Wiesbadener Tagblatt
Samstag/Sonntag, 19./20. Juli 1941
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vorrücken. Mit
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die Äußerungen auch das Recht.
gung zu fordern.
Der neue Außenminister Toyoda
Tokio. 18. Juli. (Ostasiendienst des DRV.) Der neue javanische Außenminister Admiral a.-D. Sadaiiro Toyoda batte vor seiner Tätigkeit als Handelsminister den Posten eines Vizemarineministers inne. Er steht tm 56. Lebens- jabr. Toyoda war in der Hauptsache in Verwaltungsstellen der Marine tätig, ferner auch Stationschef und gleichzeitig Ches des 3. Geschwaders.
Ickes unzutreffend seien, als USA.-Vürger vom Innenminister eine E n t s ch u l d r -
Unsere Sturmpioniere bezwingen die Staiin-Linie
Mit Flammenwerfern und geballten Ladungen gegen das Bekestigungsnetz — Hartnäckiger Widerstand in zweigeschossigen Bunkern
_____________Geschäftliches_____________
(Außer Berantworrung der Schriftleitung»
Nr. 167 Seite 9
Spanienfreiwillige über den Empfang begeistert „So eine wunderbare Gastfreundschaft hätten wir nie erwartet"
Insektenstiche
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Kampf um eine Stabltiir
>ch ein Stoßtrupp unserer Sturmvioniere WH.UUCU. »in Maschinenpistolen wird der Eingang IN Schach gehalten. Lin kühner Sprung. In der Scharte detoniert die geballte Ladung. Mit einer weiteren geballten
Beim Durchbruch durch die stark befestigte Stalin-Lime war unseren Sturm-Pionieren an vielen Stellen die Aufgabe übertragen, den ersten Vorstoß gegen das weit verzweigte Bunkersystem »u nternehmen. Vom Erfolg und der möglichst schnellen Durchführung dieser Angriffsmaßnabme. hing es ab, ob die nachfolgende Infanterie einen wirksamen Keil in die feindliche Front treiben konnte.
Es ist frühmorgens, lange vor Sonnenaufgang! Aber von Morgenstille kann keine Rede sein. Roch sind unsere Pioniere in Erwartung des Angriffsbefehls. Währenddessen ift schon ringsumher der Teufel los: Aus Hunderten von Rohren fortwährendes Aufheulen. Weit in unsere Linie hinein dringen die sowjetrussischen Artillerie- abschüsse. Es blitzt und kracht, ein tolles Durcheinander von Rauch, Feuer. Revel und Svrengstücken.
Rur schrittweise geht es vorwärts!
3,05 Uhr! Run heißt es. in raschestem Temvo, den schmalen Fluß zu nehmen, der uns noch als einziges Hindernis vom Feinde trennt. Unsere Artillerie hilft tüchtig dabei mit. die gegnerischen Stellungen sturmreif zu machen. Ein sichtbarer Erfolg bleibt nicht aus: Bereits wenige Minuten später kommen uns die ersten Sowjetrussen verstört und zitternd entgegen. , _
Dann treffen wir auf die erste Befestigungsanlage. Man merkt es am plötzlichen MG.- und Geschützfeuer. Alle wichtigen Kampfmittel des Sturmpioniers, wie vor .allem Flammenwerfer, geballte Ladungen und Maschinenpistolen, müssen ran! Die kleinen Bunker fallen.
Damit ist aber die weit verzweigte Befestigungslinie noch längst nicht vollkommen überwunden. Denn immer noch leisten einige besonders starke Anlagen erbitterten Widerstand. Sie geben her, was die Geschützrohre nur eben fassen können. Trotz unserer Sprengungen und Flammenwerfervorstöße ftnb\ sie nicht in einem Zuge zu nehmen. Raum um Raum muß bitter erkämpft werden.
Ein Werk, das u. a. mit drei starken Geschützen bestückt ist, bat es uns angetan! Der Stoßtrupp gebt immer wieder vor, bis endlich geballte fiabungen im Eingang das Bollwerk zum Schweigen bringen. Wie sich aber, schon kurz darauf berausstellt, ist diese Stille nur eine Täuschung. Denn als sich unsere Infanterie nun entwickeln will, beginnt urplötzlich — gerade aus diesem Werk — wieder der mörderische Feuerbagel.
