Wiesbadener Tagblait
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Unterhaltungsbeilage Berlin« Büro: Berlin-Wilmersdorf
Nr. 93
Dienstag, 22. April 1941
89. Jahrgang
vor dem valKan-vünKIrchen
Deutsche Kampfflugzeuge zerschlagen britische Truppentransporter, auf die sich die englischen Divisionen flüchten - 31000 BRT. wurden versenkt - Der deutsche Vormarsch nach Süden und Westen geht unaufhaltsam weiter - Joannina erreicht, Volos besetzt
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Die englische Kritik sucht nach Schuldigen
unterer Berliner SLriitleitung)
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Großbritannien als Wirtschaftsmacht erledigt
Mexikanisches Wirtschastsblatt rechnet mit dem Sieg Deutschlands
Mexiko, 22. April. (Funkmeldung.) Die im allgemeinen besonders USA.-freundliche mexikanische Wirtschaftszeitung „El Economista" stellt in einer Betrachtung erstmals die Möglichkeit eines deutschen Sieges in Rechnung. Das Blatt hält das Verschwinden Großbritanniens als Wirtschaftsmacht für sicher, ganz gleich wie der Krieg auch ausgehe. Es begründet diese Annabme mit der gründlichen Zerstörung der englischen Produktionskraft durch die deutschen Luftangriffe.
Der Knabe Peter, der sich in der peinlichen Lage befindet, nach vierzehntägiger Regierung von Englands Gnaden als König ohne Land dazusieben, war offenbar der Ansicht, dah
(6 iaener Drahtbericht
Der „siegreiche" Rückzug
den Feindes. Italienische Kräfte verfolgten von Norden her ' ab zäh kämpfenden Feind.
Über Lari Isa trotz zahlreicher Stradenzerftörunge» weit nach Süden oorgeitohene deutsche Truppen nahmen die Stadt Lama tLamia). Die südostwärts Larissa gelegene Hafenstadt Bolos wurde nach Überwindung des Feind- widersiandes besetzt.
An der griechische» Front verlor der Feind elf britische Jagdflugzeuge vom Mutter Hurrikane im Luftkampf und fünf weitere vom gleiche» Muster durch Tiefangriffe auf dem
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die deutschen Truppen in kühnem Vormarsch weiter nach Eiden vor Auä. h.er haben sie mit Gelände.chwrerig- feiten zu kommen ti» bestimmt nicht geringer, eher noch gröber sinh als die. die in Bulgarien und Jugoslawien überwunden werden mubteu. Die Engländer bemühen sich nicht mehr, ihren neuen Rückzug zu leugnen. Sie gestehen ein, dah sie sich aus der Flucht befinden und stimmen nun die alte Dünkirchen-Melodie wieder an. Man spricht von der „brillanten Rückzugsdeckung". die die australischen und neuseeländischen Truppen den Engländern gewährt (dieser Einsatz der Australier und Neuseeländer isi kennzeichnend). Man erklärt ferner, dah der Rückzug besonders schwierig gewesen sei und nur dank der Entschlossenheit der britischen Truppen ausgeführt werden konnte. Auf diesen Ton ist ine gesamte englische Presse gestimmt. Das Lied von Dünkirchen, das Lied von dem siegreichen Rückzug wird überall in. den englischen Blättern wieder gesungen. Die erfolgreichen Angriffe der deutschen Luftwaffe aus britische Transporter vervollständigen in einer für England recht schmerzlichen Weise diese Erinnerungen an Dünkirchen.
Sn Ottengland erzielten leichte und schwere Kampfflugzeuge in der Nacht zum 21. Avril auf fünf Flugplätzen Bombenrolltresfer. die starke Brände hervornafe» und abgestellte Flugzeuge zerstörten. , „ . , , , m
Kampfflugzeuge versenkten tn der letzten Nacht im Bristol-Kanal aus einem Seiettym ein Handelsschiff von 8000 BRT.. beschädigten ein zweites grobes Handelsschiff schwer und vernichteten vor der britischen Südwestküste ein Vorvoitenboot.
