessante Aufnahmen sieben auch zu Beginn der neuen Wochenschau. Man hat in der letzten Zeit schon öfters die mit der Zeitlupentechnik bewerkstelligte Veranschaulichung des Beschüsses von Panzern gesehen. Diesmal wird man Zeuge der Vernichtung russischer Vorvostenboote durch deutsche Zerstörer. Man verfolgt den Lauf der Eeschoste, man sieht sie mit atemberaubender Zielsicherheit sich in die Bordwand der gegnerischen Schiffe fressen, sieht die Flammen und Rauchsäulen aussteigen, sieht die Vernichtung. Deutlicher auch als in anderen Wochenschauen wird in diesem Film-
Fachschule für Kellner und Köche
Wie „Der Fremdenverkehr" mitteilt, wird der Hermann-Esser-Schule in Marienbad (Gastgewerbe- und Hotelfachschule) am 17. September 1941 eine Berufsfachschule für Kellner und Köche angegliedert. Sie soll alle grundlegenden Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die ein rasches und erfolgreiches Fortichreiten der praktischen Ausbildung in der an die Schulzeit anschließenden zweijährigen Lehrzeit sichern. Diese neue Anstalt, die einen einjährigen Schulbesuch vorsieht, will die sehr oft feststellbare allzu einseitige Ausbildung als ..Nurkoch" und ..Nurkellner beseitigen uns die jungen Menschen mit den grundlegenden Kenntnisten und Fertigkeiten beider Erundberuff ausstatten, sowie auf die Vielseitigkeit gastgewerblicher Tätigkeit Hinweisen.
Der Jahrgang 1923 ist aufgerufen
Musterung zum weiblichen Reichsarbeitsdiensi
Im Stadtkreis Wiesbaden sind es über 1000 Mädels, die sich in diesen Tagen zur Untersuchung im Staatlichen Gesundheitsamt. Rüeinstraße. zu stellen hatten, und wir nahmen Gelegenheit, einen Einblick in die Durchführung der Musterung zu tun.
An einem Vormittag werden 60 bis 70 Mädels gemustert, und es dauert viele Stunden, bis alle gründlichen ärztlichen Untersuchungen, alle genauen Prüfstationen der Sehkraft, des Gehörs, des Wiegens und Messens (ein Mindestmaß von Größe und Gewicht ist gesetzt) und Röntgens durchlaufen sind. — Da sitzen sie aus den Banken ünd lehnen an den Fenstern, aus allen Berufs- und Lebenskreiien zusammengekommen, und erfüllen di« Gange mit ihrem Plaudern und Lachen. Eine Tür otinet sich. — und es tritt eine erwartungsvolle Stille ein. Run beginnt s! Nachdem die Personalien nachgevrüft. die in manchen Fallen besonders gelagerten beruflichen und häus- li.men Fragen grundsätzlich geregelt sind, macht ein Ärbeits- dienstfuhrer in kurzen Worten die Mädels mit Sinn und Zweck, mit Mllcht und BÄingungen des zu leistenden Arbeitsdienstes bekannt.
Im Durchschnitt ist der Gesundheitszustand der Mädels dank der tüchtigen frühzeitig einsetzenden Leibeserziehung und de, wörtlichen Trainings unserer Jugend, zu dem sie nach den Grundsätzen des nationalsozialistischen Reiches alle bewußt herangezogen werden, recht aut. Die Ausfälle, die kommen, betreffen meist Zurückstellung wegen derzeitiger Berufsausbildung oder Beschäftigung in kriegswichtigen oder wehrwirl- schaftlichen Betrieben oder auch im landwirtschaftlichen elterlichen vaushalt. Es wird auch tonst weitaehendst Rücksicht geübt auf besondere persönliche Verhältnisse. — aber wer von unserer, weiblichen Jugend möchte eigentlich wirklich das große Erlebnis dieser Zeit der Ableistung der Dienstpflicht missen —? Genug es gibt immer noch einige. Mädels und Eltern, die aus unverständlicher Abneigung gegen alles Neue und vor allem gegen alles Gemeinschaftliche. Bedenken haben und voreingenommen sind. Sie müssen einfach eines Vefieren belehrt werden und das geschieht notwendig und vorbildlich durch die Arbeitsdienstzeit, in der Erziehung zu Pflichtbewutztsein und Disziplin, zum Geist der Hilfsbereitschaft und Kameradschaft. Gerade im Einsatz der Maiden überall dort, wo es an helfenden Händen mangelt und gerade in den Stuben-. Ar- beits- und Freizeitgemeinfchaften in den Lagern ist die Grundlage zu einer ersten Lebensbewährung gegeben. Wie oft auch werden in der Dienstzeit durch die Beschäftigung auf so vielen ganz neuen Gebieten, starke Interessen und Neigungen geweckt, Begabungen entdeckt und führen später in einen voll befriedigenden Beruf hinein. Durch die — meist ungewohnte — körperliche Ausarbeitung, den vielen Aufenthalt
* Kurhaus. Der 11 aff ifche Abend, den Musikdirektor August Vogt mit dem Städtischen Kurorchester im großen Saale ausführte, war durchweg auf einen sonnig heiteren Ton gestimmt. Die Sinfonie in L-dur von 3oh. Ehr. Bach, dem jüngsten Sohn Johann Sebastians, gewöhnlich als der „Mailänder Bach" bezeichnet, hat schon etwas vom Geiste Mozarts an sich im Sinne des rokokohaft Galanten, wenn auch weniger tief als die Werke Mozarts. Sie entspricht dem neuen, gefälligen Stil, der die alte Kontrapunftik immer mehr verdrängte, obwohl die Einteilung die alte dreisätzige der italienischen Ouvertüre bleibt. Bei der entzückenden kleinen Nachtmusik Mozarts empfand man so recht den Unterschied zwischen einer Kunst, die an der Oberfläche bleibt und jener anderen, die trotz ihrer lustigen Stimmung wie von blinkenden Goldadern durchzogen ist. Auch von L. van Beethoven hatte man zwei frühe, fast idyllische, aber sehr berühmte Kompositionen gewählt, nämlich die beiden Romanze für Geige und Orchester. Hi ' ” Albert Nocke als Solist auf. Das We ...