Berlin, 18. Juli. Spaniens Freiwillige, die nach langer Fahrt am 16. Juli im Elsaß zum ersten Male deutschen Boden betraten, sind begeistert über den herz- lichen Empfang, den ihnen die deutsche Bevölkerung bereitete. Der Fübrer der spanischen Freiwilligen hebt mit Freude hervor, daß nach überschreiten der Reichsgrenze sich eine ganz andere Welt für die Spanier auftut. Die Ehrenkompanien der Wehrmacht, die Ehrenabtel- lungen politischer Leiter der NSDAP., die jubelnden Kinder — alle diese Beweise herzlicher Verbundenheit der deutschen Bevölkerung mit den Freiwilligen Spaniens erfüllen die Spanier mit tiefer Freude. „So eine wunderbare Gastfreundschaft. wie sie uns hier in Deutschland erwiesen wird, hätten wir nie erwartet", lauteten die begeisterten Worte des Führers der spanischen Freiwilligen.
Weitere italienische Heeres-Abteilungen eingesetzt
Rom. 18. Juli. Zum Einsatz an der Ostfront sind weitere Abteilungen des italienischen Heeres in Marsch gesetzt- worden, denen der Sekretär der Partei die Grüße und Glückwünsche der Schwarzhemden überbrachte.
Bemerkungen fielen, während die Brille herausgefischt, unter der Leitung abgespült und frisch geputzt wurde. — Ach, alte, kleine, fast erblindete Brille in meinen nun selbst alt gewordenen Händen, du zauberst verklungene Zeiten und unbekümmerte Jugendtage herauf! Wie oft, du Objekt der Tücke, du Kobold der Verwirrungen, hast du den Frieden des kleinen Hauses gestört! „Hat jemand meine Brille irgendwo liegen sehen?" — Nein, niemand hatte sie gesehen, aber eine wahre Expedition, wie sie einst nötig war, um den Forscher Livingstone, der im „dunklen Erdteil" Afrika verschwunden war, aufzufinden, machte sich daran, sie wieder herbeizuschaffen. War es möglich, daß sich eine Brille in einer Wohnung, die nur aus Stube, Kammer und Küche bestand, so verborgen halten konnte, als sei sie im 500 Gemächer bergenden Palast des Maharadscha von Udaipur verlegt worden? Wer konnte aus den Gedanken kommen, daß sie sich in einer dunklen Fensterecke in die Maschen der Gardine eingehängt hatte, wer ihr zutrauen, daß sie sich draußen auf dem Fensterbrett in den Blumentöpfen verbergen könnte?! Einmal aber, als das ganze Haus ihretwegen durch den Wolf gedreht worden war, alles dreimal durch ein Teesieb gerührt wurde, blieb diese vertrackte Brille verschwunden, und ernsthafte Berechnungen wurden angestellt, ob die Beschaffung einer neuen Augenhilse zu rechtfertigen sei. Im letzten Augenblick wurde bekannt, daß eine Nachbarin dieses optische Instrument an einem dunklen Ort außerhalb der Wohnung gefunden hatte, den näher zu bezeichnen die Höflichkeit und Schamhaftigkeit des Sängers verbietet.
Gute alte kleine Mutter, so rührend in deiner Einfältigkeit, so unersetzlich und erhaben in deiner einhiillenden Liebe, da sitze ich an einem grauen Nebeltag in der Kammer vor der alten Kommode und habe deine erblindete Brille aus meiner Nase, und es ist mir, als sehe ich dich zur Abendstunde bei der Petroleumlampe fitzen, einen Berg zu stopfender Strümpfe um dich her und doch bemüht, schnell noch die neuesten Begebenheiten des Jahres 1888 in dich aufzunehmen. Aber der Tag war lang und die Beine schon müde; das graue Haupt sinkt -langsam zur Seite, aus den weißen Strähnen l-öst sich die kleine Brille, und wie Hände und Zeitung niedergleiten, so versinkt auch sie zwischen Wolle und Flicken. — Wie oft riebst du di- müden Augen, zwinkertest und sprachst besorgt davon, daß es immer schwieriger würde mit dem Sehen, daß die Buchstaben so grau wären rote das Papier, und wie oft zeigte es sich, daß die alte Brille nur mal wieder fettig geworden war, das Lesen mehr erschwerte als förderte. Augenarzt und neue Brille, das war ein Gedanke, der so fern lag wie die Frage nach der Größe des Polarsterns: verkaufte man doch damals noch Brillen auf den Messen und Märkten in den Land- städtchen. Es war die Zeit, in der arme Leute den Arzt nur bemühten, wenn st- ihn ganz dringend brauchten.