Bei Sagdvorstöhen gegen die britüche Snsel und Luftkämpfen im Kanalgebiet verlor der Feind drei S^odttug- zeuge und einen Sverrballon. An der Kanallüste wurde ein britisches Kampfflugzeug vom Mutter Bnstol-Blenheim ab- geschosten.
ÜB er dem Reichsgebiet fanden weder bei Tage noch bet Nacht Kampfhandlungen statt.
Bei den Kämpfen in Südserbien zeichnete sich Oberleutnant Sbno Köster bei der Eesechtsluftaufklärung durch kühne ErmndungsflLge besonders aus.
Hauptmann S o v v i n errang feinen 40. Luftsiea.
Am 13. Avril bat sich der Leutnant in einem Krad- fchützenbataillou Hamberg besonders ausgezeichnet, dah er im feindlichen Feuer die vom Gegner vorbereitete Sprengung von neun Brüten verhinderte.
Der Knabe Peter will den Kampf fortfetzen
Theatralischer Aufruf des geflohene» Puvveukönigs von Englands Gnaden
Die englische Öffentlichkeit ist diesmal allerdings offenbar nicht ganz so leicht zu beruhigen wie nach Dünkirchen. „News Chroniele" stellt ebenfalls fest, dah an den Mah- nabmen der Regierung heftig Kritik geübt werde. Man müsse sich auf eine stürmische Unterhaussitzung geiaht machen. Churchill werde die Lage nur meistern können, wenn es ihm gelingt, die schwere Vertrauenskrise zu überwinden, .chie durch eine völlige Unterschätzung der Kräfte und der genialen Fähigkeiten unseres mächtigen Gegners.entstanden." Andere englische Blätter, so z. B. die -Daily Mail" lasten gar keinen Zweifel daran, dah sie den Auhen- minister Eden und General Dill, der Eden auf seiner Reise im Naben Osten begleitete, für die neue englische Katastrophe verantwortlich machen.
Auch in der australischen Öffentlichkeit ist eine starke Unzufriedenheit festzustellen. Hier klagt man vor allem darüber, dah man über den Einsatz der australischen Truppen in Griechenland unzureichend unterrichtet wird Die amtlichen englischen Angaben, auf die man angewiesen fei. lägen zeitlich meist gegenüber den amtlichen deutschen Nachrichten zurück. Es wird aber auch immer wieder bemängelt, dah vor dem Einsatz australischer Truvven tn Griechenland nicht der Kriegsrat etnberufen wurde. Man möchte diese ganzen Dinge im Parlament zur Sprache bringen. doch bemüht sich die australische Regierung, eine solche Parlamentssitzung zu oerbtudern.
Um nun wenigstens mit einem Trost aufmatten zu können, hat die englische Regierung einen Gewaltakt gegen den Irak unternommen. Dieses Land hatte durch einen Regierungswechsel versucht, sich dem englischen (Ein« fluh zu entziehen. Wieder greift nun England ein. wie immer, wenn sich in Bagdad ein Selbständigkeitswille regte. Wir erinnern in diesem Zusammenhang nur an die verschiedenen englischen Mordanschläge auf irakische Politiker, die London unerwünscht waren. Diesmal marschieren britische Truppen gegen den Freiheitswillen des unterdrückten Landes. In London wird dieser neue Gewaltakt beklatscht und als englischer „Erfolg" gefeiert. Man freut sich, dah man einmal irgendwo „zuerst angekommen" ist. ein reichlich billiger Trost int Eesamtzusammenbang der gegenwärtigen Ereigniste. Offenbar hofft Herr Churchill aber auf diese Weise die Aufmerksamkeit etwas von der Niederlage in Griechenland ablenken und die Kritik an der Regierung etwas dämpfen zu können.
Verärgerung in USA.
über die englischen Niederlage» f
Boston, 22. April. (Funkmeldung.) In breiten Kreisen der nordamerikanischen Öffentlichkeit reagiert man höchst verärgert auf die amtlichen und halbamtlichen Berichte vom griechischen Kriegsschauplatz, in denen das ominöse Wort vom „erfolgreichen Rückzug" wieder aufzutauchen beginnt. Ein „erfolgreicher Rückzug' sei bisher stets der Vorbote einer gründlichen Niederlage gewesen. Selbst wenn es gelinge, den größten Teil des britischen Expeditionskorps aus Griechenland herauszubringen, sei aus jeden Fall viel wertvolles Material, das man im nahen Osten dringend brauchen werde, verloren. Noch schlimmer aber sei der nunmehr zu erwartende Prestigeverlust Englands im ganzen Orient. Die Tatsache, dah es notwendig geworden sei, den Irak militärisch zu besetzen, beweise, wie die Stimmung in Vorderasien sich entwickelte.
