Dienstag, 20. Mai 1941
Wiesbadener Tagblatt
Nr. 116 Seite 5
„Gegen diese Waffe ist nicht anzukommen"
Stuka-Angiff aus englische Artilleriestellungen bei Tobruk.
DNB......19. Mai 1941. (PK.) Mit unvorstell -
Baier Zähigkeit sucht der Engländer Tobruk zu halten. Er weis, daß mit dem Fall dieser Stadt, die nichts anderes „ls eine einzige Festung darstellt. Nordafrika für England verloren ist. Noch hat der Gegner hier einen wichtigen Konzentrationspunkt, der Kräfte ausstrahlt, die wir keineswegs unterschätzen dürfen. Deutsche und italienische Kräfte sind aber am Werk, die letzte Stütze britischer Kampfkraft in der Lorenaika zu fällen, zu vernichten. Unsere Artillerie sieht feuerbereit, Panzer rollen nach vorne, und gleich werden Stukaflieger zu neuem Einsatz an die Maschinen gehen. ,
Unter freiem Himmel halten wir Einsatzbeivrechung. Die Staffelkapitäne bezeichnen die Punkte, die es zu ..bearbeiten" gilt. Sie müssen genauestens eingehalten werden, denn der Engländer hat deutsche Gefangene in die Nähe einiger der w i ch t i g st e n Ziele gebracht. Also Vorsicht. Einwandfrei erkennen und sicher zielen! Das ist, vom MG.-Feuer und Flakbeschutz umgeben, durchaus keine leichte Aufgabe. Aber ein geübter Stukaflieger meistert auch sie.
Endlich ist so weit. Wir klettern in unsere Maschinen, nehmen noch die guten Wünsche der Kameraden entgegen, dann rollt ein Vogel nach dem anderen über den roten Wüstensand, zieht eine lange, aufsteigende Sandwolke hinter sich her und bebt sich dann in die Luft.
Unter uns sehen wir das seit Wochen gleiche Bild: Wüste mit spärlichem Graswuchs. Sand. Stein, da und dort deutsche Stellungen, abgestürzte Flugzeuge, verschossene und ausgebrannte Panzer und Kraftwagen. Wir gehen höher. Die Stellungen, die wir jetzt überfliegen, sind englische. Es beißt mörderisch aufpassen. Vor allem müssen wir uns vor britischen Jägern hüten. Gewöhnlich kommen Re uns hier schon entgegen. Heute läßt sich noch keine Hurricane blicken. Sollten sich unsere Schläge schon auswirken?
Unter uns, weiß und schimmernd, taucht jetzt Tobruk auf. Ein herrliches Bild: Die belle Wüste, das blaue Meer und die blendend weiße Stadt. Aber wir baben keine Zeit, uns dieses Aauarells zu erfreuen. Rasendes Feuer der Flakartillerie umzischt uns. Wir jagen mitten hindurch und fast senkrecht auf eine Artilleriestellung los. Wenige hundert Meter über dem Boden klingt der Flugzeugführer die Bomben aus, fängt die Maschine ab und reißt sie sofort wieder hoch. Volltreffer! kann ich gerade noch erkennen, dann machen wir uns schon wieder fertig zum nächsten Sturz. Diesmal gilt unser Angriff einem englischen Zeltlager. Eine riesige Sandfontäne steigt nach unserem Bombenwurf auf, Flammen schlagen hoch — wir lassen auch hier nur ein Cbaos zurück.
Unser Auftrag ist erfüllt. Wir winden uns durch gutliegendes Flakfeuer hindurch. Plötzlich läßt der Beschuß nach, aber eine Hurricane ist uns dafür dicht auf den Fersen. Wir hängen sie durch einen Sturzflug ab. Glücklich erblicken wir unseren Wüstenhafen.