Was haben die Augen alles gesehen, die durch diese Brille blickten' Sie schauten verwundert den ersten Eis-nbahnzügen nach.
Die Brille meiner Mutter
Von Brun» H. Bürgel
Kürzlich habe ich an einem grauen, melancholischen Nebeltag in einer alten Kommode herumgekramt, die ich die Raritatenkilte nenne, denn sie ist vollgestopft mit altem Krempel, tausenderlei Schurr-Murr, von dem man sich aus irgendeinem Grunde nicht trennen will, obgleich man ihn gar nicht mehr zur Hand nimmt und ihn nicht braucht. Sicher haben Sie auch so altes Gerümpel in irgendeiner verborgenen Lade liegen und können das nach- fiihlen Unsere Erben werden den veralteten wertlosen Plunder eines Tages kopfschüttelnd ins grelle Licht tragen und verbrennen oder in den Kehrichteimer werfen, wenn unsere Herzen nicht mehr "“V p"öäich kam mir zwischen alten Briefen, Photographien, unmodernen billigen Schmuckstücken, bunten Pappkästen, zerbrochenen Nippes, Meerschaumpfeifen von Anno Tobak die Brille meiner Mutter unter die Finger, jene kümmerliche alte Stahlbrille, die, solange ich denken kann, in einer abgegriffenen, ver- schabten Papphülle steckte. Ich zog sie hervor, ich habe sie lange, lange nachdenksam betrachtet und mit mehrfach auf die Nase gesetzt, und ein halbes Jahrhundert voll Lust und Leid, Erfolgen und Irrtümern, erregenden Weltbegebenheiten dazu.
Ach, das ist keine Brille, wie wir sie heute tragen, keine Brille mit gewichtigen, großen, runden Gläsern, in Horn gefaßt, und mit breiten Bügeln: es ist ein kleines, schmales, kümmerliches Ding, die Gläser nicht viel großer als das Auge selbst, und ein klapprige-, dünnes Stahlgestell hält sie zusammen. Ich sehe eine alte, einfache, betuliche Frau mit weißem Haar, die sich bemüht, dieses wacklige Ding auf ihrer Nase zu befestigen und den lächerlich unpraktischen Bügeln tm weißen Strahnengewm hinter den Ohren Halt zu schaffen, und sehe das vertrackte Ding immer wieder vorn zur Nasenspitze hinrutschen, roas der guten Mutter ein merkwürdig drolliges, belustigendes Aussehen gab. Eine solche, auf der äußersten siasenspitze baumelnde Brille hatte in meinem Märchenbuch der weise Großvesier des Sultans der Türkei, jmb ein fröhliches Gelächter war nicht zu unterdrücken, wenn das «eh- instrument dann ganz über die Nasenspitze hlnwegrutschte und tm dampfenden Kohltopf unterglng. Die ganze nichtsnutzige Lächerlich- leit meiner Knabenjahre wurde mit dann vorgeworsen, und -n weitansholenden Darlegungen kam eine allgemeine Kritik meines Verhaltens in Schule und Haus hinterher, die mit der Prophezeiung schloß, daß aus mir nie tm Leben etwas Gescheites "^M-tn "guter Vater pflegte bei dieser Gelegenheit den schönen Spruch zu zitieren: „Wal kann bet atme Kind dafüt, bat bine Drill upp bin dicken Schmit nicht fitt-n will!" aber et erreichte damit nut, daß auch über seine eigenen Sunden einige lichtvolle
Lindbergh protestiert
Der bekannte Flieger verlangt von Innenminister Ickes Entschuldigung wegen gemeiner Berunglimpsungen
New Vork, 18. Juli. In einem Schreiben an Präsident Roosevelt protestiert Lind.b er g b gegen die Verunglimpfungen, die sich Innenminister Ickes in einer Anzahl Reden gegen den bekannten Flieger zuschulden kommen lieb. Lindbergb verwahrte sich gegen die von Ickes ausgesprochene Verdächtigung, er vertrete die Jntereffen. einer fremden Regierung. Lindbergb betont, er habe keinerlei Verbindung mit irgend einer fremden Regierung und habe die deutschen Orden im Dienst und auf Veranlassung des USA.-Botschaf- ters in Berlin angenommen, der seinerzeit bessere Beziebun- gen mit der deutschen Regierung wünschte. Lindbergb erbot sich, seine Papiere einem Untersuchungsausschuß zur Verfügung zu stellen, fälls. der Präsident einen solchen ernennen wolle und sich gegen jede Beschuldigung vor dem Ausschuß zu verteidigen. Falls die Beschuldigungen ungerechtfertigt feien, verlange er ..Wahrbeit und Gerechtigkeit von den amerikanischen Kabinettsmitgliedern. Er babe, falls
GaNand und Oesau beim Führer
Das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz überreicht.