Romanzen liegt ihm ganz besonders gut. Hier weiß er durch delikate Behandlung, unaufdringliche Linienführung und saubere Technik bei untadeliger Reinheit der Stimmführung den letzten Absichten Beethovens zu folgen. Die Romanze in 6-dur beginnt mit Doppelgriffen, bei denen der Violinspieler exponiert allein steht. Trotzdem war die Reinheit der Intervalle über jeden Zweifel erhaben. Ein kleiner Zwischensatz wirkt wie ein Schatten, der fich über ein friedliches Bild legt. Nocke nahm die Stelle
Samstag: Verduukelung von 21.09 bis 5.58 Uhr Sonntag: Verdunkelung von 21.07 bis 5.59 Uhr
nicht weiter tragisch und blieb in moll der gemäßigten Erund- stimmung treu. Ebenso verfuhr er bei der Romanze in P-dur. die nur eine kurze, dramatische Anwandlung hat, um dann wieder in den Fluß einer süßen, weit ausgesponnenen Melodie einzumünden. So darf man die Auffassung Nockes als die klastische bezeichnen. Augufi Vogt dirigierte dann die Sinfonie Nr. 82 in 6-dur von Josef Haydn. Sie hat einen festlichen Charakter, dem der Dirigent mit flottem Tempo Rechnung trug. Sie wird als die Sinfonie mit dem Bärentanz bezeichnet wegen des drolligen, dudelsackartigen Brummbastes im Finale. Haydn schrieb sie um 1777 für die Kapelle des Grafen Esterhazy. Um den Stimmungsgehalt anzudeuten, gab er den in Schloß Esterhazy geschriebenen und später in Frankreich gedruckten Werken — daher „Pariser Sinfonien" genannt — allerlei drollige Namen. Die spritzige Ouvertüre zur „Italienerin in Algier" von Rostni, gespickt mit orchestralen Witzen, wirkte mit ihrem echt Rostinischen Crescendo zündend. Dr. Wolfram W a l d f ch m i d t.
* Die mufikgeschichtlichen Vorträge von Dr. Wolfram Wald- schmidt im Haus Rheinland wurden mit einer eingehenden Würdigung Richard Wagners beendet. In großen Zügen wurde das Leben und der Werdegang des Meisters geschildert. Wagner hat als erster mit dem Schema der alten Oger gebrochen und an ihre Stelle das Mufikdrama gefetzt. Schon im „Fliegenden Holländer" geht er, obwohl noch in der Tradition befangen, neue Wege. Weiter entfernt er sich mit Tannhäuser und Lohengrin von der ehemaligen „Nummernoper" bei der Durchführung einer sinngemäßen Deklamation und der Ausgestaltung der Leitmotive. Auch die weltanschaulichen Hintergründe wurden aufgerollt, besonders mit „Tristan" und dem „Ring der Nibelungen". Nachdem der Revolutionär Wagner zunächst im Sinne des Philosophen Ludwig Feuerbach der Bejahung des Daseins das Wort geredet hatte und in Siegfried den Helden schilderte, der die Welt der Macht und des Goldes zertrümmern und an ihre Stelle das Reich der Liebe errichten soll, gerät Wagner mit dem Züricher Aufenthalt immer mehr unter den Einfluß Arthur Schopenhauers und stellt dem ursprünglichen Helden Siegfried den weltmüden Wotan entgegen, der das Ende sucht. Durch die hoffnungslose, reine Liebe zu Mathilde Wesendonk wurde Wagner angeregt, das Schicksal des Tristan zum Drama zu machen, besten Inhalt das Leiden am Leben ist. Der schmerzvollen Chromatik des Tristan setzte bann Wagner in Wiesbaden, mit feiner Komposition begrünend, di« diatonisch frischen „Meistersinger" entgegen, die den Weg zur Lebensfreude gefunden haben. Die Vorträge wurden