So machen wir Tobruk mürbe. Immer wieder treffen unsere Bomben Zeltlager, Truppen- und Eeräte-Änsamm- lungen, Artilleriestellungen und Panzereinheiten. Gemeinsam mit Zerstörerstaffeln und italienischen Verbänden zerschlagen wir die letzte Zufluchtsstätte des Feindes in Libyen. Unaufhörlich rollen unsere Angriffe über Tobruk. Die Hammerschläge unserer Luftwaffe zermürben den Gegner, während sich der ei s e r n e Ring von Panzer und Infanterie immer würgender zusammenzieht. Nicht unsonst sagte ein gefangener englischer Volksschullehrer aus: ..Wir baben auf den Sieg geglaubt, bis wir die ersten Stuka- und Panzer-Angriffe mit erleben mußten. Da wußten wir: Gegen diese Waffe ist nicht anzukommen." Kriegsberichter Kurt K a n i tz.
Deutsch-rumänische Schicksalsgemeinschaft
Vesandter von Killinger besichtigte das Volksdeutsche Siedlungsgebiet um Kronstadt
Bukarest. 19. Mai. Der deutsche Gesandte in Bukarest,- Manfred Freiherr von Killinger, besuchte am Samstag und Sonntag das volksdeutsche Siedlungsgebiet um Kron- ft ab L In 3er Gemeinde Neustadt nahm von Killinger auf einer großen Kundgebung der deutschen Volksgruppe das Wort. Dabei kam er auf das Verbältnis der Volksgruppe zum rumänischen Staat zu sprechen. In einer Zeit, die klare Entscheidungen verlange, so sagte er dabei u. a., habe König Earol versucht, das Deutsche Reich zu hintergeben. Damit babe er Rumänien ins Unglück gestürzt. General Antonescu habe das rumänische Schicksal klar mit dem Schicksal Deutschlands verbunden, und zwar auf Gedeih und Verderb. Das werde erwidert durch eine ebenso klare Einstellung Deutschlands zum rumänischen Staatsführer. Wenn General Antonescu sich in seinem Amt auf Bauern und Soldaten stütze, so sei auch der deutsche Bauer mit in erster Linie berufen, durch seine Arbeit zur Festigung des Staates beizutragen. Die Zeiten seien endgültig vorbei, in denen deutsche Menschen als zweitklassig behandelt werden könnten. Selbstverständlich sei aber jeder verpflichtet, das Gesetz bis zum letzten zu erfüllen: jeder könne dann auch erwarten, daß ihm Recht geschehe. Der Gesandte schloß mit dem Aufruf, dem Bekenntnis zum deutschen Freiheitskamvf auch das Bekenntnis zur Freiheit aller durch das Schicksal mit uns verbundenen Völker anzuschließen.
Kurze Umschau
Der 1375 BRT. große in englischen Diensten fahrende norwegische Dampfer „N y l a n d" ging nach Pressemeldungen verloren.
Der ägyptische Dampfer „Zamzam" (8299 BRT.). der im Dienste Englands fuhr und sich auf dem
Wege von Amerika nach Kapstadt befand, ist überfällig und roirb als verloren angesehen.
Im Zuge der spanischen Kabinettsumbildung wurden Don Benjumea zum Finanzminister. Miguel Primo de Rivera zum Landwirtschaftsminister und Don Juan Jose zum Arbeitsminister ernannt. Es bandelt sich bei allen dreien um alte F a l a n g i st e n.
An Bord des im Hafen von Gibraltar liegenden beschädigten britischen Panzerkreuzers „R e n o w n" sind^wie bier bekannt wird, noch nachträglich 10 englische Matrosen. die bei den Kämpfen im Mittelmeer verwundet wurden, g e st o r b e n.
Nach englischen Blättermeldungen wurden 7 0 0 A n - Hänger der Mosley-Partei verhaftet und auf der Insel Man interniert.
In dem seit Jahren zwischen Peru und Eauador bestehenden Erenzstreit haben Brasilien. Argentinien und USA. ihre Vermittlung angeboten. Eauador nahm den Vorschlag an, Peru nur unter Vorbehalt, da man dort den Bemühungen Roosevelts mißtraut.