Ans dem Fübrerbauvtauartier, 18. Juli. Der Führer «nd Oberste Befehlshaber der Wehrmacht empfing Oberstleutnant Gal land, Kommodore eines Jagdgeschwaders, und Hauptmann Oesau, Kommandeureiner Jagdgrupve. und überreichte ihnen das Eichenlaub mit Schroetter n zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Der Führer verlieb diese hohe Auszeichnung Oberstleutnant Ealland. als erstem Offizier und Hauptmann Oesau als drittem Offizier der deutschen Wehrmacht für ihren immer aufs neue bewährten Einsatz im deutschen Freiheitskamvf.
Ferner überreichte der Fübrer persönlich das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes Oberstleutnant Dinert. Kommodore eines Sturzkampfgeschwaders, Maior Storp, Kommodore eines Kampfgeschwaders. Hauptmann Jhlefeld. Kommandeur einer Jagdgruppe. und Leutnant Schnell. Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader.
Schifferklavier auf sinkendem Schiff
Geschichte eines wirklich nicht erschütterten Seemanns
PK. Man müßte es malen, dieses Bild: ein Schiff mit dem Achterdeck bis mittschiffs abgeiackt, 8? verlos auf dem Meer treibend. Von mittschiffs schlagen Flammen rot und lodernd in die Nacht. Achtern ragt nur die Mammße noch heraus, wie eine Traube dicht bedangen "^lnlierufenden Soldaten. Vorn schaut noch die Back. P^mlich schräg schon liegend, aus der See heraus. Hier auf der Back das llleiche Bild aufgeregter und überstürzt nach Rettung juchender Menschen.
Dazwischen steht ein Matrose, einer der schon bei Narvikdabeiwar. Er kommt von seinem ersten Urlaub zurück, ein blonder Hamburger Junge. Er.sieht sich mit ruhigen Augen die Lage an. Er sieht die Scheinwerfer eines Vorpostenbootes und weiß, daß sie gerettet »erden können, wenn sie nur ruhig bleiben. Nun, an ihm soll es bestimmt nicht liegen. , _
Der blonde Hamburger ist nach der Kellelerplosion. noch einmal drei Decks tief.in das völlig dunkle. Schiff hmab- geitiegen, um sein Gepäck heraufzuholen. Soviel Zeiti iftja wohl noch, warum sollte er alle 'eine jchonen Sacken absaufen lasien? Jetzt steht er vorne aus der Back, zieht seine Sckwimmweste aus, nimmt aus seinem . Koffer eine neue, tadellos gebügelte Hose, zieht sie noch über die. alte Hose, die er anhat. zieht weiter seinen guten Collani an. steckt dann nock — natürlich muß man etwas anständig ausschauen, wenn man in ein neues Boot musterst — Raster- und Waschzeug in die Taschen und zieht schließlich auch (eine Schwirnnu weste wieder an. Dann hängt er seinen <yotoappaiat noch um, die neu gekaufte Rolleiflex.