Der OKW.-Bericht von heute
Berlin, 22. Avril. (Funkmeldung.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Luftwaffe griff gestern in den giechischen Gewässern mit besonderem Erfolg feindliche Schiffe an. die zum Abtransport des vom griechischen Fettland flüchtenden britischen Erpeditionskorps eingesetzt waren. Kampfflugzeuge versenkten — wie z. T. schon bekanntgegeben — sechs beladene Schiffe mit zusammen 310 0 0 BRT. und beschädigten anherdem mehrere Schiffe ko schwer, dah mit dem Berlnst weiteren Schiffsraumes gerechnet werde» kann.
Sn Griechenland fetzte» die deutschen Truvven ihr Vorgehen über das Pindos-Eebirge nach Wetten fort, erreichten die Stadt Joannina und damit die Hauptrück- zugsstrahe des an der italienisch-griechischen Front kämpsen-
Die australische Presie bereitet, wie „Svendska Dag- bladet" aus London berichtet, auch schon ihren Leserkreis auf die bevorstehende restlose Räumung Griechenlands vor.
Die Rückzüge werden immer strategischer
Madrid. 22. Avril. (Funkmeldung.) Auch der Londoner Korrespondent der spanischen Zeitung ABC Calvo schreibt in sarkastischem Ton. von Griechenland berichten die Londoner Zeitungen, dah die Verteidigungslinien von Tag zu Tag kürzer würden und der Rückzug von Tay zu Tag strategischer. Man würdige den geordneten Rückzug der Griechen während die Jugoslawen, wie das bisher immer der Fall sei, von denen beschimpft würden, die selber die Urheber ihres Verrates seien.
Sn Meldungen aus London wird, wie United-Preh ans San Sebastian berichtet, bestätigt, dah infolge des unerwartet schnellen Vordringens der deutschen und italienischen Truppen die geplante Räumung des britischen Expeditionskorps aus Griechenland wahrscheinlich mit einem ähnlichen Berlust an Menschen und Material verbunden sein wird, wie sie in der denkwürdigen Flucht aus Dünkirchen nach der Flandernschlacht zu verzeichnen war.
er für die hohe Apanage, die ihm seine Londoner Geldgeber ausgesetzt haben, auch mal etwas tun muh. So erlies er diesen theatralischen Aufruf, in dem natürlich die übliche Versicherung aller geflohenen Potentaten nicht fehlen durfte, dah er den Kampf nutzer Landes fortsetzen wolle. Dabei darf man den von allen guten Geistern verlassenen jungen Mann daran erinnern, dah seine Vorfahren, auf die er sich zu berufen rangt, während des Weltkrieges ihr Land wenigstens an der Svitze ihrer Soldaten kämpfend verlosten haben. Dah für ibn und die von ihm als „legale Vertreter des Volkes" bezeichneten Putschisten statt der Kapitulation auch so etwas wie ehrenvoller UiKergang batte in Frage kommen können, war bei diesem nach dem englischen „Gentleman-Ideal" erzogenen Puppenkonrg allerdings kaum zu erwarten.