Wirt schäft steil
Ungerechtfertigt hohe Preise
„Im Kriege bedeutet es einen besonders schwerwiegenden Verstoß gegen die Belange der Volksgemeinschaft, wenn gewissenlose Elemente durch Forderung ungerechtfertigt hoher Preise ihren eigenen Vorteil Über das Gemeinwohl stellen. Ungesetzliche Preisforderungen müssen schwerste Schäden sowohl für die Kriegswirtschaft wie für den Einzelnen zur Folge haben: sie tragen, wie die Erfahrungen des Weltkrieges gelehrt baben, Unruhe in die Bevölkerung und in die Wirtschaft und können die Widerstandskraft und den Wider- standswillen der Bevölkerung zersetzen. Einem so gefährlichen — unter Umständen an Landesverrat angrenzenden —
Verhalten muß mit aller Schärfe entgegengetreten werden. Diese Ausführung enthält eine allgemeine Verfügung des Reichsiusiizministers. die auch auf das Verfahren der Preisverstöße näher eingeht. Das Eingreifen gegen bte.. -Biets« fünber kann sich auf eine Reibe von Verordnungen stutzen, io auf diejenigen über das Verbot von Preiserhöhungen, über Kriegsoreife. über Strafen und Strafverfahren. Zuwiderhandlungen gegen Preisvorschriften und die Kriegswirtschaftsverordnung.
Nach der Kriegswirtschaftsverordnung muffen Preise und Entgelte für Güter und Leistungen jeder Art nach den Grundsätzen der kriegsveroflichtenden Volkswirtschaft ge- bilbet werben. Danach ist jeber wirtschaftende Volksgenosse vervflichtet. seine Preise ständig mit der durch den Krieg tut die Volksgesamtheit geschaffenen Lage in Einklang zu bringen und zu halten. In subjektiver Beziehung muß von jedem angenommen werden, daß er weiß, daß die Versorgungsschwierigkeiten des Krieges nickt dazu benutzt werden dürfen, um andere zu benachteiligen oder sich selbst Vorteile zu verschaffen. Auf Unkenntnis des Verbotes der Kriegswirtschafts- Verordnung kann sich daher niemand berufen. Die Mehrzahl der Verfehlungen gegen Preisvorsckrifien wird durch die zuständige Verwaltungsbehörde durch Ordnungsstrafen geahndet. die in unbeschränkter Höbe zulässig sind und in empfindlicher Höbe festgesetzt ■ su werden pflegen. Den Verwaltungsbehörden steht der erste Zugriff zu: die Verfolgung durch die Justizbehörde tritt nur auf Verlangen der Verwaltungsbehörden ein. Erfolgt die Abgabe an die Justizbehörden mit Rücksicht auf Zweifel Über die Sach- oder Rechtslage oder auf Zusammentreffen der Preisverletzungen mit Straftaten des kriminellen Strafrechts, so darf die ge- richtlicke Strafe keinesfalls niedriger sein, als es die Ordnungsstrafe gewesen wäre. Haben aber die Preisbehörden den Antrag auf gericktlicke Verfolgung gestellt, weil sie eine Ordnungsstrafe in Geld als nicht mehr ausreichend anseben. so wird die Staatsanwaltschaft von der Befugnis, die Anklage vor dem Sondergericht zu erbeben, in der Regel Gebrauch zu macken haben, wenn mit einer Freiheitsstrafe von mebr als einem Jahre zu recknen ist. Im Übrigen gebietet es die Notwendigkeit. Preisstrafsacken mit größtmöglfcker Beschleunigung zur Aburteilung zu bringen, das Verfahren nickt vor der Strafkammer, sondern vor dem Amtsgericht durchzuführen, und zwar, soweit angängig, in beschleunigtem Verfahren In besonders sckweren Fällen wird die Todesstrafe zu beantragen sein. Kegenijber gewissenlosen Preis- tre'bern ist häufig auch die öffentliche Brandmarkung durch Bekanntmachung des Urteils angezeigt. Je schneller die Strafverfahren durchgeführt werden, desto sicherer wird erreicht. daß eine die innere Front gefährdeube Preistreiberei nicht aufkommt.