So, nun ist er so weit, jetzt kann er umsteigen. Aber er hat ja noch etwas Zeit, das Schiff wird noch eine Weile treiben, wenn auck das Vordeck sich langsam schräger, und schräger senkt. Unser Hamburger Junge nimmt seine Ziehbar m o n i t a auf. die er auch neu aus dem. Urlaub mit- gebracht bat. Er hat sie vor sich hängen, er fangt an, ohne sich was besonderes dabei zu denken, nur eben aus .einer gelassenen Seelenruhe heraus, leise vor sich hin zu foulen. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern. Da fangen ein paar der Umherstehenden. eh en nur noch tn Verwirrung auf Rettung Bedachten an. mitzusingen.
Und unser kühner Hamburger fängt nochmals an zu spielen, nun kräftiger und rund um das immer schräger liegende Vordeck gehend, im Schern der von mittschiffs her- überschlagenen Flammen: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern." . . „ , „ „,,,
,Na. und dann hinterher gtng es also los . erzählt er weiter. Er selber bat sich bei dem ganzen weiter nichts gedacht. Jetzt aber hatte man ihn umhergezeigt, beglückwünscht und belobigt. Der Admiral sprach ihm seine Anerkennung aus Sechs läge, nachdem er von dem Vorpostenboot aus dem Wasser gezogen worden war, machte er die gleiche Reise wieder nach Norwegen, diesmal glatt. Und von Trondheim aus tat er wieder seinen Dienst auf Vorpostenbooten, so wie er jetzt wieder, wie vor Narvik, auf einem unserer modernsten Z^Jn? Trondheim (ommt er e{ne5 Tages von einer Dor- postenfahrt zurück und wird schon beim Anlegen vom Eruppen- chef empfangen: „Was haben Sie ausgefreffen? Sie sollen sich sofort beim Seekommandanten melden."
E s w a r d a s E K. I, das unser unerschütterlicher Hamburger diesmal ausgefressen batte, für sein Spiel mit dem Schifferklavier auf dem sinkenden Schiff und überhaupt für seine ganze mutige Besonnenheit.
Kriegsberichter Dr. Werner Betz.
Der Abfahrt wohnten außer dem Parteisekretär das Nationaldirektorium der Partei und die Gauleiter ganz Italiens sowie der Generalstabschef, der Unterstaatssekretar im Kriegsministerium, der Präfekt und der Gouverneur von Rom, zahlreiche Offiziere der verschiedenen Waffengattungen. Vertreter von Staat und Partei sowie eine große Volksmenge hei. Die Abfahrt erfolgte unter begeisterten Zurufen der Anwesenden. —
Niederländer an der Ostfront
Den Haag, 18. Juli. Der Kommandant der niederländischen Freiwilligenlegion für den Kampf gegen den Bolschewismus, Generalleutnant a. D. S e y f f a r d t, richtete in der Presie einen Aufruf an niederländische Arzte und Pflegepersonal, mit der Aufforderung, sich für die Rotkreuzambulanz der Legion zu melden. Generalleutnant Seyffardt wies darauf hin, daß schon früher, so in Abessinien und Finnland, Rotkreuzambulanzen eingesetzt worden seien. Nun gelte es, an der Ostfront im Kampf gegen den Bolschewismus Verwundeten und Kranken zu helfen.
die durch Deutschland pufften, und lasen mit Erstaunen von der ersten Telegraphenlinie, die eröffnet wurde: sie iahen die ersten Nähmaschinen und Petroleumlampen, die ersten Photographien und Dampfschiffe, die aus dem Vaterland nach Amerika fahren, denn bas alles trug sich zwischen 1840 unb 1860 zu. Berlin hatte noch keine Wasserleitung, noch keine Kanalisation, noch keine Pferbebahn unb nur siinfhunderttausend Einwohner! Die Augen, bie burch diese Brille schauen, betrachten die ersten Postkarten, die 1865 eingeführt werden, sie sehen die ersten Glühlampen Brennen, freuen sich am ersten Stadtbahnzug bet Reichshauptstabt unb sehen in bet Leipziger Straße bie ersten elektrischen Bogenlampen die Nacht zum Tage machen. Das erste Fahrrad wird angestaunt, das erste Auto, das erste Telephon, kopfschüttelnd sieht eine Greisin noch das erste Kino und die ersten Flugzeuge, die ganze Welt hat sich in den achtzig Jahren oerroanoelt, da dieses Menschenkind da unten in einem kleinen Dörfchen Thüringens in eine noch stille, geruhsame Zeitlichkeit eintritt.