Peter und seine Putschregierung bereits in Jerusalem
Genf, 21 April. Wie Havas aus Beirut meldet, verlautet aus Jerusalem, daß König Peter von Serbien in Begleitung General Simowitschs, des Vizepräsidenten, des Auhenminifters und des Hofministers dort eingetroffen fei. Das Flugzeug des Königs fei auf dem Flug nach Alexandrien «gegriffen und ein Minister dabei getötet raorden,
Genf. 22. Avril. (Funkmeldung.) Wie man von einem Korresvondenten Reuters „irgendwo im mittleren Orient" erfäbrt. hat „König" Peter von Jugoslawien am Tag seiner Abreise aus Jugoslawien eine „Proklamation an sein Volk" erlösten, in der er ihm versichert, dah er den Kampf roeiter» führen werde, bis er im Triumph nach seinem Land zurück- kebren könne. In der Proklamation beiht es:
„Obwohl ich gezwungen bin. angesichts der überlegenen feindlichen Streitkräfte den Boden unseres Vaterlandes zu verlosten, habe ich nicht die Absicht, den Kampf aufzugeben. Die Ehre unserer Flagge ist gerettet. Dem Beispiel meiner groben Vorfahren folgend werde ich das Banner Jugoslawiens bis zu meinem letzten Atemzug Hochhalten." König Peter sprach den von ihm feige im Stich gelassenen Serben. Kroaten und Slowenen keinen Dank dafür aus. dah sie ihr Königreich kn der Stunde ernster Gefahren verteidigt hätten. In der Proklamation wird fchliehlich auch erklärt, dah der König und die Regierung den jugoslawischen Boden verlosten batten, damit man nicht sogen könne, dah die „legalen Vertreter des Volkes kapituliert" hätten.
Berlin, 22. Avril. In Griechenland chen Truppen in kühnem Vormarsch weite. ..
Auck. hier haben sie mit Gelände.chwl reu ti» bestimmt nicht geringer, eher
Bulgarien und Jugoslawien i Die Engländer bemühen sich
Flu°vla<» A g r i n i o n.
Sn Nordafrika konnte ein feindlicher Borttoh auf Sollum und ein gleichzeitiges ßanäungsuntetnenmen bei Bardia unter schweren Berlutten für den Feind aogeroteicn und eine Anzahl Gefangener gemacht werden. Erneute Aus- muoersuche feindlicher Panzerkamvfwagen aus-’ Tobruk scheiterten. Deutsche und italienische Sturzkampfflugzeuge bombardierten hier mit guter Wirkung drei grobe Handelsschiffe. ron denen eines durch Brand vernichtet wurde.
Starke Kamvffliegerverbäude belegten in der letzten Nacht bei gutem Angriffswetter abermals den Kriegs- Hafen Plvmouth mit Spreng- und Brandbomben. Es entstanden Erotzfeuer in den Werftanlagen und Lagerhäusern sowie heftige Explosionen anf dem Gelände des Gaswerkes.
Weitere erfolgreiche Luftangriffe richteten sich gegen de» Hafen Great Aarmouth und gegen Flugplä.e in Südengland. Salle» und Unterkünfte wurden zerstört.
Borbereitunq auf die Katastrophe
Stockholm, 22. Avril. (Funkmeldung.) Die englische öffentliche Meinung ist jetzt wie der Londoner Korresvondent der Stockbolmer Zeitung „Sagens Ryheter" meldet voll und ganz auf eine Flucht Englands aus Griechenland vorbereitet, wenn auch einige Militärs immer noch honten, einen Brückenkopf auf dem südlichen Balkan holten zu können! Bisher weih London aber, wie aus dem gleichen Bericht des fchwedifchen Blattes hervorgeht, noch nichts von der bereits begonnenen Flucht der englischen Streitkräfte uom Balkan. Die Londoner Schilderungen von der Balkanfront zeigen im übrigen so starke Abweichungen voneinander, dah. wio der schwedische Korrespondent meldet, eine sichere Beurteilung der Lage aut dem Balkankriegschauvlatz überbaust nicht möglich sei. Auch über den Verlauf der neuen englisch-griechischen Front ist in London bisher nichts bekannt. auSer der Angabe, das sie 12 0 Kilometer lang sein soll. Während die Katastrophe in Griechenland immer unvermeidlicher erscheint, versucht man. wie aus dem gleichen Eigenbericht heroorgebt. dem englischen Volk klar zu machen, dah England eine Niederlage auf dem Balkan überwinden könne, während die Verteidigung von Ägovten absolut lebenswichtia ist.
Auch der Londoner Vertreter des schwedischen Blattes „Soeiol-Demokraten" schreibt, dah die Aussastung Londons alles andere als ootimistiich sei. Viele Tageszeitungen erklärten am Montag, dah man nicht über das Eintreffen weiterer schlechter Nachrichten überrascht