Berliner Börse vom 20. Mai. Bei Festsetzung der ersten Notierungen schwächten sich die Kurse überwiegend leicht ab. Es zeigte sich allerdings weiterhin etwas Kaufinteresse, so daß die Kursgestaltung uneinheitlich war. Die Umsätze haben sich eher wieder verringert. Den größeren Rückschlägen lagen nur geringe Orders zugrunde. Harpener gewannen 1% %, Stolberger Zink büßten. 2% % ein, Ilse-Cenußscheins IX %. Farben setzten % % niedriger ein und bröckelten alsbald um weitere % % ab. Gold- schmidt verloren 1% und v. Heyden 2 %, ebenso Eonti-Eummi 2 und Deutsche Linoleum 2% %. Süddeutsche Zucker plus 3 %.
Frankfurter Börse vom 20. Mai. Die Stimmung war etwas unsicher und die Kurse gaben anfangs teilweise mehrprozentig nach, konnten jedoch im Verlauf wieder aufholen. Sehr fest une zirka 5 % höher VDM., dagegen verloren Eonti-Gummi 3. Daimler 2, Hoesch, Holzmann. Berger und Rheinmetall zwischen 1—1% %. Renten waren wenig verändert. Der Aklienfrerverkehr fast umsatzlos. Tagesgeld unverändert 1% %.
Notierungen vom 19. Mai. Berlin: Reichsaltbesitz 161% bis 161%, Gemeindeumschuldung 102%, 4 % Reichsanleihe 103%, Vereinigte Stahlwerke 146, JE. Farben 197%; Frankfurt: Süddeutsche Zucker 302, Rheinmetall 170%, VDM. 265, Zellstoff Aschaffenburg 157%, JE. Farben 197%, Bereinigte Stahl 145%, Daimler 188%, Eonti-Cummi 345%, Holzmann 245, Zement Heidelberg 209%; am Einheitsmarkt: Mainzer Aktienbierbrauerei 163%; im Freiverkehr: Dinaler 143, Emling Sekt 117; am l Rentenmarkt: Späte Reichsschuldbuchforderungen 104%, Eemeinde- itmschuldung 102%, Steuergutscheine I 104%.
Für die überaus reichen Ehrungen und alle guten Wünsche sowie die herrlichen Blumenspenden zur Vollendung meines 90. Lebensjahres spreche ich hiermit allen- auf diesem Wege meinen tiefgefühlten Dank aus.
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Für die uns beim Heimgang unserer lieben unvergeßlichen Entschlafenen erwiesene Anteilnahme, die schönen Kranz- u. Blumenspenden, Herrn Pfarrer Dr. Borngässer für die tröstenden Worte innigsten Dank.
Im Namen der Hinterbliebenen: Heinrich Tremus
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Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme und die schönen Kranz- u. Blumenspenden beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen unseren innigsten Dank. Besonders danken wir Schwester Valencia für die liebevolle Pflege, sowie allen, die ihm die letzte Ehre erwiesen.
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Wiesbaden, den 19. Mai 1941.
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Beim Einsatz für das Vaterland fand den Heldentod unser lieber jüngster Sohn und Bruder, mein lieber Mann
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Heute verschied nach kurzer Krankheit unser lieber Schwager, Onkel und Großonkel
Dr. ing. e. h. Emil Merwitz
Generaldirektor i. R.
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Im Namen der Hinterbliebenen:
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Wiesbaden, Dillenburg, Bad Nauheim, Düsseldorf, Kaiserslautern, Halle a. S., den 16. Mai 1941.
Die Einäscherung findet in aller Stille statt.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang meiner lieben Frau und Mutter sagen wir unseren innigsten Dank. Besonders danken wir Herrn Pfarrer Fries für die liebreichen Worte, dem San.-Zug und der Kranken-Transport staffel, auch allen Freunden und Bekannten, sowie für die Kranz- und Blumenspenden.
Julius Löffler u. Kind Annemarie
Wiesbaden, den 16. Mai 1941.
Hartingstr. 5