Ich werde sehr nachdenklich, wie ich durch diese nur ganz trübe gewordene Brille schaue, umdröhnt vom Lärm der neuen Zeit, und frage mich: War es leicht für diese Menschen, die wir unsere Eltern oder Großeltern nennen, sich in all diese Umstellungen Hineinzuheben? Haben wir Ursache, so ein wenig von oben herab auf diese Alten zu schauen, die unmöglich gleich diesem höllischen Tempo gewachsen sein konnten, das dieser Rattenkönig umwälzendster Erfindungen, Entdeckungen mit sich brachte? Nachher zu reden und zu raten, dazu gehört nicht viel! — Ach, wie alt muß man werden, um.seinem Vater, seiner Mutter gerecht zu werden! Und wie ich versonnen die Brille meiner Mutter in bas abgeschabte Futteral zurückstecke, ist es mir, als wispere eine liebe Stimme: „Du großer, bummer Junge!"
Ladung geht es gegen die erste Stabltur. Dieses mutige Werk vollbringen zwei Pioniere, die nock blitzschnell wieder durch den Flur entweichen können und so den geiabrlichen eigenen Sprengungen entgehen. Ihnen folgen, fast am dem Fuße, zwei Sowjetrusien. von oben bis unten in Rauch eingehüllt und verschmutzt. Gefangene!
Unser Weg gebt unaufhaltsam ins Innere des Werkes weiter. Da — als die ersten beiden Sturmvioniere bereui- stürzen — fallen im Eingangsflur Schüsse. Ein sowiet- russischer Offizier hatte sich hinter den beiden sich ergebenden Soldaten verborgen gehalten und feuert nun wie besesien auf jeden, der sich sehen läßt.
„Flammenwerfer vor! In diesem Augenblick ertönt wieder ein Schuß, der rote Offizier bat sich selbst das Leben genommen. Flammenstrahl nach Flammenstrahl dringt in den Eingangsflur ein, immer wieder gegen die Stahltür, die wir eben nur leicht angesprengt haben. Wir kommen aber nicht in gewünschter Weise vorwärts. Deshalb wieder hinaus! Von unserer Ausgangsstellung her wird ein neuer Flammenwerferangriff vorgetragen, untermischt mit der sprengenden Kraft einer geballten Ladung. Und nochmals rennen wir gegen die Stabltiir. Endlich gelingt unser Vorhaben. Zwei Sowjetrusien, die aus dem Türspalt ber- austaumeln, kommen nicht mehr dazu, ihre Pistolen in Anschlag zu bringen. Qualm und tiefste Dunkelheit erschweren uns den Angriff ungemein. Doch nun können wir den eigentlichen Kampfraum erreichen und ausetnanbetforengen.
Das zweigeschossige Werk
Jetzt scheinen bie stärksten Hinbernisie überwunben zu sein. Aber auch bas ist ein Irrtum! Eine furchtbare Detonation ertönt im Innern, burch sowietrusiische Hanbgrana- ten hervorgerufen. Wie kam bas? Die Befestigungsanlage ist zweigeschossig! Von bei Abstiegklavve aus haben unsere Gegner bie Hanbgranaten in ben Kampfraum geworfen.
Hier bewähren sich aufs neue bei persönliche Mut unb Me starken Nerven iebes einzelnen Sturmpioniers. Noch einmal müssen sie sich in bas bunkle. unbekannte Gewirr von Gängen unb Winkeln hineinwagen. Die Abstiegklapve bezwingen sie, ohne baß feinblicher Widerstanb entgegentntt. Die Klappe wirb geöffnet. Wir rufen der eingeschlosienen Besatzung zu, daß sie sich ergeben soll. Doch sie antwortet nur mit neuen Schüssen.
Da hilft nichts anderes, als wieder eine geballte Ladung vorzutreiben. Als aber auch das keinen Euolg nut sich bringt, wird auf bei Zwischenbecke eine besonders große Ladung gezündet. Endlich herrscht ringsum Totenstille — die verzweifelte Abwehr des Sowjetrussen ist brs aufs letzte Fünkchen erstickt — unsere Sturmvioniere sind Sieger geblieben. Oberstleutnant Claus.
